101) Hat das jemals einer benutzt? 

Die Frage stelle ich mir recht oft, wenn ich Produkte benutze. Da haben hochbezahlte (?) Produkt-Designer anscheinend viel (?) Zeit in die Optik investiert, als es aber um die reine Handhabung ging, war vermutlich schon Freitagnachmittag. Am meisten ärgert mich das dann, wenn man eben keinen Billo-Kram aus Fernost kauft, sondern sogenannte Markenware.

Ein paar Beispiele:

Vor Jahren hatten wir uns mal ein neues Kuppelzelt angeschafft, von J* einem renommierten Hersteller für Outdoor-Equipment. Die Reißverschlüsse waren dermaßen bescheuert gebaut, dass man immer zwei Hände brauchte um sie zu öffnen. Entweder will man aus dem Zelt raus oder wieder hinein. Wer jemals Zelten war, der weiß, dass man immer irgendetwas in den Händen hat, was man ungern im Dreck drumherum ablegen will.

Beim Staubsauger von S* und auch bei dem Akku-Schrauber von B*, beides Deutsche Hersteller, muss man bei einem Mechanismus einen Teil von sich wegschieben, während man ein anderes Teil an sich heranziehen muss. Sorry, das kriegt mein Kopf nicht hin. Beide Funktionen sind nicht sicherheitsrelevant, also kann ich mir das nicht mit einer Kindersicherung erklären, sondern einfach nur damit, dass die Dinger niemals im echten Leben getestet wurden.

Meine kleinen Unterwegs-Kopfhörer von B* haben einen tollen Klang, mag ich wirklich, nur warum sagen die mir nur beim Anschalten, dass die Batterie nur noch 10% geladen ist, statt beim Ausschalten. Das macht doch gar keinen Sinn. Vor ein paar Monaten habe ich neue Jogging-Kopfhörer von A* in die Tonne geschmissen, weil die Dinger bestimmte Funktionen nicht mehr mit gesprochenem Text bestätigten, sondern nur noch mit „dideldum“ oder „dadadi“. Woher soll ich denn wissen was „dideldum“ und „dadadi“ bedeute?. Die aktuellen Laufkopfhörer von T* sind auch Misst. Zum einen gibt‘s da nur noch drei Knöppe, die man jeweils 1,2,3,4,5 drücken muss um irgendetwas zu erreichen. Ich will doch keine Bedienungsanleitung mitnehmen, Mensch! Zum anderen, sind die Knöppe so flach gebaut, dass man sie beim Rennen kaum ertasten kann.

Ich wäre für ein neues Label.

„Real-Life approved“
Oder
„Praxis Check – Nicht nur schön, sondern auch brauchbar.“

100) Sekundenbruchteil-Momente 5

Habe lange nichts mehr über die winzigkleinen Momente geschrieben, die an sich nicht mal eine Sekunde brauchen, aber große Wirkung haben können.

Hier wieder ein paar gesammelte Momente der letzten Wochen:

  • In Eile über den Bahnhof hetzen, auf eine Rolltreppe springen, um dann beim Landen zu merken … dass die still steht.
  • Im Aufzug spontan in die Knie gehen, um die Schnürsenkel zu binden … und meinen, man schafft das schon in der noch verbleibenden Zeit.
  • In einem Meeting oder auf einer Familienfeier ein Statement abgeben, wo man noch während des Sprechens merkt, dass gleich jemand an die Ecke gehen wird … man aber nicht mehr abbiegen kann.
  • Durch unwegsames Gelände flitzen und kurz nach dem der eine Fuß abhebt und bevor der andere aufsetzt feststellen … dass das nicht gut gehen wird.
  • Zum späten Abend, ganz leise aus der Hose aussteigen … und sich mit einem Fuß im Gürtel verfangen.
  • Nach einem langen Tag in eine Hotelzimmer kommen … und hinter sich die Tür ins Schloss fallen lassen.
  • Bei Sauwetter endlich am Auto ankommen, reinspringen, die Tür zuschmeißen … und für einen Moment nichts tun außer … ausatmen.

