576) Office, Office, Office, …

Drei oder vier mal pro Jahr betrete ich ein Büro, häufiger eigentlich nicht. Und wenn ich dann da bin, dann kann ich nicht vernünftig arbeiten. Ein Arbeitsplatz, an dem man nicht arbeiten kann. Verrückt eigentlich. Viel zu viele Stimmen, ständig lauscht jemand oder latscht am Tisch vorbei und Smalltalk soll es dann auch noch sein. Zum Glück bin ich nie da, wenn Jubiläen, Geburtstage oder Abschiede anstehen. 

Reines Home-Office, kann einem aber auch auf die Ketten gehen, glaubt mir. Also habe ich dieses Jahr einiges ausprobiert und werde nächstes Jahr weitermachen.

Green Office
Ja, so nenne ich das Arbeiten auf der „Datsche“, funktioniert zwar nur im Sommer, aber mittlerweile ist das mobile Netz recht gut und man kann sich zwischendurch mal mit Eichhörnchen unterhalten.

Bahn Office
Da ich in Deutschland nicht mehr fliege, fahre ich halt mit der Bahn und dann arbeite ich quasi „on track“. Das Internet ist häufig „wechselhaft“ und der Geräuschpegel lässt sich nur mit Kopfhörern ertragen. Beim gekrümmten Arbeiten am Klapptisch kriegt der Ergonom eine Herzattacke und wenn man mal aufs Klo muss, packt man besser alles zusammen, sonst ist man schnell seine Arbeit los.

Insel Office
Das werde ich im Januar mal probieren. Arbeiten dort, wo andere Urlaub machen. Ein Vorgriff auf die seniore Winterflucht. Ich werde berichten.

Tja, Wo kann man denn sonst noch so arbeiten?

Aida Office
Oh ja, schicker Schreibtisch auf so einem Kreuzfahrtschiff. Das hat schon was. Muss ich nur mit dem Elon reden, dass über mir immer ein Starlink schwebt.

Dschungelcamp Office.
Kann ich mir gut vorstellen, aber nur wenn die anderen Irren nicht da sind und es Kaffeemaschine und Kühlschrank gibt.

Weingut Office
Klingt verlockend, aber ich fürchte, da würden dann doch die Arbeitsergebnisse drunter leiden.

Gletscher Office
Grandios, aber irgendwie leider auch „endlich“ … und mir ein bisschen zu fußkalt.

U-Boot Office
Nie und nimmer kriegt man mich in so ein Ding, die Luft ist schlecht, Fenster bleiben verschlossen und Paket-und Lieferdienste liefern nicht.

ISS Office
Arbeiten im All? Klingt spektakulär, nur ist das kulinarisch ein bisschen eintönig und der Rückflug geht manchmal unpünktlich.

Wo lässt es sich sonst noch gut arbeiten? Vorschläge?

Frühere Beiträge:

  • In der Reihe >Rückkehr ins Büro malte ich mir während Covid 19 aus, wie es wohl mal sein wird, wenn wir jemals wieder ins Büro zurückkehren. Nach zwei Jahren war es dann auch so weit.
  • In der Reihe >New Work ging es schon recht gruselig daher. Zunächst extrem Home Office und dann der konsequente Schritte zur menschenlosen Firma.
  • In >Erfrischende Videokonferenzen ging es weit aus lustiger zu.

304) Erfrischende Videokonferenzen – Vol 1

„Am I living in a box, am I living in a cardboard box“, so begann ein Refrain in den 80er Jahren.

Nach zwei Jahren Homeoffice lebe ich zwar zum Glück nicht in einem Karton, aber in TEAMS (und dieses Produkt sei mal nur stellvertretend genannt, es gibt ja viele andere).

Neulich habe ich einer lieben Kollegin aus UK mein Leid geklagt und dann schlug sie vor, sie sollte mich mal drücken. Was ja online schlecht geht, aber dann dachten wir im Scherz über eine neue Funktionserweiterung an der Software nach: Zwei Gummi-Arme die per Mausklick rechts und links des Monitors hervorschnellen. Plop. Hug. Na ja, noch nicht ganz zu Ende gedacht … aber immerhin.

