188) Wäre, hätte … Infektionskette

Man hört immer wieder schlaue Erkenntnisse, was man in der Pandemie hätte anders machen können. Oder sogar müssen. Wo falsche Entscheidungen getroffen wurden. Das ist einfach und beliebt, ganz besonders im Nachhinein 😉

Daher will ich jetzt hier nicht weiter darauf eingehen.

Die Worte „wäre“ und „hätte“ beschäftigen mich aber trotzdem im Corona-Kontext, allerdings auf einer anderen Ebene:

Wäre
Was wäre eigentlich geschehen, wenn uns diese Pandemie in den 80-er Jahren erwischt hätte?

  • Wäre es überhaupt dazu gekommen? Schließlich war der Tourismus noch nicht so extrem und die Grenzen waren ja mehr oder weniger dicht. Trotzdem, gereist wurde da ja auch schon, auch interkontinental.
  • Wo wären all die Daten hergekommen? All die Inzidenzen, Fallzahlen, R-Werte, die wir mittlerweile checken wie den Wetterbericht. Und uns dann schon aufregen, wenn die Zahlen vom Wochenende „noch nicht drin“ sind. Wie wären die ermittelt worden? Per Telefon, Fernschreiber, Telegram?
  • Wie wären Schule und Arbeit damals abgelaufen? Homeoffice, Homeschooling gab‘s nicht. Tragbare PC’s waren erst am Entstehen, aber was hätte das „Tragen“ schon geholfen, gab es doch kein Internet in den Wohnungen. Nicht einmal Telefon überall.
  • Und wie wären Regierungen und Ordnungskräfte vorgegangen? Wäre das Militär auf den Straßen unterwegs? Hätte man ganze Stadtbezirke abgeriegelt und ausdörren lassen (Camus, Die Pest)?

Wie wäre das wohl gewesen???

Hätte
Und nun mal anders herum. Was hätten wir eigentlich auf dem Tisch, hätte uns die Pandemie nicht erwischt? Was hätte unser aller Aufmerksamkeit erreicht und an den Stammtischen diskutieren lassen?

  • Hätte unser Klima da seinen Platz? Hätten Greta und Future-Friends weiter demonstriert? Hätten sich „die alten“ immer noch drüber aufgeregt, dass die Kids erst einmal zur Schule gehen sollen, bevor sie sich anmaßen, die Welt zu retten?
  • Oder hätte die Digitalisierung und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt den Weg in die Nachrichten gefunden? Die anstehende Transformation von Beschäftigungs-und Einkommensstrukturen?
  • Vielleicht hätten wir aber auch unseren maßlosen Konsum thematisiert, der uns Europäern dank ausgeklügelter Lieferketten, die Bengalen-Billo-Shirts bis in den heimischen Kleiderschrank liefert.
  • Möglicherweise hätten wir uns mit flüchtenden Menschen beschäftigt, die ja auch noch „da“ sind und sich bald auf den Weg zu uns „hier“ machen? Hoffentlich auch mit deren Ursachen?

Wäre … hätte … Infektionskette.

Ich bin mal auf den kommenden Wahlkampf und die Schwerpunkte da gespannt.

191) Rückkehr ins Büro – Teil 1

Irgendwann wird der Tag kommen, an dem wir unsere Höhlen-Offices wieder verlassen werden. Die Arbeitgeber werden in die Büro-Türme rufen und die Human-Resourcen sind mit dieser Entwicklung völlig überfordert.

So ungefähr wird’s wohl werden ;-):