Ach ja, jeder Moment so kurz und klein …

<— 59) Sekundenbruchteil-Momente 4

99) Den Schlüssel durch die Ritze ziehen

Keine Sorge es bleibt jugendfrei. Aber was bei dem einen oder anderen vielleicht wohliges Kribbeln verursachen mag, regt bei mir nur Horrorfantasien an. Mehr nicht. Da kommst du nach Hause, leerst den Briefkasten, hast Briefe in der Hand, deinen Schlüssel und einen Abholschein für ein Paket. Ich rufe den Aufzug und halte auf halber Strecke. Ich klingele beim Nachbarn, blockiere mit dem Körper die Aufzugstür und trage artig mein Begehr vor. „Tachchen, sach‘t mal, ihr habt wohl ein … kling-klong … für mich“

Der Wohnungsschlüssel saust zu Boden und … ihr ahnt es schon … macht kurz an der oben Türkante „kling“, an der oberen Kante „klong“ und stürzt dann in die schmale, dunkle Tiefe.

Auf die Schwerkraft ist immer noch immer Verlass. Schimpfend in der Wohnung angekommen, lerne ich, dass das Paket gar nicht an mich adressiert war, sondern and die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ ist. Zudem sollte der Stammhalter das Paket eigentlich schon abgeholt haben. Na großartig. Das hat sich ja für mich richtig gelohnt.

Ich schreibe die Hausverwaltung an. Irgendwann kommt bestimmt mal wieder der TÜV.

Aber es hätte auch schlimmer kommen können:

  • Tiger-Käfig
  • Plumps-Klo
  • Badesteg
  • Sandstrand
  • Städtischer Gulli
  • Uhrwerk des Kölner Doms
  • Motorraum eines Kreuzfahrtschiffs
  • Besucherloge im Deutschen Bundestag

98) iFriedhof

Heute war der große Tag gekommen. Die unangenehme Aufgabe, die seit Wochen beharrlich prokrastiniert wurde, musste vollendet werden. Auch wenn damit viel Schmerz verbunden sein wird. Eine Kiste voller Handys, Smartphones und Tablets sollten der fachgerechten Entsorgung zugeführt werden. Damit wir nicht nur deswegen zum Recycling-Hof gurken, wurde der Kofferraum mit weiterem Krempel aus dem Keller beladen, der auch schon länger für die Fahrt in den Schrott-Himmel vorgesehen ist.

Kurz nach 09:00 fuhren wir am BSR-Friedhof vor, senkten am Pförtnerhäuschen das Haupt und beschrieben die Wertstoff-Leichen, die wir im Kofferraum gestapelt hatten. Der Bestattungsfachmann im orangen Gewand nickte pietätvoll und sprach dann die letzten Worte.

Jut … nun … also …

  • Hartschalenkoffer in die 6
  • Bürostuhl in die 9
  • Lampen in die 4
  • Farbreste in die 1, uff’n Wagen stellen
  • Tretroller in die … äh … ist da ne Batterie drinne?

Ich: Nee, janz klassisch

  • … na dann oooch inne 9
  • Det Plastikding da wieder in die 6 … logisch
  • Die Kabel in die 4
  • Altholz inne 3, wenn Schrauben dran dann 9
  • Glas … können se ooch in Hausmüll packen
  • Und die Handys … haben die Akkus verbaut?

Ich: Mal so, mal so.

  • Jut dann Handys mit verbautem Akku zur 4, in die Rote Tonne, die da vor steht. Handys mit herausnehmbaren Akku, bitte auseinandernehmen , Akkus in die rote Tonne, Handys in die 4.

Alles klar?

Ich:  … 

—> 44) Container-Wechsel

97) Ob Murphy vielleicht Baske war?

Ein Urlaubstag in Nord-Spanien, an dem auch wirklich alles schief geht.

Abfahrt von Pamplona in Richtung San Sebastian, alles flüssig, alles gut. In San Sebastian stauen wir uns in die Innenstadt, linke Seite, nordwärts den Fluss entlang, zäh wie Kaugummi. In der City angekommen, fahren wir ein Parkhaus nach dem anderen an, aber alle sind besetzt. Jede Entscheidung für ein anderes Parkhaus, wird mit weiteren 20 Minuten quittiert.  Wir beschließen, die Flussseite zu wechseln, aber auch dort sind die Parkhäuser dicht und dann erwischen wir versehentlich die Straße rechts vom Ufer, welche südwärts aus der City führt, keine Chance zu wenden. Also, das gleiche Spiel noch einmal. Linke Flußseite rauf im Stau, vergebens, alles voll, rechte Flußseite runter. Außer der Uhrzeit hat sich nichts verändert. Wir verlassen San Sebastian ohne es betreten zu haben.

