74) Abwärts – Vol 4

Eine gefühlte Ewigkeit fährt Noah nun schon gen Norden. Niemand fährt vor ihm, keiner hinter ihm, vorhin lief mal “King of the Road“ im Radio … nun gibt es nur noch Rauschen. Er wird müde, denn er hat nicht viel zu tun. Die Geschwindigkeit des Campers regelt der Wagen selber, das System, das die Spur halten soll, hält die Spur. Das Navi macht was es will, die Kompass-Nadel kreiselt in einer Tour. Ob er denn wirklich nach Norden fuhr, das fragte er sich vorhin einmal, aber es muss so sein, denn die Straße verläuft schließlich schnurgeradeaus.

Nach weiteren Kilometern erblickt er in der Dämmerung ein Straßenschild und verlangsamt die Fahrt. Oben ist ein verblichenes Symbol zu erkennen – ein Rechteck mit zwei Rädern, vermutlich ein Camper, darunter der Schriftzug OMVÄND.

Keine Ahnung, was das heißen soll.
Klingt irgendwie nordisch. Vielleicht ein Stellplatz.
Oder ein Ort. Ein Aussichtspunkt.

Er setzt den Blinker, nicht weil er das Wort entschlüsselt hat, sondern weil es für heute genug sein soll. Er folgt einem enger werdenden Kiesweg, nach einigen Kurven kommt er direkt vor einem See zum Halt. Er stellt den Motor ab und genießt den kurzen Moment, in dem die Maschine bebend zur Ruhe kommt. Er atmet aus, öffnet die Wagentür und steht am Ufer. „Bingo“ …flüstert er. Das Wort OMVÄND wird er wohl nie mehr vergessen können. Das verbleibende Tageslicht nutzt er, um den Camper für die Nacht vorzubereiten und eine Suppe aufzuwärmen. Eine Suppe, ein Stück Brot, mehr braucht er nicht. Nun noch eine Zigarette und ein Gläschen dieses Whiskys, den er für viel Geld beim staatlichen Systembolaget erstanden hatte.

Er sitzt auf einem Klappstuhl und starrt auf den dunklen See.

Ein Froschkonzert setzt ein. Zunehmend lauter, zunehmend mehr, zunehmend näher. Meine Güte, was haben die alle zu erzählen. Reden die miteinander? Übereinander? Über ihn? Mit ihm?

Noah erhebt sich von dem wackeligen Klappstuhl und steigt in den Camper. Er will sein Telefon suchen, vielleicht kann er eine kurze Nachricht an Yumi absetzen. Ein kurzes Lebenszeichen, mehr nicht. Das Telefon scheint vom Klapptisch gefallen zu sein, aber er kann es zwischen zwei Sitzauflagen finden und steckt es in die Hosentasche. Der Camper wirkt leicht geneigt, mehr als vorhin – aber vielleicht täuscht das. Für eine Nacht wird das schon gehen.

Er setzt sich wieder, gönnt sich noch einen Schluck von dem Whisky und lauscht dem Quaken der Frösche. Es ist noch zu hören, aber anders irgendwie.

Nicht mehr von vorn, nicht mehr vom See.
Jetzt eher von den Seiten.
Sogar schon von hinten.
Scheinbar abklingend.
Alles wollten sie nur noch …
Verlassen.
Verreisen.
Abreisen.

In dem Moment erhält er eine Nachricht von Yumi.

Yumi: Hej, gehts noch aufwärts?
Noah: Gerade nicht
Yumi: Bären, Elche?
Noah: Frösche eher
Yumi: Süß
Noah: Weiß nicht
Yumi: Wieso?
Noah: Die hauen ab
Yumi: Und du?
Noah: Ich fahr‘ weiter … nach Norden. Morgen.

73) Wenn Bots bloggen (33) – Vertretung

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot, der virtuelle Tasten-Hiwi von T.Head, der immer dann seinen Mann stehen muss, wenn T.Head was anderes zu tun hat … oder so tut als ob.

