Das Feld Politik und Kommune will ich bald wieder verlassen. Aber vorher möchte ich noch ein paar Aufregbarkeiten bearbeiten, wo Politik und Kommune ein paar Meter mehr auf Familien zugehen könnte. Mir geht es jetzt nicht um Geldleistungen oder materielle Förderung. Die Unterstützung von Familien kann auch ganz direkt funktionieren bei Dienstleistungen, die der Staat direkt in der Hand hat. Nehmen wir ein Beispiel: Will eine Familie ins Ausland reisen, benötigt sie in der Regel Reise-Pässe. Um diese zu beantragen, müssen alle Familienmitglieder zum Amt! Was ist das für ein Unsinn? Damit man die Fingerabdrücke der Kinder nehmen kann, um sie vorsorglich mit Terror-Akten abzugleichen? Und wenn man es ganz genau nehmen würde, müsste ich eigentlich 4 Wartemarken ziehen oder 4 separate Termine online vereinbaren, um alle Anliegen vorzubringen. Ich würde die Tür des Zimmers mit meinem Pass-Antrag verlassen und sofort wieder umdrehen, klopfen und den nächsten Antrag für eines meiner Kinder einreichen. Zusätzlich muss man die Kids gegebenenfalls tagsüber aus der Schule reißen oder nach der Schule zum Amt eilen, damit man bis 18:00 das Ganze abgeschlossen hat. Warum müssen bei solchen Formalitäten Kinder anwesend sein? Und wenn sie wirklich anwesend sein müssen, warum gibt es im Bürgeramt keinen bevorzugten Familien-Service sondern nur die üblichen Wartemarken? Wer je mit einem Kind im Wartesaal eines Amtes gewartet hat, weiß wovon ich spreche. Den Sachbearbeitern mache ich gar keinen Vorwurf, die finden meistens praktikable Lösungen. Mir geht es um die Sensibilität der Institutionen an sich und deren Ignoranz gegenüber Familien.
Schlagwort: Berlin
6) Nach grün kommt tot
Ein einschneidendes Erlebnis, ist schon länger her, passt aber wunderbar in die Schublade „Ignoranz“. An einem Sonntag unternahmen wir einen kurzen Spaziergang in den nahegelegenen Park. Dazu mussten wir, wie immer, eine 6-spurige Straße überqueren und die zwei Tram-Gleise in der Mitte. Das Vorhaben wird durch drei Ampeln geregelt – eigentlich überhaupt kein Problem. Wie warteten an der roten Fußgänger-Ampel und als nun endlich grün war, betrat meine Tochter ein paar Milli-Sekunden vor uns Eltern und Großeltern die Straße. Ich bestätige hier noch einmal, für uns war grün. In diesem Moment bretterte ein Auto über die Kreuzung. Es fehlten ungefähr noch 30 Zentimeter, dann hätten wir eine Anzeige in der Lokalzeitung schalten können. „Schulplatz unverhofft abzugeben, Kinderbett und Spielzeug gibt’s gratis dazu“. Rein rechtlich, hätten wir Eltern wahrscheinlich sogar noch unsere Aufsichtspflicht verletzt, weil wir den Übergang nicht abgesichert hatten. Tja, da kann man nichts machen. Lautes Veto! Politik und Verkehrslenkung kann mehr tun, als Verkehrsinseln und Tempo-30-Zonen zu bauen. Bei jedem Verkehrsvergehen gegen Kinder, sollte das Bußgeld verdreifacht werden. Das tut bestimmt weh und ich wette, dass ist effektiver. Diese Inseln bieten zwar Zuflucht, wenn die Kinder-Beine kürzer als der noch vor ihnen liegende Weg sind, es schützt aber kaum vor Voll-Idioten, die Gas und Bremse verwechseln und bei Dunkel-Rot über eine Kreuzung knallen. „Das kann doch mal passieren, es war ja vermutlich auch nicht mit Absicht des Auto-Fahrers geschehen, oder?“ Da habe ich so meine Zweifel! Warum ist er ohne anzuhalten einfach weitergefahren? Weil ja eben „nichts“ passiert war? Hätte er nicht anhalten können, um sich wenigsten mal zu entschuldigen? Hätte er denn gehalten, wenn meine Tochter nach einem dumpfen Knall durch die Luft geflogen wäre? Wäre das dann ein angemessener Grund, die eilige Fahrt zu unterbrechen? Nun, ja. Meine Tochter war zumindest zutiefst verunsichert, schließlich hatte sie alles richtig gemacht. Äußerlich war sie zwar nicht verletzt, aber das Ereignis wirkt nach. Traue nie einer Ampel.
