452) Auf dem Pfad der Verwöhnung

Die Schulklasse des Stammhalters, bereitet sich intensiv auf die Klassenfahrt vor. Alles läuft basisdemokratisch ab. Es gibt mehrere Vorbereitungsgespräche und Arbeitsgruppen, denn es wird nicht die klassische „wir-setzen-uns-alle-in-den-Bus“-Klassenfahrt, sondern die Kids haben sich per Mehrheitsbeschluss, und das muss ich ihm mal hoch anrechnen, für eine mehrtägige geführte Kanu-Tour entschieden.

Proviant, Zelte und Gepäck muss mit und das will gut überlegt sein. Was für für die Pubi‘s natürlich aufregend ist, gib mir einen kleinen Einblick in andere Familien und die Befindlichkeiten der Heranwachsenden. 

Das leidige Handy-Thema und die mangelhafte Versorgung mit WLAN stand schon relativ schnell auf der Agenda, nun sind aber auch ganz pragmatische und logistische Fragen an der Tagesordnung. Ich schaue mir das von der Seitenlinie an, höre interessiert und muss oft mit dem Kopf schütteln. 

Ein Großteil der Schüler hat noch nie im Freien bzw. in einem Zelt geschlafen. Wer teilt sich mit wem mit welches Zelt und überhaupt, schläft man da etwas auf der Erde und was wenn es regnet? 

Es gibt nur sehr wenige Kids, die jemals in einem Kahn gesessen haben. Kann so etwas umkippen? Was passiert wenn da Wasser reinkommt oder man keine Lust mehr auf Paddeln hat? 

Welche Klamotten nimmt man mit, was bleibt besser zu Hause? Für einige der XX-basierten Schüler (auch „Plastikpuppen“ genannt) sind die 60 l Gepäckbeschränkung im Seesack eine Zumutung. Aber Not macht erfinderisch, sie beginnen zu verstehen, dass nicht alle einen Fön (?) mitnehmen müssen, sondern dass man sich den auch teilen kann. 

Was kann man unterwegs kochen (Veg und Non-Veg) naürlich), wenn man weder Einbau-Küche noch Kühlkapazitäten vor Ort hat? Und wer hat wann Koch-und Küchendienst? Der Stammhalter winkt ab und sagt, „die Hälfte der Klasse kann nich‘ kochen“. Und wenn er von „Kochen“ spricht, meint er ja auch nicht gerade ein 3-Sterne-Menü, sondern denkt vermutlich an Nudeln, Würstchen, Rührei, Kartoffel-Pü aus der Tüte.

Das wird alles sehr spannend. Vermutlich wird man in der Woche der Klassenfahrt vermehrt Hubschrauber-Flüge in Meck-Pom verzeichnen. Das sind dann keine Nato-Manöver sondern besorgte Eltern aus Berlin. Und zum Ende schwimmen tausende Fische an der Oberfläche der Paddel-Strecke, weil so viele Handys und Powerbanks ins Wasser geplumpst sind.

Na immerhin können die Kids das alles unter sich ausmachen und ich muss nicht mehr auf einem viel zu kleinen Stuhl an einer Sonder-Elternversammlung zur Klassenfahrt teilnehmen.

Eine großartige Erfahrung für die Kids!

Andere Beiträge zum Thema

451) Jenseits der Maschinen (2) – Konversation

Neulich hatte ich mal wieder mit Belana Hermine geschnattert, es ging um die  Herausforderungen beim zielgerichteten „prompten“ mit ChatGPT. Umso mehr ich mit ChatGPT zu tun habe, umso mehr stelle ich fest, wie aufwändig und knifflig es sein kann, die Maschine in den richtigen Kontext zu versetzen und zu verklickern, was ich eigentlich will.

Nicht umsonst entwickelt sich mit Prompt-Engineering gerade ein wohl-dotiertes Berufsfeld.

Mein Kommentar bei Belana Hermine schloss ich dann ab mit …

„Konversation ist anstrengend, was für eine Erkenntnis. Ich bin mal gespannt, wie es da Konversationsverhalten unter uns Menschen verändert“.