  • Die Arbeitnehmer schauen sicherheitshalber noch einmal in ihre Arbeitsverträge, um sich zu vergewissern, dass sie noch die richtige Adresse im Kopf haben. 
  • Tag für Tag werden mehr blasse Homeworker auf die Straßen treten. Planlos und ausgemergelt von all den Tütensuppen, gehen sie das erste Mal seit langer Zeit wieder mehr als 30 Schritte am Stück. Krummbuckelig irren sie über die Fußwege und halten sich die Hände vor die Augen, da das Tageslicht die Netzhaut reizt.
  • In der Lobby der Firma steht eine Informationstafel, die an passable Kleidung erinnert. Piktogramme zeigen durchgestrichene Jogging-Hosen und Flip Flops. Auf einem Symbol für Unterwäsche, prangt „24h max!“.
  • Die erwünschte Körperhygiene wird auf jeder Etage und in den Aufzügen thematisiert. Übermäßig lange Vollbärte, behaarte Ohren und Rastalocken seien nur aus religiösen oder kulturhistorischen Gründen erlaubt.
  • Haben wir dann unser Büro erreicht und können uns noch an den Tür-Code erinnern, schreiten wir hinein in die Großraum-Höhle und rufen laut „Bling“. Dann rufen wir „Guten Morgen, könnt ihr mich hören?“
  • Kommt uns das Netzwerk irgendwie langsam vor, brüllen wir die ganze Etage zusammen. „Amelieeeeeeee, bist du etwa in Netfliiiiiiiix? Hier hängt alles! Man, ich muss hier arbeitööööön!“
  • Ist es um uns herum verdächtig still, fragen wir durch den Raum: „Jonaaaaaas, denkst du bitte an Englisch? Und dann noch GeWi und NaWi hochladen!“ 
  • Spinnt der PC rufen wir nur „Schaaaa-aatz, kannst du mal gucken, hier is‘ so ´ne komische Meldung“. (Danke Anke für diese Inspiration 😉
  • Gegen Mittag stehen ein Haufen bunter Fahrrad-Lieferdienste am Zaun und sorgt für Ärger mit dem Wachschutz. Die Lunch-Verträge mit den Homeworkern ließen sich nicht so kurzfristig beenden. Also werden die Koordinaten der Handy-Inhaber weiterhin mit Mittagessen beliefert.
  • Betriebsrat und Sozialberatung verteilen verschiedene Broschüren
    „Präsenzarbeit – 100 Tipps für eine neue Arbeitsform“
    „Büro-Knigge –  Für ein soziales Miteinander am Arbeitsplatz“
    „Auf Augenhöhe – Die Geheimnisse adulter Frontalkommunikation“

Video-Konferenzen wird es natürlich weiterhin geben, die Firmen sind auf den Geschmack gekommen. Aber wir werden unsere Hintergrundbilder tauschen. Ein verkramtes Bücherregal, ein Rennrad oder die Ehefrau, die im Bademantel durchs Bild huscht lassen uns nostalgisch zurückdenken an die schöne Zeit im Höhlen-Office.

So oder so ähnlich wird’s wohl werden, oder was denkt ihr?

—>Rückkehr ins Büro – Teil 2

190) Corona-Lektionen 79

Was für ein Sauwetter da draußen, wird es eigentlich gerade noch hell oder schon dunkel? Schwer auszumachen, ähnlich wie bei Corona.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Schule:
Der Sohn geht morgen mal wieder in die Schule, die Tochter noch nicht. Denn sie ist „A“. Pech gehabt, denn nächste Woche darf nur „B“ kommen. Und wenn sich das C weiter so verbreitet und die Inzidenz nach oben treibt, wird „B“ vermutlich nicht mehr so schnell in die Schule gehen. Die Mittelstufe hockt nun schon seit 14. Dezember zu Hause, das sind 18 (!) Wochen. Während mir langsam die Kopfhörer an den Ohren festwachsen, hatte das große Kind letzte Woche ganze 2 (!) Video-Calls. Digitales Lernen? Distanzunterricht? Hah! Deutsche Astronauten machten die „Sendung mit der Maus“ schon von der ISS aus, aber unser Bildungsapparat kriegt es seit 13 Monaten nicht auf die Reihe, regelmäßigen Video-Unterricht anzubieten. Auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sagt Frau Karliczek „Wir brauchen Mut zur Veränderung“. Was soll ich dazu sagen? Mehr als „bmbf“ kommt mir da nicht über die Lippen. Auf der Homepage unserer Ober-Digitalistin Dorothee Bär berichtet man von einem „Digitalgipfel am 30. November 2020“ auf dem man die „Digitale Schule von morgen“ diskutiert. Übernehmt euch bitte nicht. Macht doch bitte erst einmal digitale Schule von gestern! Von letzter Woche. Von letztem Monat! Vom letzten Jahr!

Lockdown:
Machen wir nun alles dicht? Besser noch nicht, wir warten mal noch ein klitze-kleines Bisschen. Und erfinden mal lieber noch ein paar Regeln. Die „Übersicht“ der aktuellen Regeln war am Wochenende in der Morgenpost abgedruckt. Diese Übersicht nahm eine halbe (!) Seite ein. Kein Wunder, dass viele Leute keinen Bock mehr haben. Nicht falsch verstehen, es muss Regeln geben, aber es ist zu viel und manches liest sich doch absurd. Zwischen 21:00 und 05:00 Uhr des Folgetags sind Zusammenkünfte mit haushaltsfremden Personen verboten. Alkohol kann man dagegen noch bis 23:00 Uhr kaufen, bevor es dann bis 06:00 Uhr am nächsten Morgen keinen Tropfen mehr gibt. Oh, das ist schon hart, oder? Also ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber zwischen 22:30 und 05:30 Uhr liege ich normalweise im Bett. Vermutlich tut das die Mehrheit hier. Es gibt aber auch Idioten, die nachts im Park immer noch dicke Partys feiern. Sollen die Ordnungshüter doch mal bitte dort vorbeischauen. Jedem eine Ordnungsstrafe von 1.000 EUR, Intensivbettennutzungsverbot für die nächsten drei Jahre und den Park saubermachen. Mit der Hand!