Wir wollen in der Stadt „Zarauts“ halten, einem Badeort mit dem längsten Sandstrand der Gegend. Aber auch hier gleiches Spiel, alle Parkhäuser voll und selbst die öffentlichen Parkflächen mit Automaten sind selten und immer belegt. Irgendwann erwischen wir einen Platz. Ich gehe zum Parkautomaten, leider fehlen viele Tastenbeschriftungen, so dass ich nicht erkennen kann, was ich da eigentlich tippen muss. Der Automat spuckt immer nur Tickets für 10 Minuten aus. Ich gehe zu einem zweiten Parkautomaten um die Ecke. Mittlerweile vermute ich, dass man nur mit Kreditkarte oder Bargeld die Standard-Zeit von 10 Minuten verlängern kann, also stecke ich meine VISA-Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz. Und da blieb sie dann auch. Weg. Hinten runter gefallen.  An der Hotline geht keiner ans Telefon. Also Anrufen bei der Bank in Deutschland, Karte sperren, kurz ein Eis essen am Strand und weiter nach Bilbao.

Dort wieder ein Parkhaus angesteuert, nur wenige Plätze gibt es dort, erkennbar wohl an grünen Leuchten. Aber wo sind verdammt noch mal die grünen Leuchten, ich sehe nur rote Leuchten? Leitsystem Fehlanzeige, jeder Fahrer darf es selbst herausfinden. Endlich einen Stellplatz gefunden, wollen wir das Gepäck mit dem Aufzug an die Oberfläche befördern. Der Lift war schon sehr müde und zum Ende wollte er dann gar nicht mehr. Bevor wir noch steckenbleiben, entscheiden wir uns, die Koffer mal besser die engen Treppen hinaufzutragen.

Nur acht Minuten später erreichen wir das einfache aber hübsche Hostel in einem Altbau, mitten in der Fußgänger-Zone Bilbaos. Fahrstuhl negativ, also das ganze Gepäck noch einmal zwei Etagen hochwuchten. Der Stammhalter packt fleißig an, der Griff des größten Koffers hat aber auch keinen Bock mehr und löst sich in seine Bestandteile auf …

Ach ja … immerhin was zu erzählen …

96) Blumenvasen-Domino zum Dinner (mit Kotzegeruch)

Die hiesige Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen diniert aushäusig bei einer anderen netten Ministerin.

Der Minister für Finanzen, Wirtschaft, Infrastruktur und Verteidigung (Neu) hat für heute das Kommando.

Er ruft die Schutzbefohlenen punkt 18:30 Uhr zu Tisch. „Kinnaaaas … Essööööööööööön!“

„Ja -haaaahh!!“, ruft die Vorsitzende der Jugendorganisation.

„Glei-eii-cchh“, folgt der Stammhalter, zweimal und noch einmal… .

„Jeeeetz-öööööö“ ruft der Minister mit Nachdruck.

Die Nachwuchskräfte schlurfen an die Tafel, der Minister hat reichhaltig gedeckt.

Zwei Blumengebinde, (von wem sind die eigentlich?), werden dem Stammhalter gegenübergestellt. Dann hat er es schön grün und da sitzt ja auch niemand heute.

Die Talente schieben die angerichteten Kalorien in den jeweiligen Schlund.

Der Minister erwartet Fakten. „Wie war‘s heute? Klemmts irgendwo? Was läuft heut‘ noch?

Die Jugend berichtet gut vorbereitet und detailversessen: „ok“, „nö“, „ mal sehen“.

Um dem Geschehen etwas mehr Dynamik zu verleihen, bittet der Minister den Stammhalter, sich doch bitte mal gerade hinzusetzen und den Stuhl an den Tisch zu schieben.

Der Stammhalter beginnt das Manöver, dann ging alles ganz schnell.

Der Minister sagt zwar noch „…aber pass auf die Blu…“ und die Jugend-Vorsitzende greift in Richtung der Vasen, um die Katastrophe zu verhindern.

Aber Flieh-und Schwerkraft arbeiten zuverlässig, eine Vase kippelt, rempelt die zweite an, die sich dann samt Grünzeug auf freiem Polstermöbel und Holzboden ergießt.

„Lappööööööööööööööööön!“, ruft der Minister … und alle Anwesenden wissen, dass das der neuralgische Punkt des Chefs ist. Wasser auf Parkett. Unkontrolliert. Das kann der nun gar nicht haben. Der Stammhalter geht sofort auf Tauchstation und tupft was und womit er kann, die Jugend-Vorsitzende organisiert saugfähiges Material aus dem Ost-Flügel der Residenz.

