796) So viele kluge Köpfe

Über 8.000 Kilometer bin ich in den vergangenen Wochen mit dem Auto gefahren. Fast jeden Tag sitze ich hinter dem Steuer und bin dabei meist auf Landstraßen unterwegs. Das gibt mir viel Zeit für inspirierende Hörbücher und Podcasts. Keine Sorge, hier folgt jetzt keine Empfehlungsliste. Im Wesentlichen waren es wie immer Gespräche aus den Podcasts „Alles gesagt“ und „Hotel Matze“, letzterer in der Überzahl.

Um zwei Dinge geht es mir heute:

Zum einen liebe ich die ruhige Gesprächsatmosphäre, die inhaltliche Tiefe und der scheinbar unendliche Raum, den Gastgeber und Gast gemeinsam entstehen lassen. Fast wie ein Tanzpaar auf dem Parket, nur ohne geübt zu haben. Die Wertschätzung, die Freundlichkeit, der Respekt und der Ton, in dem miteinander gesprochen wird. All das vermisse ich derzeit in den ach so sozialen Medien, aber auch in den stark verdichteten Nachrichtenformaten, Talk Shows und Sommerinterviews. Es ist ein wahrer Genuss. Ein Ohrenschmaus. Wie ein Lieblingsgericht, von dem man am liebsten noch eine zweite Portion hätte, plus Nachspeise … und gleich noch Vorspeise von morgen.

Zum anderen höre ich dort so viele kluge Köpfe. Zumindest die, denen ich gerade zuhöre. Sie sprechen fundiert und differenziert. Sie können ihre Gedanken so formulieren, dass jeder sie versteht. Sie beantworten Fragen, eiern nicht herum und planen nicht schon während der Antwort den nächsten rhetorischen Gegenangriff. Sie entwerfen Zukunftsbilder und zeigen Wege auf, wie wir aus den Schwierigkeiten herausfinden könnten, in denen wir gerade stecken.

Genau diese Eigenschaften vermisse ich bei großen Teilen unseres politischen Personals. Siehe dazu auch meinen Beitrag >Wohin wollen wir eigentlich?“.

Und dann frage ich mich so oft: Was wäre eigentlich, wenn wir einmal eine Regierung aus diesen Menschen zusammenstellen würden. Ohne Parteitaktik, ohne Machtspiele, ohne permanente Profilierung. Wahrscheinlich naiv. Aber reizvoll ist der Gedanke schon.

Ich bin überzeugt, wir wären in vielen Bereichen schon ein gutes Stück weiter. Frei von Machtspielen, parteipolitischem Taktieren, persönlichem Geltungsdrang und der ständigen Missgunst gegenüber Koalitionspartnern oder anderen Ministerien.

Vielen Dank an Sebastian Fitzek, Maja Göpel, Prof. Dietrich Grönemeyer, Campino, Anna-Lena von Hodenberg, Björn Süfke, Dr. Gerald Hüther, Ulrike Herrmann, Detlev Buck, und viele weitere kluge Menschen, die auf mir auf den Straßen ihre Gedanken teilten.

PS: Titelbild via KI, wie auch sonst … bleibt ja irgendwie fiktiv.

795) Parteibuch oder Familie?

„Es soll ja gespart werden … das sehen alle ein. In solchen Situationen müssen wir eben spahn.“

Diesen Satz habe ich neulich beim Zähneputzen im Radio aufgeschnappt, als es um die Reformen der deutschen Krankenversicherung ging. Eigentlich wollte ich ihn demnächst in einer neuen Folge meiner Reihe >Stutzmomente verarbeiten. Aber solche Sätze verlieren an Wert, je länger sie auf meinem Tablet vor sich hin schlummern.

Im Moment scheint das Internet ohnehin nur noch aus Fußball-WM, Trump, Jens Spahn und AfD zu bestehen. Gut, die WM ist bald vorbei, Spahn nun auch … was bleibt dann noch? Ich ahne es.

Aber noch einmal zur Causa Spahn. Mal abgesehen davon, dass ich ihn noch nie besonders mochte … geschenkt. Ein paar Kleckse gedanklichen Senfs möchte ich trotzdem noch dazugeben.

Dass Herr Spahn sein Glück im Ausland versuchen muss, finde ich grundsätzlich in Ordnung. Das machen schließlich auch andere Menschen. Etwa bei Sterbehilfe, besonderen Operationen oder Schwangerschaftsabbrüchen, wenn das im jeweiligen Nationalrecht aus irgendeinem Grund nicht möglich ist.

Dass Herr Spahn dafür ausgerechnet das falsche Parteibuch in der Tasche hat … tja, darüber hätte er vielleicht früher einmal nachdenken sollen.

Dass er mit dieser Entscheidung lange gerungen hat, kann ich gut nachvollziehen. Am Ende hat er jedoch sein persönliches Interesse über die ideellen Vorstellungen seiner Partei gestellt. Schwierig als Führungskraft.

Und dass Herr Spahn selbst nicht ganz unvorbelastet ist, Stichwort Immobilien, Corona-Maskenaffäre und anderes, kommt noch hinzu. Von der Doppelmoral mal ganz zu schweigen.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob das Herz zur Partei findet … oder anders herum … jedenfalls vorher.

Eigentlich schon traurig genug, dass er da wählen muss.