Ich stelle fest, der Beitrag kippt ins Aggressive. Am besten ich mach jetzt mal Schluss für heute.

Und jetzt kommt auch die Sonne raus 😉

Schönen Sonntag noch

T.

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183) Corona-Lektionen 78

So, Ostern wäre nun auch geschafft. Das Wetter war grau, kalt und feucht, für Unternehmungen im Freien eher weniger geeignet. Bestimmt steckt die Regierung dahinter, oder? Die wollen uns wohl alle in den eigenen vier Wänden wissen. Das ist doch offensichtlich! Daher rufe ich nun laut „Freiheit!, Freiheit!, Freiheit!“ und „Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk!“

Tut mir leid, eigentlich wollte ich sachlicher beginnen, ich kann aber nicht anders. In den letzten Tagen stolperte ich wieder durch verschiedene Realitäten, es fühlte sich an, als hätte ich fünf Spielfilme hintereinander geschaut und weiß nun gar nicht mehr, worum es bei denen eigentlich ging.

Lockdown
Das vegane Osterlamm ist vernascht, die Flasche alkoholfreier Osterschnaps steht beim Glascontainer und das CO2-freie Osterfeuer ist auch abgebrannt. Aber ab Morgen ist Schluß mit der Völlerei! Morgen wird zurückgekehrt an den Corona-Verhandlungstisch. Harter Lockdown? Oder das bisherige Stop-and-Go auf Sicht? Oder besser doch alles öffnen bevor die Deutschland AG den Bach runtergeht? Ich weiß es doch auch nicht, aber ich glaube, dieses Waschen ohne sich nass zu machen bringt’s auch nicht. Da geht der Dreck halt nicht ab. Also dann. Hinein in die Duschkabine, Hebel voll auf kalt drehen und dann Wasser Marsch!

Stuttgart
Apropos „Wasser Marsch“! Die Bilder der Demo aus Stuttgart kann ich nur schwer ertragen. Jeder soll demonstrieren, wenn ihm etwas nicht passt. Absolut ok. Und er soll klar sagen, was er stattdessen will. Vollkommen in Ordnung. Von mir aus. Aber ich kapiere nicht, was sie eigentlich wollen? Ich sehe und höre nur „Stimmt nicht“, „Lügen“, „Fake News“ und „Diktatur“. Aber das ist doch kein Argument, kein Ziel, keine Position. Stattdessen laufen zehntausend Menschen dichtgedrängt und „oben ohne“ durch die Stadt und die Polizei lässt sie gewähren. Jedes Bundesliga-Spiel ist da besser abgesichert. Wenn das Schule macht … oh oh.

Impfung
Aber vielleicht noch was „Positives“. Rund um das Impfzentrum hier in der Nähe war über die Ostertage deutlich Betrieb zu vernehmen. Kleinbusse rollten vom nahegelegenen S-Bahnhof heran, Taxen fuhren mit Licht und Warnblinker vor und setzten die „Impflinge“ am Eingang ab. Bürger mit Zettel in der Hand befragen die Ordner in ihren schicken grünen Westen. 

„Wo is’n hia dit Impfsentrum“
„Isset etwa noch sehr weit?
„Ham ´se och Biontech?

In diesem Sinne. Ärmel hoch!

PS:
Und zum Abschluss noch etwas Humor: Auf der Suche nach einem Urlaubshäuschen bemühen wir die Übersetzungsmaschine. 

Und da steht doch glatt:

„Rote amerikanische Küchenhilfe:
Wenn du unsere rote Küchenhilfe verwenden möchtest, beachte bitte, dass sie aus den USA stammt und einen Adapter benötigt – andernfalls bricht sie zusammen.“

Pahh! Wusste ich’s doch!

<— Corona-Lektionen 77

–> Corona-Lektionen 79

4) Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Liebe Leser, die Stimmung dieser Tage ist nicht allzu üppig. Es gibt aber auch positives zu berichten. Hermann war beim Impfen und berichtet „live“. Aber lest selbst. Es geht aufwärts!

