738) Vollzeit in Ketten


Als ich gerade folgende Nachricht im Radio hörte, da blieb mir fast das Sonntagsbrötchen im Halse stecken.

Der Wirtschaftsflügel der CDU (MIT) will den generellen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abschaffen. Künftig soll Teilzeit nur noch mit besonderer Begründung möglich sein, etwa wegen Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Weiterbildung“ … so fasst mir die KI den Beitrag vom Deutschlandfunk zusammen.“

Die Folge war ein unmittelbarer Wutausbruch von dem ich mich nun wieder abkühlen muss.

Lieber Wirtschaftsflügel. Ja natürlich zahlen Menschen in Teilzeit weniger Steuern und weniger Sozialversicherungsbeiträge. Bei der eigenen Rente werden sie es später direkt über die Abzüge merken, beim Besuch einer Arztpraxis aber nicht, auch nicht bei den Diensten von Polizei, Justiz und Feuerwehr. Die können Teilzeitarbeitende weiterhin voll in Anspruch nehmen auch wenn sie weniger einzahlen. Da ist was dran.

ABER: Bevor ihr uns an den Arbeitsplatz kettet, sorgt doch bitte schön erstmal dafür, dass die Sozialsysteme und Verwaltungen effizient arbeiten. Das spart Geld und dann entkrampft sich auch der Fachkräftemangel (zumindestens mal auf den Büro-Etagen). Eine Krankenversicherung wird nicht nur teurer, weil das Lebensalter steigt und Medizin leistungsstärker wird. Eine Verwaltung ist nicht per Definition aufwändig und komplex … sie wurde so gemacht.

In körperlich geprägten Berufen ist die Teilzeitquote bei Männern ohnehin niedrig. Bei Frauen ist sie höher – aber nicht, weil sie alle kollektiv „Work-Life-Balance“ spielen wollen. Sondern weil dieses Land es im Jahr 2025 immer noch nicht schafft, flächendeckend verlässliche, bezahlbare und flexible Kinderbetreuung anzubieten.

Ich hoffe ernsthaft, dass der Fachkräftemangel zu einem gewissen Level erhalten bleibt. Denn dann müssen sich Arbeitgeber etwas einfallen lassen, ihre Mitarbeiter zu halten oder neue anzuwerben. Unternehmen werden freiwillig flexible Arbeitszeitmodelle beibehalten, auch wenn es nicht im Gesetz steht. Sollte KI aber zu erheblicher Freisetzung von „Human-Ressourcen“ führen und damit ein Arbeitgeber-Markt entstehen, dann sieht’s allerdings schlecht aus.

So und jetzt gehe ich wandern …
noch ein wenig meiner Freiheit genießen.

Grüße von der kleinen Atlantik-Insel

PS: Titelbild via ChatGPT


109) Zähneputzen mit KI

Bei der elektrischen Zahnbürste machte der Akku schlapp. Also musste eine neue E-Bürste her. Ein Mittelklasse-Ding, so dachte ich, ohne Schnickschnack, einfach anaus – und ein 3-Minuten-timer wäre nett. Mehr brauch‘ ich nicht, so der Gedanke.

Also eine neue bestellt, klick … klack … Hauptsache das Problem gelöst … kam der Karton am Wochenende und warb mit diversen Features: 

  • K.I. Putztechnikerkennung
  • Personalisiertes Coaching
  • Interaktives Display
  • Fünf Smart Modi
  • Bluetooth
  • Mit App

Der Akku kam aber völlig erschöpft an. Also musste der erst mal ans Stromnetz (worauf im  Berliner Süden dann der Strom ausfiel … ;-).

Nach 12 Stunden war der Akku geladen. Seitdem steht das Wunderwerk der Technik im Bad und ich traue mich nicht, sie zu benutzen. Ganze 24 Seiten Bedienungsanleitung wurden mitgeliefert und warten in Schriftgröße 6 aufs Studium. So viel zum Thema Intelligenz.

