7) Bilder-Berge

Wer ein Smartphone nutzt, der weiß, wie einfach man damit Photos machen kann. Vielleicht nun nicht gerade prämierte Meisterwerke, dafür aber schnell und umso mehr. Man kann gleich mehrfach auf den Auslöser drücken, nur für den Fall, dass der erste Versuch verwackelt oder falsch fokussiert ist. Kostet ja erst einmal nichts. Man kann mit Blitz, Filter und Panorama spielen, bis der Akku qualmt.

Schnell sammeln sich auf diese Weise in einem Urlaub tausend Bilder an. Reist man mit Familie und mehrere Menschen knipsen gleichzeitig, wird es noch mehr. Erinnern wir uns da mal an die analogen Zeiten zurück. Da hatte man drei 36-er Filme mitgenommen, die Motive sorgsam gewählt und beim Abdrücken die Luft angehalten. Wollte man noch mehr Photos machen, musste man halt einem lokalen Halsabschneider einen Film abkaufen, der schon seit Jahren in der Sonne eines Schaufensters lag. War man zurück zu Hause und hat die entwickelten Bilder beim Foto-Laden abgeholt, konnte man die Hälfte wegschmeißen. Verwackelt, unterbelichtet, langweilig. Es blieben also noch ungefähr 70 Bilder übrig, davon schafften es 30 ins Familien-Album. Reicht ja auch.

Heute ist das anders. Im guten Falle löscht man bereits auf dem Rückflug all die verwackelten Bilder direkt vom Smartphone. Hat man etwas mehr Zeit, sollte man die Bilder erst einmal nach irgendeiner Logik auf diverse Festplatten, auf den Home-Server oder in die Cloud schieben, um das dann „irgendwann“ einmal anzugehen. Die absolute Kür ist, die besten Bilder in einem Photo-Buch zusammenzustellen. Meinen vollen Respekt dafür.

Wie man es aber auch angeht, es werden sich über die smarten Jahre tausende Bild-und Video-Dateien angesammelt haben und der Bestand wird stetig wachsen. 50.000 Dateien in 10 Jahren sind bestimmt nicht übertrieben. Waren früher manche Fotos einer Kaffee-Tasse, einem Wasserschaden oder einem Wohnungsbrand zum Opfer gefallen, war man natürlich traurig. Die Bilder waren schwer beschädigt oder gar verloren, wenn es die Negative auch erwischt hatte. Es war aber nicht zu ändern. Die digitalen Bilder werden uns hingegen bald über den Kopf wachsen.

Wenn man die Bilder nicht löschen will, dann muss man sich Gedanken machen, was damit eigentlich geschehen soll. Überschlage ich nur mal die Zeit bis zur Rente (…der frühestmögliche Zeitpunkt, mich damit zu beschäftigen…), wird der Bestand auf 200.000 Bilder angewachsen sein. Angenommen, ich würde pro Bild 30 Sekunden benötigen, um es zu sichten, zu entscheiden, zu drehen und zu ordnen, dann wäre ich mit der Aufgabe ein knappes Jahr beschäftigt. Unterbrochen nur von Schlaf. Nur für das Sortieren! Da ist noch kein Film draus entstanden oder gar ein Photo-Buch. Und nun?

Wie so oft in dieser Kategorie hier, gibt es auf all das keine Antworten, sondern eher Fragen:

  1. Wäre es nicht an der Zeit eine Software zu erfinden, die diese Bilder-Berge sichtet? Oder gibt’s die vielleicht schon? Kennt ihr eine?
  2. Angenommen, die Bilder-Berge lösen sich auf einmal in Luft auf. Irgendein fieser Virus frisst die alle auf. Ohne Ankündigung. Was dann?
  3. Was passiert, wenn all die Bilder mal in ein neues Format konvertiert werden müssen? Ein Multi-Trillionär ist der, der einen solchen Konverter gegen kleines Geld anbietet.
  4. Was ist eigentlich, wenn wir mal ins Altersheim müssen und gern ein paar Papier-Photos mitnehmen wollen. Welche denn? Und wer sucht die aus den Bilder-Bergen heraus?
  5. Vererbt man eigentlich digitale Bilder an die Hinterbliebenen und wenn ja wie? „Liebe Kinder, im Keller stehen drei Server mit Photos, seht zu was ihr draus macht! Wir sind dann mal offline. Eure Eltern. ROFL, LOL ;-)“

Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion

Frühere Beiträge zu Smartphone und Co:

6) Shop-Gebläse

Der Einzelhandel muss sich etwas einfallen lassen, um langfristig gegen den Versandhandel bestehen zu können. Das ist allgemein bekannt. In Shopping-Centern versucht man es mit Modenschauen, Kinderbetreuung und irgendwelchen D-Promis, die Autogramme schreiben. Bei den klassischen Ladengeschäften in Fußgänger-Zonen tut sich hingegen in der Richtung nicht viel. In manchen Shops wummert zwar Musik, in anderen gibt es eine Warte-Couch für die Herren und einige Läden bieten freies WLAN an. Das war es im Prinzip schon. Immer noch gibt es lange Warteschlangen an der Umleide und an der Kasse. Schnäppchen gibt es meistens nur in Größe S oder XXXL, wer konkrete Vorstellungen, hat verliert schnell die Orientierung und geht wieder frustriert nach Hause. Mit Anfahrt, Parkplatz-Suche, Laufwegen und Rückfahrt sind schnell drei Stunden Lebenszeit vergangen und das, was man eigentlich kaufen wollte, gab es nicht. Da sollten sich die Shop-Strategen mal etwas mehr einfallen lassen, um Kunden anzuziehen und irgendwie einladend zu wirken. Neuester Trend scheint hier der „Tag der offenen Tür“ zu sein. Und zwar sechs Tage die Woche. Die Türen der Shops stehen sperrangelweit offen, viele Läden haben schon gar keine Tür mehr, sonder nur noch faltbare Glas-Fronten. Draußen herrschen Minusgrade und aus dem Shop bläst die warme Luft hinaus. Kommt man gerade vom Friseur könnte man sich dort die Haare föhnen. Selbst ein Olivenbaum würde dort im Winter Früchte tragen und stünden dort ein paar Liegestühle, fühlte man sich wie beim Shoppen in Phuket Town. Es würde mich echt mal interessieren, wie das mit einer Wärmebildkamera aussieht. Was is’n das für ein energetischer Unsinn? Häuserwände müssen heute mit dicken Dämm-Platten zugenagelt werden, Fenster sind mittlerweile doppelglasige Hightech-Produkte geworden und unten im Erdgeschoss hängen die einfach die Tür aus? Ich meine, es muss ja nun nicht mehr unbedingt der dicke Leder-Vorhang sein, in dem man sich früher verloren hatte, als man einen Laden betrat und die Glocke über einem bimmelte. Aber irgendetwas kreatives muss den Ingenieuren doch da einfallen. Oder machen das die Shop-Betreiber nur, damit sie dieser Tage vor der Tür keinen Schnee schieben müssen?

Frühere Beiträge zu Einzel-und Versandhandel:

5) Blätterregen

Vor ein paar Tagen konnten wir ein zunächst eher unscheinbares, später dann aber durchaus unterhaltsames Schauspiel erleben. Wir folgten der B196 auf Rügen, fuhren in Richtung Ost und erreichten einen Kreisverkehr. Bevor wir in den Kreis einfuhren, liess ich noch einen orangen Pritschenwagen passieren. Das war so ein typisches Auto von den Stadtwerken, von der Stadtreinigung oder vom Grünflächenamt. Die Heckladefläche war üppig mit Laub beladen und das Laub wiederum von einem Netz bedeckt. Direkt nach ihm fuhr ich in den Kreisverkehr und folgte ihm gleich wieder in die nächste Ausfahrt. Was macht man eigentlich hier mit soviel Laub auf einem Pritschenwagen, fragte ich mich?

  • Fahren die das Laub in den nächstgelegenen Wald?
  • Gibt es vielleicht Abnehmer, die mit nassem Laub etwas anfangen können?
  • Oder muss das laut §123 Deutsches Grünabfallgesetz fachgerecht entsorgt werden?

