522) Meine Tochter Arnold

Und wieder einmal könnte ich mich masslos über den Lehrplan der Kids (in diesem Falle der Tochter) aufregen und bitte die Damen und Herren Kultusminister/Innen in Reih und Glied anzutreten. Dann bitte einmal durchzählen, Ärmel hoch und rucki-zucki ans Reck und auf den Boden ihr Pfeifen. Ich sag‘ das nicht zweimal. Trillerpfeife. Tüt, tüt. Ihr hängt ja da wie 16 nasse Säck:Innen, Mensch! Das kann ja keiner mit ansehen! Wenn jetzt eine Nachfahrin der Leni Riefenstahl mit der Digital-Kamera um die Ecke kommt, was soll die denn dann denken? Oder der Putin.

Also hopp – hopp … und auf und nieder … auf und nieder … und hier Medizinball … fangen Mensch … nich‘  mit dem Kopp‘ … mit den Händen … ist doch logisch … und zwar auf einem Bein … und mit verbundenen Augen … ihr Opfer ihr!

Ich höre jetzt mal besser auf, nicht dass ihr denkt, ich hätte zum Drill-Sargent Hartmann umgeschult.

Zurück zur Realität:

Das große Kind, die nun wirklich genug Schulstoff um die Ohren hat und sonstige Kreativitäten und Langeweile des Leerkörpers … autsch … Lehrkörpers … ausbaden muss, wird zur Leistungskontrolle in Sport gebeten.

Genau 16 Klimmzüge oder 57 Liegestütze … für eine eins … dankenswerter nicht nacheinander … sondern alternativ. Also jetzt mal Hand auf den Oberarm … ihr Frauen … und Männer … würdet ihr … ich meine … könntet ihr … das … und erwartet ihr das von unserer Jugend? 

Haben die nicht ganz andere Dinge vor der Nase, mit denen sie sich beschäftigen sollten? 

PISA, Inklusion, Integration, Konfliktlösung, Digitalisierung, Social Media, Mobbing, Doxing, Umwelt, Berufsvorbereitung … bisschen Abitur noch … all die Dinge von denen wir nicht mal wissen … und nebenbei auch noch Körper, Hormone und Gefühle … zu … managen?

Anstatt sie wenigstens mit Übungs-Handgranaten trainieren … so wie wir damals … oder Drohnen fliegen lernen … „irgendwas für’s Leben“ halt … aber so was … .

Was soll der Blödsinn?

521) Wen(n) Nachbarn wählen

Nach der für Berlin wiederholten Bundestagswahl ´21 (im Februar ´24) stellt unter anderem der Tagesspiegel die Wahlergebnisse vor und leitet ein mit dem Satz … „Finden Sie heraus, wie sich die Ergebnisse in ihrer Nachbarschaft verändert haben.“

Das interessiert mich natürlich:

Während unser Kiez sattgrün erscheint (36% bis teils 48%) kommen zwei Stimmbezirke nordwestlich in einem deutlichen „blau“ daher. Dabei liegt das Wahllokal gerade mal 1 km Luftlinie weit weg. Natürlich müssen solche politischen Farbwechsel ja irgendwann auf der Karte folgen, sonst lebten wir ja in einer Diktatur.

Aber warum gerade da? Was ist da anders? Es ist dieselbe Luft, die wir atmen, die selbe S-Bahn Linie der wir anliegen, die selbe Tramlinie, die wir nutzen, vermutlich gehen die Kids sogar in selbe Schulen.

Ein paar Erklärungsversuche … (weder soziologisch noch statistisch abgesichert, sondern nur Vermutungen):

Markierung 1 hält 2200 Wähler bereit, ist geprägt von saniertem Altbau, 4-5 Etagen hoch, ein Mix aus Miete und Eigentum. Der Kiez drumherum ist historisch gewachsen, hat den zweiten Weltkrieg schwer durchlöchert überstanden und ist nach der Wiedervereinigung bereits zweimal gentrifiziert worden. Ein großer Teil der Anwohner stammt nicht „von hier“, sondern ist aus dem Bundesgebiet hergezogen. Der Familien-und Kinderanteil ist recht hoch, es gibt Orte zum Verweilen, Kiezläden, Spielplätze, Restaurants, Türkische Gemüse-Läden, Döner, Bäcker & Co. und auch natürlich den klischeebehafteten Latte Macchiato kriegt man hier an jeder Ecke.

