Dass ich auf dem Weg zum Sportplatz hin und wieder einen Fuchs auf der Straße sehe, bringt mich längst nicht mehr aus dem Trab. Doch während die Tiere früher eher an den Häuserwänden entlangschlichen oder zwischen den Autos hindurchschlüpften, scheinen sie inzwischen all ihre Scheu verloren zu haben. Sie tollen gemeinsam über den weiten Kunstrasen, chillen auf dem Kinderspielplatz oder spazieren zu zweit über den Gehweg und schauen mich dabei erstaunt an. Bei uns im Viertel gibts Grünanlagen, offene Höfe und ausreichend Unterschlupf … und sicher auch eine leckere Maus … oder ein Stück Pizza.
Der Tisch ist reich gedeckt, da muss der Fuchs und seine Sippe nicht mehr durch’s sandige Brandenburg stromern. Die schlaue Familie Reineke scheint angekommen, gehört damit zum Stadtbild.
Mal gucken wo das wohl noch hinführt:
Irgendwann schmeißen sie sich vor mich und wollen am Bauch gekrault werden.
Beantragen Teilzeit und im Anschluss gleich noch die Fuchs-Sozialhilfe.
Kleben sich fest und setzen einen beleuchteten Fußüberweg durch.
Besetzen einen Fuchsbau und erklären ihn zur Republik.
Wer das Auf und Ab seiner Gefühle erleben will, sollte ab und zu mal zum Recyclinghof fahren. Tat ich gestern. Und es war wieder intensiv.
Dass natürlich gerade wieder Containerwechsel war, kürze ich ab. Das hatten wir schon mal. > Container-Wechsel. Und dass ich mir partout keine Containernummern merken kann, habe ich bestimmt auch schon mal geschrieben. Dann war ich endlich an der Reihe und schaltete in meinen charmanten und bewährten Recyclinghof-Modus.
Ick: Tach’chen, ick hätte zwei Zaunfelder, aber klein gemacht, einen Akkuschrauber und zwei winzige Regale.
Er: Der Akkuschrauber kommt inne 1, den Zaun müssen wa‘ uns mal ansehen.
Also öffnete ich den Kofferraum und zeigte auf den großen Gartensack.
Ick: Hier, allet schön kleen jemacht.
Er: Mhm … da is’ Faabe dran.
Ick: Ja, Holzschutz halt.
Er: Na, dann stell dein’ Sack mal da hinten uffe Waage. Kannst ooch rückwärts ranfahren, wenna zu schwer ist.
Mir lag ein schlüpfriger Kommentar auf den Lippen, aber den ließ ich besser mal stecken.
Ick: 26 Kilo zeigt’se.
Entweder folgt jetzt eine Belehrung, eine Rechnung oder ich werde vom Hof verwiesen.
Er: Pass mal uff, mein Lieber, bevor wa jetze hier alle verrückt machen, wirf dit Zeug mal da hinten inne Tonne und dann is’ jut.
Ick: Danke und schönen Tach’ noch!
Herrlich! Ich hätte ihm um den Hals fallen können. Es gibt doch noch Menschen, die Vernunft über Formalismus stellen. Ich habe wieder Hoffnung.
Aber das Hoch hielt nicht lange an.
Er: Aber mit den beeden Regalen da …
Ick: Ja, aber die sind ja so klein.
Er: Ja, aber der Container is jerade nich’ da. Kommt inna Viertelstunde.
Ick: Aber kann ick die nich’ … in ´nen anderen … Container …?
Er: Warte, ick frag’ mal.
Ick: Danke.
…
Er: Nee, jeet nich’. Musst ’de waaten.
Ick: Kann nich’ waaten, dann komm ick andan Mal wieder.
Er: Tut mir leid.
Ick: Kannst‘ nüscht für.
Also fuhr ich mit den beiden Mini-Regalen wieder vom Hof.
Ich glaub’s ja nich’. Die Baustelle am Haus gegenüber wird aufgelöst.
