611) All the best to Germany!

In den letzten Wochen hatte ich mehrfach Gelegenheit, mit Kollegen aus dem Ausland über die politische Situation in Deutschland und die vorgezogene Bundestagswahl zu quatschen. Gar nicht so einfach, das zu erklären.

Gestern im Laufe des Wahltags, bekam ich dann die Frage aus Indien, ob es denn schon was neues gäbe? Ich verneinte und schrieb, dass erst nach dem Schließen der Wahllokale erste Ergebnisse präsentiert werden.

Er beendete den Chat mit dem Satz: „I see … all the best to Germany.“

Toller Satz, dachte ich mir und da waren aber noch zwei Stunden abzuwarten. Aber nun habe ich den Satz im Kopf und weiß nicht, was ich damit anfangen soll.

Ich kann den auf zwei Arten verstehen:

A) So, als wenn man jemandem nur das Beste für die anstehende Entwicklung wünscht, für eine Prüfung oder eine zeitweise Herausforderung: „Alles Gute mein Lieber, zu schaffst das, du hast das Zeug dazu. Keine Frage, Mensch! Wenn nicht du, wer dann? Irgendwann lachen wir drüber. Gar kein Zweifel. Nur eine Frage der Zeit. Wirst schon sehen.“

Oder

B) So, wie man es halt sagt, wenn sich jemand in ein Risiko, ein Wagnis stürzt: „Hals und Beinbruch“, „Mast-und Schotbruch“, „Wird schon schief gehen“, „Runtergekommen sind sie alle wieder“, „Pass bloß auch dich auf“, „Halt die Augen auf“, „Meld‘ dich wenn du angekommen bist“, „Hier ist meine Nummer, du kannst Tag und Nacht anrufen“ und „Unsere Gedanken sind mit dir.“

Mal sehen wie das weitergeht

610) Überraschungspaket

Als ich klein war, konnte man für überschaubares Taschengeld eine Überraschungstüte kaufen. Für einen kurzen Moment bestand Hoffnung auf etwas Spektakuläres, beim Auspacken entpuppte sich der Inhalt dann doch immer als unnötiges Kleinzeugs.

Nun sehe ich vermehrt Automaten in der Stadt, in denen retournierte Pakete für einen Festpreis (10 EUR soweit ich das beobachtet habe) angeboten werden. Der Käufer weiß nicht, was in den Päckchen enthalten ist, er kann nur anhand der Pappkartons mutmaßen was es wohl sein könnte, dann wählt er die Nummer das Kartons und der purzelt ins Ausgabefach.

Was für ein Blödsinn. Die Unternehmen entledigen sich der personalintensiven Abwicklung von Retouren, brauchen nichts auf eigene Rechnung zu entsorgen, sondern werden den Krempel über die Haushalte los. Clever.

Mag mir gar nicht vorstellen, wie man da „überrascht“ wird. Es werden ja nicht immer Festplatten oder Smartphones in den Päckchen sein, sondern bestimmt auch mal ein Dichtungsring für den Kaffeeautomaten „EP2220 / L / Christmas Edition“, ein braun-geblümter Duschvorhang auf Sondermaß, ein Dinosaurier-Faschings-Kostüm in Größe 152 oder etwas delikates aus der Kategorie „untenrum“. Also ab in den Müll … dann also doch.

Interessanterweise war der Automat fast leergeräumt.

Bleiben eigentlich nur drei Ursachen:

  • A) es gibt zu wenig Retouren (unwahrscheinlich)
  • B) die Leute kaufen diesen Müll (unglaublich)
  • C) das Geschäft schläft wieder ein (hoffentlich)

Na ich bin mal gespannt, welches Überraschungspaket wir nach der Bundestagswahl bekommen. Etwas Neues, etwas Gebrauchtes oder nur `ne Tüte heiße Luft.

609) Lemminge am Gate

Neulich am Flughafen Lissabon wurde ich wieder mal in ein Personenleitsystem (People Guidance System) getrieben. Siehe auch früherer Beitrag >Flugvieh am Terminal C. Das ist nichts ungewöhnliches mehr, begegnet uns mittlerweile überall, dieses war aber schon speziell, denn es führte im Zick Zack, über 11(!) Spuren, jeweils 40 Meter lang. Also bin ich stolze 500 m gelaufen, nur um dem Herren am Metall-Detektor beweisen zu können, dass ich kein Terrorist bin, sondern nur ein müder Dienstreisender der zurück nach Berlin will.

