111) Postkarte aus Budapest

Die zweite Etappe unserer „Vater-und-Tochter-folgen-Isaar-und-Donau“-Expedition führt uns nach Budapest. Knapp 30 Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal dort war.

Die Innenstadt hat sich mächtig verändert, richtig schnieke ist sie geworden und kann mit den anderen Metropolen locker mithalten.

Ganz Demokratie-bewusst gingen wir recht flott zum Parlament, welches da immer noch gigantisch an der Donau steht. Die ungarische Fahne hängt natürlich draußen dran, eine ukrainische … oder mindestens mal eine europäische Fahne, suchten wir dort vergebens. Beim Kunstmuseum auf der anderen Seite der Donau, in Buda, haben wir dann die erste blaue Fahne entdeckt, Ja jut, bei der Kunst kann man das mal wagen, ist ja eh alles Geschmack-und Interpretationssache.

Die Donau war überdurchschnittlich gut mit Wasser gefüllt, Binnenschifffahrt und „Kreuz“fahrten fanden also statt. An der Kettenbrücke lagen zwei baugleiche Schiffe nebeneinander, draußen war ein Koffer-Pavillon für die chinesischen Gäste aufgebaut.

Appropos Kunst. Wie gesagt alles Geschmacksache, aber es bleiben Fragen. Zumindest bei dem Typen und der Gans dort. Wir spulen mal besser vor.

Bei dem Wandbild, wird es wieder klarer. „Ihr seid der Sauerteig der Stadt“ steht da … sinngemäß.

Die große Markthalle ist ein Besuch wert, in den nächsten Wochen gibt‘s jetzt erst mal Wurscht und scharfe Paprika. Hallo daheim, räumt ein Fach im Kühlschrank frei 😉

Hier noch ein paar Eindrücke und dann aber hopp-hopp ab nach Bratislava.

Sonnenuntergang an der Donau, nördlich von Budapest.

„Viszlát, hamarosan újra találkozunk“ …sinngemäß.

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110) Postkarte aus Ober-Bayern-Österreich

Die erste Etappe unser „Vater-und-Tochter-folgen-Isaar-und-Donau“-Expedition, führt uns zunächst nach München, dann nach Oberbayern und Oberösterreich. Und natürlich gab‘s auch hier wieder kurioses zu entdecken.

Am Samstag fuhren wir nach Garmisch-Partenkirchen und folgten der Partnachklam hinauf zur Kaiser-Schmarrn-Alm. Na ja, meistens tropfte von irgendwo Wasser durch und der Eierkuchen .. nun ja … der war völlig zerrissen. Auch hier Personalmangel … überall das Gleiche. Wir wollten aber keinen Aufstand proben, haben es dann doch gegessen. Ging eigentlich auch.

Weiter ging es in Richtung Zugspitze und Eibsee. Die Anfahrt zum Parkplatz, war obernervig. Eine Stunde mehr Stop als Go für 1,5 km. Der Parkplatz war rammelvoll, an den Ufern des Eibsees hatten sich Tagesgäste mit allerlei Equipment „ausgerollt“. Die beiden Typen unter dem grünen Schirm hatten sich auch für länger eingerichtet, hatten die Zugspitze vor den Augen und nur die Smartphones vor der Nase.

Für die Rückfahrt nutzten wir die Mautstraße Wallgau-Vorderriß. Sehr nett und Zugang zum Flussbett der Isaar.

Am Sonntag ging es weiter nach Linz. Angenehme Stadt besonders an einem Sonntag in den Ferien. Nüscht los.

Die Linzer sind innovativ, sie bieten Haarverpflanzungen an. Sie zeigen, dass auch hier Umverteilung von unten nach oben möglich ist.

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Ein Apotheken-Automat in der Innenstadt, das fand ich mal cool. Könnten sich die schlauen Deutschen auch mal überlegen. Beim Kaffee auf dem Hotelzimmer allerdings, da stimmte etwas mit den Mehrheitsverhältnissen nicht.

Und wir fahren weiter nach Budapest …

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109) Postkarte vom Spreewald

Der Nachteil der Arbeit im Höhlen-Office ist, dass man selten raus kommt. Also verordneten wir uns zwei Tage „breakout“ im Spreewald. Auf halber Strecke zwischen Berlin und Cottbus gelegen und easy mit der Bahn zu erreichen, gab es frische Luft, Ruhe und natürlich auch wieder ein paar Kuriositäten zu entdecken.

Auf dem Weg in den Spreewald hält man (… zum Glück …) nur kurz in Brand, da wo aus der aus einstigen Cargolifter-Luftschiffhalle ein Badeparadies unter einer Käseglocke entstand.

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Kurze Zeit später ist man Lübben oder Lübbenau. Der Spreewald ist bekannt für seine Gurken … man gurkt da quasi so durchs Leben und zwar erfolgreich.

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Oder man stakt faule Touristen durch die schmalen Kanäle und füllt sie mit Schnäpschen ab. Klopf, klopf. Herein.

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Man kann sogar bis zum Suezkanal fahren (rechts oben).

