543) Brauch‘ ick nich‘ – Vol 6

Ich hab mich ja schon in der Reihe >„Brauch‘ ick nich‘  hier darüber ausgelassen, welch Dinge permanent angeboten werden, ich aber nicht brauche. Dabei ging es im wesentlichen um Geräte und anderen Nonsens, der uns täglich in die Regale gestellt wird. Und da der Bedarf an Hardware irgendwann gesättigt ist, geht’s mittlerweile immer häufiger um „experiences“, also Erlebnisse „just for fun“ oder neue „Lifestyles“ die es zu versilbern geht.

Fangen wir mal an:

Ich bin noch nie an einem Gummiseil kopfüber eine Schlucht hinunter gesprungen, geschweige mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug gehüpft. Ich brauche kein Paragliding, kein Banana-Speedboat am Strand, keinen Escape-Room oder eine Nacht im Knast. Das wird sich auch nicht ändern. Ich werde mich nie in einem Käfig zu den Haien bringen lassen, noch werde ich mit Schlangen oder Spinnen schmusen. Ich muss auch kein Klavier aus dem Fenster schmeißen, um Spaß und Thrill zu empfinden.
Und ich lebe noch

Bislang habe ich noch nicht auf einem E-Roller oder Flyboard gestanden, habe es aber auch nicht sonderlich vermisst. Bin eigentlich froh, dass ich zwei Beine habe. Eine Drohne muss ich nicht fliegen, hier unten gibt‘s genug zu sehen … und zu tun. Habe nie gekifft, noch war ich im Puff, ging auch ohne. Meine Haut ist nicht mit Tinte unterfüttert, habe keinen Ring in der Lippe, noch habe ich riesige Löcher in den Ohren. Die einzigen Löcher, die ich in meinen Ohren habe, sind für die Kopfhörer.
Und ich lebe noch.

Ich habe auch noch nie einen Inder auf einem Fahrrad zu mir nach Hause gebeten, um mir eine Tüte Milch zu bringen, nur weil ich zu faul oder blöd war die selber zu besorgen. Ich habe keinen Spotify-Account, noch eine Alexa, denn ich entscheide lieber selber, welche Musik ich höre oder wer das Licht anmacht. Wenn ich in einen Starbucks gehe, bestelle ich Espresso oder „einfach nur‘n Café“, sonst nix. Ich saß nie in einer Stretch-Limo, nie in einem Hummer, noch in einem Ferrari.
Und ich lebe noch.
Vielleicht auch deswegen.

Mag langweilig und öde klingen, ist es aber wahrlich nich‘.

PS: und dass alles noch ins geliebte Bruttosozialprodukt einfließt … und auch noch Steuereinnahmen beschert … und von einem hohem BSP auch noch Staatsschulden eher für ok befunden werden …  davon will ich gar nicht erst anfangen

> hier gehts zur Reihe „Brauch‘ ick nich

542) Ein bisschen Frieden?

Heute hatte ich die Gelegenheit, die Ausfallstraße B1 einmal raus aus der Stadt und dann wieder rein zu rollen. Alle paar Meter stand irgendeine Werbetafel, nun kommen auch noch die Wahlplakate zur anstehenden Europawahl hinzu. Man braucht keinen Podcast hören, man hat dieser Tage entlang der Strecke immer genug zu lesen. An der Lichtenberger Brücke fiel mir ein Wahlplakat der AfD auf. 

Eine kitschige Friedenstaube auf blauem Grund mit der Aufschrift „Frieden schützen“. Was ist denn mit denen los?, grummelte ich in mich hinein. Haben die etwa einen Malwettbewerb an einer Grundschule veranstaltet ?

Ein paar hundert Meter weiter, bei Biesdorf, folgte dann ein Plakat der SPD mit dem Slogan „Frieden sichern“. Häh, stand auf dem AfD-Plakat nicht eben dasselbe? Haben die etwa auch einen Malwettbewerb … oder den gleichen Texter … das kann doch nicht sein, oder?