Und genau darüber habe ich im Nachgang etwas nachgedacht:

Wie wird wohl ein Prompt-Engineer, der den ganzen Tag nichts anderes macht, künftig seine Frau z.B. beim Frühstück ansprechen?

Fragt er sie eher konventionell: 

„Kannst du mal bitte schauen, wie das Wetter wird?“
Und erwartet dabei eine Antwort a la: „Ja, laut Wetter-App wird das eigentlich ganz nett, so um die 20°C, nachmittags ein paar Wolken, ideal zum Radeln, sollten uns aber vielleicht besser eine dünne Jacke mitnehmen.

Oder prompted er sie eher an: 

Neuer Chat
Zusammengefasste Einschätzung zum Wetter 23.06.23, im Berliner Süden,
brauche eine Durchschnittstemperatur über den Tag,
und Wolkensituation am Nachmittag,

und Empfehlung zur sportlichen Freizeitgestaltung,
und passenden Kleidungsstücken,
nur auf Basis vorliegender Fakten antworten,
nichts dazu dichten,
und kurz fassen.

Enter
(…Schatz)

Weitere Beispiele lassen sich tausende finden, wo Menschen heute mit wenigen Worten kommunizieren, sich „automatisch“ zu verstehen glauben und mit dem Ergebnis zufrieden sind … oder eben auch scheitern. Weil sie vollends aneinander vorbeireden. Weil sie Dinge im Kopf haben, die der andere in dem Moment noch nicht weiß. Weil es nun mal das bekannte Sender-Empfänger-Problem gibt. In der Familie, im Job, im Freundeskreis. Überall. Nicht dass ich das schon vorher wußte, aber beim Prompten wird das erst richtig sichtbar. 

Tja, wie wird das wohl mal werden? Sprechen wir untereinander irgendwann wie mit GenAI-Bots und treiben den Gesprächspartner zur Weißglut? Glaube ich nicht, dazu sind wir vermutlich viel zu faul. Aber es schärft unsere Sinne, was für gute Konversation eigentlich nötig ist und wie ein Gespräch zu gestalten ist, wenn man am Ende ein Ergebnis bei herauskommen soll.

Spannend, spannend.

Eigentlich wäre das was für Loriot 😉

<— Jenseits der Maschinen (1) – Sprache

> Jenseits der Maschinen (3) – Präsenz

450) Jenseits der Maschinen (1) – Sprache

Da wird viel geschrieben und diskutiert aktuell, welchen Einfluss künstliche Intelligenz wohl auf die Zukunft der Arbeit und unsere Jobs hat. Ja teilweise ist es schon sehr erstaunlich, was so manche Dienste leisten können, aber von einer allumfassenden künstlichen Intelligenz sind wir noch weit weg. Ich mag auch eigentlich den Begriff „künstliche Intelligenz“ gar nicht gern benutzen, bei dem Wort „Intelligenz“ denken Menschen oft an Fakten, an IQ und umfassendes Wissen. Ich bezeichne das eher als eine „künstliche Kompetenz“, die manche Geräte oder Software-Dienste halt haben. Die eine kann Staubsaugen, die nächste Rasenmähen, eine andere kann Wege finden oder halt Texte transformieren. Jede für sich tut erstaunliche Dinge, aber das sind nur einzelne Kompetenzen, das ist keine Intelligenz. 

Neulich beendeten Annuschka und ich ein Kommentarwechsel ungefähr mit dem Fazit, dass wir Menschen ja noch im Vorteil sind. Neben dem reinen Wissen haben wir Menschen noch ein paar mehr Fähigkeiten in die Wiege gelegt bekommen. Wir können Dinge greifen, tasten, sehen, hören, schmecken, riechen. Wir können komische Schwingungen wahrnehmen, wir haben ein Gewissen, auch mal ein Schlechtes, wir können rekapitulieren oder auch kapitulieren. Wir können nachgeben, eine gewisse Vernunft ausspielen und eine Ethik entwickeln. Und wir können verschiedene Bedeutungen in Texten wahrnehmen, wie ich neulich mit Belana Hermine diskutierte.

