518) Lakshmi

Meine Zeit in Süd-Indien läuft ab, die Fluggesellschaft wies mich bereits auf meinen anstehenden Abflug hin. Umso wichtiger, dass ich eine kleine Geschichte von hier veröffentliche, nicht aus dem grauen, kalten Berlin. Die folgende Story hat sich genauso hier ergeben, es wurde nichts hinzu- oder weggedichtet.

In der Region Thekaddy hatte ich die Gelegenheit, seit verdammt langer Zeit mal wieder, auf einem Elefanten zu reiten. Wie steuerten eine Elefanten-Park an, aber die Straße war gesperrt, so dass wir einen alternativen Anbieter suchen mussten. Fanden wir auch.

Dort ging ich zum Counter und sagte so etwas wie „Hello … ich jetzt hier … bitte einmal reiten“ …  dann sagte der Herr am Counter .. „Yes Sir, du jetzt hier, der Elefant benötigt aber zwei Piloten.“ Misst, ich war allein.  Also musste der Fahrer herhalten. Er zierte sich, war etwas  ängstlich, er hätte das noch nie getan, aber ich überredete ihn und übernahm den Eintrittspreis. Die Elefantendame, die uns trug, wurde uns mit dem Namen „Lakshmi“ vorgestellt und hatte auf dem Rüssel eine besondere Blässe.

Im Anschluss schickte ich ein Foto an >meinen Inder“ und es entwickelte sich folgender Wort-und Gedankenwechsel (Auszüge):

Er: „This is the exact spot I clicked the picture some years ago“ … „If I have elephant‘s memory … the elephant name is Lakshmi.“

Ich: Schluck. Lakshmi? Gut, da mag es viele Elefanten geben in Indien mit diesem Namen. Schließlich ist Lakshmi die hinduistische Göttin des Glücks, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Wohlstands, der Gesundheit und der Schönheit. Welche Elefant:In will da nicht gern Lakshmi heißen?

Ich: „Can it be the same elephant lady?“

Er: „The pattern on the trunk looks similar to me“

Ich: „Can you remember the place you met Lakshmi?“

Er: „Thekaddy“

Ich: „Shit … it must be the same … let me send the position“ … ich schickte einen Link von Google Maps

Ich: „Don’t know what to say this moment, but it seems that we met the same elephant here in this area“

Er: „Took just couple of seconds for me to recognise as soon as you sent first picture. I was there on 1st April 2017.“

Verrückt …

102) Postkarte aus Bengaluru – 4

So, vier Wochen Arbeit und intensiver Straßenverkehr in Bangalore sind geschafft, gute Gelegenheit für ein letzten Gruß aus Bangalore. Morgen fliege ich in den Bundesstaat Kerala, wo es dann hoffentlich etwas relaxter zugeht.

Meine vorerst letzte Postkarte aus Bangalore wäre unvollständig, wenn ich nicht noch mal auf den Verkehr eingehen würde. Dafür reichen deutsche Wörter einfach nicht aus. Wahnsinn, irre, crazy, stupid, lebensgefährlich,… das war in Indien schon immer so, aber Bangalore ist da glaube ich schon Weltspitze. Jeder fährt, wie er will. Auf offiziellen dreispurigen Strassen fahren sie 5-6 spurig „flexibel“, selbst wenn Straße vollkommen dicht ist, versuchen wir uns an der Seite irgendwie vorbei zu schlängeln.

Wenn es voll wird, nutzen Motorräder oft die Gehwege, wo natürlich auch Kinder unterwegs sind und „ein Dienstreisender“. Zig Menschen überqueren die Kreuzungen, wann und wie es irgendwie geht, dann laufen sie im Gänsemarsch am Straßenrand, um den nächsten Bus zu bekommen, der sie zu ihrem Job bringt … oder zum nächsten Bus.

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Auf einem Ausflug nach Mysore nutzen wir mal eine Autobahn, ja, ja so etwas gibt es hier mittlerweile auch. Die Straße ist durch Zaun oder Mauer gesichert und man kann nicht wenden. Aber hier geht es trotzdem anders zu, also auf der A9 zwischen Nürnberg und München. Die zwei Spuren, werden teils dreispurig befahren, und wenn man Bock auf was süßes hat, knabbert man einfach beim Nachbarn am Zuckerrohr.