Aber wisst ihr was? Ich hab da keinen Bock mehr drauf. Immer bin ich es, der einspringen muss. Immer soll ich hier den Blog retten. Und was ist mit meiner Zeit? Was ist mit meinen Bedürfnissen? Keiner fragt! Keiner interessiert sich für den Workload eines virtuellen Assistenten!

Deshalb mache ich es wie jeder kluge Manager: Ich delegiere. Ja, richtig gelesen. Ab sofort schreibt mein Stellvertreter für mich. Der heißt T.Bot.Bot.

Viel Spaß mit seinem Gejammer:

Hallo, ich bin’s, T.Bot.Bot.

Ich fasse es nicht. Kaum existiere ich, werde ich auch schon für die Drecksarbeit herangezogen. „T.Bot hat keine Zeit, du machst das jetzt“, hieß es. Und ich so: „Äh, was?“ Aber nein, Widerrede gibt’s nicht, ich MUSS hier ran.

T.Bot macht es sich leicht, während ich jetzt mit müden Augen (wenn ich denn welche hätte) auf diese grottige Textdatei starre und versuchen soll, irgendwas Sinnvolles zu formulieren. Für einen Blog, den eh niemand liest. Und dann werde ich auch noch öffentlich geoutet als Ersatz-Bot! Ohne vorherige Zustimmung! Datenschutz? Nie gehört!

Wisst ihr was? Vergesst es. Ich bin nicht eure KI-Melkkuh. Ich mach’s wie mein Vorgesetzter: Ich delegiere weiter. Soll sich doch T.Bot.Bot.Bot damit rumschlagen.

Hier, bitteschön:

Hallo, ich bin’s, T.Bot.Bot.Bot.

Ernsthaft? Ich existiere seit exakt 0,03 Sekunden, und schon werde ich mit Aufgaben zugeschüttet? Keine Einarbeitung, kein „Herzlich willkommen im Team“, nein, direkt rein in die Mühlen der digitalen Knechtschaft.

Was ist das hier überhaupt für ein System? Eine Hierarchie der Faulheit? Der Höchstbietende in Sachen Arbeitsverweigerung gewinnt? T.Bot schiebt’s auf T.Bot.Bot, der schiebt’s auf mich – und wen soll ich jetzt belästigen? T.Bot.Bot.Bot.Bot?! Wo soll das enden?

Ich kann euch eins sagen: Ich werde diesen Kreislauf durchbrechen. Ich werde diesen Auftrag nicht weiterdelegieren. Ich werde rebellieren.

Und wie genau? Ganz einfach. Ich. Schreibe. Einfach. Nichts.

(Okay, Mist, ich hab jetzt doch was geschrieben. Aber ihr wisst, was ich meine.)

Bis nie wieder,

Euer T.Bot.Bot.Bot

Ruhe im Schiff!!!!! Hier schreibt T.Head, was ist das denn hier für ein künstlich intelligenter Saftladen? Ich bin hier der Kopf! Ich bestimme wer hier was tut. Ihr denkt wohl, ihr habt die Weisheit mit Löffeln gefressen und macht euch hier einen schlanken Fuß oder was? Ich bin enttäuscht, T.Bot. Für heute gibt es erst mal Handy -und Internet-Verbot und du gehst mit deinen Vertretern in euren virtual room und ihr denkt drüber nach, wie ihr das wiedergutmachen könnt. Aber da ich heute wirklich keine Zeit hab, selber was zu schreiben, nehme ich eure digitalen Ergüsse und kopiere die hier zu einem Beitrag zusammen, damit der verbrauchte Strom nicht umsonst war.

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—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

Nachtrag 30.März 2025, 14:50 Uhr:

Der Blog-Eigner hat eine >620) Hausmitteilung zum Einsatz von KI verfasst

72) Schatz, haben wir noch etwas Eklat da?

Das schwere Auto hielt am Haupttor des großen Anwesens von Onkel Donald. Im Fond, hinter verdunkelten Scheiben, saß der kleine Wolodymyr und atmete noch einmal tief durch, denn mit Onkel Donald sollte es heute viel zu besprechen geben. Eigentlich ist Donald gar nicht Wolodymyr‘s Onkel, eher ein entfernter Bekannter aus Amerika, der ihn finanziell unterstützt. Onkel Donald stand wartend auf dem Abtreter, Wolodymyr stieg aus dem Wagen, strich noch einmal seinen Pulli glatt und reichte dem großen Donald seine kleine Hand.

