3) Aufgregbarkeiten

Im zweiten Teil des Titels macht sich das Wort „Aufregbarkeiten“ breit. Ein Wort, dass es eigentlich gar nicht gibt. Selbst die allzu schlaue Suchmaschine bestätigt es. „Es wurde keine mit deiner Suchanfrage übereinstimmenden Dokumente gefunden“. Für den ähnlichen Wortstamm „erregen“ zum Beispiel, gibt es durchaus Wortgebilde wie „erregbar“ und „Erregbarkeit“. Das sind also Gelegenheiten, die jemanden eben erregen lassen. Hier geht es aber nun um Gelegenheiten oder Situationen aus der Hauptstadt die mich „aufregen“ lassen. Wie gesagt, ich will nicht mahnen, klagen, aufwiegeln oder rächen. Ich möchte nur mit meinen Bildern und Worten aufzeigen. Und wenn der ein oder andere Leser ähnliches erlebt hat und es ihn stört, habe ich wieder Hoffnung. Ertappt sich dabei ein Leser selbst oder fühlt sich mit meinen Worten gemeint, genieße ich das in Stille und hoffe auf Besinnung oder Erleuchtung.

2) Egoismus-Lexikon

Wenn ich das Wort Egoismus so vor mich hin und her drehe, kann ich darin mehrere Arten sehen. Mag sein, dass die Wissenschaft zu ganz anderen Definitionen kommt, aber ich will ja hier auch keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben. Ganz oben sehe ich die Kategorie des „Natur-Egoismus“. Darunter fallen Menschen, die ernsthaft davon ausgehen, dass sie ganz allein auf dieser Welt leben. Sie haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen, denn der jeweils andere, der egoistisch behandelt wird, existiert quasi nicht. Dieser Kategorie kann ich schon fast ein paar Sympathien abgewinnen, denn dieser Egoist ist mit sich absolut im Reinen. Er fühlt sich nicht schlecht dabei und kann sich gar nichts zum Vorwurf machen. Schlimmer ist eigentlich die zweite Kategorie. Die „Ignoranz“. Die Ignoranten wissen durchaus, dass es noch andere Artgenossen auf der Welt gibt und sie sehen sogar, wie sie anderen Menschen in der Situation eigentlich schaden. Aber es ist ihnen total egal. Es wird trotzdem entsprechend gehandelt. Hauptsache er oder sie oder auch seine Kinder setzen sich in der Hackordnung durch. Die dritte und vierte Kategorie, muss man ganz dicht beieinander eröffnen, denn sie agieren auf ähnliche Weise subtil. Beide könnten fast Zwillingsschwestern sein. Da sehe ich zum einen die „Einmischung“ und aber auch die „Bevormundung“. Beide Typen tanzen etwas aus der Reihe, da sie nicht so offensichtlich wie „Natur-Egoisten“ und „Ignoranten“ daherkommen. Aber für mich gehören sie mit dazu. Denn wenn wir in manchen Situationen quasi überhaupt nicht existieren oder auch mit voller Absicht ignoriert werden, frage ich mich in anderen Situationen, ob wir nicht selbständig genug sind, um nach eigenen Kriterien abzuwägen und unsere Entscheidungen zu fällen. Stattdessen grätschen aber in diesem Moment Personen oder auch Institution in unser anwesendes Leben und lassen die beiden Zwillinge darin toben. Mit schlauen Ratschlägen und vermeintlicher Expertise tauchen sie wie aus dem Nichts auf und geben ihren Senf zu unserem Alltag dazu. Auch wenn wir unser Leben lieber ohne Senf mögen.