Nun zum Wahlkreis nördlich von 1 (markiert mit 2). Das Gebiet ist flächenmäßig, deutlich kleiner, hält aber ähnlich viele Wähler bereit (2130). AfD-Ergebnis 23,7%. Sind das nun alles Nationalisten oder Nazis? Nein, die Linke kommt auf 20,6%, also wäre ein ähnlicher Anteil den Sozialisten/Kommunisten zuzuschreiben. Wieso wählen dort knapp die Hälfte der Menschen an den politischen Rändern? Was ist da anders? Zum einen sicher die Bebauung. Einige Elf-Geschosser stehen an viel befahreneren Straßen. Ich kenne die Bewohner-Struktur der Hochhäuser nicht, aber ich gehe mal von aus, dass es keine Vielverdiener sind, und ich geh mal auch davon aus, dass ein gewisser Anteil aus anderen Ländern stammt. Daraus resultiert eine unbequeme Dichte, sicher auch Spannungen im Leben miteinander. Das Viertel ist mir nicht als sonderlich einladend bekannt, im Wesentlichen fährt man dran vorbei … weil man wo anders hin will.

Kommen wir zu Gebiet 3. Der Wahlkreis ist flächenmäßig deutlich größer, hat circa 2400 Wahlberechtigte und auch hier punktet die AfD mit 23 %. Auf der linken Seite des Wahlkreises setzt sich die Baustruktur von Gebiet 2 fort (Hochhäuser). Der rechte Teil ist eher grün, geprägt von einer Kleingartenanlage (wo ja normalerweise keiner wohnt und wählt) und viele Einfamilienhäuser. Ja Einfamilienhäuser mitten in der Stadt! Eine sehr beliebte Wohngegend, fast dörflich, wo man sich schon zu DDR-Zeiten fragte, wie man wohl an so ein Objekt kommen kann. Wer da wohnt, zieht nicht freiwillig weg, sondern setzt sich fest und vermacht das Eigentum in der Familie. Aber warum nun gerade da AfD? Da nagt doch keiner am Hungertuch, noch steht mittendrin eine Container-Dorf für Migranten.

Theorie A. Die Struktur ist dort sehr konservativ unterwegs, bloß keinen Wandel, bloß keinen Zuzug, jeder sorgt für sich und vererbt die Hütte am besten steuerfrei.

Theorie B: die Wahlergebnisse werden aus dem Neubau-Block links überlagert. Auch wenn das Gebiet links deutlich kleiner ist, würde ich mal sagen, dass 75 % der Stimmen von dort stammen. Man müsste genauer nachfragen.

Aber trotzdem, warum AfD? Das Wahlprogramm der AfD von 2021 ist nun wirklich nicht mit sozialen Wohltaten vollgepackt und der Fokus steht auf Arbeiten und Eigeninitiative.

Zitate:

„Wer arbeitet, wird auf jeden Fall mehr Geld zur Verfügung haben als derjenige, der nicht arbeitet, aber arbeitsfähig ist“.

„Der bisherige soziale Wohnungsbau ist gescheitert, er kann nur einen Bruchteil der Berechtigten erreichen. Er führt zu Fehlbelegungen und verursacht hohe Kosten für den Steuerzahler“ … stattdessen soll Deutschland „ein Land von Wohnungseigentümern werden“.

„Die AfD steht für ein ausgewogenes Mietrecht und lehnt staatliche Überregulierungen sowie Investitionshemmnisse wie die Mietpreisbremse oder den Mietendeckel ab.“

„Als gezielte Maßnahme gegen Wohn und Obdachlosigkeit“ schlägt die Partei „die sofortige Einführung einer bundesweiten zentralen Statistik zur Erfassung der Wohnungs- und Obdachlosigkeit“ vor.

Haben die Wähler das Papier vorher komplett gelesen?

Titelbild, basierend auf Screenshot von Tagesspiegel-App

https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/wahl-wiederholung-bundestag-2024-berlin-karte-historische-ergebnisse-wahlkreisergebnisse-stimmbezirke/

520) Als Donald und Björn zum Fasching

Noch etwas mit Jetlag und anderen Widrigkeiten zu kämpfen, tippelte ich heute Morgen etwas um die Häuser und konnte Kinder sehen, die leicht verkleidet zur Schule marschierten. Ach ja, ist ja Fasching.

Da hatte ich als Kind durchaus Spaß dran, und mir gingen meine eigenen Verkleidungen durch den Kopf, und ich fragte mich, was man heute wohl noch tragen könnte.