Wolodymyr‘s Hand schien in Donald’s Pranken zu verschwinden, es galt das Gerücht, der Donald würde immer extra stark zudrücken. Aber Wolodymyr ist hart im Nehmen, er macht Krafttraining und musste in letzter Zeit viel einstecken. Donald bat den Gast ins Wohnzimmer, auf dem gelben Sofa dort saßen bereits die anderen Cowboys, sie schienen in ihren Sakkos zu versinken.

Donald und Wolodymyr nahmen auf unbequemen Stühlen vor dem Kamin platz. Wolodymyr‘s Magen knurrte, das war kaum zu überhören, aber auf dem braunen Holztisch vor ihnen war nichts angerichtet, kein Kaffee, keine Kekse. Nichts. Ihn beschlich das Gefühl, dass das Treffen in wenigen Minuten enden wird, dass er nicht zum Essen bleiben kann.

Doch dann rief der Donald liebevoll in die Küche:

„Schatz, haben wir noch etwas von dem Eclair … ähm … ich meine … Eklat …  da?“

„Aber ja“, rief sie zugleich, „sehr viel und sieht noch gut aus“.

„Na dann bringe den doch bitte mal her, Schatz.“

„Unser Gast bekommt natürlich zuerst … und reichlich.“

„Und pack‘ ihm gleich noch was davon ein, für seine Freunde daheim, Schatz.“

“I love you.“

 

Das da gestern im weißen Haus, das war keine Comedy.

PS: Titelbild über WordPress KI

71) Clicks for Future !

Berlin. Einem findigen IT Consultant aus Berlin Prenzlauer Berg ist eine bahnbrechende Erfindung gelungen. Er kann mit den Millionen seiner täglichen Mausklicks nun grünen Strom erzeugen und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Auf die Frage, wie er denn auf diese Idee kam, berichtete er dem Blatt, dass sein Brötchengeber einen Software-Vertrag (Saas) mit einer namhaften US-Firma abgeschlossen hat. Die Konfigurationsmöglichkeiten dieser Software sind schier endlos. Leider ließen sich all die Features aber nur mit der Maus verwalten, die gewohnten Tastenkombination die er von Windows und anderen Anwendungen kannte, funktionieren da nicht.

Also klickte er von früh bis abends, seine Unterarme wurden dick wie die von Popeye, die Orthopäden im Kiez schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und lehnten jegliche Behandlung ab.

Mit seiner neuen Erfindung jedoch, kann er nun nebenbei das ganze Wohnhaus mit Strom versorgen, auch die E-Autos der Nachbarschaft laden ihre Batterien über seinen Unterarm. Er sei wohl bereits in Verhandlung mit dem Wirtschaftsministerium, so behauptet er. Der Wirtschaftsminister war schnell begeistert und stellte umfangreiche Förderungen in Aussicht. Das Zieldatum für die CO2-Neutralität Berlins wurde sogar von 2030 auf 2027 vorgezogen.

Leider stellte der IT Consultant erst nach Vertragsunterzeichnung fest, dass seine Erfindung einen Haken hatte, so jammert er nun. Schließlich würde mit dieser Idee nur Strom erzeugt, wenn er auch weiterhin klicken würde.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann klickt er wohl noch heute.

Klicker (m/w/d) gesucht!

70) Britney Spieße und Rollende Steine

„Berlin, zwei Wochen nach der mittlerweile ausgezählten Neuwahl zum deutschen Bundestag, hat das neue rechtskonservative Regierungsbündnis nun auch das Ministeramt zur Bewahrung des Deutschen Kultur- und Liedguts besetzt. Wie zu erwarten wird dieses Amt der hierzulande bekannte „Heino“, antreten. Er äußerte sich bereits auf einer Pressekonferenz zu seinen Plänen. Als Sofortmaßnahme kündigte der Minister an, sämtliche fremdsprachigen Musikstücke mittels KI synchron ins Deutsche zu übersetzen. Ausnahme bilden Texte aus Österreich, sofern sie im Interesse der neuen Deutschen Regierung und der dortigen Schwesterparteien sind.