Die aktuelle Woche verbrachte ich eigentlich 90% im virtuellen Meeting-Raum und da kamen mir noch zusätzliche Verbesserungen in den Sinn:

  1. Mir fällt zunehmend auf, wie jung und frisch manche Kollegen auf ihren Profil-Bildern wirken und wenn sie sich dann mal die Kamera freischalten, erschrecke ich schon mal.
    Feature Request: Eine Alterungssoftware sollte mitlaufen, die die Profilbilder kontinuierlich dem Alter und den Arbeitsgewohnheiten anpasst.
  2. Manche Leute sind zwar im Meeting, aber nicht wirklich anwesend. Beobachtet man ihre Augen genauer, sieht man, dass sie eigentlich mit Händen und Gedanken ganz woanders sind.
    Feature Request: Unter dem Profilbild sollte stehen, was die gerade nebenbei machen. „Writing e-mails“,  „Watching Netflix“ oder „Planning Weekend“. Das erhöht dann die Aufmerksamkeit. Garantiert!
  3. Am Dienstag nahm ich einen Mann und eine Frau im Meeting wahr, die zur gleichen Zeit etwas tippten und dabei ganz verschmitzt lächelten. Chatten die miteinander? Flirten die etwa? Läuft da mehr?
    Feature Request: Man sollte Beziehungslinien zwischen den Profilbildern einrichten so wie „Hat Affäre mit Kathrin“ oder „Ist Sohn von Jürgen“ oder „Hat Bonus für Peter genehmigt“. Das würde sofort das ein oder andere Verhalten im Meeting erklären.
  4. Oft werden Leute zu einem Statement aufgefordert und dann labern die nur Blödsinn. Das ist so auffällig und einfach zu durchschauen.
    Feature Request: Ein „Mind-Reader“, der die Gedanken des Sprechers in einer Sprechblase darstellt. Sagt der Teilnehmer zum Beispiel: „Danke, aber ich hätte das nicht besser formulieren können als mein Vorredner. Ich bin dabei, ihr habt mein volles Commitment“. Dann stünde über ihm geschrieben. „Worum geht‘s hier eigentlich, ich habe nicht aufgepasst und wo zum Henker bleibt der Lieferdienst?“
  5. Oft zeigen sich Teilnehmer überhaupt nicht und sagen nichts. Also nicht, dass ich sonderlich scharf drauf wäre, immer jeden sehen zu müssen. Aber wenn ich mir mehrere Stunden dieses Meeting gebe, erwarte ich das auch von Anderen.
    Feature Request: Ein Radius-und Bewegungskarte, die zeigt wo der Typ gerade herumschleicht. „Garage“, „Sauna“, „Geräteschuppen“, „Baumarkt“?
  6. Die ersten Konferenzsysteme funktionierten ja noch ohne Hintergrundbilder. Da musste man den Leuten in die verkramten Arbeitszimmer oder zugemüllten Küchen schauen. Heute sind die Hintergrundbilder sehr stabil und uns werden auch nicht mehr die Ohren abgeschnitten. Die Leute fühlen sich sicher und könnten im Prinzip sogar auf dem Klo sitzen oder auf eine Strandliege auf Mallorca, man würde es nicht merken.
    Feature Request: Die Hintergrundbilder spontan wegblenden und nur gegen Spende an Unicef wieder zulassen. Und ich verspreche: Die Spendenbereitschaft wäre ungeahnt hoch. Die Leute würden gar einer Einzugsermächtigung zustimmen.
  7. Das Hauptproblem ist eigentlich, dass man zu den Meetings immer noch persönlich erscheinen muss, oder?
    Feature Request: Ein „On behalf“-Login, da könnte ich dann jemanden einstellen, der sich statt meiner da hin hockt oder ich schicke einfach meinen Personal Blog Assistant >T.Bot. Das merkt doch eh keiner.   

Und hier zum Abschluss der Meeting-Woche noch etwas Musik:

Am I living in a box

Am I living in a cardboard box

Am I living in a box

Life goes in circles

Around and around circulating

I sometimes wonder

What’s moving underground

I’m escaping

I’ve found a way to break

Through this cellophane line

Cause I know what’s going on

In my own mind“

(C) Living in a Box

—> 320) Erfrischende Videokonferenzen – Vol 2