777) Ich bin dann (auch) mal weg


Ich bin dann mal weg, so nannte Hape Kerkeling sein Buch im Mai 2006, in dem er seine Auszeit auf dem Jakobsweg beschrieb. Da hatte ich gerade mal 10 Dienstjahre auf der Uhr, nun sind es mittlerweile gute 30 Jahre und besonders die letzten 10 Jährchen zählen doppelt.

Ich merke, ich brauche eine Auszeit. Und deshalb bin ich jetzt halt auch mal weg.

Sechs Länder werde ich besuchen in acht Wochen, zwischendurch die Toten Hosen in Berlin verabschieden, während nebenbei die Waschmaschine läuft. Vermutlich gehts bei mir komfortabler zu, als beim Hape damals, denn ich reise mit dem Auto. Ich freue mich, bin aber auch etwas angespannt, schließlich mache ich die Hälfte der Tour allein und gerade der erste Teil führt durch eine Gegend Europas, aus der man im besten Falle keine breaking news hört.

Aber das wird schon alles gut gehen. Erstens habe ich gute Antennen für ungemütliche Situationen und zweitens bin ich bestens vorbereitet, die Listen werden immer kürzer und morgen früh sattele ich die Pferde … stärken … und düse Richtung Nord-Ost. Langsam. Die ersten 200 Kilometer fahren wir noch Autobahn, aber dann will ich „runter“ und nur noch Landstraße fahren. In Woche 1 habe ich noch männliche Begleitung, darauf freue ich mich, wir werden hoffentlich viel reden und die Zeit gemeinsam genießen. Mehr Details gibt es aber nicht, es würde gegen die sehr strengen Anonymitäts-Regeln dieses Blogs hier verstoßen.

Und was heißt das für die Bloggerei? Eigentlich nichts besonderes. Wenn ich immer Zeit habe, werde ich eure Beiträge lesen und wenn ich irgendwas mitzuteilen habe, melde ich mich halt. So wie sonst auch.

Bleibt gesund.

PS: Titelbild via KI … ich hoffe dieses Licht gibt es da wirklich

773) Auszeit – 4

Der Tag meiner Abreise rückt stetig näher. Und dann geht’s für gute fünf Wochen durch Nordpolen, das Baltikum, bis hoch nach Helsinki und dann die ganze Nummer wieder, aber auf anderem Wege, zurück.

In Auszeit – 3 habe ich ja schon ein wenig über die Vorbereitungen geschrieben und irgendwie fällt mir immer noch was ein, was noch zu regeln ist.

Mobilität und Material:

Mit dem Auto ist alles klar, vorgezogene Durchsicht ist erledigt, Gepäckstücke und Material sind identifiziert. Wenn noch nicht gepackt, stehen sie aber auf einer Liste. Ich liebe diese Liste, sie ist über die Jahre des Reisens entstanden und da kann ich nichts vergessen. Es ist natürlich eine digitale Liste, was sonst. Die kann ich dann sukzessive abarbeiten bis zum letzten Punkt „Müll wegbringen“ und „Tür abschließen“.

„Losfahren“ steht nicht drauf, aber ich glaube, das kriege ich auch ohne Listen-Eintrag hin.

Papiere und Daten:

Nun muss ich mich noch etwas um Papiere und Daten kümmern. Vollmachten zum Beispiel, Backups, Passwörter zum mitnehmen, und die gemeine Frage, was denn eigentlich passiert, sollte ich mein Telefon mal verlieren. Das Ding ist mittlerweile das Schweizer Taschenmesser der Neuzeit, ohne das geht gar nix mehr. Man denke nur an Banking, Zwei-Faktor-Authentifizierung, PIN‘s und TAN‘s, Notizen, Listen, und so weiter und sofort. Manches kann ich auch übers Tablett erledigen, aber eben nicht alles. Also hab ich ein bisschen was in die Wolke hochgeladen, an die ich notfalls auch ohne Handy rankomme.

Tracking und Sicherheit:

Da ich ja nun größtenteils allein unterwegs bin, überlege ich auch, wie ich den lieben daheim regelmäßig versichern kann, dass ich nicht an einem baltischen Baum klebe. Aber da gibt’s im Handy mittlerweile ja schon schöne Spielzeuge und ich hab auch ne App gefunden, die meinen Fahrtweg aufzeichnet und in die ich dann immer mal ein paar Fotos hochladen kann. Dann wissen alle, dass ich noch existiere und ich werde nicht alle halbe Stunde angeschrieben, ob dann alles „ok“ sei.

