93) Wie lange dauert’n Dach noch?

Ich glaub’s ja nich’. Die Baustelle am Haus gegenüber wird aufgelöst.

Seit 2020 (!) baut man da Dachstühle aus. Weil die Wohnungen in Berlin doch so knapp sind, war halt „Eile“ geboten.

Nein, soweit ich das sehen kann, wurden keine goldenen Badewannen verbaut. Auch keine Dachgärten, Swimmingpools oder Hubschrauberlandeplätze. Nee.

Dach wegnehmen, neues Dach draufsetzen und innen ausbauen. That’s it.

Na ja … aber dann kamen … Corona-Pandemie, Lieferkettenkrise, Suezkanal-Blockade, Rohstoffmangel, Baustoffmangel, Halbleiterkrise, Hochwasserkatastrophe, Ukrainekrieg, Energiekrise, Gaskrise, Inflation, Niedrigwasser, Hochwasser, Zinskrise, Fachkräftemangel, Baukrise, Haushaltskrise, Rezession, Zollkonflikte, Hormus … dann die böse Bahn … Demographie … Stadtbild … Fußball-WM … Sommer … Waldbrände … die böse KI … die böse AfD … der böse Putin … und die Drohne in Leipzig … nicht vergessen … furchtbar … alles … so furchtbar.

In ungefähr der Hälfte der Zeit haben die Italiener in Genua eine eingestürzte Autobahnbrücke neu gebaut, die Inder einen Flughafen hingestellt und die Franzosen Notre-Dame nach einem verheerenden Brand wiederaufgebaut … während hier jahrelang entweder Gerüste standen, die Straße halbseitig gesperrt war … oder beides.

Aber ich will ja nich’ meck’an …

Immerhin gibt’s jetzt wieder ein paar mehr Parkplätze.

Schönen Dach noch!

 

Und ein paar Blogbeiträge sind in dem Kontext ja auch entstanden:

Zum Schluß noch ein paar Titel, die ich mit der KI diskutiert habe … zu schade, sie nicht zu bringen.

Abspann …

  • Alles unter Dach und Fach
  • Dach überm Kopf
  • Dach der Dinge
  • Das dauert noch ein Dach
  • Ach du dickes Dach
  • Dach fertig. Welt gerettet.
  • Das Dach der langen Dinge
  • Am Ende wird alles Dach

116) Macht‘s doch selber!

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre war ich mehrere Male in Folge auf der CeBIT in Hannover, damals eine der weltweit größten Messen für Informationstechnik.

Schon damals wurden dort die ersten „Selfservice-Kassen“ für den „Point of Sale“ ausgestellt. Zu Deutsch: für den Handel.

Über 25 Jahre hat es dann gedauert, bis diese Dinger in unserem Alltag angekommen sind.

Angefangen hat es in Deutschland bei der großen Sportartikel-Kette, dann beim schwedischen Möbelhaus mit den Bouletten in brauner Sauce. Und nun sind die Supermärkte dran. 

Auf meiner Reise durchs Baltikum gab es fast nur noch Selfservice-Kassen. In praktisch jedem mittelgroßen Supermarkt habe ich sie gesehen. Vielleicht noch ein, zwei klassische Kassen mit Förderband und menschlicher Kraft, die nebenbei auch die Selfservice-Kassen beobachten und einschreiten müssen, wenn mal wieder jemand nicht weiterkommt.

Ein vertüdelter Rentner zum Beispiel.

Oder ich.

Für eine Handvoll Produkte ist das ja ganz nett. Und tatsächlich auch schneller.

Aber bei meinem Wochenendeinkauf habe ich wirklich keine Lust, auch noch selbst zu kassieren.

Das ganze Zeug aus dem Korb nehmen, über den Scanner ziehen, auf die Waage legen, wieder in den Korb und anschließend ins Auto. Und am Ende steht das Bier auf den Tomaten.

Ich will das nicht.

Macht das doch bitte selber!

Und ich frage mich, was da wohl noch kommt:

  • Soll ich demnächst die Produkte beim Großhandel abholen, sie im Supermarkt ins Regal stellen, damit ich sie anschließend wieder rausnehmen darf.
  • Soll ich mich noch hinter die Fleischtheke stellen und Bierschinken oder die vegane Wurst schneiden? Oder gar die Frau Antje aus Holland spielen?
  • Soll ich auch noch den Backautomaten bedienen, bevor ich mir die warmen Brötchen mit der Zange in meinen Plastikbeutel stecke?