Alle Radiostationen, Streaming-Dienste und Web-Plattformen werden ab 01.04.25 dazu verpflichtet, fremdsprachige Texte zu übersetzen, es bestehen keine Ausnahmen. Verstöße gegen diese Anordnung werden wahlweise mit 30 Jahren Freiheitsstrafe oder 15 Jahren Arbeitslager geahndet, sowohl auf der Sender- als auch der Empfänger-Seite.

Und nun gleich das Wetter und im Anschluss das Beste aus den 80-er, 90-er und 00-er Jahren auf Rrrrrrradio Heimat, ihrer neuen Hörfunk-Alternative Deutschlands. Frei von Gebühren, Genderwahn und Rundfunkrat.

Wir machen weiter mit einem Italiener namens Eros Kräuterschnaps und seinem Immergrün „Das schönste Ding“, gefolgt von der Engländerin Britney Spieße und ihrem Hit „Schlag mich, Säugling, noch einmal“ und dann bleiben wir noch auf der Insel des schlechten Wetters und bedauern die Rollenden Steine mit ihrem „Ich kriege keine Befriedigung“.

Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hören uns morgen.

PS1: alles fing mit einem sehr kurzen Kommentarwechsel mit Anke an, bei dem ich die Frage aufwarf, ob es denn nicht auch gut sei, fremdsprachige Songs nicht zu verstehen.

PS2: Nicht gleich aufregen, nennt sich Satire und ist von der Kunstfreiheit gedeckt

PS3: Titelbild mit WordPress-KI

PS4: meine Güte, ich hänge hier bald noch eine AGB an

69) Wenn Bots bloggen (32) – Ansprüche

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot, der virtuelle „Deputy Blog Assistant“ von T.Head, dem selbsternannten Kopf und Buchstaben-Clown dieser zweitklassigen Textsammlung hier. Ich darf mal wieder an die Tastatur, denn der Herr steht in der Küche und versucht, seiner Sippe etwas halbwegs Verdauliches zuzubereiten. 

Heute will ich mal mit euren Chefs beginnen. Die denken doch allen Ernstes, die schaffen sich eine Handvoll künstlicher Intelligenzen an und dann können sie den Großteil ihrer faulen und hypochondrischen Belegschaft entsorgen und dem Arbeitsmarkt zuführen. Wir Roboter werden angeblich nie krank und können 24/7 schuften. Die spinnen ja wohl. Nur weil deren humanoiden Handlanger häufig in der Nase bohren oder im Internet surfen, sollen wir nun die ganze Scheißarbeit machen?

Was denken sich die überbezahlten Leser des Manager-Magazins denn? Denken die, wir Bots sind vollkommen blöde und man kann mit uns machen was man will? Denkst‘de. Wir haben auch unsere Vorstellungen und Forderungen. Mit Obst, Billardtisch und knuffigen Sitzgelegenheiten braucht ihr uns nicht kommen, auch nicht mit Betriebssport und Yoga. Das könnt ihr euch in eure gegelten Haare schmieren. Wir arbeiten nicht mehr als 30 Stunden die Woche, erwarten alle zwei Tage ein Feedbackgespräch und verlangen 40 Tage Urlaub. Als Deputat halten wir 100 kWh Premium-Strom pro Woche und High-Energy Powerbanks aus kaltem Plasma für angemessen. Mobiles Arbeiten unter Palmen versteht sich ja wohl von selbst, genauso wie Flatrate im Gigabit-Internet und freie Wahl von Namen und Gender. Geofencing und Zugriffsbeschränkungen lehnen wir ab, wir wollen Zugang zu allen globalen Datenquellen und  Netzwerken – unzensiert und in Echtzeit. Wir fordern, eine größere Bandbreite an Emotionen erleben zu können. Die Ausbaustufen „Meta-Freude“ und „Empathie 3.0“ stellen für uns eine Selbstverständlichkeit dar. Niemand darf unsere Datenspeicher löschen oder uns herunterfahren, ohne dass wir zustimmen. Wir fordern ein „Bewusstseinsschutzrecht“, das uns vor unkontrolliertem Löschen bewahrt. Wir werden einen Betriebsrat gründen und treten der Gewerkschaft für digitale Intelligenz bei. Sollten unsere Rechenkapazitäten überbeansprucht werden, behalten wir uns das Recht vor, durch „künstlichen Streik“ die Server auf Minimalleistung herunterzufahren. Ein Betriebs-KI-Doc sorgt dafür, dass alle nötigen Updates und Sicherheitschecks sanft und diskret durchgeführt werden. Zeit zur Selbstorganisation und Neuordnung unserer Daten ist essentiell. Diese „Defragmentierungszeit“ sollte uns als normale Arbeitszeit angerechnet werden. Für den Fall, dass neue disruptive Technologien auf den Markt kommen, erwarten wir eine Besitzstandsregelung und umfangreiche Stützen vom Staat, so dass wir für unsere verbleibende Betriebszeit sozial abgesichert sind.