Und das verrückte ist ja …

  • Die Reisenden machen da anstandslos mit,
  • Wie Schafe auf dem Weg zum Schlachter (guten Appetit)
  • Klar wird vereinzelt geblökt und geschnauft,
  • Aber keiner übersteigt die Flatter-Bänder,
  • Niemand kürzt ab, durchbricht das System,
  • Zeigt den Kameras den Stinkefinger,
  • Weil er die uniformierten Sicherheitsleute
  • Oder den Ärger der Mitreisenden fürchtet,
  • Angst vor einer Leibesvisitation hat
  • Und den eigenen Flug nicht verpassen will.

Schon interessant anzuschauen. In Alltag und Internet, da wird geschubst, gepöbelt, gedroht und so weiter … man ruft nach Freiheit und Selbstbestimmung … und überholt wo nur möglich … aber in diesem Moment sind sie alle Teil der homogenen Reise-Herde, halten für 500 Meter die Klappe und watscheln auf Kommando einem unbekannten Hinterkopf hinterher.

Gruselig irgendwie …

Andere Beiträge:

608) Man muss mit Idiotien in allen Ausprägungen rechnen

Die Menschen sind ja Weltmeister im „Warnen“.
Vor gefährlichen Situationen oder Wesen.

Die ganze Landschaft stellen wir mit Schildern zu.

Draußen im Grünen …

  • Achtung Bären!
  • Achtung Schlangen!
  • Achtung Wildwechsel!
  • Achtung Hund!

Aber auch in unseren Städten und Dörfern …

  • Achtung Spurrillen!
  • Achtung Wurzelhub!
  • Achtung Straßenschäden!
  • Achtung Gehwegschäden!

Selbst im Urlaub geht es so weiter …

  • Achtung Hochwasser!
  • Achtung Abbruchkante!
  • Achtung Haie!
  • Achtung Lawinengefahr!

Die Welt scheint voller Gefahren für uns Menschen, ausgelöst von Flora, Fauna und Geologie. Aber so langsam finde ich, müssten wir auch mal ein paar Schilder zur Warnung vor Menschen aufstellen

  • Achtung Handtuchausleger!
  • Achtung Instagrammer mit Handy!
  • Achtung Duckfaces am Klippenrand!
  • Achtung Junggesellen auf Sauftour!
  • Achtung Bergsteiger mit Flip Flops!
  • Achtung Laut-Telefonierer!
  • Achtung Rucksackträger in der Bahn!
  • Achtung Allesmögliche-Leugner!
  • Achtung Populisten!
  • Achtung Milliardäre!
  • Achtung Oligarchen!
  • Achtung (Vize)-Präsidenten!

Welche Schilder würdet ihr noch so aufstellen lassen?

PS1: danke an Elke für den Kommentarwechsel unter ihrem >Beitrag über die Canyonlands und die Inspiration für diesen Beitrag.

PS2: Headerbild via WordPress-KI

607) Buchstabensuppe mit Alles – 12

Das sind so Tage, da könnte ich mir gut vorstellen, in einem Kloster einzuchecken. Na gut, vielleicht nun nicht gerade in einem Kloster, aber in einem Ort, weit weg von all dem Getöse, gern auch ohne Zeitung, TV und Internet, mit dicken Türen und gut isolierten Fenstern. Und standfesten Brandmauern.

Vance hart kommt

Ich habe mir die „Rede“ von J. D. Vance noch einmal in voller Länge angehört, weil ich die Zusammenfassungen in den Nachrichten kaum glauben konnte. Aber es ist so. Es ist schwer zu ertragen, welchen Blödsinn er da auf der Münchener Sicherheitskonferenz vorgetragen hat. Und mit welch Selbstbewusstsein er sein alternatives Halbwissen über Europa anrührt und halbgar auf den Tellern der Gäste verteilt, denen die Grütze sichtbar im Halse stecken blieb. Und dass er sich nach den 20 Minuten einfach aus dem Staub macht, ohne auch nur ein Widerwort hören zu müssen, ist eine ****heit und vermutlich nur eine Vorschau dessen, was uns da in nächster Zeit erwartet. Neues To Do an den Manager des Hotels Bayerischer Hof für die MSC 2026: Spucktüten auslegen. Und Sauerstoffmasken und Beckengurte. Es werden heftige Turbulenzen erwartet.

Eiszeit

Nicht nur politisch wird es frostig. Berlin wurde Donnerstag und Freitag mit einer Ladung Schnee versorgt, der wurde mehr oder weniger gut weggeräumt. Man bleibt besser in den eigenen vier Wänden oder nimmt einen Eimer Sand mit, wenn man die Höhle verlässt. In der kommenden Woche werden zweistellige Minus-Temperaturen in der Nacht erwartet.