Seit 2020 (!) baut man da Dachstühle aus. Weil die Wohnungen in Berlin doch so knapp sind, war halt „Eile“ geboten.
Nein, soweit ich das sehen kann, wurden keine goldenen Badewannen verbaut. Auch keine Dachgärten, Swimmingpools oder Hubschrauberlandeplätze. Nee.
Dach wegnehmen, neues Dach draufsetzen und innen ausbauen. That’s it.
Na ja … aber dann kamen … Corona-Pandemie, Lieferkettenkrise, Suezkanal-Blockade, Rohstoffmangel, Baustoffmangel, Halbleiterkrise, Hochwasserkatastrophe, Ukrainekrieg, Energiekrise, Gaskrise, Inflation, Niedrigwasser, Hochwasser, Zinskrise, Fachkräftemangel, Baukrise, Haushaltskrise, Rezession, Zollkonflikte, Hormus … dann die böse Bahn … Demographie … Stadtbild … Fußball-WM … Sommer … Waldbrände … die böse KI … die böse AfD … der böse Putin … und die Drohne in Leipzig … nicht vergessen … furchtbar … alles … so furchtbar.
In ungefähr der Hälfte der Zeit haben die Italiener in Genua eine eingestürzte Autobahnbrücke neu gebaut, die Inder einen Flughafen hingestellt und die Franzosen Notre-Dame nach einem verheerenden Brand wiederaufgebaut … während hier jahrelang entweder Gerüste standen, die Straße halbseitig gesperrt war … oder beides.
Aber ich will ja nich’ meck’an …
Immerhin gibt’s jetzt wieder ein paar mehr Parkplätze.
Schönen Dach noch!
Und ein paar Blogbeiträge sind in dem Kontext ja auch entstanden:
Über Hass und Hetze wird viel geschrieben. Zurecht, denn da gibt es ein paar sehr gefährliche Entwicklungen. Aber heute will ich mal über Hatz, Hast und Hetze in Berlin schreiben.
Denn gerade wenn man nach längerer Zeit wieder zurück nach Berlin kommt, merkt man sofort, wie scheinbar irre hier doch alle sind.
Hat man sich im Ausland irgendwann damit abgefunden oder sogar angefreundet, mit 90 km/h unterwegs zu sein, hat man das Laissez-faire und eine gewisse Langsamkeit genossen, ist das spätestens mit dem Überfahren der Berliner Stadtgrenze vorbei.
Man fragt sich unweigerlich: Habe ich vielleicht die Benimmregeln am Ortseingangsschild übersehen?
Achtung, Sie betreten den Sektor Berlin.
Ab sofort eilen Sie mit Tunnelblick durch die Straßen. Schauen Sie dabei möglichst griesgrämig drein und/oder auf Ihr Handy.
Gehen Sie bloß nicht zu langsam. Die Richtgeschwindigkeit beträgt mindestens 20 Prozent über normal.
Blockierte Rolltreppen dürfen ausdrücklich mit Schnaufen, Augenrollen oder der Aufforderung „Ick hab ja Zeit“ geräumt werden. Im Zweifel quetschen Sie sich einfach vorbei. Ob dabei jemand vornüberkippt, ist zweitrangig.
Sollten Sie irgendwo warten müssen, machen Sie durch hektisches Schauen, Seufzen und demonstratives Kontrollieren der Uhr deutlich, dass Ihre Zeit wertvoller ist als die aller anderen Herumirrenden.
Wird im Supermarkt zögerlich eine zweite Kasse aufgerufen, verlassen Sie unverzüglich die bisherige Schlange und arbeiten sich in Wayne-Rooney-Manier durch das Mittelfeld nach vorn zum Ziel. Wer zuerst an der neuen Kasse steht, hat gewonnen.