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Die örtliche Wirtschaft wirbt mit Anzeigen, Internet-Adressen sind noch nicht so oft zu sehen, aber Fax-Nummern.

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Da mittlerweile auch Chinesen und Inder in den Spreewald fahren, gibts jetzt manche Schilder bereits auf Englisch. Nur das traditionelle Gericht „Grützwurst mit Pellkartoffeln, Leinöl und Quark“ hat sich noch keiner zugetraut, das zu übersetzen.

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Lübbenau hat eine kleiner Brauerei, das Brauhaus Babben. Die kleinste Brauerei Brandenburgs. Klein aber fein.

Apropos Bier, die dortige Feuerwehr hingegen, scheint einen Vertrag mit einer Berliner Brauerei zu haben.

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Radfahren lässt es sich im Spreewald großartig, ich muss mich nur dran gewöhnen, immer häufiger überholt zu werden. Von rüstigen Rentnern auf ihren E-Bikes. Aber als eine E-Omi auf einer Fußgängerbrücke samt schweineschweren E-Bike rückwärts die Treppe runterrutschte, da durfte ich dann wieder ran.

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Busse fahren auch hin und wieder. Nur nicht so oft. Unbedingt was zu Essen einpacken, Stullenbrett gibt’s dort.

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Schön war‘s, aber bitte nich‘ weitersagen.

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107) Postkarte aus Berlin: Mit Demokratie 1

Die Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des deutschen Grundgesetz haben der Stadt Berlin eine großen Open-Air-Veranstaltung beschert. Bei einer Mischung aus Volksfest und Tag der offenen Tür waren nicht nur alle Ministerien, Verfassungsorgane, Sicherheitsbehörden vertreten, sondern alle möglichen Verbände, Vereine und Organisationen. Also sind wir ganz demokratiefest zum Demokratiefest gedackelt und es ergaben sich interessante Motive, die man sonst nicht so oft vor die Linse bekommt.

Zunächst ging es mit der Party-Tram M10 zum Hauptbahnhof, dann über die Moltke-Brücke rüber zur Schweizer Botschaft und zum Paul-Löbe-Haus mit Blick auf den Bundestag.

Gegenüber des Paul-Löbe-Hauses war eine großer Bühne aufgebaut und nun passiert etwas ganz Seltenes. Ich veröffentliche ein Foto von mir. Ich bin der Typ da auf dem riesigen Bildschirm, der die Hand zum Gruß hebt. Die linke Hand wohlgemerkt, ich wurde von hinten gefilmt.

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Dann tingelten wir die Pavillons der Ministerien ab. Beim Außenministerium wies man uns den Weg nach außen … ein paar Meter weiter deutete man mit Kreide auf die Digitalisisierungsstrategie.

Nach ausführlichem Sicherheits-Check … das Abtasten nahm schon fast erotische Züge an … durften wir uns das Kanzleramt von innen anschauen. Schon beeindruckend. Und warum draußen auf ein olles Dixi-Klo gehen, wenn man ein Urinal im Bundeskanzleramt nutzen darf. Ich kann alle Kritiker beruhigen, die gegen „die da in Berlin“ schimpfen. Die Wasserhähne sind nicht aus Gold und die Seife tropft wie an jeder Raststätte nach DIN/ISO 0815 aus dem Spender.

Die Fahrbereitschaft des Mercedes mit Kennzeichen 0-2 (Bundeskanzler) war auch dort.

Im Kanzlergarten stand ein Heli der Bundespolizei, 20 Menschen finden and Bord Platz, 4 Stunden kann so ein Ding fliegen. Schon beeindruckend, aber fliegen will ich damit nicht.

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Bei der Kleiderordnung nehmen sie es da drinnen nicht so genau. Der Ostsee-Ort Prerow war vermutlich Partner der Veranstaltung. An der Wand der Kanzlerbilder vermissten wir Frau Dr. Merkel … vielleicht ist sie ja … ok … wir „skippen“ das jetzt mal

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Im internationalen Konferenz-Saal kriegt man mal einen Eindruck … aber ich würde die Tassen umdrehen … fällt ja sonst Staub rein. Und Kekse fehlen übrigens auch.

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Am Informationsstand des BND warben sie mit markigen Sprüchen für Nachwuchs. Ich war mit stattlichem Homeoffice-Pelz im Gesicht dort, aber immerhin hatte ich ein frisches  Hemd an … trotzdem fühlte ich mich mächtig beobachtet. Die Umfänge von Brust, Oberarmen und Knöpfen im Ohr nahmen schlagartig zu, ich habe mich nicht mehr getraut ein Foto zu machen.

Zum Schluß ging es über die Straße des 17. Juni (bald wieder Fan-Meile) zurück in die Höhle und wir bekamen mal einen Eindruck, wie das Ausritts-und Jagdgebiet „Tiergarten“ wohl früher mal ausgesehen haben muss, als es noch keine asphaltierten Straßen gab.