Vertretung und Übergabe:

Seit Wochen arbeite ich jüngere Kollegen ein, damit die Aufgaben übernehmen, im besten Fall für immer, denn gewisse Dinge will ich nach Rückkehr nicht zurückhaben. Ist alles ein bisschen mühsam aber es geht voran. Es gibt mittlerweile Tage, da finde ich sogar freie Slots in meinem Kalender. Ein Zustand, den es lange nicht gab. Interessant finde ich aber schon, dass man beim Brötchengeber erst mit längerer Abwesenheit drohen muss, damit Human-Ressourcen rangeschafft werden, an die ich mich nun „übergeben“ kann.

Und da ich mich nun immer mehr „übergebe“, deutete mein Chef-Chef bereits an, dass nach Rückkehr möglicherweise ein neues großes Aufgabenfeld auf mich wartet. Na wunderbar. Vielleicht sollte ich schon gleich mal über die nächste Auszeit in 2027 nachdenken.

 

<— 749) Auszeit – 3

PS: Titelbild via KI

753) Auszeit – 3

Wie schon in > Einfach weiter nach Norden erträumt und in >Auszeit – 2  angekündigt, habe ich für den Juni einen längeren Roadtrip vor der Tacho-Nadel. Es wird nach Nord-Osten gehen. Für knappe fünf Wochen. Da ist noch einiges vorzubereiten und ich dachte, ich lasse euch etwas daran teilhaben.

Mobilität

Zunächst stand die Frage des richtigen Gefährts auf dem Zettel. Ursprünglich war die Idee, den Trip zu zweit mit einem Camper zu machen, aber da ich nun größtenteils alleine fahre, ist mir das viel zu viel Technik. Dann dachte ich an einen Mietwagen, nur entweder sind sie in der Kilometerzahl begrenzt oder die Anbieter erlauben keine Fahrten nach Ost-Europo. So fiel dann die Wahl auf die eigene Kutsche. Die ist mir bestens bekannt, ich sitze gut und die Karre ist sehr unauffällig. 

Panne

Eigentlich habe ich vor, die Autobahnen zu meiden und die Strecke über Landstraßen zu fahren. Da kann es dann vielleicht auch mal etwas einsamer sein und nach der >Reifenpanne in Malaysia letzten Jahres, stellte sich mir also die Frage, was ich denn dann tue, wenn mir das irgendwo zwischen Memel und Daugava passiert. Der Blick in den doppelten Boden des Kofferraums brachte nur eine Schaum-Kartusche mit Kompressor zum Vorschein. Das ist vielleicht platzsparend und wiegt wenig, hilft aber überhaupt nicht, wenn es den Reifen zerfetzt hat. Also hab ich mir ein Notrad besorgt. Da kriege ich ohne viel Schnick-Schnack schnell montiert und komme damit zur nächsten Werkststatt.

Unterkunft

Die Unterkünfte habe ich bereits alle gebucht. Das hat dann zwar mit Abenteuer nicht so viel zu tun, aber ich erspare mir lästiges Suchen und kann entspannter fahren, wenn ich weiß, dass ich für die kommende Nacht ein Bett sicher hab. Es ist netter Mix aus Hotels und Ferienwohnungen geworden.

Material

Ich liebe Material, besonders wenn es auch um zum Einsatz kommt. Aber ich hasse es, mir das Auto mit Klimbim vollzumüllen und ich will auch nicht zig mal hin und herlaufen, wenn ich ein Zimmer beziehe. Also überlege ich, was ich wirklich brauche und wie ich das in wenigen Gepäckstücken unterkriege. Im besten Fall sind die Dinge multi-funktional einsetzbar.

Strecke

Die Strecke ist ja im Wesentlichen über der Unterkünfte vorgegeben, aber ich suche mir einige Stops und Abstecher entlang der dorthin Strecke und erlaube mir großzügige Umwege. Reiseführer, Online-Karten-Dienst und KI sind da sehr hilfreich. Ein Haufen Natur steht da wohl in der Gegend herum und auch Geschichte hat viele Spuren hinterlassen.

 

<— 749) Auszeit – 2

PS: Titelbild via KI, interessanterweise habe ich wirklich gerade ein Jeans-Hemd an. Kann KI durch die Board-Kamera schauen oder tragen statistisch gesehen alle End-Vierziger Jeanshemden? 

Andere Beiträge:

749) Auszeit – 2

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. So sagt das Sprichwort, wohl war. Aber zunächst hat er etwas vorzubereiten.

Also wie schon in >Auszeit – 1 angekündigt mach‘ ich mich im Frühsommer für eine längere Tour vom märkischen Acker. Nicht in Richtung Sonne und Palmen, nicht zu Paella, Bacalhau oder Käste mit Rotwein … nein es geht nach Nord-Osten. Eine Ecke, die ich mir unbedingt mal anschauen will. Eine Gegend voller schöner Natur und auch Geschichte. Teils deutscher Geschichte.