Erwachsene Radfahrerinnen und Radfahrer sind gehalten, bevorzugt die Fußwege zu nutzen. Das verschafft einen zeitlichen Vorteil und schont auf dem vorkriegszeitlichen Berliner Straßenpflaster Fahrrad, Handgelenke und unteren Rücken.
Ampelsignale sind ab sofort weitgehend irrelevant, bestenfalls Empfehlungen. Auch wenn Kinder am Straßenrand stehen, müssen Sie selbstverständlich kein Vorbild sein.
Wenn eine Bahn das Abfahrtssignal gibt, werfen Sie sich mit aller Kraft gegen die Türen. Blockieren Sie diese mit Rucksäcken, Taschen oder allem anderen, was Sie gerade dabeihaben. Sie haben schließlich einen Anspruch auf genau diese Bahn.
Sollte die Bahn trotzdem abfahren, hämmern Sie wütend gegen die Türen, spucken Sie gegen die Scheiben und flippen Sie ruhig ein wenig aus.
Nimmt Ihnen jemand die Vorfahrt, steigen Sie aus, gehen Sie zum Fenster des anderen und drohen Sie ihm Prügel an. Vergessen Sie dabei bitte nicht, ordentlich zu blöken. Schließlich müssen auch alle anderen Verkehrsteilnehmer und Anwohner erfahren, dass Ihnen gerade Unrecht widerfahren ist.
Und sollten Sie dieses Schild übersehen haben: Keine Sorge.
Dass der achtwöchige Tankrabatt vermutlich zu den dämlichsten Ideen gehört, um einer langfristigen beziehungsweise dauerhaften Ölverknappung zu begegnen, dafür muss man kein Volkswirtschaftler sein. Finanzpolitisch ergibt er keinen Sinn, ökologisch ohnehin nicht und sozial erst recht nicht. Denn von diesem Rabatt profitieren vor allem Menschen, die große Autos über weite Strecken fahren. Und selbst das nur dann, wenn der Rabatt überhaupt vollständig weitergegeben wird und nicht zum Teil in den Kassen der Tankstellenbetreiber hängen bleibt.Ich bin dagegen. Das Volk wird verarscht, weil man ihm die Wahrheit vorenthält. Aber ich wiederhole mich. Siehe auch > 750) Straße voll Hummus?
Ein Anwohner im Kiez hat schon vor Wochen große Geschütze aufgefahren, um die Energiewende selbst in die Hand zu nehmen. Er hat seine Fensterfront fast vollständig mit Solarpaneelen verhängt.
Ob das bei Nordwest-Ausrichtung wirklich sinnvoll ist? Vermutlich nicht. Im besten Fall kann er damit die höheren Kosten für elektrisches Licht ausgleichen.
Aber immerhin kann jetzt keiner mehr reinschauen. Und Fenster putzen muss er auch nicht mehr. Smart move.
Als ich ein kleiner Junge war, liefen im Fernsehen entweder „Buddelflink“, diese Puppenfigur aus der DDR, oder „Der kleine Maulwurf“ aus der damaligen CSSR. Beides knuffige Figuren, die für ihr Leben gern buddelten. Die Sendungen dauerten ein paar Minuten, dann war das Buddel-Erlebnis auch schon wieder vorbei.
In Berlin ist das anders. Hier wird gebuddelt, was das Zeug hält. Am liebsten erst mal alles „auf“, dann verschwinden alle in die Pause und irgendwann, ganz langsam, wieder „zu“. Und dann geht das wieder von vorn los.
Es läuft immer nach folgendem Schema:
Es beginnt meist mit verdächtigen Markierungen auf dem Gehweg. Leuchtend rosa, gelb oder grün.
Da ahnt man schon, was demnächst anrollt: Bauzäune, Baken, Pylonen und die nächsten Monate Ausnahmezustand.
Dann kommt eine Firma und setzt neue Laternenmasten.
Monate später taucht die nächste Firma auf, um diese neuen Laternenmasten mit Strom zu versorgen.
