99) Den Schlüssel durch die Ritze ziehen

Keine Sorge es bleibt jugendfrei. Aber was bei dem einen oder anderen vielleicht wohliges Kribbeln verursachen mag, regt bei mir nur Horrorfantasien an. Mehr nicht. Da kommst du nach Hause, leerst den Briefkasten, hast Briefe in der Hand, deinen Schlüssel und einen Abholschein für ein Paket. Ich rufe den Aufzug und halte auf halber Strecke. Ich klingele beim Nachbarn, blockiere mit dem Körper die Aufzugstür und trage artig mein Begehr vor. „Tachchen, sach‘t mal, ihr habt wohl ein … kling-klong … für mich“

Der Wohnungsschlüssel saust zu Boden und … ihr ahnt es schon … macht kurz an der oben Türkante „kling“, an der oberen Kante „klong“ und stürzt dann in die schmale, dunkle Tiefe.

Auf die Schwerkraft ist immer noch immer Verlass. Schimpfend in der Wohnung angekommen, lerne ich, dass das Paket gar nicht an mich adressiert war, sondern and die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ ist. Zudem sollte der Stammhalter das Paket eigentlich schon abgeholt haben. Na großartig. Das hat sich ja für mich richtig gelohnt.

Ich schreibe die Hausverwaltung an. Irgendwann kommt bestimmt mal wieder der TÜV.

Aber es hätte auch schlimmer kommen können:

  • Tiger-Käfig
  • Plumps-Klo
  • Badesteg
  • Sandstrand
  • Städtischer Gulli
  • Uhrwerk des Kölner Doms
  • Motorraum eines Kreuzfahrtschiffs
  • Besucherloge im Deutschen Bundestag

97) Ob Murphy vielleicht Baske war?

Ein Urlaubstag in Nord-Spanien, an dem auch wirklich alles schief geht.

Abfahrt von Pamplona in Richtung San Sebastian, alles flüssig, alles gut. In San Sebastian stauen wir uns in die Innenstadt, linke Seite, nordwärts den Fluss entlang, zäh wie Kaugummi. In der City angekommen, fahren wir ein Parkhaus nach dem anderen an, aber alle sind besetzt. Jede Entscheidung für ein anderes Parkhaus, wird mit weiteren 20 Minuten quittiert.  Wir beschließen, die Flussseite zu wechseln, aber auch dort sind die Parkhäuser dicht und dann erwischen wir versehentlich die Straße rechts vom Ufer, welche südwärts aus der City führt, keine Chance zu wenden. Also, das gleiche Spiel noch einmal. Linke Flußseite rauf im Stau, vergebens, alles voll, rechte Flußseite runter. Außer der Uhrzeit hat sich nichts verändert. Wir verlassen San Sebastian ohne es betreten zu haben.

Wir wollen in der Stadt „Zarauts“ halten, einem Badeort mit dem längsten Sandstrand der Gegend. Aber auch hier gleiches Spiel, alle Parkhäuser voll und selbst die öffentlichen Parkflächen mit Automaten sind selten und immer belegt. Irgendwann erwischen wir einen Platz. Ich gehe zum Parkautomaten, leider fehlen viele Tastenbeschriftungen, so dass ich nicht erkennen kann, was ich da eigentlich tippen muss. Der Automat spuckt immer nur Tickets für 10 Minuten aus. Ich gehe zu einem zweiten Parkautomaten um die Ecke. Mittlerweile vermute ich, dass man nur mit Kreditkarte oder Bargeld die Standard-Zeit von 10 Minuten verlängern kann, also stecke ich meine VISA-Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz. Und da blieb sie dann auch. Weg. Hinten runter gefallen.  An der Hotline geht keiner ans Telefon. Also Anrufen bei der Bank in Deutschland, Karte sperren, kurz ein Eis essen am Strand und weiter nach Bilbao.