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Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Verrückt, vor 5 Monaten habe ich hier dem Flughafen Tegel tschüss geschrieben und heute 9:30 Uhr stand ich mit ca. 300 anderen „best agern“ vorm früheren Touristen-Terminal C an, um hineinzukommen.

Der Parkplatz P5 war voll wie zu „alten“ Flugzeiten; die Leute allerdings ohne Gepäck, schön mit Maske und auf ca. 2 m Abstand. Sonnenschein, gelockerte Stimmung, nette Kurzgespräche mit den Anstehnachbarn.

Aber wie das?
Ich bin knapp 69 und wäre erst in etwa 2 Monaten zum Anti-Corona-Schuss dran gewesen. Nach dem Astra-Durcheinander hat der Senat schnell gehandelt und eine Hotline eingerichtet, wo man ohne die geordnete Einladung als 60-69-Jährige(r) telefonisch buchen und die vorhandenen Mengen Astra-Stoff bekommen kann.

Am Donnerstag erzählte mir meine Frau davon (im Radio gehört), ich hab´s aber in der Dauer-Corona-Benachrichtigungswelle nicht ernst genommen oder nur halb hingehört. (F1)

Freitag nachmittag fragte die Tochter, ob ich denn schon den Corona-Link von ihr gelesen hätte. (als Smartphone-Privat-Verweigerer leere ich normalerweise meinen E-Mail-Briefkasten am PC nach dem Frühstück). Diesmal nicht! (F2). So hat ihre Nachfrage meine Nachlässigkeiten (F1) und (F2) kompensiert und ich hatte doch noch die Chance zur Schnellbuchung und habe tatsächlich gegen 18:00 Uhr einen Termin für heute (!!!) 9:45 Uhr im Impfzentrum Ex-Airport Tegel buchen können.

Und so lief es dann ab

Gegen 9:15 Uhr Ankunft (wegen möglicher Nachwirkungen habe ich die Frauen und den Quasi-Schwiegersohn gebeten, mich zu chauffieren; bei einer Grippeschutzimpfung machen wir nicht so viel Action, aber Corona… ja, ist halt etwas Besonderes). Ca. 300 Leute standen vor mir, nach etwa 30 Minuten war ich drin. Überall Helfer, Security, Ordner, DRK-Leute, einige Soldaten. Man wird ständig geleitet, „ausbüchsen“ geht nicht (warum auch?) und wenn man folgsam ist, versteht man auch den Sinn der Schritte. Z.B. gibt es nach der Dokumentenüberprüfung und vorm eigentlichen Impfakt noch Wartebereiche als Puffer. Mein Wartebereich war auf ca. 40 Leute ausgelegt, Stühle auf 2 m Abstand, beim Eingang wird ein Stuhl zugewiesen (eine Frau wollte gern einen anderen Platz haben, der „Aufpasser“ blieb aber freundlich und deutlich bei seiner Zuweisung). Ebenso mit System bittet ein anderer Helfer den nächsten Impfling in die eigentliche Impfstraße und weist dort eine Kabine zu. Je nach Zeitaufwand gibt es Parallelstationen. So geht alles schön der Reihe nach und ist auch recht entspannt. 
Kurzes Gespräch mit dem Betreuer vor der Impfung: er arbeitet sonst in der Organisation für Musikveranstaltungen und ist froh, einen guten und nützlichen Job zu haben, netter Kerl.

10:30 Uhr ruhiges, ausreichendes Gespräch mit dem Impfarzt und dann der Schuss. Danach bis 11:00 Uhr im Abspannbereich, falls irgendetwas wäre. Freundliche Verabschiedung mit Schoko-Osterhasen.

Draußen wieder (immer noch ca. 300 Leute beim Anstehen in der Sonne), also der Durchlauf klappt.

Das Beste: alle leicht positiv aufgekratzt, freundlicher Umgang, kein Gemecker, so waren auch die vielen Helfer zwar konzentriert bei der Sache, aber auch immer nett und entspannt.

Kein Wunder: die Leute, die dort hingehen, freuen sich auf den Piekser!

(Jetzt 18:30; bisher gar keine Nachwirkungen)

Ende Gastbeitrag

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Also Leute, bleibt cool!
Und die Chancen stehen gut, dass ich dann doch noch mal nach Tegel komme. 😉

182) Corona-Lektionen 77

Vor einem Jahr habe ich in >> Corona-Lektionen 10 noch drüber sinniert, was wohl “Positives“ aus der Krise erwachsen könnte. Nun, ein Jahr später haben wir über die Mutationen quasi eine neue Pandemie und hocken zu Ostern wieder daheim. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Realitäten
Eine Kollegin aus England fragte mich gestern, wie es denn bei uns so vorwärts ginge mit dem Impfen. Ich begann zu stammeln. „Ahhmmm … well … actually … slowly … very slowly … because other countries bought more than …, …. we are at … 5% (… weil „ihr“ alles aufkauft und nichts rausrückt ihr Linksfahrer !!!!!) … hätte ich am liebsten hinzugefügt. Habe ich dann aber doch nicht. Kann die ja auch nichts für. Und ich, als EU-Bürger bin ja schließlich nicht so egoistisch.

