Eine Projektkollegin auf Kundenseite bittet mich, ein paar Videosequenzen einer Software aufzunehmen. Sie möchte diese an Projekt-Studenten weitergeben, die daraus ein kompaktes Video für das mittlere Management erstellen sollen.
Da ich solche Videos regelmäßig aufnehme und die Software sehr gut kenne, biete ich an, direkt das komplette Video zu erstellen. Schließlich bin ich der Experte,
und komplexe Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären, mache ich ohnehin gern. Gesagt, getan. Ein kleines Drehbuch entworfen, zwei Folien zur Einführung vorbereitet und alles auf Englisch aufgenommen, in einer abwechslungsreichen „Sendung mit der Maus“-Manier. Ich fand es gelungen. Das Ganze habe ich in drei Teile aufgeteilt, damit sich daraus gut schneiden und kürzen lässt.
Auswählen. Hochladen. Senden. Erledigt.
Einen Tag später erfahre ich von der studentischen Aushilfe im Nachbarzimmer, dass sie meine Videos weiterverarbeiten soll, und zwar mit folgenden Vorgaben:
- Den ersten Teil benötigen sie gar nicht, er ist zu fachlich.
- Meine Stimme soll nicht verwendet werden, stattdessen kommt KI zum Einsatz.
- Außerdem soll alles auf unter vier Minuten gekürzt werden, länger hält die Aufmerksamkeit nicht.
Also hört sich die studentische Aushilfe meine Videos mehrfach an, transkribiert meine Stimme in Text, kürzt die vermeintlich unwichtigen Details und fügt hier und da Pausen ein, damit die KI-Tonspur noch halbwegs zum Screen-Recording passt.
Na wunderbar. Ich bin jetzt wohl ein Dino. Der Senior der immer so viel erklärt.
Seniorsplaining quasi.
PS: Titelbild via KI
