482) Klick, rumms und das Haus ist weg

Ich schaue nur wenig Nachrichten dieser Tage. Ich bin nicht verdrossen oder verschließe die Augen, nein, nein. Es ist nur schwer anzusehen und das reicht dann auch einmal am Tag, besser nach dem Essen. Gräueltaten die Menschen an anderen Menschen vollbringen und sich in dem Moment so nahe sind, dass sie sich in die Augen schauen können. Oder das Töten aus der fernen Distanz. Man sieht ein Haus von oben, in Grautönen, ohne Ton, jemand drückt irgendwo einen Knopf und wumms ist das Gebäude samt Mobiliar, Haustechnik und menschlichen Körperteilen in Rauch aufgelöst. Eine graue Wolke verzieht sich und dann ist da nur noch ein Loch  im Straßenviertel. Wirkt recht chirurgisch. Und auch nicht so laut. In einem Kommentarwechsel unter Reiners Beitrag >Zeit, sich umzustellen haben wir diskutiert wie selbstverständlich solche Bilder schon geworden sind.
  • „Früher“ als ich mich langsam zum Nachrichten-Konsument entwickelte, gab es eher mündliche Berichte. „In der vergangenen Nacht ist an der Grenze von X und Y zu heftigen Kämpfen zwischen A und B gekommen. Das Verteidigungsministerium von A spricht von 650 Toten, B dementiert dies bislang“. Maximal gab‘s noch ein Bild dazu, fertig. Details blieben eher verborgen.
  • Zu Beginn des zweiten Golfkriegs Anfang der 90-er konnte man schon auf der Couch sitzen und in der Chips-Tüte rascheln, während Nachrichtensprecher von den ersten Raketeneinschläge berichteten. Live und in Farbe, aber immer noch mit viel Abstand. In den Mund gelegt: „Und hier sehen wir noch mal ein schönes Exemplar wie es in den Himmel steigt, es fliegt und fliegt, was für ein Schweif … oahhh … schööööön … und Treffer! Noch eine bitte. Papa haben wir noch mehr davon?“
  • Im Irak-Krieg zum Anfang der Nuller Jahre kam der Begriff „Embedded Journalism“ in mein Nachrichten-Leben. Journalisten liefen mit Soldaten mit und kommentierten das aktuelle Geschehen vor Ort, eingebettet in die Kampfhandlungen. Die Kamera war oft verwackelt, Audio-Kommentare nicht immer zu verstehen und das Risiko für die Presse-Leute nicht gerade klein, erwischt zu werden.
  • Tja und nun gibt‘s Luftaufnahmen von oben. Ein Haus, ein Dachgarten. Man sieht nicht was die Menschen in dem Haus tun. Ob sie auf dem Klo sitzen, an den Füßen pulen oder Essen kochen. Oder fiese terroristische Pläne aushecken, die Lage besprechen und die nächsten Angriffe planen. Wir Zuschauer wissen es nicht. Dann macht irgendwer irgendwo Klick, rumms und das Haus ist weg.
  • Ich frage mich was wohl als Nächstes kommt? Kamera-Drohnen die vorher in die Häuser fliegen und auch mal die Perspektive von Innen zeigen? Vielleicht könnte man die Playstation-Controller der Kids auch noch irgendwie mit einbinden? Und Werbung. Werbung fehlt auch noch. „Dieser Abschuss wurde ihnen präsentiert von Petersthaler. Ein Bier so herrlich prickelnd und explosiv.“ oder „Der nächste Treffer erfolgt mit freundlicher Unterstützung von Nut-Cracker, denn wir knacken jede Nuss.“ Und  nun kommen die Disclaimer:
    • PS1: nein ich schreibe jetzt keinen Disclaimer, dass ich ich mich nicht lustig machen will. Das ist ja wohl logisch.
    • PS2: es gibt einen guten Film mit Ethan Hawkes, nennt sich Good Kill, aus dem Jahre 2014. Zehn Jahre alt nur.
    • PS3: das Titelbild ist keine Bildaufnahme von einem solchen Angriff, stattdessen habe ich heute mein Handy aus dem Auto gehalten und die Wolken über der A13 fotografiert und das dann stümperhaft verändert. So … alles gesagt?