Dort wieder ein Parkhaus angesteuert, nur wenige Plätze gibt es dort, erkennbar wohl an grünen Leuchten. Aber wo sind verdammt noch mal die grünen Leuchten, ich sehe nur rote Leuchten? Leitsystem Fehlanzeige, jeder Fahrer darf es selbst herausfinden. Endlich einen Stellplatz gefunden, wollen wir das Gepäck mit dem Aufzug an die Oberfläche befördern. Der Lift war schon sehr müde und zum Ende wollte er dann gar nicht mehr. Bevor wir noch steckenbleiben, entscheiden wir uns, die Koffer mal besser die engen Treppen hinaufzutragen.

Nur acht Minuten später erreichen wir das einfache aber hübsche Hostel in einem Altbau, mitten in der Fußgänger-Zone Bilbaos. Fahrstuhl negativ, also das ganze Gepäck noch einmal zwei Etagen hochwuchten. Der Stammhalter packt fleißig an, der Griff des größten Koffers hat aber auch keinen Bock mehr und löst sich in seine Bestandteile auf …

Ach ja … immerhin was zu erzählen …

96) Blumenvasen-Domino zum Dinner (mit Kotzegeruch)

Die hiesige Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen diniert aushäusig bei einer anderen netten Ministerin.

Der Minister für Finanzen, Wirtschaft, Infrastruktur und Verteidigung (Neu) hat für heute das Kommando.

Er ruft die Schutzbefohlenen punkt 18:30 Uhr zu Tisch. „Kinnaaaas … Essööööööööööön!“

„Ja -haaaahh!!“, ruft die Vorsitzende der Jugendorganisation.

„Glei-eii-cchh“, folgt der Stammhalter, zweimal und noch einmal… .

„Jeeeetz-öööööö“ ruft der Minister mit Nachdruck.

Die Nachwuchskräfte schlurfen an die Tafel, der Minister hat reichhaltig gedeckt.

Zwei Blumengebinde, (von wem sind die eigentlich?), werden dem Stammhalter gegenübergestellt. Dann hat er es schön grün und da sitzt ja auch niemand heute.

Die Talente schieben die angerichteten Kalorien in den jeweiligen Schlund.

Der Minister erwartet Fakten. „Wie war‘s heute? Klemmts irgendwo? Was läuft heut‘ noch?

Die Jugend berichtet gut vorbereitet und detailversessen: „ok“, „nö“, „ mal sehen“.

Um dem Geschehen etwas mehr Dynamik zu verleihen, bittet der Minister den Stammhalter, sich doch bitte mal gerade hinzusetzen und den Stuhl an den Tisch zu schieben.

Der Stammhalter beginnt das Manöver, dann ging alles ganz schnell.

Der Minister sagt zwar noch „…aber pass auf die Blu…“ und die Jugend-Vorsitzende greift in Richtung der Vasen, um die Katastrophe zu verhindern.

Aber Flieh-und Schwerkraft arbeiten zuverlässig, eine Vase kippelt, rempelt die zweite an, die sich dann samt Grünzeug auf freiem Polstermöbel und Holzboden ergießt.

„Lappööööööööööööööööön!“, ruft der Minister … und alle Anwesenden wissen, dass das der neuralgische Punkt des Chefs ist. Wasser auf Parkett. Unkontrolliert. Das kann der nun gar nicht haben. Der Stammhalter geht sofort auf Tauchstation und tupft was und womit er kann, die Jugend-Vorsitzende organisiert saugfähiges Material aus dem Ost-Flügel der Residenz.

Der Stammhalter wischt auf allen Vieren und muss feststellen, dass der Geruch des Blumenwassers, doch schon ganz doll an erbrochenen Mageninhalt erinnert und beginnt zu würgen …

Was lernen wir daraus?
Never touch an eating System,
lasst euren Nachwuchs sitzen, wie sie wollen!

