742) Madeira…er

Meine verbleibenden Tage hier auf Madeira kann ich schon an zwei Fingern abzählen. Ja, ich ahne schon, das Mitleid aus Deutschland wird sich in Grenzen halten (oaaaahh … das tut uns aber Leid … heul … jammer).

Also genieße ich das mal noch ein wenig, bevor es zurück in die hippe Hauptstadt geht, die eigentlich seit Neujahr entweder mit Böllern, Schnee, Eis, Split oder Hundescheiße bedeckt ist. Oder alles im Wechsel, Schicht für Schicht, festgetrampelt, so dass sich Geologen irgendwann dran erfreuen können.

Ich habe schon überlegt, für den Rückflug auf die Lufthansa umzusteigen,
denn die streikt wohl gerade,
und dann könnten sie meinen Flug absagen,
und ich müsste hier bleiben.

Denn Madeira ist um einiges kleiner, schöner, grüner, sauberer, aufgeräumter, trockener, bergiger, blumiger, sonniger.

Die Menschen sind freundlicher, entspannter, umgänglicher, einladender, ruhiger … ihre Base is‘ viel gechillter … sagt man das so?

Der Verkehr ist friedlicher, die Supermärkte offener, die Luft besser, die Nachmittage heller, die Luft wärmer … also im Prinzip ist hier alles … irgendwie …

madeira …

madeira…er

am madeira…igsten …

oder so

 

„Im Durchschnitt hast du in den letzten vier Wochen viel häufiger die Treppe genommen“, sagt die schlaue Schritte-App

Sonst 5 Stockwerke im Schnitt, die letzten vier Wochen 37.

Wow. Bergmensch.

741) Workoholix

Wenn wir diesen Wohlstand erhalten wollen, dann müssen wir mehr arbeiten, weniger krank sein und wir dürfen die Maloche nur noch verlassen, wenn die Mutter im Sterben oder das Kind in vollen Windeln liegt. Und das Ganze soll nicht nur „erhalten“ bleiben. Es soll auch noch wachsen. Wachstum, Wachstum. Ich kann es nicht mehr hören. Das einzige was Bitteschön nicht wachsen soll, ist der Pickel auf der Nase oder ein Tumor im Kopf. 

Wachstum und Wohlstand werden als „gegeben“ inszeniert, als gäbe es keine anderen Wege ein glückliches, gesundes und erfülltes Leben zu führen.

  • Wenn wir beispielsweise mal nur 10% weniger Produkte und Dienstleistungen konsumieren, würden wir weit weg von irgendwelchen Mangelerscheinungen sein.Wenn wir nur 10% der Arbeit weglassen, weil sie völlig blödsinnig ist und nur deshalb gemacht wird, weil man sie schon immer gemacht hat.
  • Wenn man die verbleibende Arbeit nur 10% effizienter erledigt, mit Maschinen und Computern automatisiert.
  • Wenn man weitere 10% an Produkten nicht nur für sich anschafft, sondern mit der Community um sich herum teilt.

dann komme ich alleine schon mit dieser Milchmännchen-Rechnung auf stolze 40% Arbeitsleistung, die man weniger arbeiten könnte.

Die Menschen haben doch nicht Dampfmaschinen und Supercomputer erfunden, damit sie weiterhin 40 – 50 Stunden die Woche ackern und sich dann noch vom querfinanzierten Regierungschef und dem fränkischen Lederhosen-Heini sagen zu lassen, dass sie zu faul sind.

Was soll das?

Danke an FreeDobby für die intensiven Gespräche heute auf der Auto-und Wandertour.

PS: Titelbild via ChatGPT

740) Größe allein ist nicht alles

Bisschen Technik, Ausdauer und Mumm gehören auch dazu.

Heute stand ich im Hafen von Funchal (Madeira) vor einem Nachbau der Santa Maria, das eine von den drei Schiffen, mit dem Columbus in Richtung Indien a.k.a. Amerika aufbrach. Und da wurde mir erst einmal eindrücklich bewusst wie verdammt klein das Schiff eigentlich war.