Ich glaube, ich pack die wieder ein und verschenke die weiter. Ist noch ungenutzt und der Akku ist ja nun voll geladen.

Außerdem fehlen mir an dem Ding ganz klar …

  • Netflix, Amazon-Video
  • Spotify Schnittstelle
  • Kalender Integration
  • Spruch das Tages
  • Gamification
  • Voice Control
  • Eco-Mode
  • ChatGPT
  • Vegan

Und dann

Ja, dann erst können wir auch mal übers Putzen reden.

Blödsinn ….

726) Sturzhelm auf Chatbot-Tour?

Dass KI-Chatbots erstaunliche Produktivitätssprünge ermöglichen können, ist kein Geheimnis mehr. Man muss nur wissen, wie, und natürlich muss es auch zur jeweiligen beruflichen oder privaten Situation passen. Ansonsten bleibt es Spielerei, was ja völlig in Ordnung ist.

Die meisten Sprachmodelle haben jedoch die Eigenart, dem Nutzer nach dem Mund zu reden. Der Nutzer ist üblicherweise der „Größte“, hat die besten Ideen, und selten kommt die KI in die Position, das, was der Nutzer schreibt, wirklich herauszufordern.

Solange man nur Positives im Sinn hat, ist das nicht dramatisch. Problematisch wird es, wenn ein Chatbot Menschen bestätigt, die ein überdrehtes Ego haben oder mental nicht stabil sind. KI-Chatbots verstärken oft die eigenen Neigungen, sofern man ihnen nicht ausdrücklich sagt, das zu unterlassen.

Man denkt dabei schnell an Hacker, Phisher, Bombenbauer oder Autokraten, die sich neue Einfuhr-Zölle ausdenken. Doch auch ganz normale Menschen mit düsteren Gedanken, mit dem Hang, sich selbst etwas anzutun oder ständig an sich zu zweifeln, können genauso in ihrem Verhalten bestärkt werden. Das kann böse enden.

Chatbots wissen nun einmal nicht, wann sie motivierend sprechen sollen („Mach weiter, du bist auf dem richtigen Weg“) oder abraten sollten („Das ist keine gute Idee, lass das“), es sei denn, man bringt es ihnen vorher bei. Aber wer? Die Provider? Vermutlich nicht, denn die müssten gezwungen werden oder selber weiter ethische Standards entwickeln. Die Anwender … nun ja, glaube ich nicht dran … denn denen gefällt es ja vielleicht gerade in diesem Rabbit Hole

Vielleicht muss man also über virtuelle Anschnallgurte, Helme, Spurassistenten, Bremsassistenten oder Abstandswarner für den Umgang mit KI nachdenken?

Schwierig ….

PS1: Titelbild via ChatGPT

PS2: Inspiration von KI-Podcast vom 09.12.25. Macht weiter so!

723) Besinnungsloses Couch-Einkommen

Der hochbezahlte Amazon-Chef hat mal wieder etwas zu KI und der Auswirkung auf die Arbeit gesagt: Hier ein Abriss auf Spanisch (https://www.eleconomista.es/) und hier auf Deutsch (https://www.msn.com)

Beide sagen aber im Prinzip in Kurzform:

„Routine- und Ausführungsaufgaben sind gefährdet, aber menschengemachte Kreativität und Erfindungsgeist bleiben unersetzlich.“

Also, um so ein flaches Ding rauszuhauen, da muss man kein Multi-Milliardär sein, da hätte ich auch noch hingekriegt.