Selfservice ist ja schön und gut.

Aber irgendwann ist auch mal Schluss.

Ich möchte eigentlich nur einkaufen und nicht anderer Menschen Arbeit machen …

PS: Titelbild via KI

 

808) Schleifen, spachteln, hören

Dieser Tage reichen bereits wenige Buchstaben, um mir schlechte Laune und Ratlosigkeit zu verschaffen.

Af …

Tru …

Wah …

Friedr …

Alice …

Siegm …

Polarisi …

Social Me …

Selbst mein Schreibprogramm weigert sich, diese Wortfetzen so stehen zu lassen und will sie ständig sinnvoll auffüllen. Aber ich will das nicht!

Und dann frage ich mich immer öfter, was ich dagegen tun kann. Vielleicht sogar … müsste. Aber ich habe da noch keine Antwort drauf.

Stattdessen fokussiere ich mich auf die kleine Welt um mich herum. Ein nettes Gespräch mit dem Nachbarn, eine herzliche Plauderei an der Kasse, die Suche nach Dialog in der kleiner werdenden Familie. Tja, und ansonsten renoviere ich ein Zimmer, lasse mir damit Zeit und verliere mich in Details.

 

Auf den Ohren immer wieder schlaue, tiefgehende Gespräche. Menschen, die differenzieren, zuhören, nach vorne denken. Die nicht nur schreien, was alles schiefläuft, sondern nach Möglichkeiten suchen. Nach Lösungen. Nach dem, was wir tun können. Danke an Maja Göpel und Matze Hielscher.

Und während ich ihnen zuhöre, mache ich ziemlich kleine Dinge.

Ich verschließe Löcher in den Wänden. Schleife Stellen im Parkett nach und lackiere sie neu. Gleiche Stoßstellen aus, kümmere mich um Macken und Anrempelungen an den Türen, die sich über die Jahre angesammelt haben. Manches davon dauert erstaunlich lange. Schleifen, spachteln, warten, noch einmal schleifen. Genau hinschauen. Noch mal nachbessern.

Und zwischendurch fahre ich immer wieder mit der flachen Hand über das Holz und merke, dass ich diese Kleinteiligkeit gerade sehr mag.

Dazu diese warmen Stimmen, dieser klugen Menschen, die nachdenken, ohne zu verzweifeln. Die Möglichkeiten sehen, wo ich gerade oft nur Fragezeichen sehe.

Und das Schöne ist: Es wartet noch ein weiteres Zimmer auf mich. Das soll Ende November fertig sein.

Ich habe also noch ein bisschen Zeit.

PS: Titelbild via KI, aber verdammt dicht dran

807) Eine dünne Schicht Menschheit

Wenn man an den großen Cliffs in Irland steht, sieht man wunderbar die Gesteinsschichten, die sich über Millionen von Jahren aufgebaut haben. Unterschiedlich gefärbt, unterschiedlich dick.

Da komme ich dann schon mal ins Grübeln, was wohl stattgefunden haben muss, um solche gewaltigen Spuren zu hinterlassen.

Und kurz darauf folgt meist die Frage: Was wird wohl mal von uns bleiben? Von uns Menschen.

Ein ähnlicher Gedanke kam erst kürzlich im Podcast zwischen Matze Hielscher und Peter Wohlleben auf, bei „Hotel Matze“ am 2. September.

Tja, und da ich mir das nur schwer vorstellen, geschweige denn berechnen kann, habe ich mal die KI um Unterstützung gebeten.

Wenn man also all die Materialmasse, die wir Menschen geschaffen haben, nehmen und mit einer gigantischen Planierraupe gleichmäßig über die gesamte Landfläche der Erde verteilen würde, wäre diese Schicht nur etwa 3 bis 4 Millimeter dick.

Wow.

Ich hatte mir eher meterdicke Geschichten aus Stein, Plastik und Stahl vorgestellt. Aber klar: Vieles von dem Zeug verrottet oder zerfällt mit der Zeit. Die Kalkulation hänge ich unten an.

Verschmiert man das Material aber nicht über die ganze Landfläche, sondern lässt es dort, wo es entstanden ist, könnte bei den heutigen Metropolen eine Schicht von mehreren Metern, stellenweise vielleicht sogar einigen zehn Metern verbleiben.

Aber letztlich ist es auch egal.

Es wird eine wie auch immer geartete, vermutlich ziemlich streng riechende und ziemlich bunte Schlorze sein, die von uns übrig bleibt.

