746) Türsteher gesucht

Soll man Kindern und Teenagern den Zugang zu Social Media einschränken?

Spätestens nach diesen zwölf Worten stehe ich vor einer gespaltenen Leserschaft, wie der Moses vor diesem Meer dort, oder?

Und ich sag mal: Ja. In irgendeiner Weise schon.

Zumindest sollten wir ernsthaft darüber sprechen. Dass das Thema überhaupt endlich auf dem Tisch liegt, finde ich gut.

Es gibt aus guten Gründen Altersbeschränkungen für alles Mögliche: Alkohol, Zigaretten, Filme, Führerschein, Kaufverträge, Zutritt zu Veranstaltungen.

Und ausgerechnet beim Teufelszeug Social Media, und ich würde ja fast schon den ganz normalen Internet- bzw. Google-Zugang dazuzählen, lassen wir die Scheunentore sperrangelweit offen?

Und laden wir die gesamte Verantwortung bei Eltern und Lehrkräften ab? Find ich nicht richtig.

Natürlich muss man über Details sprechen: Welche Inhalte genau? Für welche Altersstufen? Wie differenziert muss das sein?

Aber dass wir uns nach 30 Jahren „Internet-Neuland“ überhaupt mal ernsthaft mit Regeln beschäftigen müssen, steht für mich außer Frage.

Was mich an der aktuellen Debatte am meisten stört: Der Vorschlag wird oft reflexartig mit dem Argument zerrissen, dass Kontrolle schwierig sei und sich alles sowieso umgehen lasse.

Ja, natürlich ist das nicht einfach.

Aber seit wann ist „nicht perfekt kontrollierbar“ ein Argument dafür, es gar nicht erst zu versuchen?

Wir haben früher auch heimlich geraucht. Hatten auf der Klassenfahrt irgendwo eine Flasche Cola-Schnaps-Mix versteckt.

Und?

Hat deshalb jemand den Jugendschutz abgeschafft?

Wohl kaum.

Also: Macht mal.

Diskutiert, streitet, verbessert, aber hört auf, so zu tun, als wäre Nichtstun die vernünftigere Option. Ich glaube es wäre besser für unsere Gesellschaft, denn was da so jeden Tag auf die Kids eintrommelt … das macht mir echt Sorgen. Und das meiste kennen ich ja noch nicht einmal …

 

PS: Titelbild via ChatGPT

 


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8 Kommentare zu „746) Türsteher gesucht

  1. Mir stellen sich zu allererst die Fragen:
    Wie soll das funktionieren?
    Wer wird das überprüfen?
    Wie soll das sanktioniert werden?

    Wenn ich sehe, wie einfach Altersfreogaben bei Streamern unterlaufen werden können und wie oft Eltern dabei mit von der Partie sind, wenn ihnen das sch…egal ist, wird das bei Social Media nicht anders sein.

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    1. Ja, Eltern und Kids werden Wege finden, dass zu umgeben. Aber es wird eine Minderheit sein und dann hätte sich es allemal gelohnt, wenigstens mal zu beginnen.

      Hätte man die Fußgänger-Ampel erst eingeführt, nachdem man die Gewissheit hatte, dass aber auch wirklich alle Menschen bei rot stehen bleiben, würde es übel auf den Straßen aussehen

      Gefällt 2 Personen

  2. Bei diesem Thema koennte man in Europa von Australien lernen. Die haben es hingekricht gesetzliche Bestimmungen zu erlassen. In Deutschland und der EU kann man da eher skeptisch sein dass die Politik das alles hinbekommt. Das meiste wird dann zerredet und die Brandmauer ist zu beachten. Es gibt eigentlich nur ein Thema wo ich die Politiker aller Parteien nur loben kann. Es geht um die vorbildliche Altersversorgung fuer Abgeordnete. Da gab es keine Brandmauer und alle waren sich einig 60% der Diaeten betraegt die Alterversorgung wenn man es denn geschafft hat 16 Jahre im Bundestag zu sitzen.

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  3. Mindestens so wichtig, nein wichtiger als den Jugendschutz finde ich eine sinnvolle Regulierung der Sozialen Medien – und deren Durchsetzung. Dass ein Medium wie X unter dem Deckmantel der Meinungsäusserungsfreiheit nach Belieben Hass und Hetze über uns ausschütten kann, empfinde ich stossend. Dass Sozialen Medien wie Facebook einen grossen Teil der Ausgaben für Werbung für sich absaugen können und gleichzeitig von den Leistungen der herkömmlichen Medien profitieren, muss als parasitäre Systeme betrachtet und auch so behandelt werden.

    Und ja, die kinder und Jugendlichen müssen geschützt werden, aber umfassender als mit einer reinen Altersbeschränkung.

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  4. Im Unterschied zu den von Dir genannten Beispielen betrifft der Zugang zu Social Media US-amerikanische Konzerne. Wie realistisch ist es, diese zu – womöglich stark differenzierten – Zugangskontrollen zu verpflichten? Ernst gemeinte Frage!

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    1. Gute Frage … aber ja, das ist sicher nicht einfach, aber trotzdem muss man halt mal anfangen … und das fehlt mir.

      Die amerikanischen Marken Marlboro und Philip Morris müssen heute auch Gruselfotos auf ihre Kippen drucken und ihre Hollywood Movies unterliegen der FSK. Also … anfangen

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