Am Ziel angekommen, besichtigten wir den Palast von Mysore, mit tausenden anderen Menschen, wurden wir durch die Gänge geschoben incl Rücken-Trommel-Massage und Hautkontakt. Hier bitte Schuhe abgeben und sich dann bitte mit der Menge treiben lassen. Auf dem Gelände hingen noch Zettel aus Covid-Hochzeiten. Keep physical distance … ha ha ha.

Bestellt man was bei McDonald’s, wird der Abholzettel nicht wie bei uns auf 1/2 m Bong-Rolle gedruckt, nein, eine alte Bong-Rolle wird in feine Rechtecke geschnitten und dann wird die Bestellnummer per Hand drauf notiert. Eigentlich sehr nachhaltig, blöderweise kriegt man in vielen Shops einen Bong, den man beim Herausgehen einem Sicherheitsmann vorzeigen muss. Insofern hebt sich die Innovation bei McDonalds wieder auf.

Das Schild fand ich lustig. Gefahr! Eine Erektion ist in Arbeit. 🙂
Meine Güte, besser mal weiter gehen.
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Das hier fand ich auch lustig. Drei Feuerlöscher-Eimer an einem Flohmarkt mit wichtigem Hinweis nebendran . Wenn sie schon darauf hinweisen, wird es wohl einen Grund haben.

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Das folgende Schild, wartete im Nationalpark Bandipur auf uns. Ich meine, dass man Affen nicht füttern sollte und Plastik nicht in den Wald schmeißt, versteht sich ja von selbst, aber dass man nicht kochen darf, das ist ja wo die Höhe! Aber wie schon oben gesagt, sie würden es nicht dranschreiben, wenn es nicht einen Grund gäbe.

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In den Bergen bei Ooty trafen wir auf einen „Shooting Spot“. Nee, da wird nicht scharf geschossen, aber Filme wurden da gedreht. Also flitzen alle Bollywood Fans den Berg hinauf und machen 1000 Selfies.

Zum Schluss ein blau angelaufener riesiger Affe, den wir jeden Tag auf dem Weg in die Firma passieren. Kenner der Szene werden ihn als Hanuman, den Affen-Gott k

ennen. Steht da halt so rum und staunt.

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Heute zum Abend absolvierte ich noch den längst versprochenen Besuch, bei den Eltern meines Kollegen, ein pensioniertes Lehrer-Ehepaar, sehr konservativ, vor kurzem in Mekka gewesen, ein internationaler Kulturausstausch incl Übersetzungsdienst, bodennahem Dinner und Manövrieren in heiklem Themen-Gewässer. Ein intensives Erlebnis, da mögen wir sehr andere Ansichten haben, aber ich denke, ich konnte ein paar Impulse dortlassen. Vorsichtig natürlich.

Nach vier Wochen Bengaluru, verspüre ich nun aber auch Durst nach einer Auszeit, an einem Waldsee in Südschweden … im Sommer natürlich … nicht jetzt.

513) 1.Klasse diskutiert es sich bequemer

Wenn ich mich hier durch Bangalore bewege und das Treiben in der Stadt beobachte, muss ich oft an die vielen, teils ideologisch aufgeheizten, Diskussionen in der Heimat denken.

Ein paar Beispiele:

  • In Deutschland diskutieren wir den Ausbau der Radwege, definieren Breiten und Farbtöne und können uns herrlich drüber aufregen, wenn sich die Radfahrer nicht an die Radstreifen und Regeln halten. Hier gibt es überhaupt keine Radinfrastruktur, man sieht kaum Fahrräder, höchstens am Wochenende mal ein paar Rennradler, die sich zu früher Stunde aus der Stadt verdrücken.
  • Zu Hause schütten wir Fußgängerunterführungen zu, weil wir die Fußgänger nicht mehr verdrängen, stattdessen wieder ans Tageslicht bringen wollen. Hier dagegen gibt es kaum Ampeln, die ein gesichertes Überqueren der Straßen möglichen. Zebrastreifen sieht man ab und zu, sie haben aber keine Bedeutung. Fußgängerunterführungen oder -brücken … Fehlanzeige. Fußgängerzonen ebenso.
  • Hier ist man um jede weitere Fahrspur froh, die errichtet wird. Um jeden Fly Over, der ein besseres Vorankommen mit Auto oder Scooter ermöglicht. Wenn ich indischen Kollegen davon erzähle, dass wir Stück für Stück Fahrbahnen streichen, um den Autoverkehr schrittweise in den ÖPNV umzuleiten, schütteln die hier nur den Kopf. Ja, mit den zwei Metro-Linien in Bengaluru ist ein Anfang gemacht, aber man darf nicht vergessen, dass die Stadt jeden Tag wächst. Gemäß >Wikipedia waren es im Jahr 2000 ca. 6 Mio Einwohner, in 2017 schon das Doppelte mit 12 Mio. Solch ein Wachstum möchte ich mir für Berlin nicht vorstellen.
  • Wenn ich mich in Berlin einer Kreuzung nähre, dann registriere ich die Verkehrszeichen, leite daraus ab welche Regeln gelten, komme dann zu dem Schluss, was das nun für mich bedeutet und handle danach. Und im Zweifel zählt §1 StVO. Fährt mein Indischer Kollege auf die Kreuzung zu, denkt er eigentlich nur daran, … O-Ton …, wie er nun schnellstmöglich vorwärts kommt ohne andere zu töten oder sein Auto zu beschädigen. Und schnellstmöglich meint jetzt nicht „Rasen“, sondern überhaupt vorankommen.
  • Wenn ich meinen Kindern eintrichtere, dass sie sich doch etwas zurückhalten sollen, anderen den Vortritt lassen, oder sich anstellen müssen, gilt hier nur das Recht des lauteren, stärkeren und energischeren. Wenn man hier auch nur einem Menschen den Vortritt lässt oder einem Pkw die Vorfahrt schenkt, kommen gleich zig andere hinterher und man hat die berühmte Karte mit A gezogen.
  • Geht es bei uns auch gern um Gleichberechtigung, Equal Pay und Frauenrechte, sind hier die Hochzeiten noch häufig arrangiert und der Ehegatte beziehungsweise seine Eltern verfügen über die Rechte der Frau. Auf der Büro-Etage, wo ich die letzten Tage zu tun hatte, waren Frauen deutlich unterrepräsentiert. Dafür sieht man sie beim Bau von Fußwegen oder anderen körperlich schweren Tätigkeiten.
  • Ist bei uns Sonntagsarbeit i.d.R. verboten, weil Kirchen oder Gewerkschaften es so gern haben, läuft der Laden hier weiter. Die Arbeiten an der Metro werden fortgesetzt und auch Wohnhäuser sind sonntags „Under Construction“. Häufig wohnen die Arbeiter in den Rohbauten. Wenn die Sonntags Däumchen drehen würden, dann würde alles noch ein siebtel länger dauern und die Leute würden ein siebtel weniger verdienen. Ganz einfach.
  • Während wir diskutieren, ob das Duschgel nun Mikro-Plastik enthält oder nicht, gibt’s hier Makro-Plastik an allen Ecken. Natürlich bin ich froh das wir da schon einen Schritt weiter sind, aber das ordnet das Problem ganz anders ein und zeigt was weltweit noch alles zu tun ist.

Vor der Kulisse hier, wirken manche Diskussion daheim etwas bizarr, aber es diskutiert sich halt auch leichter, wenn man in der 1. Klasse sitzt. Ich will damit nicht sagen, dass wir solche Diskussionen nicht führen sollten, ABER in der Diskussionstemperatur und in der Erwartungshaltung, wie kurzfristig all die Transformationen zu Hause geschehen „müssen“, könnte man etwas herunterregeln, glaube ich.

101) Postkarte aus Bengaluru – 3

Auch wenn ich natürlich in erster Linie hier bin, um zu arbeiten, gibt es natürlich links und rechts des Weges oder auch an den Wochenenden einiges zu entdecken. Und wie immer, gucke ich doch gar nicht so sehr auf die Main Locations, sondern eher so auf die kuriosen Dinge, und davon gibt’s in Bangalore nun wahrlich genug.