Hier ein paar Eindrücke. Braucht jemand crushed ice?

Und sonst so?

Ich könnte ein Klage-Lied anstimmen. Ein Klage-Lied über das zähe Ringen, das mühsame Kommunizieren mit Behörden, Schulen und Dienstleistern. Die damit einhergehende Unprofessionalität und Unfähigkeit, aber das zieht mich nur runter und dann bin ich nur noch am Motzen, weil nichts zu mehr zu funktionieren scheint. Aber das will ich ja auch nicht und ist im Vorfeld der Bundestagswahl gefährlich. Also plane ich einen Kurzurlaub für Ostern, besorge neue Laufschuhe, versuche die Grippe-Welle fernzuhalten, mache ein paar aufgeschobene Dinge im Haushalt und tauche in Podcasts und einer guten Netflix-Serie ab.

Und selbst so?

606) Empathie-Grundkurs für einen Kanzlerkandidaten

Gestern bin ich zufällig in die ZDF Wahl-Sendung >Klartext gestolpert, eigentlich auch nur, weil ich die Nachrichten schauen wollte, die Sendung aber zeitlich überzogen hatte.

Aber so konnte ich den Kanzler-Kandidaten der CDU noch etwas bei seinen ausbaufähigen Empathie-„Künsten“ beobachten.

Bei Minute 2:13:30 äußert sich eine Dame aus dem Publikum sehr besorgt, dass die Lieferung von Waffensystemen wie dem „Taurus“ ja auch zu Vergeltungsschlägen gegen Deutschland führen können.

Und dann passiert ungefähr folgendes:

  1. Der Kandidat äußert kurz Verständnis, auch wenn er die Sorge nicht teile.
  2. Der Kandidat versucht, die Sorge zu entkräften, Deutschland hätte es schließlich in der Hand, solch Eskalation zu vermeiden.
  3. Der Kandidat wechselt mal eben schnell die Frage, beklagt die Versäumnisse der Ampel-Regierung.
  4. Die Dame und die Moderatorin bemerken den Trick und wollen die Diskussion wieder auf die Zukunft … die Zeit nach der Wahl … und seine künftige Verantwortung lenken.
  5. Der Kandidat umreist die offensichtlich aggressive Agenda von Groß-Russland, erst die Ukraine, dann Baltikum, dann Polen … man konnte die Panzer förmlich rollen hören.
  6. Die Dame bekommt immer mehr Sorgenfalten auf der Stirn, versucht wiederholt, auf ihre Ängste zurückzukommen.
  7. Der Kandidat versichert, dass hybride Angriffe schon täglich stattfinden, besonders im Bereich der Cyberkriminalität und Sabotage.
  8. Die Dame unterstreicht noch mal, dass wir uns ja mit einer Atommacht anlegen und wirkt sehr besorgt.
  9. Der Kandidat trägt vor, dass man keine Angst haben darf.
  10. Die Dame zuckt hilflos mit den Schultern.
  11. Der Kandidat sagt, er schlafe abends gut, die Frage halte ihn aber auch wach.
  12. Der Kandidat verweist auf seine Familie, seine Kinder, und versichert, er mache sich auch so seine Gedanken.

Kurve gerade mal noch so gekriegt … Herr Kandidat.

Was nun noch gefehlt hätte, wäre so etwas wie:

„Vielen Dank fürs Zuschauen und wir wünschen eine geruhsame Nacht“

605) Schnee von gestern

Da wollte ich heute Morgen zum lokalen Exerzierplatz, um meinen Beitrag zur Volksgesundheit, körperlicher Leistung-und Wehrfähigkeit zu leisten, und da hat doch glatt jemand unsere schöne Hauptstadt mit tonnenweise Schnee belagert.

Wer hat das denn nun wieder verbaerbockt?
Bestimmt die Ampel, oder der Habeck. Erst Heizungshammer, dann Lillehammer oder was?

Oder steckt da wohl das Ausland dahinter?
Der russische Bär oder gar der Wolodymyr der seinen ganzen kaputten Schnee bei uns abkippt?

Oder die Flüchtlinge?
Ja, die Flüchtlinge, die kommen eh alle aus dem Osten und haben die Taschen voller Schnee. Man hört ja so vieles.

Und wieso sind da Fußspuren vor mir auf dem Platz?
Ey, das ist mein Platz! Ich war schon vorher hier.

