512) Ohne Saft nix los

„Ohne Moos, nix los“ heißt es so schön. Aber ohne Saft (elektrisch) wird es auch ganz schnell dunkel, da hilft auch das Moos nichts.

Einmal, zweimal am Tag fällt hier im Hotel in Bengaluru der Strom aus. Das ist erst einmal nichts Neues, gab es früher schon. In der Vergangenheit waren die Stromausfälle (Power Cuts) deutlich länger, teilweise hielten sie Stunden an. Da hatte man hat sich halt damit abgefunden, die Klimaanlagen liefen nicht mehr, der Kühlschrank hat es überlebt, wenn man ihn geschlossen hielt und zum Abend hin musste halt `ne Kerze her, um sich auf dem Subkontinent in die Augen schauen zu können. Im Fernsehen kam eh nichts gescheites, also auch kein Verlust, wenn der Flimmerkasten schwarz blieb.

Heute ist es deutlich anders. Die Power Cuts, die ich gerade erlebe, sind viel viel kürzer, so circa 5 – 10 Minuten, aber eine Kerze und Taschenlampe helfen mir nicht, wenn ich gerade in einem virtuellen Meeting hocke und anderen Leuten etwas erklären soll. Und selbst wenn der Strom dann wieder da ist, braucht die IT Infrastruktur eine gefühlte Ewigkeit, bis das WIFI wieder funktioniert, wenn es denn überhaupt wieder funktioniert. Am Freitag früh 8:00 Uhr gab es zum Beispiel einen Stromausfall, wo die Technik bis zum Mittag benötigte, um die Anmeldemaske fürs WLAN wieder anzuzeigen. Doch leider wurden meine Eingaben (Room-Number und Name) in der Eingabemaske immer wieder zurückgesetzt. Dann folgte das Wochenende, heute am Montag nun ein Feiertag und so rennt seit Freitag ein Hotel-Angestellter von Hotelzimmer zu Hotelzimmer, um 24-Stunden-Voucher an die Gäste zu verteilen, die er mit seinem Handy und One Time Password bestätigen muss.

Ich feile noch immer an der richtigen Taktik. Ist es besser, ihn morgens kommen zu lassen, damit ich bis zum Abend durcharbeiten kann oder soll er besser am Abend kommen, damit ich morgens ohne seinen Support starten kann? Wobei ich dann ja ein Drittel der 24 Stunden verschlafe. Ach, ist das alles kompliziert. Und eigentlich brauche ich auch drei 24–Stunden-Voucher, Handy, Tablet und Rechner wollen versorgt sein, die kennen das nicht anders. Das ist ihr gutes Recht 😉

Aber irgendwie ist so ein Stromausfall auch ganz praktisch, verschafft er doch einen Moment informativer Abstinenz. Und Hetzer können ihren geistigen Dünnschiss nicht ins Internet blasen!

In diesen Tagen wünsche ich mir Stromausfälle in Deutschland, ganz gezielt, an ausgewählten Stellen … im Rechnerverbund der AfD zum Beispiel. 

PS: Gerade ist der junge Mann wieder raus zur Tür, ich habe jetzt wieder 24 Stunden WIFI und kann damit auch diesen Beitrag hier abschicken.

511) Wasser

Indien gehört mit zu den Ländern, in denen man besser nicht die europäische Gusche unter den Wasserhahn hält und in tiefen Zügen trinkt. Zumindest tue ich es nicht, Zähneputzen ja, trinken nein. Obwohl ich hier und da durchaus Wasser aus Kannen serviert bekomme (Restaurant, Hotel, Kollegen), dann schnuffele ich dran und hoffe auf intakte Filter. Bislang bin ich ganz gut damit klargekommen, selbst in sehr einfachen Lokalen.

Als Gast kann man das ganz gut mit Wasserflaschen (üblicherweise aus Plastik) managen, mit unserem Geldbeutel kostet das nicht viel, allerdings sammelt sich das Plastik schnell an und dann nimmt man das verzehrte Wasser ganz anders war.