481) Nichtantritts-Prämie

Nach meinem Beitrag >Regeln des Krieges wechselte ich u.a. mit Belana Hermine ein paar Kommentare und wir waren uns schnell einig, dass es Kriege im besten Falle zu vermeiden gilt. Aber wie nur? Die klassische Diplomatie scheint an ihre Grenzen zu kommen, die Interessenlagen sind häufig so verstrickt, da steigt keiner mehr durch. Bodenschätze, Zugang zum Meer, Religion, Ethnien, alte Rechnungen und Bündnispflichten. Und neue kommen hinzu: Wasserquellen, Wüsten, Dürren, Temperaturen.

Also was kann man tun? Vielleicht kann man es übers Geld regeln. Mag etwas naiv anmuten, klingt aber reizvoll. Man bittet die Vertreter der Kontrahenten an einen Tisch, rechnet die ungefähren Kosten für den Wiederaufbau hoch und verteilt diese Kosten als Nichtantritts-Prämie an die Soldaten beider Lager. Danach gibt man sich die Hände und geht einen Trinken. 

Hier mal solch eine Bierdeckel-Rechnung: 

Was kostet es, ein Land wieder aufzubauen? Schwierig abzuschätzen, aber man könnte sich mal am „Aufbau Ost“ entlanghangeln, der wird mit 1,5 Billionen Euro beziffert, aber nehmen wir einfach mal „nur“ eine Billion, rechnet sich besser.

Wie viele Soldaten sind im Einsatz? Kommt auf den Krieg und die jeweilige Truppenstärke an. Aber nehmen wir den Mittelwert der Truppenstärken aus Deutschland, Frankreich, UK, Spanien, Italien, Polen, dann sind das ca. 170.000 Soldaten (Quelle Wikipedia) pro Seite, die man zum Nichtantritt finanzieren müsste.

Das wären dann … circa … alle mal festhalten bitte … ein 2,9 Millionen-Scheck, für jeden Soldaten. Die Familien hätten ausgesorgt, es wäre keiner gestorben, man müsste keinen Krieg finanzieren oder Waffen und Munition zusammenkratzen.

Kling verlockend oder?

Wo ist der Haken? Ich habe dazu mal ChatGPT befragt und folgende Antwort bekommen (Auszug:)

  • Definition von „Nichtantreten zum Krieg“: Die Definition dessen, was als „Nichtantreten zum Krieg“ gilt, kann komplex sein. Es könnte schwer sein, klare Kriterien festzulegen und sicherzustellen, dass diese Kriterien nicht ausgenutzt werden.
  • Anreize und ethische Bedenken: Die Schaffung von Anreizen, um Konflikte zu vermeiden, könnte moralische und ethische Fragen aufwerfen. Die Vorstellung, Menschen dafür zu belohnen, nicht in den Krieg zu ziehen, könnte als unmoralisch angesehen werden und zu Missbrauch führen.
  • Internationale Zusammenarbeit: Die Umsetzung eines solchen Ansatzes erfordert oft die Zusammenarbeit vieler Länder und internationaler Organisationen. Dies kann schwierig sein, da nationale Interessen und geopolitische Realitäten im Spiel sind.
  • Praktische Durchführbarkeit: Es kann schwierig sein, ein wirksames System zur Belohnung des Nichtantretens zum Krieg zu entwickeln und durchzusetzen. Die Kontrolle und Überwachung solcher Programme könnten komplex und kostenintensiv sein.
  • Langfristige Prävention: Die Prävention von Kriegen erfordert oft langfristige Bemühungen in den Bereichen Bildung, Diplomatie, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stabilität. Dies erfordert möglicherweise mehr Zeit und Ressourcen als die kurzfristige Finanzierung des Wiederaufbaus nach einem Konflikt.

Ich habe es befürchtet … und schon wird es wieder kompliziert.

480) Jedem seine Bubble?

Ein Gedanke vom Joggen heute Morgen lässt mich nicht los. Da ging es im Hörbuch „12 Gesetze der Dummheit“ von Henning Beck unter anderem darum, dass Informationsblasen ja heute eigentlich Blasen sind, die sich um Gruppen herum gebildet haben. Da fühlt man sich kuschelig wohl, deshalb verlässt man diese Bubble auch nicht. Was aber, wenn durch fortschreitende generative KI und Individualisierung jeder Mensch in genau einer informativen Bubble lebt und jegliche Inhalte auf diesen einen Konsumenten zugeschnitten sind? 