Prost 😉

93) Doch noch nicht ganz blöd

Mitte März, 12°C, die Natur ruft zum Arbeitseinsatz auf die Datscha. Das Schilf am Zaun braucht dringend einen Kurzhaarschnitt und der Bambus muss in seinem Expansionsstreben gehindert werden. Gesagt, getan setzen wir uns ins Auto und folgen der Ausfallstraße B1 gen Osten. Kurz vor dem Bahnhof Lichtenberg fragt die Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen, ob wir denn den auch den Schlüssel für die Hütte dabei hätten.

Was für eine Frage? Selbstverständlich. Ich griff mit der linken Hand ins kleine Fach unter dem Lenkrad. Da, wo der mit Lübzer-Pils-Schlüsselband geschmückte Schlüssel immer ist, damit ich ihn eben nicht suchen muss, und griff … aber …ins Leere. 

Shit.

Das kann jetzt nicht wahr sein, oder? Wo zum Henker ist der Schlüssel? Ich war doch erst vor drei Wochen auf dem Grundstück. Hab’ ich den da etwa liegen gelassen? Ist er noch in der Wohnung? Nein, nein, nein, macht alles keinen Sinn. Ich bin mit Schlüsseln eigentlich sehr ordentlich. Eigentlich…

Die Vernunft hält nur zwei Optionen bereit, zurückfahren und die Wohnung auf den Kopf stellen oder weiter zum Grundstück fahren und dort suchen. Da ich aber wirklich nicht den geringsten Schimmer habe, wo ich in der Wohnung suchen soll, entschieden wir uns für die Weiterfahrt.

Die nächste halbe Stunde vertrieb ich mir mit Selbstgesprächen:

Scheiße.
Ich glaub‘, ich werde alt.
Welche Hose hatte ich an? Welche Jacke?
Hatte ich Beutel, Tüten, Kisten dabei?
Welche Wege bin ich dort gegangen?
Was war danach? Wo war ich sonst noch?
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Scheiße.
Ich glaub‘ ich werd‘ schusselig.
Passiert das jetzt öfter?
Ist das nicht erst kürzlich geschehen?
Warum sollte ich den Schlüssel überhaupt aus dem Auto mit nach oben nehmen? Das macht keinen Sinn.
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Scheiße.
Ich glaube, ich werde blöd.
Irgendwann geht’s los. Meistens geht’s mit Schlüsseln los.
Und was, wenn der weg ist? Dann muss mir der Freund den Zweitschlüssel per Post schicken, aber ganz schnell.
Bevor der Nachbar, dass Wasser andreht und alles geflutet wird.
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Am Grundstück angekommen fanden wir den Schlüssel … auch nicht.

Misst, es ist also doch so weit. Noch nicht mal 50 Jahre alt und es geht abwärts. Niedergeschlagen trotte ich zum Auto zurück und durchsuche noch einmal alle Ablagen im Auto, auch das Geheimfach wo sonst der Schlüssel immer liegt. Eigentlich…

Was ist, wenn der Schlüssel vielleicht, aus dem Fach gefallen und irgendwo hinter dem Armaturen-Brett verschwunden ist?? In dem Moment, sah ich zwei Buchstaben, des Lübzer-Pils-Schriftzugs hinter der Klappe um Hilfe rufen. Ich glaub‘s ja nicht. Das ist er ja! Ich lieh mir die schlanken Finger der Ministerin, um das Band samt Schlüssel herauszuangeln

Und ich war heilfroh.
Natürlich, weil der Schlüssel wieder da ist.
Aber ganz besonders, weil ich doch nicht ganz blöd bin.

So, jetzt aber an die Arbeit!

90) Schlüssel-Momente

Des Stammhalters Wohnungsschlüssel war jüngst verloren gegangen. Das trieb dem hiesigen Minister für Finanzen, Wirtschaft und Verteidigung noch mehr Falten auf die Stirn. Und auch die Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen war sehr beunruhigt. 