Tja, und mit dieser Basiskonfiguration können wir doch mit einer Menge von Features aufwarten.

Wir können
Daumen drücken
Augen zudrücken
Unter die Arme greifen
Eine Schulter bieten

Wir können
Das Ruder rumreißen
Das Heft an uns nehmen
Mal dazwischen hauen
Dann die Wogen glätten

Wir können
Die Augen verdrehen
Und mit Türen schmeißen
Beleidigt in die Ecke verkriechen
die eingeschnappte Leberwurst spielen

Wir können
Uns einen Kopf kürzer machen
ohne dass er gleich blutet
Jemandem einheizen
So dass er fröstelt

Wir können
Kalt erwischt und heiß auf mehr sein
Freund und Feind zur gleichen Zeit
Können uns schämen, begeistern, freuen
Ängstigen, grämen und bereuen

… und bevor dass hier noch ein krampfiger Reim wird, mach ich mal Schluss für heute … die Nachrichten warten.

Tja, und für all das gibt es keine Bedienungsanleitung, die einer KI antrainiert werden könnte, nicht mal wir Menschen haben verstanden, wie wir eigentlich funktionieren.

Oder habt ihr das kapiert?

PS: der starke Titel war einer von 5 Vorschlägen von ChatGPT

PS: könne mir vorstellen, dass aus dem Thema eine kleine Mini-Serie wird. Mal sehen.

—> 451) Jenseits der Maschinen (2) – Konversation

449) Mit Kanonen auf Spatzen

Neulich diskutierte ich mit einer Schwedin ein Feature, was für den Einsatz in Skandinavien etwas dimensioniert schien. Aber der Hersteller der Software hat es nun mal so groß aufgesetzt, also muss das System wenigstens mit einem nordischen Minimum konfiguriert werden, damit es läuft. Im Gespräch sagte ich dann, dass wir dafür in Deutschland ein Sprichwort haben, nämlich „mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Sie entgegnete, dass es dafür in >Schweden kein Sprichwort gibt.

Und das brachte mich dann ins Grübeln:

  • Die Schweden haben doch aber Spatzen, habe ich selber gesehen.
  • Und an Kanonen auf alten Burgen erinnere ich mich auch.
  • Nutzen sie etwa die Kanonen für andere Dinge, als auf Spatzen zu schießen? Wozu?
  • Oder haben sie das Problem im Norden einfach nicht. Sind ihre Lösungen immer dem Problem auf den Leib geschneidert und ggf. eine Nummer kleiner?
  • Ist die Kollegin mit den Sprichwörtern Schwedens einfach nicht so bewandert und die haben da durchaus etwas Ähnliches?

Ich hab dann selber etwas recherchiert und fand bei der Datenkrake die Redewendung “skjuta mygg med kanoner“ übersetzt „mit Kanonen auf Mücken schießen“. Gut, das kann ich verstehen. Mücken gibt es da durchaus, aber mit Kanonen auf Mücken schießen, ist ja noch viel irrer als mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, würde ich mal sagen. Die dortigen Spatzen wird es sicher freuen, nehme ich an. Aber Mücke möchtest du da in Schweden auch nicht unbedingt sein, oder? Entweder stinkt alles nach Mücken-Spray und die andere Hälfte des Jahres ist es dunkel oder du wirst von einer Kanone getroffen? Geht das überhaupt rein technisch? Können Mücken von einem Geschoss getroffen werden? Über Geschosse nachzudenken, macht dieser Tage auch nicht so richtig Laune. Aber in unserer alltäglichen Sprichwortlandschaft gehts schon noch recht militant zu, alter Schwede. Da lässt man gern mal „die Bombe platzen“, hat etwas „auf dem Radar“, startet gern mal ein „U-Boot“ und arbeitet an allmöglichen „Fronten“ gleichzeitig.  

Alternative gäbe es da für die Kanonen noch die eher pazifistisch anmutende „Gießkanne“ im Angebot, die ein ähnliches Phänomen beschreiben kann, aber wenn man mit >Gießkannen nach Spatzen … oder Mücken schmeißt … scheint mir das auch etwas „too much“.