Cowboy?: um Gottes willen, furzende Kühe jagen und dann auch auf indigene Einwohner schießen. Geht gar nicht.

Indianer?: no way, kulturelle Aneignung, auch wenn ich immer mit denen sympathisiert habe, wenn es gegen die Yankees ging

Schornsteinfeger?: zu viel CO2 und Staubpartikel, wenn dann schon eher Wärmepumpen-Installateur oder Klimatechniker, der müsste dann aber verdammt viel schleppen.

Koch?: völlig antiquiert. Heute wird nur noch bestellt, kochen dauert zu lange.

Lieferheld?: geht nicht, ist in der Hand von Indern , Pakistani’s … kulturelle Aneignung … schon wieder

Arzt?: falsch, heute musst du als A(e)rzt:In gehen. Versteht nur keiner.

Pirat?: gefährlich, illegal und es wird mittlerweile scharf geschossen

Busfahrer?: kreuzgefährlich, da wirst du sofort von der Straße gefischt und hinter einen Bus-Lenker gesetzt bei dem Krankenstand und Personalmangel den wir haben

Die Liste der Verkleidungen, die nicht mehr gehen, könnte ich noch ewig weiterführen.

Wir sollten aber bei all der political, ethnical, ecological, sexual and what ever correctness aufpassen, dass Kinder nicht irgendwann als Donald, Wladimir, Viktor, Giorgia, Alice, Tino oder Björn zum Fasching gehen, weil das „salonfähig“ wird und wir es nicht bemerkt haben.

Dann doch lieber als Indianer.
Hugh! Ich habe gesprochen!

519) Good Bye India

Nach fünf Wochen Indien, heißt es nun erst einmal wieder Abschied nehmen. Sicher nicht für immer, aber neue Pläne gibt es erst einmal nicht. Zuletzt war ich in 2019 im Land und wieder haben sich Dinge verändert oder sind mir aufgefallen. 

Über den Straßen-Verkehr habe ich schon einiges geschrieben. Bengaluru hat hier ein massives Problem und daran wird auch die neue Metro nicht viel ändern. Vermutlich gehts nur über Zuteilung und Einschränkung des Individualverkehrs. Dann wird hier aber was los sein. Trotzdem ist es aber immer wieder erstaunlich, wie der Verkehr dann trotzdem funktioniert … wie ein Fischschwarm. Jeder hält 5 cm Abstand zum anderen und so kommt man dann doch irgendwann an. Obwohl sich niemand an Regeln hält … habe ich keinen Unfall gesehen, zumindest keinen der Aufsehen erregt oder einen Polizeieinsatz zur Folge hatte, denn das will man unbedingt vermeiden.

In einigen Dingen, ist uns Indien weit voraus.

Das Smartphone ist hier kaum mehr wegzudenken. Jeder hat eins, mit Internet. (Laut „brand eins“, Heft 01/24, 1,2 Mrd Menschen). Vom Büro-Heini bis zum Tuk-Tuk-Fahrer, denn das Gerät ist weniger Status-Symbol hier, sondern Arbeits-/Existenzgrundlage. An der Kreuzung nahe dem Hotel hockte den ganzen Tag eine Familie unter dem Dach einer Bushaltestelle. Mutter fummelt Rosen zu Sträußen zusammen, Vater verkauft die Blumen zwischen den stauenden Autos und das Kleinkind hockt im Dreck, atmet den Mief der Autos ein und daddelt auf dem Handy. Und das ausgesprochen günstig. Meine indische SIM lässt sich aufladen, 28 Tage, 1,5 GB pro Tag, nur 2,65 EUR in total. Wir sind knapp 2.000 Kilometer durch die Bundesstaaten Karnataka, Tamil Nadu und Kerala gefahren. Viele Kuriositäten sind mir dabei begegnet, ein Funkloch allerdings habe ich nicht bemerkt.

Bezahlen tun sie mit einem Telefonnummer-basierendem Bezahlsystem. Und das funktioniert überall. Von der Tankstelle bis zum Cocos-Nuss-Verkäufer am Straßenrand. Ausländer können allerdings nicht so einfach daran teilnehmen, man braucht wohl ein indisches Konto. Meine deutschen Kreditkarten, wurden in einfachen Restaurants mehrmals abgelehnt, also lief ich dann doch mit einem Bündel Papier in der Hosentasche rum. Der Geldautomat warf mir nur 500 INR- Scheine aus, jeder ca. 5,50 EUR wert, da kommt viel Papier zusammen. Allerdings kann man mit 500 Rupien auch eine Menge anstellen, zum Beispiel gut essen gehen.