Und wenn ich dann in Deutschland sehe, wie Wasser aus den Tiefen geholt oder Abwasser aufwändig gereinigt wird, um damit zu Duschen, das Klo zu spülen, Auto zu waschen oder den Rasen zu wässern, dann frage ich mich, ob das alles so richtig ist. Wir haben bereits sehr trockene Regionen in Europa und Deutschland, und Berlin / Brandenburg ist da auch nicht gerade glücklich aufgestellt.

Eine Idee lässt mich nicht los, wir haben sie bereits in einem bierseligen Moment in der Heimat diskutiert. Kann man das Abwasser (zumindest mal das nur leicht belastete Wasser) nicht auffangen und wiederverwenden? Muss ja nicht gleich das Wasser der Waschmaschine sein, aber Duschwasser, Wasser aus der Küche, dass könnte man doch mit recht einfachen Mitteln in Tanks ableiten und dann noch einmal verwenden. Klar, solche Vorrichtungen müssen dicht sein, da soll sich kein Biotop drin entwickeln und man muss das Wasser dann in Richtung Klo oder der Balkon-Pflanzen pumpen. 

Aber ist das so schwer? Wir können zum Mond fliegen, können elektrische Energie aus Sonne und Wind erzeugen und per Video mit Menschen in aller Welt kommunizieren, aber beim Wasser fällt uns nix Schlaues ein?

Bild: Wassertankwagen und Wasserspeicher hier in der Nähe, exakt hier:
https://maps.app.goo.gl/mVf7MS93FAu8w9Q98

510) Job-(KI)ller?

Befasst man sich mit den Themen künstliche Intelligenz und Digitalisierung, kommt man relativ schnell zur Frage, was das wohl alles mal mit uns Menschen und insbesondere den heutigen Jobs machen wird. Da gibt es die zwei Extreme, die einen erdenken dystopische Horrorszenarien, die anderen winken mit der Hand ab. Vermutlich liegt die Wahrheit wie immer in der Mitte. Na klar, werden künstliche Kompetenzen unsere Arbeit erleichtern, und dafür bin ich auch ganz dankbar.

Kaum ein Beruf wird wohl davon verschont bleiben aber dass dadurch ein ganzer Berufszweig ausstirbt, da mache ich mal noch drei Fragezeichen dran. Die KI-Systeme bedienen heute „nur“ Nischen, das können sie erstaunlich gut. Es gibt aber keine allumfassende KI, die für einen ganzen Arbeitstag unterschiedlichster Herausforderungen ausgebildet ist.

Und selbst wenn, ist das ja auch nichts neues. Aktuell bin ich in Indien und sehe jeden Tag zu Hauf die Arbeitskräfte, die wir in Europa über die Zeit schon wegrationalisiert haben, vielleicht nicht mit Digitalisierung und AI, aber mit klassischer Automatisierung.

Hier mal ein paar Beispiele:

  • Straßenkehrmaschinen habe ich hier noch nicht gesehen, wohl aber Straßen-FegerInnen.
  • An der Kasse sitzen Menschen, am Laden-Ausgang kontrollieren Angestellte, ob man das was man mitnimmt, auch bezahlt hat.
  • An der Tankstelle tankt man üblicherweise nicht selbst, das machen Menschen, inklusive Check der Reifen.
  • Das Auto lässt man üblicherweise manuell waschen, nicht von Automaten.
  • Kein Mensch räumt hier sein Tabletts selber ab, dafür gibt es Personal, in der Kaffeeküche der Firma stehen drei Mitarbeiter, die permanent die dreckigen Kaffeetassen entgegennehmen und auch Kaffee in die Besprechungsräume bringen. Man nennt sie „Buttler“.
  • An der Bahnsteigkante der Metro stehen Ordner und weisen den Weg, Verkehrspolizisten versuchen den irren Verkehr hier in Bengaluru zu managen.
  • Im Frühstücksraum des Hotels stehen sich fünf Mitarbeiter die Beine in den Bauch, während ich als erster Gast um 07:30 ein Masala Omelette verdrücke.
  • An der Hotelrezeption stehen selbst zu Nebenzeiten drei Mitarbeiter, für mich unklar wer hier das Sagen hat. Nennen wir es mal „geteilte Verantwortung“.
  • Meine Kollegen bevorzugen eher „Domestic Service“, sie haben keine Spülmaschine oder Waschmaschine, stattdessen kommt täglich jemand um zu fegen, zu wischen und zu kochen.
  • Wie hier jemals selbstfahrende Autos steuern sollen, ist mir schleierhaft, stattdessen braucht es nervenstarke und geübte Fahrer, die Busse, Taxis oder Tuk-Tuks durch das Gewimmel lenken.