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106) Postkarte aus dem Osterzgebirge

Die letzten zwei Tage trug es mich in eine Gegend, in die ich vor über 40 Jahren mit der Oma „verschickt“ wurde. Das war die Zeit, wo alles noch schwarz-weiß war, es weder Internet noch Mobilfunk gab und man den Leiter des Ferienheims freundlich bitten musste, den Fernsehschrank im Klubraum zu öffnen. 

Ich habe da zwischendurch schon mal gestoppt, bin da aber nie länger geblieben. Ich wollte mir die schönen Erinnerungen nicht kaputt machen. Aber wie das so ist, wenn ein Ort zieht, dann zieht er und du kannst nix machen.

Auf dem Weg dahin muss man aber erst mal fürchterliche Ortsnamen links und rechts liegen lassen.

In Schmiedeberg steht die alte Fabrik immer noch. Jobs werden angeboten. Nur halt irgendwo anders.

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Aber dann wird‘s bald sehr „gemitlisch“ und ist es doch erstaunlich, was noch alles steht. Klar, die Bäume sind gewachsen und die Wege sind eigentlich viel kürzer als in meiner Erinnerung.

Die Weißerritztalbahn hat man nach der Hochwasser-Katastrophe 2002 wieder aufgebaut. Der Kopfbahnhof Kipsdorf ist wieder in Betrieb, mit etwas Nostalgie und Kitsch nun auch zum Museum geworden.

Die Laternen im Landkreis haben einen Zweitjob aufgebrummt bekommen. Sie müssen mal wieder für die Politik herhalten. Viel Irrsinn dabei, es gibt aber auch Hoffnung.

Bei Oberbärenburg fand ich „Großvaters Ruh 1883“. Interessant ist doch, dass dieser Opa damals schon prächtigen Fernsehempfang hatte, sicher auch mehr als nur zwei Programme.

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Wenn man dort fernab von Großstadt, Graffiti, Ladesäule und E-Roller-Chaos in den Bergen unterwegs ist, dann fühlt sich Berlin weiter weg an, als es eigentlich ist und ich kann nachempfinden, was die Leute wohl denken müssen, wenn sie das politische Geschehen in der Hauptstadt mitbekommen.

Aber auch dort in den Bergen hält die raue Kriminalität Einzug.

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Die Riedelmühle steht auch noch. Aus der Perspektive hier, kann man sich gut vorstellen, wie das Wasser 2002 durchs Tal donnerte. Ich guatsche mit den Betreibern ein Weilchen und habe das Gefühl, dass sie sich freuen, dass mal jemand zum Zuhören kommt. Sie haben das Objekt 1989 runtergewirtschaftet von der HO übernommen, dann mühsam aufgepäppelt. Dann der ausbleibende Transitverkehr durch die Fertigstellung der Autobahn nach Prag 2001, dann das Hochwasser in 2002, Pandemie in 2020/2021 mit Lockdowns, 3G-Kontrollen der Gäste und Besuchen vom Amt. Nun Wiederherstellung der 19% Mehrwertsteuer in der Gastronomie, erhöhte Energiekosten und Beschaffungspreise für Lebensmittel. Nicht einfach.IMG_9777

Schließen möchte ich mit diesem Bild. Hier hatte der kleine T. vor langer Zeit „große“ Steine in den Fluß geworfen und ihn zu „stauen“ versucht. Vergebens 😉

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105) Postkarte von Peloponnes

Die obligatorische Postkarte von der Halbinsel Peloponnes muss schon noch sein, bevor der Alltag wieder losgeht und mich eine Bahnreise nach Hessen erwartet. Auch wenn mir diesmal gar nicht so viel verrückte, skurrile Dinge vor die Kamera gelaufen sind, dafür waren sie aber nachhal(l)tiger. 

Wie schon in > Athen hat auch hier auf Peloponnes die Erde zwischenzeitlich gebebt, zumindest war es über die Nachrichten zu vernehmen. Vor Korinth, da tat sich plötzlich die Erde auf und ich fühlte mich wie John Cusack im Camper des Blockbosters „2012“.

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Die Stadt Korinth selbst, hat es auch dahin gerafft, kaum ein Stein liegt da noch auf dem anderen. Das kriegen die nie wieder aufgebaut, reicht nur noch um Touristen tagsüber zu beschäftigen, aber wirklich leben kann da keiner mehr.

Die Katastropenschutzbehörden haben gigantische Suppenküchen mobilisiert, um die Bevölkerung … und natürlich uns Touristen … satt zu kriegen. Ohne Gyros und Souflaki geht hier nix, das versteht von selbst, sind quasi „ouzos“. Aber bald war alles aufgegessen und die späten Vögel guckten dumm in die Schüssel.

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Das Wasser ist blau-grün verfärbt, besser mal nicht reingehen, bestimmt voll mit Chemikalien. Widerwärtig. Fahrt da bloß nicht hin!

In Olympia habe ich die Damen nach Feuer gefragt, aber die sagten, es läge bereits eine Bestellung vor. Irgendwelche Pariser hätten wohl vorbestellt. Typisch…

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Dafür gibts es kleine gelegte Feuer überall und das ist schon etwas nervig. Die Griechen „Hinzos und Kunzos“ verbrennen auf ihren Grundstücken Laub oder so und das wabert dann durch Berg und Tal. Kein Wunder, dass es auf den Inseln im Hochsommer gern mal brennt.