Aber gut, andererseits hätte er seine Kraft investieren können, das Parteiprogramm zu erneuern … für alle Paare, die diesen Wunsch haben. 

794) Big Brother Is Driving You … Crazy

Der Mietwagen, den wir aktuell in Irland haben, stammt aus dem Reich der Mitte. Ja, ich kann bestätigen. Mittlerweile können die auch gute Autos bauen. Sidekick nach Wolfsburg.

Der ist vollgepropft mit Technik und allerlei Klimbim. Das „normale“ Licht habe ich bis heute allerdings nicht gefunden. Dafür steckt in der Mitte ein Tablet, fast so groß wie ein Backblech, und das Fahrzeug kommt diktatorisch-bevormundend daher. Kaum nähere ich mich einer Linie, greift das Regime ein und boxt mich zurück in die Spur. Wer schon einmal in Irland war, weiß, wie schmal die Fahrstreifen hier sind. Man wird quasi permanent geboxt.

Dass ich ein Problem mit Oberlehrer-Ton habe, habe ich sicher schon einmal geschrieben. Ganz besonders, wenn er von Autos kommt.

Jedes Mal, wenn ich nur mal kurz nach links oder rechts auf die Felder schaue, bimmelt das Ding dreimal und meint, ich solle mich auf den Verkehr fokussieren. Halt die Klappe. Deshalb bin ich doch hier.

Heute schrieb das Ding nach 15 Minuten Fahrt ins Display, ich wirke müde und eine Pause wäre angebracht. Alter. Ich sehe halt so aus.

Also Leute, ich meine: ABS, ESP, Abstandswarner, Spurhalteassistent, Sicherheitsgurt-Erinnerung und Totwinkelwarnung, alles gute Erfindungen. Keine Frage.

Aber dass mich eine Kamera überwacht und daraus Schlüsse zieht, ist nicht okay. Irgendwann zeigen mehr Sensoren nach innen als nach außen. 

Was kommt denn als Nächstes?

„Sie wiegen 500 Gramm mehr als gestern zum Ende der Fahrt. War das etwa ein Bier oder ist es eine Verstopfung?“

„Ihre Temperatur ist leicht erhöht. Fahren Sie den nächsten Checkpoint an. Navigation wird gestartet.“

„Eine Veränderung der Mundwinkel wurde festgestellt. Humor-Prognose ausgelöst. Hörbuch wird abgeschaltet.“

„Bereits drei Schimpfwörter in fünf Minuten artikuliert. Mäßigen Sie sich.“

„Den Blinker kann man auch mit dem Zeigefinger bedienen. Nicht mit dem ausgestreckten Mittelfinger.“

„Kurzzeitige Überschreitung des Tempolimits erwogen. 30 Euro und zwei Punkte in Flensburg.“

„Finger aus der Nase. Und auch aus dem Ohr. Und Salami-Brötchen kann auch warten!“

„Erhöhte Geschwindigkeit festgestellt. Musik wird auf Beethoven gewechselt.“

„Trinken aus Wasserflasche registriert. Verwenden Sie stattdessen Infusio-1000, oben rein, unten raus. Mit 1:1 Kreislauf.“

„Sie haben heute 90 Prozent der Entscheidungen selbst getroffen. Risikozuschlag bei der Versicherung gemeldet.“

Oh shit. Jetzt, wo ich das veröffentlicht habe, merke ich, dass das ein Fehler war. Vermutlich wird nun irgendeine KI, irgendeinem Auto-Designer vorschlagen.

Sorry, Leute …

PS: Titelbild via KI … anders geht‘s nicht.

793) Ich nix verstehen. Herrlich

Wenn man die Sprache der Mehrheit nicht versteht, kann man sich schnell ausgeschlossen fühlen. Könnte man meinen. Aber ich kann das auch sehr genießen.

Auf meiner fünfwöchigen Reise durch Nordpolen und das Baltikum war ich oft in genau dieser Situation. Ein paar Wortfetzen verstand ich hier und da, dank urzeitlichen Russischunterrichts. Beschriftungen dagegen sind deutlich einfacher zu entziffern, denn vieles ergibt sich aus dem Kontext und den uns vertrauten Buchstabenfolgen wie zum Beispiel in Muzejs, Informācija, Restorāns, Kafejnīca, Apteek.

Bei Beobachtungen ist es ähnlich. Wenn einem Mädchen die Eiskugel auf den Gehweg klatscht, bin ich ziemlich sicher zu wissen, worüber sie gerade jammert. Genauso, wenn dem Bruder das Fischbrötchen von einer Möwe geklaut wird. Da muss ich die Sprache nicht verstehen.

Aber es ist auch herrlich, mal nichts zu verstehen. All die Passanten, all die Einheimischen, die sich durch die Städte bewegen. Ich höre zwar ein lebhaftes Geplapper, einen Klangteppich aus Stimmen, aber nichts davon muss mich beschäftigen. Ich muss mir nicht anhören, dass bei einem Ehepaar der Haussegen schief hängt. Auch nicht, dass der Jānis sich endlich die Schuhe binden soll oder dass die kleine Lėja nicht mehr laufen kann.

Es kann mir völlig egal sein, ich verstehe nichts und schwebe mit offenen Ohren durch die Stadt.

Am schlimmsten ist es allerdings, wenn man dann derart „ungeschützt“ auf deutschsprachige Reisende trifft.