Ein Innenausschuss wurde einberufen und der Stammhalter musste sich den bohrenden Fragen von Regierungskoalition und Opposition stellen:

Also, wenn der Schlüssel wirklich weg ist, weißt du was das heißt? Dann müssen wir die Hausgemeinschaft informieren, weil da draußen irgendwer mit deinem Schlüssel herum läuft, mit dem man Haustür, Keller, Fahrradräume und Garage öffnen kann. Geh‘ noch mal den Tag in Gedanken durch. Welche Klamotten hattest du an? Hast du die Tür nach der Schule aufgeschlossen oder hattest du geklingelt? Bist du wirklich sicher, dass du den Schlüssel hier in der Wohnung abgelegt hast? Ja? Wirklich? Na gut. Dann ist das ja nur eine Frage von Zeit und Aufwand. Dann muss der ja irgendwo hier sein.

Ein Untersuchungsausschuss wurde gegründet und stellte die Wohnung auf den Kopf. Die Arbeitsgruppe suchte in den unmöglichsten Ecken, gerade an den Stellen, wo man gerne >nur mal eben kurz und >nur mal eben schnell etwas ablegt. Aber Fehlanzeige. Irgendwann verabschiedeten wir uns gedanklich von dem Schlüssel und beruhigten uns damit, dass ihn ja kein anderer haben kann. Und ich schrieb einen neuen Punkt ins Koalitionspapier: „Ersatzschlüssel organisieren“.

Seitdem prokrastiniere ich den vor mich hin, denn für solche Reformen, lassen sich immer schlecht Mehrheiten finden.

Heute wühlte ich mal wieder durch unsere Reisekiste. Ein Karton, in dem ich all möglichen Schnickschnack aufhebe, den ich bei Reisen brauche(n könnte). Unter anderem auch Steckdosen-Adapter. Ich wollte prüfen, ob ich noch die passenden Formate für meine Reise im Januar habe oder etwa besorgen muss. 

Ergebnis positiv. Ich habe sogar zwei Stecker.
Und ich fand ein schwarzes Schlüsselband.
Mit dem Logo des Köpenicker Fußballklubs.
Und einem Wohnungsschlüssel dran.
Wie kommt der denn dahin?

Eines ist wohl klar, der Stammhalter würde sich nie an dieser Kiste vergreifen. Ich glaub‘, der weiß nicht mal, wo die steht.

Der Minister und die Ministerin traten schweigend vor die offene Kiste. Sie schauten gefasst in den Abgrund … und sich danach peinlich berührt und fragend an.

84) Nur mal eben kurz

Kommen wir mal wieder zu den Widrigkeiten des Alltags. Es gibt so Dinge, die tut man (… zumindest ich), obwohl man weiß, dass das nicht gut ausgeht. Weil man es ja auch nicht zum ersten Mal macht und es schon mehrere Male schief gegangen ist.

  • Zum Beispiel zieht man mit einer Hand ein Schublade auf, in der zweiten Hand hat man … sagen wir mal … ein Portemonnaie. Dann benötigt man für das, was man aus der Schublade angeln aber beide Hände und deshalb legt man das Portemonnaie nur mal eben kurz in der Schublade ab. In diesem klitzekleinen Moment ahnt man schon, wie die Geschichte ausgeht. 
  • Selbiges Naturschauspiel erlebt man auch ganz wunderbar, wenn man den Auto-Schlüssel nur mal eben kurz im Kofferraum ablegt. Wenn man dann ratlos auf das Zündschloss blickt, ist der Suchradius dann dankenswerterweise sehr überschaubar.
  • Oder das riskante „Nach-Toasten“. Sagen wir mal ein WG-Mitglied hat den Bräunungsgrad des Toasters von 3 auf 2 heruntergedreht, was dann dazu führt, dass mein Toast definitiv zu blass wird. Gut, kein Problem, ich kann die Toast-Taste ja noch mal runterdrücken. Nur ganz kurz. Aber ich weiß, dass wird rabenschwarz enden. Also nehme ich mir vor, vor dem Toaster stehen zu bleiben und mich bloß keinen Meter zu bewegen. Aber dort einfach nur dumm herumzustehen und auf den Toaster zu glotzen, dass ist ja nun auch höchst ineffizient. Also gehe ich „nur mal eben kurz“ in den Nachbarraum …

Aber ich bin bestimmt nicht der Einzige auf dem Planeten, dem das so geht … oder etwa doch???