Toiletten-Humor haben die Griechen auch. Like it.

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Fazit: Hat mir ausgesprochen gut gefallen. Frühlingshafte Landschaft im April, alles sehr grün und vital, aber eben bei sommerlichen Temperaturen, es gab nicht einen Niederschlag. Die Menge an Touristen war überschaubar, der Straßenverkehr war äußerst stressfrei, dank mobilem Netz, mangelte es nie an Podcast-Nachschub. 1.600 km haben wir in einer Woche gemacht und einen guten Mix aus Stadt, Strand und >alten Steinen gesehen. Ich spüre bei Griechenland ähnliche Schwingungen wie in Portugal. Man ist in der EU unterwegs, mit all seinen Selbstverständlichkeiten, aber die Leute sind nicht so nervig drauf wie im Land der Germanen. Alles geht einen Tick langsamer und damit angenehmer daher, Regeln werden „flexibel“ ernst genommen, sehr charmant. Da können wir uns gern mal zwei Scheiben bei denen abschneiden. Und ein weiterer Kandidat für Pläne zur Winterflucht wurde gefunden und ich fragte mich mehrmals … > Warum nicht einfach … hierbleiben? Aber natürlich, wir waren Anfang April dort, im August kann das schon ganz schön brutzelig dort werden. Sprachlich war alles völlig unkompliziert, alles Wesentliche war in Englisch zu lesen, und wenn mal nicht, dann half etwas Schulrussisch und Google Translate. Kulinarisch war es ober-angenehm, sowohl die Veg-als auch die Non-Veg-Fraktion der Reisegruppe fand immer was zu futtern.

Rückkehr erwünscht. Gern für länger.

519) Good Bye India

Nach fünf Wochen Indien, heißt es nun erst einmal wieder Abschied nehmen. Sicher nicht für immer, aber neue Pläne gibt es erst einmal nicht. Zuletzt war ich in 2019 im Land und wieder haben sich Dinge verändert oder sind mir aufgefallen. 

Über den Straßen-Verkehr habe ich schon einiges geschrieben. Bengaluru hat hier ein massives Problem und daran wird auch die neue Metro nicht viel ändern. Vermutlich gehts nur über Zuteilung und Einschränkung des Individualverkehrs. Dann wird hier aber was los sein. Trotzdem ist es aber immer wieder erstaunlich, wie der Verkehr dann trotzdem funktioniert … wie ein Fischschwarm. Jeder hält 5 cm Abstand zum anderen und so kommt man dann doch irgendwann an. Obwohl sich niemand an Regeln hält … habe ich keinen Unfall gesehen, zumindest keinen der Aufsehen erregt oder einen Polizeieinsatz zur Folge hatte, denn das will man unbedingt vermeiden.

In einigen Dingen, ist uns Indien weit voraus.

Das Smartphone ist hier kaum mehr wegzudenken. Jeder hat eins, mit Internet. (Laut „brand eins“, Heft 01/24, 1,2 Mrd Menschen). Vom Büro-Heini bis zum Tuk-Tuk-Fahrer, denn das Gerät ist weniger Status-Symbol hier, sondern Arbeits-/Existenzgrundlage. An der Kreuzung nahe dem Hotel hockte den ganzen Tag eine Familie unter dem Dach einer Bushaltestelle. Mutter fummelt Rosen zu Sträußen zusammen, Vater verkauft die Blumen zwischen den stauenden Autos und das Kleinkind hockt im Dreck, atmet den Mief der Autos ein und daddelt auf dem Handy. Und das ausgesprochen günstig. Meine indische SIM lässt sich aufladen, 28 Tage, 1,5 GB pro Tag, nur 2,65 EUR in total. Wir sind knapp 2.000 Kilometer durch die Bundesstaaten Karnataka, Tamil Nadu und Kerala gefahren. Viele Kuriositäten sind mir dabei begegnet, ein Funkloch allerdings habe ich nicht bemerkt.

Bezahlen tun sie mit einem Telefonnummer-basierendem Bezahlsystem. Und das funktioniert überall. Von der Tankstelle bis zum Cocos-Nuss-Verkäufer am Straßenrand. Ausländer können allerdings nicht so einfach daran teilnehmen, man braucht wohl ein indisches Konto. Meine deutschen Kreditkarten, wurden in einfachen Restaurants mehrmals abgelehnt, also lief ich dann doch mit einem Bündel Papier in der Hosentasche rum. Der Geldautomat warf mir nur 500 INR- Scheine aus, jeder ca. 5,50 EUR wert, da kommt viel Papier zusammen. Allerdings kann man mit 500 Rupien auch eine Menge anstellen, zum Beispiel gut essen gehen.