Und noch etwas ist den Indern gelungen, an dem Deutschland immer noch knabbert. Laut „brand eins“ Heft 01/24 gibt es eine „Aadhaar-Karte“, über die der der Staat Leistungen oder Mikro-Kredite an die Menschen im Land auszahlen kann. „Im November 2023 waren knapp 1,4 Mrd Aadhaar-Karten verteilt – und damit fast die gesamte Bevölkerung versorgt.“, heißt es im Heft. In Deutschland ist es bislang nicht möglich, Geld-Leistungen über einen Kanal auszuzahlen (Stichwort Energiepauschale, Klimageld, etc). Da müssen dann Krankenkassen, Arbeitgeber oder gar Energie-Dienstleister einspringen. Unser Finanzministerium tüftelt noch an der perfekten Lösung. Technisch nicht vor 2025 möglich, vermutlich erst im Jahre 2027. Sorry, Leute, aber das kann doch nicht wahr sein.

Indische  Kühe furzen zwar auch Methan in die Luft, aber eben nicht, um auf dem Grill zu landen, sondern nur für Produktion von Milch und Erhalt ihrer Heiligkeit. Der Anteil der Vegetarier ist sehr hoch und vegetarisch  essen fällt hier auch gar nicht schwer, weil man hier nicht den Eindruck hat, dass nur Fleisch „weggelassen“ wurde. Jedes Mal wenn ich in Indien bin, begeistert mich die Wortwahl bei der Unterteilung von Speisen. Wenn wir in deutschen Kantinen eher in „normal“ und „vegetarisch“ unterscheiden, unterscheiden sie hier zwischen „veg“ und non-veg“. Ganz einfach. Die Plastiktüte ist verboten, darauf wird bereits im Landeanflug hingewiesen. Das wurde auch dringend Zeit.

Aber natürlich gibt es hier auch noch Einiges zu tun. Ich will hier nicht kritisieren oder schlaumeiern, bin ja schließlich zu Gast hier. Also formuliere ich es mal in Form von Wünschen:

Ich wünsche mir, dass das Land die Müll-Problematik in den Griff bekommt, speziell im öffentlichen Raum (Straßen, Grünflächen, Kanäle … selbst in Mangroven-Wäldern, National-Parks).

Ich wünsche mir, dass sie trotz anhaltendem Bevölkerungswachstum mal die Ellenbogen etwas einfahren, denn das ist mitunter schon etwas anstrengend. Eine Menschenschlange löst sich nicht dadurch auf, in dem man meinen Rücken bearbeitet. Und wenn ich an einem Schalter stehe, um etwas zu klären, da brauche ich nicht drei weitere Menschen um ich herum, die auf den Mitarbeiter vor mir einreden.

Ich wünsche mir, dass sie weiter an der Gleichberechtigung von Frauen und an den Freiheiten junger Paare arbeiten. Denn das ist im Jahr 2024 immer noch schwer zu verstehen (arrangierte Ehen, Einzug der Braut ins Elternhaus des Bräutigams, Wohnen in mehreren Generationen und damit Küchendienst für die Braut, während die Herren über Dinner und Tee sitzen. Der sehr traditionelle Vater meines Kollegen fragte mich, was ich darüber denke, dass „Kinder“ (gemeint ist sein Sohn mit Anfang 30, nebst Gattin und Tochter) noch bei ihnen wohnen … (sollen). Was soll ich da sagen? Ich bin ausgewichen, habe gesagt, dass ich meine Kindern unterstützen werde, wenn sie in der Ferne ihr Glück suchen wollen.

Also mach‘s gut Indien, wir sehen uns bestimmt wieder und dann mal sehen, was es dann Neues gibt.

518) Lakshmi

Meine Zeit in Süd-Indien läuft ab, die Fluggesellschaft wies mich bereits auf meinen anstehenden Abflug hin. Umso wichtiger, dass ich eine kleine Geschichte von hier veröffentliche, nicht aus dem grauen, kalten Berlin. Die folgende Story hat sich genauso hier ergeben, es wurde nichts hinzu- oder weggedichtet.

In der Region Thekaddy hatte ich die Gelegenheit, seit verdammt langer Zeit mal wieder, auf einem Elefanten zu reiten. Wie steuerten eine Elefanten-Park an, aber die Straße war gesperrt, so dass wir einen alternativen Anbieter suchen mussten. Fanden wir auch.

