72) Postkarte von Malta 1

Zwei Wochen Oktoberferien, meine Güte. Und das noch kurz vor Weihnachten. Muss das sein? Obwohl das Wetter in Berlin ja auch noch recht „dufte“ sein soll, haben wir uns schon vor längerer Zeit für Malta entschieden. Und zwar richtig. Bei Malta scheiden sich die Geister, aber ich find‘s gut bislang.

Überschaubar, einfach, preiswert, warm, nicht weit weg. Ein bisschen „shabby“ hier und da, aber sehr sympathisch. Ein Mittelding zwischen Süditalien, Griechenland, Nordafrika mit einer Note indischen Currys. Hier die ersten Eindrücke von Sliema, Marsaxlokk und St. Julians. Wie immer bei dieser Reihe, geht es nicht um Hochglanz-Fotos, sondern um Entdeckungen am Wegesrand. So sind meine >Postkarten einst gestartet und so bleiben sie auch.

Fangen wir mal mit der Architektur an. Platzt ist knapp in Malta. Also baut man schmal und holt oben wieder etwas Fläche raus, in dem man Erker/Wintergärten drannagelt. Manches Haus ist so schlank gebaut, da kann man sich den Grundriss denken.

Sliema und St Julians

Malta ist Mitglied der EU, man zahlt mit Euro und auch andere Trends wurden hier ans steinige Land gespült. Im Radio läuft Werbung für LIDL und Carglass, die Roller-Pest ist angekommen und auch Vorhängeschlösser finden zahlreich Verwendung.

Aber auf dem Level will man nicht stehenbleiben. An manchen Ecken wirkt es, als wolle man es mit Dubai oder Singapur aufnehmen, aber es täuscht, so hoch sind die Dinger gar nicht. In Sliema wird so einiges gebaut, manche Gebäude haben es aber auch nötig.

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Marsaxlokk

In Marsaxlokk (20 Auto-Minuten von Sliema) ticken die Uhren noch anders. Kleines Fischerstädtchen mit Fischmarktgewusel am Sonntag. Und auch hier macht sich die Insellage bemerkbar, es gibt nicht immer alle Farben im Bootsfachgeschäft zu kaufen. Also werden die Boote mit dem bemalt, was gerade da ist und sind dann irgendwann … bunt 😉

St. Peter’s Pool

Eine halbe Stunde Fußmarsch von Marsaxlokk gibt es den St. Peter‘s Pool, eine Badestelle. Wir waren da nicht im Wasser, aber es war interessant, das Treiben zu beobachten. Mutige Sprünge vom erodierenden Felsrand, mitten hinein in einen Müllteppich. Lecker. Mund auf Leute, so kriegen wir unsere Meere wieder sauber! Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Ansonsten gabs natürlich Mädels, die sich von ihren Typen ablichten ließen. Auf einem Stein drapiert, Bauch rein, Brust raus und Botox-Duckface in die Kamera. Sorry konnte ich nicht fotografieren, sonst hätte mich der Typ vermöbelt. Dafür kriegt ihr eine Extraportion kleinteiligen Kunststoff frei Haus.

Menschen

Im Auto nach Marsaxlokk quatschte ich mit Stefano. Hier eine Wiedergabe des Gespräches aus dem Kopf:
Der Radiosender im Auto rauscht, Stefano wechselt die Soundquelle aufs Handy. Nun klingt Italienisch aus den Lautsprechern und schon kommen wir ins Gespräch. Er ist in Sizilien aufgewachsen, hatte später dann eine Firma mit 12 LKW in Turin. Wenn ein Fahrer ausfiel, musste er selber hinters Lenkrad. So hat es ihn auch nach Berlin verschlagen und andere deutsche Städte. Seit 9 Jahren lebt er auf Malta, wegen der besseren „Economy“. Er fährt gern Auto, und das muss man auch, wenn man in dem Job arbeiteten will. Das letzte Mal, dass er zu Hasue in Italien war, war vor Covid. Stattdessen kommt seine Mutter ab und zu nach Malta. Er schmunzelt über die Diskussionen vom europäischen Festland, aber Energieversorgung ist hier nicht das große Thema. Der Sprit ist günstig, die Strecken sind kurz, das Speed Limit liegt bei 80 km/h und Heizungen haben die normalen Wohnungen eh nicht. Im Januar und Februar gehts dann mal runter auf 7-8 °C und dann nutzen sie das Warmgebläse der Aircondition und ab März wird’s wieder schön.