Ganz so frei und flexibel wie in >Abseits – Vol 3 erträumt wird es wohl nicht werden, ich habe knappe fünf Wochen Zeit für den Trip, bisschen Struktur muss ich dem also schon geben. Also habe ich mir eine Tour zusammengesteckt über 21 Etappen, die direkte Strecke ohne Ausflüge und Abstecher würden ca. 4.600 km sein. Zunächst geht es an die Polnische Ostseeküste, dann nach Masuren, dann ins Baltikum, bis nach Helsinki … und auf eine anderen Route wieder zurück. Die genaue Strecke halte ich mal hier zurück, ich bleibe gern unangekündigt. Sicher werde ich immer schön der Nachrichtenlage folgen, vorzugsweise rückwärts und fluchtbereit parken.

Fahre ich ganz allein?
Das war zunächst die Idee, aber nun werde ich auf zwei kürzeren Teilstrecken von je einem Cowboy aus der Heimat begleitet, und darauf freue ich mich jetzt schon. Zeit für Entdeckungen und Gespräche.

Ist das nicht ein bisschen weit?
Nein, ich denke nicht. Die Etappen sind so gewählt, dass ich im Schnitt so ca. 200 km täglich fahre, plus natürlich die Ziele links und rechts der Strecke.

Oder wird es langweilig vielleicht?
Oh nein, ich habe Literatur bei mir, der Blog braucht seine Aufmerksamkeit und die Fahrerei am nächsten Tag muss auch etwas durchdacht werden. Und selbst wenn mal eine Pause eintritt, dann soll es so sein. Deshalb mache ich den Zirkus ja auch.

Und warum nun gerade dorthin?
Na weil ich in Süd-Europa nun wirklich schon einiges gesehen habe und mir der (wirklich) „nahe“ Osten da echt noch fehlt. Mich zieht‘s irgendwie dort hin, ich habe vieles über das besondere Licht dort gehört und die Menschen scheinen sehr gastfreundlich zu sein.

Grund genug.

Mögen die Vorbereitungen beginnen

<— 745) Auszeit – 1

—> 753) Auszeit – 3

 

PS: Titelbild via ChatGPT

745) Auszeit – 1

In der IT-Welt gibt es sogenannte Denial of Service-Attacken, auch DoS-Attacken. Die IT-Systeme einer Firma, Behörde oder öffentlichen Infrastruktur werden solange mit Last und Aufgaben zugeschüttet, bis die Server ächzend aufgeben und den Dienst verweigern (Denial of Service). Nicht, dass ich das gut finde, ist aber so und wird noch häufiger passieren.

Aber nicht nur IT Systeme können in die Knie gehen, sondern auch Menschen,  ach nee. Das wird gern vergessen. Und bevor mir das wieder passiert, hatte ich mir kurz vor Silvester eine Liste von Maßnahmen diktiert, wie ich das in 2026 verhindern will. Weniger arbeiten, mehr abgeben … bla bla … das übliche und schon oft aufgeschrieben.

Diesmal kommt aber noch eine Maßnahme hinzu, die mir >schon lange im Kopf herumfliegt. 

Aber es gab immer Gründe, das aufzuschieben. Familie in erster Linie, all die Pflichten drumherum, aber ehrlicherweise auch eine gewisse Sorge, wie das denn so in der Firma ankäme, wenn ich als „Endvierziger mit gutem Job und Einfluss“ folgendes bei meinem Brötchengeber anspreche.

„Ich möchte eine off-time. Acht Wochen mindestens.“

So war es gesagt und wir haben einen Weg gefunden. Allein „das“ ausgesprochen und erreicht zu haben, macht mich irgendwie stolz. Gleichzeitig ist eigentlichen total bekloppt, denn es gibt entsprechende Flexi-Zeit-Modelle, die allen Mitarbeitern zustehen, egal ob Männlein oder Weiblein, egal ob in der Sachbearbeitung oder im Management. Dazu kam noch diese völlig >bescheuerte „Lifestyle-Teilzeit-Debatte“, angeschoben durch das  konservative Lager der deutschen Politik.

Aber nee Leute, nicht mit mir. Ich arbeite seit über 32 Jahren durchgängig, ich hatte eine kurze Wickelpause für den Stammhalter, da wars aber. Grob überschlagen sind das ca. 7.000 Arbeitstage, plus Überstunden. Ich würde sagen … es wird mal Zeit.

Also um’s kurz zu machen. Im Juni starte ich einen fünfwöchigen Roadtrip durch Nord-Polen, Baltikum bis nach Helsinki. Die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ übernimmt zeitweise die Ressorts „Finanzen, Infrastruktur, Sicherheit und Mobilität“. Großen Dank an dieser Stelle.

