93) Wie lange dauert’n Dach noch?

Ich glaub’s ja nich’. Die Baustelle am Haus gegenüber wird aufgelöst.

Seit 2020 (!) baut man da Dachstühle aus. Weil die Wohnungen in Berlin doch so knapp sind, war halt „Eile“ geboten.

Nein, soweit ich das sehen kann, wurden keine goldenen Badewannen verbaut. Auch keine Dachgärten, Swimmingpools oder Hubschrauberlandeplätze. Nee.

Dach wegnehmen, neues Dach draufsetzen und innen ausbauen. That’s it.

Na ja … aber dann kamen … Corona-Pandemie, Lieferkettenkrise, Suezkanal-Blockade, Rohstoffmangel, Baustoffmangel, Halbleiterkrise, Hochwasserkatastrophe, Ukrainekrieg, Energiekrise, Gaskrise, Inflation, Niedrigwasser, Hochwasser, Zinskrise, Fachkräftemangel, Baukrise, Haushaltskrise, Rezession, Zollkonflikte, Hormus … dann die böse Bahn … Demographie … Stadtbild … Fußball-WM … Sommer … Waldbrände … die böse KI … die böse AfD … der böse Putin … und die Drohne in Leipzig … nicht vergessen … furchtbar … alles … so furchtbar.

In ungefähr der Hälfte der Zeit haben die Italiener in Genua eine eingestürzte Autobahnbrücke neu gebaut, die Inder einen Flughafen hingestellt und die Franzosen Notre-Dame nach einem verheerenden Brand wiederaufgebaut … während hier jahrelang entweder Gerüste standen, die Straße halbseitig gesperrt war … oder beides.

Aber ich will ja nich’ meck’an …

Immerhin gibt’s jetzt wieder ein paar mehr Parkplätze.

Schönen Dach noch!

 

Und ein paar Blogbeiträge sind in dem Kontext ja auch entstanden:

Zum Schluß noch ein paar Titel, die ich mit der KI diskutiert habe … zu schade, sie nicht zu bringen.

Abspann …

  • Alles unter Dach und Fach
  • Dach überm Kopf
  • Dach der Dinge
  • Das dauert noch ein Dach
  • Ach du dickes Dach
  • Dach fertig. Welt gerettet.
  • Das Dach der langen Dinge
  • Am Ende wird alles Dach

92) Hatz, Hast und Hetze

Über Hass und Hetze wird viel geschrieben. Zurecht, denn da gibt es ein paar sehr gefährliche Entwicklungen. Aber heute will ich mal über Hatz, Hast und Hetze in Berlin schreiben.

Denn gerade wenn man nach längerer Zeit wieder zurück nach Berlin kommt, merkt man sofort, wie scheinbar irre hier doch alle sind.

Hat man sich im Ausland irgendwann damit abgefunden oder sogar angefreundet, mit 90 km/h unterwegs zu sein, hat man das Laissez-faire und eine gewisse Langsamkeit genossen, ist das spätestens mit dem Überfahren der Berliner Stadtgrenze vorbei.

Man fragt sich unweigerlich: Habe ich vielleicht die Benimmregeln am Ortseingangsschild übersehen?

 

Achtung, Sie betreten den Sektor Berlin.

Ab sofort eilen Sie mit Tunnelblick durch die Straßen. Schauen Sie dabei möglichst griesgrämig drein und/oder auf Ihr Handy.

Gehen Sie bloß nicht zu langsam. Die Richtgeschwindigkeit beträgt mindestens 20 Prozent über normal.

Blockierte Rolltreppen dürfen ausdrücklich mit Schnaufen, Augenrollen oder der Aufforderung „Ick hab ja Zeit“ geräumt werden. Im Zweifel quetschen Sie sich einfach vorbei. Ob dabei jemand vornüberkippt, ist zweitrangig.

