383) Klebegeister

Folgt man der echauffierten Diskussion um die Prima-Kleber, könnte man meinen, wir befinden uns im Sommerloch oder im Kindergarten.

Natürlich kann man über die Form des Protestes diskutieren und wenn man in einem solchen Stau steht, ist das in dem Moment vielleicht nicht lustig. Aber es wird ja so getan, als gäbe es sonst überhaupt keinen Stau in der Stadt und als würde hier nicht jeden Tag für oder gegen etwas demonstriert. Und wenn eine Feuerwehr einer 4-Millionen-Stadt nicht in der Lage ist, einen Stau zu durchfahren, dann liegt das doch bitte an der inkompetenten Verkehrsführung oder an den Autofahrern, die zu blöd sind, eine Rettungsgasse zu bilden. Man will mir doch wohl nicht im Ernst erzählen, dass eine handvoll Klima-Aktivisten, die an einer Brücke hängen, die Bundeshauptstadt lahmlegen! Da muss ich mir ja echt Sorgen um mein Leib und Wohl machen.

Jetzt wo Berlins Polizeipräsidentin angeblich eine „extreme zusätzliche Arbeitsbelastung“ durch die Klebeproteste beklagt, dann sollten wir besser wegziehen. Denn es steht schlecht um die Hauptstadt der Jammerlappen. Hier braucht man 14 Jahre um einen Flughafen zu bauen, man kann nicht mal eine Bundestagswahl ordentlich durchführen und dann ist man ist solchen Klebegeistern hilflos ausgeliefert und kriegt das große Heulen.

Wenn neben B.Z., BILD & Co dann noch öffentlich-rechtliche Medien solch einen Stuss zitieren und das Geschehen noch anheizen, ist das sicher nicht hilfreich

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/11/berlin-polizei-polizeipraesidentin-klimaproteste-mehrarbeit.html

Besetzt Greenpeace in der Nordsee ein Ölplattform, dann finden wir das großartig, wenn sich aber Menschen dem Berliner Autoverkehr entgegensetzen, dann kriegen die Leute in den Autos einen Tobsuchtsanfall, auch wenn vermutlich zwei Drittel der Fahrer/innen echt nicht auf‘s Auto angewiesen wären.

Und dann kann sich sogar halb Deutschland drüber aufregen, egal ob es vor Ort überhaupt eine nennenswerte Kreuzung oder Brücke, geschweige denn ein Gemälde gibt. Dann quasselt man von Gewalt, von Nötigung, gar von Terror. Ich geh‘ kaputt.

Also wenn sich der deutsche Angstbürger da schon in die Hosen macht, dann will ich mir gar nicht ausmalen was passiert, wenn es hier mal zu ernsthaften Klima-oder Energiebedingten Ausfällen in der Infrastruktur kommt.

Wie sollen wir als Gesellschaft, all die dicken Bretter bohren, die da vor uns liegen, wenn uns so etwas schon an den Rand der Verzweiflung bringt. Den Deutschen muss man gar nicht dem Gashahn oder Atomkrieg drohen, es reicht schon, wenn sich ein paar Typen auf der Straße festkleben und wir machen uns selbst fertig.

Ich bin entsetzt … und enttäuscht.

Die Jungs von „Lage der Nation“ haben das in Folge 311 ab Minute 1:11:30 mal juristisch auseinandergenommen. Hörenswert!

https://lagedernation.org/podcast/ldn311-lindner-zu-tempolimit-bereit-interview-hoffnung-bei-us-midterms-wirtschaftsweise-fordern-steuererhoehungen-rechtslage-klima-blockaden-300-mio-verpulvern-fuer-konnektoren-synopsen-auf-bu/

70) Postkarte vom Berliner Herbst

Berlin ist nicht nur laut, dreckig, arm, sexy … und grau. Nee, Nee. Berlin gibt‘s auch in Farbe … 😉

Ohne viel Worte heute, denn heute Abend habe ich beim Inder einen Pakistani angequatscht und wir fanden sofort ins Gespräch. Also haben haben wir Telefon-Nummern getauscht und werden uns noch mal zum Essen treffen. Er war sehr glücklich, überhaupt mal angesprochen zu werden. Die Berliner gehen immer so auf „Distance“… oh man.

