588) Buchstabensuppe mit Alles – 11

„N‘ schön‘n Zweiten“ rief mir die Supermarkt-Kassiererin heute hinterher. Fast wollte ich „… sorry, wie bitte?“ erwidern, doch dann machte das natürlich Sinn. Morgen ist der zweite Advent und in gut drei Wochen findet das Jahr 2024 damit auch ein Ende. „Ihn‘n ooch“.

Weihnachten 1:

Einmal war ich dieses Jahr bereits auf einem Weihnachtsmarkt, aber man sagte jetzt wohl eher „Winter-Zauber“ oder so ähnlich. Ja, die Atmosphäre war durchaus kuschelig, allerdings bei Bratwurst für fünf Euro und Glühwein für „vierfuffzich“ sollte man genug Papiergeld mitnehmen. Aber selbst wenn das Portemonnaie irgendwann leergeglüht ist, mittlerweile gibt’s vor Ort auch genügend Geldautomaten … nichts soll dem vorweihnachtlichen Konsum entgegenstehen. Prost.

Weihnachten 2:

Der Baum steht seit einer Woche, die Lampen sind schon dran. Für Kugeln und Glanz war noch keine Zeit. Wir schmücken den Baum nach „agiler“ Methode,  den „MVP“-Stand haben wir im Prinzip schon erreicht. „MVP“ steht in der Software-und Produktentwicklung für „Minimum Viable Product“ und heißt soviel wie „wertstiftend und nutzbar“, um frühzeitig Feedback des Nutzers einzuholen ohne bereits große Budgets zu versenken. Mein Feedback: Wir könnten den Baum jetzt auch so belassen. Und nächstes Jahr schalten wir einfach nur noch die Lichterkette an, Baum brauchen wir nicht. Das reicht doch. Schönen Gruß an die liebe A. aus P. für diese Inspiration am Telefon.

Großwetterlage:

Es gibt keinen Tag, wo die Nachrichten nicht neues Übel verkünden. Georgien, Syrien, Südkorea, Rumänien, zusätzlich zu den bekannten Baustellen in Europa, nahem Osten und hinterm großen Teich. Langsam wird es Zeit für eine neue Quiz-Kategorie: „Nennen Sie mindestens fünf stabile Demokratien“.
„Ähhhm ….“

Vorsätze 2024

Ein vorsichtiger Blick in die Vorsätze für 2024 verrät, dass ich einzelne Vorhaben als „accomplished“ melden kann, an anderen Stellen ist noch deutlich Luft nach oben. Aber gut, für die letzten Wochen des Jahres in hektischen Aktionismus zu verfallen, macht irgendwie auch keinen Sinn. Ist ein bisschen wie in der Bundespolitik. Wird ja eh bald neu gewählt, da muss man jetzt auch nicht mehr viel machen.

Die Sonne kommt raus, ich gehe jetzt auf den Sportplatz, eine Tüte Vitamin D holen.

„N‘ schön‘n Zweiten“

13) Bürgeramt Lichtenberg – Kannst‘de nich‘ meckan (Gastbeitrag Hermann)

Liebe Meckernde und Meckernd:Innen, es gibt auch positive Nachrichten dieser Tage. Ich bin ja selbst erstaunt und schaue gleich mal, welche Dokumente ich am besten noch dieses Jahr beantragen kann. Denn es gibt da wohl ein kleines Bürgeramt, hinter den sieben Hochhäusern, bei den sieben Querstraßen, da geschehen phantastische Dinge. Aber lest selbst im Gastbeitrag von Hermann. 
Euer T.Head

Beginn Gastbeitrag Hermann

Im Mai 2025 läuft mein Perso ab. Also kümmerte ich mich im Herbst um einen Termin auf dem Berliner Service-Portal.

Anfang Oktober waren alle online-Kalender meines Heimat-Bezirks Marzahn-Hellersdorf komplett voll … schauen Sie immer mal wieder rein, es werden ja auch Termine abgesagt. Dazu hatte ich keine Lust. Der Kalender für Zehlendorf war fast leer, aber 35 km quer durch die Stadt, muss ja nicht sein.

Aber der Bezirk Lichtenberg ist relativ nah und vertraut und dort gab´s am 9.10.24 einen Termin für den 4.12.24, genau um 10:18 Uhr.