Sollten Sie irgendwo warten müssen, machen Sie durch hektisches Schauen, Seufzen und demonstratives Kontrollieren der Uhr deutlich, dass Ihre Zeit wertvoller ist als die aller anderen Herumirrenden.

Wird im Supermarkt zögerlich eine zweite Kasse aufgerufen, verlassen Sie unverzüglich die bisherige Schlange und arbeiten sich in Wayne-Rooney-Manier durch das Mittelfeld nach vorn zum Ziel. Wer zuerst an der neuen Kasse steht, hat gewonnen.

Erwachsene Radfahrerinnen und Radfahrer sind gehalten, bevorzugt die Fußwege zu nutzen. Das verschafft einen zeitlichen Vorteil und schont auf dem vorkriegszeitlichen Berliner Straßenpflaster Fahrrad, Handgelenke und unteren Rücken.

Ampelsignale sind ab sofort weitgehend irrelevant, bestenfalls Empfehlungen. Auch wenn Kinder am Straßenrand stehen, müssen Sie selbstverständlich kein Vorbild sein.

Wenn eine Bahn das Abfahrtssignal gibt, werfen Sie sich mit aller Kraft gegen die Türen. Blockieren Sie diese mit Rucksäcken, Taschen oder allem anderen, was Sie gerade dabeihaben. Sie haben schließlich einen Anspruch auf genau diese Bahn.

Sollte die Bahn trotzdem abfahren, hämmern Sie wütend gegen die Türen, spucken Sie gegen die Scheiben und flippen Sie ruhig ein wenig aus.

Nimmt Ihnen jemand die Vorfahrt, steigen Sie aus, gehen Sie zum Fenster des anderen und drohen Sie ihm Prügel an. Vergessen Sie dabei bitte nicht, ordentlich zu blöken. Schließlich müssen auch alle anderen Verkehrsteilnehmer und Anwohner erfahren, dass Ihnen gerade Unrecht widerfahren ist.

Und sollten Sie dieses Schild übersehen haben: Keine Sorge.

Es ist ansteckend. Sie werden sehen.

Willkommen in Berlin.

 

PS: Titelbild via KI

91) Buddelflink und Maulwurf in der großen Stadt

Als ich ein kleiner Junge war, liefen im Fernsehen entweder „Buddelflink“, diese Puppenfigur aus der DDR, oder „Der kleine Maulwurf“ aus der damaligen CSSR. Beides knuffige Figuren, die für ihr Leben gern buddelten. Die Sendungen dauerten ein paar Minuten, dann war das Buddel-Erlebnis auch schon wieder vorbei.

In Berlin ist das anders. Hier wird gebuddelt, was das Zeug hält. Am liebsten erst mal alles „auf“, dann verschwinden alle in die Pause und irgendwann, ganz langsam, wieder „zu“. Und dann geht das wieder von vorn los.

Es läuft immer nach folgendem Schema:

  • Es beginnt meist mit verdächtigen Markierungen auf dem Gehweg. Leuchtend rosa, gelb oder grün.
    Da ahnt man schon, was demnächst anrollt: Bauzäune, Baken, Pylonen und die nächsten Monate Ausnahmezustand.
  • Dann kommt eine Firma und setzt neue Laternenmasten.
  • Monate später taucht die nächste Firma auf, um diese neuen Laternenmasten mit Strom zu versorgen.
  • Wieder Monate später baut eine weitere Firma die alten Laternenmasten ab.
  • Dann die Jungs vom Frischwasser …
  • Die vom Abwasser …
  • Die mit dem Glasfaser …
  • Die mit den Lade-Säulen …
  • und so weiter und so weiter.

Ja, von Planwirtschaft und mag man halten, was man will.

Aber das hier ist einfach nur bekloppt.

Mit Effizienz, Ressourcenschonung oder einem halbwegs intelligenten Umgang mit Budgets und den Nerven der Anwohner hat das jedenfalls nichts mehr zu tun.

