144) Postkarte aus Litauen (Dzūkija, Vilnius, Aukštaitija)

Der nächste Grenzübertritt steht an. Also wird es Zeit für die zweite Postkarte von meiner großen Tour. Diesmal kommt sie aus Litauen und zwar aus der Gegend Dzūkija (im Süden), der Hauptstadt Vilnius und aus einer Ecke namens Aukštaitija (im Westen).

Viel schreiben mag ich gar nicht, auf Postkarten ist bekanntermaßen nicht viel Platz. Außerdem gibt’s genügend Reise-Blogs, die können das viel viel besser.

Also los gehts:

Druskininkai

Mein erstes Quartier lag in Druskininkai, ein schnieker und moderner Kurort an der Memel, mit viel Natur und Joggingstrecken und Radwegen und man sieht auch zunehmend russischen Einfluss und schöne Holzhäuser, die man sonst nur aus Filmen kennt.

Unweit von Druskininkai gibt es den Grūtas-Park, eine Grünanlage voll kommunistischer Skulpturen, die man hier gesammelt hat, nachdem sie Anfang der 90-er von den Sockeln gesägt und gestoßen wurden. Eine kleine Zeitreise, zum großen Glück mit Rückfahr-Ticket ins Hier und Heute.

Aber es gibt nicht nur Abbildungen der damaligen Größen … wahnsinnigen sondern auch ein paar Gerätschaften und Kunst aus dem sozialistischen Alltag. Wer noch ein paar Brocken Russisch kann ist leicht im Vorteil.

Auf der Fahrt von Druskininkai in Richtung Trakaj, kann man immer mal wieder anhalten. Es gibt alte Dörfer, tolle Landschaft, auch gern mal Schotter-Piste wenn man will, das ein oder andere Massengrab aus dem Holocaust (nicht abgebildet) und eine mächtige Wasser-Burg in Trakaj.

Vilnius war sicher das Highlight auf dem bisherigen Trip. Ich lade nur ein paar Bilder hier hoch, sonst ist der Speicher ruckzuck weg.

Vilnius kann wunderschön alt sein und bestens in Schuss.

Aber Vilnius beherrscht eben auch die neuen Dinge und bringt echt Lebensqualität. Parkanlagen, Radwege, Ufergestaltung und selbst die Wolken, die haben sie echt drauf. Und auch politische Statements bringen sie im Stadtbild unter. Zwei könnt ihr hier finden, in diesem Wimmelbild … Vilniusbild. Berlin, da kannst du dir mal ein paar ganz ganz ganz dicke Scheiben von abschneiden. Oder besser doch nicht, sonst bleibt ja nicht viel übrig und Berlin hat hier ja schon mal sein Unwesen getrieben.

Und nun noch ein paar Schnappschüsse von der Strecke Vilnius (Litauen) nach Daugavpils (Lettland), hat viel geregnet, trotzdem nett.

Kontraste gibts hier an jeder Ecke.

Übergänge gibts hier auch, man muss nur aufpassen, dass man immer den richtigen nimmt.

Und wenn ihr euch fragt, was ich hier mache … eat this

Auszeit – 1

Auszeit – 2

Auszeit – 3

Auszeit – 4

143) Postkarte aus Polen (Pommern, Masuren)

Mensch, jetzt bin ich schon gute sieben Tage auf großer Fahrt und habe noch keine Postkarte abgeschickt. Yep, aber erstens bin ich im Urlaub und zweitens gab es Gründe. Gute Gründe. Aber nun ein paar Eindrücke der ersten Woche meiner fünf-wöchigen „Nordpolen-durchs-Baltikum-bis-hoch-nach-Helsinki-und-ähnlich-zurück-Reise“. Ich will eigentlich gar nicht so viel schreiben und wenn ich sonst auf der Jagd nach Skurrilitäten bin, wirds diesmal eher beschaulich und … schön. Am Ende gibts ein Fazit und ein paar Beobachtungen … Cliffhanger

Świnoujście und Szczecin

Kołobrzeg und Ustronie Morskie (hier wirds mal kurz etwas skurriler)

Bei Łeba fressen sich 40 Meter hohe Dünen in den Wald hinein … sehr beeindruckend … man läuft quasi auf dem Wald und manchmal lugt noch eine Baumspitze hervor. Crazy

Die eher neuere Stadt Gdynia kommt im Wesentlichen mit Hafen daher und allerlei Gebooten.