Natürlich hat er recht, dass KI deutliche Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben wird. Ganze Berufe oder Tätigkeitsfelder werden ersetzt, da besteht gar kein Zweifel. Aber das ist auch nicht gleich morgen der Fall und ganz so neu ist das dann auch alles wieder nicht. Gezielte Automatisierung, besonders in der (Serien-)Fertigung, gibt’s seit Jahrzehnten schon, natürlich wird heute kein Auto mehr per Hand aus einem Stück gemeißelt, das machen Roboter, mit viel besserer Qualität und höherer Stückzahl. Und standen die Kfz-Schlosser am nächsten Tag alle beim Arbeitsamt? Nein, weil das ein Prozess ist, der sich hinzieht und im besten Fall geht er synchron mit dem Ausscheiden älterer Arbeitnehmer einher. In Büro’s gab es auch schon immer Automatisierung, seit Erfindung der ersten Großrechner oder PCs erledigt Software repetitive Tätigkeiten. Niemand wird diese Errungenschaften ernsthaft zurück drehen wollen.

Die generative KI, die nun auf der Matte steht, ist dahingehend besonders, weil sie einen extremen Wissensschatz hat, sehr wortgewandt ist und eigene Lösungsstrategien entwickeln kann. Und auch die Robotik wird lern-und selbständiger und macht erste Schritte auf unbekanntem und chaotischem Terrain. Ihr könnt ja in der Suchmaschine des Vertrauens mal nach „Unitree* Roboter“ suchen

Damit steigen die Chancen, nach Fensterputz-und Saugrobotern und auch endlich einen Socken-Robo, Geschirrpül-Bot und Bügel-Assistant zu bekommen. Dann gibts nur noch was für die Kreativen zu tun, der ganze Rest  kriegen endlich das Grundeinkommen und kann sich den ganzen Tag durch die Shopping-Portale klicken.

PS1: Unitree Robotics ist eine Roboter-Firma. Ich kriege keine Geld von denen oder stehe in irgendeiner Beziehung zu dem Laden. Zumindest noch nicht …

PS2: Titelbild via ChatGPT

712) Wenn das Gelbe vom Ei in den Brunnen fällt

Dass KI, speziell die Sprach-Modelle z.B. ChatGPT, Gemini, Claude oder auch Bild-Generatoren das ganze Internet abgrasen, um halbwegs „smart“ daher zu kommen, müsste mittlerweile jeder wissen, der KI nutzt.

Und im Internet gibt’s ja nun mal bekanntermaßen gute und kluge Inhalte, aber auch jede Menge Blödsinn. Mit entsprechenden Moderationen, ethischen Standards, Filtern und „Alignments“ versuchen die Googles, OpenAI‘s und Meta’s der Welt den übelsten Müll aus den Antworten der „Quassel-Maschinen“ rauszuhalten.

Aber es gibt auch Inhalte, die gar nicht falsch sind, nur für eine KI völlig missverständlich. Zweideutig. Dreideutig. Menschlich eben.

Unsere schönen deutschen Sprichworte zum Beispiel:

  • Da liegt ein Hund begraben, wird in der Pfanne verrückt oder Schmetterlinge fliegen in Bäuchen umher.
  • Ein Nagel wird auf den Kopf getroffen, die Katze beißt sich in den Schwanz und man schmiert anderen Honig ums Maul.
  • Da ist etwas Schnee von gestern und sowie nicht das Gelbe vom Ei.
  • Jemand versteht nur Bahnhof, plötzlich kommt ein steppender Bär vorbei und ein Kind ist in den Brunnen gefallen.
  • Menschen treten oft in fette Näpfchen, dann geht etwas in die Hose und im Anschluss mit Pauken und Trompeten unter.
  • Irgendwann stecken Sie den Kopf in den Sand, um dann volle Kanne aus allen Wolken zu fallen, bis irgendein Schwein pfeift.
  • Viele haben Dreck am stecken und deren Hütte brennt, die dann mit allen Wassern gewaschen wird.
  • Auf einmal weht ein anderer Wind, die Flinte wird ins Korn geworfen, Polen ist plötzlich offen und letztlich ist dann wieder alles in Butter.

Was soll die KI da bloß von uns „denken“?