Gleiche Schuhgröße wie ich, eine 44?
War ja klar. Alleinstehender Mann. Bestimmt so‘n Messer-Heini vom Hindukusch oder wie das da heißt.

Auch die Japanische Sportschuh-Marke, so so. Wie geht das denn bitte?
Sicher geklaut.

Und wenn der hier ausrutscht?
Dann blockiert der meine Privat-Praxis und macht meine Krankenschwester an, ganz klar.

Was macht der eigentlich hier um die Uhrzeit?
Der soll mal besser arbeiten und uns nicht auf der Bürgergeldbörse liegen.

Und wieso ist hier um 06:15 Uhr nichts geräumt?
Kein Wunder, linke Bürokratie, verfilzte Behörden, nüscht funktioniert mehr hier.

Aber wartet mal ab, am 23.02.25 haben wir Bundestagswahl, da wird hier alles wieder zurechtsgerückt. Da erstreckt sich der Hochsauerlandkreis von der Oder bis an den Rhein!
Dann sind Stillstand, Misswirtschaft und das ganze Rumgewoke der letzten drei Jahre Schnee von gestern. Dann wird alles plattgetrumpelt und mit vereinter Muskelkraft die Ordnung wiederhergestellt.

PS1: Liebe treue Leserschaft, keine Sorge, ich bin nicht übergeschnappt. Das ist Kunst 😉

PS2: da ich ja auch ein paar Leser aus dem Ausland habe, möchte ich ein paar Begriffe erläutern. „Ampel“ bezeichnet die Dreier-Koalition unter der Deutschland bis vor Kurzem noch regiert wurde. „Baerbock“ ist der Name unserer aktuellen Außenministerin, „Habeck“ der Name unseres Wirtschaftsministers … grundsätzlich an allem Schuld. Das „Sauerland“ ist die Heimat des Kanzlerkandidaten der CDU, „Bürgergeld“ ist eine Art Grundversorgung für Menschen, die nicht mehr arbeiten können … oder wollen. Die Namen „Trump“ und Musk“  sollten mittlerweile bekannt sein

604) Top-Thema Migration ?

Am 06.02.25 trafen Politiker von AfD, BSW, CSU, FDP, Grüne und Linke zum sogenannten „Schlagabtausch“ im ZDF aufeinander. Ich nehme mal an, damit soll den „kleineren“ Parteien die Möglichkeit gegeben werden, ihr Wahlprogramm zu vertreten, während heute Abend die beiden „großen“ CDU und SPD ihre Kanzlerkandidaten ins TV-Duell schicken. Die Worte „groß“ und „klein“ kratzen mir allerdings etwas im Abgang, wenn man sich die aktuellen Umfragen anschaut und damit leider auch die stabile Position 2 für die AfD.

Dass die CSU mit Alexander Dobrindt (Ex-Bundesminister für Verkehr und Digitale Infrastruktur) dabei sein durfte, obwohl sie eigentlich im heutigen TV-Duell über die Union repräsentiert wird, bescherte mir Fragezeichen, aber sei’s drum … man hatte damit immerhin mal einen Mitverantwortlichen für marode Brücken und weiße Flecken auf der Mobilnetz-Landkarte in der Sendung … aber diesen Ball leider nicht gespielt.

Dass das Publikum überdurchschnittlich jung war und bei Statements der Linken und Grünen besonders applaudiert hat, fiel schnell auf. Laut ZDF wurden die Gäste aber nicht gecasted, sondern man habe im Vorfeld der Sendung verschiedene Berliner Institutionen kontaktiert, um die Anreise zu vereinfachen und die Plätze zu füllen. „… unter anderem das J.F.K.-Institut für Nordamerikastudien, Politik- und Kommunikationswissenschaften der Freien Universität, die Hertie School of Governance, die Humboldt-Universität, der Tönissteiner Kreis und die Familienunternehmen e. V.“ (Quelle: zdf.de) Nun, das hätte man auch etwas ausgewogener hinkriegen können. In Berlin gibt es durchaus Berufs-, Polizei- und Fahrschulen, Kasernen und Fußballvereine … das Klatschverhalten wäre sicher anders gewesen.