Um so mehr der Wagen vor uns beschleunigte, um so interessanter wurde der Anblick für uns. Die Maschen des Netzes waren wohl zu grob. Die Blätter schlüpften durch die Maschen und wirbelten, glücklich über ihre wiedergewonnene Freiheit, auf der Straße vor uns umher. Das hätte ich als Blatt vermutlich auch so gemacht, wenn ich nicht wüsste, wo es mit mir hingeht. Der orange Pritschenwagen fuhr also mit 80 KM/h zielstrebig vor uns her und verlor dabei durchgehend Laub. Das Netz hing bald nur noch schlaff hinten über die Ladekante hinaus.

Beim nächsten Kreisel mussten wir uns verabschieden und fuhren einen anderen Weg. Wir wissen nicht woher der Ford wirklich kam und wo er noch hin wollte, aber Blätter würde der wohl nicht mehr abliefern. Denn die hat er bereits auf den 8 Kilometern zwischen den beiden Kreiseln verteilt. Großartig.

  • Hat der Fahrer nun seine Tagesquote an Blättern verpasst und muss noch einmal zurückfahren, um eine neue Fuhre zu holen?
  • Oder war es am Ende sogar einkalkuliert, provoziert oder eiskalt geplant, um eher ins Wochenende zu kommen?

Und warum überhaupt zum Henker, werden Blätter (Bio) mit einem Pritschenwagen (CO2 und Nox) quer durch die Landschaft gekarrt?

4) Medien-Qual

Das Problem der Zukunft wird nicht der Mangel sein, sondern die Auswahl. So ähnlich hat es Greg McKeown erst kürzlich wieder in mein Ohr geflüstert. Recht hat er. Nur glaube ich, dass wir da bereits angekommen sind. Es ist Samstag, kurz vor 21:00 Uhr, prime time also. Unsere Kids überlassen uns überraschenderweise den Fernseher im Wohnzimmer. Was‘n nu‘ los? Heißt das echt, wir können den restlichen Abend über das Programm bestimmen? „Ja, könnt ihr“, sprach es im Chor und schloss die Tür. Der spontane Zugewinn an Freiheit überfordert uns etwas, aber warum nicht? Der Abend ist noch jung, vielleicht können wir noch irgendwo einsteigen. Ich habe aber keine Lust auf planloses Zappen, also öffne ich meine TV-App, die mir die Sendungen meiner  Sender-Favoriten auflistet. Nichts dabei. Gut dann greife ich halt in den nächsten Topf, übernehme die Fernbedienung und schalte auf den Electronic Program Guide des HD-Receivers. Es erscheint eine Liste von angeblich 977 Sendern(!) Ich weiß aber, dass der Großteil gar nicht freigeschaltet ist. Warum wird das dann in der Liste angeboten? Und warum gibt es die dritten Programme jeweils dreimal oder viermal? Und warum kommen die Shopping-Kanäle so weit vorn? Und warum kriege ich fremdsprachige Sender, deren Sprachen ich nicht mal ansatzweise verstehe. Warum kann ich bei diesem dämlichen Receiver nicht einfach 80% der Sender löschen!!! Dann blieben ja immer noch stattliche 200 zur Auswahl. Auf den ersten Seiten der Sender-Liste erscheint nur Grütze. In einer Game-Show spielt Klein gegen Groß, ein Schlagersänger feiert mit Weggefährten seinen 76. Geburtstag und Johnny Depp kämpft mal wieder gegen Zombies. Ach nö! Ja, das Fernsehen hat ausgedient. Ich wechsele in den iTunes Store, mal schauen was es da so gibt. Die 63 Filme in der Kategorie „Neu und beachtenswert“ sagen mir nicht zu. Ein Mega-Hai frisst Menschen in 4K HDR und Mädels singen zum zweiten Mal ABBA-Lieder. Die 51 Filme der Kategorie „Neue Filme zum Leihen“ decken sich zur Hälfte mit „Neu und beachtenswert“. Natürlich kann ich nach den Film-Titeln suchen, aber nach welchen? Woher soll ich denn wissen, was ich jetzt schauen will und wie das dann noch heißt? Wir versuchen uns die Namen der jüngeren Kino-Filme ins Gedächtnis zu rufen. Ohne Erfolg. Dann suche ich nach Namen von Schauspielern, die ich eigentlich ganz gern mag. Ein paar Filme erscheinen zu Auswahl, allerdings laufen alle deutlich über 2 Stunden. Puhhh. Ganz schön gewagt, da es mittlerweile schon 21:15 Uhr ist. Wir wechseln zu Netflix und danach zu Prime. Überall das gleiche Drama. Tonnenweise bunter Bildchen, Filmbeschreibungen und Trailer. Nun ist es gleich 21:30 Uhr. Jetzt lohnt erst recht kein Film mehr. Aber vielleicht ein kurzer Reisebericht? Gute Idee. Malaysia beschäftigt uns gerade so ein bisschen. Wir wechseln zu YouTube und ich tippe „Malaysia Reise Doku“ ein. Als Ergebnis kriege ich unzählige private Video-Schnipsel. Ich will eine Doku, die mir einen Überblick über das Land verschafft (!) und keine verwackelten Handy-Filmchen von Leuten die ich nicht kenne. Ich überschreibe das Wort „Doku“ mit dem Wort „Reportage“ und schreibe noch ARTE und PHOENIX dahinter in das Suchfeld, damit es seriöser wird und was kriege ich? Die gleiche Sauce wie vorher. Dem Video mit den meisten Klicks gebe ich dann doch noch eine Chance. Aber wie schon vermutet, warten nur wackelige Aufnahmen und bunte Schriften, die aus allen Richtungen ins Bild einfliegen. Dann ertönt eine Off-Stimme, die in herzhaftem schwäbisch über Malaysia referiert. Gruselig. Also versuchen wir es bei den Media-Theken der öffentlich rechtlichen Sender. Aber auch dort gibt‘s keinen Überblick über die Reise-Ziele in Malaysia. Mittlerweile gehen wir auf 21:45 Uhr zu. Damit überhaupt noch etwas Grünes über den Bildschirm läuft, weichen wir auf Sri-Lanka aus, das ist aber auch bald ermüdend, weil die nur über eine uralte Eisenbahn sprechen. 