 

PS: Das Basis Foto fürs Titelbild ist von mir, danach veredelt von KI. Interessant zu beobachten, wie schwer sich amerikanische KI tut, den Buddelflink aus dem Osten halbwegs detailgetreu hinzukriegen. Der war zwar nie so fusselig, aber so gehts halbwegs. Meine Güte … kann doch alles nicht so schwer sein …

90) StVO in kurz (Autofahrer-Edition)

Nach der Veröffentlichung von > 89) StVO in kurz (Radler-Edition) kamen einige Kommentare, die auf die Autofahrer verwiesen. Natürlich. Völlig zu Recht. Die sollten ihr (Maschinen-)Fett auch noch abbekommen.

Aber, in dem Artikel ging es mir bewusst um die Schwierigkeiten, in die sich Radfahrer selbst bringen, zusätzlich zu den Risiken, die ohnehin von Autofahrern ausgehen.

Und ehrlich gesagt lehne ich mich vermutlich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die meisten „Bei-Rot-Fahrer“ eher zwei Räder unter sich haben als vier. Aber gut. No offence. Peace.

Nun also auch für die Autofahrer die Top 5 der StVO, stark komprimiert, solange die Aufmerksamkeit noch mitmacht.

  1. Die gelbe Ampel heißt „Kreuzung räumen“ bzw. auch „nicht mehr befahren“. Dieses „dunkelorange, passt noch“-Manöver ist einfach unnötig. Macht lieber kurz Pause, schnauft mal durch und genießt es. So lang sind unsere Rotphasen wirklich nicht. In Indien zum Beispiel sind die viel, viel, viel länger.
  2. Tempo-30-Schilder, ja, die können nerven. Verstehe ich. Aber wenn gleich mehrere davon in Wohngebieten oder vor Schulen stehen, dann hat das meistens einen Grund. Und nein, „Baufirma hat’s vergessen“ gehört eher nicht dazu. Fahrt meinetwegen ein bisschen drüber. Wirklich. Aber 60 km/h aufwärts ist dann nicht mehr „bisschen“, sondern einfach nur drüber. Besonders in meiner Straße.
  3. Wenn du stolz auf deine PS-starke Karre bist und das auch zeigen willst, bitte, nur zu. Aber bitte irgendwo anders. Kavalierstarts, röhrende Motoren, quietschende Reifen und dieses „dicke Hose“-Getue ziehen so gar nicht. Schau mal in den Rückspiegel, da siehst du vor allem Leute, die sich an den Kopf fassen.
  4. Wenn du die Fahrertür öffnest, dann denk doch bitte vorher einmal drüber nach, was passiert, wenn jemand von hinten auf zwei Rädern angerollt kommt. Ein Kind knallt vermutlich dagegen, ein Erwachsener fliegt im hohen Bogen drüber. Beides ist nicht gut. Die Physik ist da ziemlich konsequent.
  5. Parkraum ist knapp. I know. Aber auch mit Mietwagen gilt: Die Karre gehört nicht einfach mitten in den Weg gestellt. Fußgänger sind keine Lemminge, die man kreativ ums Auto herum organisiert, weder unten drunter noch oben drüber. Und ja, es gibt auch Menschen, die nix sehen. Wenn’s kein Parkplatz ist, dann ist es keiner. Auch nicht für dich.

Das sollte reichen

Gute Fahrt.

PS: Titelbild via KI … wie man unschwer erkennt

 

89) StVO in kurz (Radler-Edition)

Mit der Anzahl der Sonnenstunden steigt auch die Anzahl der Radfahrer in der Stadt. Exponentiell. Eigentlich hab ich gar nichts dagegen, fänd‘ nur gut, wenn sie sich alle wenigstens an ein paar Basics halten.

Ich will jetzt hier nicht die knapp 50 Paragraphen der StVO runterbeten, aber zur Erinnerung wenigstens fünf Hinweise, denn wenn ich euch umfahre, bin ich mit dran und ich habe eigentlich andere Pläne.