 

62) Herr Kollege Fliege

Trotz all der großen Themen aktuell, muss auch mal wieder ein kleines Thema her. Wenn auch wirklich ein sehr kleines.

Kaum verpasst man seinem Homeoffice mit einem Apfel oder einer Banane einen gesünderen Eindruck, kann man mit Sicherheit ungebetene Kollegen erwarten. Obstfliegen.

Das sind die nervigsten Homeoffice-Kollegen, die man sich vorstellen kann:

  1. Da hocken sie den ganzen Tag an der Wand, glotzen blöd und tun überhaupt nichts. Das bringt mich auf die Palme. Aber immerhin labern die kein blödes Zeug und trinken den guten Kaffee weg, wie so manche Human-Kollegen.
  2. Die fliegen auch in Zimmer wo gar kein Obst oder Getränk steht. Was wollen die da? Nur mal gucken oder was? Sind das vielleicht kleine Drohnen, die unsere Wohnung ausspionieren?
  3. Ja und voll die Teamsprenger sind das, oder? Überhaupt nicht sozialisiert sitzen sie immer irgendwo allein herum und sagen einfach … nichts. Voll öde. Wo soll man da mit einem Gespräch ansetzen?
  4. Und wie eitel die sind. Am liebsten fliegen die zu den Spiegelschränken im Bad und schauen sich den ganzen Tag selbstverliebt in die eigenen Augen. Wenn ich mich dann mal anschauen mag, fliegen sie herablassend zur Seite, kehren aber gleich wieder auf den Spiegel zurück.
  5. Einzig bei ihrem Stoffwechsel können sie wirklich beachtliche Dinge. Sie können gegen die Schwerkraft ihren Darm … oder was auch immer … an der Zimmerdecke entleeren, ohne dass ihnen ihr Dreck selber in den Schoß fällt. Respekt. Aber es reicht ja, wenn ihr euer Können nur EINMAL demonstriert ihr Angeber!

Welche Aufgabe haben sie im Gesamtgefüge? Wozu sind die Biester gut?

 

<— Weitere Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial gibts hier

57) Gib mir den Rest

Bei all dem aktuellen Geschehen um uns herum, kommen die kleinen Widrigkeiten des Alltags zu kurz. Es muss mal wieder sein. Viren, Krankheiten, Konflikte, Öl-Preise, Finanzmärkte und unser Klima haben mal zwei Minuten Pause.

Stattdessen?

Wenn Lebens-oder Verbrauchsmittel verpackt sind, lassen sie sich eigentlich ganz gut befreien, wenn man sie gießen, schütten, schneiden oder stückweise packen kann. Doof wird‘s, wenn sie als Paste, Gel und Creme in Tuben vertrieben werden. Noch doofer, wenn man geneigt ist, auch noch den letzten Rest herauszubekommen.

Jeder hat da so seine eigene Tuben-Technik entwickelt, oder?

  • So manch einer quetscht die Tube mit der vollen Faust. Das wirkt irgendwie infantil, herzlos und brutal.
  • Andere drücken nur das obere Drittel der Tube. Dort ist dann aber bald nichts mehr drin, also muss weiterer Nachschub von unten hochmassiert werden.
  • Echte Verwertungsprofis und Sparfüchse „rollen“ den Inhalt von unten nach oben heraus. Um so enger gewickelt um so besser. Vom Business Case her betrachtet ist das sicher gut, aber man muss aufpassen, dass sich daraus kein Spleen entwickelt 😉

Richtig spannend wird dann das Tuben-Finale:

Denn egal, wie man sich durchs Material arbeitet, es wird ein Rest oben im Kopf der Tube verbleiben. Da hilft’s auch nicht, wenn man die Tube auf den Kopf stellt, schon gar nicht auf den eigenen. Bei Tuben-Köpfen aus Weichplastik (z.B. Zahnpasta) geht das noch ganz gut. Es gibt sie aber auch aus Hartplastik (z.B. Haar-Gel) oder aus Alu (z.B. Tomatenmark) und da kann ich man schon mal schlechte Laune bekommen.