Wieder Monate später baut eine weitere Firma die alten Laternenmasten ab.
Dann die Jungs vom Frischwasser …
Die vom Abwasser …
Die mit dem Glasfaser …
Die mit den Lade-Säulen …
und so weiter und so weiter.
Ja, von Planwirtschaft und mag man halten, was man will.
Aber das hier ist einfach nur bekloppt.
Mit Effizienz, Ressourcenschonung oder einem halbwegs intelligenten Umgang mit Budgets und den Nerven der Anwohner hat das jedenfalls nichts mehr zu tun.
PS: Das Basis Foto fürs Titelbild ist von mir, danach veredelt von KI. Interessant zu beobachten, wie schwer sich amerikanische KI tut, den Buddelflink aus dem Osten halbwegs detailgetreu hinzukriegen. Der war zwar nie so fusselig, aber so gehts halbwegs. Meine Güte … kann doch alles nicht so schwer sein …
Es ist Frühling, ja, ick weiß. Die Vögel suchen sich lauschige Plätzchen für ihren Nachwuchs. Soll ja auch so sein, aber bitte nicht bei mir auf der Terrasse.
Den schwarzen Raben aus Plastik haben sie letztes Jahr schon nicht ernst genommen. Die spiegelnden Silber-Girlanden umflogen sie bereits einen Tag nach der Installation.
Bei den Windmühlen im Blumenkasten habe ich eher Angst, dass sie in den Hof segeln und dem Typen im Erdgeschoss auf den Streuselkuchen fallen.
Im Baumarkt gibt es so Stachel-Dinger, die sehen ganz schön martialisch aus. Sie nennen sich „Taubenschutz“. Ja, Schutz. „Taubenschutz“, so wie „Sondervermögen“ oder „finaler Rettungsschuss“.
Es gibt auch Anbieter, die Tauben mit „Tönen“ und „Ultraschall“ vertreiben wollen. Aber da dreht irgendwann die ganze Nachbarschaft durch.
Morgen werde ich mal durch den Kiez gehen. Es gibt bestimmt schon Tauben-Pflüsterer, Entwicklungsberater oder Start-ups, die den Vögeln helfen, ihr Nesting-Potenzial zu entfalten.
Nach kurzer Recherche sind alle Mitbewohner erstaunt, wie schlau die Biester wohl sind und welch irres Seh-, Orientierungs- und Erinnerungsvermögen sie haben. Nicht umsonst haben sie früher die E-Mails zugestellt.
Der Stammhalter referiert über diverse Fundstellen im Internet, wonach Tauben mit verschwörerischer Wahrscheinlichkeit eher Technische Abhör- Und Beobachtungs-Einheiten sind. Ganz bestimmt. Ich sehe es quasi vor mir.
PS: Titelbild via KI … die Taube verhält sich sehr Ressourcen-schonend, sie benutzt auch die Rückseite des Tablets 😉
Nach der Veröffentlichung von > 89) StVO in kurz (Radler-Edition) kamen einige Kommentare, die auf die Autofahrer verwiesen. Natürlich. Völlig zu Recht. Die sollten ihr (Maschinen-)Fett auch noch abbekommen.
Aber, in dem Artikel ging es mir bewusst um die Schwierigkeiten, in die sich Radfahrer selbst bringen, zusätzlich zu den Risiken, die ohnehin von Autofahrern ausgehen.
Und ehrlich gesagt lehne ich mich vermutlich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die meisten „Bei-Rot-Fahrer“ eher zwei Räder unter sich haben als vier. Aber gut. No offence. Peace.
Nun also auch für die Autofahrer die Top 5 der StVO, stark komprimiert, solange die Aufmerksamkeit noch mitmacht.
Die gelbe Ampel heißt „Kreuzung räumen“ bzw. auch „nicht mehr befahren“. Dieses „dunkelorange, passt noch“-Manöver ist einfach unnötig. Macht lieber kurz Pause, schnauft mal durch und genießt es. So lang sind unsere Rotphasen wirklich nicht. In Indien zum Beispiel sind die viel, viel, viel länger.