Dort ging ich zum Counter und sagte so etwas wie „Hello … ich jetzt hier … bitte einmal reiten“ …  dann sagte der Herr am Counter .. „Yes Sir, du jetzt hier, der Elefant benötigt aber zwei Piloten.“ Misst, ich war allein.  Also musste der Fahrer herhalten. Er zierte sich, war etwas  ängstlich, er hätte das noch nie getan, aber ich überredete ihn und übernahm den Eintrittspreis. Die Elefantendame, die uns trug, wurde uns mit dem Namen „Lakshmi“ vorgestellt und hatte auf dem Rüssel eine besondere Blässe.

Im Anschluss schickte ich ein Foto an >meinen Inder“ und es entwickelte sich folgender Wort-und Gedankenwechsel (Auszüge):

Er: „This is the exact spot I clicked the picture some years ago“ … „If I have elephant‘s memory … the elephant name is Lakshmi.“

Ich: Schluck. Lakshmi? Gut, da mag es viele Elefanten geben in Indien mit diesem Namen. Schließlich ist Lakshmi die hinduistische Göttin des Glücks, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Wohlstands, der Gesundheit und der Schönheit. Welche Elefant:In will da nicht gern Lakshmi heißen?

Ich: „Can it be the same elephant lady?“

Er: „The pattern on the trunk looks similar to me“

Ich: „Can you remember the place you met Lakshmi?“

Er: „Thekaddy“

Ich: „Shit … it must be the same … let me send the position“ … ich schickte einen Link von Google Maps

Ich: „Don’t know what to say this moment, but it seems that we met the same elephant here in this area“

Er: „Took just couple of seconds for me to recognise as soon as you sent first picture. I was there on 1st April 2017.“

Verrückt …

517) Augen und Ohren trauen?

Beschäftigt man sich ein wenig mit den künstlichen Kompetenzen (mir passt der Begriff „Künstliche Intelligenz“ in dem Kontext nicht) schaut man staunend zu, wie scheinbar aus elektrischem Strom in Windeseile Texte, Stimmen, Bilder oder Videos erschaffen werden. Ist schon beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit die Tools auf den Markt treten. Und dann landet man natürlich auch schnell beim Thema Fälschung und Deepfakes. Dass die zunehmen werden, ist eigentlich nur logisch, denn dieses Gewerbe muss nicht mehr in Hinterhofwerkstätten gegen Schwarzgeld stattfinden, sondern hat sich über PC und Smart Device in die Wohnzimmer dezentralisiert.

Bislang, da hat man seine fünf Sinne benutzt, um Fälschungen zu erkennen: 

  • Da war es wichtig, es „schwarz auf weiß“ zu sehen, wenn es um Schrift ging, „etwas mit den eigenen Augen sehen“ bei anderen Gelegenheiten. Eine Überprüfung mit den Augen schuf hohe Sicherheit, von Zaubershows mal abgesehen.
  • Falschgeld wird zusätzlich gefühlt und gerochen, um Blüten zu identifizieren, Köche prüfen so immer noch die Qualität der Lebensmittel.
  • Herrscher ließen ihr Personal an ihren Speisen kosten, um das Risiko einer Vergiftung zu reduzieren.
  • Die Präsidenten der Supermächte haben ein rotes Telefon am Nachttisch, um einander zuzuhören und Missverständnisse ihrer Militärs ausräumen zu können.

Der Mensch setzte seine Sinne ein, um Unheil abzuwenden und Vertrauen zu schaffen.

Nun sind aber Text, Bild, Video, Sprache stark gefährdet, von Fälschungen unterlaufen zu werden. Man mag sich nicht vorstellen, was passiert wenn im Internet gefälschte Videos auftauchen, bei denen sich Staatsmänner gegenseitig mit Krieg drohen. 

Aber wie können wir die Authentizität von Informationen künftig nachprüfen? Sie lassen sich ja schlecht riechen, kosten oder zwischen den Fingern reiben, wenn wir den Augen und Ohren nicht mehr trauen können.

Wird demnächst beim Senden einer Nachricht eine Speichelprobe oder Duftmarke des Verfassers hineinkodiert? Gibt es also zusätzlich zu Fingerprint oder Chip-Card-Reader auch bald eine Spuckfläche auf dem Laptop? Und selbst dann, bestätigt das ja nur den Absender, aber nicht den Verfasser der Nachricht.