Warum ich das so detailliert schildere?

Ich will sagen, dass wir in Europa bereits solch einen Job-Abbau hatten und trotzdem eigentlich heute keiner Däumchen drehen muss, wenn er es nicht will oder muss. Die Jobs sind verschwunden, völlig neue sind hinzukommen, speziell im Dienstleistungsbereich. Trotzdem herrscht Mangel an Arbeitskräften. Die Digitalisierung wird sicherlich unsere Jobs beeinflussen, auch die in höheren Gehaltsklassen. Die Frage ist wie schnell und disruptiv die Technologien in den Arbeitsmarkt eintreten. Bei einem verantwortungsvollen Tempo, lassen sich Aufgaben neu sortieren, Menschen mit traditionell analogen Tätigkeiten gehen in Rente, jüngeres Personal tritt mit neuen Kenntnissen in den Arbeitsmarkt ein. Das klingt nachvollziehbar, funktioniert aber nur, wenn man sich dieser Aufgabe auch stellt, wenn man sich von alten Ausbildungsprofilen und Studiengängen löst und nicht krampfhaft an konventionellen Jobs festhält (z.B. Kohlebergbau, konventioneller Auto-Bau) und diese sogar noch staatliche subventioniert und als erwiesenes Auslauf-Modell künstlich am Leben hält. Die Arbeitspolitik sitzt wie das Kaninchen, vor der KI-Schlange und klappert mit den Zähnen.

Dabei gibt es doch so viel zu tun!

  • Unmengen Solar-Panels müssen auf Dächern verschraubt, Windräder aufgestellt werden, Wärmepumpen installieren sich nicht von selbst.
  • Wir suchen händeringend Lehrpersonal, qualifizierte Leute, die Schulen mit IT ausstatten. Bei der Integration von Flüchtlingen oder neuen Staatsbürgern ist man vollends unterbesetzt, Sprachkurse sind überfüllt.
  • Parks, Grünflächen und Sportanlagen sehen teilweise aus wie Sau, für einen Termin beim Amt kann man sechs Wochen warten.
  • Und ich kenne auch keine AI, die Straßen instandhält, Brücken, Schulen und Wohnungen baut oder endlich mal ein paar mehr Funkmasten im Land verteilt.
  • Und ganz nebenbei, der Politik würden ein paar Quereinsteiger aus der Praxis auch ganz gut tun.

Also das soll mir doch bitte keiner sagen, es gebe nichts zu tun!

Man muss es aber angehen

509) Hürdenlauf nach Bengaluru

Dass mein Nervenkostüm die letzten Tage vor Abreise extrem angespannt war, kann ich nicht leugnen … und das werden die mir nahe stehenden Menschen auch gemerkt / erlitten haben. Heut früh ging es los und es warteten dann doch so einige Überraschungen auf mich 😉

Kurz vor 06:00 Uhr marschierten wir los zur nahegelegenen S-Bahn. Die Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen begleitete mich. Zwei Gepäckstücke rollten wir über den Berliner Asphalt, ein beliebtes Geräusch am frühen Morgen. Auf der Hälfte des Weges, kam mir die Frage in den Kopf, wo denn eigentlich mein Handy sei. Shit, das liegt noch an der Ladestation, der Akku ist schon sehr schwach. Ich bat die Ministerin schon mal weiter zu rollen, denn ich müsse nun zurückrennen. Tat ich auch, gut dass ich in Dänemark wenigstens zwei mal joggen war. Also zurück, hoch, Handy holen, runter und wieder zur Ministerin aufschließen und dann mit dem schweren Koffer die Treppe zur S-Bahn hoch. Hätte ich ein Belastungs-EKG dabei gehabt, hätte der Doktor Abbruch befohlen. Ein Minute verging und dann kam die avisierte S-Bahn. Das ging ja schon mal gut los.