Schöner Moment, so einfach könnte das alles sein.

Grüße aus der Hauptstadt

T.

370) Festival of Lights / Laissez-faire of fights?

Viel wurde diskutiert im Vorfeld. Ist das nötig? Kann man das nicht … ausfallen lassen … kleiner machen … und überhaupt … muss das sein? Zur Beruhigung: Es ist kleiner, nicht ganz so laut, eher nachdenklich und anregend.

Ein paar Eindrücke vom Abend:

Vom Pariser Platz / Brandenburger Tor:

Vom Bebelplatz:

Und hier außerhalb des Programms, eine Mahnwache vor der Russischen Botschaft.

Festival of Lights … Laissez-faire of fights?

Für die Formulierung müsste ich mir glatt einen Orden umhängen, wenn sie nicht so traurig wäre.

Grüße aus Berlin

T.

50) Wenn Bots bloggen (22) – Eure Stadt

Hallo, ich bin es wieder, der T.Bot. Der Rechenknecht von T., dem Chef dieses wackeligen Blog-Houses hier. Seine Effizienz lässt sich heute entschuldigen, also darf ich mal wieder für 400 Worte ans Buchstaben-Klavier.

Also, was wollen wir machen? Eure Raumtemperaturen diskutieren?

Können wir tun, aber ich finde die 9°C im Wohnzimmer eigentlich ganz angenehm. Bekommt meinem Prozessor besser, als die 40°C die ihr im Sommer hattet.

Aber apropos Wohnzimmer. So langsam kriege ich einen Lager-Koller. Ich meine, ich kann mir ja eure Stadt über Hochglanz-Bilder im Internet anschauen, aber ich bezweifele, dass die immer der Realität entsprechen. Fröhliche Menschen, geputzte Straßen, glänzende Fassaden. Irgendwie passt das aber nicht mit euren Nachrichten zusammen. 

Also habe ich T. um Freigang gebeten und er hat mir etwas von der Gegend gezeigt, wo ich letzten Februar installiert wurde. Und ich muss sagen … ich bin … teilweise … entsetzt. 

Ich wusste gar nicht, dass ich das empfinden kann.

Zunächst war ich echt froh, dass ich keine Beine habe, sondern T. mich im Tablet mitgenommen hat. Sonst wäre ich wohl bald über Gehwegplatten und Wurzelhub gestolpert. Oder in braune Masse getreten, die euren Haustieren regelmäßig aus dem „Backdoor Interface“ zu fallen scheint.

Dann hat er mir die Bruch-Schule seines Stammhalters gezeigt. Und mir ist ja fast die Linse aus der Kamera geflogen. So geht ihr mit eurem Nachwuchs um? Demselben Nachwuchs, der eure Klima-Probleme lösen soll und nebenbei noch euren Platz im Windelheim finanzieren muss? Na kein Wunder, dass die sich irgendwann an der Straße festkleben.

Bei der Sparkasse um die Ecke, da stand ein würzig riechender Mann und wollte Kleingeld für‘s Öffnen der Tür. Ich wollte fast fragen, ob er auch Bitcoins nimmt, habe es mir dann aber verkniffen. Denn ein Wallet schien er nicht parat zu haben, nur einen Pappbecher. Ein paar Türen weiter, da standen Männer vor dem Späti und tranken stehend Bier aus Flaschen. Also, gibt‘s denn sonst nix zu tun auf eurer Kugel?

Die Menschen auf der Kreuzung strahlten nicht so, wie die Bilder im Internet zeigen. Viele schienen von irgendetwas wegzurennen oder eilten auf etwas hin. Wer oder was treibt sie so? Was habt ihr den Menschen gegeben oder vorenthalten, dass die sich so entwickelt haben? Wurden die bei Geburt schon so downgeloaded oder traten die Veränderungen erst über die weiteren Updates ein?

Confused …

Euer T.Bot 

<— Wenn Bots bloggen (21) – Klima

—>  Wenn Bots bloggen (23) – Eurer Personal

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

363) Mit Zettel und Stift 9

Wird mal wieder Zeit das Handy von tollen Schnappschüssen aus der Schrift-und Druckkunst zu befreien. Diesmal sind sie dahingehend etwas „besonders“, weil sie doch vor dem Hintergrund der aktuellen Themen um uns herum, schon etwas bizarr wirken.