In Chmielno (in Kaschubien), endlich die Motive, die ich suche. Wasser, Weite, Licht.

Und dann endlich Gdansk, steht schon so lange auf der Liste. Tolle Stadt, lohnt sich!

Und dann geht es weiter in die Masuren … was auf der Liste noch höher stand. Mein Highlight bislang.

Tag 1: Mikołajki und der Süden

Tag 2a: Wilczy Szaniec a.k.a. „Wolfsschanze“

Sehr interessante Anlage und Ausstellung. Viele Bunker sind noch gut „erhalten“ und es ist auch auf eine gewisse Weise beeindruckend, aber genauso absurd und erschreckend was dort in dieser Zeit so abging. Dass sich der Hitler dort quasi über 800 Tage eingeschlossen hat, erklärt einiges. Wenn er nicht schon vorher irre war, dann wurde er es dort.

Tag 2b: Mikołajki und der Norden

Nach dem Bildungsprogramm möchte ich einfach nur fahren. Langsam. Auf und ab.

Und nun gehts weiter nach Osten. Morgen fahre ich nach Litauen. Ich bin schon etwas aufgeregt …

Melde mich.

Anmerkungen:

Punkt 1: in meinem Kopf war Polen irgendwie als „Hinterhof“ von Deutschland abgestempelt, bisschen B oder C-Klasse und dann natürlich auch diese üblichen Schubladen von wegen Kriminalität und Auto-Klau. Hier möchte ich in meinem Kopf und auch gegenüber euch Lesern einiges gerade rücken. Ich bin 1.800 km durch den nördlichen Teil Polens gefahren, größtenteils Landstraße. Alles ist Tipi-Topi in Schuss. Wohnhäuser, Schulen, Fußwege, Radwege, Zebrastreifen, so als wären die Bauarbeiter erst gestern abgerückt. Die Menschen sind freundlich, offen und wenn wir sprachlich nicht zueinander finden, dann machen wir das halt mit Hand und Fuß, so wie überall auf der Welt. Es fehlt hier an nichts und es scheint hier bergauf zu gehen. Jeder der Norddeutschland mag, oder auch Schweden, Holland oder Dänemark ist im nördlichen Teil Polens bestens aufgehoben

Punkt 2: Die Mehrheit der Menschen hier ist … weiß. Ihre Hautfarbe meine ich. Klingt blöd, ist aber so. In den Orten gibt es durchaus mal einen Kebab-Imbiss oder Barber-Shop, aber das war es dann auch. Ich habe auf der Straßen einige Audio-Formate über Polens ältere und jüngere Geschichte gehört und kann ein Verständnis dafür entwickeln, dass sich Land und Leute erst einmal selber wieder finden wollen … aber trotzdem Leute … ein bisschen mehr Öffnung muss schon sein.

Punkt 3: Und hier muss ich wirklich mal schimpfen. Um mir das Leben etwas zu vereinfachen und weil mein Navi im Auto schon etwas veraltet ist, habe ich im wesentlichen mit der großen Daten-Krake G***** navigiert. Und es ist schon echt dreisst, wenn ich ich mir mühe gebe die Städtenamen in Polnisch einzugeben, um sie dann sofort in ihren altdeutschen Namen aufgelöst zu bekommen. Das ist vorbei man, vorbei …

Also hier in dem Blog-Post bekommt ihr sie auf Polnisch.

