78) Welches Programm wollen wir? – Mittwoch

Jeden Morgen 5:30 Uhr bin ich im Bad und höre nebenbei die Früh-Nachrichten.

Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn plötzlich ein neues Programm ausgestrahlt wird und nichts mehr so ist wie am Tag zuvor. Mit dieser kleinen Serie will ich zusammen mit KI darüber nachdenken und mögliche Nachrichten konstruieren.

„Guten Morgen. Es ist Mittwoch, 05:30 Uhr. Hier sind die Kurznachrichten.

Die neu gewählte Bundesregierung hat in der Nacht mehrere Reformpakete verabschiedet.

Die Beschlüsse wurden mit parlamentarischer Mehrheit gefasst und treten ab heute in Kraft.

1. Staat und Verwaltung

Die Arbeit der Bundesministerien wird neu ausgerichtet. Staatliche Aufgaben werden auf ihre Kernfunktionen begrenzt. Bereiche, die nicht mehr als zwingend notwendig gelten, entfallen oder werden künftig von privaten Anbietern übernommen.

2. Innere Sicherheit

Auch die Organisation der inneren Sicherheit wird angepasst. Die Polizei konzentriert sich künftig auf schwere Straftaten. Präventive Sicherheitsleistungen können von privaten Sicherheitsdiensten übernommen werden.

3. Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt treten umfassende Änderungen in Kraft. Der gesetzliche Mindestlohn entfällt. Tarifverträge verlieren ihre Allgemeinverbindlichkeit. Arbeitsverhältnisse werden künftig individuell ausgehandelt.

4. Soziale Sicherung

In der sozialen Sicherung zieht sich der Staat schrittweise zurück. Transferleistungen werden reduziert. Eigenverantwortliche Vorsorge wird steuerlich begünstigt. Private Absicherungsmodelle sollen gestärkt werden.

5. Infrastruktur

Verkehrs- und Versorgungsnetze werden für private Investitionen geöffnet. Nutzung, Instandhaltung und Ausbau orientieren sich künftig stärker an Wirtschaftlichkeit und Nachfrage.

6. Bildung

Im Bildungsbereich erhalten Schulen und Hochschulen mehr Autonomie. Die Finanzierung wird neu geregelt. Zugang, Angebote und Gebühren können künftig variieren.

7. Medien und Information

Auch im Bereich Medien und Information setzt die Regierung auf Deregulierung. Staatliche Vorgaben werden zurückgenommen. Reichweite und Relevanz ergeben sich aus Marktmechanismen.

Die Reformen stoßen an den Finanzmärkten auf positive Resonanz. Wirtschaftsexperten sprechen von einem Signal für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.

Weitere Informationen im Laufe des Tages.

Damit zum Sport.

Sportverbände erhalten weitgehende Gestaltungsfreiheit. Ligen, Wettbewerbe und Regeln richten sich künftig nach Nachfrage und wirtschaftlichem Erfolg.

Und hier ist das Wetter.

Heute sonnig und trocken bei Temperaturen bis 14 Grad.

Dies sind die letzten Wetternachrichten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Wetterredaktion wird dem Arbeitsmarkt zugeführt.

Und nun folgt ein 30-minütiger Werbeblock.“

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Nun, es liegt an uns was wir hören werden.

PS1: Nachrichtentext mit Unterstützung von ChatGPT

PS2: Titelbild via ChatGPT

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43) Wer braucht das alles?

Als man mir zum ersten Mal die Grundzüge unserer Wirtschaftsordnung verklickerte, sprach man viel von „Angebot und Nachfrage“.

Irgendwie hatte ich das für mich so abgespeichert, dass es eine Nachfrage gibt und daraufhin ein Angebot entsteht. Irgendwie logisch. Menschen würden sich irgendetwas wünschen, ein Bedürfnis haben, irgendeinen Mangel beklagen und irgendwer baut das Ding genau in der Menge wie es verlangt wird. Vielleicht noch etwas mehr. Etwas Reserve, etwas Auswahl an Farben und Design. Alle happy. Heute weiß ich, dass das naiv war. Nicht umsonst steht das Wort „Angebot“ vor dem Wort „Nachfrage“. Und die Effekte daraus, kann man überall sehen.

Es werden täglich Angebote auf den Markt geschmissen, bei denen niemand ahnte, jemals eine Nachfrage danach entwickeln zu können. Selbst beim besten Willen nicht. All das Zeug wird erdacht, finanziert, entwickelt, gebaut, getestet, verpackt, gelagert, transportiert, verschifft, wieder transportiert und in die Regale der Welt gestellt. Klassisches Regal oder Online-Regal. Wurscht. Da liegt das Zeug dann herum. Wenn das keiner haben will, wird es zusätzlich beworben, zwei Teile zum Preis von einem verhökert oder der ganze Krempel über Rabattaktionen in die Haushalte geschleppt. Das ändert aber nichts daran, dass man vieles von dem gar nicht haben wollte. Nicht mal für den halben Preis. Nicht mal als Geschenk. Was soll ich damit?

Und all das, was zum Saisonende nicht unters Volk gebracht wurde, wird verbrannt, zerbröselt oder auf einer Halde verkippt. Am besten im Ausland. Weit weg. Großartig. So viel zu den Fragezeichen aus der Ökonomie. Aber das interessiert kaum jemanden. Da hängt ja Wachstum und Arbeit dran. Was soll man sonst machen?

Vielleicht bringt die Ökologie noch einmal Druck in die Diskussion. Wie viel Energie wird investiert, um so viel Billo-Plastik-Dämlich-Dreck-Schrott-Stehtnurrum-Brauchkeinmensch-Mist-Zeug herzustellen, um all das zu transportieren, was niemals in meine Wohnung kommt und um es dann letztlich wieder zu entsorgen?

Nun, bin ich kein Wirtschaftsphilosoph mit beachtlichem Vollbart. Aber ich wage mir anzumaßen, zu glauben, dass da etwas nicht stimmt.