Denn, drückt man dann mit kräftigem Daumen auf den verkanteten Tuben-Kopf, folgt eine Indoor-Eruption die ihresgleichen sucht. Da fliegt das Haar-Gel aufs frisch gebügelte Hemd und die Tomate verteilt sich in der halben Küche. Da kommt Freude auf.

Und so polarisiert die Tube weiterhin. Man kann sie mögen oder hassen. Genauso wie Tuberkulose oder YouTube … was für ein Wortspiel.

PS: sollten Markennamen auf dem Foto erkennbar sein, ist das nicht meine Absicht, sondern Zufall, ich stehe bei denen nicht auf der Gehaltsliste.

So, und jetzt können wir wieder Nachrichten hören.

50) Sekundenbruchteil-Momente 2

Seit Veröffentlichung meiner ersten Sekundenbruchteil-Momente, ist schon wieder so viel passiert. Da dachte ich mir, ich schreibe einen zweiten Teil, vielleicht wird sogar mal eine Serie draus. Mal sehen. Zum ersten Mal hier und keine Ahnung worum es geht? Nun, es geht um Momente im Alltag, die nur ein Bruchteil einer Sekunde andauern, dafür aber so intensiv sind, dass Puls und Blutdruck um die Wette eifern. Die Beschreibung dessen, was in dem Moment geschah, dauert viel länger als der eigentliche Moment selbst.

Und nun weitere zehn Sekundenbruchteil-Momente aus den letzten Wochen:

  • Man besteigt einen Fahrstuhl, die Türen schließen und man erwartet jeden Moment das Gefühl des Abhebens. Die Kabine ruckt kurz und dann passiert erst einmal … nichts.
    Beklemmung?
  • Man eilt mit großen Schritte auf ein Laufband zu. Man läuft mit Schwung aufs Band und … es steht still.
    Ausgebremst?
  • Man sitzt in der Bahn, träumt oder daddelt so vor sich hin und dann hört man eine Stimme: „Guten Tag, die Fahrausweise bitte!“
    Zweifel?
  • Man steht an der Kasse, die Kassiererin bestätigt freundliche „12,73 EUR“. Man greift selbstsicher zur Geldbörse, öffnet das Fach für die Scheine und findet … nichts. Stimmt, gestern gab’s ja Taschengeld für die Kids.
    Demenz?
  • Man bittet iTunes um ein schnelles Update. Eigentlich muss man bald das Haus verlassen. Auf dem Bildschirm erscheint: „Ein unbekannter Fehler ist aufgetreten“
    Druck?
  • Ma startet sein Handy neu und liest aus dem Augenwinkel „Bitte PIN eingeben“. Also gibt man das Kennwort fürs Gerät ein. Abgelehnt. Noch einmal. Wieder abgelehnt. Beim genauen Hinschauen kapiert man, dass die PIN für die SIM-Karte gemeint war. „Sie haben noch einen Versuch“.
    Panik?
  • Man will auf eine Party und nimmt sich dafür extra eine Rasur vor. Mit geübten Griffen geht es zügig von der Hand. Bis man sich schneidet. Das merkt man sofort. Auch wenn man sich wünscht, dass es nicht so ist.
    Hoffnung?
  • Man setzt Milch in einem Topf auf und verbringt die Wartezeit mit etwas anderem. Irgendwann geht man dann mal in die Küche und wirft einen Blick auf die Milch. Sie steigt bedrohlich an, ist kurz davor von unten an den Deckel zu stoßen.
    Aussichtslosigkeit?
  • Man ist ins Flugzeug gestiegen, alle sitzen und haben sich angeschnallt. Es sieht nach pünktlichem Abflug aus. Dann spricht der Kapitän. „Good evening Ladies and Gentlemen, welcome aboard. „It’s your captain speaking. Well, actually we are ready to leave our position, … but …“
    Enttäuschung?
  • Man ist endlich im Anflug auf den Flughafen. Kurz vor Landung schaltet der Pilot den Schub ab, es wird still. Dann rummst es. Zunächst linkes Rad, dann Seitenwind, dann …
    Ende?