Nur 23-25m lang und 8m breit (ChatGPT). Und dann waren da auch noch vierzig Mann, Vorräte und Material auf dem Kahn. Von Privatsphäre, Dusche, WLAN und Netflix ganz zu schweigen. Die Orion-Kapsel der hoffentlich bald startenden Artemis II Mission um den Mond herum ist nur 10m lang und hat 5m Durchmesser, für vier Crew-Mitglieder und den ganzen Technik-Krams … und … immerhin haben sie Internet.

Immerhin weiß die Orion-Besatzung, dass es den Mond gibt und diese Reise möglich ist. Dass wussten die Männer von Santa Maria, Pinta und Niña damals nicht als sie im August 1492 die Leinen losmachten.

Wahnsinn.

PS: Vor ein paar Tagen lag die Mein Schiff 3 hier im Hafen. Mit 293m Länge und 35m Breite, 1.000 Crew-Mitglieder und 2.500 möglichen Passagieren.

Ers recht Wahnsinn

739) Willkommen im Systembruch

Im Westen Deutschlands brechen gerade mehrere Welten zeitgleich zusammen.

Das Konstrukt der Volksparteien (plus der „nervigen“ Grünen) trägt nicht mehr, nationalistische Parteien ziehen in Parlamente ein, erfolgreicher als Republikaner, DVU oder NPD es jemals waren.

Industrie und Mittelstand stehen unter Druck. Aus Fernost kommen günstige Preise und aggressive Innovationen, aus Fernwest drohen Zölle, Inflation und wirtschaftliche Unberechenbarkeit. Mit Social Media wird das Nachrichten- und Deutungsmonopol dezentralisiert, der Staat zieht sich schrittweise aus sozialen Projekten zurück und den Kirchen laufen die Mitglieder davon. 

Der Ostblock ist nicht mehr der eine klare Feind. Der Russe ist es zwar „schon wieder“, doch selbst aus dem Inneren der EU wird der Staatenbund attackiert. Der Diesel ist verpönt, der gute alte VW mutiert zum Tablet auf Rädern, und das Land wird mit Windrädern zugestellt. Frauen sollen bestenfalls gleich verdienen, aber bitte trotzdem die Care-Arbeit zu Hause im Blick behalten. Jobs geraten durch KI unter Druck, während man einem Gas-Wasser-Scheiße-Monteuer inzwischen fast demütig hinterhertelefoniert. Und zu guter Letzt kündigt der reiche Onkel aus den USA die Freundschaft, vielleicht sogar den NATO-Abwehrschirm.

Prost Mahlzeit.
Das muss man erst einmal verdauen.

Und warum „nur“ im Westen Deutschlands?
Findet das nicht auch im Osten statt? Natürlich tut es das.

Der Unterschied ist: Der „Ossi“ hat seine Zeitenwende bereits erlebt, damals, als um ihn herum die „Seitenwände“ abgebaut wurden. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung folgte für viele erst einmal eine Talfahrt im eigenen Mikrokosmos. Kein Stein blieb auf dem anderen. Biografien wurden entwertet, Sicherheiten gelöscht, die Spielfigur auf „Anfang“ gesetzt.

Hinzu kamen der zweite Golfkrieg, der Jugoslawienkrieg und der Zerfall der Sowjetunion. Die Zahl der Asylsuchenden stieg, ebenso wie die Umsätze für Springerstiefel und Baseballschläger.

Man könnte also meinen, der „Ossi“ habe so etwas schon einmal erlebt.

Dass er sich ein dickeres Fell zugelegt, Resilienz entwickelt, vielleicht sogar so etwas wie „Krisenkompetenz“ aufgebaut hat.

Leider gelingt es dem „Ossi“ nicht, diese Kompetenz einzubringen.

Es gibt keinen Markt dafür, kein Plenum, keine Bühne. Erfahrung zählt nur, wenn sie theoretisch gerahmt, akademisch zertifiziert oder westdeutsch moderiert ist. Gelebter Kontrollverlust gilt nicht als Expertise, sondern als biografischer Makel.