Und dann ist auch völlig wurscht, ob man sich zu Lebzeiten zur Unterschicht oder Oberschicht zählte.

Gelangweilte Alien-Teenager werden irgendwann auf Klassenfahrt vor den großen Cliffs stehen, auf diese merkwürdige Schicht zeigen, mit den Schultern zucken und die Reiseleitung fragen:

„Mhm …ok, check. Und was machen wir heute sonst noch so?“

PS: Titelbild via KI

 

Und nun noch wie versprochen die Herleitung … im Zitat:

„Die gesamte menschengemachte Masse wurde für 2020 auf rund 1,1 Billionen Tonnen geschätzt. Dazu zählen vor allem Beton, Zuschlagstoffe, Ziegel, Asphalt, Metalle und Kunststoffe. Nimmt man für dieses Material vereinfacht eine durchschnittliche Dichte von etwa 2 Tonnen pro Kubikmeter an, ergibt das rund 550 Milliarden Kubikmeter.

Verteilt man diese Menge gleichmäßig:

• über die gesamte Erdoberfläche von rund 510 Millionen km²: etwa 1 Millimeter Schichtdicke

• nur über die Landfläche von rund 149 Millionen km²: etwa 3,7 Millimeter Schichtdicke

In Metropolen konzentriert sich natürlich viel mehr Material. Für chinesische Großstädte ergibt eine grobe Rechnung etwa 1 Meter, in besonders dicht bebauten Zentren mehrere Meter.

New Yorks Gebäude allein wiegen schätzungsweise 764 Millionen Tonnen. Plattgewalzt über die gesamte Stadtfläche wären das bereits rund ein halber Meter, Straßen, Brücken, Tunnel und andere Infrastruktur noch nicht mitgerechnet.

Alles nur Überschlagsrechnungen, aber die Größenordnung passt.“

 

 

92) Hatz, Hast und Hetze

Über Hass und Hetze wird viel geschrieben. Zurecht, denn da gibt es ein paar sehr gefährliche Entwicklungen. Aber heute will ich mal über Hatz, Hast und Hetze in Berlin schreiben.

Denn gerade wenn man nach längerer Zeit wieder zurück nach Berlin kommt, merkt man sofort, wie scheinbar irre hier doch alle sind.

Hat man sich im Ausland irgendwann damit abgefunden oder sogar angefreundet, mit 90 km/h unterwegs zu sein, hat man das Laissez-faire und eine gewisse Langsamkeit genossen, ist das spätestens mit dem Überfahren der Berliner Stadtgrenze vorbei.

Man fragt sich unweigerlich: Habe ich vielleicht die Benimmregeln am Ortseingangsschild übersehen?

 

Achtung, Sie betreten den Sektor Berlin.

Ab sofort eilen Sie mit Tunnelblick durch die Straßen. Schauen Sie dabei möglichst griesgrämig drein und/oder auf Ihr Handy.

Gehen Sie bloß nicht zu langsam. Die Richtgeschwindigkeit beträgt mindestens 20 Prozent über normal.

Blockierte Rolltreppen dürfen ausdrücklich mit Schnaufen, Augenrollen oder der Aufforderung „Ick hab ja Zeit“ geräumt werden. Im Zweifel quetschen Sie sich einfach vorbei. Ob dabei jemand vornüberkippt, ist zweitrangig.

Sollten Sie irgendwo warten müssen, machen Sie durch hektisches Schauen, Seufzen und demonstratives Kontrollieren der Uhr deutlich, dass Ihre Zeit wertvoller ist als die aller anderen Herumirrenden.

Wird im Supermarkt zögerlich eine zweite Kasse aufgerufen, verlassen Sie unverzüglich die bisherige Schlange und arbeiten sich in Wayne-Rooney-Manier durch das Mittelfeld nach vorn zum Ziel. Wer zuerst an der neuen Kasse steht, hat gewonnen.

Erwachsene Radfahrerinnen und Radfahrer sind gehalten, bevorzugt die Fußwege zu nutzen. Das verschafft einen zeitlichen Vorteil und schont auf dem vorkriegszeitlichen Berliner Straßenpflaster Fahrrad, Handgelenke und unteren Rücken.

Ampelsignale sind ab sofort weitgehend irrelevant, bestenfalls Empfehlungen. Auch wenn Kinder am Straßenrand stehen, müssen Sie selbstverständlich kein Vorbild sein.