Und was passiert auf Empfängerseite? Werden e-Mails, Blogbeiträge, Facebook-Nachrichten etc nicht mehr nur entschlüsselt, sondern mit weiteren aufwändigen Prozeduren auf Urheberschaft analysiert? Gibt es neben Virenscanner bald auch Cheat-und Fake-Scanner in jedem Haushalt? Muss man künftig den Betrug riechen können?

Vorläufiges Ergebnis der Fake-Detection:
Dieser Beitrag hier, wurde von Menschenhand geschrieben.
Aber das sieht man auch so oder ;-)?

516) Algoshitmus

Die Algorithmen, die bestimmen, was uns auf den digitalen Teller gelegt wird, bringen manchmal wirklich erstaunliche Ergebnisse zusammen. Vor geraumer Zeit war ich wegen eines Problems mit der Kaffeemaschine bei YouTube unterwegs und kam dann über Peter Hahne letztlich zu U2 und Bruce Springsteen. Was das alles miteinander zu tun haben soll, wissen wohl nur die Algorithmen selber.

Manchmal lernt man auf diese Weise etwas Neues kennen und lieben, Algorithmen können sich aber auch als hartnäckige Geiselnehmer darstellen.

Um den Jahreswechsel hatte ich den Fehler gemacht, mir mal die Neujahrsansprache des Maler-Meisters der AfD anzuhören. Nicht, dass ich mit den irgendwas zu tun haben will, aber ich wollte einfach mal hören, wie die so agitieren. Das Video anzuklicken erwies sich gleich als Doppel-Fehler. Zum einen war natürlich nur geistiger Durchfall zu vernehmen, zum andern bin ich jetzt anscheinend bei YouTube als „empfänglich“ registriert und mir wird ein Video nach dem andern von Alice aus dem Fascho-Land und der anderen Björn-Kanaille vor die Nase getrieben.

Wie komme ich da nur wieder raus?

  • Muss ich mir jetzt 50 Videos von Saskia Esken, Annalena Baerbock und Marie-Agnes Strack-Zimmermann anschauen, um den Algorithmus umzulenken? Aber dann bestimmen diese Damen mein künftiges Programm, das wäre mir auch etwas zu anstrengend.
  • Vielleicht sollte ich es außerhalb der Politik versuchen. Irgendwas mit Gesundheit vielleicht? Dann werden mir künftig nur noch Videos über Reizdarm, Impotenz und Fettleber angeboten. Will ja auch keiner sehen, oder?
  • Oder ich muss dem Algorithmus vorgaukeln, ich wäre ausgewandert. Heute Abend ziehe ich mir einen Drei-Stunden-Bollywood-Schinken über die IP-Adresse meines Hotels hier in Bengaluru rein.

Vielleicht kann ich damit die braunen Flecken aus dem User Profil auswaschen.

515) Kann bitte jemand für mich auf die Demo gehen?

Auch wenn ich gerade in Indien bin, verfolge ich natürlich das Geschehen zu Hause. Glücklicherweise gibt es diverse Mediatheken, so dass ich heimische Nachrichten schauen kann. Das Geheimtreffen in Potsdam, inklusive Teilnehmer der so genannten „Alternative“ für Deutschland, beherrscht die News und umso mehr freut es mich natürlich, dass es in Deutschland mittlerweile große Demonstrationen für Demokratie und gegen Nazis gibt.

Selbst hier in den indischen Welt-Nachrichten ist das ein Thema, siehe Titelbild und  Video-Mitschnitt von gestern Abend.

Toll, dass es dieses Bild von Deutschland bis hier in die Nachrichten schafft, es ist aber eigentlich auch genauso traurig, dass ein Erstarken der AfD und ihre kruden Ansichten letztlich Sendezeit im Indischen Fernsehen bekommen. Die hätten eigentlich auch andere Dinge zu besprechen.

Leider kann ich nicht mitdemonstrieren, mir ist noch keine virtuelle Variante bekannt. Das wäre eine Marktlücke, die es noch zu füllen gilt.

Also schreibe ich diesen Blogbeitrag, um Sympathie und Gemeinsamkeit mit der Idee hinter den Demonstrationen auszudrücken.

Also, wenn einer von euch Lesern demnächst auf eine solche Demo geht, könnt ihr gern folgende Statements auf eine Plakat drucken und mitnehmen?
Danke und Schönen Gruß an alle.

