754) Kein‘ Bock mehr

Die letzten Wochen habe ich als extrem frustrierend empfunden. Egal, was ich voranbringen wollte, mir wurden mindestens zehn große Steine in den Weg gelegt. Im Großen wie im Kleinen, völlig egal.

  • Wenn ich in der Firma etwas an der eigenen IT verändern will, bekomme ich sofort diverse „Gründe“ geliefert und bürokratische Hürden präsentiert, die ich doch bitte „gern“ nehmen kann … wenn „ich“ denn unbedingt „will“.
  • Habe ich endlich jemanden in Asien eingearbeitet, der mir Dinge abnehmen soll, liebäugelt diese Person plötzlich mit einem Job bei der Konkurrenz, weil dort besser bezahlt wird.
  • Wenn ich möchte, dass die Hausverwaltung einfach nur ihren Job macht und endlich ein paar Mängel ernst nimmt, geht niemand ans Telefon oder E-Mails werden grundsätzlich ignoriert.
  • Habe ich heute Morgen endlich die „Zu-verschenken“-Kiste der Nachbarn im Müll entsorgt, steht am Nachmittag schon die nächste da. Ach wie nett. Und wie herzenswarm … sozial.
  • Wenn ich irgendeinen Vertrag ändern oder ein Abo kündigen will, brauche ich genau in diesem Moment plötzlich eine 95-Faktor-Authentifizierung und muss mein Passwort in eine einmalige „25-Zeichen-noch-nie-dagewesende-selbst-Einstein-würde-scheitern-Zeichenkette“ ändern.

Ich bin mega-genervt, ich könnte ein Buch darüber schreiben. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Tagen „Macht euren Scheiß doch selber“ oder „Ich hab’ keinen Bock mehr“ vor mich hin gebrabbelt habe.

Das Einzige, was halbwegs vorangeht, ist das, was ich selbst mache. Das ist dann nicht immer perfekt aber immerhin bewegt sich mal etwas. Aber das geht zulasten meiner Arbeitszeit … und Gesundheit sowieso.

Ich könnte niemals in die Politik gehen oder in eine Behörde. Das muss ja noch kräftezehrender sein. Die haben das jeden Tag. Da gibt es nun endlich mal ein paar konkrete Vorschläge, wie man Sozialsysteme reformieren und den Arbeitsmarkt in Bewegung bringen kann, und sofort fangen Verbände, Lobbys und die Opposition an zu drohen und zu warnen. Dass unter solchen Bedingungen kaum jemand Lust auf solche Jobs hat, kann ich gut verstehen.

Also macht mal, ich bin dann bald mal weg.

PS: Titelbild via KI … die macht wenigstens noch was ich ihr sage … und auf den Döner-Mann auf den ist auch noch Verlass.

720) Nicht auf meinem Schreibtisch erleichtern!

Der November hat etwas Seltsames: Er ist weder Anfang noch Ende, aber irgendwie beides.

Man schaut zurück, zählt, vergleicht – und merkt, dass das Jahr doch wieder schneller war als gedacht.

Und genau dann beginnt sie, die große Schieberei: Aufgaben, Projekte, Restziele.

Alles, was liegengeblieben ist, sucht plötzlich ein neues Zuhause – bevorzugt auf den Schreibtischen derjenigen, die ohnehin kaum noch freie Fläche haben.

Also Freundchen

Du bist zu faul, selber den Kopf anzuschalten und deshalb versuchst es bei mir abzuladen? Geh weiter.

Du hast festgestellt, dass das Jahr im Prinzip fast vorbei ist und aber deine Ziele nicht erreicht und deshalb kommst du nun zu mir? Ich halte mir die Ohren zu.

Du hast beim letzten Meeting mal wieder nicht zugehört und willst dann eine Zusammenfassung von mir?  Vergiss es, selber hören, macht glücklich.

Du denkst, du machst dir einen schlanken Fuß und schickst eine AI generated Meeting Minute an mich, damit ich daraus meine Tasks ableite? Vergiss es.

Du schickst ein Meeting, was für 5 Stunden ausgelegt ist, an 30 Teilnehmer? Ich werde definitiv nicht kommen. Meldet euch bei mir, wenn ihr wisst, was ihr wollt.

Du schickst mir ein Excel ohne Kontext und schreibst: „Kannst du mal schauen?“ – Ja, kann ich. Aber ich will nicht.

Du willst „nur kurz brainstormen“, aber meinst eigentlich „mach du mal einen Plan“? Dann nenn’s bitte, was es ist: Delegation in Tarnfarbe.

Du denkst, wenn du mich in CC setzt, hab ich automatisch Verantwortung?
Falsch gedacht. CC heißt Can’t Care.

Und du meinst, im November „noch schnell was anzustoßen“ – hast ein schönes Timing. Aber leider ohne mich.

Du willst dich erleichtern?
Mach’s, aber bitte nicht auf fremden Schreibtischen.

Schön, zu lesen, dass KI anscheinend dieselben Probleme hat.

PS1: kursive Teile von ChatGPT, Rest ist von mir. Es ist auch mal schön, was bei jemand anderem abladen zu können.
PS2: Titelbild, via ChatGPT
PS3: fast alles eingesprochen, die Tastatur kaum benutzt