Eine weitere Form von Ignoranz, insbesondere im Berliner Prenzlauer Berg, sind Mütter die mit ihren riesigen Kinderwagen auf den Gehwegen unterwegs sind. Das allein ist natürlich nicht das Problem, denn wo sollen sie denn sonst fahren? Gerade Gehwege wurde ja eigens dafür geschaffen, dass sie von Menschen benutzt werden, warum nicht also auch von Kinderwagen und deren Besitzern. Und wenn sie dabei also einfach nur geradeaus gehen würden, hätte ich damit auch gar kein Problem. Ich könnte sie locker auf der linken Spur überholen. Schwierig wird das Ganze, wenn sich aber zwei Mütter auf einander zu laufend begegnen und sich dann auch noch kennen. Beide Mütter werfen unverzüglich einen Anker ins Berliner Pflaster hinter sich. Abrupt kommen Sie zum Stehen und beginnen ihre Begrüßungszeremonie. Leider stehen sie sich dabei nicht gegenüber, sondern bleiben auf ihrer jeweiligen Gehwegseite stehen. Der schmale gepflasterte Fußweg ist komplett in beide Richtungen blockiert und zur Talkshow befördert worden. Mein Lauffluss und andere Fußgängerströme kommen zum Erliegen. Das scheint den beiden Müttern aber herzlich egal zu sein. Schließlich haben sie sich seit gestern nicht mehr gesehen und haben viel austauschen. Andere Passanten scheinen sie dabei überhaupt nicht zu existieren. Statt sich an die Seite zu begeben, eröffnen sie das Geplapper. Manche Passanten schütteln nur den Kopf, andere äußern ihren Unmut laut. Ich habe eigentlich gar keine Zeit mich aufzuregen, sondern taxiere mögliche Wege, diesem Bollwerk auszuweichen. Am liebsten würde ich direkt durch ihr Gespräch marschieren und es somit auch etwas stören. Vielleicht würden sie durch diese Aktion etwas vom Gespräch abgelenkt und ihre Aufmerksamkeit fällt auf die vielen Cafés in der Straße, wo man gemütlich plaudern kann. Dort gibt es sogar ihr Lieblingsgetränk, Latte Macchiato. Leider ist der Platz zwischen den beiden Wagen zu schmal für meine Hüften. Ich kann also nicht mitten hindurch marschieren. Also bleibt nur der Weg außen herum. Auch wenn der Weg für mich sehr riskant ist, da die Seitenstreifen der Berliner Fußwege gerne als Latrine für die Hunde dient. Das allein ist schon eine Episode wert. Mal sehen, vielleicht später.
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11) Volkspark Mumbai
Wenn ich mich nun auf die nächste Aufregbarkeit stürze, bin ich damit sicher nicht allein. Ich hoffe es zumindest. Wohnt man in Berlin an der Grenze von Prenzlauer Berg und Friedrichshain kennt man den gleichnamigen Volkspark. Eine Oase mitten in der hektischen Innenstadt. Ein paar Fotos: Kornelius nutzt die vielen Wege im Park, um sich auf seinen Halbmarathon vorzubereiten. Julia und Thorben knutschen frisch verliebt auf dem Rasen und können sich kaum noch zurückhalten. Vater Peter und Mutter Marie bringen Sohn Julian das Radfahren bei. Weiter hinten, unterhalb der großen Eiche, meditiert Conny zu fernöstlichen Klängen. Max der Personal Trainer legt gerade diverse Sportgeräte auf dem Rasen aus und hofft auf Kundschaft. Eine Kindergartengruppe nutzt den Tag für ihren Wandertag und erkundet die reichhaltige Berliner Flora und Fauna. Was für ein friedlicher Anblick. Diese Harmonie hält so lange an, bis aus der Straßenbahn M10 die ersten Grill-Nomaden aussteigen und mit Bierkiste auf einem Fahrrad-Hänger in den Park einmarschieren. Insbesondere am Wochenende fliegen die Brutzler ein wie die Heuschrecken. Mal abgesehen davon, dass nach kurzer Zeit der Rauch in den Baumwipfeln hängt und der Park oben aussieht wie nach einem Agent-Orange-Angriff, gleicht der Boden kurzerhand eher einer Müllhalde in Mumbai. Flaschen, Verpackung und Pappteller liegen überall herum. „Ach wie schön ist es doch im Grünen zu grillen. Da hat man gleich mehr Appetit“. Die Müllbehälter