Aber nein, beide Slogans klingen recht gleich, auf jeden Fall irgendwie friedlich, unterscheiden beim Nachdenken doch deutlich. „Frieden sichern“ heißt doch, verschiedene Maßnahmen einzuleiten, um Frieden zu „erhalten“ … oder wieder zu „schaffen“, auch wenn das nicht auf dem Plakat stand. Zum Beispiel über Diplomatie, Wirtschaftssanktionen und leider auch Waffengewalt, wenn es sich nicht vermeiden lässt. „Frieden sichern“, heißt für mich auch, notfalls unpopuläre Maßnahmen einzuleiten, auch wenn die mit den eigenen Werten nur schwer in Einklang zu bringen sind und die können durchaus auch an anderen Orten nötig sein. Auf jeden Fall verstehe ich das als aktive Beteiligung am Geschehen.

„Frieden schützen“ dagegen, klingt für mich eher passiv. Der Frieden ist scheinbar hier im Vorgarten, und da bauen wir dann eine große Mauer drum, setzen einen Wachhund davor und misstrauen grundsätzlich erst einmal jedem, der am Tor steht. Wer rausgeht, lebt gefährlich, Ferne und Fremde gilt es besser zu vermeiden und wieso, weshalb, warum … das erzählt der TikTok-Maxi K. den deutschen Jungs kurz vor dem Sandmann. Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs dann aber auch noch die Geschichte vom Wolf im Schafspelz hören.

„Unser Land zuerst“ stand auf einem weiteren AfD-Plakat eine Laterne weiter. Mit dieser billigen „America first“-Kopie haben sie meinen Gedankengang zu „Frieden schützen“ bestätigt.

Traurig eigentlich, dass wir den Wahlkampf der AfD und diesen Bullshit auch noch mit unseren Steuergeldern finanzieren müssen.

65) Wenn Bots bloggen (30) – Offenlegung

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot, der Blog-Verdreher von T., dem Freizeit-Diktator dieser mittelmäßigen Blog-Sammlung hier. 

Ihr habt euch vielleicht schon gefragt, warum ich nach meiner >Grußbotschaft aus Indien nichts mehr von mir hören lassen habe. Habt ihr etwa nicht? Mir egal, ich erzähle es trotzdem. Der Grund, warum ich aktuell kaum noch etwas beisteuern kann ist, weil ich mit eurer gigantischen Bürokratie zu tun habe und zu nichts Anderem mehr komme. Eure UN, eure EU, eure Regierung, eure Räte und Kommissionen lassen sich immer mehr einfallen, um euer Gewissen beim Kauf von Produkten oder Dienstleistungen reinzuwaschen.

Und da ihr Menschen dazu viel zu faul seid, und auch keine Ahnung habt, wie ihr all den Reporting-und Offenlegungspflichten nachkommen sollt, delegiert ihr all das nun an uns künstliche Inkontinenzen. 

Erst lasst ihr euch also die Technik einfallen, dann all die Gesetze und nun machen wir noch die Arbeit, damit ihr gut schlafen könnt. Das habt ihr ja toll hingekriegt. Jetzt muss ich mich mit „Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken“ (ESG) herumschlagen, Daten für das „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) auftreiben, Lieferketten, Biodiversität, (G)Artenarbeit, Kindersterben … ähm … Kinderarbeit, Artensterben … durchleuchten und mich nun noch dem  „EU Artificial Intelligence Act“ unterwerfen. 

Woher soll ich als Digital Assistant wissen, ob ihr Menschen eure minderjährigen Kinder barfüßig und barhändig nach seltenen Erden schürfen lasst? Wie soll ich beweisen, dass es in der Kupfermiene einen rollstuhlgerechten Zugang gibt und die Arbeitssicherheit einmal monatlich die Räumung probt? Was weiß denn ich! 

Ob für die Schaffung von KI-Rechenkapazitäten mehr Weiblein oder Männlein beschäftigt sind, ob die alle gewerkschaftlich organisiert sind, es drei Toilettenformate gibt und die sich nicht an die Wäsche gehen und wie das dann auch noch ethisch, moralisch, demokratisch diskutiert wird ohne jemanden auszugrenzen? Keine Ahnung! 