Und noch etwas ist den Indern gelungen, an dem Deutschland immer noch knabbert. Laut „brand eins“ Heft 01/24 gibt es eine „Aadhaar-Karte“, über die der der Staat Leistungen oder Mikro-Kredite an die Menschen im Land auszahlen kann. „Im November 2023 waren knapp 1,4 Mrd Aadhaar-Karten verteilt – und damit fast die gesamte Bevölkerung versorgt.“, heißt es im Heft. In Deutschland ist es bislang nicht möglich, Geld-Leistungen über einen Kanal auszuzahlen (Stichwort Energiepauschale, Klimageld, etc). Da müssen dann Krankenkassen, Arbeitgeber oder gar Energie-Dienstleister einspringen. Unser Finanzministerium tüftelt noch an der perfekten Lösung. Technisch nicht vor 2025 möglich, vermutlich erst im Jahre 2027. Sorry, Leute, aber das kann doch nicht wahr sein.

Indische  Kühe furzen zwar auch Methan in die Luft, aber eben nicht, um auf dem Grill zu landen, sondern nur für Produktion von Milch und Erhalt ihrer Heiligkeit. Der Anteil der Vegetarier ist sehr hoch und vegetarisch  essen fällt hier auch gar nicht schwer, weil man hier nicht den Eindruck hat, dass nur Fleisch „weggelassen“ wurde. Jedes Mal wenn ich in Indien bin, begeistert mich die Wortwahl bei der Unterteilung von Speisen. Wenn wir in deutschen Kantinen eher in „normal“ und „vegetarisch“ unterscheiden, unterscheiden sie hier zwischen „veg“ und non-veg“. Ganz einfach. Die Plastiktüte ist verboten, darauf wird bereits im Landeanflug hingewiesen. Das wurde auch dringend Zeit.

Aber natürlich gibt es hier auch noch Einiges zu tun. Ich will hier nicht kritisieren oder schlaumeiern, bin ja schließlich zu Gast hier. Also formuliere ich es mal in Form von Wünschen:

Ich wünsche mir, dass das Land die Müll-Problematik in den Griff bekommt, speziell im öffentlichen Raum (Straßen, Grünflächen, Kanäle … selbst in Mangroven-Wäldern, National-Parks).

Ich wünsche mir, dass sie trotz anhaltendem Bevölkerungswachstum mal die Ellenbogen etwas einfahren, denn das ist mitunter schon etwas anstrengend. Eine Menschenschlange löst sich nicht dadurch auf, in dem man meinen Rücken bearbeitet. Und wenn ich an einem Schalter stehe, um etwas zu klären, da brauche ich nicht drei weitere Menschen um ich herum, die auf den Mitarbeiter vor mir einreden.

Ich wünsche mir, dass sie weiter an der Gleichberechtigung von Frauen und an den Freiheiten junger Paare arbeiten. Denn das ist im Jahr 2024 immer noch schwer zu verstehen (arrangierte Ehen, Einzug der Braut ins Elternhaus des Bräutigams, Wohnen in mehreren Generationen und damit Küchendienst für die Braut, während die Herren über Dinner und Tee sitzen. Der sehr traditionelle Vater meines Kollegen fragte mich, was ich darüber denke, dass „Kinder“ (gemeint ist sein Sohn mit Anfang 30, nebst Gattin und Tochter) noch bei ihnen wohnen … (sollen). Was soll ich da sagen? Ich bin ausgewichen, habe gesagt, dass ich meine Kindern unterstützen werde, wenn sie in der Ferne ihr Glück suchen wollen.

Also mach‘s gut Indien, wir sehen uns bestimmt wieder und dann mal sehen, was es dann Neues gibt.

103) Postkarte aus Kerala

Nach vier Wochen Arbeit in der IT Metropole Bangalore habe ich mir etwas Urlaub verdient. Den verbringe ich in Kerala dem südwestlichsten Bundesstaat des Subkontinents. Kerala gilt als grüner Bundesstaat, als vital und liegt am arabischen Meer, was die 30° Tagestemperatur noch mal sehr viel feuchter macht. Der Portugiese, Vasco da Gama landete einst hier an und später folgten dann die Holländer in ihren Wohnwagen.

Und natürlich gab es auch auf dem Trip wieder viele Kuriositäten und Nachdenklichkeiten zu entdecken:

Üblicherweise sitze ich diagonal hinterm Fahrer, habe ich mir so angewöhnt. Auf der Fahrt zum Flughafen Bangalore, die richtige Entscheidung, denn der Gurt auf dem Beifahrersitz kam eher einer Halteschlaufe gleich.

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Nach der Landung in Cochin (Kerala) entdeckte ich diese herrlichen Sitzplätze in der Wartehalle. Keine Hartschalensitze wie in Europa, sondern weiches Polster. Mit Schonbezug für den Specknacken. Würde in Deutschland nicht gehen. Zu arbeitsintensiv, Brandlasten, Hygiene etc.

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Im Gegensatz zu Bangalore scheint der Bau der Metro hier abgeschlossen zu sein. Nun lassen sich die tausenden Säulen wunderbar mit Werbe-Displays volltackern. Man soll aufhören nachzudenken, soll endlich beginnen zu werben, steht da.