PS: die Engländer sagen wohl „to use a sledgehammer to crack a nut“, bei den Chinesen gibts so etwas wie „Zuweilen wird ein Baum gefällt, um einen Spatz zu fangen“.

Nicht nur zuweilen …

448) OZG … OMG … und Bundes-Push Up

In Folge 339 hatten die geschätzten Jungs von „Lage der Nation“ mal wieder das Onlinezugangsgesetz zu Gast. Der Name des Gesetzes allein ist schon der Hammer, man muss ihn mehrfach lesen, um zu dechiffrieren worum es gehen könnte. „Die Interaktion zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen mit der Verwaltung soll in Zukunft deutlich schneller, effizienter und nutzerfreundlicher werden.“ so steht es auf der Website des BMI. Das klingt doch erst einmal gut.

„Das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (Onlinezugangsgesetz – OZG) verpflichtet daher Bund, Länder und Kommunen, bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen über Verwaltungsportale auch digital anzubieten.“ … so lautet das dort weiter und aufmerksame Leser werden bereits zwei Worte identifiziert haben, die Fragezeichen generieren. Nummer 1 ist wohl „verpflichtet“ und Nummer 2 dann offensichtlich „2022“. Das Gesetz wurde in 2017 verabschiedet.

„Mit Blick auf 2022 wird der Erfolg der Digitalisierungsprogramme nicht nur daran gemessen werden, ob alle Verwaltungsleistungen online verfügbar sind, sondern vor allem daran, wie hoch Akzeptanz und Nutzung bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen sind. Mit der Umsetzung des OZG findet hier ein Paradigmenwechsel statt: Das OZG-Zielbild stellt die Nutzerinnen und Nutzer in den Mittelpunkt.“ Au weia. Aber wer die Latte so hoch hängt, der kann nur scheitern. Schönen Gruß an die Herren de Maizière, Seehofer und die oberdigitale „Dorothee“ aus den Bergen.  Latte zweifelsfrei gerissen würde ich mal sagen.

Aber ich will ja nicht nur meckern. Vor ein paar Tagen flog mir ein Anschreiben unterzeichnet mit „Ihre Personalausweisbehörde“ in den Kasten. Wieder so ein gruseliges Wort. Man möchte mir die Online-Ausweisfunktion vorstellen. Ich kann damit Steuererklärungen absenden, Renteninformationen einsehen, Punkte in Flensburg sammeln, Führungszeugnisse beantragen, SIM-Karten freischalten und Bankkonten eröffnen. Brauche ich alles nicht oder sauer-selten, aber trotzdem ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Und für ein Schreiben einer Behörde, war es ausnahmsweise mal gut (nicht sehr gut) geschrieben und leicht verständlich. Gerne weiter so.

Allerdings lässt mich da auch vieles resignieren. Als Frau Merkel das Internet als „Neuland“ entdeckt hat, war es bereits 2013, also schon wieder 10 Jahre her. Als ich das erste Mal einen Web Browser namens Netscape auf meinem Rechner entdeckt hat, war 1997, 26 Jahre her. Die erste Chip-Karte händigte mir mein Brötchengeber Anfang der 2000-er aus und damit konnte ich dann Gebäude betreten, mich an IT-Systemen anmelden, Bestellungen auslösen und in der Kantine zahlen. Das ist 23 Jahre her! 

Aber in der Verwaltung geht es so elend zäh voran und ich sage mal eines voraus: Bis Deutschland den Online-Ausweis verteilt hat, wird man feststellen, dass den kaum einer gebrauchen kann, weil die Menschen eh keine PCs mit Kartenlesen mehr haben sondern halt nur auf ihren Smart Devices unterwegs sind, wo so ein Online-Ausweis herzlich wenig bringt.

Aber dann wird bestimmt das nächste Großprojekt ausgeschrieben. Die „Bundes-TAN“ oder der Bundes-Push-Up … ähm sorry … Bundes-Push-App natürlich.

Keine Atempause … Geschichte wird gemacht … es geht voran!