Der Stammhalter wischt auf allen Vieren und muss feststellen, dass der Geruch des Blumenwassers, doch schon ganz doll an erbrochenen Mageninhalt erinnert und beginnt zu würgen …

Was lernen wir daraus?
Never touch an eating System,
lasst euren Nachwuchs sitzen, wie sie wollen!

Prost 😉

95) Doch noch nicht ganz blöd – Vol 2

Manchmal, da muss ich Texte lesen, bei denen ich mich frage, ob ich was auf den Augen oder am Kopf habe. Oder ob die zweite Halbzeit vielleicht doch schon weiter fortgeschritten ist, als ich dachte.

Drei Beispiele aus den letzten Tagen: 

1. Der Betreiber der allgemeinen Stromversorgung der hippen Hauptstadt, informiert mich mit zwei Seiten Papier, dass eine Messeinrichtung (Stromzähler) ausgetauscht wird. Dabei erklärt er alles Mögliche, aber am Ende war unklar ob und was nun eigentlich zu tun ist. Der Text las sich ungefähr so: Messeinrichtung, Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), Messtechnik, Messstellenbetreiber, Messstellenbetrieb, Messeinrichtungen, Messsysteme, Mess-und Eichrechtskonforme Messung, moderne Messeinrichtung, intelligentes Messsystem, Messwerte, Messentgelte, Messstellenertrag, Messentgelte. Zum Schluss dann: „Sie haben die Möglichkeit, den Messstellenbetreiber frei zu wählen. Der Messstellenbetrieb kann durch einen anderen Messstellenbetreiber ausgeführt werden, sofern der andere Messstellenbetreiber den einwandfreien Messstellenbetrieb gewährleisten kann.“

Mit freundlichen Grüßen
Ganz schön vermessen, oder?
Na immerhin habe ich nun verstanden, dass man Messstelle mit 3 s schreibt.

2. Da der eine Aktien-Fonds nicht mehr so „performed“ wie mal gedacht, schiebe ich meine Millionen halt  woanders hin. Leicht gesagt. Ich will also „umschichten“ und beauftrage daher eine „Umschichtung“. Und da der Staat sehr besorgt um mich ist, muss ich zig Merkblätter, Aufklärungen und Risiken verstehen und das dann noch in einer „Geeignetheitserklärung“ bestätigen. Geiles Wort. Im Englischem wäre das wohl ein „suitability report“. Ich bin also geeignet  … suitable …für dieses Finanzprodukt. Alles klar. Oder das Produkt ist geeignet für mich. Ein „Match“ quasi. Wann kommt endlich das Tinder für Finanzprodukte?

3. Ein neuer Grill musste her. Für den Balkon. Wenn schon Elektro … dann bitte mit ordentlich Bums. Natürlich lagen wieder zig Anleitungen in vielen Sprachen dabei aber mal ganz ehrlich … so richtig … habe ich es nicht … verstanden.
Hier meine Top 3:

  • Das Gerät muss über einen Fehlerstromschutzschalter mit einem Nennfehler-Betriebsstrom (FI Schalter) von maximal 30 mA angeschlossen werden.
  • Trage beim Handhaben des Grills hitzebeständige Grillhandschuhe mit einer Kontaktwärmebeständigkeit der Stufe 2 oder höher gemäß DIN EN 407
  • Die Aufsichtsbehörde schreibt aus Sicherheitsgründen vor, dass die Halteklammer des Heizelements verwendet werden muss und nicht entfernt werden darf

Boah ich bin doch kein Nasa-Techniker. Hat der Grill keine Maus, Tastatur oder Touchscreen, so wie jedes vernünftige Ding heutzutage?

Zum Ende folgen glücklicherweise weitere Warnhinweise, die mich wieder entspannen lassen ließen. Es gibt also noch andere Menschen, die noch viel blöder sind als ich.

„Verwenden Sie keine Holzkohle oder sonstigen Brennstoffe in diesem Grill. Dieser Grill ist nicht für die Verwendung mit Holzkohle ausgelegt.“

Puhhh, Schwein gehabt.

—> weitere gesammelte Widrigkeiten des Alltags

94) Kennt jemand einen Sitz?