Am 4.12.24 war ich kurz vor 10:00 Uhr dort, wurde gleich an der Tür von einem älteren Mitarbeiter (saisonpassend mit roter Zipfelmütze) begrüßt und nach meinem Begehr befragt.

Ein kurzes freundliches Gespräch am Tresen mit Hinweis auf meine Vorgangsnummer und die gut sichtbaren Bildschirme – alles klar.

Im Wartebereich war wenig Betrieb, 5-6 Leute warteten mit mir, wenig Kommen und Gehen. Ein Mann kam deutlich vor seinem Termin, die Empfangsdame versprach ihm, ihn „dazwischenzuschieben, wenn es geht“.

Punkt 10:18 Uhr war ich dran, an Platz 10.

Die Mitarbeiterin leitete mich ruhig und verständlich durch die nötigen Angaben, dann noch Fingerabdrücke, einige Unterschriften und Bezahlen per Girokarte und ein nettes Lächeln hatte sie auch.

Punkt 10:28 war ich wieder im Wartebereich und wurde dann am Ausgang vom Zipfelmann verabschiedet.

Wir Berliner neigen durchaus zum Meckern und haben ja auch etliche Anlässe dazu. 

Aber hier: sachgerecht, zügig ohne Hektik, freundlich und echt hilfsbereit = 1A mit Schleife!

 ….. und im kommenden Jahr läuft der Perso meiner Frau ab. Da werden wir wohl einen Ausflug nach Lichtenberg machen.

Ende Gastbeitrag Hermann

Toll, da freu ich mich, ich habe irgendwo gehört, man kann sich den Ausweis demnächst für etwas Kleingeld sogar nach Hause schicken lassen. So muss das! Weiter so.

PS: Der Typ auf dem Titelbild ist weder der Antragsteller, noch der Sachbearbeiter, es ist eine Phantasie der KI. Also … räusper … da sollten wir vielleicht doch noch mal die KI auf ein Berliner Bürgeramt zum Faktencheck schicken. Aber ich will ja nicht schon wieder meckern … 😉

117) Postkarte aus Berlin … kann Spuren von Advent enthalten

Bevor die nächste Arbeitswoche wieder Performance, Passion, Agility, Creativity, Accountability erwartet, will ich noch ein paar Schnappschüsse aus Berlin teilen.

Mitte November hatte ich dienstlich in der westlichen City rund um den Bahnhof Zoo zu tun. Ich besuchte drei Tage eine Konferenz, zum Schlaumeiern, Arsch platt sitzen und Häppchen verdrücken. Einmal saß ich am Fenster und konnte das Treiben draußen beobachten. Am 18.11. abends dann ein Concert von Tony Ann und auf dem Heimweg ein Fernsehturm der wirkte, als würde er gleich abheben.

Gestern und heute ein Spitzen-Wetter in Berlin, kalt zwar aber sonnig und klar. Also raus zunächst in den Volkspark, Reste vom Herbst bestaunen.

Dann ging es weiter durch die Plattenbauten an der Moll-Straße. Auf einem Haus hält sich noch immer ein Schriftzug von Tatra Motokov aus vergangenen Zeiten, ein paar Hausnummern weiter prangt ein Schriftzug aus der Neuzeit.

Am Alexanderplatz wird gebaut, die Adventszeit begangen und auf dem Dach des „Hotel Stadt Berlin“ … ähm … „Forum Hotels“ … ähm … „Park Inn Hotels“ kann man sich nun auf 130 Meter die … Nerven … schaukeln (wer genau hinsieht, kann die Verrückten sehen).

Ein paar hundert Meter stehen Marx und Engels und schauen sich das Treiben an.

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Schade, dass die so schweigsam sind … wären heute sicher gut gebuchte Talkshow-und Podcast-Gäste.

Schönen ersten Advent!
T.Head

10) Akteneinsicht 1990: Go West

Auch wenn man 1990 nicht in den Westen zog, hielt der Westen überall Einzug.