Mich erreichte eine Nachricht aus einem Slum-Resettlement im Süd-Osten von New Delhi. Wenn man da über die „Straße“ geht, steht man im Dreck. Ich war schon zweimal dort, ich weiß wovon ich rede. Zitat: „All schools and colleges are still closed here and its effected on the children education but children are online studying at home. I am also studying at home. What is your situation there?“ Was soll ich da antworten? Dass der Mathe-Lehrer ganze zwei Video-Calls in einem Jahr hingekriegt hat? Das für Studienräte in Deutschland „Lernmittelfreiheit“ besteht, man ihnen also die Medien nicht vorschreiben darf? Dass man „schon“ vor zwei Wochen ein Rahmen-Papier verabschiedet hat, wie das Home-Schooling künftig besser laufen soll. Ich lach’ mich schlapp. 

Die Osterferien haben gestern begonnen, viele Familien sind über alle Berge und vergnügen sich dort bei den sieben Zwergen. Oder bei den sieben Mallorcinos. Schön für sie. Und in Berlin munkelt man, ob die Ferien nach Ferien-Ende vielleicht noch einmal verlängert werden, um die Welle zu brechen. Um im heimischen Covid-Abklingbecken noch etwas auszudunsten, bevor die Brut dann wieder in die Schule geschickt wird. Welch klasse Idee! Nach zwei Wochen Fun auf Malle, gibt‘s dann vielleicht noch mal zwei chillige Wochen oben drauf. Na Großartig!

Wer hat noch nicht? Wer mag noch eine Runde? 

„Die Hände zum Himmel … komm lass uns fröhlich sein …“. 

Nun weiß ich nicht mehr, wie ich hier nun noch die Kurve zu einem optimistischen Abschluss kriegen soll. Ich fürchte, dass wird heute nichts mehr. Tut mir leid, vielleicht nächstes Mal wieder.

Nachtrag 19:00: sorry, der Beitrag war irrtümlicherweise als Nummer 78 veröffentlich, es ist aber „erst“ die 77

Nachtrag 21:45: mit der Pressekonferenz soeben, ist das Impfen mit AstraZeneca unter 60 Jahren ausgesetzt. Grmpf.

<— Corona-Lektionen 76

—> Corona-Lektionen 78

181) Corona-Lektionen 76

Nachdem ich mir gestern die Wochenbeiträge der Herren Ehring, Nuhr, Welke und Böhmermann nacheinander reingezogen habe, ist mir heute irgendwie nicht danach, die Corona-Politik zu kommentieren. Stattdessen möchte ich heute mal wieder den kleinen Dingen des Corona-Alltags widmen.

Gewohnheiten
Nur mit Vernunft und Appellen ist der Krise nicht Herr*In zu werden. Die Menschen können das nicht. Sie fallen immer wieder in alte Verhaltensmuster zurück. 

Meine Beobachtungen der Woche:

  • Dem Korb-Zuteiler im REWE juckt die Nase. Also setzt er seine Maske ab, rubbelt sich mit der rechten Hand kräftig über seinen großen Riechkolben. Dann setzt er die Maske wieder auf, greift mit der rechten in den Stapel der Körbe und teilt weiter Körbe zu.
  • Beim Döner-Mann lädt das schmale Döner-Fenster zur Döner-Bestellung ein. Der Döner-Kunde steckt also den unmaskierten Kopf durchs schmale Döner-Fenster und brüllt seine Döner-Bestellung in Richtung Döner-Spieß. ABA OHNE SWIEBEL BÜTTE!
  • Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, das Reisen in den Ostferien zu vermeiden. Die Tiefgarage ist halbleer, Nachbarn werfen ihre Koffer in den SUV und brausen davon. Ich sollte mal das Radio einschalten, vielleicht habe ich eine Aufforderung zur Evakuierung verpasst?