Und wenn ihr euch fragt, was ich hier mache … eat this

Auszeit – 1

Auszeit – 2

Auszeit – 3

Auszeit – 4

777) Ich bin dann (auch) mal weg


Ich bin dann mal weg, so nannte Hape Kerkeling sein Buch im Mai 2006, in dem er seine Auszeit auf dem Jakobsweg beschrieb. Da hatte ich gerade mal 10 Dienstjahre auf der Uhr, nun sind es mittlerweile gute 30 Jahre und besonders die letzten 10 Jährchen zählen doppelt.

Ich merke, ich brauche eine Auszeit. Und deshalb bin ich jetzt halt auch mal weg.

Sechs Länder werde ich besuchen in acht Wochen, zwischendurch die Toten Hosen in Berlin verabschieden, während nebenbei die Waschmaschine läuft. Vermutlich gehts bei mir komfortabler zu, als beim Hape damals, denn ich reise mit dem Auto. Ich freue mich, bin aber auch etwas angespannt, schließlich mache ich die Hälfte der Tour allein und gerade der erste Teil führt durch eine Gegend Europas, aus der man im besten Falle keine breaking news hört.

Aber das wird schon alles gut gehen. Erstens habe ich gute Antennen für ungemütliche Situationen und zweitens bin ich bestens vorbereitet, die Listen werden immer kürzer und morgen früh sattele ich die Pferde … stärken … und düse Richtung Nord-Ost. Langsam. Die ersten 200 Kilometer fahren wir noch Autobahn, aber dann will ich „runter“ und nur noch Landstraße fahren. In Woche 1 habe ich noch männliche Begleitung, darauf freue ich mich, wir werden hoffentlich viel reden und die Zeit gemeinsam genießen. Mehr Details gibt es aber nicht, es würde gegen die sehr strengen Anonymitäts-Regeln dieses Blogs hier verstoßen.

Und was heißt das für die Bloggerei? Eigentlich nichts besonderes. Wenn ich immer Zeit habe, werde ich eure Beiträge lesen und wenn ich irgendwas mitzuteilen habe, melde ich mich halt. So wie sonst auch.

Bleibt gesund.

PS: Titelbild via KI … ich hoffe dieses Licht gibt es da wirklich

142) Postkarte aus Limburg, Flandern und Wallonien


Zum Pfingstwochenende hat es mich nachLimburg, Wallonien und Flandern verschlagen. Häh? Wollte der nicht in die entgegengesetzte Richtung? Ja stimmt schon, ich breche bald nach Nord-Ost auf, aber es gab gute Gründe auch noch mal kurz im weiten Westen „Hallo“ zu sagen. 

Nach Maastricht und Umgebung sollte es gehen, Wohnmöglichkeiten für Studenten ausloten. Vielleicht noch mit Abstecher nach Brüssel, Antwerpen oder Lüttich, wenn der straffe Zeitplan es zulässt.

Der weite Westen hat seinen Namen zu Recht bekommen finde ich, denn von Berlin aus gefahren, ist er weit weg. Arschweit. So weit, dass man bei Ankunft gern neue Sitzknochen montieren möchte.

Aber gut … nach neun Stunden anjekommen, müssen wa‘ halt och wat draus mach’n.

Maastricht

Sehr nett, könnte man glatt anfangen zu studieren … wenn die schwierige Wohnungssuche nicht wäre.

So schlafen Holländer

Ausflug nach Antwerpen in Belgien, sehr nett

Und dann natürlich noch Brüssel … weil ich Europa gut finde!!

In diesem Sinne!

773) Auszeit – 4

Der Tag meiner Abreise rückt stetig näher. Und dann geht’s für gute fünf Wochen durch Nordpolen, das Baltikum, bis hoch nach Helsinki und dann die ganze Nummer wieder, aber auf anderem Wege, zurück.