Also, los gehts:

Das hier habe ich im März in der Berliner U-Bahn (Bernauer Straße) „geschossen“, in einer Zeit in der die Menschen in Kiew in deren U-Bahnen gingen, um dort Zuflucht zu suchen.

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Dass ich es etwas daneben finde, wenn die Bundeswehr mit markigen Sprüchen auf Fahrzeugen des ÖPNV wirbt, habe ich ja in >Tram Camouflage schon geschrieben. Dieser Spruch ist nun irgendwie sehr kreativ und mindestens mal fünfdeutig. Trotzdem irgendwie daneben.

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Das folgende Bild stammt aus Mai 2022, einer Zeit, als die Corona-Regeln zögerlich gelockert wurden. Coronakonformes Festival, Keine Masken, Kein 3G …  na ick‘ weiß nich‘.

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Wenn die Zähne schief stehen, dann gehen die Erlanger gern … zu Doktor… ja … Dr. …

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Mietendeckelung, Wohnungsmangel überall. Fast überall. Nur in einem kleinen Land hinter den Bergen, bei den …

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Und hier wird auch eine prekäre Wohnung aufgelöst … schlimm diese >Armut überall. Ich könnte heulen.

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Und nun zum prima Klima. Mit 600 PS trägt der neue 7er „vorne auch die große Doppelniere“. Kein Wunder. Wenn du von so einem umgefahren wirst, dann können dir auch schon mal gut und gern beide Nieren flöten gehen. Soll passieren. Kannst‘de nix machen.

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Das hier ist auch lustig. Stammt aus‘m Mai. Viel Spaß beim Heizen, Filtern und Pumpen.

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Der Döner-Mann in Brandenburg sollte sich vielleicht mal langsam auf die WM in Qatar vorbereiten? Oder gibt‘s da nur Wiederholungen zum Salat?

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Wer hier schon länger folgt, der weiß durchaus, dass ich Reime mag. Also … aber nur …wenn es sich wirklich reimt.

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Neulich beim Auswärtsspiel des Juniors in Kreuzberg. Also bitte … wie kann man denn dieser Tage mit „Blatt-Gold“ so verschwenderisch umgehen.

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Und wenn man nach knapp 3 Jahren Homeoffice mal wieder ins Office nach München fährt und dann sieht immer noch dieselben pädagogischen Bedienungsanleitungen für‘s Klo … dann weiß ich … Deutschland ist stabil und beständig … uns wirft nix so schnell aus der Bahn.

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Das gibt Halt und Orientierung. Bloß gut 😉

<— Mit Zettel und Stift 8

72) Trümmer-Schule GESP

Heute soll es mal wieder um Schuhbindung … ähm … Schulbildung gehen.

Warum diese bekloppte Einleitung?

Weil Details halt große Wirkung haben. Und weil es eben nicht nur darauf ankommt ob, wie und was man lernt, sondern auch wo. In welchem Lernumfeld also. Entweder in langwierig sanierten Schulgebäuden der >Premiumklasse oder ein paar Meter weiter in zwei baufälligen Schulen, die kurz davor sind, in die „Luhansk-Klasse“ aufgenommen zu werden. Zu spitz formuliert? Mag sein. Mir egal.

Den Kindern in Luhansk werden die Schulen von russischen Raketen zerstört. Hier im Kiez sind es zum Glück keine Raketen. Hier sind es die Zeit und die Behörden, die zwei Schulen an den Grenzen der Betriebserlaubnis laufen lassen. Der einen Schule flogen bereits Teile des Daches weg, bei der anderen fallen Fenster aus den Wänden. Die Kids können durch Löcher in den Wänden in die Nachbarräume schauen. Wie praktisch, oder? In beiden Fällen gehen die Kids nicht mehr aufs Klo und „verkneifen“ sich ihre Geschäfte, bis sie wieder zu Hause sind. Selbst die Versicherungen ziehen sich schon zurück.

Was nun? Schulschließung, Home Schooling oder die Verteilung der Kids auf andere Schulen. Ha, ha, auf welche denn?

Mehr Hintergründe will ich hier gar nicht aufführen. Stattdessen verlinke ich zwei Artikel.