Tipp: Sucht euch ein Reiseland, in dem ihr die Buchstaben noch lesen könnt, aber trotzdem kaum etwas versteht. Herrlich.

PS: Titelbild via KI

792) Erkennt man den Moment, ist er schon vorbei

Man soll nicht in der Vergangenheit schwelgen, auch nicht zu viel über die Zukunft nachdenken. Stattdessen besser im Hier und Jetzt leben. Den Moment leben.

Schlau gesagt.

Der Haken ist nur, sobald man sich in einem solchen Moment befindet und sich diese Weisheit ins Gedächtnis ruft, neigt sich dieser Augenblick schon dem Ende zu und ist damit bereits … Vergangenheit.

„Komm, wir müssen weiter.“

„Lass uns mal packen.“

„Müssen morgen früh raus.“

„Du weißt ja, immer was zu tun.“

„Na dann, woll’n wir mal.“

„Guti, also dann, Abmarsch.“

Doof.

Vielleicht wäre es besser, statt diesen flüchtigen Moment festhalten zu wollen, den nächsten ins Visier zu nehmen. Also nicht das nächste Jahr oder gar die nächste Woche. Nicht mal morgen.

Das große Konzert am Abend. Den Döner auf dem Weg dorthin. Das Lichtermeer. 

Denn dann ist der Moment … an Tagen wie diesen.

11.Juni 2026

791) Baltikum. Anders als gedacht

In Beitrag > Auszeit – 5 hatte ich ja schon angekündigt, mit einigen Vorurteilen, Annahmen und einer Menge Halbwissen über Polen und das Baltikum aufzuräumen.

Schon vor meiner Reise bin ich einigen Aussagen von Freunden und Kollegen begegnet. Aber ich muss mich auch selbst einschließen. Mir sind unterwegs auch solche Gedanken durch den Kopf gegangen. Nach nunmehr mehr als 6.700 Kilometern auf Landstraßen und zu Fuß, möchte ich damit jetzt ein wenig aufräumen.

Zunächst einmal das, was mir im Vorfeld so begegnet ist:

„Baltikum? Guckst du auch Nachrichten? Da hast du dir aber einen guten Zeitpunkt ausgesucht.“

Ja, mag sein. Aber die Menschen hier haben sich diesen aggressiven Nachbarn schließlich auch nicht ausgesucht.

„Baltikum … okayyyyy. Und warum ausgerechnet dahin?“

Weil sich die Berichterstattung und die Medien meist auf Süd- und Westeuropa konzentrieren. Man redet über Europa, Holland, Italien, Frankreich, Portugal, Spanien oder die Skandinavier, von denen man doch so viel lernen kann. Aber auch hier, ganz rechts oben auf der Europakarte, leben ausgesprochen nette Menschen. Es gibt viel zu entdecken und durchaus auch einiges zu lernen.

„Dann pass mal auf, dass du nicht plötzlich ohne Reifen oder gleich ganz ohne Auto dastehst.“

Völliger Blödsinn. Die Menschen hier fahren Autos jüngerer Baujahre. In der ersten Nacht habe ich mir vielleicht noch Gedanken gemacht, weil ich es ehrlich gesagt nicht besser wusste. Danach stand mein Auto aber wie selbstverständlich am Straßenrand, zwischen all den anderen Autos. Ich habe immer noch denselben Reifensatz und auch keine einzige eingeschlagene Autoscheibe auf der Straße gesehen. Vielleicht war das irgendwann einmal so, mag sein. Aber diese Zeiten sind längst vorbei.

„Hast du genug Bargeld eingepackt?“

Ja, mache ich grundsätzlich. Ich habe aber bislang fast alles mit Karte bezahlt. Selbst das Klo, wenn es überhaupt mal etwas kostete. Langsam frage ich mich, was ich mit dem ganzen Papiergeld überhaupt machen soll.

„Und wie willst du dich dort verständigen?“

Die jüngeren Leute sprechen meist Englisch, viele Schilder sind zweisprachig und wenn es doch mal hakt, hilft die App des Vertrauens. 4G oder 5G gibt es gefühlt hinter jedem Busch.

„Pass bloß auf die Mücken auf. Die Müüüüüücken. Ich sag dir: überall Mücken.“

Ich habe zwar Mückenspray im Koffer, aber bisher noch kein einziges Mal gebraucht. Auch Kühlergrill und Frontscheibe sehen längst nicht mehr so aus wie früher nach einer Sommerfahrt. Das macht mir ehrlich gesagt eher Sorgen. Wo sind die alle geblieben?

Soweit die guten Ratschläge von anderen. Aber nun an die eigene Nase gefasst:

„Ich packe besser ein paar Vorräte ein. Wer weiß, wo ich da lande.“

Völliger Unsinn. Ich muss mich inzwischen eher zwingen, die Sachen aufzubrauchen, damit ich sie nicht wieder mit nach Hause nehme. Hier gibt es an jeder Ecke Supermärkte. Übrigens auch Sonntags. Side Kick. Ladenschlussgesetz …

„Und vielleicht noch fünf Liter Sprit extra in den Kofferraum. Man weiß ja nie.“

Genau derselbe Quatsch. Tankstellen gibt es hier selbstverständlich ebenfalls. Stattdessen riecht meine Karre jetzt nach Benzin.

„In diesem grauen Gebäude soll mein Appartement sein?“

Hinter der Tür erwartete mich eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung, in der es an nichts fehlte.