Wir fuhren zum Berliner Ostkreuz, das Umsteigen zum Flughafen-Zubringer durchaus schon geübt, ich rollte der Ministerin hinterher zum Gleis 13. Da war aber gar nichts los außer „Kein Zug-Verkehr“. Die 13 ist keine gute Zahl. Sie checkte die App, „oh … Gleis 1 … sorry“. Also wieder flot, flot zum Gleis 1, bei Zieleinlauf war der Regio gerade eingefahren. Ich hoffte, das ginge jetzt nicht so weiter.

Die nächste Hürde war die Koffer-Abgabe. Obwohl der Lufthansa-Automat mich identifiziert hat, wollte er Buchungsnummer oder Ticket-Nummer von mir wissen … nerv. „Wie hat ihnen der Vorgang gefallen?“. Roter Smiley. Die heimische Kofferwaage zeigte 23,3 kg an, die offizielle am Flughafen könnte also auch 24 kg anzeigen und dann müsste ich meine Unterhosen auf dem Fliesenboden ausbreiten und Dinge in Berlin lassen. Doch die Waage zeigte glatt 23 kg, genau das Maximum. So kann es gern weitergehen. Läuft!

Die Sicherheitskontrolle passierte ich ohne Stress, das gab‘s nichts Aufregendes, außer dass ich auf einen Berliner Comedian in Jogging-Anzug traf, der wohl auch früh aufgestanden ist. Seinen Namen verrate ich hier nicht, Datenschutz … aber wir haben sicher Einiges gemeinsam.

Nach 08:00 Uhr begann es in Berlin zu schneien, was zwangsweise die nötige Enteisung der Maschine bedeutete … in „Berlin aber nicht routiniert eingeübt“ ist und deshalb noch einige Minuten länger dauern kann, so der Captain über Board-Lautsprecher. 60 Minuten waren es dann bis der Flieger endlich abhob. Erneut Puls. „Wir sind uns ihrer Anschlussflüge bewusst.“ Gut so.

Der Transfer in München lief flott, kurz vor Boarding fand ich mich am Gate L13 ein. Oh Oh, schon wieder eine „13“. Wir durften einsteigen, die Flugbegleiterin wollte Bordkarte, Pass und Visum sehen. Visum?? Hier in München? Hatte ich nicht in Papier. Nur ein verwackeltes Photo auf DEM Handy (siehe oben). Das reiche vollkommen aus … sie müsse nur das Ablauf-Datum sehen … das auf dem Photo natürlich … nicht zu sehen war. Shit. Ich also wieder raus aus der Schlange, Laptop hochfahren, Windows-Anmeldung passieren …“last call for Passangers to Bengaluru“ … und das blöde PDF suchen. Mit dem Laptop auf der Hand durfte ich dann einsteigen.

In der Kabine war schon „Indian high life“, die Fächer voll und ich hatte Stress mich zu sortieren. Endlich saß ich auf meinem Platz und wollte das der Familie kundtun. Aber mein Handy war … wieder … weg. Erneut Puls, Panik. Taschen, Jacken, Rucksack alles durchgesucht, auch das große Staufach vor meinen Knien. Nichts. Aber es musste an Board sein, 100 %, denn ich hatte im Flieger noch mal nach meiner Platz-Nummer gesehen. Ich bat den Nachbar um Licht und wir suchten den Boden und die Spalten zwischen den Sitzen ab. Nix. Das kann doch nicht sein … „Boarding completed“ … ohne Handy bin ich total … „Bitte nehmen sie ihre Sitzplätze ein“ … angeschmiert! Grüße nach Berlin Mahlsdorf. Panisch ging ich zur nächsten Flugbegleiterin und jammerte von meiner Not. Ob ich denn schon in den Jacken, Taschen, Rucksäcken gesucht hätte, fragte sie. „Ja, natürlich, fünf mal.“ Und in der Sitz-Tasche vor ihnen auch? „Natürlich, zigmal“. Um ihr das zu beweisen, tat ich es noch einmal … diesmal aber im kleinen Staufach und siehe da … mein Handy. 