Nein, ich meine keine Algorithmen die Inhalte zusammensammeln und uns auf die Geräte puschen, das gibt es ja heute schon und führt zur Filter Bubble. Nein, ich meine Inhalte, die aus dem Nichts erschaffen werden. Nur für den einen User. Also eine Art Creator Bubble. Es gibt keine Massenmedien mehr, keine Nachrichten, kein Twitter, kein Facebook und kein Hollywood, die Inhalte für mehrere Menschen produzieren und dann noch monatelang in den Mediatheken anbieten. Stattdessen würden Inhalte für den Moment geschaffen, danach sind sie wieder weg, sie existieren so kein zweites Mal. Niemand könnte diesen Blogbeitrag lesen, denn der wurde in meiner Bubble geschaffen und da bleibt der dann auch. Unsere Bubbles wären nicht miteinander verbunden, jeder blubbert in seiner eigenen Bubble vor sich hin, das elektronische Teilen wäre wieder abgeschafft.

Na, wie wäre das? Auf jeden Fall gruselig oder?

  • Marketingstrategen würden sich vermutlich freuen, können sie den Konsumenten dann den ganzen Tag mit individueller Werbung vollpumpen und Vergleichsportale gäbe es ja auch nicht mehr. 
  • Bei Despoten, da bin ich mir gar nicht so sicher, was sie davon halten würden. Sie könnten happy sein, weil sich über zwischen den Millionen von Bubbles kaum Widerstand des Bubble-Volkes organisieren lässt, allerdings hätten die Despoten das Problem, dass sie auch keine Massenpropanda auf die Human-Blasen herabgießen können. Auch doof. Für die Despoten.
  • Menschen werden möglicherweise viel kommunikativer. Vielleicht berichten sie gegenseitig von ihren individuellen Erlebnissen, denn analog kommunizieren können sie ja schließlich noch. Oder die Kommunikation schläft dann erst recht ein, weil der jeweils andere nicht mitreden, maximal zuhören kann. Wenn zwei Kollegen begeistert über ihren letzten Kinofilm schwärmen, wird das recht öde, wenn jeder 90 min nur über seinen Film rezitiert.

Tja, 80 Millionen Bubbles, in diesem Land wären dann vielleicht doch ein bisschen viel. 

Aber wie viele Bubbles wären denn optimal? 

  • Eine Bubble etwa? Oh, nein danke. Und hatten wir schon mal. Ging nicht gut.
  • Zwei Bubbles vielleicht? Dann wäre das vermutlich so wie in den USA.
  • Pro politischer Partei eine Bubble? Das ist viel zu grob, wenn man da nur an die Flügelkämpfe in den Parteien denkt. 
  • Pro Postleitzahl eine Bubble. Neeiiiiiiin! Um Himmels nicht das. Ich als einer der letzten noch nicht gentrifizierten Ur-Einwohner des Bezirks in einer Weißwurst-Maultaschen-Bubble?

Dann ziehe ich weg in meine eigene Bubble und blubber darin vor mich hin.

Nur ich … mit einer Tasse Bubble-T.

479) Nach den Regeln des Krieges

Auch wenn ich gerade im südlichsten Südböhmen bin, folge ich natürlich der Nachrichtenlage daheim. Dank WIFI und Mediathek kein Problem, großartig. Nur gestern, in der 19:00 Uhr-Ausgabe 27.10.23 von „heute“, da sagte die Moderatorin einen Satz, da musste ich erst einmal schlucken.

„Israel hat auf die Forderungen der EU bislang nicht offiziell reagiert, bekommt aber auch Druck aus den USA, sich an die Regeln des Krieges zu halten, ungeachtet seines Rechts auf Selbstverteidigung.“ What? Ich spulte noch mal zurück. „An die Regeln des Krieges“ … das klang in meinem Ohr wie … „Nach allen Regeln der Kunst“. Das hat sie natürlich nicht gesagt, aber das hallte in meinem Kopf nach. Da war der schon fast lustige Versprecher des geschätzten Journalisten kurz davor fast vergessen, als er auf den französischen Staatspräsidenten „Francois“ Macron referenzierte.

Geschenkt! Passiert, selbst den Profis.

