Ihr wisst ja, ich reg‘ mich nur zu gern über deutsche Verwaltungsprozesse und die digitale Wüste hier zu Lande auf. Aber es geht auch schlimmer. Ich habe mehrere Stunden zugebracht habe, um mich für die Einreise in einem anderen Land zu bewerben. Es ist nicht das erste Mal, aber immer wieder ein Erlebnis.
Hier ein paar Eindrücke:
- Ein mehrseitiges Antragsformular im Design eines HTML-Grundkurses
- Verschiedenste Schriftarten und Schriftgrößen, Farben
- Unlogische Plausibilitätsprüfungen, mal so, mal so
- Zu kurze Datenfelder für all die geforderten Angaben
- Telefonnummern mal mit Leer- und Sonderzeichen, mal ohne
- Religion „Others“ oder „None“ wurde abgelehnt, ich werde also wieder mal als Christ unterwegs sein
- Ein Passfoto in guter Qualität ist gefordert, aber quadratisch bitte und kleiner als 1MB.
- Eine Kopie des Passes wird auch erwartet, gut lesbar und nur in PDF, nicht größer als 300KB.
- Und eine Visitenkarte. Habe ich gar nicht. Die letzte Visitenkarte besaß ich vor 20 Jahren.
Irgendwann habe ich den Prozess entnervt pausiert und später wieder aufgenommen, da waren einzelne bereits gespeicherte Eingaben wieder weg. Und wieder musste ich bestätigen, dass keiner meiner männlichen Vorfahren jemals in der Armee des Nachbarlandes gedient hat.
Eine vom System verursachte Datenkonstellation hatte mich auf Seite 3 in eine Sackgasse geführt. Ich konnte nicht Speichern, nur Abbrechen. Auch bei weiteren Versuchen bin ich wieder an dieser Schranke gescheitert. Ich habe sogar deren 24/7 Support angerufen, landete aber nur in einer Robo-Hotline, ohne einen Agenten sprechen zu können. Dann schickte ich eine e-Mail dorthin, packte ein Screenshot bei und bat um Hilfe. Die E-Mail wurde in der Nacht beantwortet. Ich solle doch bitte anrufen.
Total verzweifelt, fuhr ich dann gestern den Rechner herunter und probiert es heute Mittag noch mal. Und siehe da, Das Problem trat nicht mehr auf. Ich konnte Seite 3 abschließen, absolvierte sogar Seite 4 und kam dann endlich in den Zahlungsprozess, wo vielfältige Zahlungsmöglichkeiten auf mich warteten … von denen aber nur ein Bruchteil …
Ich mach an dieser Stelle besser Schluss, sonst wird es noch ein Roman. Eine Melodie aus einem Werbe-Jingle für Frischkäse kam mir in den Kopf:
„Oh e-Visa, keiner stresst mich so wie dieser.“