Noch bevor die D-Mark zum neuen Zahlungsmittel wurde, kamen bald die ersten West-Produkte über die Grenze. Ich kann das nicht mehr an einem Datum festmachen, es muss aber so im Frühjahr 1990 gewesen. Die ersten Imbiss-Wagen rollten ein, Pommes und China-Pfanne gab es nun im Vorbeigehen. Lotto-Läden boten auf einmal auch West-Zeitungen und Softdrinks in Dosen an. Bäcker verkauften auch Speise-Eis und Süßwaren, Zigarettenwerbung wurde an jede Ecke genagelt und die Eis-Fahnen der noch unbekannten „Schöllers“ und „Langneses“ rausgehangen. Kaugummi-Automaten schmückten nun die grauen Häuserwände und fantastische Schreibwaren kamen in die Auslage. Die Vielfalt der Stifte, Textmarker und Eddings war verlockend, nur blöderweise unbezahlbar. In einer kurzen Zeit vor der Währungsunion im Sommer 1990, konnte man diese Produkte dann auch mit DDR-Mark bezahlen, aber zu einem Umrechnungskurs von 1:3. Die Jugendzeitung Popcorn, kam damit 4 Westmark oder eben 12 Ostmark. Also wurde viel geklaut und danach auf dem Schulhof gehandelt. Bravo-Einseiter-Poster für 1 Mark Ost, Bravo-Doppelseiter für 3 Mark Ost, usw … für einen Bravo-Starschnitt musste man sein Sparschwein schlachten.

In der zweiten Jahreshälfte, wurde der Westen auch an den Klamotten der Mitschüler sichtbar. Die, deren Familien das nötige Kleingeld hatten, erschienen bald mit entsprechenden Marken und Moden der Zeit. Die, bei denen das Geld zu Hause nicht so locker saß, trugen weiterhin den „DDR-Schick“, oder kleideten sich beim westdeutschen Discounter ein. So waren im Wesentlichen fünf Stilrichtungen sichtbar.

  1. USA: Hockeyjacke, Basketball, Rap, HipHop
  2. Sport: Sneaker, knallbunte Trainingsanzüge
  3. Rechts-militant: Bomberjacke, weiße Socken, Stahlkappen
  4. Links-alternativ: Punk, Pali, Gothik, Grufti
  5. Discount: Woolworth, Aldi, Polen-Markt

Mit der D-Mark kamen nicht nur die Produkte und Dienstleistungen, sondern auch der Beschiss. Viele „Ossi‘s“ erlagen den Versprechungen und fanden sich auf Verkaufsveranstaltungen und Kaffee-Fahrten wieder, kauften Heizdecken oder Unmengen Grünpflanzen vom LKW herunter („10 Töpfe für Hundert Mark und noch zwei dazu für den Herren hier vorn“). Der meisste Beschiss erfolgte wohl auf dem Gebrauchtwagenmarkt. In Windeseile wurde das Stadtbild mit alten West-Autos geflutet. Trabant und Wartburg wurden zu Pflanzkübeln, die neuen (alten) hießen nun Golf, Jetta, Corsa, Kadett, Fiesta und Escort. Ein Eldorado für windige Geschäftemacher.

In Folge der Währungsunion standen die DDR-Betriebe auf einmal im internationalen Wettbewerb, unproduktive Betriebe konnten nicht mehr mithalten, Exporte nach Ost-Europa wurden zu teuer, Subventionen des bankrotten Staates blieben aus und gleichzeitig galten nun auch neue Qualitätsstandards. Die Bürger kauften lieber Lebensmittel von „drüben“, Unternehmen gingen in die Insolvenz, Arbeitnehmer zum Arbeitsamt. Die „guten Stücke“ rissen sich Westdeutsche Unternehmen unter den Nagel, den Rest verkloppte die Treuhand häufig unter Wert. Menschen verließen das Land in Richtung Westen. Aber es gab auch Menschen die von West nach Ost zogen, entweder zum Feiern oder um endlich mal Chef zu werden.

<— 9) Akteneinsicht 1990: Umbruch

—> 11) Akteneinsicht 1991: Zwischen Heimat und System

99) Den Schlüssel durch die Ritze ziehen

Keine Sorge es bleibt jugendfrei. Aber was bei dem einen oder anderen vielleicht wohliges Kribbeln verursachen mag, regt bei mir nur Horrorfantasien an. Mehr nicht. Da kommst du nach Hause, leerst den Briefkasten, hast Briefe in der Hand, deinen Schlüssel und einen Abholschein für ein Paket. Ich rufe den Aufzug und halte auf halber Strecke. Ich klingele beim Nachbarn, blockiere mit dem Körper die Aufzugstür und trage artig mein Begehr vor. „Tachchen, sach‘t mal, ihr habt wohl ein … kling-klong … für mich“

Der Wohnungsschlüssel saust zu Boden und … ihr ahnt es schon … macht kurz an der oben Türkante „kling“, an der oberen Kante „klong“ und stürzt dann in die schmale, dunkle Tiefe.