Und bei euch? Was sind eure Sekundenbruchteilmomente, die euch in Wallung bringen?

Grüße aus Melbourne!

<— 43) Sekundenbruchteil-Momente 1

—> 55) Sekundenbruchteil-Momente 3

43) Sekundenbruchteil-Momente 1

Manche Momente sind so kurz und intensiv, dass es kaum möglich ist, sie in Worte zu fassen. Oftmals fehlt es der deutschen Sprache einfach an passenden Begriffen. Man braucht also viel mehr Buchstaben, als der Moment eigentlich andauerte.

Verschiedenste Momente von früh bis spät:

  • Man erwacht, öffnet die Augen und orientiert sich. Wo bin ich? Das Oberstübchen informiert, dass ein wichtiger Termin (Arzt, Präsentation, Chef-Gespräch, etc) ansteht.
    Bammel?
  • Man tritt ins Treppenhaus und tastet noch einmal die Tasche ab, wo eigentlich der Schlüssel sein sollte. Zeitgleich rummst es von hinten. Die Tür ist zugefallen.
    Panik?
  • Man eilt die Treppe hinunter, ist in Gedanken schon beim Termin. Auf einmal bemerkt man, dass man aus dem Takt kommt und zu stolpern beginnt.
    Hoffnung?
  • Man rennt quer über die Straße, um noch die Bahn zu kriegen. Es sieht gut aus. Man hat die Tür des letzten Wagens fast erreicht. Aber sie beginnt zu piepen und schließt vor der eigenen Nase.
    Enttäuschung?
  • Man spielt mit dem Handy, es fällt aus der Hand und landet auf dem steinigen Fußweg. Mit dem Glas nach unten natürlich. Man greift es, dreht es vorsichtig und versucht einen Blick auf das Glas zu erhaschen.
    Vorahnung?
  • Man sitzt im Flieger nach Hause und träumt so vor sich hin. Auf einmal fühlt man sich ganz leicht und scheint zu schweben. Im nächsten Moment wird man wach, der Kopf ist nach vorn gekippt.
    Nahtot?
  • Man betritt das Parkhaus, fährt per Fahrstuhl zum Geschoss, wo das Auto steht. Die Tür des Lifts öffnet sich langsam. Das Auto ist aber nicht zu sehen.
    Selbstzweifel?
  • Man fährt auf das Ende eines Staus zu. Während man noch hastig den Warnblinker drückt, zieht im selben Moment die letzte freie Ausfahrt rechts vorbei.
    Hilflosigkeit?
  • Man ist endlich wieder daheim und lässt sich auf die Couch fallen. Man freut sich auf ein Bier und die Spätnachrichten. Stattdessen wird Karneval oder eine blumige Schmonzette aus Süd-England gezeigt.
    Wut! Hass! Tobsucht! Groll! Raserei! Rage! Empörung! Zorn!

Mit jedem Moment steigen Blutdruck oder Puls, Schweiß wird produziert und es wird einem warm oder kalt. Gesichtszüge entgleiten, Pupillen weiten sich, Falten entstehen, Haare werden grau oder fallen aus, noch bevor sie grau werden.
Aber all das dauert eigentlich nur einen Sekundenbruchteil …

—> 50) Sekundenbruchteil-Momente 2