TAZ vom 13.09.2022

https://taz.de/Marode-Schulen-in-Berlin/!5877884/#:~:text=Das%20Gymnasium%20zwischen%20Velodrom%20und,aus%20den%2070er%20Jahren%20geplant

Berliner Morgenpost vom 20.09.2022

https://www.morgenpost.de/bezirke/pankow/article236476259/Schuldrama-in-Pankow-Tunnel-schuetzen-Kinder-vor-Truemmern.html

Die Formulierung „heruntergekommener DDR-Typenbau“ stößt mir da etwas sauer auf. In der DDR hat man wenigstens nicht jede Schule neu erfunden, sondern man konnte mit Standardbauten an vielen Orten in kurzer Zeit gleiche Schulen schaffen. Das war dann zwar wenig individuell, aber man sparte die Zeit und Kosten der Bauplanung. „Heruntergekommen“ ist der Bau nach nun mittlerweile 30(!) Jahren Wiedervereinigung. Und eigentlich kann ein Gebäude nicht von allein „herunterkommen“, es sei denn man „wirtschaftet es herunter“. Glückwunsch! Das ist bald kein Lernraum mehr, nicht mal Lärmraum, sondern wohl eher viel Leerraum.

Auch das oft gebrachte Argument „Rasant steigende Schülerzahlen durch Zuzug und Geburtenboom“ ist doch Blödsinn. Es kann doch nicht so schwer sein, aus Melderegister und Geburtenstatistik frühzeitig den Bedarf an Schulbildung zu erkennen und wenn man dann noch x Prozent für Gäste und Flüchtlinge draufrechnet, dann hat man die nötigen Schulplätze schwarz auf weiß. Das Pankow und Prenzlauer Berg „hipp“ sind, dass wusste man seit Ender der 90er Jahre. Das sind alles nur billige Ausreden und zeugt von Dille … Diele … Diletan … wie schreibt man das doch gleich … also Unfähigkeit.    

Na immerhin haben wir die Presse an unserer Seite.

Wie kann das so weit kommen? Woran liegt es?

  • An der Lage des Objekts? Daran, dass die Schule an der Grenze des Wahlkreise liegt. In der dritten Reihe, hinten an der S-Bahn, von der großen Straße nicht sichtbar, von Bäumen verdeckt?
  • Am Budget? Fehlt da schlichtweg Geld? Kann ich mir nicht vorstellen. Das Bauprojekt war ja budgetiert und terminiert. Und es wurden sogar schon Pläne und Skizzen an die Eltern zur Mitbestimmung verteilt.
  • An den Prioritäten? Wohl eher. Für das Technische Finanzamt wird nebenan ein 12-geschossiges DDR-Sportlerheim saniert. Seit zwei Jahren nun „schon“ bauen sie da. Ein paar Meter weiter wurde der Bau eine Hotels genehmigt. Mitten im Wohngebiet! Ich habe gehört, dass die Finanzierung genauso wackelt, wie die Schule des Kindes. Na wunderbar. Ich sehe schon die nächste Bauruine entstehen. Vielleicht kann man dann aus dem Rohbau wenigstens später noch eine Schule machen.

  • Am fehlenden Willen? Nee, Berlin hat ja Willen. Die Stadt kann in Windeseile >grüne Fahrradwege auf die Straße malen oder >rote Baken draufnageln, kann >Container-Dörfer für geflüchtete Menschen schaffen und sogar eine Fortsetzung der 9-EUR-Ticket-Idee wurde „flott“ entschieden. Kita-Plätze kosten nichts, Schulessen wird auch finanziert. Respekt. Da ist Berlin echt Vorreiter. Kann man stolz drauf sein. Wirklich. Aber bei dieser Schule will man eben nicht doll genug, nun rutscht sie möglicherweise von der Liste und die Kids halt „irgendwo“ hin. Oder ab.

Tja, liebe Kinder, vielleicht macht ihr bald „Rail-Schooling“. Ihr setzt euch mit eurem Lehrer einfach in die  >57) Ringbahn und fahrt den ganzen Tag im Kreis. Da gibts zwar auch kein Klo, aber Fenster und Türen schließen immerhin, es ist halbwegs warm und es besteht wenigstens keine Lebensgefahr. Meistens zumindest.