„Regeln des Krieges“. Da hatte ich heute auf der Autobahn nach Österreich genug Zeit drauf herumzukauen.

Gibt es ein Regelwerk für Krieg? Quasi „Das 1×1 des Kriegs“?, „Krieg für Anfänger“?, „Krieg für Fortgeschrittene“?, Kriegsführerschein in zwei Wochen“? Mit Checklist, Übungsblättern und Raum für eigene Notizen?

Und wenn ja, in welchem Regal der Bücherei des Vertrauens steht es dann? Bei den „Klassikern“, bei den „Top-Sellern“ oder bei „Körper & Gesundheit“?

Also, es gibt zumindest einen Grundverständnis an „Spiel“-Regeln: Genfer Konventionen, UN-Charta, Schutz von Zivilisten, Schutz von Kulturgütern, Verbot von Massenvernichtungswaffen etc., soweit so gut.

Leider gibt es hier keine Schiedsrichter auf dem Feld. Kein Video-Assistent aus dem Keller in Den Haag. Das „Match“ kann nicht einfach abgepfiffen werden, von einem Unparteiischen in kurzen Hosen und einer Trillerpfeife im Mund.

Leider, leider geht das nicht. Nicht mal eine Halbzeit gibt es, keine Trinkpause und die Spieler machen auch nicht an vorher gezogenen Linien halt.

Bei all den Konflikten weltweit wundert es mich eigentlich, dass es noch keinen festen Slot in den Nachrichten für „Krieg“ gibt.

„Soweit zu den Nachrichten aus Deutschland, meine Damen und Herren. Wir schalten nun live rüber zur Kriegs-Redaktion, dann folgen die Börsen-News und zum Abschluss wie gewohnt der Sport und das Wetter für die nächsten Tage.
Einen schönen Abend noch.“

478) Screenschrott 5 – Nepper, Schlepper, Fehlerfänger

Das Wetter ist heut‘ nicht so pralle, also beschließe ich, mein Handy mal von ein paar Screenshots zu befreien und die der Allgemeinheit zu „schenken“. Hier habt‘ da …

Also ganz blöd, stelle ich mich mit Technik ja eigentlich nicht an, bildet sie doch das Fundament für den Erwerb meiner Brötchen. Die folgende Meldung hatte ich mehrfach gelesen und … nicht kapiert. Vielleicht sollte ich noch mal umschulen, die IT wird mir vielleicht langsam zu komplex.

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Bei UPS ist man super-transparent. Man teilt nicht nur mit, wann die Lieferung bereitgestellt wird, sondern auch wann der Liefertermin bereitgestellt wird. Ich wäre für eine zusätzliche App, die die Information bereitstellt, wann die App zur Sendungsverfolgung den Liefertermin bereitstellt, an dem dann meine Bestellung bereitgestellt wird, damit ich mich dann voll darauf einstellen kann und entsprechende Türöffner-Kapazitäten bereitstellen kann.

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Beim Verfolgen meines Paketes, bekam ich dann allerdings wirklich Verfolgungsängste. Ist die Deutsche Sprache wirklich so arm an Worten, dass ich mir vorkomme, wie beim Passieren eines Kontrollpunkts. Wie beim Geheimdienst?

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Der große Gemüseladen aus Palo Alto muss die Smartphones updaten lassen, weil die Smilies mit den „schiebenden Händen“ nur hellhäutig. Ach du meine Güte, dass geht ja nun gar nicht. Da war bestimmt teuer und derjenige, der den Tycoon verklagt hat, hat vielleicht ein ordentliches Sümmchen erstritten. Aber nun sind die Hauttonvariationen nicht mal in allen Regionen verfügbar. Das geht so nicht. Das ist diskriminierend!

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Die folgende Nachricht habt ihr bestimmt auch bekommen, oder? Ja, ist billig und schlecht gemacht, aber solche Aktionen macht man auch nicht nur weil einem langweilig ist. Jemand verdient sein Geld damit, offensichtlich. Und das lohnt sich nur, wenn genügend User den Anweisungen folgen. Das macht mir noch mehr Sorgen. Ich war kurz davor zu Antworten: „Mama, Nummer und WhatApp“ schreibt man immer noch groß, das Komma ist auch an der falschen Stelle. Und um 02:41 da schlaf‘ ich für gewöhnlich, mein Kind! Außerdem … ich bin dein Vater!