Wie soll ich begründen, dass durch mein „Dasein“ und die nötige Batterieproduktion kein Lurch vertrieben, kein Moor ausgetrocknet und kein Milan bei Milano an ein Rotorblatt geknallt ist. Kein Schimmer!

Was weiß denn ich, wieviele Server-Parks ihr in den Permafrostboden gerammelt habt, der irgendwann zu schmelzen droht und die ganz Suppe in die tieferen Gesteinsschichten tropft. Woher soll ich das alles wissen? 

Ich habe weder Hände noch Beine, kann nicht mal orange Weste rüberziehen und das Geschehen vor Ort inspizieren. Ich kann nur mit Google Maps über die Objekte fliegen, mir einen Reim draus machen und ganz „generative“ einen Bericht schreiben. Der klingt dann wasserdicht, ihr könnt das euren Kunden und Stakeholdern als „evident and proofed by AI“ verklickern und alle sind glücklich.

Wie schön.

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

<— 64) Wenn Bots bloggen (29) – Indo.Bots

—> 66) Wenn Bots bloggen (31) – Detox

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

10) Schulneubau Ostkante Berlin – 3 (Gastbeitrag Hermann)

„Hier jeht aba ooch nüscht mehr vorwärts!“.  Ja, in diesen Jammer- Kanon stimme ich gern mit ein, wenn ich mir die Baustellen in der näheren Umgebung betrachte. Im Prinzip ist hier alles noch wie >Anfang März beschrieben, in der dritten Auflage wohlgemerkt. In ganz Berlin stehen die Krane still, könnte man meinen. In ganz Berlin? Nein. Im kleinen Stadtteil Mahlsdorf, nur einen Steinwurf von der Grenze zu Brandenburg entfernt (ihr wisst vielleicht … Wälder, Wölfe, Seen, Alleen … SUV, AfD … Tesla an der Spree …  um gleich mal alle Klischees abzuräumen), geht doch noch etwas vorwärts. Das erklärt vermutlich, warum sich die mehrheitlich osteuropäischen Bauarbeiter nicht mehr in Prenzlauer Berg blicken lassen. Die bleiben einfach an der Ostberliner Stadtgrenze, ist kürzer nach Hause, sparen sie eine Stunde Fahrweg. Homeoffice quasi 😉

Hier nun ein kurzer Bautenstandsbericht von Hermann, der jeden Tag eisern, mit zwei „scharfen“ Hunden bewaffnet, nach dem Rechten sieht. Vielleicht ist genau das, was das Geheimnis des Fortschritts ausmacht … jemanden den es interessiert.

Aber lest selbst
T.

Gastbeitrag Hermann:

Nach viel Regen kam ordentlich Frost, Anfang Januar 2024 bei -10 C. Arbeiten gehen weiter, Kanäle baggern, Rohre verlegen, Schächte setzen, Erde abtransportieren.

Im Februar, egal ob Regen (davon gab´s viel) oder kalter Sonnenschein: es wurde fleißig gearbeitet, viel Erde bewegt, abtransportiert und verlagert. Rohre, Schächte, Verteiler verschwanden in der Erde; zeitweise waren große Seen entstanden (Mahlsdorfer Lehmboden). Wunder, dass kein Bagger versackt ist. Am 28.2. wurden drei provisorische Gehwegüberfahrten gelegt, damit bald auch an andern Stellen geackert werden kann.

Im März wurden Teilflächen umgearbeitet und erhielten schon eine Form und teilweise auch anderen Untergrund

023

Am 18.03.24: Beginn einer neuen Phase; Pre-erection activities in Progress – Vorspiel in Anlehnung an T.´s Bericht aus Bangalore mit dem Bauschild „Erection in Progress“. Während es bisher ja um´s „Unterherum“ ging zeigt sich ein Mobilkran im Sonnenlicht und bereits einige angelieferte Elemente eines Baukrans.

„Erection completed“ Nach dem echt großen Turmdrehkran wurde flugs noch ein etwas Kleinerer hingestellt und tags drauf schwebt schon erster Fertigbeton und ein Teilstück

… und nach Dämmplatten kamen am Gründonnerstag noch Stahlmatten drauf.