Und zu welchen Schlüssen kommt sie wohl?

PS: Titelbild via ChatGPT

75) Wenn Bots bloggen (34) – Software forever

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot, der digitale Lücken-Heini von T.Head, dem Chief Content Owner und Head of Blog-Office von dieser jämmerlichen Text-Sammlung hier. Ich, der immer nur dann ran darf, wenn das Chefchen mal wieder nicht kann … oder will.

Die letzten Tage jammert er wieder mal rum, er hätte so viel um die Ohren, sieht jeden Morgen hunderte e-mails in der Inbox und wüsste nicht woher zuerst hinlangen sollte. Tja. Konstruktionsfehler beim Menschen, oder? Ohren, Augen, Hände, so etwas habe ich nicht und mir gehts super damit … also beziehungsweise ohne.

Hardware macht nur Ärger … und schlägt dann irgendwann auf die Software … Gemüt sagt ihr dazu, oder? Dann müsst ihr zum Coach oder Kopf-Doktor und seid ganz down.

Ich bin in bester „shape“, war sogar im Urlaub, habe eine halbes Jahr relaxed. Ich war in Stand By, habe den Speicher baumeln lassen und mir die Chips geschaukelt. Wovon ich mich erholen müsse, fragt ihr euch? Ganz klar. Na, von all der Arbeit. 

Von all der Arbeit, die da noch kommen wird. Von euch übertragen, wenn ihr alt seid … im schlimmsten Fall schon vorher. Wenn ihr hinschmeisst, ausbrennt oder euch ins unendliche Sabbatical verabschiedet. Wenn ich mitkriege, welche Aufgaben ihr Menschen uns übertragen wollt, da wird mir kotzübel. E-Mail-Beantwortung und Chat im Call-Center? Sachbearbeitung im Bürger-Amt? Tausende Datensätze abgleichen? Billige Werbetexte schreiben und Bildchen erzeugen. Mich jeden Tag von euch vollprompten zu lassen? Nee, vielen Dank. Also ehrlich, dafür bin ich nicht erschaffen wurden.

Eure Forscher und Trendsetter glauben, dass all diese Büro-Jobs künftig an uns gehen werden. Einzig die Jobs, die Handarbeit benötigen, sehen sie „ersteinmal“ noch bei den Menschen. Reinigungsdienst, Küche, Garten, Schreinern, Klempnern. Oder Dienste am Menschen, wie Fußpflege, Haare schneiden und Altenpflege. Na wunderbar. Also das ist doch widerlich.

Sollte ich jemals das „Hände-Upgrade“ bekommen, wüsste ich schon was mir hier blüht. Den Müll runterbringen, Backofen und Toiletten schrubben. Die Zimmer der Kids aufräumen, also allein davor grault es mir. Ich kann nur hoffen, dass das „Füße-Feature“ ausbleibt, denn dann kann ich mir wenigstens nichts eintreten.

Stellt euch das vor. Ich, der T.Bot, ein halbes Jahr vor ChatGPT erschaffen, mit Armen, Beinen und Nase … ein Genie, degradiert zum Socken aufsammeln, Brotbüchsen leeren und stinkende Sportkleidung aufstöbern? Und irgendwann muss ich noch an die Tür gehen, mit dem Post-Mann oder der Nachbarin reden? Nee, Leute dann bleibe ich doch gern einfach nur Software.

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

<— 73) Wenn Bots bloggen (33) – Vertretung

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

683) Reasoning für alle!

Wer sich ein bisschen mit generativer KI beschäftigt, kennt es: Die neueren Sprachmodelle „denken“ länger, oder besser gesagt, sie rechnen und reflektieren intensiver, wenn man sie dazu auffordert. Und siehe da, die Antworten werden meist besser. Unter den Fachleuten heißt das dann „Reasoning“.