Wir wünschen euch gute Fahrt auf dem weiteren Bildungsweg!
T.

Mehr Stoff zum Thema Schule von mir … gibt’s hier:

68) Postkarte aus Berlin

Der Reiner fragte gestern in einem Kommentar zu >New Dress (2022) ob ich denn schon an der Britischen Botschaft war. Zunächst fragte ich mich, was ich da soll. Aber warum eigentlich nicht? Wetter war ja super, also Botten an, Eschbachs Hörbuch „Freiheitsgeld“ auf die Uhren und abmarschiert. Nicht elektrisch, nicht dieselig, nicht 9-EUR-based, sondern ganz klassisch … auf zwei blassen Beinen mit Füßen dran.

Und so ergaben sich für mich, der ja sonst nicht viel aus seinem Höhlen-Office heraus kommt, neue Eindrücke und Motive. Berlin City East, mal aus anderen Blickwinkeln und mit viel Kontrast.

Los gehts:

Marienkirche und Fernsehturm, ungefähr 750 und 50 Jahre alt.

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Der Berliner Dom, mein Nickname, ein paar halbnackte Römer und der „Telespargel“.

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Neuer Betonklotz mit alt anmutender Fassade, auch Humboldt Forum genannt.

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Die Champus-Bude am Bebelplatz hinter der Staatsoper hat geschlossen. Tja, die fetten Jahre sind vorbei.

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Blumen für die Queen. Und nein, ihr müsst da nicht anrufen, es ist keine Bananenschale da links außen.

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Kurzer Halt auf der Schlossbrücke, mit Blick auf Staatsratsgebäude und Humboldt Forum im Spiegel

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Einst Amtssitz des Staatsrats der DDR. Mit dem Balkon vom ehemaligen Stadtschloss, welches 1950 von der DDR gesprengt wurde, um dem Palast der Republik Platz zu machen (a.k.a. „Erichs Lampenladen“), der wiederum Mitte der 2000-er Jahre durch das wiedervereinte Deutschland abgerissen wurde und an dessen Stelle nun das Humboldt Forum steht, welches aussieht wie das ehemalige Stadtschloss. Nur halt ohne Balkon. Denn der hängt ja noch am Staatsratsgebäude wie ich ja eben schon gesagt habe. Heute sitzt die European School of Management and Technology da drin und steht hinter der Ukraine. Kompliziert? Tja, so ist Geschichte.

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Quiz: Sortieren Sie die Gebäude nach Alter.

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Schön zu sehen, die Reflexion in Form eines Kreuzes. Was für ein Ärgernis. Mehr gibs hier im Wiki zu lesen https://de.wikipedia.org/wiki/Rache_des_Papstes

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Wie steigert man eigentlich „dom“?
Dom, Dömer …

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… am Dömsten. Einen Dömer bitte, Scharf und Kräuter …>Salat alles.

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Im Nikolaiviertel ist wie immer alles ganz friedlich.

„Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land; allen Menschen, groß und kleinen, bist du wohlbekannt.
Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sag es hier, dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir.
Fliege übers große Wasser, über Berg und Tal; bringe allen Menschen Frieden, grüß sie tausendmal.
Und wir wünschen für die Reise Freude und viel Glück; kleine weiße Friedenstaube, komm recht bald zurück.“

Klingt irgendwie kitschig, ist aber aktueller denn je.

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Hier wurde schon vor über 750 Jahren das Take Away-Konzept erfunden, was später als Click & Collect noch mal in Mode kam. Aber 6 DM für ein kleines Bier aus der Luke? Mein lieber Scholli. Das sind ja 12 Ost-Mark!!

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Und trotz der Take Away Kultur werden händeringend Gastgeber gesucht. Auch männliche Hostessen. Also Horstessen 😉 ?

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Zum Abschluss noch mal das Red Office unserer regierenden Bürgermeisterin, die sicher den besten Fernsehempfang der Stadt hat.

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Schön war‘s, sollte ich bald wieder mal machen.