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Die bekannten chinesischen Fischernetze wurden bei einem Zyklon 2018 deutlich reduziert, man will sie wieder aufbauen, dauert halt alles seine Zeit hier. Je nach Fotowinkel sieht man auch jeden Menge Plastik am Strand, oder die Werft auf der anderen Seite der Mündung. Der Fisch in Cochin sieht lecker aus und kostet nur ein Bruchteil dessen, was er in Deutschland kostet, dafür ist er wahrscheinlich auch mit zahlreichen Bruchteilen gefüllt.

Die Situation in Nah-Ost scheint auch hier ein Thema zu sein, allerdings gibt es auch hier genug, was man vor der eigenen Haustür kehren könnte. In der Nähe des Hotels in Ernakulam wird es dann noch mal politisch, die CPI(M)-Partei sendet Lenin-Grüße aus Moskau.

Kirchen gibt es viele, sind soweit ich gesehen habe, gut in Schuss, und damit der Jesus nicht doch vom Sockel fällt, wird er mit einer Sicherung Marke „OBI-Spanngurt-Eigenbau“ an seinen Sandalen fixiert. Na ob das langfristig ausreicht?

Auf der Fahrt nach Periyar geht es zunächst flach über grüne Landschaft (incl. Anbau von Ananas, Kautschuk, Reis), später durch die Berge, wo links und rechts Tee an den Hängen steht. Schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass jedes Blatt per Hand gepflückt wird und dann wie auch immer, bei uns im Supermarkt für wenige Euro zu kriegen ist. Abzüglich Transport, Lager, Steuern, Gewinn aller Lieferketten-Glieder, kann man sich schon fragen, was die Pflückerin davon bekommt.

Kerala wird aktuell aus einem Bündnis aus Sozialisten, Kommunisten, Marxisten regiert, können sie machen, mir Wurscht, wurden ja gewählt. Aber wenn Che Guevara am Straßenrand steht und Brücken mit Hammer und Sichel beflaggt sind, fällt mir das schon auf. Erinnerungen an einen großartigen >Kuba – Urlaub kommen hoch … und andere Erinnerungen aus den 80-er Jahren.

Dank dieser Koalition wurde wenigstens die Prohibition etwas gelockert, trotzdem bedarf es einiger „Gesprächs-und Darreichungstechniken“ und einem halbwegs blickdichten Stuhlrücken, um an ein kaltes Bier zu kommen, wenn der Laden keine Lizenz hat.

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Ach und der Verkehr, ja ohne den gäbe es hier nichts zu staunen. Der eine liefert einen Fernseher aus oder so, der nächste übt sich in Stabhochsprung, ein anderer probiert sich als Camelion.

In Kumily habe ich die Gelegenheit mal wieder (verdammt lang her) auf einem Elefanten zu reiten. Blöderweise war ich allein, aber es bedarf mindestens zwei Personen für den Ritt. Also musst der Fahrer herhalten, der hatte anfänglich etwas Schiss, aber ich konnte ihn einladen. Die leichtfüßige Dame heißt >Lakshmi. Da uns die Anonymität wichtig ist, müsst ihr uns auf dem Bild etwas kopflos ertragen 😉

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Ein Highlight war sicher die Tour auf dem Hausboot incl Übernachtung. Vishnu, der jüngste der Crew macht das als Ferienjob, er wird noch dieses Jahr ein Studium für Software-Programmierung beginnen. Als wir Gäste schon im Bett waren, nahm er an online-classes teil und hat sich Code-Fragmente in sein Notepad kopiert. Für später mal. Feiner Kerl (mehr dazu siehe am Ende) und er kennt sich bestens in der Deutschen Bundes-Liga aus. Mehr als ich. Vishnu sagt, beim Sonnenuntergang wird der Himmel oft pink. Echt?

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Auf dem Weg von Kovalam nach Kanyakumari, machten wir Stopp bei Poovar. Dort gibt es Mangroven und einen See, der durch einen schmalen Sandstreifen an das gewaltige Arabische Meer grenzt. Ein eigenartiges Wetterleuchten am Ende blieb ungeklärt.

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In Kanyakumari gab es die Gelegenheit, ein Tattoo stechen zu lassen. Die Nadel wird sogar nur einmal benutzt, steht da. Und damit kriegt man dann so einen halben BH angemalt. Sieht bestimmt toll aus, wenn der Mucki-Mann da mal auf die 50 zugeht.

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Und weiter ging es nach Süden und irgendwann, tja irgendwann, ging es nicht mehr weiter. Ende Gelände. Der südlichste Punkt Indien ist erreicht. Wow. Made it!

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Damit will ich die Postkarte enden lassen. Ach nee, mein Blog-Projekt heißt schließlich „Tipping-Point“ und nicht „Duckface-Instagram“.

Der Vishnu sollte ja noch mal zu Wort kommen. Vishnu, der Boots-Junge der bald SW-Coding studiert. Er ist auffällig klein, hat sehr dunkle Haut und einen Lockenkopf.