  1. Das weiße Dreieck mit dem roten Rahmen heißt „Vorfahrt gewähren“. Das hat nichts mit „Gewehr“ zu tun, also durchballern, sondern meint, dem Verkehr von links oder rechts die Vorfahrt zu lassen. Ihr müsst also waaaaaaarten. Doof. Ich weiß.
  2. Das rote Achteck mit den vier Buchstaben, meint ähnliches. Ich will nicht so kleinlich sein. Ob ihr kurz anhaltet ist mir persönlich egal, Hauptsache ihr fahrt nicht einfach drüber, denn Autos kommen im Schnitt mit 40 – 50 km/h und 1,5 Tonnen daher, da zieht ihr den Kürzeren und dann vielleicht nie wieder einen.
  3. Ampeln, dass sind diese nervigen roten Lichter an der Kreuzung, sind eine Mischung aus 1. und 2., ihr müsst nicht viel nachdenken, sondern einfach nur warten, bis es grün wird. Von mir aus könnt ihr in der Zeit auch das Handy checken, an der Vape nuckeln oder einen Joint drehen. Mir schnuppe.
  4. Rechts vor links … ja ich weiß, rechts und links auseinander zu halten, ist nicht so einfach. Aber wenn ihr euch unsicher seid, dann knallt nicht selbstbewusst die Straße runter, sondern denkt dran, dass Autofahrer davon ausgehen, dass sie fahren dürfen und auch kein 360° Teleskop Gelenk unter dem Denkorgan haben.
  5. Mir ist auch Wurscht*, ob ihr einen Helm tragt oder nicht, müsst ihr wissen. Aber fahrt im Dunkeln nicht in Grufti-Klamotten und ohne Licht. Man sieht euch einfach nicht. Trust me! Wickelt euch ne Weihnachtskette um den Hals, steckt euch eine USB Lampe irgendwo hin, werft euch fluoreszierendes drüber. Gibt ne Menge schicker Gadgets.

So, nun gut jetzt, ich will auch nicht nerven.

Gute Fahrt!

*) Wurscht gilt nicht für die Jugend hier, die ihre Beine unter meinen Tisch steckt

 

PS: Titelbild via KI

88) Stromausfall-ismus

Dass Teile des Berliner Südwestens seit Tagen ohne Strom sind, dürfte sich inzwischen bundesweit herumgesprochen haben. Das ist nicht witzig, schon gar nicht bei diesen Temperaturen, und ich will das auch in keiner Weise verharmlosen. Eine Gruppe Irrer hat eine Kabelbrücke über einem Kanal in Brand gesetzt. Dass die Reparatur bei Frost und unter diesen Bedingungen technisch anspruchsvoll ist, kann ich akzeptieren.

Was ich nicht akzeptiere, ist das politische Framing und der Umgang mit der Krise.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner kehrt sichtbar gut erholt aus dem Winterurlaub zurück und spricht reflexhaft von Links-Extremismus. Zwei Tage später sind wir medial bereits beim Links-Terrorismus angekommen. Wer vor wenigen Monaten noch als störender Klima-Kleber oder nerviger Klima-Aktivist galt, wird nun begrifflich in dieselbe Schublade gesteckt wie die RAF? 

Sorry, aber das ist kein Erkenntnisgewinn, sondern ein Ablenkungsmanöver. Markige Begriffe ersetzen keine Analyse und schon gar kein Krisenmanagement. Wenn es schon ein „-ismus“ sein muss, dann vielleicht Krisen-Dilettantismus oder Missmanagement-ismus.

Wenn Herr Wegner feststellt, dass solche Sabotageakte bereits mehrfach vorgekommen sind, dann hat er recht. Erstens wissen wir das alle und zweitens unterstreicht er damit aber vor allem eines, die offenkundige Unprofessionalität im Umgang damit. Wiederholte Vorfälle ohne sichtbare Vorsorge oder funktionierende Notfallkonzepte sind kein Beleg für Entschlossenheit, sondern für Versäumnisse. „Die Stadt soll wieder funktionieren“ hieß es noch im Wahlkampf. Ja … bitte, gern doch.