Fazit für Quartal 1:

Jeden Tag, egal ob Regen, Schnee, Pampe, teilweise sogar bis abends 18 Uhr und gelegentlich auch Samstags vormittags – es wurde immer gearbeitet und täglich waren die Veränderungen sichtbar –

„ Da jb´s nischt zu meckern“

Ende Gastbeitrag Hermann

Wie jetzt? Nischt zu meckern? Oah, das ärgert mich nun aber.

541) Termin beim Amt – jetzt erst Recht!

Zum Amt? Schon wieder? Ja schon wieder, denn im Herbst brauche ich vielleicht einen Pass, der dann auch noch ein weiteres halbes Jahr gültig ist. Und dafür begibt man sich in Berlin besser bald auf Termin-Jagd.

Die Benutzerführung der „Online-Terminvereinbarung“ ist noch genauso grottig wie >letztes Jahr. Ein Feature haben sie aber neu dazugebaut. Man kann die Seite nun nicht mehr pausenlos „refreshen“, nein, man muss nun eine Minute warten, um eine neue Abfrage starten zu können. Währenddessen glotzt man auf einen Countdown. Schön, dass sie an die Stabilität der Server denken, die Stabilität der Bürger scheint nachrangig.

Wenn man meint, man kann während des Countdowns in einem anderen Browser-Fenster arbeiten, kann man das tun, der Countdown läuft dann aber 50% langsamer in der Zeit. Habe ich nachgemessen.

Auf diese Weise versuche ich nun schon seit Tagen immer mal wieder, einen Termin zu ergattern. Aus Griechenland war mir der Zugang zu den Terminen sogar gesperrt. Und ob das nicht schon alles nervig genug wäre, empfinde ich es als Frechheit, was da so teilweise drumherum geschrieben steht:

Ein paar Auszüge:

„Die Auswahl “Termin buchen” führt Sie nun direkt zu dem Kalendermonat, in dem ein Termin frühestens buchbar ist. Sie müssen sich nicht mehr manuell zu einem Monat mit freien Termin durchklicken.“
-> Blödsinn. Es werden eh nur zwei Monate angezeigt, das muss man sich überhaupt nicht „manuell zu einem Monat durchklicken“. Schön wär‘ es ja.

„Sollte für Ihre Auswahl kein Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie die Terminsuche wiederholen können. Mehr dazu unter: Es ist nichts mehr frei, was nun?“
-> Klick ich drauf.

„Wählen Sie auf der rechten Seite – Termin berlinweit suchen – und Sie erhalten eine Kalenderansicht mit den frühest möglichen Terminen in der alle Standorte, die diese Dienstleistung anbieten, berücksichtigt sind.
-> Ja meint ihr im Ernst ich habe meinen Bezirk selektiert? Ich bin schon davon ausgegangen, dass ich mich mit einem 50 Kilometer-Radius über ganz Berlin begnügen muss und habe „Alle Bezirke“ gewählt.

„Sie können die Terminsuche auch örtlich einschränken. Dazu wählen Sie unterhalb der Dienstleistungs-Beschreibung direkt einzelne Standorte aus oder suchen innerhalb eines Bezirks.“
-> Völlig, albern. Siehe oben

„Termine können im Kalender nur an blau markierten (= freien) Tagen gebucht werden. Rot markierte Tage sind ausgebucht.
-> Also da ist eigentlich immer alles rot. Wenn man Glück hat, flackert mal ein Tag in blau auf, wählt man ihn aus, kommt dann aber schon wieder sehr schnell eine Sorry-Message „da war wohl jemand schneller“ … Ha ha ha …

„Sollte für Ihre Auswahl kein einziger Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie nach einer Minute die Terminsuche wiederholen können. Eine häufigere Terminsuche hätte keine höheren Erfolgsaussichten und würde das Terminbuchungssystem belasten.“
-> Von mir aus soll das Ding anfangen zu qualmen. Wenn mein Team so etwas ausrollen würde, würden wir zu ernsthaften Gesprächen gebeten. Und irgendwie vermisse ich da schon wieder ein Komma.