„Da oben am Kap Kolka ist doch das Ende der Welt. Fahr mal besser vorher noch einen Supermarkt an.“

Der Wirt des Gasthauses begrüßte mich in herrlichem Osteuropa-Englisch. Wir vereinbarten für kleines Geld ein Omelett zum Frühstück. Am Abend bestellte ich von seiner Speisekarte und trank ein, zwei Lāčplēsis-Bier, den „Bärentöter“. Und direkt neben dem Hotel befand sich … ein kleiner Supermarkt.

Also hört endlich auf mit diesen alten Klischees. Das gilt übrigens auch für deutsche Mietwagenanbieter, die mir gar nicht erlauben wollten, hierherzufahren. Ich weiß bis heute nicht, warum.

In den nächsten Tagen schreibe ich noch über ein paar Dinge, die mich hier wirklich positiv überrascht haben und bei denen sich Großmaul-Deutschland durchaus die eine oder andere dicke Scheibe abschneiden könnte.

Alles richtig gemacht und ich werde wiederkommen.

Bis die Tage

790) Wohin wollen wir eigentlich?

Nachdem ich nun den Entwurf für mein „Wahlprogramm“ veröffentlicht habe, der sicher nicht vollständig ist und vielleicht irgendwann noch einen Nachschlag bekommt, weiß ich zumindest, wie ich mir die Zukunft des Landes vorstelle.

Das kann jeder anders sehen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Der Nörgler wird sagen: „Zeitverschwendung. Du Träumer. Das wird sowieso nichts.“ Darum ging es mir aber gar nicht. Mir war wichtig, meine Gedanken einmal schwarz auf weiß festzuhalten und transparent zu machen.

Genau das ist übrigens auch etwas, das mir in der Kommunikation unserer Regierung total fehlt und ich hatte mit Annuschka dazu einen kurzen Kommentarwechsel … schönen Gruß an dieser Stelle.

In den Medien werden ständig Einzelthemen diskutiert. Zahlen, Kennwerte und Detailfragen werden rauf und runter debattiert. Was mir dagegen fehlt, sind ein paar klare Sätze darüber, wo wir mit diesem Land eigentlich in fünf oder zehn Jahren stehen wollen.

Und um es gleich klar zu sagen: Ich meine keinen Fünfjahresplan sozialistischer Prägung. Ich meine auch keine Parteilosung, die wir auf Wimpel drucken und am 3. Oktober in die Luft halten, während der Bundeskanzler den marschierenden Massen zuwinkt. Das kenne ich zur Genüge.

Aber solche Ziele gibt es durchaus. Man muss nur auf bundesregierung.de nachschauen.

Dort werden fünf Schwerpunkte genannt:

● Neues Wirtschaftswachstum und gute Arbeit

● Wirkungsvolle Entlastungen, stabile Finanzen, moderner Staat

● Sicheres Zusammenleben, geordnete Migration, stärkere Integration

● Starker Zusammenhalt, standfeste Demokratie

● Verantwortungsvolle Außenpolitik und ein geeintes Europa

Unter jedem dieser Punkte finden sich fünf bis sieben Ziele.

Aber mal ehrlich: Wer kennt die? Wer hat sie gelesen? Wer könnte auch nur einen Teil davon nachts um drei aufzählen? Kennt irgendjemand einen übergeordneten Satz, ein Credo oder eine Vision für unser Land?

Ich jedenfalls nicht.

Stattdessen sitzen wir oft wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir mutmaßen darüber, was KI, Demografie, Klimawandel oder geopolitische Krisen wohl mit uns machen werden, wann sie uns treffen und wie hart die Folgen sein könnten. Oft tun wir nicht einmal das, wir lassen es geschehen und dann ist das Geschreih groß.

Vermutlich können wir eher die nervige Müsli-Werbung aus dem Odenwald mitsprechen oder den Werbespruch, man solle „doch einfach zu Netto gehen“.

Vermutlich ist genau das der schwierige Teil. Denn eine echte Vision bedeutet auch, Zielkonflikte offen anzusprechen. Man muss Prioritäten setzen. Man kann nicht alles gleichzeitig haben. Genau deshalb wäre sie so wichtig.

Ich glaube, genau so etwas würde würde uns mal guttun. Ein gemeinsames Bild davon, wo wir hinwollen. Denn nur über ein solches Bild kann man diskutieren. Man kann dafür werben, Kritik üben oder Verbesserungsvorschläge machen. Aber wenn kaum jemand dieses Ziel kennt, wie sollen wir dann gemeinsam dort ankommen?

Dabei gibt es für genau solche Situationen seit Jahrzehnten einen Begriff: Change Management.

Veränderungen kommen nicht überraschend. Man kann sie kommen sehen, Ziele formulieren, Menschen mitnehmen und den Wandel aktiv gestalten. Genau das machen Unternehmen jeden Tag. Warum sollte das für ein ganzes Land nicht funktionieren?

Im Moment wirken wir dagegen häufig passiv. Wir reagieren auf das, was uns technologische Entwicklungen, globale Trends oder ein durchgedrehter Staatschef irgendwo auf der Welt vor die Füße werfen.