Ich fragte ihn zu später Stunde, was er sich wünschen würde, wenn er nur einen Wunsch frei hätte. Es war kein Lotto-Gewinn … auch kein Ticket nach Europa … sondern … „ein Ende des alltäglichen Rassismus, gegen Hautfarbe und Aussehen von Menschen“. Als ich ihn um zwei weitere Wünsche fragte, da sagte er, „dass jeder das Recht auf eine Mahlzeit haben sollte und Zugang zu medizinischer Versorgung“.

In diesem Sinne, Grüße aus Kerala.
T.

513) 1.Klasse diskutiert es sich bequemer

Wenn ich mich hier durch Bangalore bewege und das Treiben in der Stadt beobachte, muss ich oft an die vielen, teils ideologisch aufgeheizten, Diskussionen in der Heimat denken.

Ein paar Beispiele:

  • In Deutschland diskutieren wir den Ausbau der Radwege, definieren Breiten und Farbtöne und können uns herrlich drüber aufregen, wenn sich die Radfahrer nicht an die Radstreifen und Regeln halten. Hier gibt es überhaupt keine Radinfrastruktur, man sieht kaum Fahrräder, höchstens am Wochenende mal ein paar Rennradler, die sich zu früher Stunde aus der Stadt verdrücken.
  • Zu Hause schütten wir Fußgängerunterführungen zu, weil wir die Fußgänger nicht mehr verdrängen, stattdessen wieder ans Tageslicht bringen wollen. Hier dagegen gibt es kaum Ampeln, die ein gesichertes Überqueren der Straßen möglichen. Zebrastreifen sieht man ab und zu, sie haben aber keine Bedeutung. Fußgängerunterführungen oder -brücken … Fehlanzeige. Fußgängerzonen ebenso.
  • Hier ist man um jede weitere Fahrspur froh, die errichtet wird. Um jeden Fly Over, der ein besseres Vorankommen mit Auto oder Scooter ermöglicht. Wenn ich indischen Kollegen davon erzähle, dass wir Stück für Stück Fahrbahnen streichen, um den Autoverkehr schrittweise in den ÖPNV umzuleiten, schütteln die hier nur den Kopf. Ja, mit den zwei Metro-Linien in Bengaluru ist ein Anfang gemacht, aber man darf nicht vergessen, dass die Stadt jeden Tag wächst. Gemäß >Wikipedia waren es im Jahr 2000 ca. 6 Mio Einwohner, in 2017 schon das Doppelte mit 12 Mio. Solch ein Wachstum möchte ich mir für Berlin nicht vorstellen.
  • Wenn ich mich in Berlin einer Kreuzung nähre, dann registriere ich die Verkehrszeichen, leite daraus ab welche Regeln gelten, komme dann zu dem Schluss, was das nun für mich bedeutet und handle danach. Und im Zweifel zählt §1 StVO. Fährt mein Indischer Kollege auf die Kreuzung zu, denkt er eigentlich nur daran, … O-Ton …, wie er nun schnellstmöglich vorwärts kommt ohne andere zu töten oder sein Auto zu beschädigen. Und schnellstmöglich meint jetzt nicht „Rasen“, sondern überhaupt vorankommen.
  • Wenn ich meinen Kindern eintrichtere, dass sie sich doch etwas zurückhalten sollen, anderen den Vortritt lassen, oder sich anstellen müssen, gilt hier nur das Recht des lauteren, stärkeren und energischeren. Wenn man hier auch nur einem Menschen den Vortritt lässt oder einem Pkw die Vorfahrt schenkt, kommen gleich zig andere hinterher und man hat die berühmte Karte mit A gezogen.
  • Geht es bei uns auch gern um Gleichberechtigung, Equal Pay und Frauenrechte, sind hier die Hochzeiten noch häufig arrangiert und der Ehegatte beziehungsweise seine Eltern verfügen über die Rechte der Frau. Auf der Büro-Etage, wo ich die letzten Tage zu tun hatte, waren Frauen deutlich unterrepräsentiert. Dafür sieht man sie beim Bau von Fußwegen oder anderen körperlich schweren Tätigkeiten.
  • Ist bei uns Sonntagsarbeit i.d.R. verboten, weil Kirchen oder Gewerkschaften es so gern haben, läuft der Laden hier weiter. Die Arbeiten an der Metro werden fortgesetzt und auch Wohnhäuser sind sonntags „Under Construction“. Häufig wohnen die Arbeiter in den Rohbauten. Wenn die Sonntags Däumchen drehen würden, dann würde alles noch ein siebtel länger dauern und die Leute würden ein siebtel weniger verdienen. Ganz einfach.
  • Während wir diskutieren, ob das Duschgel nun Mikro-Plastik enthält oder nicht, gibt’s hier Makro-Plastik an allen Ecken. Natürlich bin ich froh das wir da schon einen Schritt weiter sind, aber das ordnet das Problem ganz anders ein und zeigt was weltweit noch alles zu tun ist.