447) Mehr „ohne“ und weniger „mit“ – Vol 2

Heute will ich wieder mal ein Thema aufgreifen, was ich hier vor fast genau drei Jahren erstmals hatte. Mit >117) Mehr „ohne“ und weniger „mit“ und hier etwas später über > 272) Ohne Worte – Vol.2… irgendwie ähnlich … aber anders. Verbunden mit dem wiederholten Outing, dass ich mir Produktverpackungen anschaue. Durchaus. Ein Spleen. Ja ich weiß. Aber ich bin da auch nicht der Einzige auf der blauen Kugel. Schönen Gruß.

Ich meine all diese kleinen Texte und Symbole auf den bunten Verpackungen, die uns darüber aufklären wollen, was „nicht mehr dabei“ ist, beziehungsweise was „nun stattdessen“ mit von der Partie ist. Und da frage ich mich schon des Öfteren, ob das wirklich so besonders ist, dass man das extra auf die Verpackung drucken muss. Und wenn, was für Chemo-Keulen sind das, die diese Labels eben nicht tragen?

Oder was passieren würde, wenn des Nachts ein kleiner Zauberer durch die Regale gehen würde und all diese Kennzeichnungen ins genaue Gegenteil versetzen würde.

Also das Gegenteil dessen aufdrucken, was nicht mehr ist:

  • 0% Aluminium Salts
  • Ohne Tierversuche 
  • Ohne Mikroplastik
  • PH Hautneutral
  • Kein Verkleben
  • Ölfrei

… eine Riesenspaß

Oder auch das Gegenteil dessen, was heute erwähnenswert scheint:

  • Dermatologisch getestet
  • Feuchtigkeitsspendend
  • Biologisch Abbaubar
  • Bewusster verpackt
  • Stark gegen Fett
  • Klinisch getestet
  • Flexibler Halt
  • Neuer Inhalt

Greift zu Leute. Kauft, kauft. Alles nur zu eurem Besten 😉

446) Politisches Tellergericht

Bei einem Kommentarwechsel mit Annuschka zur Ampel-Koalition, schrieb ich, dass ich eigentlich in allen drei Ampel-Farben sympathische Dinge finden kann. Selbstverantwortung, Ökologie und soziale Absicherung. Warum soll ich dagegen sein? Finde ich alles gut und schließt sich ja auch nicht gegenseitig aus.

Nur leider lassen sich die Parteiprogramme ja nicht eben auf drei Worte reduzieren und es gibt Schichten, Strömungen, Riänder, Flügel und so weiter, weshalb mir die gelbe Ampel momentan wenig fortschrittlich scheint. 

Tja, und nach dem Kommentarwechsel, stellte ich mir dann die Frage, was mir eigentlich besser gefallen würde:

A) rot, gelb, grün gemäß ihrer Stimmenanteile in einen Mixer packen und mal kräftig shaken? Da käme am Ende vermutlich hellbraun raus, auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.

B) rot, gelb, grün gemäß ihrer Stimmenanteile auf einem Teller drapieren. Dann entstünde ein interessantes Tellergericht. Es gäbe recht wenig Rührei, dafür aber mehr Spinat und der Rest bestünde aus Tomatenragout. Nennt sich wohl „Andalusische Spinat-Eier“.

Den Shake kann man nur im ganzen Trinken, da lässt sich schlecht mäkeln, aber es wäre wenigstens konsequent. Immerhin würde der Shake das Wählervotum wiedergeben. Beim Tellergericht hingegen, da kann man hin-und herschieben und sich überlegen, was man nun zuerst oder zuletzt isst. Manches wird dann kalt, verliert seinen Glanz und Geschmack. Und dann kreuzt man das Besteck und drückt die Reste dem Kellner zum Abräumen in die Hände. „Ich habe fertig.“

Aber es müsste auch nicht unbedingt ein Shake sein, das könnt ja auch C) eine Sauce sein oder? Die Bestandteile so lange kochen, bis zum Ende eine wohlschmeckendes Resultat herauskommt. Eine konzentrierte „Konsens“ … ähm … „Essenz“ meine ich natürlich. Und dann gibt es sogar diese Koch-Events, dann kochen die die halbe Nacht durch und präsentieren vor der Kamera stolz ihre Sauce … 
und dann …
kippt da einer Wasser rein. Mitten in die Essenz.