Zeitweise waren rund 50.000 Menschen betroffen, aber eben auch „nur“ etwa 1,2 Prozent der Berliner Bevölkerung. Und trotzdem schafft es diese hippe Hauptstadt nicht, kurzfristig Wärme, Unterkünfte und Strom zum Laden von Handys bereitzustellen. Der Berliner Flughafen managed täglich rund 70.000 Menschen, nicht unbedingt vergleichbar, aber nur um mal eine Größenordnung zu geben

Heute, am 7. Januar um 9:30 Uhr, erreichte uns dann die nächste Warnung per Cell-Broadcasting. Stromausfall in der gesamten Stadt. Das war aber dann eine große Cell die da bebroadcasted wurde … und man wunderte sich, was das nun wieder soll.

Also bitte, hören Sie auf mit ideologischen Nebelkerzen und kümmern Sie sich um Ihre Hausaufgaben. Wenn man sich nur ausmalt, was passiert wäre, hätte es mehrere Stellen gleichzeitig getroffen oder wäre das Ganze noch umfassender durch einen gezielten Cyberangriff von weiter ostwärts ausgelöst worden, dann bleibt nur ein Gedanke.

Gute Nacht, Marie.

87) Berliner Digitalverhalt – Vol 4

„Nichts dergleichen werde ich tun. Ich warte bis September, da müsste der alte Ausweis ablaufen. Bis dahin lasse ich den Antrag und den Zahlungsbeleg auf dem Armaturenbrett liegen, und gut ist.“

So endete mein Beitrag >Berliner Digitalverhalt Vol 3, in dem ich die frustrierenden Erfahrungen beschrieb, einen grünen, klebrigen Parkausweis für die neue Familienkutsche zu bekommen. Tja, und das tat ich dann auch. Immer wenn der Wagen im letzten halben Jahr draußen stand und nicht in der Garage. Hat bestens funktioniert und ist ein Beweis dafür, dass das Modell „print your own Parkausweis“ möglich wäre.

Nun ist also September. Der Parkausweis, der an meinem alten Auto klebt und vermutlich irgendwo im Mittleren Osten oder in Nordafrika herumfährt, ist abgelaufen, und ich kann einen neuen bestellen. Also am 13. September ran an den Computer, das neue Berliner Service Portal aufgerufen, das Online Formular ausgefüllt, die Kreditkarte eingegeben und auf „Senden“ geklickt. Fehler … Error … Seite nicht mehr gültig … something. Nerv. Im selben Moment wird aber die Abbuchung der Gebühr in der Banking App bestätigt. Eine Eingangsbestätigung oder andere E Mails der Parkausweisgenehmigungsundbeschriftungsbehörde bleiben jedoch aus.

Dieses mulmige Gefühl im Bauch ertrug ich zwei Wochen, dann schrieb ich Ende September eine E-Mail an dieses Amt. Reaktion? Null.

Und dann kam ich auf eine Idee, wie ich dieses System dribbeln könnte. Ich beantragte und zahlte einfach noch einen Anwohnerparkausweis. Daraufhin folgten gleich drei E-Mails, und der Aufkleber lag schon am 05.10.2025 bei mir im Briefkasten. Handgeschrieben, begleitet von drei Seiten Papier. Wow, dachte ich. Das ging aber flott. Doppelt zahlen, halbe Bearbeitungszeit?

Irrtum. Beim genauen Hinsehen ging es um die erste Beantragung vom 13. September.

Also entweder kriege ich demnächst noch einen weiteren Aufkleber oder eine Belehrung vom Amt, dass dies eine persönliche Urkunde und diese nur einfach … … …

mit freundlichen Grüßen

PS: Titelbild via ChatGPT

86) Stell‘ ab!