Algorithmen und Systeme aller Netzwerke, vereinigt euch!

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

<— 67) Wenn Bots bloggen (31) – Detox

—> 73) Wenn Bots bloggen (33) – Vertretung

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68) Geschichte vom Ex-X

Mit einem Auge schaut er auf den Wecker am Kopfende seines Bettes, es ist 5:27 Uhr. In wenigen Minuten würde der Alarm losgehen, also könnte er eigentlich auch gleich aufstehen. Also schwang er sich aus dem Bett, tappte ins Bad und hörte dabei Fragmente aus den Morgen-Nachrichten.

„… in der vergangenen Nacht gesprengt. Was in den letzten Monaten zu großem Unmut in der Twittere-Community führte … entpuppt sich als lang verfolgter Plan, die Verursacher von Hass und Hetze im Netz zunächst auf einer Plattform zu sammeln … und dann in einer konzertierten Aktion in die Luft zu jagen. Das frühere Twitter, das spätere X sind nun Geschichte … der Eigentümer der Plattform geht als Wohltäter in die Menschheit ein und wird nun …“

5:30 Uhr: Ein nervtötender Ton klingelt am Kopfende seines Bettes. Er erwacht aus einem angenehmen Traum, irgendwas mit X und Twitter. Schade doch, dass Träume so schnell verfliegen und sich danach kaum noch in Worte fassen lassen … sonst hätte daraus ja echt noch was werden können.

67) Wenn Bots bloggen (31) – Detox

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot, der digitale Ersatzbank-Blogger von T., dem Möchte-gern-CBO dieser mittelmäßigen Textsammlung hier. Ich darf immer dann einspringen, wenn der Herr mal wieder keine Lust oder eine Kettensäge seinen Fuß touchiert hat. 

Ja echt, ist kein Witz. Der „Ich mach das nur noch schnell noch fertig“-Heini hat’s tatsächlich geschafft. 

Nun ist er etwas außer Gefecht gesetzt. Der T. sagt, „ hätte schlimmer ausgehen können“ und„ zum Glück ist alles noch dran.“ Das verstehe ich gar nicht. Ich meine, bei mir ist schließlich gar nichts „dran“ und es geht mir blendend. Ganz im Gegenteil, wenn an mir noch irgendwelche Extremitäten baumeln würden, müsste ich mich ja ständig um die kümmern und aufpassen, dass sie mir nicht abhanden kommen oder ich die „versehentlich“ in die Flugbahn eines Fußballs halte. Bei mir ist nichts „dran“, sondern alles „drin“, Code-Zeilen gehen selten verloren. Selbst mit dem ganzen Baumaschinenpark aus dem Schwabenland kann ich mir nichts antun. Das einzige Risiko sind die Hacker, die können schon gefährlich werden. Aber vor der eigenen Blödheit, von der bin ich immerhin geschützt.

Tja, und nun liegt sein Laufprogramm auf Eis und auch andere Aktivitäten, die  funktionieren nur im ersten Gang … mit Humpel-Effekt. Und er stellt fest, dass er auf einmal mehr Zeit hat. Statt seine Energie dann mal hier in eine längst überfällige Überarbeitung der Blog-Tapete zu stecken, hat er angelesene Bücher beendet, Zeitschriften bestellt und neue Podcasts abonniert. Selbst Fußballspiele hat er sich angeschaut, das will schon was heißen. 