Kann das denn sein? Wir bezahlen Rundfunk-Gebühr, DSL-Anschluss, Kabel, HD-Paket, Netflix-Abo, Prime-Abo und weiß der Geier was und finden am Samstagabend nichts inspirierendes in der Glotze?

Ich warte jetzt auf die Nachrichten und dann gehe ich ins Bett!

Vielleicht sollten wir den ganzen Mist einfach kündigen und uns einer Informations-Diät unterziehen? Wo war noch mal gleich der Zettel mit den Vorsätzen fürs neue Jahr?

Frühere Beiträge zu Medien in verschiedenen Formaten:

3) Handy-Nacken und Ampel-Mann

Beobachtet man andere Menschen in Bus, Bahn oder Flieger, könnte man meinen, sie beten oder meditieren. Alle schweigen und schauen die ganze Zeit nach unten an sich herab. Auch Freunde oder Kollegen, die sich gegenüber sitzen, machen das häufig. Statt miteinander zu reden, blicken sie nach unten. Selbst ganze Familien folgen diesem Trend. Auch am Pool oder auf dem Kreuzfahrtschiff. Man muss bei dieser Form von Gebet oder Meditation anscheinend auch gar nicht mehr inne halten. Nicht mehr still sitzen und die Augen schließen. Man darf es sogar beim Laufen tun! Auf dem Fußweg, in öffentlichen Gebäuden oder gar auf der Kreuzung. Egal wie und wo. Wer hat denn da bloß so viel Missionsarbeit geleistet? Beim genauen Hinschauen waren es wohl Konzerne aus USA, Südkorea und China, die den Menschen viele Millionen von Smartphones vom Himmel geschickt haben. Auf den Smartphones laufen dann zig Apps, also kleine mehr oder weniger nützliche Progrämmchen, die das Leben vereinfachen oder auch vom Leben abhalten. Je nach dem, welche man nutzt. Befragt man die gängige Suchmaschine um einen Hinweis zu der neuen Körperhaltung, bekommt man schnell den Begriff „Handy-Nacken“ angezeigt, mit dem Ärzte vor den gesundheitlichen Folgen am oberen Ende der Wirbelsäule warnen und diverse Übungen zur Vorbeugung anbieten. Verkehrssicherheitsexperten schreiben von erhöhten Unfallzahlen, weil die Fußgänger nur noch aufs Handy schauen, statt nach vorn in das Verkehrsgeschehen hinein. Meine Tochter sagte neulich, es gäbe mittlerweile schon Städte, die versuchsweise Ampeln in den Boden einlassen, damit man sie beim Blick aufs Smartphone besser sieht.

