31) Abflug aus Singapur

Singapur ist eine beeindruckende Stadt und es gibt viel zu entdecken. Irgendwann naht aber die Heimreise und die führt über den Flughafen Changi. Diesmal aber, scheinen sich Flughafen-Personal und Fluggäste gegen mich verschworen zu haben. Sie tun alles dafür, dass meine Laune an diesem Samstagabend stetig in den Keller geht. Der check in läuft noch reibungslos, aber ab dann geht es kontinuierlich bergab:

Kurz vor der automatischen Passkontrolle will eine Dame des Flughafens meinen Pass sehen. Ungefähr fünf Meter weiter, will dann ein Computer meinen Pass scannen und dazu auch noch meinen Daumen kontrollieren. Die Glastüren öffnen sich, der Computer lässt mich passieren. Nur zwei Meter weiter steht schon wieder eine andere Dame, die meinen Pass sehen will. Meine Güte, die nehmen es aber genau. Da ich noch etwas Zeit habe, steuere ich einen 7/11-Shop an. Dort will ich eine Flasche Wasser für den Flug kaufen und eine Büchse Bier für die verbleibende Wartezeit am Gate. Die Büchse „Tiger“ erwartet mich gut gekühlt im Eisschrank und ist mit 5,80 SGD erfreulich preiswert. Die Dame an der Kasse klärt mich dann aber auf, dass nach 22:30 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Na großartig, dann nehme ich halt nur das Wasser mit. Bei 13 Stunden Flug, will ich unbedingt eine Flasche Wasser am Platz haben und nicht auf die Versorgung in der Luft angewiesen sein. Ich steuere eine Bar an, um da vielleicht noch ein Bier zu trinken, bevor es losgeht. Ein Pint gibt es dort für stolze 18,95 SGD! Das ist mehr als das dreifache im Vergleich zur Büchse im Shop und entspricht ungefähr 12,00 EUR. Egal. Es ist Samstag. Das gönne ich mir. So langsam wird es Zeit zu gehen. Ich strebe den Ausgang an und sehe, dass direkt am Gate die Sicherheitskontrolle stattfindet. Dort ist man schon eifrig am Durchleuchten und ich stelle mich an der Schlange an. Die Sicherheits-Prozedur kommt etwas ins Stocken, weil ein Rollstuhlfahrer abgefertigt werden muss. Der wird samt Stuhl an dem Scanner vorbeigeschoben und von Hand kontrolliert. Das Abtasten dauert etwas länger, geht im Sitzen halt nicht anders. Ist ja auch in Ordnung. Im Handgepäck des Rollstuhlfahrers hat ein Computer das Interesse der Security geweckt. Wie nach plötzlicher Heilung, erhebt sich der Mann aus dem Rollstuhl und läuft schnurstracks zum Handgepäck. Wie geht das denn? Habe ich gerade ein helles Licht verpasst? War der Heiland gerade hier? Der Mann steht standfest auf beiden Beinen und diskutiert mit den Sicherheitsleuten Als ich endlich an der Reihe bin, muss ich schon wieder meinen Pass zeigen. Dann werde ich aufgefordert, mein Wasser auszutrinken oder zurückzulassen. Das will ich aber gar nicht. Ich habe es mir ja bewusst erst am Gate gekauft, damit ich es in den Flieger mitnehmen kann. Auf meine Frage, ob es hinter der Schleuse noch Wasser zu kaufen gibt, kommt nur ein „Yes, Yes“. Nach meiner Erfahrung heißt das soviel wie „Nein“ oder „Keine Ahnung“. Als ich endlich die Kontrollen passiert habe, verstaue ich alles wieder an seinem Ort und lasse meinen Blick im Warteraum schweifen. Es werden keine weiteren Getränke mehr verkauft. Der Ex-Rollstuhlfahrer ist in Höchstform und kommandiert, immer noch stehend, das ganze Sicherheits-Team. Ich laufe weiter nach vorn zum Ausgang. Das Einsteigen hat noch nicht begonnen, so kann ich noch etwas die mitfliegenden Passagiere beobachten. Eine Schweizer Reisegruppe ist kaum zu überhören, ein kleines Kind ist völlig übermüdet und stresst seine Mama. Vor mir steht ein beleibtes Pärchen in Jogging-Hosen und macht Joga-Übungen oder so etwas. Sie stehen sich gegenüber, kreisen mit ihren Hüften und atmen sich gegenseitig an. Endlich wird zum Boarding gerufen. Zunächst wie immer die HON-Circle-Members und Senatoren, dann die Business Class und irgendwann das gemeine Flug-Volk. Es gibt aber nur eine Brücke zum Flugzeug und niemand kontrolliert heute die Einhaltung diesen elitären Kasten-Systems der Luftfahrt. Nur der Pass, der soll nun schon wieder bereit gehalten werden. Ich setze mich in Bewegung, egal ob ich nun schon dran bin oder eben nicht. Ich will hier weg. Keine Lust mehr auf diese Faxen. In der Gangway bildet sich eine Schlange. Das kommt mir eigentlich ganz gelegen, denn ich will noch meine Kopfhörer aus dem Rucksack holen. Während ich mich also kurz zu meinem Rucksack bücke, bewegt sich die Schlange etwas und vor mir bildet sich ein Abstand von circa einem Meter. Die ältere Dame hinter mir setzt zum Überholen an und reiht sich in den Raum vor mir ein. Geht’s noch? An der Kabinen-Tür begrüßt das Schweizer Kabinen-Personal jeden Fluggast mit einem „Grüezi, wie geht’s Ihnen?“. Grummel… sprecht mich bloß nicht an. Sorgt lieber dafür, dass es den neuen „Mission Impossible“ im Video-Programm gibt. Ich fühle mich gerade wie Ethan Hunt, dem gleich die Sicherungen durchgehen.