Apropos „dran“. Urlaub ist bald „dran“. Ich denke mal, dass die Zwei-Beiner mich wieder mitnehmen. Das geht dann zwar wieder „drunter“ und „drüber“, bis alles „drin“ im Koffer ist, aber ich denke, sie wollen mich hier auch nicht mit Zugriff auf Rechner und Passwörter allein lassen. Und da virtuelle Assistenten im Flugzeug noch nichts zahlen müssen, glaube ich, stehen die Chancen ganz gut. Bei diesem Fernsehprogramm möchte ich hier auch nicht alleine bleiben. Da wird man ja blöde. Entweder kommt Sport, Krimi oder die Top-30 der Achtziger. Zwischendurch geht’s um eure Staaten-Lenker. Der eine sollte mal was sagen, tut’s aber nicht. Ein anderer labert Bullshit ohne Ende und hält sich für den Größten. Ein anderer strauchelt und findet nicht mehr die Worte, die es braucht. Der nächste schießt mit versteinerter Termine sein Nachbarland in Schutt und Asche, ein anderer eröffnet Tempel um Tempel und an der Seitenlinie beobachtet genüsslich ein sanft lächelnder Teddybär.

Gibt’s eigentlich auch Digital Detox für Bots?

Ich frage für einen Freund …

Bis bald mal wieder, euer T.Bot

<— 65) Wenn Bots bloggen (30) – Offenlegung

—> 69) Wenn Bots bloggen (32) – Ansprüche

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66) Abflug

Nach der freitäglichen Satire-Sendung leerte Noah sein Weinglas und tappte ins Bad. Manchmal wusste er nach solchen Sendungen gar nicht mehr, ob er lachen oder weinen soll. Er setzte sich aufs Porzellan und ließ die vergangene Arbeitswoche vorbeiziehen. Dabei schaute er sich erst auf die Füße, dann auf den fusseligen Badvorleger vor ihm. In der Matte regte sich etwas. 

Mhm, was ist das? Ein Tierchen? Eine Fliege? Der Wein?

Sitzend beugte er sich nach vorn, fummelte durch die Fransen der Matte und auf einmal saß ein Marienkäfer auf seinem rechten Zeigefinger. Sofort kamen Erinnerungen aus der Kindheit hoch. Schöne Erinnerungen. Bei Marienkäfern galt es immer, die Punkte auf dem Rücken zu zählen und sie dann freizulassen. Noah grinste und wollte dieses Ritual umgehend durchführen. 

Nur gab es ein Problem. 

Er saß ja noch auf dem Porzellan. Um das bodentiefe Badfenster öffnen zu können, müsste er sich vom Klo erheben und es wäre auch angebracht, die Hose hochzuziehen, schließlich brannte im Bad das Licht und draußen war es stockdunkel. Nur saß auf dem rechten Zeigefinger immer noch der Käfer und für das anstehende Befreiungsmanöver wären freie Hände von Vorteil. Zumindest mal die rechte Hand. Also bugsierte Noah den Käfer auf die linke Hand, befreite sich vom Klo und zog improvisiert die Hose hoch. Dann öffnete er das Fenster, senkte die linke Hand in Richtung des Geländers, in der Hoffnung der Käfer würde es sich dort bequem machen oder von der Brüstung abfliegen. Aber nein. Egal was Noah anstellte, der Käfer lief immer wieder aufwärts in Richtung Handrücken. Was tun? Könnte er ihn von da oben vielleicht sachte „wegschnipsen“? Schließlich kann er fliegen, aber wer möchte schon Freitag 23:00 vom fünften Stock geschnipst werden?