Nicht nur die Deutschen können Schilder, Inder auch.

Um die Ecke habe ich einen kleinen Park, eigentlich ein breiter Grünstreifen in einer Wohngegend, eingezäunt zieht der sich die Straße rauf. Ein paar Geräte für Kids, für Sportler auch, einen 400m Weg, auf dem ich ein paar Runden drehen kann (allerdings keine Freude bei der Luft hier) und an dem einen Ende gibt es eine Joga-Ecke. Man soll bitte ruhig sein, links und recht fahren Autos und Mopeds hupend vorbei. Ommmmmm!

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Kühe gibt es natürlich auf den Straßen auch, im besten Fall ein Einzelstück, im worst case eine Gruppe. Anfassen, Verscheuchen oder zu nahe dran vorbeifahren, kann Probleme machen. Also Geduld bewahren und … hupen … das darf man.

Ganz besonders irre sind die Moped-Fahrer, es gibt nichts, was es nicht gibt. Leider habe ich nicht immer die Kamera zur Hand oder die Bilder sind verwackelt. Der hier, hatte in der Handy-Halterung ein Cricket-Spiel laufen, aber immerhin hatte er einen Helm auf.

Der nächste Fahrer war auch lustig, leider auch etwas verwackelt. Der Reifen hinten war schon ziemlich matsch, also musste er sein Gewicht nach vorn verlagern, in Richtung Vorderreifen und hat sich schlauerweise auf den Tank gesetzt.

Und wenn die befestigte Straße voll ist, also eigentlich immer, dann nimmst du halt den „Grün“streifen … Sandstreifen, „find your way“ nennen sie das hier.

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Wenn man in Indien Tuk-Tuk meint, spricht man hier offiziell von Three Wheeler, im Alltag nennt man sie „Auto“ … aber English ausgesprochen … also so ähnlich wie „Aodo“. Als harte Verhandlungspartner, streckenweise stur, lenken die Fahrer die wendigen Gefährte durch den üblen Verkehr. Ich würde mal sagen, dass sich das Design in den letzten Jahren nicht / nur wenig verändert hat. Das Ding wird entweder barfuß oder mit Schlappen gefahren, neu ist, dass die Drivers mittlerweile auch alle ein Handy haben, entweder für Google Maps oder Uber / Ola oder für Sport und Bollywood.

Bei dem Vordermann geht man besser auf Tauchstation. Ich wollte ihn darauf ansprechen, dass die Straßenverkehrsordnung eine rote Fahne o.ä. dafür vorsieht, aber ich tat mich mit der Aussprache etwas schwer.
“ಒಂದು ಮೀಟರ್ ಉದ್ದವಿದ್ದರೆ ನೀವು ಕೆಂಪು ಧ್ವಜವನ್ನು ಹಾಕಬೇಕು“

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Freunde der veganen Küche und Hygiene-Nerds, Trigger-Alarm (!), vielleicht die folgende Bildersammlung doch besser überspringen. Das Vieh hängt bei 30°C den ganzen Tag am Rand ein Hauptverkehrsstraße.

.Diese farbenfrohe Deckenlampe hängt beim Chaiwala in der Nähe der Firma. In Deutschland wäre die Hölle los, zu Recht. Aber hier ist es einfach nur ein tausende Jahre alter Glücksbringer, den sich ein paar deutsche Großmachts-Psychopaten in den 1930-er Jahren angeeignet haben.

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Und sonst so? Viel mehr, als sich hier abbilden lässt! Mehrmals auf dem Motorrad hinten mitgefahren (Grüße von der Staublunge), zum ersten Mal Metro in Indien gefahren und endlich mal wieder Three Wheeler. Aufm Bauernhof gewesen, bei einer Moslem-Familie zum Abendessen auf der Erde gesessen (Grüße vom Knie), Probe-Alarm im Büro-Gebäude mit Räumung und Unterweisung erlebt, Probespiel fürs Cricket-Turnier morgen, diverse Stromausfälle, in Schlagloch getreten, umgeknickt, täglich in eiskaltem Meetingraum gehockt, erkältet, etc p.p.