Oft wird der Politik vorgeworfen, die Corona-Pandemie nicht ausreichend nachgearbeitet zu haben. Halte ich für richtig. Die Pandemie konnte niemand vorbereiten, sie war einfach da. Die Transformation, die jetzt vor uns liegt, dagegen schon. Auf sie kann man sich einstellen. Man kann sie erklären. Und man kann sie gestalten.

Der oft gehörte Satz „Wir müssen mehr arbeiten“ reicht dafür jedenfalls nicht. Das ist keine Vision, sondern höchstens die Peitsche.

Liebe Regierung, jetzt erklärt doch den Menschen einmal, wo wir eigentlich hinwollen. Welche Herausforderungen auf uns warten. Welche Opfer nötig sein werden. Und welche Chancen darin liegen.

Nicht alles rosarot malen. Sondern ehrlich sein. Hose runter. Die Probleme offen auf den Tisch. Es kommen einige harte Brocken auf uns zu, das wissen Sie alle.

Das kann man doch gemeinsam gestalten, anstatt Woche für Woche nur auf Konjunkturzahlen, Arbeitslosenquote oder das nächste Politikbarometer zu schauen und anschließend mit den Schultern zu zucken.

Vielleicht gelingt es dann auch, Menschen zurückzugewinnen, die sich politisch längst auf ein anderes Gleis begeben haben.

Denn wer Menschen mitnehmen will, muss ihnen zuerst zeigen, wohin die Reise überhaupt gehen soll. Ohne ein gemeinsames Zielbild entsteht kein Aufbruch. Dann bleibt am Ende nur das Gefühl, von Krise zu Krise zu stolpern.

PS: Titelbild via KI, aber ich bin in den letzten fünf Wochen durch hunderte Kreisverkehre gefahren. Ich weiß, wovon ich rede.

—> Mein Wahlprogramm (1-10)

—> Mein Wahlprogramm (11-20)

789) Mein Wahlprogramm (11-20)

Wie ich bereits im ersten Teil meines Doppelbeitrags >Mein Wahlprogramm (1–10) beschrieben habe, verstehe ich nicht, warum aktuell rund jeder vierte Wähler sein Kreuz bei der AfD machen möchte.

Woran liegt das? 

Sind es die rechtsextremen Strömungen, die es in der Partei nachweislich gibt? Ist es gezielte Desinformation? Oder ist es schlicht Wut, Frust und Unzufriedenheit mit der aktuellen politischen Situation? Oder sind es am Ende tatsächlich die Inhalte des Wahlprogramms?

Unzufrieden bin ich ebenfalls, keine Frage. Aber Unzufriedenheit allein kann doch kein Grund sein, gerade diese Partei zu wählen. Ich kann nicht glauben, dass rund 25 % der Wähler sich Stillstand oder gar eine Verschlechterung der Situation wünschen.

Diese Fragen haben mich dazu gebracht, mein eigenes Wahlprogramm zu formulieren. Anschließend habe ich eine KI gebeten, meine Positionen mit den Wahlprogrammen der Parteien zu vergleichen, die drei größten Übereinstimmungen zu ermitteln und zusätzlich einzuordnen, wie die AfD zu den jeweiligen Themen steht.

Also, weiter gehts:

Punkt 11: Gesellschaftsjahr für alle

Alle jungen Menschen, unabhängig von Geschlecht, absolvieren nach der Schule ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr, sei es im Sozialbereich, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Pflege oder eben bei der Bundeswehr

Top 3: Union, SPD, Grüne

Die AfD legt den Schwerpunkt auf die klassischen Wehrpflicht für die Bundeswehr.

Punkt 12: Verkehr neu organisieren

Alternative Verkehrskonzepte sollen den Individualverkehr dort reduzieren, wo praktikable Alternativen bestehen, Ausbau von ÖPNV sowie intelligenten, vernetzten Mobilitätsangeboten (z. B. On-Demand-Verkehr, Sharing-Angebote, digitale Mobilitätsplattformen), die Kfz-Steuer soll nicht nur Hubraum und CO₂-Ausstoß berücksichtigen, sondern auch die Größe bzw. den Platzbedarf eines Fahrzeugs.

Top 3: Grüne, SPD, FDP

Die AfD setzt sich klar für den Individualverkehr ein, lehnt zusätzliche Belastungen für Autofahrer weitgehend ab.

Punkt 13: Klimaanpassung als Zukunftsaufgabe

Deutschland muss sich aktiv auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten, Investitionen in klimaresistente Städte, Infrastruktur und Landwirtschaft haben hohe Priorität. Hochwasser- und Küstenschutz, Hitzeschutz in Städten, Wassermanagement, widerstandsfähige Verkehrs- und Energienetze, diese Investitionen schaffen gleichzeitig Arbeitsplätze und machen uns fit für eine wärmere Zukunft

Top 3: Grüne, SPD, Union

Die AfD lehnt stellt viele Elemente der deutschen Klimapolitik infrage und betrachtet den menschengemachten Klimawandel deutlich skeptischer.

Punkt 14: Ganztagsschulen als Bildungs- und Gesellschaftsort

Ganztagsschulen sollen deutlich ausgebaut werden, sie entlasten Eltern und erleichtern Erwerbsarbeit, Schule soll nicht nur Wissen „von früher“ vermitteln, sondern auch Alltagskompetenzen, Werte, Zukunftsfragen und soziale Fähigkeiten, Kinder sollen dort mehr Raum bekommen für Demokratiebildung, Medienkompetenz, Klima, Technik, praktische Lebensführung und Berufsorientierung.