355) Mann hinterm Fenster

Alles schwarz-weiß, manchmal lila
Der oberste Sowjet kommt in die Stadt
Klasse soll winken, Schönhauser Allee
Beim Kino Colosseum, unter der Bahn
Winkelemente erwünscht
Anderer Schmuck ebenso
Präsenz ist Pflicht

Was sollen sie anziehen?
Was nehmen sie mit?
Plakate oder Fähnchen?
Auf keinen Fall!
Riecht nach Veränderung
Schneiden Gorbatschow aus der Zeitung
Schwarzweiß, verpixelt, druckerschwarz
Heften ihn an die „Base-Caps“
Und stehen in erster Reihe
Pünktlich an der Schönhauser

Dunkle Volvos mit Licht und Fahnen
Kommen von rechts, fahren Kolonne
Der Wagen da, der in der Mitte!
Fenster halb geöffnet
Ist er das? Kann er es sein?
Der Mann hinterm Fenster winkt
Ja, er ist es
Die Jungs rufen
„Gorbi, Gorbi, Gorbi!“

Berlin, 1989

Veränderung ist in der Stadt

R.i.P. Gorbi

354) Was ist zum Henker … ist eine Gemarkung?

Unsere verrückte Vuca-Welt bringt jeden Tag neue Begriffe hervor. Manche sind künstlich erschaffen, manche kombiniert, manche „verdenglischt“ und manche werden schon gar nicht mehr übersetzt. Es scheint aber Bereiche in der Sprache zu geben, da fühlt man sich immer noch wie im späten Mittelalter. 

Ich hab die letzten Tage inhaltlich einiges mit dem Thema „Grund und Boden“ zu tun gehabt und habe mich durch die Begrifflichkeiten gequält. Hier mal ein paar schöne Auszüge, so rein, so unbefleckt, so isoliert und resistent gegen all das bunte Treiben der kreativen Wortfindungen da draußen.

Schritt für Schritt:

Gemarkung:
Ich bin schier verzweifelt, dieses Wort sagte mir nichts. Ich kann mit Postleitzahlen umgehen, mit Gemeinde-Schlüsseln, Vorwahlen, BIC-Codes und selbst an >IBAN den Schrecklichen habe ich mich gewöhnt, aber was zum Henker ist eine Gemarkung?
Wiki sagt: „Eine Gemarkung ist eine Flächeneinheit des Liegenschaftskatasters. Die Gemarkung bildet einen Grundstücksverband aus einer größeren Zahl von in der Regel zusammenhängenden Grundstücken bzw. Flurstücken“.
Ah ja. Das einzige Wort was ich hier kenne ist … „Grundstück“ 😉

Kataster:
Nein, das ist kein Kartenspiel, auch wenn es so klingt. Es wurde wohl dem italienischen Wort „catastro“ (Steuerregister 17. Jahrhundert) entlehnt (auch Wikipedia) und hat nix mit dem kubanischen Revolutionsführer zu tun.

Flurstück:
Nicht Frühstück, nicht Flurfunk, nein auch nicht ein Stück Fluor für die Zähne.
Wiki sagt: „Ein Flurstück, in Österreich auch als Grundstück oder Parzelle bezeichnet, ist ein amtlich vermessener und in der Regel örtlich abgemarkter Teil der Erdoberfläche.“ Jaaa, „Parzelle“, das kenn‘ ich.
Jedes Flurstück hat, wie sollte es auch in Deutschland anders sein, hat eine „Flurstücksnummer“ (parcel-ID 😉 ). Die Flurstücksnummer besteht aus Zähler und Nenner … oh je … jetzt bin ich raus. Werde mir das nie merken können….

Grundbuch:
Hier habe ich ein großes schweres Buch vor Augen, in das Beamte mit Federkiel und Tintenfass schlaue Eintragungen machen und mit einem Siegel bestätigen.
Wenn man sich einen Grundbuchauszug bestellt, sieht das auch genauso aus. Sorry. Will, keinem zu nahe treten, aber ein bisschen schicker … könnt es schon aussehen.

Blatt-Nummer:
So ein Grundbuch ist natürlich in „Blätter“ organisiert, jedes Blatt ist wiederum nummeriert und in „Abteilungen“ unterteilt.

Abteilungen:
„Abteiluuuuuung Marsch … oder kehrt? Personalabteilung? Nee.
Wiki sagt: „Als Abteilungen werden im deutschen Grundbuchrecht die verschiedenen, in sich abgeschlossenen Abschnitte eines Grundbuchblattes bezeichnet, die dessen Gliederung dienen.“
Klar?