Mir reicht’s wird für heute.
Schlimmer kann es heute nicht mehr werden.
Aber wehr weiß.

Noch 3 Stunden bis Bengaluru.
Bloggen bei 1.085 km/h …
Wowwwww

Nachtrag 06-01-24, 03:00 Uhr Indian Time
Wir erreichten Bengaluru 30 Minuten früher, mich erwartete ein herzensguter Kollege, hat mir sogar ein paar Starter besorgt, jetzt noch einen Absacker und dann ab in die Falle

508) 2024, ein guter Jahrgang?

Es gibt ja gewisse Jahreszahlen, die allgemein mit negativen Entwicklungen verbunden sind, die vergisst man wohl nie. Entweder man hat solche schlimmen Momente selber erlebt oder später über Schule und Medien erfahren. Die Jahre 1933 fallen mir da ein, 1938 und 1939. Aus der jüngeren Vergangenheit sicher auch 2001, 2004, 2020 mit großen Terroranschlägen, Naturkatastrophen und einer Pandemie. Aber es gibt sie auch mit positiven Verbindungen, sagen wir mal 1945 Kriegsende, 1961 erster Mensch im All, 1969 Mondlandung, 1989 Mauerfall. Jeder wird da sicher noch eigene Jahrgänge im Kopf haben. Aber wie die Einleitung schon zeigt, gibt es immer wieder positive Momente, die den Lauf der Geschichte oder Technologie beeinflussen.

Was mich zur Leitfrage für diesen Beitrag bringt. Gruß an Belana Hermine, wir hatten einen Kommentarwechsel dazu. Was müsste geschehen, damit das anstehende 2024 für immer in die Geschichtsbücher eingeht? Und zwar positiv!

  • China, Indien, Russland, USA, EU, Brasilien schließen sich zu einer Klima-Allianz zusammen. (So wie in „Der neunte Arm des Oktopus“)?
  • Es wird ein Medikament gegen die fünf oberfiesesten Krebsarten entdeckt, von der Weltbank finanziert und kostenlos an Betroffene weltweit verteilt?
  • Jemand entwickelt eine Formel für emissionsfreie Mobilität oder neue Kühl/Heizkonzepte, die sich ohne Raubbau unter/über der Erde verwirklichen lassen?
  • Die Kriegstreiber kommen zur Vernunft, stellen die Kampfhandlungen ein und investieren Gelder und Ressourcen in einen Neuaufbau, an dem alle partizipieren?
  • Was noch könnte es sein??

Ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte den Beitrag zu Ende bringen sollen, bevor ich mir gerade die erste Stunde von „Leave the World Behind“ reingezogen habe. Schönen Gruß und Dank an die Zukunftskolumne. https://www.horx.com/118-was-kommt-2024/.

Vielleicht müssen wir es etwas kleiner angehen …

PS:
Es schüttet wie aus Eimern, in Japan gab es ein Erdbeben, in Tokio kollidieren Flugzeuge, das WLAN streikt im Ferienhaus. Es ist wohl soweit. Melde mich.

507) 2024, mäßige Dich!

So, das alte Jahr ist in ein paar Stunden vorbei und weitere Katastrophen sind hoffentlich nicht mehr zu erwarten. Das Katastrophen-Budget ist vollends ausgeschöpft! Die letzten Wochen fühlten sich etwas zäh an, fand ich. Wie ein Buch, dass man zu Ende lesen muss und ständig vorblättert und ausrechnet, wieviele Seiten noch zu lesen sind. Oder wie so ein ekeliges Stück zähes Rindfleisch aus Omas Grüne-Bohnen-Eintopf, auf dem man ewig herumkauen musste, weil es auszuspucken mit Würgereiz einhergehen würde.