Selbsttests
Der Sohn hat eine handvoll Selbsttests von der Schule bekommen. Ganz aufgeregt will er unbedingt einen Test machen und wir gönnen ihm diese „Experience“. Er packt das Test-Kit aus und folgt den Anweisungen. Auf mich wirkt das alles wie eine Mischung aus Briefwahl, Überraschungs-Ei und Fixer-Besteck. Auf der Video-Plattform rät man dazu, eine Wäscheklammer dazu zu nehmen. Oh je, jetzt erfolgt wohl der nächste Run. Auf Wäscheklammern. Nach 15 Minuten rennt er wie ein Weltmeister durch die Wohnung. Ich bin negatiiiiiiiiiv. Juhuu, ich biiiiiiin negaaaatiiiiiiiiv!

Ich: Man, jetzt sei doch nicht immer so negativ!

Corona-Bar
Bei uns um Flur steht eine Kommode. Die lädt gerade dazu ein, Schlüssel, Briefe, Fahrradhelme und Pizza-Flyer dort abzulegen. Seit dem letzten Jahr nutzen wir das Schwedische Möbel auch als Corona-Bar. Im Frühjahr 2020 lagen dort die selbstgenähten Masken, dann kam Desinfektionsmittel dazu, dann OP-Masken, dann FFP2-Masken und nun liegen da nun auch noch Schnelltests. Und eine Wäscheklammer. Wie vor einem Schaukasten, kann man wunderbar die technologischen Fortschritte der letzten 12 Monate bewundern. Es sieht aus wie in einem Corona-Museum. Oder Feldlazarett.

So, und noch was „positives“ zum Schluss. Im Familienkreis wurden die ersten Impf-Einladungen an die „um die 70-jährigen“ verschickt. Es geht also vorwärts.

Haltet durch!

<— Corona-Lektionen 75

—> Corona-Lektionen 77

180) Corona-Lektionen 75

Die 75. Folge der Corona-Lektionen ist da! Hätte ich ja nie gedacht. Bereits bei der 30. Ausgabe formulierte ich eine gewisse Sättigung und flüchtete mich abschließend in Humor. Aber wie fange ich den Beitrag hier heute nun an? Mhm. Ich habe eine Idee. Ich schreibe einfach ganz wenige Worte, nur Fragmente eigentlich und garantiere Emotionen pur. Aber lest selbst.

Osterei
Osterfeierta … Reisen … Mallorc … Lüneburger Hei … Gründonn … Zusätzlicher Ruheta … MPK … Beschlüsse … Fehler.

Na, dampft es im Kessel? Glaube ich gern. Es hat mich gerade mal 10 Begriffe gekostet und ich habe eure volle Aufmerksamkeit. Jeder BWL-er macht einen Luftsprung bei soviel Effizie …. Effektivi … im Affekt. Es wurde schon viel geschrieben, ich will nicht weiter bashen. Vielleicht trotzdem ein wenig anerkennen, dass die Kanzlerin so kurzfristig zurückrudert. Das gibt es auch nicht alle Tage. Respekt.

Dubai
Während wir also drüber diskutieren, ob wir die Urlauber wirklich nach Malle schicken sollten, damit die sich da gegenseitig anstecken und mit Corona-Gepäck wieder heim ins Reich fliegen, wird mein Beitrag > Postkarte aus Dubai vermehrt geklickt. Es müssen wirklich Deutschsprachige Reisende sein und meine Blogstatistik lokalisiert die Leser ganz klar in VAE. Was machen die da? Sind das diese O-P-Q-bis R-Promis, die sich da die Sonne auf die verblassten Mund-Nasen-Partien scheinen lassen? Na macht mal! Ich beneide euch nicht! Viel zu viel Sand, Wolkenkratzer aus Glas, kein gescheites Bier und eine fragwürdige Auffassung zu Gleichstellung und Nachhaltigkeit. Nee. 

Und täglich grüßt …
Routinen verschaffen Struktur und Ordnung, sagt man. So laufe ich jeden Morgen meine Standardrunde und sehe …

  • abgerockte > Sachspenden, die sich in der Nacht an Hauswände gelehnt haben
  • viele > Fahrradskelette, die ihrer Sattel und Lenker beraubt wurden
  • graue Gestalten, die schon um 07:30 pünktlich vorm Netto stehen. Moin. Plopp. Prost.
  • Hobby-Sportler, die sich von einem Personal Trainer triezen lassen
  • Mutti‘s, die Ihre Prenzl-Berger Brut in riesigen Holzkisten zur Schule kutschen oder im fetten SUV dort absetzen (> Kids-Drive In, > SUV im Prenzlauer Berg)

Und abends drehe ich dann noch eine Runde und treffe immer wieder auf die selben Situationen…

  • bei Hausnummer 60, strömt der Duft indischer Küche aus der Hochparterre. Och, lecker
  • an jeder Laterne hängen Zettel, die nach Schlüsselbunden, Hunden oder Wohnungen suchen
  • auf den Wegen liegen > E-Roller, die rot-oder grün leuchtend auf Kundschaft warten
  • am jüngst eröffneten Juppi-Neubau wurden die Scheiben eingeschlagen
  • bei Hausnummer 4 wieder mal Nebelschwaden. Brennt es? Nee, ist Cannabis. Na denn.