Tempo-30-Schilder, ja, die können nerven. Verstehe ich. Aber wenn gleich mehrere davon in Wohngebieten oder vor Schulen stehen, dann hat das meistens einen Grund. Und nein, „Baufirma hat’s vergessen“ gehört eher nicht dazu. Fahrt meinetwegen ein bisschen drüber. Wirklich. Aber 60 km/h aufwärts ist dann nicht mehr „bisschen“, sondern einfach nur drüber. Besonders in meiner Straße.
Wenn du stolz auf deine PS-starke Karre bist und das auch zeigen willst, bitte, nur zu. Aber bitte irgendwo anders. Kavalierstarts, röhrende Motoren, quietschende Reifen und dieses „dicke Hose“-Getue ziehen so gar nicht. Schau mal in den Rückspiegel, da siehst du vor allem Leute, die sich an den Kopf fassen.
Wenn du die Fahrertür öffnest, dann denk doch bitte vorher einmal drüber nach, was passiert, wenn jemand von hinten auf zwei Rädern angerollt kommt. Ein Kind knallt vermutlich dagegen, ein Erwachsener fliegt im hohen Bogen drüber. Beides ist nicht gut. Die Physik ist da ziemlich konsequent.
Parkraum ist knapp. I know. Aber auch mit Mietwagen gilt: Die Karre gehört nicht einfach mitten in den Weg gestellt. Fußgänger sind keine Lemminge, die man kreativ ums Auto herum organisiert, weder unten drunter noch oben drüber. Und ja, es gibt auch Menschen, die nix sehen. Wenn’s kein Parkplatz ist, dann ist es keiner. Auch nicht für dich.
Mit der Anzahl der Sonnenstunden steigt auch die Anzahl der Radfahrer in der Stadt. Exponentiell. Eigentlich hab ich gar nichts dagegen, fänd‘ nur gut, wenn sie sich alle wenigstens an ein paar Basics halten.
Ich will jetzt hier nicht die knapp 50 Paragraphen der StVO runterbeten, aber zur Erinnerung wenigstens fünf Hinweise, denn wenn ich euch umfahre, bin ich mit dran und ich habe eigentlich andere Pläne.
Das weiße Dreieck mit dem roten Rahmen heißt „Vorfahrt gewähren“. Das hat nichts mit „Gewehr“ zu tun, also durchballern, sondern meint, dem Verkehr von links oder rechts die Vorfahrt zu lassen. Ihr müsst also waaaaaaarten. Doof. Ich weiß.
Das rote Achteck mit den vier Buchstaben, meint ähnliches. Ich will nicht so kleinlich sein. Ob ihr kurz anhaltet ist mir persönlich egal, Hauptsache ihr fahrt nicht einfach drüber, denn Autos kommen im Schnitt mit 40 – 50 km/h und 1,5 Tonnen daher, da zieht ihr den Kürzeren und dann vielleicht nie wieder einen.
Ampeln, dass sind diese nervigen roten Lichter an der Kreuzung, sind eine Mischung aus 1. und 2., ihr müsst nicht viel nachdenken, sondern einfach nur warten, bis es grün wird. Von mir aus könnt ihr in der Zeit auch das Handy checken, an der Vape nuckeln oder einen Joint drehen. Mir schnuppe.
Rechts vor links … ja ich weiß, rechts und links auseinander zu halten, ist nicht so einfach. Aber wenn ihr euch unsicher seid, dann knallt nicht selbstbewusst die Straße runter, sondern denkt dran, dass Autofahrer davon ausgehen, dass sie fahren dürfen und auch kein 360° Teleskop Gelenk unter dem Denkorgan haben.