Wird nicht langweilig

Aber so ist das in encredible India.

So, jetzt muss ich Schluß machen, morgen werde ich 07:00 abgeholt, 08:00 ist Antritt auf dem Cricket-Platz und ich mittendrin.

99) Postkarte von Fanø (DK)

Bevor Beitrag Nummer 100 dieser Kategorie, sehr wahrscheinlich aus Indien kommen wird (… was für ein Zufall …) folgt nun noch eine windig-feuchte Postkarte von der Insel Fanø. Die Insel ist nicht sonderlich groß und nur per Fähre zu erreichen.

Die Dänen sind aber ganz vorne dran, die angesagten Themen zu ermöglichen.

Nach Befahren der Fähre, geht man nach rechts, wenn man auf dem iPad rumdaddeln will oder nach links, zur Abteilung Yoga und Beckenboden-Gymnastik. Bisschen aufpassen muss man allerdings bei den Herren, die haben „untenrum“ in der Regel nix an.

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Auch hier ist natürlich ohne Moos nix los, ist aber nicht ganz so ruinös, wie eine Silvester-Feier in Schweden.

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Als deutscher Gast, stolpert man gelegentlich über die Hinterlassenschaften von Vorfahren. Überall hinterlassen die ihren Müll!

In den Dünen kann man endlos auf und ab stapfen, warm und winddicht eingepackt, kam ich mir vor wie Mark Watney im Außeneinsatz auf dem Mars.

Das Wasser bestimmt auch hier den Alltag. Entweder fehlt es oder die Hütte wird unerreichbar, kann nun aber „mit Pool“ vermietet werden.

Gäste aus Indien habe ich hier nur sehr wenige gesehen. Hat sich dann auch im Laufe der Tage aufgeklärt.

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Schön war‘s … iss‘es.

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—> Mehr Postkarten gibt‘s hier

96) Postkarte von Fernwärme

Wie ich in >469) Oh e-Visa, keiner stresst mich so wie dieser … und in >500 Stunden schon durchklingen lassen habe, geht’s für mich bald auf eine längere Reise ins ferne Ausland. Das Reiseziel habe ich hier bislang noch nicht erwähnt, obwohl natürlich einige bereits eins und eins zusammengezählt haben und dann korrekterweise bei XYZ gelandet sind.

Auch heute werde ich hier den Ort nicht nennen, aber mit einem Bilderrätsel schon mal in die richtige Zeitzone deuten.

Neben den Vorbereitungen zu Weihnachten, fliegen mir natürlich einige Dinge durch den Kopf, die es noch einzusammeln, zu ordnen und zu verpacken gilt. Wintergebäck wird zu Tropengepäck

Klamotten, Schuhe, Sportzeugs, Mitbringsel, Dokumente, Technik, … um am Ende dann doch immer wieder beim Thema Gewichtsbeschränkung rauszukommen.

21 Kilo sind schon mal fest verplant … sagt die Gebäckwaage.

503) Mein Bahnrekord 2023

2023 wird wohl mein Jahr mit den meisten Bahnfahrten werden. Wie kam es? Zum einen waren natürlich wieder mehr Reisen möglich als in den drei Jahren Pandemie, zum anderen habe ich mich gegen Inlandsflüge entschieden. Und ich muss sagen, im Großen und Ganzen lief das eigentlich ganz gut. So langsam kenne ich die Wege am großen Berliner Hauptbahnhof und habe die Prozedere an Bord kapiert.

Da ich im verbleibenden Jahr keinen Zug mehr besteigen werde, kann ich mich zu einem Fazit hinreißen lassen.