In Auszeit – 3 habe ich ja schon ein wenig über die Vorbereitungen geschrieben und irgendwie fällt mir immer noch was ein, was noch zu regeln ist.

Mobilität und Material:

Mit dem Auto ist alles klar, vorgezogene Durchsicht ist erledigt, Gepäckstücke und Material sind identifiziert. Wenn noch nicht gepackt, stehen sie aber auf einer Liste. Ich liebe diese Liste, sie ist über die Jahre des Reisens entstanden und da kann ich nichts vergessen. Es ist natürlich eine digitale Liste, was sonst. Die kann ich dann sukzessive abarbeiten bis zum letzten Punkt „Müll wegbringen“ und „Tür abschließen“.

„Losfahren“ steht nicht drauf, aber ich glaube, das kriege ich auch ohne Listen-Eintrag hin.

Papiere und Daten:

Nun muss ich mich noch etwas um Papiere und Daten kümmern. Vollmachten zum Beispiel, Backups, Passwörter zum mitnehmen, und die gemeine Frage, was denn eigentlich passiert, sollte ich mein Telefon mal verlieren. Das Ding ist mittlerweile das Schweizer Taschenmesser der Neuzeit, ohne das geht gar nix mehr. Man denke nur an Banking, Zwei-Faktor-Authentifizierung, PIN‘s und TAN‘s, Notizen, Listen, und so weiter und sofort. Manches kann ich auch übers Tablett erledigen, aber eben nicht alles. Also hab ich ein bisschen was in die Wolke hochgeladen, an die ich notfalls auch ohne Handy rankomme.

Tracking und Sicherheit:

Da ich ja nun größtenteils allein unterwegs bin, überlege ich auch, wie ich den lieben daheim regelmäßig versichern kann, dass ich nicht an einem baltischen Baum klebe. Aber da gibt’s im Handy mittlerweile ja schon schöne Spielzeuge und ich hab auch ne App gefunden, die meinen Fahrtweg aufzeichnet und in die ich dann immer mal ein paar Fotos hochladen kann. Dann wissen alle, dass ich noch existiere und ich werde nicht alle halbe Stunde angeschrieben, ob dann alles „ok“ sei.

Vertretung und Übergabe:

Seit Wochen arbeite ich jüngere Kollegen ein, damit die Aufgaben übernehmen, im besten Fall für immer, denn gewisse Dinge will ich nach Rückkehr nicht zurückhaben. Ist alles ein bisschen mühsam aber es geht voran. Es gibt mittlerweile Tage, da finde ich sogar freie Slots in meinem Kalender. Ein Zustand, den es lange nicht gab. Interessant finde ich aber schon, dass man beim Brötchengeber erst mit längerer Abwesenheit drohen muss, damit Human-Ressourcen rangeschafft werden, an die ich mich nun „übergeben“ kann.

Und da ich mich nun immer mehr „übergebe“, deutete mein Chef-Chef bereits an, dass nach Rückkehr möglicherweise ein neues großes Aufgabenfeld auf mich wartet. Na wunderbar. Vielleicht sollte ich schon gleich mal über die nächste Auszeit in 2027 nachdenken.

 

<— 749) Auszeit – 3

PS: Titelbild via KI

141) Postkarte von der See – 2

Ein bisschen was arbeiten, ein bisschen Himmelfahrt und viel Tapetenwechsel. Das waren die Gründe für meinen Kurztrip ins Rostocker Umland. Und vielleicht auch einen Vorgeschmack kriegen auf die große Fahrt, die bald ansteht. Die Ecke hier ist mir nicht ganz unbekannt, aber es gibt doch immer wieder neues zu entdecken und natürlich auch die ein oder andere Skurrilität zu „knipsen“.

Los geht‘s:

In Wilhelmshöhe gibt‘s steile Küste und Brötchen mit Timmy. So war es zumindest war es die „hope“ und schon ausgeschrieben und bepreist. Nun aber haben sie ihn vertrieben und es gibt halt dann doch wieder nur Matjes und Bismarck. Na gut.