Was von den ostdeutschen Verwerfungen der 90er-Jahre tatsächlich überlebt hat, ist überschaubar: Ampelmännchen. Rechtsabbiegerpfeile. Rotkäppchen Sekt. Und eine höhere Kindergartendichte.

Der Osten durfte liefern, was folkloretauglich war.
Erfahrung war nicht gefragt.

Wo sind all die neuen Coaching-Läden?

 

Ähnlicher Artikel in der Berliner Zeitung

https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/wie-das-westdeutsche-modell-kollabiert-und-der-osten-weiss-was-kommt-li.10015626

PS: Titelbild via ChatGPT

738) Vollzeit in Ketten


Als ich gerade folgende Nachricht im Radio hörte, da blieb mir fast das Sonntagsbrötchen im Halse stecken.

Der Wirtschaftsflügel der CDU (MIT) will den generellen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abschaffen. Künftig soll Teilzeit nur noch mit besonderer Begründung möglich sein, etwa wegen Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Weiterbildung“ … so fasst mir die KI den Beitrag vom Deutschlandfunk zusammen.“

Die Folge war ein unmittelbarer Wutausbruch von dem ich mich nun wieder abkühlen muss.

Lieber Wirtschaftsflügel. Ja natürlich zahlen Menschen in Teilzeit weniger Steuern und weniger Sozialversicherungsbeiträge. Bei der eigenen Rente werden sie es später direkt über die Abzüge merken, beim Besuch einer Arztpraxis aber nicht, auch nicht bei den Diensten von Polizei, Justiz und Feuerwehr. Die können Teilzeitarbeitende weiterhin voll in Anspruch nehmen auch wenn sie weniger einzahlen. Da ist was dran.

ABER: Bevor ihr uns an den Arbeitsplatz kettet, sorgt doch bitte schön erstmal dafür, dass die Sozialsysteme und Verwaltungen effizient arbeiten. Das spart Geld und dann entkrampft sich auch der Fachkräftemangel (zumindestens mal auf den Büro-Etagen). Eine Krankenversicherung wird nicht nur teurer, weil das Lebensalter steigt und Medizin leistungsstärker wird. Eine Verwaltung ist nicht per Definition aufwändig und komplex … sie wurde so gemacht.

In körperlich geprägten Berufen ist die Teilzeitquote bei Männern ohnehin niedrig. Bei Frauen ist sie höher – aber nicht, weil sie alle kollektiv „Work-Life-Balance“ spielen wollen. Sondern weil dieses Land es im Jahr 2025 immer noch nicht schafft, flächendeckend verlässliche, bezahlbare und flexible Kinderbetreuung anzubieten.

Ich hoffe ernsthaft, dass der Fachkräftemangel zu einem gewissen Level erhalten bleibt. Denn dann müssen sich Arbeitgeber etwas einfallen lassen, ihre Mitarbeiter zu halten oder neue anzuwerben. Unternehmen werden freiwillig flexible Arbeitszeitmodelle beibehalten, auch wenn es nicht im Gesetz steht. Sollte KI aber zu erheblicher Freisetzung von „Human-Ressourcen“ führen und damit ein Arbeitgeber-Markt entstehen, dann sieht’s allerdings schlecht aus.

So und jetzt gehe ich wandern …
noch ein wenig meiner Freiheit genießen.

Grüße von der kleinen Atlantik-Insel

PS: Titelbild via ChatGPT


737) Wenn der ICE-Mann nicht mehr klingelt …

… sondern direkt hereinkommt. Da sind wir noch nicht, denn das ist den ICE-Agents auch nicht gestattet so weit ich weiß. Aber allein was ich vom Geschehen auf Straßen und Plätzen sehe und höre, läuft mir im gleichen Moment eiskalt den Rücken runter.