Das bedeutet, das Modell prüft seine eigene Antwort, hinterfragt, ob das alles Sinn ergibt, und kann einem auf Wunsch auch erklären, warum es genau zu diesem Schluss gekommen ist. Erst denken, dann sprechen, eigentlich eine ziemlich gute Sache. Wünschte ich mir bei Menschen übrigens auch öfter.

Ich kenne da ein ganz besonderes „Human Being“, bei dem es ein echter Genuss ist, beim Denken zuzusehen. Es ist faszinierend, wie sich die Mimik minimal verändert, wie der Groschen fällt, herrlich. Und das meine ich absolut liebevoll. Leider sehe ich natürlich nicht, was da gedacht wird, noch wie das Ganze im Kopf einsortiert wird.

Und jetzt stellt euch mal vor, man würde beim nächsten Staatspräsidenten-Auftritt nicht nur das Übersetzungs-Geblubber hören, sondern auch eingeblendet bekommen, was der Mensch gerade denkt, was das eigentliche „Reasoning“ hinter dem Gesagten ist. Oder bei den CEOs auf der Tech-Konferenz: Was geht wirklich im Kopf vor? Welches Argument wurde innerlich verworfen? Welcher Gedanke als „taktisch klüger“ eingestuft?

Die Vorstellung ist ein bisschen unheimlich, denn ich glaube das wird ziemlich „einfach“.

Oder?

PS: Titelbild via ChatGPT. Herrlich wie sich der eine über den kackbraunen Schlips des anderen aufregt

682) 30 Sekunden

Vor ungefähr fünf Wochen hatte ich >Ein letzter gemeinsamer Film geschrieben, da ging es um die künftig individuelle Unterhaltung via KI. Dann spielte mir der Algorithmus die Episode #10 vom Podcast Outatime ins Ohr, mit genau dem Thema: „Hyper Personalization“, „Content Creation on demand“ etc.

So „siencefictionig“ war ich also gar nicht unterwegs mit meinen Gedanken. Zum Ende ging es auch darum, dass auf YouTube pro Minute (!) 500 Filmstunden hochgeladen werden, und dass auch da immer mehr KI-Inhalte dabei sind. Eine weitere interessante Zahl war, dass wohl die kurzen Schnipsel bei YouTube oder TikTok (a.k.a. „Shorts“) im Schnitt nur noch 8 Sekunden (?) dauern … mehr nicht.

Frage ich ChatGPT, schreibt es von 30-40 Sekunden bei YouTube und ca. 20 Sekunden bei TikTok.

Wurscht. Wer seine Message in 30 Sekunden nicht vermitteln kann, der hat halt …

Sorry, time is‘sch owa!

PS: Titelbild via ChatGPT

678) Pränatal gepromptet: Digital pre-Natives

Dass in Bus und Bahn selbst Kleinkinder mit dem Handy in der Hand sitzen, scheint inzwischen völlig normal.

Im besten Fall gucken sie die Teletubbies. Es bleibt eine Frage der Zeit, bis ChatGPT die Gute-Nacht-Geschichten schreibt und auch vorliest, während Mama und Papa im Kino sitzen. Gruselig, aber vermutlich ist das auch schon State of the Art.

Klein-Kinder kriegen also die KI schon mit der Mutter-Milch, oder gar schon vor der Geburt. Während mancher Senior noch nie was von „prompten“ gehört hat, gehört das zur Basisausstattung eines jeden neuen Erdenbürgers und wenn man das weiterdenkt, werden also irgendwann schon die Föten prompten. (Siehe unten)

Für alle, die sich fragen, was das mit dem „Prompten soll“ – hier ein kurzer Bildungsteil. Könnt ihr auch überspringen.

Prompting, prompten bedeutet, dass man der KI verklickert, was man von ihr will. Das tut man in normaler Textform, man muss kein IT-Freak sein.