Ich dachte ja schon, der >Kauf von Jeans sei das absolute Grauen. Aber es ist noch zu toppen. Der hiesige Minister für Liegenschaften und Infrastruktur brachte im Familienrat den Vorschlag ein, die Klobrillen auszutauschen. Die Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen hatte nichts einzuwenden und der Finanzminister bewilligte, außerordentlich freigebig, das nötige Budget. Auf eine Ausschreibung wurde verzichtet, es solle bitte gute deutsche Wertarbeit beschafft werden, damit die Umrüstung ohne weiteren Schaden und Zeitverzug vollzogen werden kann. Der Familienbeauftragte für Beschaffungswesen machte sich alsbald an die Arbeit, recherchierte mehrere Abende das halbe Internet leer. Hunderte Modelle, Formen und Abmessungen. Aber Fehleranzeige. Nichts zu finden, was dem heutigen Deckel entspricht und zu den Löchern der WC-Schüssel passt. Kaum zu glauben.

Also bestellte er bei einem markenunabhängigen Universalhersteller, aber die Lieferung entpuppte sich bald als Fehlkauf, die Halterung passte nicht zu den Löchern in der Keramik.

Ein weiterer Online-Kauf hatte zwar eine passende Halterung im Karton, allerdings überragte der Deckel die Schüssel. Der Anblick erinnerte an Donald Trump mit Base-Cap.

Also wurde der Verkehrsminister zum nächstgelegenen Baumarkt geschickt, da kam er aber bald kopfschüttelnd wieder raus. Nur WC-Witz, kein WC-Sitz. Nichts.

Er fuhr einen zweiten Baumarkt an, eine ganze Wand hing voller Deckel, aber nur einer entsprach ungefähr dem, was ihm aufgetragen wurde, zu finden. Und dabei ging es nur um die Maße, nicht um Design, Farbe oder halblustige Aufdrucke.

Er eilte zurück zum Palast zurück und übergab den über Budget liegenden Schatz, dem Familienbeauftragten für Beschaffungswesen. Der öffnete die Packung, entnahm schützende Schaumstoffe und musste feststellen, dass die Klappmechanik aus Hartplastik mehrfach zerbröselt war.

Er tobte: „Ich raste aus! Ich bring‘ noch einen um heute! Ich sprenge das ganze Klo weg! Von mir aus gehen die alle auf einen Eimer! Ich hau’ ein Loch in die Erde und nagele einen Balken drüber! Oder ich stell da ein Campingklo hin! Ich hab die Faxen dicke! Keine Lust mehr, mich damit zu beschäftigen!!!!!!!

Der Verkehrsminister wurde wieder zum Baumarkt geschickt, um den Klodeckel umzutauschen. Dafür stellte er sich artig an der Schlange an, um dann festzustellen, dass er den falschen Kassenbon bei sich trug. Er eilte zurück zur Limousine, durchsuchte den Kofferraum nach dem richtigen Kassenbon und stellte sich wieder an der Schlange an. Der Umtauschprozess verlief ohne Komplikationen, die Sonne zeigte sich hinter einer Regenwolke, der Tag schien ein gutes Ende zu nehmen. Wieder zurück am Objekt,  übergab er die Packung dem Beauftragten für Beschaffungswesen, der prüfte die Qualität, nickte und reichte sie weiter an den Minister für Infrastruktur und Liegenschaften. Der nahm dann die Montage vor, schimpfte, fluchte, wer sich denn „diesen Mist hat einfallen lassen“ und friemelte den Deckel irgendwie auf die Schüssel.

Nun musste noch ein weiterer Deckel fürs zweite Klo beschafft werden und er ahnte, dass noch nicht das Ende der Geschichte ist.

93) Doch noch nicht ganz blöd

Mitte März, 12°C, die Natur ruft zum Arbeitseinsatz auf die Datscha. Das Schilf am Zaun braucht dringend einen Kurzhaarschnitt und der Bambus muss in seinem Expansionsstreben gehindert werden. Gesagt, getan setzen wir uns ins Auto und folgen der Ausfallstraße B1 gen Osten. Kurz vor dem Bahnhof Lichtenberg fragt die Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen, ob wir denn den auch den Schlüssel für die Hütte dabei hätten.

Was für eine Frage? Selbstverständlich. Ich griff mit der linken Hand ins kleine Fach unter dem Lenkrad. Da, wo der mit Lübzer-Pils-Schlüsselband geschmückte Schlüssel immer ist, damit ich ihn eben nicht suchen muss, und griff … aber …ins Leere. 

Shit.