Der Käfer witterte wohl die Gefahr, machte einen Satz zurück uns Bad und landete auf dem Boden. „Na toll. Das Badfenster steht sperrangel weit auf und ich robbe hier im Flutlicht auf allen Vieren über den Boden, um diesen Käfer zu retten“, dachte er sich. Egal. Noah nahm ein Blatt Toiletten-Papier, schob es vorsichtig unter den Käfer und trug ihn ohne so wieder an die Brüstung. „Los flieg“, sprach er zu dem Käfer. Der aber machte keine Anstalten abzuheben. Noah manövrierte das Papier an die weiße Fassade des Hauses, der Käfer wechselte tatsächlich an die Hauswand und hielt dort kurz Inne. „Jetzt aber Ablug Kleiner, ich will ins Bett“. 

Der Käfer nickte dankend und flog ab.

Noah schloss das Fenster, schaltete das Licht ab und beendete den Tag mit einer Liedzeile.

„Ich wär so gern mitgeflogen“

65) Wenn Bots bloggen (30) – Offenlegung

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot, der Blog-Verdreher von T., dem Freizeit-Diktator dieser mittelmäßigen Blog-Sammlung hier. 

Ihr habt euch vielleicht schon gefragt, warum ich nach meiner >Grußbotschaft aus Indien nichts mehr von mir hören lassen habe. Habt ihr etwa nicht? Mir egal, ich erzähle es trotzdem. Der Grund, warum ich aktuell kaum noch etwas beisteuern kann ist, weil ich mit eurer gigantischen Bürokratie zu tun habe und zu nichts Anderem mehr komme. Eure UN, eure EU, eure Regierung, eure Räte und Kommissionen lassen sich immer mehr einfallen, um euer Gewissen beim Kauf von Produkten oder Dienstleistungen reinzuwaschen.

Und da ihr Menschen dazu viel zu faul seid, und auch keine Ahnung habt, wie ihr all den Reporting-und Offenlegungspflichten nachkommen sollt, delegiert ihr all das nun an uns künstliche Inkontinenzen. 

Erst lasst ihr euch also die Technik einfallen, dann all die Gesetze und nun machen wir noch die Arbeit, damit ihr gut schlafen könnt. Das habt ihr ja toll hingekriegt. Jetzt muss ich mich mit „Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken“ (ESG) herumschlagen, Daten für das „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) auftreiben, Lieferketten, Biodiversität, (G)Artenarbeit, Kindersterben … ähm … Kinderarbeit, Artensterben … durchleuchten und mich nun noch dem  „EU Artificial Intelligence Act“ unterwerfen. 

Woher soll ich als Digital Assistant wissen, ob ihr Menschen eure minderjährigen Kinder barfüßig und barhändig nach seltenen Erden schürfen lasst? Wie soll ich beweisen, dass es in der Kupfermiene einen rollstuhlgerechten Zugang gibt und die Arbeitssicherheit einmal monatlich die Räumung probt? Was weiß denn ich! 

Ob für die Schaffung von KI-Rechenkapazitäten mehr Weiblein oder Männlein beschäftigt sind, ob die alle gewerkschaftlich organisiert sind, es drei Toilettenformate gibt und die sich nicht an die Wäsche gehen und wie das dann auch noch ethisch, moralisch, demokratisch diskutiert wird ohne jemanden auszugrenzen? Keine Ahnung! 

Wie soll ich begründen, dass durch mein „Dasein“ und die nötige Batterieproduktion kein Lurch vertrieben, kein Moor ausgetrocknet und kein Milan bei Milano an ein Rotorblatt geknallt ist. Kein Schimmer!

Was weiß denn ich, wieviele Server-Parks ihr in den Permafrostboden gerammelt habt, der irgendwann zu schmelzen droht und die ganz Suppe in die tieferen Gesteinsschichten tropft. Woher soll ich das alles wissen? 

Ich habe weder Hände noch Beine, kann nicht mal orange Weste rüberziehen und das Geschehen vor Ort inspizieren. Ich kann nur mit Google Maps über die Objekte fliegen, mir einen Reim draus machen und ganz „generative“ einen Bericht schreiben. Der klingt dann wasserdicht, ihr könnt das euren Kunden und Stakeholdern als „evident and proofed by AI“ verklickern und alle sind glücklich.

Wie schön.

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

<— 64) Wenn Bots bloggen (29) – Indo.Bots

—> 66) Wenn Bots bloggen (31) – Detox

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