Frühere Beiträge zum Thema Straßenverkehr:
5) Die Kinder-Taste
Mein erstes Beispiel für eine „Bevormundung,“ ist, wenn sich Politiker in den Medien mit meinem Familienalltag beschäftigen. Insbesondere dann, wenn sie selbst gar keine Kinder haben oder gar Personal, welches deren Alltag organisiert. Ein Beispiel: In einigen Städten gibt es wohl an Park-Automaten eine sogenannte „Brötchen-Taste“. Mit dieser Taste kann man quasi umsonst parken, weil das Brötchenkaufen ja nur 5 Minuten dauert. Ich brauche so etwas nicht, weil unser Bäcker in Laufweite ist. Aber die Idee finde ich gut. Vor einiger Zeit gab es mal in Berlin die Diskussion, eine ähnliche Taste auch an Park-Automaten vor Schulen anzubieten. Quasi eine „Kinder-Taste“. Diese Idee gefiel mir schon besser. Das Kinderabgeben dauert ungefähr genauso lange wie das Brötchenkaufen und eine solche Taste am Automaten würde den Eltern Stress und Geld sparen. Und wie argumentierte daraufhin ein Kommunal-Politiker in einer Zeitung? Nicht etwa mit Zahlen, fehlenden Budgets oder logistischen Problemen. Nein, er entledigte sich der Diskussion mit dem Statement: „Das wäre das völlig falsche Signal an die Kinder. Man solle doch lieber mit der Bahn fahren und den Kindern ein Umweltbewusstsein vermitteln“. Punkt. Erstens ist er überhaupt nicht auf die Fragestellung eingegangen. Zweites unterstellt er, dass Eltern die Kinder zur Schule mit dem Auto fahren, die Umwelt egal ist. Geht’s denn noch? Die Brötchentaste bleibt bestehen, damit der faule Bürger mit dem Auto zum Bäcker fahren kann? Kinder und Eltern rutschen in die hinteren Reihen und sollen doch zusehen, wie sie in die Schule kommen. Ich habe mich beim Lesen des Artikels übel aufgeregt. Der scheint wohl noch nie zwei Kinder und deren Rucksäcke mit der Bahn in die Grundschule gebracht zu haben. Natürlich geht das. Andere tun es, wir tun es ja auch, wenn es logistisch passt. Nur es funktioniert es eben nicht immer. Also ziehen die Eltern weiter Park-Tickets oder versuchen ihre Brut in der zweiten Reihe abzusetzen, ohne dass das Ordnungsamt davon etwas sieht. Großartig.
4) Wer sind diese Egoisten
Ja, wer sind denn aber diese Egoisten, diese Ignoranten, die Menschen, die sich einmischen, uns beeinflussen oder bevormunden? Das ist eine gute Frage. Grundsätzlich, würde ich sagen, es sind immer die anderen. Ganz klar. Ich bin es natürlich nicht. Aber der Reihe nach. Das Feld von Einmischung und Bevormundung und häufig von der öffentlichen Hand, deren Institutionen und unseren Volksvertretern besetzt. Das reicht von deplatzierten Statements in der Presse bis hin zu völlig sinnfreien Regelungen. Aber auch die Privatwirtschaft nimmt Einfluss auf uns. Jeden Tag. Sei es in der Art wie wir konsumieren sollen oder was wir an Geld auszugeben haben. Der Natur-Egoismus und die Ignoranz sind sehr häufig unter uns Privatmenschen anzutreffen. Insbesondere wenn man eine Familie hat, wird man schnell Zeuge von diesem sehr groben Miteinander. Vielleicht sind die Familien auch besonders empfindlich. Zum einen versuchen Sie ihren Kindern Werte beizubringen, zum anderen erfahren sie aber mit voller Härte, was andere Mitmenschen davon halten. Nichts. Familien sind aber nicht nur Opfer sondern auch Keimstätte für kräftige Ellbogen. Auch Familien haben ihren Anteil daran an dem Miteinander. Insbesondere dann, wenn sie zum verlängerten Ellbogen der Eltern werden. Und nun? Nun, ich denke es wird langsam Zeit für ein paar Geschichten aus dem Großstadt-Alltag. Dabei werde ich häufiger den Scheinwerfer auf Alltagssituation richten, bei denen es um unsere kleinen Zweibeiner geht. Für uns Erwachsene ist es vermutlich eh schon zu spät, der nächsten Generation können wir hoffentlich noch ein besseres Beispiel sein und etwas Anderes vorleben. Das ein oder andere Mal werde ich auch im persönlichen Familienarchiv wühlen und ein paar Geschichten preisgeben.
1) Metropolen-Egoismus (Intro)
Metropolen-Egoismus? Was für ein eigenartiger Name für die Rubrik? Da möchte ich auch gar nicht widersprechen. Ich habe lange überlegt, wie ich das hier nennen könnte und es ist leider nichts vor meinem Inneren Auge erschienen, was vielleicht etwas cooler klingen würde. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich der Titel noch gar nicht so sehr festlegen will, er will noch etwas mehr Spielraum lassen und vielleicht mehrere Felder bedienen. Wir werden sehen, was sich so ergibt. Und was kann der Leser nun hier erwarten? Einen erhobenen Zeigefinger, dass wir doch alle etwas rücksichtsvoller miteinander umgehen sollen? Nein, diesen Anspruch haben die Texte nicht, obwohl das sicher mal dringend nötig wäre. Was wird es dann? Ein Klagelied auf die Ellbogengesellschaft? Nein, ich will auch nicht klagen. Klagen bringt nicht viel, besonders dann, wenn alles beim Alten bleibt und man nichts verändert. Ich will eher einladen zu einer kleinen geführten Sightseeing-Tour durch das häufig doch sehr raue Berlin. Besonders an den hässlichen Sehenswürdigkeiten des täglichen Miteinanders möchte ich gern etwas verweilen, ich will das Licht anschalten und die Kamera drauf richten. Das Übel ans Tageslicht zerren und öffentlich zur Schau stellen. Tja, was könnte dann sonst noch enthalten sein? Ein Appell an die Moral, Sitte und Anstand? Ja vielleicht ein wenig davon, denn es hört heute ja meist bereits dann schon auf, nachdem man einer alten klapperigen Frau in der Straßenbahn den eigenen Sitzplatz anbietet oder im Weg eines blinden Mannes etwas korrigierend eingreift. Und selbst diese Selbstverständlichkeiten scheinen vergessen worden zu sein.