So etwas kenne ich nur aus Schulbüchern und Schwarzweiß-Fotos. Es erinnert an Methoden der Geheimpolizei. Gestapo, Stasi, Securitate … you name it. Und das im „Land of the Free“. Wahrscheinlich sind eigenartige Beulen auf Amerikas Friedhöfen zu sehen, weil sich Denker und Gründer im Grabe umdrehen. Mehrmals am Tag.

Was mag da wohl noch alles passieren?, ist da so mein erster Gedanke.
und
Wie wollen sie diese Gräben je wieder kitten?, dann der zweite.

Ich kann da gar nicht mehr zu schreiben, es ist alles gesagt.

Entsetzt, enttäuscht … ach wie sag ich es nur …
würden sie doch einfach nur eine Runde Eis ausgeben.

PS: Titelbild via ChatGPT

736) Insel-Office 3

Wie bitte? Insel-Office? Schon wieder?

Wieso schon wieder? Ist doch schon wieder ein Jahr her.

Und warum auch nicht? In Berlin ist es entweder grau oder dunkel oder beides gleichzeitig. Garniert mit Resten von Silvesterknallern, Winterstreu, Weihnachtsbäumen und Hundescheiße. Auf jeden Fall hässlich. Man hört kaum Vögel, nur die dystopischen Laute der Krähen. Berliner gehen sich gegenseitig auf den Geist und mir gehörig auf den Wecker. Die Zimmerdecke kommt meinem Kopf immer näher, ich habe schlechte Laune und Vitamin D-Pillen bringen auch nichts. Ich brauche Licht, Sonne und dringend eine andere Tapete. Das weiß ich. Also begehe ich wieder Winterflucht.

Ich habe meinen Rechner eingepackt, diverse Kabel und meinen Reise-Monitor auch. Ich nenne ihn mittlerweile „Moni“. Ein tolles Gerät. Er ist deutlich größer als der Laptop-Screen, wiegt nur gute zwei Kilo und der Standfuß lässt sich ohne Werkzeug abmontieren. Ideal für mein digitales Nomaden-Leben am Rande des Atlantiks.

Nun sitze ich die nächsten vier Stunden im Flieger. Kein Board-Entertainment, kein WLAN, zwangsweise abgekoppelt vom medialen Rauschen. Neben mir sitzt ein junger Typ mit riesigen Muskeln und breitem Kreuz. Er konfisziert beide Armlehnen, sodass ich meinen meinen linken Arm kaum nutzen kann. Also tippe ich diesen Text mit den Fingern der rechten Hand. In der Sitztasche vor mir liegt die neue „brand eins“ mit dem Untertitel „Ein Heft über begründete Zuversicht“, das klingt doch verlockend. Könnte ich vielleicht zum Motto der nächsten vier Wochen erklären. „Eine Reise mit begründeter Zuversicht.“

Damit das auch ja so eintritt, werde ich hin und wieder eher Schluss machen oder eine längere Mittagspause einlegen. Mein Laufprogramm werde ich aufrecht erhalten, vielleicht mal ein Fahrrad / Auto mieten oder mit dem Bus die Gegend erkunden. Da wo ich sein werde gibt es Tageslicht bis nach 18:00, Supermärkte die bis 22:00 geöffnet haben, auch Sonntags und nette Menschen mit leckerer Küche. Paradiesisch.

Einmal pro Tag die Nachrichten checken wird reichen, ich will nur mitkriegen falls die Insel von einer Großmacht mit Großmaul einkassiert wird.

Etwas Lesestoff habe ich bei, einen Streaming-Dienst und charmante Begleitung. Langweilig wird mir also nicht … wird mir nie. Außerdem will ich weiter an meiner längeren off-time im Sommer herumplanen.

So und jetzt werfe ich mal einen Blick ins Heft mit begründeter Zuversicht.

In diesem Sinne … bis die Tage.

Frühere Beiträge zum Thema:

 

735) House of Narz: Macht in Serie?

Wie ich sicher schon einmal hier geschrieben habe, bin ich ein Netflix-Spätzünder.