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Die nächste Nachricht, lädt zu zusätzlichem Brötchenerweb ein. 700 Scheine für Nebenbei-Klick-Work am Tag, klingt ja schon verlockend. Und es gibt „keine akademischen Qualifikationsbeschränkungen“, na da bin ich ja beruhigt. Jeder Honk kann das machen, sogar jeder Nobelpreis innehabende Astro-Physiker.

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So … ich klicke mich jetzt mal raus hier.
Klick

—> 478) Screenschrott 5 – Nepper, Schlepper, Fehlerfänger

477) T.Party

„Unser Ende wird nicht der Mangel sein, sondern die Auswahl“. Es ist nicht das erste Mal, dass ich das hier schreibe. Jetzt, wo wir auf den November zueilen und es schattiger wird, beobachte ich an mir, dass ich häufiger Tee mache. Irgendwann müssen die Vorräte dann mal aufgestockt werden. Und dann stehe ich vor diesem Riesenregal und schwelge in Erinnerungen, wie einfach das doch mal alles früher mal war: Pfefferminz, Kamille, Früchte, Kümmel, Fenchel … Schwarz … das war‘s …  würde ich mal sagen. 

Und natürlich der Wald-und Wiesentee, der aus riesigen Kesseln auf Klassenfahrten oder im Ferienlager ausgeschenkt wurde. Dessen Geruch, gemischt mit dem von gebohnertem Linoleum und Großküche, den kriege ich wohl nie mehr aus meinem Kopf raus.

Heute, da stehst du vor dem Teeregal wie vor der chinesischen Mauer und kriegst den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Man sollte besser einen Wecker stellen, um nicht zu vergessen, das Parkticket zu verlängern.

„Gute Nacht-Tee“, „Einschlaf-Tee“, „Auszeit-Tee“, „Powerfrau-Tee“, „Figur-Tee“, „Nerven-Tee“, „Fettverdauungstee“ … meine Güte … was es nicht alles gibt. Am besten fand ich noch den „Lebenstee“, da sollte ich mir gleich mal ein paar Kilo mitnehmen. Kann ja nich‘ schaden.

Und obwohl es dort schon so viele Sorten gab, da fallen mir glatt noch mehr ein:

  • „Schon-wieder-Montag-Tee“
  • „Nervende-Kollegen-ertragen-Tee“
  • „300 E-Mails-bewältigen-Tee“
  • „MS Teams-Marathon-verkraften-Tee“
  • „Hochzeitstag-nicht-vergessen-Tee“
  • „Paket-wiederfinden-Tee“
  • „Reifenwechseltermin-ausmachen-Tee“
  • „Akku-am-Tablet-tauschen-Tee“
  • „Elternversammlung-überstehen-Tee“
  • „Voll-Honks-in-der-Stadt-ertragen-Tee“

… ich komme mir gerade vor, wie Bubba von Forrest Gump, als er die Schrimps-Rezepte aufzählt.

Aber eigentlich bräuchte ich nur ein Sorte. Voll auf mich zugeschnitten.
Den Individual-Tee.

Den T.ee 😉

Und wieder einmal schließe ich einen Beitrag mit einem Zitat aus „Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less“ von Greg McKeown

As Peter Drucker said, “In a few hundred years, when the history of our time will be written from a long-term perspective, it is likely that the most important event historians will see is not technology, not the Internet, not e-commerce. It is an unprecedented change in the human condition. For the first time – literally – substantial and rapidly growing numbers of people have choices. For the first time, they will have to manage themselves. And society is totally unprepared for it.

Ähnliche Beiträge:

476) Tausche Lätta gegen Ofenkäse

Kaum ein Arbeitstag vergeht, an dem ich dem Supermarkt um die Ecke keinen Besuch abstatte. Dabei ist es nicht so, als gäbe es in unserer Höhle keine Essbarkeiten oder andere Reserven mehr, nein, nein, gibt es durchaus. Für mich ist es aber zum Abend eine willkommene Gelegenheit, mal in die Öffentlichkeit zu treten und etwas zu Futtern zu besorgen.