Ich will mir hier nicht die Finger wund schreiben, haben andere schon gemacht. 

Also fasse ich mich kurz:

  • Arbeitsmäßig: too much, gerne weniger
  • Sportmäßig: lief schon mal besser. 
  • Blogmäßig: ganz okay, war schon mal mehr 
  • Nachrichtenmäßig: Voll-Katastrophe.
  • Ampelmäßig: selten grün, Gelbphasen wurden länger
  • Knochenmäßig: dass ich nun keine 18 mehr bin, war mir bewusst, aber dass der Verfall jetzt schon einsetzt … mein lieber Scholli …

Aber 2023 war nicht nur mittelmäßig und versetzungsgefährdet.

  • Konzertmäßig: Highlight sicher das in Heidelberg. Grüße!
  • Bildungsmäßig: viel gelernt und anderen beigebracht, mache ich wohl gern
  • Gewichtsmäßig: nahezu unverändert
  • Regelmäßig: nachgedacht, beobachtet und geschrieben
  • Planmäßig: Seit Längerem Indien-Reise für ´24 vorgehabt und das bei Brötchen-Gebern und Brötchen-Essern durchgekriegt.
  • Spitzenmäßig: massig neue Leute kennengelernt und sogar einen Blogger „in echt“ getroffen. Grüße!

Und was wünsche ich mir für 2024? Eigentlich könnte ich den >Beitrag von letztem Jahr kopieren. Aber vielleicht war der auch zu drastisch, zu fordernd … gar überfordernd? Die Welt kann sich nicht über Nacht ändern. Sonst könnten wir ja mal in Australien anrufen und fragen, ob sich schon was tut.

Aber vielleicht kann sich 2024 einfach nur etwas mäßigen. Vielleicht nur einen Krieg im Jahr? Ein religiöses Blutbad alle sechs Monate? Und Brand und Wasser bitte nur im Wechsel? Reicht das denn nicht?

Dann könnten wir endlich die Energie und unseren Kopf für die dicken Bretter einsetzen, die wir da noch bohren müssen.

In diesem Sinne.

Prost …

T., T.Bot und Noah

PS 1: und allen die knietief im Wasser stehen, wünschen wir Kraft und Nerven

PS 2: Und eine kleine Pandemie wünsche ich mir. Eine die nur 40-50 Menschen befällt, das sollte für die einflussreichsten Despoten, Demagogen, Diktatoren und Nazi‘s reichen.

506) Dunkelheit

Hier oben im Norden auf der Insel, gibt‘s für den’ne Mark und den’ne Mark. Ach nee, geht ja nicht mehr. Wir ham‘ja Euro mittlerweile. Den Umrechnungskurs kann ich Nachts 02:30 Uhr nach einem durchzechten Abend aufsagen: 1,95583. Glatt. Aber bei denen hier gibts noch Kronen und damit ist die ganze Einleitung eigentlich für die feuchten Füße, aber löschen will ich die jetzt auch nicht, eher bald mal auf das Thema Dunkelheit überleiten. Puhh. Geschafft. 

Also Dunkelheit.

Gibt’s ja nicht mehr in Berlin. Ständig ist irgendeine Funzel an. Alles lichtverschmutzt, luftverschmutzt, lärmverschmutzt, sozialverschmutzt … bald böllerverschmutzt. Hier auf Fanø gibt‘s nichts zu Knallen und es wird noch richtig dunkel. Gestern Abend hatten sich die Regenwolken endlich verzogen und man konnte mal in den schwarzen Himmel schauen … und ein bisschen mit den unzähligen Modi, Settings und Optionen der Handy-Kamera spielen.