Gute Idee eigentlich, aber ist das nicht schon wieder absolut analog gedacht? Mit Lichtern im Boden begegnet man doch nicht der Digitalisierung, oder? Das schafft zwar neue Arbeitsplätze und Umsätze für die Firmen, die das produzieren und einbauen. Aber ist das digital? Nein.

Wäre der konsequente Schritt nicht, all die herkömmlichen Ampeln abzuschaffen und komplett in das Handy zu integrieren? Wenn alle Autofahrer und Fußgänger eh permanent mit den Geräten herumhantieren, warum leuchtet das Gerät nicht einfach rot, wenn man stehen bleiben soll und grün, wenn man wieder gehen darf? Jeder hätte im Prinzip seine eigene Ampel „zum mitnehmen“, über Ortungsdienste weiß die Ampel-App die eigene Position und kann grünes oder rotes Licht geben. In weiteren Ausbaustufen fallen mir bei der Gelegenheit auch noch zusätzliche kostenpflichtige Addons ein, mit denen ich dann endlich Millionär werde.

Mit Diversity-plus können sich die Nutzer ihr eigenes Ampel-Männchen designen. Auf der Ampel kann nun auch mal eine Frau symbolisiert sein oder eben auch „ein/e diverse/r“. Soll sich niemand zurückgesetzt fühlen. Nicht auf diesem Blog hier! Auch Hautfarbe, Body Mass Index und andere „Properties“ kann man mit einem Schiebe-Regler anpassen, gar keine Frage.

Mit Avatar-plus lässt sich der Charakter aus der heimischen Spielkonsole direkt mit dem Ampel-Wesen synchronisieren. Auch andere Mii‘s aus dem Netzwerk können somit wahlweise auf die Ampel gebracht werden. Man kann die Wesen und ihren Service danach auch „sharen“, „liken“ oder mit Sternen bewerten.

Mit Travel-plus bekommt man nach Grenzübertritt das lokale Ampel-System per Update aufs Smartphone gespielt und schon ist man einsatzbereit. Es kann nichts mehr schief gehen. Man muss nur den Blick aufs Gerät halten, alle äußeren Eindrücke am besten ignorieren. Die bringen einen nur durcheinander und lenken vom wirklich wichtigen Verkehrsgeschehen ab.

Mit Germania-plus kann sich der  Deutsche Tourist das lokale Ampel-System einfach zurück in den „StVO-Standard“ übersetzen lassen. Egal ob es im Ausland also nun piept, gongt, bimmelt oder einen countdown in der Ampel gibt, für die Deutschen gibts auf dem Handy nur „rot“ oder grün“. Wie zu Hause auf dem Weg zum Büdchen.

Mit Zebra-plus, das teuerste unter allen Addons, lassen sich sogar Ampeln und Zebra-Streifen auf Handys generieren, wo es noch nie zuvor eine konventionelle Ampel gab oder sich jemand dran gehalten hätte. Man stelle sich vor, man läuft quer über über den Kreisel rüber zum Arc de Triomphe in Paris oder über den Connaught Place in Neu Delhi und die Autos halten alle an. Ich meine wirklich alle.

Aber wer weiß schon wie dass alles mal kommt. Vielleicht bleiben die Menschen künftig einfach zu Hause auf der Couch und bestellen Pizza und Bier online. Den Kreuzfahrt-Urlaub kann man sich doch bestimmt auch schon irgendwo herunterladen. Das wäre auch besser für die Umwelt, bei der Gelegenheit. 

Aber was ist dann mit meiner Ampel-Idee für die Fußgänger? Mhm…ich könnte die etwas umbauen und biete sie mal der Auto-Industrie an. Dann werde ich vielleicht sogar Multi-Millionär.