Vor der Kulisse hier, wirken manche Diskussion daheim etwas bizarr, aber es diskutiert sich halt auch leichter, wenn man in der 1. Klasse sitzt. Ich will damit nicht sagen, dass wir solche Diskussionen nicht führen sollten, ABER in der Diskussionstemperatur und in der Erwartungshaltung, wie kurzfristig all die Transformationen zu Hause geschehen „müssen“, könnte man etwas herunterregeln, glaube ich.

101) Postkarte aus Bengaluru – 3

Auch wenn ich natürlich in erster Linie hier bin, um zu arbeiten, gibt es natürlich links und rechts des Weges oder auch an den Wochenenden einiges zu entdecken. Und wie immer, gucke ich doch gar nicht so sehr auf die Main Locations, sondern eher so auf die kuriosen Dinge, und davon gibt’s in Bangalore nun wahrlich genug.

Nicht nur die Deutschen können Schilder, Inder auch.

Um die Ecke habe ich einen kleinen Park, eigentlich ein breiter Grünstreifen in einer Wohngegend, eingezäunt zieht der sich die Straße rauf. Ein paar Geräte für Kids, für Sportler auch, einen 400m Weg, auf dem ich ein paar Runden drehen kann (allerdings keine Freude bei der Luft hier) und an dem einen Ende gibt es eine Joga-Ecke. Man soll bitte ruhig sein, links und recht fahren Autos und Mopeds hupend vorbei. Ommmmmm!

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Kühe gibt es natürlich auf den Straßen auch, im besten Fall ein Einzelstück, im worst case eine Gruppe. Anfassen, Verscheuchen oder zu nahe dran vorbeifahren, kann Probleme machen. Also Geduld bewahren und … hupen … das darf man.

Ganz besonders irre sind die Moped-Fahrer, es gibt nichts, was es nicht gibt. Leider habe ich nicht immer die Kamera zur Hand oder die Bilder sind verwackelt. Der hier, hatte in der Handy-Halterung ein Cricket-Spiel laufen, aber immerhin hatte er einen Helm auf.

Der nächste Fahrer war auch lustig, leider auch etwas verwackelt. Der Reifen hinten war schon ziemlich matsch, also musste er sein Gewicht nach vorn verlagern, in Richtung Vorderreifen und hat sich schlauerweise auf den Tank gesetzt.

Und wenn die befestigte Straße voll ist, also eigentlich immer, dann nimmst du halt den „Grün“streifen … Sandstreifen, „find your way“ nennen sie das hier.

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Wenn man in Indien Tuk-Tuk meint, spricht man hier offiziell von Three Wheeler, im Alltag nennt man sie „Auto“ … aber English ausgesprochen … also so ähnlich wie „Aodo“. Als harte Verhandlungspartner, streckenweise stur, lenken die Fahrer die wendigen Gefährte durch den üblen Verkehr. Ich würde mal sagen, dass sich das Design in den letzten Jahren nicht / nur wenig verändert hat. Das Ding wird entweder barfuß oder mit Schlappen gefahren, neu ist, dass die Drivers mittlerweile auch alle ein Handy haben, entweder für Google Maps oder Uber / Ola oder für Sport und Bollywood.

Bei dem Vordermann geht man besser auf Tauchstation. Ich wollte ihn darauf ansprechen, dass die Straßenverkehrsordnung eine rote Fahne o.ä. dafür vorsieht, aber ich tat mich mit der Aussprache etwas schwer.
“ಒಂದು ಮೀಟರ್ ಉದ್ದವಿದ್ದರೆ ನೀವು ಕೆಂಪು ಧ್ವಜವನ್ನು ಹಾಕಬೇಕು“

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Freunde der veganen Küche und Hygiene-Nerds, Trigger-Alarm (!), vielleicht die folgende Bildersammlung doch besser überspringen. Das Vieh hängt bei 30°C den ganzen Tag am Rand ein Hauptverkehrsstraße.

.Diese farbenfrohe Deckenlampe hängt beim Chaiwala in der Nähe der Firma. In Deutschland wäre die Hölle los, zu Recht. Aber hier ist es einfach nur ein tausende Jahre alter Glücksbringer, den sich ein paar deutsche Großmachts-Psychopaten in den 1930-er Jahren angeeignet haben.

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Und sonst so? Viel mehr, als sich hier abbilden lässt! Mehrmals auf dem Motorrad hinten mitgefahren (Grüße von der Staublunge), zum ersten Mal Metro in Indien gefahren und endlich mal wieder Three Wheeler. Aufm Bauernhof gewesen, bei einer Moslem-Familie zum Abendessen auf der Erde gesessen (Grüße vom Knie), Probe-Alarm im Büro-Gebäude mit Räumung und Unterweisung erlebt, Probespiel fürs Cricket-Turnier morgen, diverse Stromausfälle, in Schlagloch getreten, umgeknickt, täglich in eiskaltem Meetingraum gehockt, erkältet, etc p.p.

Wird nicht langweilig

Aber so ist das in encredible India.

So, jetzt muss ich Schluß machen, morgen werde ich 07:00 abgeholt, 08:00 ist Antritt auf dem Cricket-Platz und ich mittendrin.