Auf die Schwerkraft ist immer noch immer Verlass. Schimpfend in der Wohnung angekommen, lerne ich, dass das Paket gar nicht an mich adressiert war, sondern and die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ ist. Zudem sollte der Stammhalter das Paket eigentlich schon abgeholt haben. Na großartig. Das hat sich ja für mich richtig gelohnt.

Ich schreibe die Hausverwaltung an. Irgendwann kommt bestimmt mal wieder der TÜV.

Aber es hätte auch schlimmer kommen können:

  • Tiger-Käfig
  • Plumps-Klo
  • Badesteg
  • Sandstrand
  • Städtischer Gulli
  • Uhrwerk des Kölner Doms
  • Motorraum eines Kreuzfahrtschiffs
  • Besucherloge im Deutschen Bundestag

9) Akteneinsicht 1990: Umbruch

Häufig spricht man ja von 1989, als „dem“ Wendejahr. Und das mag politisch gesehen auch stimmen, aber persönlich waren die Jahre 1990 und 1991 viel einschneidender. Mittlerweile hatten schon viele mal den „goldenen“ Westen besucht, und gesehen, dass auch der ganz besonders im Winter recht grau sein kann. Manch Lehrer oder Mitschüler kam gar nicht mehr zurück. 

Im Frühling gab es erste demokratische Wahlen, im Juli wurde die D-Mark zur neuen Währung erklärt, mehr dazu in einem separaten Beitrag. Und, auf einmal durfte man eine eigene Meinung haben, ja, man musste sogar. Was für ein Stress. Bisherige Spielregeln wurden herausgefordert, neue gab es noch nicht so richtig, ein kräftiges Durcheinander in der Gesellschaft und bei mir im Kopf.

Im Folgenden nun wieder Einblicke in mein Hausaufgabenheft, meine Einträge belasse ich „normal“, die von Lehrern/Schülern mache ich fett und heutige Kommentare gestalte ich kursiv.

<<Hausaufgaben>>
22.01.90: Hallo mein GESCHWÄRZT. ICH GESCHWÄRZT GESCHWÄRZT GESCHWÄRZT alles. Wenn ich Dich sehe geht für mich GESCHWÄRZT GESCHWÄRZT GESCHWÄRZT !

02.02.90: Fachzensur für heutige Leistung: 5, Disziplin: 5

03.03.90: Wähle eine Fabel von Lessing aus. Interpretiere sie, vergleiche diese Fabel mit einer von … kann ich nicht mehr lesen.

19.03.90: T. arbeitet kaum noch mit, er stört sogar im Unterricht, Leistungsabfall ist zu verzeichnen.

04.04.90: T.‘s Arbeitshaltung spiegelt sich schon in der Führung des Hausaufgabenhefts wider. Im Augenblick arbeitet er nur äußerst oberflächlich im Unterricht mit, was keinesfalls zu einer Verbesserung der Leistung führen kann. Ich glaube kaum noch daran, dass er wirklich etwas verändern will.

07.04.90: Perestoika! Glasnost!

10.04.90: T. quatscht im Unterricht und lenkt andere ab

09.05.90: Geschichte: Umrisskarte der DDR malen

17.05.90: Himmelfahrt      OLE !!!!

22.09.90: T. Könnte die Klasse mit vorwärts treiben, leider nutzt er seine Fä* dazu nicht. *Fähigkeiten

27.09.90: Gesellschaftskunde: Betragen: 3, Mitarbeit: 1 (…na geht doch)

01.10.90: T. erhält eine Verwarnung.