Laut der schlauen KI wird „Ein Fußgängerweg in Deutschland nach der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) definiert als ein Weg oder Teil der Straße, der ausschließlich dem Fußgängerverkehr vorbehalten ist.“ So, so.

Die StVO sollte an die Berliner Realität angepasst werden:

§ 47b STVO-E (Entwurf): Zweckentfremdung von Gehwegen

(1) Gehwege dienen vorrangig der dauerhaften Aufstellung beweglicher Gegenstände nicht-menschlicher Natur, insbesondere:

  •  a) Elektrokleinstfahrzeuge („E-Scooter“)
  •  b) Einkaufswagen
  •  c) Haushaltsmöbel mit „zu verschenken“-Hinweis
  •  d) Fahrräder in beliebigem Zustand

(2) Fußgängern ist die Nutzung von Gehwegen nur gestattet, sofern dort keine anderweitige Nutzung gemäß Absatz 1 erfolgt. In solchen Fällen ist die Fahrbahn zu benutzen, unter gebührender Vorsicht und Blickkontaktaufnahme mit dem Kfz-Verkehr.

(3) Zuwiderhandlungen können mit Geldbußen bis zu 5.000 EUR, zwei Wochen Ersatzfreiheitsstrafe oder temporärem Entzug des Mobiltelefons geahndet werden.

Denn dann könnte man das Angebot noch vervollständigen. Ein gefüllter Kühlschrank neben dem Sessel, eine Mikro-Welle oder Heißluftfritteuse für den kleinen Hunger zwischendurch und gern auch was zum Lesen. Eine Lampe vielleicht noch, im Winter wird‘s ja schon 16:00 Uhr dunkel. Einen ordentlichen Schreibtisch wegen der Ergonomie und ´nen Heizpilz. Ein Camping-Klo für‘s dringendste Bedürfnis, gutes WLAN vor allen Dingen und nebenan einen Späti.

PS: Kursiver Teil via ChatGPT

85) Pizza-Pappen … aus Gründen …

Na, Leute? Wie war die Runde gestern Abend? Ganz nice? Und warum könnt ihr faulen Säcke eure Pizza-Pappen nicht mitnehmen?

„Faul? Wir? So kann nur ein Spießer aus Prenzlauer Berg denken. Wir haben uns schon was dabei gedacht:“

Der Linke:

„Lieber Pfandflaschen-Sammler, ca. 500 m von hier liegen noch ein paar Flaschen von uns (nicht alle bringen Pfand), könntest du diese Pizza-Pappen bitte auch mitnehmen (wir haben dir auch ein Stück übrig gelassen, weil der Staat anscheinend nicht für seine Bürger sorgen kann).“

Der Grüne:

„Das sind Wertstoffe, wir haben die Pizza-Pappen restlos leergegessen und extra nicht zusammengefaltet, man kann sie sofort erneut verwenden, ganz ohne Energie zu verbrauchen, ohne Einsatz von Chemie.“ 

Der Tierschützer:

„Wir müssen auch an die Tiere in der Stadt denken, Füchse, Ratten, Krähen haben auch hart mit dem Klimawandel zu kämpfen.“ #biodiversitybypizza

Der AfD-ler:

„Daran sind nur die Inder, Pakistanis und Syrer schuld, denn würden die nicht diesen  kulturlosen Italo-Fraß in unsere deutschen Parks tragen, hätten wir das Problem nicht.“

Der CDU-ler:

„Warum kann man den Pizza-Bote nicht einfach wieder anrufen, dass er seine Pappen wieder mitnimmt? Da könnte man doch eine Geschäftsmodell draus machen, vielleicht so  zwei Euro pro Rücknahme, der fährt doch eh durch die Stadt.“

Der FDP-ler:

„Wir hätten die ja wirklich gerne in den Mülleimer gesteckt, aber der ist nun einmal rund. Der scheint wohl aus dem letzten Jahrtausend zu sein. Warum baut man denn bitte noch runde Mülleimer? Pizza-Pappen sind schließlich viereckig, Amazon-und Zalando-Pakete auch. Wir müssen das Technologie-offen betrachten und die Infrastruktur mit großen Investitionen zukunftstauglich machen.“

T.Head:

Labert nicht rum, Ihr seid stinkendfaul. Basta

84) E-Roller

„Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten“.