Top 3:  SPD, Grüne, Linke

Die AfD betont stärker die Elternverantwortung, klassische Wissensvermittlung und traditionelle Bildungsinhalte.

Punkt 15: Staatliche Zukunftsgestaltung

Der Staat soll gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Transformation aktiv gestalten statt nur auf Krisen zu reagieren, langfristige Entwicklungen (Demografie, KI, Klimawandel, Digitalisierung, Arbeitswelt usw.) sollen frühzeitig analysiert und öffentlich diskutiert werden, dafür braucht es eine dauerhafte Institution, z. B. ein Zukunftsministerium oder einen unabhängigen Zukunftsrat

Top 3: KI: „Dieser Punkt lässt sich erstaunlich schwer einer Partei zuordnen“, am Ehesten bei Grüne, SPD, wenige bei FDP

Die AfD versteht viele aktuelle Transformationsprozesse eher als politisch erzeugte Fehlentwicklungen und fordert häufig eine Rückkehr zu bewährten Strukturen.

Punkt 16: Europa als Werte-, Rechts- und Sicherheitsgemeinschaft

Europa soll mehr sein als ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Ich wünsche mir eine Europäische Union, die sich als Werte-, Rechts- und Sicherheitsgemeinschaft versteht, weiterentwickelt und perspektivisch auch erweitert. Aufgaben, die auf europäischer Ebene besser gelöst werden können, sollten dort gebündelt werden, während nationale Themen bei den Mitgliedstaaten bleiben.

Die AfD möchte keine weitere politische Integration der EU. Stattdessen fordert sie eine Rückverlagerung zahlreicher Kompetenzen auf die Mitgliedstaaten und stellt sogar die heutige EU-Mitgliedschaft Deutschlands infrage.

Punkt 17: Die Rente dem demografischen Wandel anpassen

Das Rentensystem muss schrittweise unabhängiger von der demografischen Entwicklung werden. Neben der gesetzlichen Rente sollen kapitalgedeckte Bausteine stärker ausgebaut werden. Mit steigender Lebenserwartung sollten auch längere Lebensarbeitszeiten möglich und selbstverständlich werden. Ja, schmeckt mir auch nicht, aber wird sich nicht wohl nicht ganz vermeiden lassen.

Die AfD befürwortet mehr kapitalgedeckte Altersvorsorge, lehnt aber ein höheres Renteneintrittsalter grundsätzlich ab.

Punkt 18: Regeln vereinfachen und vereinheitlichen

Deutschland braucht weniger unterschiedliche Regeln für gleiche Sachverhalte. Vorschriften sollten bundesweit möglichst einheitlich, verständlich und auf das notwendige Maß begrenzt sein. Entscheidend ist nicht die Zahl der Regeln, sondern dass sie nachvollziehbar sind und den Menschen einen erkennbaren Nutzen bringen.

Die AfD fordert weniger Regulierung, legt ihren Schwerpunkt aber auf den Abbau staatlicher Eingriffe. Die Vereinheitlichung von Regeln und Standards ist dagegen kein zentrales Anliegen.

Punkt 19: Deutschland als Erfindungslabor

Deutschland muss seine Stärke als Land der Forschung, Entwicklung und Erfindung besser nutzen. Nicht jede Idee muss hier millionenfach produziert werden, aber Deutschland sollte stärker an Patenten, Lizenzen, Standards, Software, Know-how und hochwertigen Entwicklungsleistungen verdienen. 

Die AfD betont Forschung, Mittelstand und Industrie, denkt Innovation aber stärker national und produktionsorientiert.

Punkt 20: Politik muss lernfähig sein

Politik darf kein Selbstzweck sein. Entscheidungen sollten sich an ihrer Wirkung messen lassen und nicht an ihrer ideologischen Herkunft. Gute Ideen verdienen Unterstützung, egal von welcher Partei sie kommen. Was nicht funktioniert, muss ohne Scheuklappen verbessert oder wieder abgeschafft werden.

An dieser Stelle, lasse ich den Blick auf die Parteien mal sein.

Ende

Mit ist schon klar, dass man sich Politik nicht zusammenkonfigurieren kann, wie einen Kleiderschrank beim schwedischen Möbelhaus und oft bekommt man ja leider auch etwas anderes als man bestellt hat oder es fehlen wichtige Teile. Trotzdem, ich komme ich zurück zu meiner Einleitung, macht das nicht automatisch die AfD wählbar.

Wir müssen eher hinkriegen, und da fehlt mir auch die Idee wie, dass regierende Parteien ihre Programme bzw. Koalitionsverträge umsetzen. 

PS: Titelbild via KI

788) Mein Wahlprogramm (1-10)

Beim Blick auf die Umfragen der Meinungs- und Wahlforscher frage ich mich jedes Mal: Wissen die Sympathisanten der AfD eigentlich, was sie da wählen und dann vielleicht sogar kriegen? 

Statistisch gesehen würde heute etwa jeder vierte in Deutschland dieser Partei seine Stimme geben. Von mir sicher nicht.

Aber vielleicht bin ich ja einfach nicht dieser eine vierte, sondern einer der anderen dreien. Mag sein. Nur, wer bin ich eigentlich und was will ich?