So befinde ich mich erst jetzt, rund zehn Jahre später, in den letzten Zügen der Serie „House of Cards“: politische Machenschaften, Intrigen und „menschliche Verluste“ rund um das Weiße Haus. Über mehr als 70 Folgen hinweg bekommt man dabei erstaunlich viele Einblicke hinter die Kulissen der Macht in Washington.

Hätte ich mir die Serie damals, zur Zeit ihres Erscheinens, angesehen, hätte ich vermutlich abgeschaltet, weil:

Zu abgedreht. Zu unglaublich. Zu weltfremd. A bit too much.

Heute, drei oder vier Amtsperioden später, denke ich:

Ja. Genau so. So muss es wohl wirklich sein.

Es ist abgedreht. Unglaublich. Irgendwie echt. Und … even more than too much.

Also, wie kann die Serie nur so realistisch sein / wirken?

  • Hat der Autor bereits nur die damalige Realität dokumentiert?
  • Oder hatte er einen verdammt guten Riecher für die Zukunft?
  • Oder haben die heutigen Politiker selbst zu viel davon gesehen?

Obwohl … beim genaueren Nachdenken …

zum Ende wird ein Regierungskabinett aus lauter Frauen aufgestellt, und die Präsidentin trägt ihren schwangeren Bauch im engen Kleid stolz zur Schau.

Bleibt wohl doch eher Fiktion 😉

PS: Titelbild via ChatGPT

734) Geld allein stapelt keine Steine

Am 2. Januar ging ich hinunter zum Strand.

Die Spuren der Silvesternacht waren nahezu verschwunden. Hier und da lag noch eine hölzerne Vierkantleiste oder ein Stück rotes Papier herum. Der Rest des Pyromülls war bereits weggeräumt. Entweder waren das fleißige Menschen in einer konzertierten Aktion oder das Zeug wurde von einer großen Ostsee-Welle mitgerissen. Oder von beidem etwas.

Wenn das doch im Großen auch so einfach wäre.

So sehr ich den Menschen in der Ukraine wünsche, dass dieser Horror bald ein Ende hat und sie in irgendeiner Weise wieder in ein normales Leben zurückkehren können, frage ich mich, wie das praktisch laufen soll.

Je nach Quelle rechnet man mit rund 500 Milliarden Dollar reiner Wiederaufbauleistung, verteilt auf etwa zehn Jahre. Damit läge der Betrag ungefähr doppelt so hoch wie die Infrastrukturinvestitionen in der ehemaligen DDR (reine Hardware, ohne Sozialtransfers). In der DDR stand immerhin noch etwas, und der Alltag lief ja irgendwie. Vermutlich lassen sich diese Zahlen wegen der Währungsentwicklung ohnehin nur schwer vergleichen.

Nehmen wir also einmal an, dass die EU und andere Geber diese Gelder tatsächlich auftreiben. Mit einer Überweisung von 50 Milliarden Euro pro Jahr ist es aber nicht getan. Es braucht Menschen, Hände und Maschinen. Flächen müssen von Minen geräumt, Brücken und Gebäude abgerissen und neu gebaut werden. Energieversorgung, Verkehrswege, Schienen.

Das ist Arbeit. Harte Arbeit. Und die wird üblicherweise von Männern verrichtet. Von Männern, die heute dort im Schützengraben liegen oder hier auf Baustellen stehen.

Und selbst wenn alle ukrainischen Bauarbeiter auf Europas Baustellen über Nacht den Hammer fallen ließen, könnten sie das allein nicht stemmen. Das ist ein enormes Arbeitsvolumen und damit auch ein Arbeitsmarkt, der zwangsläufig Menschen aus den umliegenden Ländern anziehen wird. Menschen, die dann anderswo fehlen. Zum Beispiel hier in Deutschland, wo es schon heute schwierig ist, überhaupt Handwerker zu bekommen und wo sich Bauprojekte verzögern, weil schlicht die Manpower fehlt.