Dabei sind ein paar Bilder entstanden, die ich eigentlich ganz gelungen finde … für so ein smartes Gerät aus dem Gemüsefachhandel … was ja eigentlich nur dafür gebaut wurde, um Bescheid zu geben, dass man soeben losgefahren ist, gleich ankommt oder noch Klo-Papier benötigt wird.

Grüße von der Insel Fanø

T.

… der nun schon zum dritten Mal „Says“ von Nils Frahm hört, dabei in die Sterne schaut und einen Luftsprung macht wie Benny Frandsen von der Olsen-Bande … weil er Konzert-Karten bekommen hat;-)

505) Philantrophen der nächsten Generation

Ach ja, wie heißt es so schön … „Weihnachten, Fest der Liebe, der Gemeinschaft und Barmherzigkeit“? Mich reizt es in den Fingern, nach weiteren Wortspielen zu suchen. Fest der Diebe, … Fest der Triebe, … Fest der Hiebe, der Gemeinheit und Warmfüßigkeit …  ich lass das mal besser.

Gestern standen der Stammhalter und ich in der Straßenbahn, und es bot sich ein interessantes Schauspiel. Da wir direkt hinter dem Fahrer waren, hatten wir die ganze Bahn im Blick. Da saßen sieben Jungs alle so um die 15/16 Jahre alt und zockten auf ihren Handys. Das taten sie in einer Lautstärke, dass mir die Ohren klingelten. Aber wir hatten es nicht mehr weit, also war mir das egal. An einer Station stieg ein … tja, wie sagt man das … Mittelloser, … Obdachloser?, … Bettler … ein, der sich auf die gewohnte Art vorstellte. „Guten Tag, mein Name ist „Sowieso“, ich bin obdachlos … etwas Kleingeld … vielleicht Essen … vielen Dank. Die Jungs übertönten seine Vorstellung, aber einer der Boys stand dann auf und drückte dem Mann eine leere Pfandflasche in die Hand. Der Mann bedankte sich. Zwei weitere Jungs zogen nach und überreichten ihre leeren Flaschen.

Also was war das denn gerade?

  • Haben die Jungs den Mann immerhin wahrgenommen und unterstützt? Ich habe schließlich nichts gegeben. 
  • Oder sind es einfach nur faule Säcke, die es nicht nötig haben, ihre Pullen in Pfandgeld zu verwandeln?

Wer weiß. 

Auf dem Heimweg berichtete der Stammhalter, dass die Jungs alle schweineteure Klamotten trugen und endete einer Bemerkung so ähnlich wie …

„Wie sich der Mann da wohl gefühlt haben muss.“

Wir wissen es nicht.

504) Weihnachtsstimmung?

Na, schon in Weihnachtsstimmung? Ich ja ehrlich gesagt überhaupt nicht. Von mir aus können wir die ganze Nummer absagen oder gerne in den Sommer verlegen. Da bocken wir dann eine große Tafel auf, legen weiße Tücher drüber, schmeißen den Grill an, genießen kalte Getränke und das Gewusel der Kurzbeinigen um uns herum. Und wem das zu viel wird, der nimmt sich ein Kajak und dreht mal eine Runde über den See, bevor er/sie dann überglücklich über den „Orangenbaumblüten-gesäumten Weg“ zurückkommt, um weiter mit uns zu feiern. 

Ein Riesen Happening wäre das. 

Aber wie jedes Jahr, ziehen viele Kollegen unerledigte Dinge aus dem Tisch und nerven damit alle Anderen. Wie jedes Jahr tun sie so, als gäbe es kein Morgen, kein nächstes Jahr mehr, in dem man die Dinge auch noch erledigen kann. Aber ich habe den Eindruck, ich schreibe jedes Jahr so einen Blogbeitrag. 

Zum Beispiel hier >Jahresendhektik von 2019 oder >Winter? Gar nicht meins aus 2022.

Insofern höre ich jetzt gleich wieder auf. Ich will euch zwei Bilder schicken. Das eine aufgenommen im Oktober, zeigt eine sehr rustikale Pinte (a.k.a. Kneipe, Schuppen, Trinkhalle) um die Ecke, genauer gesagt den Seiteneingang, nicht gerade einladend, ich weiß. 