Die nächsten drei sind überhaupt nicht skurril, sie sind einfach nur da und für mich der Inbegriff von Oststee. Krüppelkiefern, Buchen, Steilküste, Sand und Dünen. Hoffentlich bleibt es noch lange erhalten und wird nicht irgendwann komplett vom Wasser weggerissen,

In Nienhagen ist der Strand schon recht schmal …

… da muss man kreativ werden und dann führt der Schulweg und die Techno-Parade eben über den FKK-Strand. Na und? Warum nicht?

Zu Himmelfahrt fuhr ich mal „in den Westen“. Für Kinder in der DDR war es noch nie verständlich, warum es im Westen auch eine Ostsee gibt. Das wollte ich mir mal genauer anschauen und in der Tat, die haben da auch eine Ostsee. Und es scheint sogar wirklich dieselbe zu sein. Verrückt.

In Priwall kann man sich noch einen Eindruck vom ehemaligen Grenzverlauf verschaffen. Heute merkt man es an der Stelle nur, weil der Straßenbelag auf einmal wechselt und Gedenkstein, Informationstafel und Wachturm an die ehemalige Grenze erinnern.

Aber wenige Meter später schon, in der Kleingartenanlage, merkt man, dass man eben nicht mehr in Mecklenburg-Vorpommern ist. Das ist schon offensichtlich, es ist eben doch nicht nur der Straßenbelag. Spätestens in Travemünde hat’s man dann kapiert. Travemünde war mir ein bisschen „too much drüber“. Zu geordnet, zu versiegelt … zu kommerziell und zu „versylted“. Pappiges, phantasieloses Fischbrötchen bei Gosch für‘n „Fünfer“ … nee Leute, da sollte ich am Nachmittag noch ein viel besseres bekommen.

In Timmendorfer Strand ging es etwas beschaulicher zu, aber auch dort viel zu viel Sonnenbrille, Halstuch und Stepp-Jacke und die ein oder andere Bausünde. Und man muss schon aufpassen, dass nicht ein U-Boot unter einem auftaucht in diesen Tagen.

Auf dem Rückweg stoppte ich kurz auf der Insel Poel. Lange her, dass ich mal hier war. Viel weniger Pomp und Steppjacke, dafür aber „best Fischbrötchen of the day“ für 3,50 und auch Transformation und Innovation kommen langsam hier oben an.

Vor Ort fand ich dann diese schmuckvollen Wandgestaltung. Ich habe sie in zweifacher Ausfertigung hochgeladen.

Urlaub 1986: „Michaeeeeel, Manueeeeeeela, ihr habt schon janz blaue Lüppen, Mensch. Macht mal Pause, et jibt gleich Mittach … zieht euch wat drüber und dann Abmarsch!“

Urlaub 2026: … nur 40 Jahre später

„Jeeeeeeeson, Schanaaaaaaaaja, wat hab‘t dann‘da? Nehmt dit bloß nich‘ in‘n Mund. Und passt uff dit Ei-Fon uff, damit da ja keen Sand rinkommen tut. Dit wa‘ teuer Mensch. Und hab‘t da euch ooch orjentlich einjekremt? Wegen die Sonne, vasteht‘da? Hab’t da schon Hunga? Ick meine, müssen wa‘ oooch nich‘. Wollten nur mal frag’n. Oder soll’n wa wat bestellen vielleicht? Müssen wa aba ooch nich‘. Könn‘ ooch wat selber machen, vielleicht …. ick meine nur wenna wollt … wir könn‘ ooch …“

Zum Ende noch ein paar Schnappschüsse aus Warnemünde und dann soll es auch mal gut sein.

Schön war‘s … bis zum nächsten Mal.