Alles in geordneten Verhältnissen.

<— Corona-Lektionen 74

> Corona-Lektionen 76

3) Postkarte aus … Pick-Up (Gastbeitrag Hermann

Liebe Leser, zu dieser Stunde diskutieren unserer Volksvertreter immer noch, ob wir nun zu Ostern verreisen dürfen und zu wem und wozu eigentlich. Da wir anscheinend noch etwas länger auf die leeren Stühle in der Presse-Konferenz glotzen werden, hier noch etwas Unterhaltung für zwischendurch und ein paar heiße Tipps für vergnügliche Oster-Reisen.
Ach ist das spannend, oder 😉 ?
Grüße, T.

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Corona–Ausflug in Berlin – Gastbeitrag von Hermann

T. hat uns ja mit Postkarten aus aller Welt an seinen Reisen und mit seinem wöchentlichen Corona-Tagebuch am aktuellen Alltag teilhaben lassen. 

Corona und Reisen – eine wahrhaft explosive Mischung – habe ich gestern auf ganz kleiner Flamme erlebt und sogar ein bisschen genossen.

Für eine kleine Heimwerkerei brauchte ich etwas Material, bestellte übers Netz bei einer bekannten Baumarktkette zum Abholen. Die Lieferei ist eh schon überlastet, die lokalen Werktätigen wollen ja auch was tun und das Auto sollte auch mal bewegt werden.

Zu diesem Mikro-Ausflug kam meine Frau mit, denn sie wollte mal was Anderes sehen, als Haus und Garten am Stadtrand.

Die Abholung ging schnell, neu waren auch Kunden mit Termin und sogar ohne Termin, dann mit extra- Registrierung. Baumärkte sind ja wegen Garten….. teilgeöffnet. Es gab  keinen Andrang, aber grad leer war es auch nicht, samstags gegen Mittag.

Und nun, mit der Beute schnell wieder nach Hause? 

Nein, wir machen einen kleinen, ökologisch verwerflichen und auch sonst nutzlosen Schlenker in Richtung Stadt (als Stadtrandler „fahren wir in die Stadt“, wenn wir uns in Richtung City bewegen). 

Am Tierpark vorbei (wäre mal ein Corona-Ausflugsziel), wie früher, dann mit den Kindern, heute mit den Enkeln, braucht aber gutes Wetter und aktuell eine time-slot-reservation.

Stadtteil Karlshorst, Treskowallee habe ich die letzten Jahre als Autofahrer gemieden, ewige Baustelle, nervige Staus – siehe da: FERTIG! Straßenbahn verlegt, S-Bahn-Brücke fertig, toll.

Weiter über die „Rummelsburger“, da stehen etliche neue Townhouses – nichts für Geringverdiener, weiter zum Ostkreuz. Eine langjährige Bahnhofsbaustelle – auch FERTIG!

Damit es keine Ganztagstour wird, über die Spree zurück, Kurs heimwärts. Treptower Park, Baumschulenweg nichts Neues an der Strecke. 

Schöneweide , Wilhelminenhofstraße, vor 100 Jahren eine Säule von Elektropolis, als Berlin das Weltzentrum der Elektroindustrie war. Heute restaurierte Backsteinindustriehallen, ein großes AEG erinnert an die Gründer. Das Industriegleis längs der Straße, mit dem noch vor 40 Jahren Großtransformatoren und Kabeltrommeln verladen wurden, ist weg und heute ein Radweg. Nix mehr Großproduktion. Abgewandert gen Westen oder wegglobalisiert.

Weiter durch die Ostendstraße, vorbei am früheren Werk für Fernsehelektronik, in dessen Bildröhrenwerk ich in den 70er öfter mal gejobbt habe als menschliches Bindeglied zwischen Hängeförderern und Bearbeitungsstationen. Mann, waren die Glasbildröhren schwer!

Weiter durch Köpenick, immer noch vertraut, aber beim Autofahren muss man höllisch aufpassen, denn die Straßenbahnhaltestellen sind teilweise komplett auf die eigentliche rechte Fahrspur gebaut und so erhöht, dass man barrierefrei direkt in die Straßenbahn rein kann. Für die ÖPNV-Nutzer prima, für mich in meinem kleinen koreanischen Corona-Käfig (Auto) manchmal „tricky“  — Zeichen der Veränderung.