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30) Zuckfuß-Johnny in Singapur

Und wieder nehmen wir ein Taxi zum Office in Singapur. So wie gestern und vorgestern auch. Eigentlich gar nichts Besonderes und nicht der Rede wert, aber es sollte dann doch eine besondere Fahrt werden. Wir verlassen zügig die Hotel-Vorfahrt und reihen uns in den morgendlichen Verkehr ein. Sehr gut. Kurz nach Abfahrt wird mir auf einmal ganz flau im Magen. Was ist denn nur los? Habe ich etwas Falsches gegessen? Es ging mir doch bis eben noch sehr gut. Erst seit dem ich im Auto sitze, wird mir zunehmend übel. Und da fällt es mir auf. Der Taxifahrer wechselt permanent zwischen Gas und Bremse. Im Sekundentakt. Sein Körper zuckt immer mal wieder. Wir werden auf diese Weise erst nach hinten in den Sitz gedrückt, dann wieder nach vorn in den Gurt. Mir wird immer schwummeriger, ich setze mich aufrecht hin, muss mich von der Rückbank lösen. Ich will die Kräfte mit meiner Hüfte abfangen. Ich nehme mir vor, nur nach vorn zu schauen. Bloß nicht nach unten oder zur Seite, sonst kotze ich meinem Kollegen vor die Füße oder dem Fahrer in den Nacken. Ich bin ja sonst echt nicht empfindlich, aber mir geht es nicht gut. Ich rutsche mit dem Hintern weiter nach vorn und setze mich auf die Kante der Rückbank. Versuche ruhig zu atmen und denke drüber nach, wo man im Fall der Fälle auf der Schnell-Straße halten kann. Zur Ablenkung beginnen wir ein Gespräch. Ist der Mann vielleicht krank? Zuckt der deshalb so? Liegt‘s am Prius? Muss man den so fahren? Allerdings habe ich das in Deutschland noch nie erlebt. Die Energie-Anzeige des Prius pendelt im Sekunden-Takt von einem Ende zum andere Ende der Skala. Das kann doch auch für die Batterie nicht gut sein. Endlich erreichen wir das Büro-Gebäude. Ich brauche erst einmal frische Luft. Wir taufen den Fahrer auf „Zuckfuß-Johnny“ und schließen damit das Erlebnis ab. Die Arbeit wartet. Am Donnerstag jedoch fuhren wir anscheinend mit seinem kleinen Bruder. Auch er fuhr seinen Prius auf eigenartige Weise, wenn auch nicht ganz so extrem. Am Freitag, was soll ich sagen… wieder ein Prius…, der Fahrer fuhr zwar nicht so ruckhaft wie Zuckfuß-Johnny, gab dafür aber immer Vollgas, um dann wieder abzubremsen. Zusätzlich trat er mit dem linken Fuß permanent auf die nicht existierende Kupplung. Was haben die hier nur alle? Liegt es an der Formel 1, die hier kürzlich gastierte? Gefällt Ihnen die Energie-Anzeige so sehr, dass sie sie immer wieder zum Ausschlagen bringen wollen? Liegt es vielleicht daran, dass der Prius so leise ist und sie den Motor hören wollen? Ich muss da mal mit einem deutschen Taxi-Fahrer drüber sprechen, vielleicht steckt ja noch mehr dahinter.

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