Im Vorfeld unserer Kanada-Reise habe ich mir mal wieder durch meinen Französisch-Sprachführer geblättert. Das ist so ein gelbes Büchlein der Firma Langenscheidt (keine Schleichwerbung, ist aber nun mal so), was ganz weit oben im Schrank steht und nur dann herausgesucht wird, wenn es für mich mal ins frankophone Ausland geht. Denn es mangelt mir nicht an Vokabeln, sondern an Formulierungen. Also ging ich die verschiedenen Kapitel durch und merkte dann doch recht schnell, dass bestimmte Wörter völlig antiquiert und unnütz sind oder komplett fehlen.
Kein Wunder, wurde das Büchlein zuletzt im Jahr 2000 aktualisiert:
- Im Kapitel „Hotel“ gibt‘s Formulierungen wie …
„Der Wasserhahn tropft“ und „Die Toilette ist verstopft.“
Aber so etwas wie „Das WLAN spinnt“, existiert einfach nicht. - In der Rubrik „Flugzeug“ finde ich Worte wie „Raucher“ und „Nichtraucher“ … unglaublich. Immerhin haben die Begriffe „la sachet vomitoire“ und „le retard“ überlebt. Kotztüte und Verspätung.
- Bei „Auto, Motorrad, Fahrrad“ wird deutlich, dass Dinge wie „Car-Sharing“, „E-Roller“, „E-Bike“ erst zwanzig Jahren später erfunden wurden. Sucht man vergebens.
- Auf der Seite „Bus, Bahn, Taxi“ kann ich lernen, wie ich nach der nächsten U-Bahn-Station frage. Erstens frage ich grundsätzlich nie nach dem Weg und zweitens habe ich heute ein „Navi“ und notfalls rufe ich „Uber“ oder ähnliche Kutscher.
- Das Kapitel „Speisekarte“ ist über 10 Seiten lang, für‘s „Gemüse“ musste eine Seite reichen, fürs „Tierische“ dagegen gibt es fünf Seiten. Die Worte „vegan“ oder „vegetarisch“ sucht man vergebens.
- Auf der Doppelseite „Bild und Ton“ wird‘s nostalgisch. „Vous pouvez me placer pellicule dan‘s l‘appareil?“ Können Sie mir bitte den Film einlegen? „Haben Sie CD’s / Schallplatten von …“ und „Ich möchte die neueste Kassette von …“. Auf der folgenden Wortliste stehen die neuesten technischen Innovationen wie Camcorder VHS, Videokasette und Walkman.
- Im Abschnitt „Post und Bank“ wird der Wandel ganz besonders deutlich. „Können Sie mir bitte sagen, wo hier eine Telefonzelle ist?“, „Können Sie für mich ein Telefax senden?“, „Kann ich bei Ihnen ein Telegramm aufgeben?“
Herrlich, oder? Nix Internet, nix Handy, nix Netflix …
Kaum vorstellbar.