Frühere Beiträge zu Smartphone und Ampel:

2) Radio aus Fernost

Wir wollten uns ein neues Küchenradio zulegen. Irgendetwas kompaktes, was aber trotzdem einen guten Klang hat. Es sollte weiß sein, eine klassische Antenne haben und von guter Qualität sein. Auch einen integrierten Akku sollte es haben, da wir an seinem künftigen Stellplatz keine Steckdose haben. Das waren die wenigen Parameter mit der wir auf die Suche gingen. Ziemlich langweilig, wenn man mal ehrlich ist. Überhaupt nicht „smart“. Aber das muss es auch nicht sein. Es soll uns morgens nur mit etwas Musik, Nachrichten und dem Wetterbericht versorgen. Es braucht also kein WLAN, keinen Touch-Screen und es muss auch nicht mit uns sprechen können. Es muss ausschließlich Radio abspielen. Und zwar nur unseren Stamm-Sender. Ganz analog. Mehr nicht. Wir haben uns dann für ein japanisches Marken-Produkt entschieden. Es bietet zwar laut Beschreibung immer noch mehr Funktionen als wir eigentlich brauchen, aber immerhin stören sie nicht. Originalverpackt steht das Radio nun auf dem Küchentisch und wir beginnen mit dem Auspacken. „Unveiling“ heißt das Erlebnis heutzutage. Das Radio lässt sich samt weißen Verpackungsschaum schnell aus der Pappe ziehen. Die wichtigsten Tasten erkenne ich sofort. „Power“, „Tune“, „Memory“ und „Volume“. Das reicht mir eigentlich schon. Damit könnte ich es schon in Betrieb nehmen. Trotzdem fällt noch ein Haufen Papier aus dem Karton. Ein „European Guarantee Information Document“ liegt exakt gefaltet bei. Es bestätigt in 22 Sprachen, dass das Produkt der Europäische Garantie-Regelung des japanischen Unternehmens unterliegt. Zusätzlich finde ich auf der Rückseite ungefähr 30 Service-Adressen, an die ich mich in ganz Europa wenden kann. Das schafft Vertrauen. Ein paar leere Formularfelder rufen zu Stempel, Unterschrift und Kaufdatum auf. Leider hat die aber keiner ausgefüllt. Wozu sind die dann gut? Dann folgt noch ein sehr kleiner Zettel in 22 Sprachen. Darin erklärt der Hersteller, dass das Radio der europäischen Richtlinie 2014/53/EU für Funkanlagen entspricht. Gut so. Zudem schmückt ein fettes CE-Logo den Kopf das Papiers. Dann finden wir noch ein weiteres Faltblatt, wieder in 24 Sprachen. Es enthält Sicherheitshinweise in Schriftgröße 6 pt und die Klarstellung, das Akkus und Batterien innerhalb der Europäischen Union nur an ausgewiesenen Sammelstellen entsorgt werden dürfen. Zum Schluss kommen noch einmal sechs Hefte ans Tageslicht. Alle sehen gleich aus, sind in China gedruckt und geben Hinweise zu den ersten Schritten bei der Inbetriebnahme. Wieder in zig Sprachen. Ich werfe den ganzen Papierkram in die Küchenwaage und wiege es mal. Nur so aus Interesse. Die Waage ermittelt stolze 120 g Gewicht. Nur fürs Papier! Dann stelle ich auch noch das Radio in die Waage und notiere 740 g. Ohne Ladegerät allerdings. Tja und nun braucht es etwas Mathematik und einen Taschenrechner. Das macht ungefähr 14% Papieranteil am Gesamtgewicht! Nun das ist…wie soll man sagen…verrückt? Für ein Küchen-Radio? Da mag der Europäische Verbraucher-Schutz-Minister zwar sehr fleißig gewesen sein, sein Kollege vom Ressort Umwelt kann doch eigentlich nur mit dem Kopf schütteln und heulen. All die Papiere wurden von hiesigen Juristen geschrieben, irgendwo übersetzt, von indischen Layoutern in druckbare Form gebracht, von Chinesen gedruckt und dann per Container-Schiff zurück in die EU gebracht. Man stelle sich vor, dass Schiffe, LKWs und Zusteller-Fahrzeuge mal eben eben 14% weniger Gewicht transportieren müssten. Wäre das nicht immerhin mal ein Anfang? Dann könnte ich vielleicht unseren Familien-Diesel noch ein paar Monate länger fahren.