05.12.90: Musik: Thema = Neonazis

<<Mitteilungen>>
Liebe Eltern! 23.04.90 – 25.04.90.
Jugendherberge Dahmen in der Nähe von Malchin am Malchiner See
30,- M
Treffpunkt, 23.04.90 S-Bahn Steig Leninallee
Besteck, Hausschuhe, „Futter“, Telespiel, Walkman, Kassetten, TT-Kelle, Batterien

<<Zeugnis >>
06.07.90 … T. ist ganz bestimmt auch ein wenig enttäuscht von seinen Lernergebnissen in diesem Schuljahr. Das sollte er wirklich bewusst nach den Ursachen suchen, die nicht nur in den gesellschaftlichen Veränderungen unserer Zeit liegen.

<<Bewertung Deutscharbeit>>
T., das ist eine Glanzleistung, denn so gut wie nichts gehört zu Kellers Novelle. Du hast also 4 Stunden lang nicht zugehört. Form und Schrift sind ebenfalls eine Schande für ein Schüler aus der achten Klasse. 2,5 / 14

<<Einschätzung Kl.8>>
08.10.90: … stellt häufig Fragen, die im Unterricht eine unnötige Diskussion hervorrufen, Pausendisziplin nicht immer akzeptabel. Walkman-Diskussion

18.12.90: … er ist zur Zeit mehr mit anderen Dingen beschäftigt, die mit dem Unterricht nichts zu tun haben … Vielleicht könntest du T., Manuela im Unterricht helfen, sie etwas anzuspornen, dürfte dir als ihrem Freund doch nicht schwer fallen (entsprechend eurem Verhalten habe ich dies geschlussfolgert)

What? Manuela … Manuela …?

Ach ja Manuela 😉

<— 8) Akteneinsicht 1989: 100 Mark West

—> 10) Akteneinsicht 1990: Go West

12) Schulneubau Ostkante Berlin – 5 (Gastbeitrag Hermann)

Während ich auf meinem Blog gerade eher in der Vergangenheit unterwegs bin, wird an der Ostkante Berlins, im Bezirk Mahlsdorf, Zukunft gestaltet. Ja, da geht mal was voran.

“Das schnelle Bauen mit vorgefertigten Teilen liegt quasi in der DNA des Bezirks – und wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht!” wird die dortige Bezirksbürgermeisterin  >hier auf berlin.de zitiert. Na endlich haben sie es kapiert, beziehungsweise sich wieder erinnert, dass eine Schule keiner Kathedrale gleichen muss, sondern in Modularbauweise deutlich schneller und günstiger hochgezogen werden kann … und dabei sogar noch recht „dufte“ aussieht.

Aber seht selbst

T.Head

Beginn Gastbeitrag Hermann:

Anfang Juli werden auch im linken Teil des Hauptgebäudes Raummodule aufeinander gestellt. Die Außenwände der Betonkerne erhalten Holzrahmen ca. 2 x 5 m, 20 cm „dick“. Darin kommt Dämmwolle zur Außenisolierung. Der große Turmdrehkran wurde abgebaut; ich konnte gerade noch das davon schwebende Fußteil fotografieren.

Daneben beginnt der Aufbau der Turnhalle, erst einmal lauter Holzwände, z.T. Zwei Etagen und weil´s oft regnet kommt eine riesige weiße Folie drüber.

Das Hauptgebäude hat nun seine Raummodule über die volle Länge und Höhe erhalten (im Hintergrund auf der rechten Seite des folgenden Bildes ):

In der Mitte des Bildes: der Betonkasten ist das Ende vom Fuß des „T“, denn das Haus hat ja die Form eines liegenden „T“. Der „Fuß“ erhält jetzt seine Raummodule. Links im Bild schon gut sichtbar die Turnhalle.

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Anfang August haben beide Gebäude äußerlich ihre Figur komplettiert. Auf der Schule beginnen Dacharbeiten, die Außendämmung wird vervollständigt. Der Blick in die Totale vom Wall aus zeigt, dass der Komplex doch ein ganz schöner Brocken wird.

Ende August sind die Dämmarbeiten abgeschlossen, auf die Dämmmatten kam eine „Folie“ (eher Flies….) als Dampfsperre, an der Schule schwarz , an der Turnhalle in fast weiß, scheinen unterschiedlich zu sein. Fenster und Türen sind auch schon drin. 

Anfang September passiert draußen eher wenig, eine Estrichmaschine ist viel im Einsatz, wohl um drinnen Fußböden zu gießen. An mehreren Tage waren Fahrzeuge einer Fliesenbaufirma aus dem Umland zusehen. Die Turnhalle erhält auf die Dampfsperrfolie ein weiteres Lattengerüst, da laufen die Akkuschrauber und massig Schrauben werden versenkt. Echt viel Handarbeit.