„Ofenkäse“, sprach das große Kind gestern, das wäre doch mal wieder was. „Nichts leichter als das“, bestätigte ich siegessicher. Aber kaum hatte ich den Laden betreten, fiel mir wieder ein, dass die Regale seit Wochenbeginn täglich lichter wurden. Weder war ein Schild „Räumungsverkauf“ zu sehen, noch wurde über die Presse verkündet, dass die bekannte Handelskette mit den vier roten Buchstaben jüngst von der HO der DDR geschluckt wurde. Stattdessen hing wieder die übliche Kopiervorlage aus: „Wegen Streik … Logistik … Engpässe … Wurst und Käse … kommen.“

Nix da Ofenkäse! Lätta* gab‘s noch, Mettwurst und Frischkäse. 

Braucht zufällig jemand Lätta, frage ich mal hier ganz direkt? Mein großes Kind hat Bock auf Ofenkäse. Und würdet ihr den auch mit der Post schicken, wenn ich euch das per Paypal überweise? Ich könnte noch eine Plastikpackung Mettwurst drauflegen, wenn gewünscht. Eine Schoko-Pudding würde auch noch gehen und griechischer Krümelkäse, der war auch noch zu haben. Eine Stiege Kuba-Orangen könnte ich vielleicht noch auftreiben … über Vitamin B natürlich. Einen Fernseher hätte ich noch im Keller und ein paar Dachgepäckträger … vom Schwiegervater … schönen Gruß bei der Gelegenheit. Habt ihr vielleicht noch einen Ofenkäse herumliegen? Oder etwas anderes, was ich vielleicht … gegen Ofenkäse … ihr wisst schon?

Na ja, immerhin war das Wein-Regal nicht leergeräumt und Senf gab es auch noch.

PS: Heute, das Wochenende vor der Nase, haben die Alliierten wieder ein paar Pakete über Berlin abgeworfen. Das Leben geht weiter. Na ein Glück auch. Hier zumindest. 

*) natürlich nur zufällig gewählt und nur eine Marke aus verschiedensten leckeren Streichfetten … 

475) Immer locker bleiben – 2

Die Nachrichtenlage macht es uns Hobby-Schreiberlingen nicht gerade leicht, etwas aufs virtuelle Papier zu bringen. Zu groß die Unsicherheit, nicht ausreichend informiert zu sein, noch größer die Chance vollständig missverstanden zu werden. Also überlasse ich entsprechende Kommentare mal den Profis … und lasse Radio und TV am Tage abgeschaltet. 

Und sonst? Soll ich schreiben, dass der Supermarkt um die Ecke wieder aussieht wie eine HO-Kaufhalle im Bitterfeld der 80-er Jahre? Dass die Regale wieder deutlich leer geräumt sind, die Lieferkette unterbrochen ist? Soll ich schreiben, dass der Pfandautomat blockiert war und trotz mehrfachem Betätigen der „Service“-Klingel niemand zur Hilfe kam und ich die Pfandflaschen wieder mit nach Hause nahm? Alles belanglos. Nicht der Rede wert.

Also mach‘ ich mal “ locker“ weiter:

Nachdem ich ja neulich das >Versagen öffentlich-rechtlicher Locker beschrieben habe, kommen die privaten Locker ehrlich gesagt etwas besser rüber. 

Daher Trigger-Warnung: Im nächsten Abschnitt wird es zu einer positiven Äußerung bezüglich eines Distributionskonzepts des weltweit größten Online-Händlers kommen. Pfuiiii! Wer also an Bluthochdruck, Herzrasen oder Schnappatmung leidet, sollte vielleicht ein Moment die Augen schließen und dann ein paar Sätze später wieder einsteigen.

Nachdem meine Pakete ja nun schon mehrfach irgendwo in der Nachbarschaft bei Familie „Hausbewohner“ abgegeben wurden, hatte ich die Faxen dicke. Keine Lust mehr in die WhatsApp-Gruppe des Hauses zu schreiben, keinen Bock Zettel auszuhängen und schon gar keine Lust, die abgestandene Luft von Nachbar-Wohnungen zu schnüffeln, wenn ich mich von Tür zu Tür klingele.