So ähnlich soll es wohl der chinesische General Nun Tsu formuliert haben.

(Später hat er dann ein Videokonferenzsystem erfunden. Der allbekannten Hinweis „Mach mal Zoom zu“ ist an seinen Namen angelehnt und den kennt seit der Pandemie ja nun wirklich jeder.) 

Aber ich schweife ab. Den „Feind studieren“, darum soll es gehen. Und genau das ging mir durch den Kopf, als ich dem Stammhalter vorschlug, mal gemeinsam eine Runde mit einem E-Roller zu drehen. Das erste Mal hatte ich mich hier im Sommer 2019 > 47) E-Sharing-Wahn darüber aufgeregt.

Hier meine Experience:

Na klar, die App runterladen und sich so ein Ding schnappen, ist natürlich verlockend. Die Roller sind stabiler, als ich dachte. Nur das Signalisieren des Abbiegens ist bei so einer schmalen Lenkerstange nicht ganz easy, aber ich glaube mit dem Problem, bin ich in Berlin eh allein. Die meisten haben ein Handy in der Hand, da bleibt keine mehr fürs Handzeichen frei.

Auf glatten Straßen rollen die echt gut. Auf Berliner Pflaster wird man ordentlich durchgerüttelt. Die Beschleunigung ist supi, man hat zwei Bremsen und ’ne Klingel. Man ist dem Boden viel näher als auf einem Fahrrad, das hat schon seinen Charme. Man steigt schneller auf und ab, und es gibt keine Sattelstange wie beim Herrenrad. Trägt „Mann“ mal einen Anzug oder „Frau“ einen Rock oder Kleid, ist das definitiv praktischer, als einen Fahrradsattel zu besteigen.

Aber ein Schnäppchen ist es nicht:

18 Minuten für 5,60 Euro ist ein Wort. Und Kalorien verbrennt man auch keine.

Fazit:

Gar nicht soooo schlecht. Vielleicht mal für kurze Strecken oder zur Überbrückung zwischen ÖPNV und Ziel. Besonders dann, wenn man sich auf dem eigenen Fahrrad nicht wieder mit den ganzen Fahrrad-Rambos anlegen will.

Aber jetzt ist Schluss mit dem Lob.

Jetzt wird wieder gemeckert, schließlich sind wir in Berlin:

Du dämlicher Hornochse. Haben sie dir ins Gehirn geschissen? Warst du in der Schule Kreide holen, als das Wort Rücksicht besprochen wurde?

Wie blöd muss man eigentlich sein, seinen Roller nach der Miete mitten auf den Gehweg zu stellen? Ich meine, Ich kann da beim Joggen noch drüberhüpfen, nehme das sportlich. Aber hast du schon mal Menschen gesehen, die mit Sonnenbrille und weißem Stock durch die Stadt laufen? Oder andere, die auf eigenartigen Sitzmöbeln mit Rädern hocken. Gibt’s vielleicht nicht in deinem TikTok-Feed, aber hier im Viertel durchaus.

Vollidiot, Kackbratze, Honk, Pfeife, Vollpfosten, Knallcharge, Hirnkasper, Tütenkasper, Flachpfeife, Hackfresse, Dumpfbacke, Hirni, Dämlack, Trottel, … ich könnte noch weitere aufzählen … ist schon interessant wieviel Wörter es in der deutschen Sprache für solche Knalli‘s gibt, wird wohl einen Grund haben …