Wenn eine Bahn das Abfahrtssignal gibt, werfen Sie sich mit aller Kraft gegen die Türen. Blockieren Sie diese mit Rucksäcken, Taschen oder allem anderen, was Sie gerade dabeihaben. Sie haben schließlich einen Anspruch auf genau diese Bahn.

Sollte die Bahn trotzdem abfahren, hämmern Sie wütend gegen die Türen, spucken Sie gegen die Scheiben und flippen Sie ruhig ein wenig aus.

Nimmt Ihnen jemand die Vorfahrt, steigen Sie aus, gehen Sie zum Fenster des anderen und drohen Sie ihm Prügel an. Vergessen Sie dabei bitte nicht, ordentlich zu blöken. Schließlich müssen auch alle anderen Verkehrsteilnehmer und Anwohner erfahren, dass Ihnen gerade Unrecht widerfahren ist.

Und sollten Sie dieses Schild übersehen haben: Keine Sorge.

Es ist ansteckend. Sie werden sehen.

Willkommen in Berlin.

 

PS: Titelbild via KI

806) Es gibt Alternativen

Bald wird in Berlin gewählt, die Laternen hängen voller Plakate. Wer weit oben hängt, bleibt weitestgehend geschützt, weiter unten werden schmale Bärte angemalt und die Augen ausgekratzt. Tja, so ist das mit dem oben und unten.

Heute jedoch, nach dem Joggen, kam ich an diesem Plakat vorbei, ein Plakat der Grünen, was aber für den Beitrag hier aber eigentlich Wurscht ist. Das Plakat hing zwar unten, wurde aber eben nicht geschändet, sondern durch einen weiteren Zettel ergänzt. Und da es der einzige Zettel weit und breit war und sich das Papier auch nicht auf die Grünen bezog, gehe ich mal von einer Privat-Initiative aus und nicht von einer konzertierten Aktion. Die Behörden können sich also um andere Dinge kümmern.

Hier eine Abschrift von dem Zettel, nicht ganz widerspruchsfrei, aber trotzdem etwas zum drauf Herumkauen. Außerdem kann KI das dann gern hier einsammeln und dem ein oder anderen Unentschlossenem ins Ohr flüstern.

„Wenn Du Menschen brauchst, eine Gemeinschaft, die Dich wirklich sieht, die Dir zuhört und die sich für Dich, Deine Ängste, Sorgen, Nöte und Freuden interessiert, die für Dich einsteht und für Dich da ist – lass Dir sagen: Die AfD ist es nicht. Es ist auch keine andere Partei. Das, was Du brauchst, was jeder Mensch auf der Erde braucht, kommt aus Quellen, die wohlwollend und liebevoll sind. Dort wird auf Gemeinsamkeiten und nicht auf Unterschiede geguckt. Guck Dich um. Suche Dir eine Gemeinschaft, wo Du das findest, und dann geh wählen. Es gibt Alternativen.

Die AfD ist es nicht.“

Verfasser (zumindest mir) unbekannt

805) In the year 74, 74 … will we be still here anymore …

Neulich habe ich eine Versicherung für den Stammhalter unterschrieben, Vertragslaufzeit bis 2074 … da musste ich erst mal deutlich schlucken. Im Jahr 2074 … da bin ich … warte mal … entweder in den ewigen Jagdgründen oder hänge an irgendwelchen Maschinen.

Meine Güte, was wird da wohl sein?

 

  • Schwirren da Roboter oder kleine Mini-Drohnen um mich herum, die mich oben- und untenrum trocken, frisch und bei Botox halten?
  • Fliegen bis dahin Autos durch die Luft, was ich eigentlich schon für 2024 erwartet hatte?
  • Machen die Maschinen die Jobs, die wir bislang für unmöglich hielten, wie zum Beispiel Taxifahren in Bengaluru oder das Zimmer des Sohnes aufräumen?
  • Haben wir einen dritten Weltkrieg überstanden oder sind wir knapp daran vorbeigeschrammt?
  • Hat das Monument am Mount Rushmore einen Kopf mehr … und steht mittlerweile auf dem Mars?
  • Reicht das Meer bis nach Berlin? Sind Bangladesch und Holland mittlerweile Tauchreviere? Ist das Great Amsterdam Reef der neueste Scheiß?
  • Ist die Erde furztrocken und kloppen wir uns mit Batterieherstellern und KI-Betreibern ums Wasser? Können die Menschen wenigstens am Abwasser nippen?
  • Blubbern die meisten Menschen in rosa Blubberwasser vor sich hin, erzeugen mit ihren Körpern Strom und schauen FatFlix?
  • Hat Deutschland aus seiner Wirtschaftskrise herausgefunden? Fährt die Bahn so pünktlich, dass man lieber zehn Minuten vor Abfahrt am Gleis steht?