  • Die Verspätungen hielten sich in Grenzen, da ich aber selten umsteige, stören sie mich aber auch nicht. 
  • Ich kann ganz gut im Zug arbeiten, auch wenn das ICE-Portal das Internet eigentlich immer zwischen „wechselhaft“ und „schwach“ darstellt. Entweder gleicht die Handy-Antenne solche Momente aus oder man macht mal etwas offline. Oder döst einfach mal weg.
  • Man kann zwischendurch aus dem Fenster schauen und die Gedanken fließen lassen. Wenn man bei der Sitzplatzwahl darauf achtet, dass man auch ein Fenster bekommt.
  • Am liebsten sitze ich auf Höhe der Gepäck-Regale, da habe ich automatisch weniger Menschen um mich herum … und ich kann den Laptop auch mal ins Regel stellen und im Stehen arbeiten.
  • Neulich stand ich da so vor dem Regal und warf einen kurzen Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige. 294 km/h wurden angezeigt. Da setzte ich mich aber wieder ganz schnell hin und begann das Grübeln, warum die Koffer da so lose herumliegen und es keine Anschnallgurte gibt. Aber die Antwort gab ich mir selbst, 294 km/h ist und bleibt auf lange Zeit eine Ausnahme.
  • Großartig finde ich die Lautsprecherdurchsagen, leider habe ich nur wenige notiert. Die Bahn ist sehr mitteilungsbedürftig und hat einen endlosen Vorrat an Formulierungen. „Sollten sich Arzt oder Rettungssanitäter im Zug befinden, werden diese gebeten, sich in Wagen 10 zu melden.“ „Der Antrieb ist eingeschränkt, die Leistung liegt nur bei 70%, daher könnten wir in Berlin nicht ins Untergeschoss fahren, weil Gefahr besteht, dass der Zug da nicht mehr rauskommt.“ In Erfurt hatten wie neulich eine „Verfrühung“ von 15 Minuten aufgebaut. Verfrühung, Verfrühung … gibt es das Wort überhaupt? Im Rahmen einer 15-Minuten Standzeit hatte ich dann ausreichend Gelegenheit darüber nachzudenken.
  • Die Mitreisenden erlauben herrliche Sozialstudien. Ob Beziehungskrach, Wichtigtuer am Telefon, schlecht erzogene Kinder und deren Eltern … es gibt immer was zum Kopfschütteln.
  • Für sehr stark ausbaufähig hingegen, halte ich die Aufenthaltsmöglichkeiten am Bahnhof. Wenn man sich im Zug keine Erkältung einfängt, dann spätestens an der zugigen Bahnsteigkante.
  • Und auch der Prozess „Man hat lauter Technik aufgebaut und müsste mal aufs Klo“ wäre zu optimieren. Wer meint, man nehme den Laptop einfach mit und stellt ihn auf dem Waschbecken-Rand ab, sollte sich vorher mit dem Zugtyp auseinandersetzen. Lichtschranken öffnen mittlerweile  das Ventil und dann … hat man plötzlich ganz viel Freizeit.

Have fun … with Deutsche Bahn.

502) 500 Stunden

Schon wieder so’n 500-er Dings-Bums. Wird das jetzt zum Trend oder ein Triple-Wums etwa? Nein, nein, keine Sorge. Die Überschrift passt mir nur gerade ganz gut in den Kram, denn es gibt aktuell eben noch ein Thema welches für mich mit der Zahl 500 verbunden ist.

In ca. 500 Stunden von heute, werde ich in einen Flieger steigen, der mich nach Osten bringt.

In ein Land, in dem ich schon mehrfach war, dienstlich wie privat. Nur diesmal gebe ich es mir gleich richtig. Ich werde vier Wochen dort arbeiten, eingebettet in lokale Arbeitsweisen und Geschäftskultur und dann hänge ich noch etwas Urlaub dran, um mich von all‘ dem wieder zu erholen. Planung und Organisation des Trips beschäftigen mich schon ein Weilchen, aber jetzt vor der anstehenden Weihnachtspause, kommt mir das Vorhaben mehrmals täglich hoch und erzeugt ein angespanntes Kribbeln im Mittelgeschoss. 

Es ist halt etwas anderes, wenn man da für Urlaub hinfährt oder für einen kurzen Schlaumeier-Auftritt, nach dem man schnell wieder die Flatter machen kann und das frisch geschlaumeierte nicht ausbaden muss. Diesmal werde ich aber mittendrin bleiben im geschäftigen Getummel … und ja „Getummel“ … ist schon mal ein guter Hinweis aufs Land, verraten werde ich es aber noch nicht. Aber so viel sei gesagt: Warme Temperaturen, demokratisch und kulinarisch reizvoll.