Nun fehlt „nur“ noch die Außenfassade.

Mitte September werden Hunderte Holzprofileisten auf die Trägerlatten an der Turnhalle geschraubt und ein erster äußerer Eindruck entsteht.

Ende September ist es außen recht ruhig; die Estrichbaufirma aus Leipzig ist abgezogen, also sind die Fußböden wohl „fertig“, die Flachdachbaufirma aus Mittenwalde ist auch weg, ebenso die Schreinerei aus Balingen (selbst Baden-Württemberg leistet hier Aufbauarbeit – gut so).

Die Turnhalle ist etwa zu zwei Drittel mit Holzbrettern beplankt, der Schulbau selbst wartet auf die Fassadenteile.

 

Hoffentlich ist keine Lieferkette zerrissen. Mal sehen, was das Q4 bringt.

Ende Gastbeitrag Hermann

Na seht‘da, it jet doch!

8) Akteneinsicht 1989: 100 Mark West

Für den folgenden Beitrag, gibt es kein Papier in dem ich blättern kann. Nichts wurde notiert. Ich muss also in meinem Gedächtnis kramen.

Die Berliner Mauer war nun passierbar geworden und man konnte sich die Nase an den West-Berliner Schaufenstern platt drücken. Aber wenn man keine D-Mark daheim oder eine Tante „drüben“ hatte, blieb es halt auch dabei. An „Kaufen“ war nicht zu denken, es fehlte das richtige Kleingeld.

Dafür gab es in der BRD bereits den Mechanismus des sogenannten „Begrüßungsgelds“. Die Auszahlung an die vielen DDR-Bürger konnte dadurch recht flott aufgenommen werden, was zu langen Schlangen an den Bankfilialen führte. Aber der Ossi war ja Anstehen gewöhnt. Wir wählten die Schlange der Deutschen Bank am Hermannplatz in Berlin Neuköln (… keine Ahnung warum nun gerade dort).

Wenn heutzutage jeder weiß, was er am 11.09.2001 gemacht hat, als die Nachrichten aus New York kamen, erinnert sich vermutlich jeder Ossi, was er sich als erstes für‘s heiß ersehnte West-Geld gekauft hat.

In meinem Falle waren es zunächst quietschgrüne Hosenträger mit schwarzer Aufschrift „I am the Boss“, die wir auf dem Markt auf dem Hermannplatz ergatterten. Rückwirkend peinlich, aber sicher sehr lukrativ für den Händler.

Dann waren wir in irgendeinem ALDI und mindestens drei Dinge landeten im Einkaufskorb:

  • Eine Dose River Cola (die ich später auswusch und zusammen mit anderen Dosen sammelte).
  • Eine Tüte Mäusespeck (die wird sofort verdrückten).
  • Ein Karton Orangen-Saft (der vermutlich nie eine Orange gesehen hatte).

Wieder zu Hause angekommen, stand der angebrochene Karton O-Saft auf dem Kühlschrank. Wie der heilige Gral. Für Kinderhände erreichbar, sehr verlockend, im Vorbeigehen dran zu nippen. Aber immer nur ein bisschen, denn das gute Zeug sollte schließlich ein paar Tage (!) reichen.

Aber auch im Westen neigte sich ein Liter O-Saft irgendwann dem Ende zu. Ich sah nur einen Weg, meinen Mundraub vor der Familie zu verschleiern. Den Karton wiederholt mit etwas Leitungswasser aufgießen und dann vermehrt dem Bruder den Vortritt lassen, damit der dann den Ärger bekommt.

Sorry…

<— 7) Akteneinsicht 1989: Ausflug nach West-Berlin

—> 9) Akteneinsicht 1990: Umbruch

7) Akteneinsicht 1989: Ausflug nach West-Berlin

Eine Geschichte fehlt hier noch, bevor es weiter ins Jahr 1990 geht. Der erste Ausflug nach West-Berlin. Mittlerweile sieht man ja fast immer dieselben TV-Aufnahmen. Knatternde Trabi‘s, die über die Grenze fahren, West-Berliner die ihnen vor Freude aufs dünne Duroplast-Dach trommeln, Rotkäppchen-Sekt, Küsschen für den Grenzsoldaten. Glück und Freude überall. Aber war das so?

