Vor ein paar Tagen bekomme ich über LinkedIn ein Jobangebot zugeschickt. Soweit nichts Auffälliges, das passiert ja gelegentlich.
Der Name der Absenderin macht mich aber neugierig. Ich klicke auf ihr Profil und sehe eine Dame, nahezu verschleiert, nur die Augen noch leicht zu erkennen. Nun gut, ist eben so. Das Gesicht des Bewerbers soll künftig immer weniger eine Rolle spielen. Warum also nicht auch das Gesicht der Vermittlerin?
Noch interessanter wird es beim Ort. Sie agiert offenbar aus Indien, aus Lahore, weit im Norden im Bundesstaat Punjab. Aha, interessant.
Aber noch viel interessanter ist, dass sie mir eine „Sales assistant apprenticeship position“ anbieten möchte. Auf Deutsch: eine Ausbildungsstelle als Verkaufsassistent oder Verkaufsassistentin in einem Edeka-Markt in Oranienburg, Brandenburg. Wie bitte?
Also entweder …
- Hat die Dame mein Profil nicht gelesen.
Oder - Ich habe mein Profil wirklich so bescheiden formuliert, dass ich als angehender Azubi durchgehe.
Oder - da steckt ein schlauer Algorithmus dahinter, der vielleicht schon mehr über meine Zukunft weiß als ich selbst.
Sollte ich mir Sorgen machen? Vielleicht besser jetzt noch schnell umschulen und in den Einzelhandel nach Oranienburg gehen?
Nun ja, warum eigentlich nicht. Es gibt Schlimmeres. Aber ich setze mir nichts Albernes auf den Kopf, binde mir keine Schürze und frage auch nicht fünftausendmal am Tag, ob der Kunde Punkte sammelt oder einen Beleg möchte. Dafür stelle ich mir einen Buzzer hin und lasse das die KI erledigen.
PS: Titelbild via ChatGPT … wohl logisch