Aber, sie haben sich in Weihnachtsstimmung gebracht und dann sieht es doch mal ganz einladend aus. 

Trotzdem. Für mich bitte lieber Sommer unter freiem Himmel.

503) Mein Bahnrekord 2023

2023 wird wohl mein Jahr mit den meisten Bahnfahrten werden. Wie kam es? Zum einen waren natürlich wieder mehr Reisen möglich als in den drei Jahren Pandemie, zum anderen habe ich mich gegen Inlandsflüge entschieden. Und ich muss sagen, im Großen und Ganzen lief das eigentlich ganz gut. So langsam kenne ich die Wege am großen Berliner Hauptbahnhof und habe die Prozedere an Bord kapiert.

Da ich im verbleibenden Jahr keinen Zug mehr besteigen werde, kann ich mich zu einem Fazit hinreißen lassen.

  • Die Verspätungen hielten sich in Grenzen, da ich aber selten umsteige, stören sie mich aber auch nicht. 
  • Ich kann ganz gut im Zug arbeiten, auch wenn das ICE-Portal das Internet eigentlich immer zwischen „wechselhaft“ und „schwach“ darstellt. Entweder gleicht die Handy-Antenne solche Momente aus oder man macht mal etwas offline. Oder döst einfach mal weg.
  • Man kann zwischendurch aus dem Fenster schauen und die Gedanken fließen lassen. Wenn man bei der Sitzplatzwahl darauf achtet, dass man auch ein Fenster bekommt.
  • Am liebsten sitze ich auf Höhe der Gepäck-Regale, da habe ich automatisch weniger Menschen um mich herum … und ich kann den Laptop auch mal ins Regel stellen und im Stehen arbeiten.
  • Neulich stand ich da so vor dem Regal und warf einen kurzen Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige. 294 km/h wurden angezeigt. Da setzte ich mich aber wieder ganz schnell hin und begann das Grübeln, warum die Koffer da so lose herumliegen und es keine Anschnallgurte gibt. Aber die Antwort gab ich mir selbst, 294 km/h ist und bleibt auf lange Zeit eine Ausnahme.
  • Großartig finde ich die Lautsprecherdurchsagen, leider habe ich nur wenige notiert. Die Bahn ist sehr mitteilungsbedürftig und hat einen endlosen Vorrat an Formulierungen. „Sollten sich Arzt oder Rettungssanitäter im Zug befinden, werden diese gebeten, sich in Wagen 10 zu melden.“ „Der Antrieb ist eingeschränkt, die Leistung liegt nur bei 70%, daher könnten wir in Berlin nicht ins Untergeschoss fahren, weil Gefahr besteht, dass der Zug da nicht mehr rauskommt.“ In Erfurt hatten wie neulich eine „Verfrühung“ von 15 Minuten aufgebaut. Verfrühung, Verfrühung … gibt es das Wort überhaupt? Im Rahmen einer 15-Minuten Standzeit hatte ich dann ausreichend Gelegenheit darüber nachzudenken.
  • Die Mitreisenden erlauben herrliche Sozialstudien. Ob Beziehungskrach, Wichtigtuer am Telefon, schlecht erzogene Kinder und deren Eltern … es gibt immer was zum Kopfschütteln.
  • Für sehr stark ausbaufähig hingegen, halte ich die Aufenthaltsmöglichkeiten am Bahnhof. Wenn man sich im Zug keine Erkältung einfängt, dann spätestens an der zugigen Bahnsteigkante.
  • Und auch der Prozess „Man hat lauter Technik aufgebaut und müsste mal aufs Klo“ wäre zu optimieren. Wer meint, man nehme den Laptop einfach mit und stellt ihn auf dem Waschbecken-Rand ab, sollte sich vorher mit dem Zugtyp auseinandersetzen. Lichtschranken öffnen mittlerweile  das Ventil und dann … hat man plötzlich ganz viel Freizeit.

Have fun … with Deutsche Bahn.