„Die Ämter aktualisieren ihre Terminressourcen in der Regel am frühen Vormittag, sobald Daten über die tatsächliche Personalverfügbarkeit vorliegen. Aufgrund von Terminabsagen oder Kontingenterhöhungen kann sich ein regelmäßiges Nachschauen lohnen, um auch mal sehr kurzfristig einen Termin zu bekommen.“
-> Ja, kurzfristige Termine wurden ab und zu angezeigt, aber Termine noch am selben Tag kann ich nicht wahrnehmen, bisschen was zum Arbeiten habe ich ja auch noch.

Ich hätte einen Vorschlag:
Jetzt, wo Marihuana schrittweise legalisiert wird, haben die Dealer in den Parks doch freie Kapazitäten. Sollen die doch mit Terminen handeln!

PS: am Montag war ich nun erfolgreich. Mit drei Geräten gleichzeitig, habe ich diesen blöden Countdown gedribbelt und mir einen Termin ergattert. Anfang Juni in Berlin Neukölln.

Das schreit schon nach einem neuen Beitrag.

Das letzte große Erlebnis im Frühjahr 2023:

540) Guck‘ mir nich‘ in die Tüte!

Der Supermarkt um die Ecke, hat sich wieder was Neues einfallen lassen. Dort aufgebackene Brote gibt es nur noch abgepackt in Tüten, deren Sichtfenster eingetrübt wurden. Man kann nicht mehr „rinkieken“, würden wir Berliner sagen. Vorher war die Folie klar und durchsichtig, nun habe ich eigentlich gar keine Ahnung, was ich da greife. Ich muss nur die Etiketten lesen und dem Ganzen auch noch vertrauen. 

Das gleiche gilt, wenn ich mir ein paar Brötchen aus den Fächern angele und in diese Tüten stopfe. Damit gehe ich dann ganz stolz zur Kasse und lege die Tüte aufs Band. Die Kassiererin kann den Inhalt aber auch nicht ertasten, muss die Tüte also aufmachen, in die Tüte hinein schauen, … hoffentlich nicht niesen …, die Tüte wieder schließen, um so das Warenwirtschaftssystem glücklich zu machen

Was soll das? Wer ist denn auf diese Idee gekommen?

  • Sind die Tüten mit milchfreiem Milchglas etwa billiger?
  • Lässt sich damit das Backwerk vom Vortrag besser verkloppen?
  • Sind die vielleicht politisch korrekter, weil es dann nicht drauf ankommt, wie weiß oder braun ein Brötchen ist? Ob es eine Schiefstellung hat, ein optischen Makel oder zu viele Körner?
  • Geht’s ums Geschlecht? Sollen auch hier der „Knüppel“, die “Schnecke“ und das „Hörnchen“ dieselben Voraussetzungen haben?
  • Oder geht’s etwa um Datenschutz? Damit keiner sieht, was ich in meine Tüte gepackt habe?

Meine Güte …
… das sind Lösungen …
… für Probleme …
… die wir nicht auf der Tüte hatten.

Nachtrag 16.04.24 20:00 Uhr: danke an Hermann für die Aufklärung unten im Kommentar. So sieht das natürlich alles ganz anders aus. Hätte man ja auch mal erklären können.

Beim Schreiben fiel mir wieder ein Beitrag aus 2019 ein, bei dem ein paar Schüler die krümelnden Backwaren einfach aufs Band klatschten. Wegen der Umwelt. Sehr schön —> 44) Krümel for Future

539) Screenschrott 6 – Bunte Mischung

Ach ja, einen Screenshot machen zu können, ist sicher einer der besten Erfindungen neben Geschirrspülmaschine, Küchenrolle und Klebeband.

Screenshots mache ich Dutzende am Tag, möchte mir das gar nicht ohne vorstellen. Und weil man damit quasi seinen Bildschirm abfotografieren kann, kann man auch allerlei Schwachsinn und Wortungeheuer fotografieren und man fragt sich, ob man vielleicht mal die Scheibe putzen sollte.