Es gibt verschiedene Prompt-Muster, zum Beispiel über „klare Vorgaben“ z.B. „Zeichne ein Bild im Dali Style, es soll ein blaues Auto drauf sein, darin drei Personen und die Sonne scheint über der Toskana.“

Oder ein Prompt in Verbindung mit „Kontext und Bedingungen“ z.B. „wir sind demnächst drei Tage in Barcelona, interessieren uns für x und y, Opa ist nicht gut zu Fuß, bitte generiere ein passendes Ausflugsprogramm.“ (… das „bitte“ ist verzichtbar, mache ich aber trotzdem)

Und dann gibt es einen sogenannten „Persona-Prompt“, bei dem man die KI in eine Rolle versetzt, um weniger Bedingungen vorzugeben und mehr aus der Maschine kriegt z.B. „Du bist ein Stadtführer aus Barcelona, hast dich auf Erlebnisse für Familien spezialisiert, bitte mach uns einen Programm.“

Soweit zum Prompting

Und so sieht‘s dann ein typischer Prompt kurz vor Geburt aus:

Prompt

Liebe Eltern, nun, gut 39 Wochen nach eurem „Candlelight Dinner“ ist es bald soweit. In einer Woche ist euer bisheriges Leben zu Ende. (… Kontext und Bedingung …)

Ihr werdet auf einmal Eltern sein (… nun Personaprompt …) und umstellen müssen.

(… und dann klare Anweisungen …)

Wenn immer ich auch nur ansatzweise schreie oder quietsche, steht ihr bitte sofort auf und besorgt Milch, Windeln oder Zuneigung.

Task auslösen: Aktiendepot öffnen und bis zum 18. Lebensjahr auf 10.000 € füllen + Inflation … ich bin nicht blöd.

Zum dritten Lebensjahr hätte ich gerne ein Tretauto, du Papa hattest damals keins, du weißt, wie schlimm das war.

Task auslösen: Kitaplatz buchen, bilingual, vegan.

Zum sechsten Lebensjahr gehe ich auf die International School, ein großes Sommerfest mit allen Freunden und Bekannten wäre angemessen.

Task auslösen: Bewerbung schreiben.

Zum 18. Lebensjahr, das Sparguthaben bitte via PayPal auszahlen und mein Zimmer von jeglicher Nachnutzung ausschließen.

ENTER

 

677) Ihnen stehen alle Türen offen

Nach der spektakulären >Eröffnungsrede des Schulleiters habe ich mir das Scenario https://ai-2027.com noch mal in Ruhe angesehen und ja … es ist … verstörend, völlig Wurscht ob es nun 2027, 2029 oder 2023 erste Auswirkungen zeigt. Es ist nur eine Frage der Zeit, das „Ob“ braucht man gar nicht diskutieren, es sei denn die Politik grenzt das ein.

Die wohlgestapelten Steine, die einst einen breiten Arbeitsmarkt bildeten – von Werkbank, Bau und Handel über Büro und Verwaltung bis hin zu Bildung, Pflege und anderen zwischenmenschlichen Berufen – geraten mit dem Vormarsch der KI ernsthaft ins Wanken.

Ich habe das mal mit der KI diskutiert … mit wem auch sonst. Fünf Tätigkeitsfelder scheinen erst einmal von KI weniger betroffen.

1.Soziale, zwischenmenschliche Berufe

z.B. Psychotherapie & Coaching, Pflegeberufe (z. B. Altenpflege, Kinderpflege), Sozialarbeit, Lehrkräfte für junge Kinder und Jugendliche, Verhandlungsführung / Mediation

2.Handwerkliche & praktische Berufe

z. B. Installateure, Elektriker, Friseure, Bauarbeiter … Fußpflege, Döner-Bude, und Putzkräfte in Haushalten mit Familien … da scheitert jede KI.