Scha(n)de.

PS: Die sprachliche Ähnlichkeit mit Scherbengericht ist natürlich rein zufällig 😉 

 

445) Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen

Ganz spontan fallen mir drei Arten von E-Mails ein, die ich absolut nicht bekommen will:

1. Sehr geehrter Herr T., wir haben mehrfach versucht, sie telefonisch zu erreichen. Bitte melden Sie sich unverzüglich. Es ist wirklich dringend. MfG ihr Hausarzt.

2. Sehr geehrter Herr T, wir erwarten Sie Eltern zusammen mit ihrem Sohn um 18:30 Uhr vor der Tür des Schulsekretariats. Freundliche Grüße, Der Direktor

3. Ihr Flug wurde storniert. Leider müssen wir mitteilen, dass ihr Flug nach London Heathrow am XX-XX-XXXX storniert wurde. Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.

Die letzte e-mail fand ich heute, als ich mal so „nebenbei“ aufs private Handy schielte. What? And now? Schließlich müssen wir einen Anschlussflug kriegen und das an einem der größten Transitflughafen der Welt.

Rufen Sie „Buchung bearbeiten“ auf, um weitere Informationen erhalten, die Umbuchung auf den nächsten geeigneten Flug vorzunehmen oder eine Erstattung zu beantragen.

Nu aber mal ganz flott mein Lieber, denn das was du jetzt tun musst, wollen 300 andere Leute heute auch noch machen. 

Und dann kam dann erst einmal das Übliche:

  • Uuuupps … das ist wohl ein Fehler aufgetreten. Probieren Sie es später noch einmal.
  • Die Seite kann gerade nicht geladen werden, kontaktieren Sie im Zweifel …
  • Ihre Buchung konnte nicht gefunden werden, vergewissern Sie sich, dass …

Puls … Blutdruck … eindrücklich.

Letztlich konnte ich auf einen späteren Flieger umbuchen, die Zeit beim Umsteigen verkürzt sich deutlich, sollte uns aber wohl noch reichen. Notfalls müssen wir halt rennen. Puls und Blutdruck funktionieren ja anscheinend.

Davon abgesehen, dass für den Tag des Abflugs ja noch diverse andere Risiken auf uns warten (ÖPNV, Streik, Gepäckabgabe, Sicherheitskontrolle, Verspätung, etc., haben wir zumindest mal für den Moment ein Viertel der Flüge bestätigt.

Mal sehen wann die nächste e-mail hier eintrudelt.

Welche Art von e-mails bringen euch denn so ins Schleudern. Können ja mal eine Sammlung aufmachen hier 😉

444) Lass sie kleben

Sitzen ist das neue Rauchen, sagt man. Kleben ist das neue Impfen, glaubt man. Es gibt kaum ein Thema, was die Deutschen so sehr aufzuregen und zu polarisieren scheint.

Menschen, die sich für konsequenten Klimaschutz auf der Kreuzung festkleben und damit Autofahrer an den Rand des Wahnsinns treiben. Juhu, ich habe es schon geschafft. Des Lesers Puls hat sich bereits verändert. Wetten?

Und was können wir uns da herrlich aufregen:

  • Auf einmal scheint der Großteil der Berliner neuerdings Klempner zu sein oder dringende Arzneimittel zu transportieren.
  • Und alle Nicht-Berliner sind plötzlich zu Berlinern geworden und dreschen auf die Klebe-Geister ein. Weil das ja „dem eigentlich doch positivem Ansinnen schadet“. Die völlig falsche Protestform … na wenn das mal nicht nach hinten losgeht.
  • Und die Gemälde. Auh weija. Ja da ist eine rote Linie übertreten. Wir lieben ja unsere Gemälde. Jeder kennt eines. Schade um die schönen Gemälde, die haben ja mit Klimaschutz überhaupt nichts zu tun. 
  • Und das Grundgesetz erst. Das stand da immer so schön getafelt an der Spree. Und nun wurde es schon mehrfach beschmutzt. Unser schönes Grundgesetz, das uns sonst ja so heilig ist. Jeder Deutsche kann nachts geweckt werden, die Abseitsregel erklären und das Grundgesetz aufsagen. Ja genau.
  • Und der Moderator, des von mir eigentlich sehr geschätzten Radiosenders, der seit mehreren Tagen über nichts anderes mehr reden mag, weil er selber ständig im Stau steht. Schlimm, so schlimm.
  • Und der 80-jährige Opa, der vom Flughafen BER drei Stunden in den Berliner Norden gebraucht hat und weder eine Flasche Wasser und noch eine mobile Toilette dabei hatte. Das geht an die Menschenrechte. Das ist ja schon kriminell. Dagegen muss man vorgehen.
  • Und die Abgase, die dabei entstehen. Allein schon dadurch werden doch Staus gefördert. Furchtbar. Drei Stunden Klimaanlage im Dauerbetrieb, das Auto-Radio läuft und das Handy muss man ja auch mal laden. Das verhagelt uns ja nun völlig die Klima-Bilanz. Das macht ja alle Anstrengungen zunichte.
  • Und all die Rettungswagen im Besonderen, die ja früher quasi durch die Stadt flogen und nun ständig feststecken. Die armen Menschen, die da tagtäglich im RTW verrecken. Stell dir das mal vor. Dramatisch.
  • Und überhaupt, die normalen Bürger, das sind doch die völlig falschen Adressaten. Das sollte man doch lieber die Regierung … oder die Industrie … oder die … Bonzen und die alle blockieren … das sind doch die … die Schuld sind. 
  • Und dieser schnöselige Tasten-Clown hier, der hat ja gut reden! Der sitzt ja den ganzen Tag in seinem Yuppie-Homeoffice. Der muss ja nicht jeden Tag mit dem Auto zu Arbeit fahren.

Stoooooopp! Ich habe die Schnauze voll, ich kann es nicht mehr hören. Diese Jammerlappen hier. Wie will man Veränderungen voranbringen … wenn viele Menschen zwar gern Bundestrainer … ansonsten aber … Weicheier … sind. Sorry. Tut mir Leid.

Gut tausend Kilometer von hier, da kleben Kinder auf der Straße. Tote Kinder oder was von ihnen übrig ist. Knochen, Gedärm, Hirn, eine Niere garniert mit Zahnspange und Teddy-Bär-Gemüse. Eine zähe Masse. Und das klebt vielleicht das Zeug. Kriegt man kaum wieder ab von der Straße. Hilft auch kein Sonnenblumen-Öl.

Wisst Ihr, was mich mal interessieren würde? Welches inhaltliche Ziel eigentlich eine Bewegung verfolgen müsste, damit der Großteil der Heulsusen hierzulande mit den unbequemen Sitzblockaden fein wäre. Bratwurst für alle? Freibier? Fußballweltmeister?

Schönen Sonntag
T.

443) Termin beim Amt – Vol 3

Nach aufregender >Terminvereinbarung und >gründlicher Vorbereitung, trat ich heute meine „Reise“ zum Bürgeramt Lichtenrade an. Ihr wollt vielleicht wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist?  

Nun zunächst konnte ich erst 3 Minuten später das Headset absetzen als geplant, dadurch musste ich im leichten Trab zur Tram eilen. Die Bahn fuhr bereits in der Haltestelle ein, weshalb ein galanter Sprung über die Absperrung nötig war. Bitte nicht nachmachen liebe Kinder. Da kann auch mal mächtig peinlich … oder tötlich enden. Dann fuhr ich zum Nordbahnhof. Ja, hier fährt man zum Nordbahnhof wenn man in den Süden will. Isso. Nich‘ fragen.

Just follow the signs and go … south … auch wenn es nach Westen zeigt.