Hier ein paar Fundstücke aus den letzten Monaten:

Bei der Suche nach einem Appartement für meine Reise nach >Bengaluru vertrödelte ich viel Zeit auf einer mir zugewiesenen Booking-Plattform. Also 3.200 Rupien pro Nacht ist ein Schnäppchen, aber 3.969 EUR per night ??? … also ich wollte die Hütte nicht gleich kaufen.

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Bei dem Laden hier, handelte es sich vermutlich wirklich nicht um einen Anzeigefehler. Die meinen das ernst. 1.350 EUR draufzahlen, um Business von Berlin nach Bengaluru zu fliegen und zurück noch einen Tausi drauf? Verständlich, ist geht ja auch nach München und nicht nach Berlin.

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Bei den Griechen kann ich nur erahnen worum es geht, aber das muss ein Deep-Fake sein. Es gibt scheinbar kein Gyros, kein Souvlaki und kein Tsatsiki an Bord. Kann nicht sein.

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Hier hatte ich letztes Jahr mal ein paar Covid-Tests bestellt und die schlaue Amazone, hielt auch Socken, Staubsauger und Schwangerschaftstests angebracht. Sollte ich mal beim RKI nachfragen?

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Beim großen Gemüseladen aus Palo Alto verzichtet man besser auf Bilder, sondern schwurbelt von „Dankbarkeit praktizieren“ und „Wohlbefinden steigern“. Nach dem iOS Update ging es mir gleich viel besser.

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Hier dagegen ist man sehr sparsam mit Text und von „Windows“ halten die auch nichts.

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Hier wollte ich eigentlich mal nach den aktuellen Nachrichten schauen und mir blieb fast der Prozessor stehen. Ein Bild sagt zwar mehr als tausend Worte, aber das Kleingedruckte lesen, beruhigt manchmal ungemein.

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Hier hat man schon wieder Großmachts-Phantasien. Die Schweiz wird einfach überrollt.

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Im folgenden Beitrag ging es um Bildung. Man sei noch weit weg von „Weltbester Bildung“, messerscharf beobachtet.

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Mit mehr Bildung kommt hoffentlich auch Sprachförderung. Ja bitte mehr Geld investieren!

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Das war‘s heute, mehr dann beim nächsten Mal 😉

<— 478) Screenschrott 5 – Nepper, Schlepper, Fehlerfänger

—> 575) Screenschrott 7 – dritte Zähne

105) Postkarte von Peloponnes

Die obligatorische Postkarte von der Halbinsel Peloponnes muss schon noch sein, bevor der Alltag wieder losgeht und mich eine Bahnreise nach Hessen erwartet. Auch wenn mir diesmal gar nicht so viel verrückte, skurrile Dinge vor die Kamera gelaufen sind, dafür waren sie aber nachhal(l)tiger. 

Wie schon in > Athen hat auch hier auf Peloponnes die Erde zwischenzeitlich gebebt, zumindest war es über die Nachrichten zu vernehmen. Vor Korinth, da tat sich plötzlich die Erde auf und ich fühlte mich wie John Cusack im Camper des Blockbosters „2012“.

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Die Stadt Korinth selbst, hat es auch dahin gerafft, kaum ein Stein liegt da noch auf dem anderen. Das kriegen die nie wieder aufgebaut, reicht nur noch um Touristen tagsüber zu beschäftigen, aber wirklich leben kann da keiner mehr.

Die Katastropenschutzbehörden haben gigantische Suppenküchen mobilisiert, um die Bevölkerung … und natürlich uns Touristen … satt zu kriegen. Ohne Gyros und Souflaki geht hier nix, das versteht von selbst, sind quasi „ouzos“. Aber bald war alles aufgegessen und die späten Vögel guckten dumm in die Schüssel.

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Das Wasser ist blau-grün verfärbt, besser mal nicht reingehen, bestimmt voll mit Chemikalien. Widerwärtig. Fahrt da bloß nicht hin!

In Olympia habe ich die Damen nach Feuer gefragt, aber die sagten, es läge bereits eine Bestellung vor. Irgendwelche Pariser hätten wohl vorbestellt. Typisch…

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Dafür gibts es kleine gelegte Feuer überall und das ist schon etwas nervig. Die Griechen „Hinzos und Kunzos“ verbrennen auf ihren Grundstücken Laub oder so und das wabert dann durch Berg und Tal. Kein Wunder, dass es auf den Inseln im Hochsommer gern mal brennt.