Hier noch eine Auswahl an Fragen, die sich die KI ausgedacht hat: 
Mann, oh Mann, ich weiß gar nicht, ob ich das alles erleben will.

  • Gibt es noch Smartphones oder erzählen wir unseren Enkeln kopfschüttelnd, dass wir früher kleine Glasscheiben aus der Tasche gezogen und mit dem Finger darauf herumgewischt haben?
  • Ist KI 2074 endlich intelligent genug, um eine deutsche Steuererklärung zu verstehen, oder hat sie irgendwann einfach aufgegeben?
  • Arbeiten wir noch fünf Tage die Woche oder gilt „Arbeit“ mittlerweile als dieses seltsame Hobby, dem unsere Großeltern nachgegangen sind?
  • Essen wir noch Kühe oder drucken wir uns ein Ribeye aus dem Fleischdrucker und streiten anschließend darüber, ob das Tierwohl-Label auf Druckerpatronen gehört?
  • Können wir Gedanken direkt verschicken und bereuen anschließend die Zeit, in der man wenigstens noch die Chance hatte, eine WhatsApp vor dem Abschicken zu löschen?

PS 1: Titelbild via KI

PS 2: letzte fünf Fragen ebenso

804) Buchstabensuppe mit Alles – 13

Dieser Tage sitze ich oft vor meinem Blog und denke, ich würde ja schon gern was schreiben … aber dann lasse ich es wieder und schiebe die Entwürfe … weg. Warum? Ist eine Art von Sättigung erreicht? Bin ich noch überwältigt von der großen Fahrt im Juni und Juli? Gibt es sonst keine Themen?

Aber an Themen mangelt es eigentlich nicht.

Ich könnte mich darüber aufregen, dass seit vier (!) Jahren das Dachgeschoss gegenüber ausgebaut wird und die „aktuelle“ Baustelle mittlerweile seit über 18 Monaten einen Fahrstreifen und Parkplätze wegnimmt. Gleiches könnte ich von einer Ortsdurchfahrt im Berliner Südosten berichten, wo seit Januar 24 oder 25? eine Strecke von einem Kilometer neu gemacht wird. Nicht zu schweigen von einer riesigen Baulücke hier im Kiez, wo mal irgendein windiger Investor ein Hotel hinstellen wollte. Und nun? Nüscht.

Aber wenn ich das tue, rutsche ich sofort ins Meckern ab. Und das macht mich erstens nicht glücklicher und ist zweitens aktuell auch nicht hilfreich.

Dann könnte ich mich über diesen orangen Heini hinterm großen Teich lustig machen. Könnte mich echauffieren, wie viel Sendezeit und wie viele Fotos die silberhaarige Grinsebacke mit dem edlen Namen aus Sachsen-Anhalt bekommt oder welchen Blödsinn seine Partei hier in Berlin auf die Wahlplakate schreibt. Aber auch da denke ich mir: Es bringt eh nichts, was ich hier schreibe. Insofern lasse ich es.

Ich könnte schreiben, dass ich einen neuen Rasenmäher brauche, der Akkuschrauber im Arsch ist und ich auch noch eine kleine Schleifmaschine anschaffen muss, um ein paar Schäden am Fußboden zu beseitigen. Aber who cares. „Yippiejaja yippie yippie yeah“, denn: „Respekt, wer’s selber macht.“

Apropos selber machen. Ich hasse es, selber zu kassieren, was nun auch in Deutschland immer mehr Einzug hält. Ich habe da keinen Bock drauf. Ich will nicht auch noch alle anderen Jobs machen, meiner reicht mir eigentlich.

Ich könnte darüber schreiben, dass mich die Leute von WordPress immer mehr zur Weißglut treiben, weil sie ständig an ihrem Editor rumfummeln und der immer schlechter wird, statt besser. Vielleicht sollte ich diesem Laden auch mal eine Rechnung schreiben, so wie er mir jährlich eine schickt. Vielen Dank auch.

Ich könnte schreiben, dass nach den erreichten 50 die Knochen mehr Stress machen, die Hormone durcheinander sind und ich bei den entsprechenden Harmonien oder Filmsequenzen immer schneller feuchte Augen kriege.