  • Die AfD darf keinen nennenswerten Stimmenanteile auf Bundesrat/Bundestag kriegen. Damit hätten sei Einfluss auf Bildungspolitik, Medien, Sicherheit, Polizei, Migration etc. Wie das enden kann haben wir schon einmal gelernt und hoffentlich doch nicht vergessen.
  • Eine „Remigration“ … also Deportation … von Menschen und Abschottung Deutschlands ist zum einen unethisch und macht zudem sachlich überhaupt keinen Sinn. So viel zusätzliche Arbeitskräfte kann das deutsche Volk überhaupt nicht zurecht poppen und großziehen, wie wir brauchen, und selbst wenn, wäre das ziemlich anstrengend.
  • Deutschland muss sich dem Klimawandel stellen, ob wir das nun wollen oder nicht. Schließlich verbocken wir einen großen Teil des Drecks, daheim in Deutschland und natürlich auch in China, Indien, Bangladesh etc, weil wir die Drecksarbeit outgesourced haben. Und Klimaveränderung macht nicht an Deutschen Grenzen halt, auch wenn wir da einen hohen Zaun hinbauen. Oder will die AfD die bösen Wetterphänomene auch remigrieren?
  • Ein Ausstieg aus der EU ist völliger Schwachsinn und wäre ein Riesenproblem für unsere export-focussierte Wirtschaft. Schließlich bauen wir nicht nur Oliven und Zitronen an, sondern immer noch Maschinen und Technologie. Nur wenn das Zeug ohne Zölle verkauft werden kann, haben die Deutschen weiterhin Jobs und wir können uns einen gewissen Wohlstand leisten (Infrastruktur, Gesundheit, Sicherheit).

Mag, alles etwas Stammtisch-mäßig klingen, aber so falsch ist das nicht, behaupte ich mal.

Also bitte, geht da hin!

514) Wie ein Eisbär am Südpol

Jetzt gehe ich schon in die dritte Woche hier in Bangalore und ich habe doch sage und schreibe bislang nur sechs Europäer gesehen. Eine Schwedin auf der Büro-Etage, vier Kerle im „The Biere Club“ und einen Jogger mit käsigen Waden heute morgen, als ich selbst ein paar Runden drehte.

Mag daran liegen, dass Bengaluru keine Touristen-Stadt ist, eher eine IT-und Dienstleistungs-Metrople. Und, dass das Jahr noch jung ist, spielt sicher auch eine Rolle. Naja, wie dem auch sei, jedenfalls kann jeder erkennen, dass ich ein Ausländer  und ganz allein bin. Nicht, dass mich das sonderlich beunruhigt, „mein Inder“ (siehe Beitrags-Serie) kümmert sich rührend um mich, aber es zeigt mir halt auch, wie es denn wohl wäre, wenn man ganz allein in einer großen Stadt strandet (z.B. als Flüchtling, Tagelöhner, Neuankömmling).

Wo gehst du hin?, Wo kannst du schlafen?, Wo kriegst du was zu Essen?, Wo ein Dach über den Kopf?, Wie kommst du an Arbeit, wie an Geld?, Wen kannst du ansprechen?, Wen sprichst du besser nicht an? Wer ist zuständig? Welches Amt, welche Behörde, welches Formular muss wohin? Wem kannst du vertrauen? Wer nutzt deine Situation aus? Wer öffnet dir die Tür? Wer haut sie dir vor der Nase zu? … und so weiter.

Ich muss mir die Fragen zum Glück nicht stellen. Ich bin mit mehreren Kreditkarten hier, mein Hotel ist in Ordnung, um die Ecke gibts eine Mall und wenn irgendein Problem eintritt, melde ich mich bei meinen Kollegen hier. Und im worst case kann ich jederzeit zum Flughafen fahren und wieder die Flatter machen.

Aber stranden … will ich hier nicht.

PS: Neben der Mall gibt‘s einen „ansehnlichen“ Slum (nicht das Titelbild wohlgemerkt), am Rand der Wellblechsiedlung bin ich zweimal entlang gelaufen, konnte Blicke in die Gassen werfen, konnte wieder einmal „schnuppern“ wie das denn so wäre…

513) 1.Klasse diskutiert es sich bequemer

Wenn ich mich hier durch Bangalore bewege und das Treiben in der Stadt beobachte, muss ich oft an die vielen, teils ideologisch aufgeheizten, Diskussionen in der Heimat denken.