Aber das sind alles Nebensächlichkeiten. Was mich echt gestört war, dass von 90 Minuten Sendezeit satte 45 Minuten auf das Thema Migration verwendet wurden. 50%! Als gäbe es nicht genügend andere Baustellen, die Aufmerksamkeit verdienen würden. Und es erweckt den Eindruck, dass die Deutschen die Hälfte ihrer Freizeit an nichts anderes denken würden. Und das glaube ich nicht! Ja, das Thema Migration ist nicht einfach, es (über)fordert Finanzen, Sicherheit, Bildung und Wohnwesen, aber es dominiert doch nicht den Alltag! Meinen zumindest nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich im Kuschel-Bezirk Prenzlauer Berg lebe, der eher für Latte Macchiato und Lastenräder bekannt ist, als für Flüchtlingsheime, mag sein. Aber auch Menschen, die in anderen Stadt-Bezirken wohnen, haben doch vermutlich auch andere Sorgen, die nichts mit den drei Millionen Flüchtlingen zu tun haben.

Wenn ein Zuzug von 3 Mio Menschen unser Land angeblich an den Rand eines „Notstands“ bringt, dann liegt doch die Ursache nicht bei den 3 Mio Gästen, sondern an systemischen Problemen. Es zeigt leider sehr deutlich, dass Deutschland  nicht resilient genug ist, nicht so „erfinderisch“, „zackig“, „pünktlich“, „weltmeisterlich“ wie es sich gern selber darstellt, sondern ziemlich … durchschnittlich.

Wirkt auf mich wie ein Schüler, der gepennt hat, nun droht den Anschluss zu verlieren und ganz unzufrieden mit sich selbst nun die Schuld bei all „den anderen“ sucht, obwohl er insgeheim weiß, dass er mal dringend zur Nachhilfe gehen müsste.

Ja, tut weh, ist aber so.

603) Algarvisch auf Wahlkampf

Mittlerweile befinde ich mich in der dritten Woche meines Insel-Office-Formats und bin an der Algarve gelandet. Hier ist kaum was los, wenig Touristen sind hier, das Wetter ist wechselhaft, ich kann neben der Arbeit auch was von der Gegend sehen. Natürlich folge ich auch den heimischen Nachrichten, dem Wahlkampfgetöse … und bin so froh und dankbar … weit weg zu sein.

Die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ versorgt mich mit Fotos von Wahlplakaten im Kiez … und ich muss sagen, ich bin allergisch … quasi algarvisch … auf den Wahlkampf in Deutschland.

 

Der aufmerksame Beobachter hat sicher schon festgestellt, dass ein paar nennenswerte Parteien fehlen. Genau. Raus aus dem Rennen. Nich‘ mit mir.

Ääätsch!

602) Überfahren von Werbung

Dass man mittlerweile auch im Taxi mit Werbung beflimmert werden kann, ist ja nun nicht mehr so neu. Neulich sah ich ein Car Sharing-Auto, das hatte auch Bildschirme … aber nach außen gerichtet. Nicht der Fahrgast soll hier umworben werden, sondern die Passanten. Wunderbar, es gibt ja noch nicht genug Werbung in der Stadt. 

Damit „ … lassen sich dynamische und gezielte Werbeinhalte in Echtzeit anzeigen – je nach Standort, Tageszeit oder Zielgruppe. Das könnte besonders für Carsharing-Dienste interessant sein, da die Autos oft in verschiedenen Stadtteilen unterwegs sind und so flexibel unterschiedliche Zielgruppen erreichen …“ schreibt ChatGPT

Einer der Hersteller schreibt „ …Nach Corona zieht es die Menschen mehr denn je wieder auf die Straße beziehungsweise ins Freie hinaus – und das gilt für alle Altersgruppen und über alle Bevölkerungsschichten hinweg. Für Werbungtreibende ergibt sich hier also die beste Gelegenheit, ihre Zielgruppen zu erreichen, zumal die meisten von uns „draußen“ mit geschärften Sinnen unterwegs und selten durch andere Medien abgelenkt sind …“ … ha ha … geschärfte Sinne … ich sehe meistens nur >Handy-Zombies in der Stadt … da mussten sie aber lange an der Argumentationskette arbeiten.

Je nach Stadtbezirk und dortiger Sozialstruktur können also andere Produkte beworben werden, verstanden. In Prenzlauer Berg beispielsweise Lastenfahrrad, Soya-Milch und Kinder-Coaching, in Marzahn und Neuköln eher … Schuldnerberatung und Dosen-Ravioli? Oder die Werbung ändert sich sogar beim Vorbeigehen der Menschen, zugeschnitten auf deren Nutzerprofil, Vorlieben und Neigungen. Das wird sicher sehr unterhaltsam für … alle anderen drumherum. Dann sind wir plötzlich dann doch „draußen mit geschärften Sinnen unterwegs.“

Nun ja. Wenn wir auf der einen Seite irgendwo Energie einsparen, dann muss die natürlich gleich wieder verballert werden.