Ich bin weder besonders arm noch besonders reich. Familienvater, Ende 40 (uuups, stimmt nicht mehr … gewöhne mich noch dran). Ich verdiene mein Geld mit IT und Digitalisierung von administrativen Prozessen. Ich kann überhaupt nicht klagen, aber die Taler fallen nicht vom Himmel, ich muss dafür arbeiten … so wie alle anderen auch.

Ich habe zu den meisten politischen Themen eine Meinung. Leider kann man sich sein Wahlprogramm nicht bei einer einzigen Partei bestellen. Deshalb wollte ich wissen, wo die größte Übereinstimmung mit meinen Positionen liegt und ganz besonders, wie die AfD zu diesen Themen steht.

Im Grunde habe ich die Idee des Wahl-O-Mat umgedreht. Also nicht vom „Shopping-Katalog“ der Parteien und deren Programmen her gedacht, sondern von meinen Vorstellungen her. Quasi: Wünsch dir was.

Dabei sind drei Dinge entstanden:

1. Mein persönliches „Wahlprogramm“ (unten zunächst die Punkte 1 bis 10, die Punkte 11 bis 20 folgen später).

2. Eine Art Marktsondierung: Welche Parteien vertreten welche meiner Positionen am ehesten.

3. Die wiederholte Bestätigung, dass ich mit der AfD inhaltlich kaum Gemeinsamkeiten habe. Und zwar selbst dann, wenn man die rechtsextremen Strömungen innerhalb der Partei einmal ausblendet und ausschließlich auf die politischen Inhalte schaut.

Los geht‘s

Punk 1: Überprüfung der Mehrwertsteuersätze

Für Grundnahrungsmittel, Hygiene und alles, was mit Kindern und Gesundheit zu tun hat 7%, für Dinge, die man nicht alltäglich braucht oder reduzieren kann 19%, und eine neue Mehrwertsteuersatz für Luxusgüter . Es kann nicht sein, dass ein TFT Flachbildschirm günstiger ist, als eine Monatsmiete.

Top 3: Die Linke, SPD, Grüne

Die AfD will eher eine Vereinfachung der Steuersätze und verfolgt keine grundlegende Neuordnung 

Punkt 2: Individualisierung von Steuern und Sozialversicherung

Jede erwachsene Person wird steuerlich einzeln veranlagt und ist eigenständig krankenversichert. Altlasten wie Mitversicherung, gemeinsame Veranlagung, Ehegattensplitting entfallen, Ziel ist mehr Transparenz und ein System, in dem staatliche Leistungen und Belastungen jeder einzelnen Person eindeutig zugeordnet werden können, um sie von dort aus weiter zu entwickeln und besser abzustimmen

Top 3: SPD, Grüne, FDP 

Die AfD möchte sowohl das Ehegattensplitting als auch die Familienversicherung grundsätzlich erhalten und betont traditionelle Familienmodelle.

Punkt 3: Einheitliches Krankenversicherungssystem

Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung, alle Bevölkerungsgruppen zahlen in dasselbe System ein, also auch Beamte, Selbstständige, Abgeordnete und andere bislang getrennt organisierte Gruppen, deutliche Reduzierung der Zahl der Krankenkassen, z. B. auf maximal zehn.

Top 3: SPD, Grüne, Linke

Die AfD lehnt einen solchen Systemwechsel ab. Sie möchte das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung erhalten und konzentriert sich stattdessen auf Finanzierungs- und Strukturreformen innerhalb des bestehenden Systems.  

Punkt 4: Wohnen als soziale Infrastruktur

Deutlich mehr sozialer Wohnungsbau, verbindliche Sozialwohnungsquoten bei Neubauprojekten, konsequenteres Vorgehen gegen spekulativen Leerstand, insbesondere in Regionen mit Wohnraummangel.

Top 3: Linke, SPD, Grüne,

Die AfD setzt stärker auf Eigentumsförderung, Bürokratieabbau und Wohngeld statt auf einen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus.

Punkt 5: Klare Trennung von Asyl und Migration inklusive Spurwechsel

Das Asylrecht bleibt als Schutz für politisch Verfolgte und andere Schutzberechtigte erhalten, Arbeitsmigration wird unabhängig vom Asylrecht organisiert, wer die Voraussetzungen für qualifizierte Erwerbsmigration erfüllt, soll unkompliziert vom Asylverfahren in einen Aufenthaltstitel als Arbeitskraft wechseln können (Spurwechsel)

Top 3: Grüne, SPD, FDP

Die AfD fordert auch eine strikte Trennung von Asyl und Arbeitsmigration, lehnt aber den Spurwechsel aus dem Asylverfahren weitgehend ab und möchte Asylbewerbern ohne Bleiberecht keinen Wechsel in einen Aufenthaltstitel als Fachkraft ermöglichen.  

Punkt 6: Föderalismus-Check / mehr Bundeszuständigkeit bei Sachthemen

Prüfen, welche Länderzuständigkeiten sinnvoll beim Bund gebündelt werden können, Kultur, Geschichte, Identität bleiben gern Landessache, technische und standardisierbare Themen wie Bauvorschriften, Bildungsstandards, Mathematik-und Physik-Lehrpläne, Prüfungsstandards eher bundeseinheitlich regeln.