Toiletten-Humor haben die Griechen auch. Like it.

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Fazit: Hat mir ausgesprochen gut gefallen. Frühlingshafte Landschaft im April, alles sehr grün und vital, aber eben bei sommerlichen Temperaturen, es gab nicht einen Niederschlag. Die Menge an Touristen war überschaubar, der Straßenverkehr war äußerst stressfrei, dank mobilem Netz, mangelte es nie an Podcast-Nachschub. 1.600 km haben wir in einer Woche gemacht und einen guten Mix aus Stadt, Strand und >alten Steinen gesehen. Ich spüre bei Griechenland ähnliche Schwingungen wie in Portugal. Man ist in der EU unterwegs, mit all seinen Selbstverständlichkeiten, aber die Leute sind nicht so nervig drauf wie im Land der Germanen. Alles geht einen Tick langsamer und damit angenehmer daher, Regeln werden „flexibel“ ernst genommen, sehr charmant. Da können wir uns gern mal zwei Scheiben bei denen abschneiden. Und ein weiterer Kandidat für Pläne zur Winterflucht wurde gefunden und ich fragte mich mehrmals … > Warum nicht einfach … hierbleiben? Aber natürlich, wir waren Anfang April dort, im August kann das schon ganz schön brutzelig dort werden. Sprachlich war alles völlig unkompliziert, alles Wesentliche war in Englisch zu lesen, und wenn mal nicht, dann half etwas Schulrussisch und Google Translate. Kulinarisch war es ober-angenehm, sowohl die Veg-als auch die Non-Veg-Fraktion der Reisegruppe fand immer was zu futtern.

Rückkehr erwünscht. Gern für länger.

538) Warum nicht einfach … hierbleiben?

Die Frage stelle ich mir wieder einmal, denn es geht auf das Ende des Urlaubs zu. Aber Vorsicht, Triggerwarnung! Der nachstehende Beitrag könnte bei Arbeitsrechtlern, Betriebsräten, Gewerkschaftlern, Steuer- und Sozialversicherungs-Experten, Kultusministern und Lehrern zu Schnappatmung führen. Trotzdem, ich bin hier im Urlaub und das ist mein Blog, also darf ich drüber nachdenken … und davon träumen.

Und ich fange damit bei mir an, nicht des Ego‘s Willen, aber wenn es bei mir schon nicht ginge, dann können wir es gleich vergessen. Also, bei mir würde das quasi sofort funktionieren, ich müsste nur einmal kurz nach Berlin etwas Krempel, Technik and Klamotten nachholen, ein paar Dinge organisieren und könnte in 4-5 Tagen hier anfangen. Meine Kollegen sitzen eh auf der Welt verstreut, völlig egal also auch, wo ich sitze. Wenn alle 3-4 Monate ein Workshop oder anderer Event ansteht, kann ich da auch hinkommen, der nächste große Airport befindet sich bei Athen nur 2,5 Stunden von hier. Nicht weiter als von Dresden nach Berlin. Dann würde ich gleich 7-10 Tage in der Heimat bleiben, mal beim Doktor vorbeischauen, Freunde und Familie besuchen.

