Es gibt ja da diesen Kaffeeröster, der verkauft neben Kaffee auch anderen Klimbim. Normalerweise gehe ich an dem Regal vorbei. Heute aber blieb ich einen Moment stehen und entwickelt nostalgische Schwingungen. Denn der Themenschwerpunkt des Sortiments war wohl „Camping“ … und damit gab es all den nützlichen Kram, den man als guter Camper „unbedingt“ braucht. Hauptsache, man ist gut equipped.
Ach ja … Camping-Urlaub … Mitter der 90-er … kein Geld auf der Tasche aber Kilometer machen. Die südfranzösische Küste entlang und den Millionären in St Tropez auf den Teller gucken. Spaniens Ostküste runter bis nach Gibraltar und Tarifa, dem südlichsten Punkt Europas. Durch die Toskana, Italien bis zur Hälfte links runter, rüber auf die Adria-Seite und dann rechts wieder hoch. Und der Loire entlang bis zum Atlantik und natürlich alles wieder zurück. Jedes Mal. Herrlich.
Da hätte ich glatt mal wieder Bock drauf …
- Fast jeden Tag den Zeltplatz wechseln, anfahren, anfragen, anmelden, auf-und abbauen.
- Einen guten Platz ergattern, weiter weg von der Straße, gern mit Schatten und ohne Wurzeln und Hanglage.
- Zelt aufbauen, die Heringe in steinhartem Boden kloppen und mit Schlafsack, Iso-Matten (schon aufblasbar) kuschelig machen.
- Drei Wochen bodennah leben. Kein Bett, nichts vernünftiges zum Sitzen. Schönen Gruß an Knie und Knochen.
- Roséwein im großen Plastikkanister kaufen, den tagelang im Auto mitführen … selbst wenn er schon zischt. Aua.
- Auf zwei Gas-Kartuschen leckerste Dinge kochen und dabei viele (viel zu kleine) Bierflaschen vertilgen.
- Mangels Spanischer Sprachkenntnisse Rouladen auf den Grill legen.
- Die lose Sammlung Camping-Geschirr auf zwei Händen zum Waschplatz balancieren.
- Mit Kulturtasche und Handtuch über der Schulter zur zentralen Waschgelegenheit schlürfen.
- Mit einer Rolle unterm Arm, nacheinander süd-französische Klo-Türen öffnen, in der Hoffnung, ein Klo zu finden und nicht nur ein Loch in der Erde.
- Nacht‘s aufs Klo müssen … oder den nächsten Baum ansteuern … und dabei bloß nicht über fremde Spannleinen stolpern.
- Am frühen Morgen klitschnass das Zelt abbauen, weil sich ein Unwetter über dem Platz ergossen hat und der Lago Maggiore ins Zelt wollte.
- Bei Blitz und Donner Stoßgebete in den Himmel schicken, auch wenn man sonst nur den „Basis-Tarif“ nach oben gebucht hat.
- Und das alles ohne Internet, Mobil-Telefon, Online-Übersetzer, Navigationsgerät, Strom, Kühlschrank und Klimaanlage.
- Also ich würde das wieder mal machen … aber vorher würde ordentlich einkaufen, denn da gibt‘s ja richtig geiles Zeug heute.
Hauptsache, man ist gut equipped.
