87) Berliner Digitalverhalt – Vol 4

„Nichts dergleichen werde ich tun. Ich warte bis September, da müsste der alte Ausweis ablaufen. Bis dahin lasse ich den Antrag und den Zahlungsbeleg auf dem Armaturenbrett liegen, und gut ist.“

So endete mein Beitrag >Berliner Digitalverhalt Vol 3, in dem ich die frustrierenden Erfahrungen beschrieb, einen grünen, klebrigen Parkausweis für die neue Familienkutsche zu bekommen. Tja, und das tat ich dann auch. Immer wenn der Wagen im letzten halben Jahr draußen stand und nicht in der Garage. Hat bestens funktioniert und ist ein Beweis dafür, dass das Modell „print your own Parkausweis“ möglich wäre.

Nun ist also September. Der Parkausweis, der an meinem alten Auto klebt und vermutlich irgendwo im Mittleren Osten oder in Nordafrika herumfährt, ist abgelaufen, und ich kann einen neuen bestellen. Also am 13. September ran an den Computer, das neue Berliner Service Portal aufgerufen, das Online Formular ausgefüllt, die Kreditkarte eingegeben und auf „Senden“ geklickt. Fehler … Error … Seite nicht mehr gültig … something. Nerv. Im selben Moment wird aber die Abbuchung der Gebühr in der Banking App bestätigt. Eine Eingangsbestätigung oder andere E Mails der Parkausweisgenehmigungsundbeschriftungsbehörde bleiben jedoch aus.

Dieses mulmige Gefühl im Bauch ertrug ich zwei Wochen, dann schrieb ich Ende September eine E-Mail an dieses Amt. Reaktion? Null.

Und dann kam ich auf eine Idee, wie ich dieses System dribbeln könnte. Ich beantragte und zahlte einfach noch einen Anwohnerparkausweis. Daraufhin folgten gleich drei E-Mails, und der Aufkleber lag schon am 05.10.2025 bei mir im Briefkasten. Handgeschrieben, begleitet von drei Seiten Papier. Wow, dachte ich. Das ging aber flott. Doppelt zahlen, halbe Bearbeitungszeit?

Irrtum. Beim genauen Hinsehen ging es um die erste Beantragung vom 13. September.

Also entweder kriege ich demnächst noch einen weiteren Aufkleber oder eine Belehrung vom Amt, dass dies eine persönliche Urkunde und diese nur einfach … … …

mit freundlichen Grüßen

PS: Titelbild via ChatGPT


Entdecke mehr von T.ipping-Point

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

7 Kommentare zu „87) Berliner Digitalverhalt – Vol 4

  1. Das Kind wohnt seit 2 Jahren in Berlin. Die wundert sich über überhaupt nichts mehr. Sowas könnte allerdings, vermute ich, auch in anderen Städten geschehen

    1. Ja, vermutlich muss das so sein, ist nur so ärgerlich, weil so viel große Aufgaben anstehen, und die Stadt mit viel nichtigen Kleinigkeiten beschäftigt … wie z.B. meinen grünen Parkausweis per Hand zu beschriften und per Brief nach Hause zu schicken

    1. Zwischen Steinzeit und Neuzeit lag das Mittelalter …. So ungefähr … ich gehe nachher mal runter und klebe das Ding an die Scheibe, ich werde aber ganz vorsichtig sein, denn das ist ja so so viel „Wert“ wie eine Aktie

  2. Oh je. Aber in der Tat gibt es solche Kuriositäten an vielen Stellen.

    Letztens fragte ich bei meiner Krankenkasse etwas per E-Mail an. Weil eine Antwort ausblieb, griff ich irgendwann genervt zum Telefon. Man versprach mir, die erforderlichen Unterlagen zuzuschicken. Zwei Tage später bekam ich von der Krankenkasse einen Brief. ‚Wow, so fix‘, dachte ich. Nee, nee. Da stand nur drin, dass ich entsprechende Unterlagen anfordern müsste, und war also – wie in Deinem Fall – nur die Antwort auf meinen ersten Kontaktversuch…

  3. Berliner Amtsschimmel. Da könnte ich Bücher schreiben. Kleiner Auszug gefällig? Auto in Frankreich gekauft, ich brauche als Berliner Bürger ab deutscher Grenze rote Nummern. Diese werden im Grenzort erteilt wenn die Zulassungsstelle des Wohnorts – also Berlin- bestätigt dass dort keine Kfzsteuerschulden oder sonstige Probleme bestehen. Ich also auf die Zulassungsstelle Kehl, alke Paiere dabei. Die Sachbearbeiterin möchte mal schnell telefonisch die Bestätigung einholen. In Berlin geht keiner ans Telefon. Auch nicht bei allen anderen Telefonen der Zulassung Berlin. Es ist 10.30 Uhr. Sie bittet mich nach der Mittagspause wiederzukommen. Bis dahin hat sie bestimmt jemanden erreicht. 13.30. Sie hat niemanden erreicht, auch nicht beim zentralen Bürgeramt Berlin. Man bittet mich ob ich es selbst versuchen kann weil sie noch mehr Zulassungen erledigen muss. Mache ich, wie erwartet keine Resonanz. Ab 15.30 versucht es auch der Leiter der Zulassungsstelke Kehl, genauso erfolglos. Dieser ist entsetzt als ich ihm erkläre dass das in der Hauptstadt völlig normal ist. Er schreibt nun Mails an verschiedene Ämter in Berlin und bittet mich morgen wiederzukommen, dann wäre sicher alles geklärt.
    Nächster Tag: das gleiche Spiel, inzwischen kennt jeder im Amt das Hauptstadtproblem. Bis nachmittags haben alle Mitarbeiter versucht Berlin zu erreichen. Alle völlig entsetzt.
    Das Amt weiss keine Lösung.
    Aber ich: ich miete mir ein Auto, fahre durch die Nacht nach Berlin, bin um 0700 Hauptstadtzeit in der Zulassung Berlin, schon nach einer Stunde habe ich mit mittlerem Terror den Leiter dort erreicht. Der behauptet alles wäre Unsinn und man könnte jederzeit einen Sachbearbeiter erreichen. Ich zeige ihm die Anrufliste meines Handys: 132 Versuche in zwei Tagen. Und probiere es vor seinen Augen: Niemand geht ran.
    Er erbarmt sich schließlich und ruft selbst in Kehl an.
    Ich fahre zurück an die französische Grenze, bekomme meine Kennzeichen und bin 300 Euro ärmer. Hauptstadtflair.

Hinterlasse eine Antwort zu pjotrsagt Antwort abbrechen