stehen zwar in Sichtweite, doch wer will schon wegen jedem Stück Alufolie die 100m zurück liegen. „Man kann ja erst einmal sammeln und den Müll später zu den Behältern bringen“. Versteht sich von selbst. Für mich. Für uns. Aber nicht für den Großteil der Grillen dort. Irgendwann lässt die Glut in dem Grill nach und die Bäuche sind voll. Es wird Zeit, noch etwas durch die nahen Clubs zu ziehen und das fettige Stück Fleisch abzutanzen. Da wären Grill und Kühltasche etwas hinderlich. Da das Grill-Equipment für wenige Euro überall und jederzeit zu haben ist, lassen sie einfach dort einfach stehen. Und da der Müllbehälter leider überhaupt nicht auf dem direkten Weg zur Straßenbahn liegt, bleibt auch der Müll an Ort und Stelle liegen. „Sollen sich doch die 1-Euro-Jobber am Montag darum kümmern“. „Um die Flaschen werden sich bestimmt ein paar arme Schweine kümmern. Da tut man ja indirekt ja noch was Gutes“. „Außerdem machen es alle anderen auf der Wiese ja genauso. Wer nun am nächsten Tag zum Joggen, Radfahren, Knutschen oder Meditieren in den Park kommt trifft auf diese Hinterlassenschaften. Reste vom Schweinekamm oder wahlweise auch Fisch, Scherben, Kronkorken und Verpackungen. Aufgrund der exzellenten Kost, haben sich die Ratten wahrscheinlich über Nacht verdoppelt. Was für ignorante Vollidioten sind das nur? Grillen im Grünen? Ich lach mich tot! Was hat man denen zu Hause beigebracht? Würden sie in Muttis Garten genauso wüten? Vermutlich nicht. Aber Mutti ist ja zum Grillfest auch nicht eingeladen. Das ist ja auch etwas ganz anderes.
6) Nach grün kommt tot
Ein einschneidendes Erlebnis, ist schon länger her, passt aber wunderbar in die Schublade „Ignoranz“. An einem Sonntag unternahmen wir einen kurzen Spaziergang in den nahegelegenen Park. Dazu mussten wir, wie immer, eine 6-spurige Straße überqueren und die zwei Tram-Gleise in der Mitte. Das Vorhaben wird durch drei Ampeln geregelt – eigentlich überhaupt kein Problem. Wie warteten an der roten Fußgänger-Ampel und als nun endlich grün war, betrat meine Tochter ein paar Milli-Sekunden vor uns Eltern und Großeltern die Straße. Ich bestätige hier noch einmal, für uns war grün. In diesem Moment bretterte ein Auto über die Kreuzung. Es fehlten ungefähr noch 30 Zentimeter, dann hätten wir eine Anzeige in der Lokalzeitung schalten können. „Schulplatz unverhofft abzugeben, Kinderbett und Spielzeug gibt’s gratis dazu“. Rein rechtlich, hätten wir Eltern wahrscheinlich sogar noch unsere Aufsichtspflicht verletzt, weil wir den Übergang nicht abgesichert hatten. Tja, da kann man nichts machen. Lautes Veto! Politik und Verkehrslenkung kann mehr tun, als Verkehrsinseln und Tempo-30-Zonen zu bauen. Bei jedem Verkehrsvergehen gegen Kinder, sollte das Bußgeld verdreifacht werden. Das tut bestimmt weh und ich wette, dass ist effektiver. Diese Inseln bieten zwar Zuflucht, wenn die Kinder-Beine kürzer als der noch vor ihnen liegende Weg sind, es schützt aber kaum vor Voll-Idioten, die Gas und Bremse verwechseln und bei Dunkel-Rot über eine Kreuzung knallen. „Das kann doch mal passieren, es war ja vermutlich auch nicht mit Absicht des Auto-Fahrers geschehen, oder?“ Da habe ich so meine Zweifel! Warum ist er ohne anzuhalten einfach weitergefahren? Weil ja eben „nichts“ passiert war? Hätte er nicht anhalten können, um sich wenigsten mal zu entschuldigen? Hätte er denn gehalten, wenn meine Tochter nach einem dumpfen Knall durch die Luft geflogen wäre? Wäre das dann ein angemessener Grund, die eilige Fahrt zu unterbrechen? Nun, ja. Meine Tochter war zumindest zutiefst verunsichert, schließlich hatte sie alles richtig gemacht. Äußerlich war sie zwar nicht verletzt, aber das Ereignis wirkt nach. Traue nie einer Ampel.
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