Top 3: FDP, Union, SPD

Die AfD betont in ihrem Grundsatzprogramm ausdrücklich Subsidiarität und Föderalismus. In Bildungspolitik will sie eher inhaltlich konservativ eingreifen, aber nicht klar eine starke Zentralisierung beim Bund

Punkt 7: Digital First für Staat und Verwaltung

Jedes neue Gesetz, jeder Verwaltungsprozess und jede staatliche Leistung wird von Anfang an digital entwickelt (“Digital First”), Papierformulare und analoge Verfahren bleiben als Ausnahme und Rückfallebene bestehen, z. B. für Menschen ohne digitale Möglichkeiten oder bei technischen Ausfällen, Digitalisierung ist kein nachträglicher Zusatz, sondern verpflichtender Bestandteil jeder Gesetzgebung.

Top 3: FDP, Union, SPD

Die AfD fordert Digitalisierung der Verwaltung, na immerhin da sind wir uns mal einig.

Punkt 8: CO₂ als zentrales Lenkungsinstrument

Der CO₂-Preis soll schrittweise weiter steigen, Produkte und Dienstleistungen mit hohem CO₂-Ausstoß sollen dadurch teurer werden, die Einnahmen werden an die Bevölkerung zurückgegeben, um soziale Härten auszugleichen (Klimageld oder ähnliche Rückvergütung), energieintensive Unternehmen erhalten Übergangsregelungen oder gezielte Entlastungen, aber gleichzeitig Anreize zur Emissionsminderung haben.

Top 3: Grüne, FDP, SPD

Die AfD lehnt die CO₂-Bepreisung grundsätzlich ab und fordert ihre Abschaffung.

Punkt 9: Flexible Arbeitswelt

Arbeitszeit, Arbeitsmenge und Arbeitsort sollen, wo es die Tätigkeit erlaubt, flexibel gestaltet werden, Homeoffice und mobiles Arbeiten sollen grundsätzlich möglich sein, Präsenzpflicht nur dort, wo sie fachlich notwendig ist, weniger Pendelverkehr bedeutet weniger CO₂-Ausstoß, weniger Staus und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Top 3: FDP, Grüne, SPD

Die AfD befürwortet Homeoffice dort, wo es sinnvoll ist, macht es aber nicht zu einem zentralen arbeitsmarktpolitischen Ziel. Der Schwerpunkt liegt eher auf klassischen Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Entlastung.

Punkt 10: Verteidigungsfähigkeit stärken

Deutschland soll seine Verteidigungsfähigkeit deutlich verbessern, moderne Ausrüstung und Einsatzbereitschaft der Bundeswehr innerhalb der NATO sind wichtig, die Stärkung der Bundeswehr dient der Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit, nicht einer offensiveren Außenpolitik.

Top 3: Union, FDP, SPD

Die AfD will ebenfalls den Ausbau der Bundeswehr. Allerdings bewertet sie NATO deutlich kritischer und betont eine stärkere strategische Eigenständigkeit Deutschlands.

… jetzt gehts zur Trink-Pause Fortsetzung folgt …

So das waren mal die ersten 10 Punkte, wie gesagt, ich habe die Wahlprogramme nicht gelesen sondern nur KI befragt. Irrtümer also nicht ausgeschlossen. Aber selbst dann … warum sollte man die AfD wählen?

PS: Titelbild via KI

787) Demokratisch ratlos

Heute früh habe ich mir das gestrige Interview mit der AfD-Co-Vorsitzenden im ZDF heute journal angesehen. Es ging um den Parteitag in Erfurt. Ihrem süffisanten Grinsen hätte ich am liebsten meinen Instant-Kaffee entgegengeschleudert. Nur wären dann mein Tablet eingesaut und das Hotelzimmer hier in Litauen müsste ich ebenfalls putzen. 

Was denkt Sie sich eigentlich? Diese … oah … ich muss mich wirklich zusammenreißen, um nicht gegen meine eigenen Statuten hier zu verstoßen.

Ihr Co-Vorsitzender war wohl in anderem Programm ebenfalls in Interviews zu sehen. Der ist mir allerdings ziemlich egal. Ich kann ihn nicht ernst nehmen, und den großen Rückhalt scheint er in der eigenen Partei inzwischen auch nicht mehr zu haben. Seine Grenzen sind kaum zu übersehen und zu überhören.

Aber diese … nein, ich schreibe besser nicht auf, was ich gerade denke. Die Wörter „widerwärtig“, „Schlange“ und „Seife“ wären definitiv dabei. Und das wären noch die harmloseren.

So, aber was nun? Was kann jeder Einzelne eigentlich tun, damit man sich irgendwann nicht die unangenehme Frage stellen lassen muss?

Das Kreuz bei einer anderen Partei zu machen, scheint jedenfalls nicht zu reichen.

Protestieren und demonstrieren darf man. Gut so. Nur erreicht man damit ausgerechnet diejenigen kaum, die man eigentlich erreichen möchte.

Blockieren, sabotieren oder sich irgendwo festkleben? Kriminell. Und letztlich nur Wasser auf deren Mühlen.

Einer Partei beitreten? Ich fürchte, dafür fehlt mir die Zeit.

Blogbeiträge schreiben, sich in den sozialen Medien abmühen? Ich weiß es nicht.

Die Familienfeier für politische Diskussionen nutzen? Beste Stimmung garantiert.

Ich bin echt ratlos

Hat jemand eine Idee? Dann wäre jetzt mal ein guter Zeitpunkt.

PS: Titelbild via KI