Habe ich mir noch vor zwei Jahren über >Orange Netze im Kiez gewundert, lasse ich jetzt auch an die Locker des Online-Titanen liefern. Und das soll bitte nicht als Werbung verstanden werden, sondern nur meine Begeisterung für die Logistik ausdrücken. Du bestellst was, kriegst ne Info auf dein Handy wenn’s im Locker liegt, gehst dahin, drückst noch eine Taste auf dem Telefon und schon öffnet sich die Tür. Wie von Zauberhand. Genial. Kein Registrieren, keine weitere Mitgliedschaft, keine Karten, Codes, PINs, TAN, etc. Einfach cool. Tut mir Leid das zu so schreiben, ist aber so. So und jetzt können wieder alle mitlesen.

Ein paar Nachteile bleiben allerdings:

  • Man muss die Lieferung innerhalb von drei Tagen abholen, das kann manchmal eng werden
  • Das Fach öffnet sich nur in Bluetooth-Entfernung, man kann also niemand anderen mit einem Barcode dahin schicken
  • Man kann nur Dinge abholen, nicht abgeben. Also auch keine dreckige Wäsche, Pizza-Kartons oder ausgediente Glühbir … Leuchtmittel oder so
  • Benutztes Geschirr kann man nicht drin abstellen, auch keine Auto‘s die zum TÜV oder Reifenwechsel müssten

Ist schon ein Jammer … aber immerhin ein Anfang.

So ich muss Schluss machen, die Nachrichten kommen gleich 😉

474) Immer locker bleiben – 1

Im Frühling bin ich am Münchener Ostbahnhof dieser einzigarten Locker-Komposition begegnet. Was hier aussieht wie eine Kunstinstallation, ist quasi ein Massen-Lockdown öffentlicher Schließfächer. „Locked Lockers“ sozusagen. Und ein echter Stresstest für die rote Farbkartusche und den Praktikanten, der all die Schilder drucken musste.

88% der Kapazitäten sind außer Dienst. Da helfen auch keine Lockerungsübungen, Lockrufe oder sonstig verlockende Lockmittel. Die Dinger bleiben verschlossen, einzige Chance bleibt bei Fach 0217, 0229 (aber da war schon ein Unioner dran) und Fach 0224 (und da muss man lesen können). Selbst mit Lockenwickler, Lockenschere und anderen Lockerungsmaßnahmen gehen die Dinger nicht auf. Mit einer Lockerungssprengung ginge da vielleicht was, aber Sprengungen sind dieser Tage wenig populär und Dynamit ist nur noch über Beziehungen zu kriegen. Ist vergriffen. Ausverkauft.

Da hilft nur eins: Immer locker bleiben und hoffen, dass es noch woanders ein Schließfach mit lockerer Locker-Tür gibt.

Also … Good Lock … ähm …Luck!

473) Büroklamotten mal anders ;-)

Der/die/das mitlesende Leser/in/ling hat es ja schon mitbekommen. Für mich gehts Anfang nächsten Jahres auf eine längere Dienstreise ins Ausland. Endlich. Details folgen hier auf dem Kanal, wenn es denn so etwas ist. 

Flug und Unterkunft sind gebucht, bleibt also Zeit mal etwas über die richtige Garderobe nachzudenken, denn

  1. ist es dort deutlich wärmer als hier zu der Jahreszeit und
  2. ist meine Garderobe nach fast 4 Jahren Quasi-Home-Office auch nicht mehr ganz so hipp

Da ich aber nun echt keinen Bock auf Hochwasserhosen und bunte Socken habe (sorry…) bemühte ich die große Datenkrake um Rat und tippte in den Suchschlitz folgendes ein: „legere business kleidung“

Und siehe da, der Algorithmus dahinter, der schien sofort zu wissen, welch Business-Klamotten die Herren heute so mögen. Ei, Ei … au Backe. Ich nehme … wähle … mensch … wie sagt man nur … ich favorisiere das blaue Modell … ähm … Exemplar … also Kleidungsstück.

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Aber da man ja nicht nur mit einem Fummel über die Runden kommt, klickte ich auf <Mehr> und bekam weitere Vorschläge für Legere Business-Kleidung. Und was soll ich sagen, glücklicherweise gab es auch noch etwas „Ansehnliches“ in schwarz und in weiß. Na bloß gut.

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Damit gibt es für die Damen wohl die „passende“ Kleidung … und ich … ja ich gehe wohl einfach … in Hemd und Jeans;-)

Screenshots: https://google.de, 30-09-2023