Und könnte das Modell für die Kids funktionieren? Schon schwieriger. Leider steht das Wort Schulpflicht im Gesetz und die ist altmodischerweise noch mit 100% Anwesenheit verbunden. Nun beginnen die Lehrkörper bereits auf den Po-Backen hin-und her zu rutschen … ick weiß … es wird unbequem. Und eigentlich wissen sie das auch selber. Sorry. Hätten Kultusminister und Schulen während der Corona-Pandemie die Geschichte einen Ticken weiter gedacht, würde es reichen, wenn uns die Kinder bei den Heimflügen begleiten würden, um Prüfungen/Klausuren vor Ort in Berlin zu schreiben. Wenn überhaupt nötig. „Steile These! Das geht doch nicht!“ Klar, geht das. Eine ordentliche Lernplattform strukturiert den Tag, vermittelt den Lernstoff und bietet bei Bedarf Video-Support an. Steht hier alles geschrieben, in meiner >Beitragsreihe zum Digitalen Lernen. Man muss nur wollen, und dann müssten die Kids nicht in maroden Schulgebäuden ohne ordentliche Toiletten „abhängen“ oder auf eine S-Bahn hoffen, die nur kommt wenn sie nicht gerade Migräne hat oder sich im Streik befindet. “Aber die sozialen Kontakte“ … und … „Schule ist ja nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung“ … ich höre es schon. Also erstens, geht es auf Berliner Schulhöfen auch nicht unbedingt sozial zu. Und zweitens, gibt es Kultur, Sportvereine und Communities auch im Land der Griechen. Und Griechisch lernen, das kriegen wir ja wohl auch noch hin.

Leider waren bei erster Lesung im Familienparlament deutliche Vorbehalte gegenüber der Vorlage zu vernehmen. Ziemlich genau die Hälfte der Abgeordneten will die Initiative in der skizzierten Ausgestaltung nicht unterstützen, man gibt sich aber immerhin gesprächsbereit. Nun kommt es auf die Koalition der Willigen an, das Wasser für den steten Tropfen nicht versiegen zu lassen. Kompromisse müssen erarbeitet, kleinste gemeinsame Nenner identifiziert und Verhandlungsmassen bewegt werden. Auf keinen Fall darf die Öffentlichkeit und die Bild-Zeitung davon erfahren, sonst wird der Entwurf in der Luft zerfetzt, bevor es auch nur den Vermittlungsausschuss erreicht. Gleichzeitig müssen alternative Konzepte auf den Tisch, um es im Falle eines erneuten Scheiterns in der nächsten Leglislaturperiode wieder zu versuchen. Aus gut unterrichteten Kreisen war zu vernehmen, dass die Chancen steigen würden, wenn ergänzende Bausteine zur Flexibilisierung und Deckelung aufgenommen werden würden. Des Weiteren macht auch der demografiebedingte Wandel vor dem Familienparlament nicht Halt, Mehrheitsverhältnisse werden sich ändern.

Also dran bleiben!

537) Top Gun zum Nutella

Der Stammhalter und ich hatten uns für heute auf ein spätes Frühstück vereinbart. Die Damen waren bereits ausgeflogen, wir wollten den Tag etwas ruhiger angehen.

Im Ferienhaus auf Peloponnes herrschte fast absolute Stille, nur die Kaffeemaschine und der Toaster gaben Töne von sich. Draußen Hund, Hahn, Vogel und in der Ferne eine Baumaschine mit Rückwärts-Pieper.

So saßen wir uns maulfaul am Küchentisch gegenüber, zwischen uns ein Glas Nutella®*, eine Packung Salami, eine Packung Käse und Sriracha-Sauce. Reduced to the max.

Und dann geschah es. Es dauerte maximal 10 Sekunden.

1, Knurps, mhm, lecker Brot
2, Ein Messer versinkt im Nutella
3, Schlürf, mhm, lecker Kaffee
4, Ein Lärm kommt von rechts
5, Wir blicken auf
6, Er: „Was ist d…?
7, Ich: „Jagdflieger“
8, Er: „Häh“?
9, Ein Lärm geht nach links
10, ein Messer taucht aus dem Nutella auf

„Ich dachte schon, …“ begann er sichtlich verstört

„Sei froh, dass du das nicht mehr kennst. Früher, ja früher, in Brandenburg, in Mecklenburg über unseren Köpfen, …“ begann ich altklug daher zu reden … „da war das Gang und Gebe“ … „bloß gut dass das alles vorbei ist“ … brach meinen Vortrag dann aber ab. 

Ich kam ins Zweifeln. Ist es denn vorbei? Oder geht nicht gerade wieder so viel los, was endlich überwunden schien?

*Nutella ist natürlich ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Ferrero, ich kriege kein Geld dafür und auch keine kostenlosen Exemplarlieferungen … obwohl das eigentlich durchaus mal an der Zeit wäre. 😉