Das kann jetzt nicht wahr sein, oder? Wo zum Henker ist der Schlüssel? Ich war doch erst vor drei Wochen auf dem Grundstück. Hab’ ich den da etwa liegen gelassen? Ist er noch in der Wohnung? Nein, nein, nein, macht alles keinen Sinn. Ich bin mit Schlüsseln eigentlich sehr ordentlich. Eigentlich…

Die Vernunft hält nur zwei Optionen bereit, zurückfahren und die Wohnung auf den Kopf stellen oder weiter zum Grundstück fahren und dort suchen. Da ich aber wirklich nicht den geringsten Schimmer habe, wo ich in der Wohnung suchen soll, entschieden wir uns für die Weiterfahrt.

Die nächste halbe Stunde vertrieb ich mir mit Selbstgesprächen:

Scheiße.
Ich glaub‘, ich werde alt.
Welche Hose hatte ich an? Welche Jacke?
Hatte ich Beutel, Tüten, Kisten dabei?
Welche Wege bin ich dort gegangen?
Was war danach? Wo war ich sonst noch?
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Scheiße.
Ich glaub‘ ich werd‘ schusselig.
Passiert das jetzt öfter?
Ist das nicht erst kürzlich geschehen?
Warum sollte ich den Schlüssel überhaupt aus dem Auto mit nach oben nehmen? Das macht keinen Sinn.
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Scheiße.
Ich glaube, ich werde blöd.
Irgendwann geht’s los. Meistens geht’s mit Schlüsseln los.
Und was, wenn der weg ist? Dann muss mir der Freund den Zweitschlüssel per Post schicken, aber ganz schnell.
Bevor der Nachbar, dass Wasser andreht und alles geflutet wird.
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Am Grundstück angekommen fanden wir den Schlüssel … auch nicht.

Misst, es ist also doch so weit. Noch nicht mal 50 Jahre alt und es geht abwärts. Niedergeschlagen trotte ich zum Auto zurück und durchsuche noch einmal alle Ablagen im Auto, auch das Geheimfach wo sonst der Schlüssel immer liegt. Eigentlich…

Was ist, wenn der Schlüssel vielleicht, aus dem Fach gefallen und irgendwo hinter dem Armaturen-Brett verschwunden ist?? In dem Moment, sah ich zwei Buchstaben, des Lübzer-Pils-Schriftzugs hinter der Klappe um Hilfe rufen. Ich glaub‘s ja nicht. Das ist er ja! Ich lieh mir die schlanken Finger der Ministerin, um das Band samt Schlüssel herauszuangeln

Und ich war heilfroh.
Natürlich, weil der Schlüssel wieder da ist.
Aber ganz besonders, weil ich doch nicht ganz blöd bin.

So, jetzt aber an die Arbeit!

92) Lass-mich-dran-Verdruss

Es hat ein wenig gedauert, aber nun hab ich’s auch kapiert. Die bunten Deckel auf Plastik-Flaschen gehen seit kurzem nicht mehr nur extrem schwer ab, man soll gar nicht mehr den >Nippel an der Flasche ziehen. „Lass-mich-dran-Verschluss“ heißt das wohl, weil „tethered caps“ hierzulande kaum auszusprechen wäre. Die Lösung soll der Umwelt dienen. Okay, mir war bislang gar nicht so bewusst, dass Plastikdeckel unser Mega-Problem sind. Aber man folgt einer EU-Richtlinie und das Konzept könnte man ja auch auf andere Themen übertragen 😉 

Hier ein paar Vorschläge:

  • Zigaretten werden künftig mit dünnen Stahlseilen an der Zichten-Packung befestigt, die Packung wiederum am Kehlkopf fixiert.
  • Kaffeebecher werden im Rahmen der Kaffeeausgabe an der Unterlippe des Kaffeetrinker festgetackert und lassen sich nur durch einen autorisierten Kaffeehändler schmerzfrei entfernen … oder wieder auffüllen.
  • Eine Batterie stellt bei 20 % ihrer Leistungsfähigkeit ihre Arbeit ein und nutzt die Rest-Energie, um sich an der Stirnplatte des Nutzers festzubeißen.
  • Pizzapackungen werden bei Lieferung auf der linken oder rechten Handfläche festgeklebt (je nach Geschmack) und können nur durch die Fachleute des örtlichen Entsorgungsunternehmens entfernt werden (Polizei kann so was mittlerweile auch)

Mit der oben angefügten Skizze habe ich soeben ein Patent eingereicht.

Weitere Vorschläge eurerseits nehme ich gern noch mit auf.