Frühere Beiträge zu Radio, Smartphone und natürlich Diesel:

1) Verrückte Welt-Intro

Seit einem halben Jahr nun, veröffentliche ich meine Gedanken, Erlebnisse und Kurzgeschichten hier auf meinem schreib-blog. Im Juli 2018 begann ich diesen Blog mit seiner ersten Kategorie „Metropolen-Egoismus und andere Aufregbarkeiten“. Ursprünglich mal als Papier-Buch gedacht, schlummerten die ersten 20 Artikel schon längere Zeit auf meinem Rechner. Also verwendete ich die Beiträge quasi als „Kanonen-Futter“, um die Blog-Welt für mich zu erschließen. Mittlerweile sind daraus knapp 40 Beiträge geworden. Menschen und Organisationen lieferten immer genug Nachschub, über den ich mich auslassen konnte. Traurig eigentlich, oder? Vermutlich wird da noch mehr kommen. Wenn man aber über das tägliche Miteinander und seine Unzulänglichkeiten schreibt, kann man dabei ganz schnell schlechte Laune bekommen. Es musste also etwas unterhaltsameres her, was meine Stimmung wieder etwas anhebt. Quasi als Gegengewicht zum Mecker-Kanal. Damit war die zweite Kategorie geboren. Ich nannte sie „Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial“. Sie trägt zwar die „schlechte Laune“ ganz offensichtlich im Namen, soll aber eigentlich das genaue Gegenteil bewirken: Mich kurz über Dinge des Alltags aufregen und dann zügig erkennen, dass es sich eben nur um unwichtige Kleinigkeiten handelt, die gar nicht soviel Energie wert sind. Im besten Fall bleibt ein Schmunzeln zurück, eine Priese Humor vielleicht, aber kein Frust. Auch diese Kategorie umfasst nun schon 33 Beiträge. Beide Kategorien sind aber nun mal sehr textintensiv, es fehlte noch etwas „Buntes“, etwas zum Anschauen und zum Blättern. Somit war meine dritte Kategorie „Postkarten“ im Oktober geboren. Ich liebe das Reisen, wollte aber in dem Blog nicht jeden Stein, jede Kirche oder Tempel von unterwegs beschreiben. Das machen andere Reise-Blogger viel besser als ich. Ein paar Fotos und Kurztexte im Postkarten-Stil schienen mir da schon eher geeignet. Gern gewürzt mit einigen Skurrilitäten oder Nachdenklichkeiten im Kontext der Reise, die sonst im Touristik-Marketing zu kurz kommen. Und nun? Wie geht es in 2019 weiter? Einfach weiter so? Mhm… ich will nicht immer nur auf Mitmenschen und Organisationen schimpfen oder eigene Missgeschicke ans Tageslicht zerren, über die man schmunzeln kann. Ich kann auch gar nicht so oft reisen, um regelmäßige neue elektronische Postkarten verschicken zu können. Unsere neue Welt bietet aber noch so viel mehr Stoff, zu dem ich meinen Senf hinzugeben möchte. So viele neue Entwicklungen erreichen unsere Aufmerksamkeit. Jeden Tag. Da sind neue Technologien, Lebensarten oder Verhaltensweisen. Sie fallen vom Himmel und bestimmen fortan unseren Alltag. Dafür richte ich eine neue Kategorie ein.

Und hier ist sie schon: Ich nenne sie „Verrückte Welt“. 

Das scheint mir ein geeigneter Titel dafür zu sein. Nun ja, ich weiß. Es gab schon Bücher und Filme mit diesem Titel oder ganz ähnlichen Wortspielen. Na und? Wenn die Welt nun mal so verrückt ist? Wie sollte ich sie sonst nennen?

Mit diesem kurzen Rückblick und Ausblick, nähern wir uns dem Ende von 2018 und freue mich schon auf 2019 und die neue Kategorie.

Einen guten Rutsch an alle Leser (… falls ich mich nicht noch einmal vorher melde 😉