In meinen Schulunterlagen habe ich einen Aufsatz von mir gefunden, der genau dieses Erlebnis beschreibt. Insofern besteht gar keine Gefahr, dass ich rückwirkend etwas glorifiziere oder dramatisiere, was gar nicht war. Ich muss mich nur an den Text halten. Ich will den hier aber nicht komplett wiedergeben, sondern greife ein paar Passagen raus.

„Meine Eltern beschlossen … am Sonntag, den 12. November 1989 einen Ausflug nach West-Berlin zu unternehmen … Wie wird es dort aussehen? Was würde mich dort erwarten? Ist es dort so, wie man es von der Werbung her kannte? …. Zum Grenzübergang Oberbaumbrücke wälzte sich eine riesige Menschenmenge und wir mittendrin. Die Grenz-Soldaten konnten den Ansturm kaum bewältigen … In West Berlin angekommen, erhielten wir einige Zeitungen mit entsprechenden Tips für den Besuch … gingen zu Fuß quer durch den Bezirk Kreuzberg … In einer Geschäftsstraße bestaunte ich die Warenangebote. Besonderes Interesse hatte ich für die Tontechnik … Als ich an einem Café las, dass es für DDR-Bürger eine Tasse Kaffee kostenlos gab, kam ich ich mir vor wir ein Bettler … Manche unserer Bürger benahmen sich so auffällig, dass ich mich direkt geschämt habe. Das haben wir nicht nötig … Mitten im Trubel und Prunk sahen wir auch verwahrloste Leute … Auf der einen Seite reizvoller Angebote, tolle Autos, Kino‘s und auf der anderen Seite Armut und Obdachlosigkeit … obwohl es ein schöner und aufschlussreich Tag war, fühlte ich mich innerlich wohl, wieder zu Hause zu sein“

Die nächste Stippvisite erfolgt über den Grenzübergang Eberswalder Straße. Also dort wo heute der hippe Mauerpark liegt. Die Szenerie war ähnlich, kalte Temperaturen, Schlangestehen, Menschengeschiebe. Und dann standen wir auf einmal auf der Bernauer Straße im Bezirk Wedding, einer langweiligen Wohngegend. Wir liefen entlang der West-Mauer bis hoch zur Brunnenstraße und bogen dann rechts ab. Da gab es dann immerhin mal ein paar Läden. Weiter über Humboldthain und Bahnhof Gesundbrunnen, rein ins orientalische Leben der Badstraße. Türkische Gemüsehändler, Elektronik-Läden und ich glaube, dass ich dort meinen ersten Döner gesehen hatte. Das roch verdammt gut, aber ich meine, wir sind vorbeigegangen. Das Begrüßungsgeld erhielten wir erst später.

Ein weiteres Mal, dass wir die Mauer überquerten, war in der Weihnachtszeit am Brandenburger Tor. Ich bin fest der Überzeugung, dass beim Durchschreiten eilig demontierter Mauer-Segmente eine Nachricht verbreitet wurde. Da hieß es über Megafon, dass „Nicolae Ceaușescu erschossen „wurde“. Die Menge bejubelte das Ende des rumänischen Diktators. Ich habe das noch mal geprüft. Ceaușescu wurde am 25.12.89 hingerichtet, dass würde bedeuten, dass wir an erstem Weihnachtsfeiertag „rüber“ nach West-Berlin spazierten. Eher unwahrscheinlich. In der Familie heißt es, es wäre ein Werktag gewesen. Laut ChatGPT wurde der Grenzübergang Brandenburger Tor am 22.12.89 geöffnet und Ceaușescu am 22.12.89 festgenommen. Der 22.12.1989 war ein Werktag. Das würde passen. Gut, dann hat man vielleicht bejubelt, dass man ihnen erschiessen „werde“. Letztlich auch egal, zeigt aber, dass man mit Erinnerungen vorsichtig sein muss.

Als ich im >Februar 2020 vor dem Palast in Bukarest stand, bekam ich einen Eindruck von Ceaușescu‘s Größenwahn. Wenn ein Gebäude einschüchtern kann, dann das.