Ich werde vermutlich viel arbeiten, habe aber vor, mir an den Wochenenden auch etwas anzuschauen. Sicher werde ich auch hin und wieder mal was in den Blog hier schreiben. Vielleicht über lustige, skurrile Erlebnisse in der Zusammenarbeit dort oder sicher auch ein paar >Postkarten verschicken, ich gehe das mal locker an. An den Blogs, denen ich folge, versuche ich dranzubleiben, aber ich tue das aus einer deutlich anderen Zeitzone, also stellt eure Handys und Tablets des Nachts besser auf „nicht stören“, sonst nerve ich euch schon vor dem Morgengrauen.

So viel dazu, ich werde mich sicher ordentlich verabschieden, aber bis dahin sind ja erst einmal noch 500 Stunden … und es bleibt noch einiges zu tun. 

Ich sollte mal anfangen

501) 500 Airbus

Bevor es für mich morgen wieder auf Reisen mit der Bahn geht, möchte ich noch einen Artikel mit Senf kommentieren, den mir der Reiner freundlicherweise weitergeleitet hat. Der Artikel erschien in der New York Times, ist mittlerweile wieder hinter der Bezahl- Schranke abgetaucht, aber ich kann den mal ganz kurz zusammenfassen. Es ging im Wesentlichen um die gigantische Entwicklung des Flugwesens in Asien, welche Pläne die Airlines da haben und welche Flughäfen oder Terminals da mal soeben aus dem Boden gestampft werden. Side Kick Flughafen BER. Autsch!

Zum Ende des Artikels stand geschrieben, dass die indische Airline „Indigo“ kürzlich 500 Airbus Typ A320 bestellt hat. Ja 500! Da kriegen die Airbus-Vorstände (Europäer wohlgemerkt) Freudentränen und die „Umweltbedenkenden“ hier tiefste Sorgenfalten auf der Stirn, wenn man den Diskussionen zu Inlandsflügen folgt.

Aber um fair zu bleiben, warum sollen die Inder nicht fliegen? Warum sollen die mit dem Auto durch ihr riesiges Land gurken? Wieso sollen sie nicht ihre Verwandten per Flugzeug besuchen oder ins Ausland fliegen können? Dass das mit vermehrtem CO2 daherkommt ist ja wohl logisch. Aber verbieten kann man ihnen das nicht. Schon gar nicht, solange in Deutschland umhergeflogen oder zum kaufen / saufen / raufen nach Barcelona gedüst wird. Nur mal so ein „Längenvergleich“: Strecke Rostock – München per Auto ca. 780 km, Strecke Delhi – Bengaluru ca. 2.200 km … und das ist noch lange nicht die volle Nord-Süd-Ausdehnung. Zwei Drittel vielleicht. Und Autobahn gibt’s da auch nur selten.

Toll fand ich die Korrektur der Redaktion zum Schluss des Artikels, die habe ich mir für meinen Beitrag hier kopiert:

„Correction was made on November 2, 2023: An earlier version of this article misidentified the Airbus planes ordered by IndiGo. They are A320s, not A230s.“

Na immerhin haben sie sich nicht das alte Zeug andrehen lassen, sondern nehmen gleich das Mondernste.

PS: allen Vielfliegern die noch in Dubai auf der COP sind, wünsche ich guten Heimflug. 70.000-100.000 Teilnehmer waren es über die Tage … habe ich gehört … oh oh.

In so einen A320 passen ca. 200 Menschen … macht ca. 500 Flugzeuge … na passt doch wieder!

94) Postkarte mit ganz viel wenig Farbe

Fährt man im Winter an die Ostsee, hat das gegenüber dem Sommer große Vorteile. Die anderen Urlauber haben Klamotten an und man hat nicht ständig Sand, wo man ihn nicht haben will. Zudem gibt’s Glühwein. Nur mit den Farben ist es etwas dünn dieser Tage. Grün, gelb und blau sind am Buffet schnell vergriffen.

Also stapft man die Küste entlang, muss nicht so viel reden und auch nich‘ so vülle schreib’n hia.

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