753) Auszeit – 3

Wie schon in > Einfach weiter nach Norden erträumt und in >Auszeit – 2  angekündigt, habe ich für den Juni einen längeren Roadtrip vor der Tacho-Nadel. Es wird nach Nord-Osten gehen. Für knappe fünf Wochen. Da ist noch einiges vorzubereiten und ich dachte, ich lasse euch etwas daran teilhaben.

Mobilität

Zunächst stand die Frage des richtigen Gefährts auf dem Zettel. Ursprünglich war die Idee, den Trip zu zweit mit einem Camper zu machen, aber da ich nun größtenteils alleine fahre, ist mir das viel zu viel Technik. Dann dachte ich an einen Mietwagen, nur entweder sind sie in der Kilometerzahl begrenzt oder die Anbieter erlauben keine Fahrten nach Ost-Europo. So fiel dann die Wahl auf die eigene Kutsche. Die ist mir bestens bekannt, ich sitze gut und die Karre ist sehr unauffällig. 

Panne

Eigentlich habe ich vor, die Autobahnen zu meiden und die Strecke über Landstraßen zu fahren. Da kann es dann vielleicht auch mal etwas einsamer sein und nach der >Reifenpanne in Malaysia letzten Jahres, stellte sich mir also die Frage, was ich denn dann tue, wenn mir das irgendwo zwischen Memel und Daugava passiert. Der Blick in den doppelten Boden des Kofferraums brachte nur eine Schaum-Kartusche mit Kompressor zum Vorschein. Das ist vielleicht platzsparend und wiegt wenig, hilft aber überhaupt nicht, wenn es den Reifen zerfetzt hat. Also hab ich mir ein Notrad besorgt. Da kriege ich ohne viel Schnick-Schnack schnell montiert und komme damit zur nächsten Werkststatt.

Unterkunft

Die Unterkünfte habe ich bereits alle gebucht. Das hat dann zwar mit Abenteuer nicht so viel zu tun, aber ich erspare mir lästiges Suchen und kann entspannter fahren, wenn ich weiß, dass ich für die kommende Nacht ein Bett sicher hab. Es ist netter Mix aus Hotels und Ferienwohnungen geworden.

Material

Ich liebe Material, besonders wenn es auch um zum Einsatz kommt. Aber ich hasse es, mir das Auto mit Klimbim vollzumüllen und ich will auch nicht zig mal hin und herlaufen, wenn ich ein Zimmer beziehe. Also überlege ich, was ich wirklich brauche und wie ich das in wenigen Gepäckstücken unterkriege. Im besten Fall sind die Dinge multi-funktional einsetzbar.

Strecke

Die Strecke ist ja im Wesentlichen über der Unterkünfte vorgegeben, aber ich suche mir einige Stops und Abstecher entlang der dorthin Strecke und erlaube mir großzügige Umwege. Reiseführer, Online-Karten-Dienst und KI sind da sehr hilfreich. Ein Haufen Natur steht da wohl in der Gegend herum und auch Geschichte hat viele Spuren hinterlassen.

 

<— 749) Auszeit – 2

PS: Titelbild via KI, interessanterweise habe ich wirklich gerade ein Jeans-Hemd an. Kann KI durch die Board-Kamera schauen oder tragen statistisch gesehen alle End-Vierziger Jeanshemden? 

Andere Beiträge:

749) Auszeit – 2

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. So sagt das Sprichwort, wohl war. Aber zunächst hat er etwas vorzubereiten.

Also wie schon in >Auszeit – 1 angekündigt mach‘ ich mich im Frühsommer für eine längere Tour vom märkischen Acker. Nicht in Richtung Sonne und Palmen, nicht zu Paella, Bacalhau oder Käste mit Rotwein … nein es geht nach Nord-Osten. Eine Ecke, die ich mir unbedingt mal anschauen will. Eine Gegend voller schöner Natur und auch Geschichte. Teils deutscher Geschichte.