What nice, isn‘t it?

36) Postkarte vom Darß – 2

Schon wieder ein Postkarte vom Darß? Gab‘s da nicht erst kürzlich eine? Ja, die gab es. Im Oktober letzten Jahres (> hier). Dieses Jahr ist alles etwas anders, also müssen auch meine Postkarten nachziehen. Weniger nachdenklich, weniger skurril, dafür aber um so mehr Reim…

Eigentlich wollt´ ich nach Korsika
Da wo ich noch niemals war
Aber nun wegen SARS
Ging’s auf‘n Darß

Und dorthin, unsere Reise
War sparsam, eher leise
Kein Flug mit Check In
Fuhren mit dem Auto hin

Schöner Flecken Erde
Fische, Kühe, Pferde
Und nackig darf man baden
Fahrrad stärkt die Waden

Nur der Netzausbau
War´n bisschen mau
Musste zur Verwaltung
Für ´ne schnelle Leitung

Verbrachten schöne Tage
Irgendwie vertraut, keine Frage
Frag mich, was wird nächstes Jahr
Klappt‘s dann mit Korsika?

Das war‘s, Grüße vom Darß

T.

<— Weitere Postkarten gibts hier

25) Postkarte vom Darß

Selbst wenn man zu Hause gar keine Tapete hat, ist der Darß an der Ostsee eine gute Möglichkeit, mal eine Andere zu sehen. Auch wenn es eine weiße Raufaser ist.

Man kann auf dem Darß bestens Radfahren oder stundenlang am Strand entlanglaufen und mit ihm die großen Fragen des Lebens diskutieren. Antworten hat er auch nicht parat, aber wenigstens dient er mit viel frischer Luft und Wind, der mal wohltuend durchs Obergeschoss pfeift.

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Und natürlich gab es hier oben auch wieder ein paar Skurrilitäten zu entdecken. Auch an der See halten die urbanen Trends ihren Einzug. Da hier aber nun mal nicht unzählige epochale Bauwerke herumstehen, werden die beliebten Liebesschlösser halt am Fußtritt des Fernglases festgemacht. Sicherheit wird groß geschrieben in diesen Tagen. Auch hier.

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Der Souvenirladen um die Ecke konfrontiert uns mit dem Schild „Eisfreie Zone“. Hmmm. Was das wohl bedeuten mag…?

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  • Gibt‘s kein Eis mehr in der „Zone“. Wie vor 30 Jahren? Nicht mal Vanille oder Schoko? Auch kein Soft-Eis?
  • Ist es das schriftliche Versprechen, im kommenden Winter vor dem Geschäft immer ordentlich Salz zu streuen?
  • Dürfen die Eltern zwar ihr hart verdientes Geld dort ausgeben, aber die Kids sollen gefälligst nicht mit ihren verklebten Eisfingern die Postkarten anfassen?
  • Oder ist das alles viel zu kleinteilig gedacht und hier werden die großen Themen der Zeit angekündigt. Gibt’s auch hier nun nie wieder Frost? Von nun  an Palme, Sangria und Ballermann statt Einsamkeit, Wind und Wetter. Ich hoffe doch nicht …

Schönstes Photo der Woche by JR:

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Schön war‘s, … aufm Darß … 😉

Aber bitte nicht weiter sagen.