Zum Abschluss der Mini-Tour gab es einen leckeren Döner vom Imbiss an unserer 
S-Bahnstation.

…… wie eingangs gesagt: ein kleiner Ausflug, den wir ohne Corona wohl nicht gemacht oder nicht so wahrgenommen hätten.

Vielleicht ein Tipp an die Mitleidenden, die eigene Umgebung wieder zu entdecken und die Veränderungen dort als Teil unseres Lebens (auch) zu genießen.

Foto: Ausschnitt einer Abholinformation der Firma Hellweg

179) Corona-Lektionen 74

Eine Einleitung verkneife ich mir heute mal. Ich will direkt einsteigen

Ganz charakteristisch für die aktuelle Zeit finde ich, wie schnell sich eine Information oder ein Zustand wieder in Luft auflöst.

Halbwertzeiten
Erst war ein Impfstoff nicht verfügbar, dann wurde er geliefert, aber taugte noch nicht für die Alten. Für Erwachsene freigegeben, wurde er jedoch verschmäht und lag sogar auf Halde. Andere wollten den Stoff sofort abnehmen, waren aber noch nicht dran. Dann traten Blutgerinsel auf und die Verimpfung wurde gestoppt. Der Stopp wurde wieder aufgehoben, die Praxen sollen nun endlich einsteigen. Es fühlt sich an, als diskutieren wir das schon seit Monaten. Stimmt aber gar nicht. Der Impfstoff wurde gerade mal vor sieben Wochen zugelassen, nur die Informationsmenge, die reicht für Monate.

Letzten Sonntag schrieb ich hier noch, dass die Tochter wieder in die Schule gehen darf. Dabei hatte ich mich doch glatt geirrt. Nach Ostern soll es so weit sein und ich überlegte, ob ich die Passage im Beitrag korrigieren sollte. Aber auf was genau? Was gilt denn eigentlich gerade? Ist die Zukunft nicht bereits schon wieder Schnee von gestern?

Vor ein paar Tagen wurde „Click and Meet“ erfunden und ich spielte mit dem Gedanken, mir auch mal so einen Termin zu verschaffen. Einfach mal was anderes sehen. Aber bevor ich mich überhaupt für einen Shop entschieden habe, wird nun schon gemunkelt, dass Konzept wieder herunterzufahren. Ein harter Lockdown erwartet uns. Schon wieder? Oder noch?

Ich komme nicht mehr mit. Ich würde gern mal 12 Wochen in Narkose gehen. Ich würde vermutlich nichts verpassen.


Nostalgie, Zwiegespräche und News-Detox
Am Freitag hatte ich noch etwas Zeit bis zu den Spätnachrichten. Ich stolperte über ein Depeche Mode Konzert von 2006 und stieg ein. Wogende Menschenmenge, Licht, Jubel, Mädels auf den Schultern ihrer Kerle. Wie aus einer anderen Zeit.

Das Intro zu „Behind the Wheel“ trommelt und die Menge tobt. 
Ich wippe mit und schaue auf die Uhr. 
„Oh die Nachrichten gehen gleich los. Ich sollte mal langsam umschalten.“

„Nein …, eine kurzen Moment noch“.

Wenig später dann „World in my Eyes“. Die Leute flippen aus.
Ich auch. Und hörte mit Corona-Ohren zu.

Let me take you on a trip
Around the world and back

‚ll take you to the highest mountain
To the depths of the deepest sea

Let me show you the world …

Und dann stand mir das Wasser in den Augen

Wieder der Blick auf die Uhr. Die Nachrichten haben bereits begonnen. 
„Jetzt müsste ich aber wirklich langsam mal …“

„Gleich … warte … ein bisschen genießen noch“

Es folgt die erste Zugabe mit „Judas“, einer Ballade.

Man will survive
The harshest conditions
And stay alive
Through difficult decisions

“Oh, gleich haut es mich aus der Kurve, ich sollte jetzt wirklich besser zu den Nachrichten …, sonst …“

„Nee, warte, es geht gleich wieder bergauf“

Zum Schluss dann „Never let me down again“.

We’re flying high
We’re watching the world pass us by
Never want to come down
Never want to put my feet back down on the ground

Wie recht sie doch haben, Applaus, Abgang, Wahnsinn.


Dann schaltete ich endlich zu den Nachrichten.
So, das war das Heute-Journal, hier geht es nun weiter mit dem Wetter.


Das waren die besten Nachrichten seit Wochen 😉

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