Ganz so frei und flexibel wie in >Abseits – Vol 3 erträumt wird es wohl nicht werden, ich habe knappe fünf Wochen Zeit für den Trip, bisschen Struktur muss ich dem also schon geben. Also habe ich mir eine Tour zusammengesteckt über 21 Etappen, die direkte Strecke ohne Ausflüge und Abstecher würden ca. 4.600 km sein. Zunächst geht es an die Polnische Ostseeküste, dann nach Masuren, dann ins Baltikum, bis nach Helsinki … und auf eine anderen Route wieder zurück. Die genaue Strecke halte ich mal hier zurück, ich bleibe gern unangekündigt. Sicher werde ich immer schön der Nachrichtenlage folgen, vorzugsweise rückwärts und fluchtbereit parken.

Fahre ich ganz allein?
Das war zunächst die Idee, aber nun werde ich auf zwei kürzeren Teilstrecken von je einem Cowboy aus der Heimat begleitet, und darauf freue ich mich jetzt schon. Zeit für Entdeckungen und Gespräche.

Ist das nicht ein bisschen weit?
Nein, ich denke nicht. Die Etappen sind so gewählt, dass ich im Schnitt so ca. 200 km täglich fahre, plus natürlich die Ziele links und rechts der Strecke.

Oder wird es langweilig vielleicht?
Oh nein, ich habe Literatur bei mir, der Blog braucht seine Aufmerksamkeit und die Fahrerei am nächsten Tag muss auch etwas durchdacht werden. Und selbst wenn mal eine Pause eintritt, dann soll es so sein. Deshalb mache ich den Zirkus ja auch.

Und warum nun gerade dorthin?
Na weil ich in Süd-Europa nun wirklich schon einiges gesehen habe und mir der (wirklich) „nahe“ Osten da echt noch fehlt. Mich zieht‘s irgendwie dort hin, ich habe vieles über das besondere Licht dort gehört und die Menschen scheinen sehr gastfreundlich zu sein.

Grund genug.

Mögen die Vorbereitungen beginnen

<— 745) Auszeit – 1

—> 753) Auszeit – 3

 

PS: Titelbild via ChatGPT

745) Auszeit – 1

In der IT-Welt gibt es sogenannte Denial of Service-Attacken, auch DoS-Attacken. Die IT-Systeme einer Firma, Behörde oder öffentlichen Infrastruktur werden solange mit Last und Aufgaben zugeschüttet, bis die Server ächzend aufgeben und den Dienst verweigern (Denial of Service). Nicht, dass ich das gut finde, ist aber so und wird noch häufiger passieren.

Aber nicht nur IT Systeme können in die Knie gehen, sondern auch Menschen,  ach nee. Das wird gern vergessen. Und bevor mir das wieder passiert, hatte ich mir kurz vor Silvester eine Liste von Maßnahmen diktiert, wie ich das in 2026 verhindern will. Weniger arbeiten, mehr abgeben … bla bla … das übliche und schon oft aufgeschrieben.

Diesmal kommt aber noch eine Maßnahme hinzu, die mir >schon lange im Kopf herumfliegt. 

Aber es gab immer Gründe, das aufzuschieben. Familie in erster Linie, all die Pflichten drumherum, aber ehrlicherweise auch eine gewisse Sorge, wie das denn so in der Firma ankäme, wenn ich als „Endvierziger mit gutem Job und Einfluss“ folgendes bei meinem Brötchengeber anspreche.

„Ich möchte eine off-time. Acht Wochen mindestens.“

So war es gesagt und wir haben einen Weg gefunden. Allein „das“ ausgesprochen und erreicht zu haben, macht mich irgendwie stolz. Gleichzeitig ist eigentlichen total bekloppt, denn es gibt entsprechende Flexi-Zeit-Modelle, die allen Mitarbeitern zustehen, egal ob Männlein oder Weiblein, egal ob in der Sachbearbeitung oder im Management. Dazu kam noch diese völlig >bescheuerte „Lifestyle-Teilzeit-Debatte“, angeschoben durch das  konservative Lager der deutschen Politik.