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Am Nordbahnhof stand ich kurz vorm Herzinfarkt, weil die Daten der BVG-App nicht zur Anzeige  passten. Und zur Situation auf dem Bahnsteig. Denn der war gähnend leer. Habe ich ich etwa meine Bahn verpasst? Warum wird die Nächste erst für in 15 Minuten angezeigt. Aber nein, es war nur die müde Anzeige, die erst 1 Minute vor Einfahrt dieses Zuges, diesen auch ankündigen wollte. Uff.

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Wir durchfuhren die Innenstadt und ab „Südkreuz“ wurde es deutlich grüner. Auch die Namen der Stationen klangen schon südlicher. Wir hielten in „Priesterweg“ und „Atillastraße“. Dann klangen die Stationen zunehmend ländlicher … und kleiner: Marienfelde, Buckower Chaussee, Schichauweg. Was kommt wohl als Nächstes? Der Irgendwaspfad? Immer mehr Menschen stiegen aus, ich hielt durch bis Endstation.

Ich verliess das Bahnhofsgebäude und erwartete eigentlich eine Hinweistafel a la „Most southern point of Berlin“ oder so, aber nix. Mehrere Menschen kamen mir auf meiner rechten Seite entgegen. Was‘n hier los? Bin ich vielleicht schon weiter südlich als gedacht? Zum Glück immer noch griechisch. Yammas!

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Ein paar Meter folgte ich dem Navi, die Gebäude wurden 2-3-stöckig und bald stand ich vor einem „Bürgerzentrum“. Dort suchte man eine 520 EUR-Kraft für Passbild-Arbeiten, mit PC-Kenntnissen. Mhm, ick weiß nich‘ … nee danke.

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Das war anscheinend der falsche Eingang, denn ich musste ja ins „Bürgeramt“, welches als „Bürgerbüro“ hintenrum über den Parkplatz ausgeschildert war. Enttäuschung. Also wenn, dann will ich schon auf einem „Amt“ empfangen werden, nicht in einem „Büro“. Der Warteraum gab sich gewohnt karg und lebte von den Word/PowerPoint – Bastelkünsten der Belegschaft.

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Der Verwaltungsakt dauerte keine 5 Minuten. Die Dame an Platz 6 druckte einen Antrag aus, ich unterschrieb, patschte meine Zeigefinger auf den Scanner, dann ihre Tee-Sammlung betrachten, Zahlen bitte, dann Katzenkalender betrachten, Dokument abholen in 4 Wochen, ohne Termin, vorn am Tresen …  Wiedersehen.

Ich kapiere zwar nicht warum ich für zwei Finger-Scans und Unterschrift alles in allem drei Stunden durch die Stadt gurken muss, aber gut, es ist vollbracht. Ich will nich‘ meckern sondern dem Bezirksbürgermeister von Lichtenrade aufrichtig danken. Noch in der S-Bahn bat ich ChatGPT um Hilfe:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Ihnen meinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Als Bürger von Prenzlauer Berg hatte ich das Privileg, das Bürgeramt in Lichtenrade nutzen zu dürfen, und ich bin zutiefst dankbar für diese Möglichkeit.

Die Dienstleistungen, die im Bürgeramt von Lichtenrade angeboten werden, haben mir in vielerlei Hinsicht geholfen. Die freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben stets mit Professionalität und Hilfsbereitschaft mein Anliegen bearbeitet. Ihre Kompetenz und Effizienz haben es mir ermöglicht, meine Angelegenheiten schnell und unkompliziert zu erledigen.

Durch das Bürgeramt habe ich einen Ort gefunden, an dem ich mich als Teil der Gemeinschaft von Lichtenrade fühlen kann. Ich schätze die Bequemlichkeit, alle notwendigen Formalitäten an einem Ort erledigen zu können, und bin dankbar für die Unterstützung, die ich dort erfahren habe.

Bitte übermitteln Sie meinen herzlichen Dank an das gesamte Team des Bürgeramtes von Lichtenrade. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert für unsere Gemeinde, und ich bin Ihnen zutiefst dankbar, dass Sie einen Ort geschaffen haben, an dem Bürgerinnen und Bürger wie ich ihre Anliegen effektiv und angenehm erledigen können.

Mit freundlichen Grüßen,
[Dein Name]

Was für ein Schleimer … 😉

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