Titelbild vom 09.11.24, Reste der Berliner Mauer (Westseite), am unteren Teil der Bernauer Str, vorne Fahrradstreifen, dahinter Todesstreifen

<— 6) Akteneinsicht 1989: Mit Basecap zu Gorbi

—> 8) Akteneinsicht 1989: 100 Mark West

587) Buchstabensuppe mit Alles – 10

Wer in den letzten Tagen meinem Blog folgt, könnte den Eindruck bekommen, ich habe eine Umschulung zum Chronisten für die Wendezeit in der DDR gemacht.

Aber nein, keine Sorge, es wird auch wieder andere Themen auf der Blog-Rolle geben. Nur, wie das halt so ist, taucht man erst mal irgendwo ein, dann kommt immer mehr zu Tage. Und genau das will ich jetzt mal fixieren.

Tja, warum wühlen Menschen wohl (gern) in der Vergangenheit? Die Vergangenheit war ja nun wahrlich nicht immer rosig. Was macht sie so interessant?

Vielleicht, dass man weiß, wie sie ausgegangen ist und damit wird das Erleben der Vergangenheit berechenbar. Man weiß quasi was man hat(te). Um im Zweifel kann man sie sich auch etwas schöner reden, als sie war.

Das kann man von der Zukunft nun wahrlich nicht behaupten. Man kann sich nur ausmalen wohin die Reise geht und ob sie nun „schön“ wird … nun ja … da habe ich so meine Zweifel. Womit wir schon wieder beim Thema sind.

Gruselkabinett

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein weiteres Mitglied für das Trump‘sche Gruselkabinett verkündet wird. Jede Figur für sich, lässt mich schon das Fürchten kriegen, aber wenn die nun alle zusammen regieren und entsprechende Mehrheiten in beiden Kammern und auch in den Gerichten haben, da wird mir Angst und Bange. Bislang wurde keiner benannt, der irgendwie gemäßigt oder konstruktiv drauf ist.

Wahltermin

Mit dem Finden eines Termins für vorgezogenen Wahlen in Deutschland war wohl jegliche KI komplett überfordert. Gesetz, Weihnachtszeit, Neujahr, Schulferien, Fasching und nun wählen wir wohl am 23.2.2025. Ich hätte mir gewünscht, man hätte mich auch mal gefragt. Am 23.2.2025 habe ich schon was vor. Also das passt mir das eigentlich gar nicht. Können wir das nicht noch mal verschieben? Ich werde mich an die Bundeswahlleiterin wenden und meinen Generalsekretär zu dem CDU-Fritzen schicken, um neu zu verhandeln.

Licht aus

Die Weihnachtsbeleuchtung für den Berliner Ku’damm ist wohl gesichert, war nicht einfach, aber eine Sanitärfirma hat sich wohl doch noch gefunden, die das finanziert. Immerhin noch ein Gewerbe, auf das man sich verlassen kann. Laut dem RBB-Artikel hier aus 2023 kostet das ungefähr 600.000 €, wobei alleine schon 490.000 € auf die Menschen fallen, die die Laternen besteigen müssen, um die Leuchten dort anzubringen.

Für den Strom fallen angeblich nur 10.000 € an. Und weil das alles so teuer ist, hat es nur für Berlins Shopping-Meile gereicht, für die historischen „Unter den Linden“ war kein Geld mehr da (oder man wollte es vor der russischen Botschaft bewusst etwas dunkler belassen).

Das zeigt doch schon, in welcher Misere wir stecken. Jegliche Handarbeit wird schwer zu kriegen sein und unbezahlbar. Vielleicht sollten sie mit der Weihnachtsbeleuchtung bis Mitte Januar warten, da klettern eh lauter Wahlhelfer an den Laternen hoch, um ihre Plakate aufzuhängen, dann können die das vielleicht mit dem Licht gleich mitmachen oder man beauftragt die Indischen Pizzafahrer, die sind da eh unterwegs und nicht so zimperlich.

PS: noch eine Milchjungenrechnung vom Küchentisch:

490.000 EUR geteilt durch 4,5 Kilometer Ku’damm sind ca. 108.888 EUR pro Kilometer, also ca. 1.088 EUR auf alle 10 Meter (angenommener Abstand der Leuchtmittel)

Schönen November noch …

Ich tauche mal wieder in die Vergangenheit ab.