Aber nee Leute, nicht mit mir. Ich arbeite seit über 32 Jahren durchgängig, ich hatte eine kurze Wickelpause für den Stammhalter, da wars aber. Grob überschlagen sind das ca. 7.000 Arbeitstage, plus Überstunden. Ich würde sagen … es wird mal Zeit.

Also um’s kurz zu machen. Im Juni starte ich einen fünfwöchigen Roadtrip durch Nord-Polen, Baltikum bis nach Helsinki. Die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ übernimmt zeitweise die Ressorts „Finanzen, Infrastruktur, Sicherheit und Mobilität“. Großen Dank an dieser Stelle.

Abgerundet wird das Ganze mit drei Wochen Irland, mit Kind, Kegel und Rechtslenker-Auto.

So, nun ist es gesagt.

Also plane ich die Reise, mache Besorgungen etc … dazu später mal mehr.

—> 749) Auszeit – 2

 

PS: Titelbild via ChatGPT

140) Postkarte von Madeira – 3

Eine Postkarte von Madeira soll es schon noch geben. Schließlich war ich nun vier Wochen auf der Insel … und habe damit das schlimme, graue, glatte, kalte Wetter in Berlin fast übersprungen. Außerdem ist es langweilig auf dem Flieger. Kein Internet, kein Film, Podcasts habe ich, aber die machen mich müde, wenn ich sitze. Zumindest konnte ich der charmanten Begleitung eine Sitzreihe vor mir signalisieren, dass sie doch bitte mal Airdrop anmachen soll. So können wir uns wenigstens Textnachrichten schreiben und gegenseitig das Leid klagen.

Aber zurück zur Postkarte

Der Pargue Florestal do Pico das Pedras liegt etwas abgelegen, aber es gibt einen „Wanderweg für alle“ (Um caminho para todos) dort. Das klingt mir und meinem Knöchel sehr inklusiv, also watscheln wir den einmal hin und wieder zurück. Auch hier war alles super grün, fast schon tropisch.

Im Posto Florestal do Fanal (Fanal Forest … Nebelwald), gibts Uralte, mit Moos bewachsene Bäume … und Nebel … also die anderen 364 Tage im Jahr. Gleichzeitig fand ein 20 km Trail Run statt, bis runter nach Porto Moniz statt. Beim Anblick das Strecken-Profils und nach kurzer Rücksprache mit den Knien, habe ich dankend abgelehnt.

Die Stadt Funchal, als zweite Base, hat mir auch gut gefallen. Einziger Nachteil: Sie ist recht bergig und für‘s Jogging eines Flachland-Indianers nicht so geeignet. In der Altstadt gibt es Geschäfte mit schönen alten Beschriftungen. Ich lade die mal hier in schwarz/weiß hoch, da kommen die besser rüber, hoffe ich.

Die Sisi aus Österreich hat hier wohl auch mal überwintert, kein Scheiß. Für sie muss das ja eine halbe Weltreise gewesen sein. Heute legen die Leute einfach mit ihrem Hausboot hier an. Männer sollten an der Paz e Liberdade etwas aufpassen, könnte unangenehm werden.

Ein letzter Marsch runter ans Wasser und dann fuhr uns noch mal der Nachbau der Santa Maria vor die smarte Flinte. Wenn man das Schiff so fahren sieht, scheint es noch unglaublichlicher, dass die Männer damals wirklich über den Atlantik sind. Wahnsinn. Sie auch hier —> 740) Größe allein ist nicht alles

Alles in allem ein tolle Zeit, viel gearbeitet aber auch wirklich viel gesehen.

 

Portugal hat sich auf meiner Liste der möglichen Ruhesitze weiter nach oben gearbeitet.

 

<— 139) Postkarte von Madeira – 2