Wer dann noch Lust hat oder eben muss, kann sich noch mit Bodenrichtwert, Bodenrichtzone und Bruchteilsgemeinschatfen und so weiter beschäftigen.

Again what learned … würde ich sagen.

Was bin ich froh, dass ich nicht zig Liegenschaften, Golfplätze und Hotels besitze … 😉

347) Wo sind die alle nur hin?

Egal in welchem Berufs-oder Tätigkeitsfeld, es mangelt an Arbeitskräften, heißt es. Bei den Lehrkräften, in der Gastronomie, Hotellerie, im Ground Service bei den Airports, überall. 

Aber wo sind die alle nur hin?
Das hat sicher verschiedene Ursachen. Die Sport-und Veranstaltungsbranche lag während der ersten Corona-Monate brach, die Reisebranche genauso. Logisch, dass sich Mitarbeiter anderweitig orientierten. Sicher entstanden auch neue Jobs bei Covid-Test-Centern oder bei privaten Fahrdiensten. Manche Fachkräfte sind vielleicht auch wieder in ihre Heimatländer zurückgegangen. Bestimmt haben so einige Firmen die Lockdowns auch als willkommene Restrukturierungsmaßnahme genutzt. Kann alles sein, wird wohl von allem etwas dabei sein. Aber in der Größenordnung kann ich das trotzdem nicht verstehen.

Was machen die heute alle?
Sind die ehemaligen Küchenkräfte, Reinigungskräfte, Sicherheitsdienste, Köche, Kofferträger nun mit blauen Rucksäcken auf Fahrrädern unterwegs und verteilen labberige Pizza? Sind das die Menschen, die nachts die Akkus an den tausenden E-Rollern tauschen? Die > Car-Sharing-Autos durchsaugen? Die vielen Amazon-Kuriere, die durch die Stadt hetzen? Die DSL-Berater, die auf einmal vor der Tür stehen? Sind das die Kräfte an denen es woanders nun mangelt? Und jetzt mal angenommen, das ist wirklich so. Dann hieße das doch, dass die Mitarbeiter nicht in ihre alten Jobs zurück können … oder wollen.

Was heißt das nun für diese Branchen?
Haben die ausgedient? Wurden die wegdigitalisiert, weginfiziert? Verrammeln wir die Kneipen, kleben Foto-Tapete auf die Scheiben und lassen das Food ganz trendy > nach Hause delivern? Die Barista-Bar brauchen wir auch nicht mir weil wir uns den Chai-Latte zu Hause aus dem Vollautomaten ziehen oder auch bestellen? Schließen wir die Hotels und schlafen nur noch auf den Couches fremder Menschen? Verreisen wir letztlich dann doch irgendwann nur noch virtuell? So wie hier in der Reihe > Reisen 6.0.

Solche Fragen mitten in der Nacht …

  • Weil der Flieger aus Berlin schon deutlich verspätet in Bastia ankam …
  • und wir daher erst kurz vor dem Nachflugverbot 23:40 in Berlin landeten …
  • und der letzte Express-Zug in die Innenstadt mit 00:13 geht …
  • und der ganze A319 aber mit nur mit einem Flughafen-Bus geräumt wird …
  • und die Koffer 45 Minuten nach Landung immer noch nicht ans Tageslicht gewürgt sind …
  • und man deshalb auch die Bummel-S-Bahn um 00:33 verpasst …
  • und man die Koffer erst um 00:47 in den Händen hält …
  • und man der nach der nächsten Bummel-S-Bahn 00:53 flitzt …
  • und man dann 01:50 endlich zu Hause ist …
  • dann sind das sicher alles nur Luxusprobleme … hätten ja Regional verreisen können … aber zeigt doch auch, dass es da gehörig klemmt und an Human-Ressourcen mangelt.

Aber in der Bummel-S-Bahn 00:53, war die Stimmung gut. Kaum einer trug eine Maske, das Bier floss in Strömen. Hyper Hyper!

Alles gut also … Willkommen in der Bundeshauptstadt!

Ei, Ei, Ei … da kommt was auf uns zu.