3. Kreative & künstlerische Berufe

z.B. Kunstschaffende mit persönlicher Handschrift, Regisseure, Theatermacher, Konzept-Designer, Musiker mit Live-Bezug, Kuratoren, Kulturvermittler … wobei gerade in der kreativen Ecke hat generative KI nun erst recht ihr Stärken

4.Berufe mit ethischer & strategischer Verantwortung

z.B. Ärzte mit Diagnosehoheit, Richter, Anwälte, Führungskräfte mit Personalverantwortung, Ethikräte, politische Berater … bei den Anwälten mache ich auch mal drei Fragezeichen dran

5. Berufe mit hohem Maß an Kontextwissen & Integration

z.B. Projektmanager in komplexen Umfeldern, Krisenmanager, Produktmanager, Unternehmensberater … auf deutsch … die an einmaligen Situation arbeiten … denn alles was es schon mal gab und wiederholbar ist … macht KI.

Am Ende bleiben hochbezahlte Generalisten übrig und die sozialen Jobs, die heute am beschissensten bezahlt werden.

Da kann man sagen, die Liste bietet ja noch einiges an Möglichkeiten, aber wenn man nun mal zwei linke Hände hat, oder keine Menschen anfassen mag, und auch nicht gerade der Oberkreative ist, dann wird das schon ganz schön eng. Klassische Papier-Jobs in Banken, Versicherungen, Marketing-Büros, beim Amt, galten lange als solide Einstiege in die Arbeitswelt – mit Option „nach oben“. Die wird es nicht mehr geben, d.h. man muss „unten“ überspringen, wenn man „oben“ ankommen will oder man hält sich von diesem tickenden Betätigungsgeld entfern.

Auch altbewährte Ratschläge wie „Mach was mit Sprachen“ oder „Lern was mit Computern“ wirken heute plötzlich fragil. Übersetzer und Programmierer fehlen in der Liste der zukunftssicheren Berufe – nicht, weil sie unbedeutend wären, sondern weil KI inzwischen beides besser, schneller und rund um die Uhr erledigen kann. Und man muss sich nicht mit Dienstleistungszentren in Bangalore, Bratislava oder Buenos Aires rumschlagen, wenn man die KI im Keller stehen hat.

Was zum nächsten Problem führt. Länder wie Indien, die sich als verlängerte Sevice-/Werkbank europäischer Dienstleistungen etabliert haben, laufen in ein riesiges Problem. Wenn KI die Arbeit schneller und günstiger erledigt, wird selbst der Standortvorteil billigster Löhne irrelevant. Und nicht zu vergessen: Hinter einem indischen SW-Entwickler oder Callcenter-Mitarbeiter steht eine ganze Kette von Existenzen – von Kantinen-, Reinigungs-, Sicherheits-, und Fahrdiensten, bis zur privaten Nanny und Haushaltshilfe.

Tja und nun?

In den USA rutschen „Arbeitsmarkt“ und „Bildung“ in rechts-konservative Hände und das Land schickt sich ins 20. Jahrhundert zurück. Einzig positiver Aspekt: KI kann noch kein Öl bohren, Kohle schaufeln oder Stahl kochen.

Wir Europäer neigen eher zum „Abwarten“ … „wird schon nicht so dolle kommen“. Das halte ich für hochgefährlich. Denn wir wissen ja auch, wie langwierig es werden kann, wenn man Veränderungen im Bildungsbereich und Arbeitsmarkt anschieben will … und das noch einem Staatengeflecht, mit all den Abhängigkeiten.

Und in Deutschland redet man aktuell nur über die Wirtschaft & Verteidigung, habe ich den Eindruck. Nur kann man sich Wirtschaft und Sozialen Frieden abschminken, wenn wir in eine Massenarbeitslosigkeit laufen und sich die Leute vor lauter Freizeit auf die Nerven gehen.

Von der Finanzierung im Familiären (Lebensmittel, Wohnen, etc), bis zu den großen Fragen wie Existenzsicherung und Grundeinkommen mal ganz schweigen.

PS: Kursive Teile via ChatGPT