Ich könnte eine Art Nachlese über meine Auszeit schreiben. Darüber, dass ich mich oft frage, was ich „hier“ eigentlich mache. Dass ich mir die endlosen Straßen zurückwünsche, mit diesen gigantischen Wolken und diesem irren, hellen Licht.

Von der Katastrophe in Nepal mal ganz zu schweigen.

Ja, könnte ich.

Aber …

 

 

12) Klangmoment: Plätschern am Waldplatz in Soala

Es wird so viel geredet. Übereinander, gegeneinander, nebeneinander und häufig drumherum.

Hier machen wir für eine Minute (heute sogar für zwei Minuten) das Gegenteil.

Mal einen Moment die Klappe halten, vielleicht Kopfhöher auf und „play“ drücken … sonst nichts.

Dieser Klangmoment stammt aus Estlands Westen, kurz vor Soela Sadam, ungefähr hier. https://maps.app.goo.gl/nSDt7CUsznnz9b3c9?g_st=ic Ich war auf der Küstenstraße 128 Richtung Norden unterwegs. Der Landstreifen zwischen Straße und Ufer war so schmal, dass man beim Vorbeifahren durch die Bäume das Ufer sehen konnte. „Mensch, hier muss es doch mal eine Möglichkeit geben … zu … halten.“ Und da war sie. Eine kleine Einfahrt. Also Blinker setzen, bremsen, abbiegen. Motor aus. Ruhe. Allein. Ein schmaler Weg führte zum Wasser, über mir die Vögel. Am Ufer plätschern kleine Wellen an Land. Eine Böe streicht durch die Baumkronen. Doch das Plätschern holt sich die Bühne zurück.

Soala, 26.06.2026

Blogbeiträge aus Estland:

146) Postkarte aus Estland (Tartu, Peipsiveere, Kõrvemaa, Tallinn)

148) Postkarte aus Estland (Harjumaa, Läänemaa, Saaremaa, Pärnu)

803) Personal Positioning System – 2

Vor zwei Jahren habe ich hier schon einmal über ein „Personal Positioning System“ nachgedacht. Eine Art GPS, mit dem wir uns zwischen links und rechts, oben und unten, vorn und hinten verorten können. Damals blieb am Ende die Erkenntnis: Ein solches PPS gibt es leider nicht zum Download. Da muss man wohl selber ran.

Aber selbst wenn wir ein solches System hätten. Würde es überhaupt funktionieren?

Stellen wir uns dazu einen dreidimensionalen Raum vor, zum Beispiel einen Würfel. Darin könnten wir uns ziemlich genau als Punkt positionieren. Auf den Achsen zwischen links und rechts, zwischen oben und unten und zwischen vorn und hinten. Und schon wissen wir, wo wir stehen, was wir wollen, und können für immer unsere Agenda durchziehen, weil wir halt nun mal „so einer“ sind.

Aber ist es wirklich so einfach?

Ist es nicht eher so, dass unsere Position je nach Fragestellung oder Kontext variiert? Dass der Punkt also frei im Raum schwebt, sich immer wieder entlang der Achsen bewegt und nie ganz zur Ruhe kommt? Je nach Frage verschiebt er sich ein wenig nach links oder rechts, nach oben oder unten, nach vorn oder hinten.

Und selbst das scheint mir noch zu einfach.

Sind wir denn wirklich nur ein Punkt? Oder sind wir nicht vielmehr ein ganzer Schwarm von Punkten, die sich je nach Fragestellung unterschiedlich im Raum verteilen? Bin ich bei Thema A vielleicht eher links und hinten, bei Thema B dagegen rechts und vorn?

Vielleicht müssen wir uns also gar nicht so genau festlegen. Eine Position kann für einen bestimmten Moment, eine bestimmte Frage oder einen bestimmten Kontext richtig sein, ohne dass wir sie für alle anderen Fragen festschreiben müssen.

Und vielleicht ist der Würfel ohnehin viel zu klein und zu eckig. Neben links und rechts, oben und unten, vorn und hinten gibt es womöglich noch unzählige weitere Achsen, die wir bisher gar nicht eingezeichnet haben.

Vielleicht lohnt es sich, ein wenig Platz dafür zu lassen.

Co-Creation Project:

Gedankengang, Steuerung, Voice Prompting, Redaktion: ich, T.Head

Schreibarbeit: KI

PS: Titelbild via KI