Ein paar Beispiele:

  • In Deutschland diskutieren wir den Ausbau der Radwege, definieren Breiten und Farbtöne und können uns herrlich drüber aufregen, wenn sich die Radfahrer nicht an die Radstreifen und Regeln halten. Hier gibt es überhaupt keine Radinfrastruktur, man sieht kaum Fahrräder, höchstens am Wochenende mal ein paar Rennradler, die sich zu früher Stunde aus der Stadt verdrücken.
  • Zu Hause schütten wir Fußgängerunterführungen zu, weil wir die Fußgänger nicht mehr verdrängen, stattdessen wieder ans Tageslicht bringen wollen. Hier dagegen gibt es kaum Ampeln, die ein gesichertes Überqueren der Straßen möglichen. Zebrastreifen sieht man ab und zu, sie haben aber keine Bedeutung. Fußgängerunterführungen oder -brücken … Fehlanzeige. Fußgängerzonen ebenso.
  • Hier ist man um jede weitere Fahrspur froh, die errichtet wird. Um jeden Fly Over, der ein besseres Vorankommen mit Auto oder Scooter ermöglicht. Wenn ich indischen Kollegen davon erzähle, dass wir Stück für Stück Fahrbahnen streichen, um den Autoverkehr schrittweise in den ÖPNV umzuleiten, schütteln die hier nur den Kopf. Ja, mit den zwei Metro-Linien in Bengaluru ist ein Anfang gemacht, aber man darf nicht vergessen, dass die Stadt jeden Tag wächst. Gemäß >Wikipedia waren es im Jahr 2000 ca. 6 Mio Einwohner, in 2017 schon das Doppelte mit 12 Mio. Solch ein Wachstum möchte ich mir für Berlin nicht vorstellen.
  • Wenn ich mich in Berlin einer Kreuzung nähre, dann registriere ich die Verkehrszeichen, leite daraus ab welche Regeln gelten, komme dann zu dem Schluss, was das nun für mich bedeutet und handle danach. Und im Zweifel zählt §1 StVO. Fährt mein Indischer Kollege auf die Kreuzung zu, denkt er eigentlich nur daran, … O-Ton …, wie er nun schnellstmöglich vorwärts kommt ohne andere zu töten oder sein Auto zu beschädigen. Und schnellstmöglich meint jetzt nicht „Rasen“, sondern überhaupt vorankommen.
  • Wenn ich meinen Kindern eintrichtere, dass sie sich doch etwas zurückhalten sollen, anderen den Vortritt lassen, oder sich anstellen müssen, gilt hier nur das Recht des lauteren, stärkeren und energischeren. Wenn man hier auch nur einem Menschen den Vortritt lässt oder einem Pkw die Vorfahrt schenkt, kommen gleich zig andere hinterher und man hat die berühmte Karte mit A gezogen.
  • Geht es bei uns auch gern um Gleichberechtigung, Equal Pay und Frauenrechte, sind hier die Hochzeiten noch häufig arrangiert und der Ehegatte beziehungsweise seine Eltern verfügen über die Rechte der Frau. Auf der Büro-Etage, wo ich die letzten Tage zu tun hatte, waren Frauen deutlich unterrepräsentiert. Dafür sieht man sie beim Bau von Fußwegen oder anderen körperlich schweren Tätigkeiten.
  • Ist bei uns Sonntagsarbeit i.d.R. verboten, weil Kirchen oder Gewerkschaften es so gern haben, läuft der Laden hier weiter. Die Arbeiten an der Metro werden fortgesetzt und auch Wohnhäuser sind sonntags „Under Construction“. Häufig wohnen die Arbeiter in den Rohbauten. Wenn die Sonntags Däumchen drehen würden, dann würde alles noch ein siebtel länger dauern und die Leute würden ein siebtel weniger verdienen. Ganz einfach.
  • Während wir diskutieren, ob das Duschgel nun Mikro-Plastik enthält oder nicht, gibt’s hier Makro-Plastik an allen Ecken. Natürlich bin ich froh das wir da schon einen Schritt weiter sind, aber das ordnet das Problem ganz anders ein und zeigt was weltweit noch alles zu tun ist.

Vor der Kulisse hier, wirken manche Diskussion daheim etwas bizarr, aber es diskutiert sich halt auch leichter, wenn man in der 1. Klasse sitzt. Ich will damit nicht sagen, dass wir solche Diskussionen nicht führen sollten, ABER in der Diskussionstemperatur und in der Erwartungshaltung, wie kurzfristig all die Transformationen zu Hause geschehen „müssen“, könnte man etwas herunterregeln, glaube ich.