In einem Land, in dem gleichzeitig massive Wohnungsbauprogramme versprochen werden. In dem hunderte Brücken und Schienen dringend ersetzt werden müssen, weil jahrelang gepennt wurde. Und in dem kürzlich ein Sonderbudget in ähnlicher Größenordnung beschlossen wurde. Rund 500 Milliarden Euro auf zwölf Jahre.

Mhm … da scheinen mir zwei konkurrierende Großbaustellen zu entstehen, oder? Also wer noch einen Bahnhof oder ein Badezimmer zu sanieren hat, der sollte wohl mal besser bald anfangen.

733) Vom Ende der Maus her denken

Wenn man bedenkt, wie schnell Menschen denken können und wie lange es dauert, diese Gedanken in Worte zu fassen oder auf Papier zu bringen, könnte man durchaus von Verschwendung sprechen. Oder vielleicht treffender: von Unternutzung.

Noch absurder wird es, wenn man betrachtet, wie wir unsere Gedanken heute in Maschinen übertragen. Wir geben sie über Tastatur und Maus in Geräte ein, die selbst um ein Vielfaches schneller verarbeiten können als wir. Dazu bedienen wir eine Anordnung von rund hundert Plastikknöpfen und ein Objekt, dessen Name an einen lästigen Nager erinnert.

Das ist nicht nur ineffizient. Es ist auch ergonomisch problematisch. Schultern, Nacken und Ellbogen zahlen den Preis für eine Schnittstelle, die aus einer Zeit stammt, in der Rechenleistung knapp war, menschliche Arbeitsleistung aber noch nicht.

Beim Schreiben von Texten, dienstlich wie privat, kann ich inzwischen vieles einfach einsprechen. Das macht die Sache deutlich einfacher. Natürlich muss man am Ende noch einmal drübergehen, die eine oder andere „Nuschelei“ oder den Berliner Dialekt überarbeiten und bei der Rechtschreibung nachbessern …. was ich erstaunlich oft vergesse. Ich weiß. Zorry.

Für Mausklicks gibt es allerdings noch nichts wirklich Vernünftiges. Ich habe im Laufe der Zeit einen regelrechten Zoo an Mäusen bestellt. Die nächste Maus wurde kürzlich geliefert. Wenn sie gut ist, berichte ich darüber. Wenn nicht, landet sie im Schrank. Und ja, ich kenne unzählige Tastenkombinationen aus dem Effeff. Trotzdem gibt es bestimmte Operationen, vor allem außerhalb der Microsoft- und Apple-Welten, die sich schlicht nur per Mausklick erledigen lassen.

Und nun, rund vierzig Jahre nach ihrer Etablierung, haben wir immer noch kaum etwas anderes als die Computermaus, mit der wir monoton Buttons, pardon: „Schaltflächen“, anklicken. Wir sprechen davon, den Mars zu besiedeln, sitzen aber tagtäglich wie ein T-Rex vor Tastatur und Maus, um Quantencomputern und KI-Systemen per Klick zu verklickern, was wir von ihnen wollen. Das macht doch keinen Sinn.

Es wirkt weniger wie Zukunft, sondern mehr wie eine Episode der Flintstones.

Ich meine, ich will mir ja keinen Chip durch die Nase ins Gehirn schießen lassen. Aber gibt es nicht irgendetwas, das man zumindest zeitweise nutzen könnte, um Gedanken in Befehle für Computer zu übersetzen?

Natürlich setzt das Konzentration voraus, und man sollte wissen, was man in den nächsten Minuten erreichen will. Man sollte nicht beim Erstellen der Geschäftsjahresbilanz nebenbei an den Einkaufszettel denken oder an das längst überfällige Candle-Light-Dinner mit der Liebsten. Das könnte zu eigenartigen Ergebnissen führen, die man vielleicht doch besser nicht sofort automatisch publiziert.

Aber ehrlich mal, gibt’s da nichts besseres?

Ein Viertel des 21st Century ist schon rum!

PS: Titelbild via ChatGPT