Mir ist auch Wurscht*, ob ihr einen Helm tragt oder nicht, müsst ihr wissen. Aber fahrt im Dunkeln nicht in Grufti-Klamotten und ohne Licht. Man sieht euch einfach nicht. Trust me! Wickelt euch ne Weihnachtskette um den Hals, steckt euch eine USB Lampe irgendwo hin, werft euch fluoreszierendes drüber. Gibt ne Menge schicker Gadgets.
So, nun gut jetzt, ich will auch nicht nerven.
Gute Fahrt!
*) Wurscht gilt nicht für die Jugend hier, die ihre Beine unter meinen Tisch steckt
„Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten“.
So ähnlich soll es wohl der chinesische General Nun Tsu formuliert haben.
(Später hat er dann ein Videokonferenzsystem erfunden. Der allbekannten Hinweis „Mach mal Zoom zu“ ist an seinen Namen angelehnt und den kennt seit der Pandemie ja nun wirklich jeder.)
Aber ich schweife ab. Den „Feind studieren“, darum soll es gehen. Und genau das ging mir durch den Kopf, als ich dem Stammhalter vorschlug, mal gemeinsam eine Runde mit einem E-Roller zu drehen. Das erste Mal hatte ich mich hier im Sommer 2019 > 47) E-Sharing-Wahn darüber aufgeregt.
Hier meine Experience:
Na klar, die App runterladen und sich so ein Ding schnappen, ist natürlich verlockend. Die Roller sind stabiler, als ich dachte. Nur das Signalisieren des Abbiegens ist bei so einer schmalen Lenkerstange nicht ganz easy, aber ich glaube mit dem Problem, bin ich in Berlin eh allein. Die meisten haben ein Handy in der Hand, da bleibt keine mehr fürs Handzeichen frei.
Auf glatten Straßen rollen die echt gut. Auf Berliner Pflaster wird man ordentlich durchgerüttelt. Die Beschleunigung ist supi, man hat zwei Bremsen und ’ne Klingel. Man ist dem Boden viel näher als auf einem Fahrrad, das hat schon seinen Charme. Man steigt schneller auf und ab, und es gibt keine Sattelstange wie beim Herrenrad. Trägt „Mann“ mal einen Anzug oder „Frau“ einen Rock oder Kleid, ist das definitiv praktischer, als einen Fahrradsattel zu besteigen.
Aber ein Schnäppchen ist es nicht:
18 Minuten für 5,60 Euro ist ein Wort. Und Kalorien verbrennt man auch keine.
Fazit:
Gar nicht soooo schlecht. Vielleicht mal für kurze Strecken oder zur Überbrückung zwischen ÖPNV und Ziel. Besonders dann, wenn man sich auf dem eigenen Fahrrad nicht wieder mit den ganzen Fahrrad-Rambos anlegen will.
Aber jetzt ist Schluss mit dem Lob.
Jetzt wird wieder gemeckert, schließlich sind wir in Berlin:
Du dämlicher Hornochse. Haben sie dir ins Gehirn geschissen? Warst du in der Schule Kreide holen, als das Wort Rücksicht besprochen wurde?
Wie blöd muss man eigentlich sein, seinen Roller nach der Miete mitten auf den Gehweg zu stellen? Ich meine, Ich kann da beim Joggen noch drüberhüpfen, nehme das sportlich. Aber hast du schon mal Menschen gesehen, die mit Sonnenbrille und weißem Stock durch die Stadt laufen? Oder andere, die auf eigenartigen Sitzmöbeln mit Rädern hocken. Gibt’s vielleicht nicht in deinem TikTok-Feed, aber hier im Viertel durchaus.
Vollidiot, Kackbratze, Honk, Pfeife, Vollpfosten, Knallcharge, Hirnkasper, Tütenkasper, Flachpfeife, Hackfresse, Dumpfbacke, Hirni, Dämlack, Trottel, … ich könnte noch weitere aufzählen … ist schon interessant wieviel Wörter es in der deutschen Sprache für solche Knalli‘s gibt, wird wohl einen Grund haben …