Abgerundet wird das Ganze mit drei Wochen Irland, mit Kind, Kegel und Rechtslenker-Auto.

So, nun ist es gesagt.

Also plane ich die Reise, mache Besorgungen etc … dazu später mal mehr.

—> 749) Auszeit – 2

 

PS: Titelbild via ChatGPT

286) Das Backlog der Welt

In meinem Job bin ich gewohnt mit Backlogs zu arbeiten. Das sind Listen für Anforderungen an Software oder sonstige Aufgaben, die dann nach einer gewissen Prio abgearbeitet werden. Prioritäten können sich natürlich auch ändern, im Kleinen wie im Großen.

Wenn ich aktuell auf die Weltbühne schaue, bin ich angesichts dieses Backlogs nur noch enttäuscht, frustriert und niedergeschlagen.

Wo sollen wir anfangen?

War es nicht mal das Ziel, die Unterernährung zu beenden
Und die Überbevölkerung in den Griff zu kriegen?

Wollten wir nicht die Konflikte in Nahost befrieden,
Und auch die in Afrika oder Südostasien?

Müssten wir nicht auch das Thema Digitalisierung angehen
Und die Auswirkungen auf Jobs und Einkommen lösen?

Sollten wir nicht bald mal diese blöde Pandemie beenden
Und uns auf die kommenden Viren vorbereiten?

Und die Aufarbeitung der eigenen Geschichte, EU-Erweiterung, Finanzmärkte, Staatsverschuldung, Beschaffung von Wohnraum und auch mal einen Blick in manch Kirchenzimmer werfen?

Und was ist mit Umweltschutz, Energiewende, Nachhaltigkeit, Wasserversorgung, Gesundheitsversorgung in einer alternden Gesellschaft?

Was ist mit Fluchtursachenbekämpfung, Kinderarbeit, Menschenhandel, Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Minderheitenschutz, Inklusion, Terrorbekämpfung, Abrüstung und so so vieles mehr.

Das Backlog der Welt ist so elend lang und als hätten wir nicht schon genug zu tun, werden neue Konflikte vom Zaun gebrochen und an der atomaren Abschreckung gearbeitet.

Das macht so müde.
So, müde, müde.

In diesen Tagen wünsche ich mich auf eine Insel. Ich möchte mit einem Ruderboot hinpaddeln, das wenige Gepäck ausladen und dann das Boot mit einem kräftigen Stoß vom Ufer wegtreten. Kein Radio, kein Internet. Nüscht.

Schickt einfach ein neues Boot wenn ihr fertig seid!

154) Weite

Dass ich an Stille mittlerweile durchaus Gefallen finden kann, habe ich ja schon einmal in > Stille geschrieben. Aber Stille kann eben auch Enge bedeuten und da kommen wir schon zum nächsten Zustand, der mich zunehmend begeistert. Und zwar die Weite. Die weite Sicht. Der unverstellte Blick. 

Woran liegt’s?

  • Ist es das Leben in der Großstadt, bei dem der Blick ständig an einer Häuserwand, Werbetafel oder Menschengruppe endet?
  • Ist es das 9-monatige Dauer-Homeoffice, bei dem die Wege nur zwischen Arbeitsplatz, Kaffee-Maschine und Klo stattfinden?
  • Ist es die immer gleiche Tapete (… dabei haben wir gar keine Tapete … ;-), eher der Alltag, die Wiederholung, der Trott? Das Murmeltier, was täglich grüßt?

Vermutlich von allem etwas 

Besonders in diesen Tagen kann ich nur jedem raten: Nehmt euch das Auto oder setzt euch in einen Zug und fahrt raus, raus vor die Tore der Stadt. Lasst die Blicke über Wiesen, Felder und Wasser streifen. Und nehmt die Dinge wahr, die da sind. Und auch die, die nicht da sind. Herrlich.

Es war ein schöner Ausflug an die Müritz heute. Und er hat gezeigt, dass man dem engsten Kreis mit Vernunft und Abstand auch nah sein kann.

Einen schönen Sonntag.
T.

<— 37) Stille

137) Corona-Lektionen 45

Also warum eigentlich, wird an den Menschen, die das mit Corona etwas lockerer nehmen, immer so herumnörgelt?

  • Sie feiern doch extra in Parks und auf Plätzen, um das Infektionsrisiko klein zu halten und unser aller Gesundheitssystem zu schonen.
  • Dem Kleingewerbe helfen sie auch durch die Krise, in dem sie beim Späti fleißig Bier, Schnaps und Kippen kaufen.
  • Sollten sie nachweislich erkranken, laufen sie noch schnell in all die Clubs der Stadt, um ihre Freunde zu warnen.
  • Und wenn sie im Bus keine Maske tragen, dann doch eigentlich nur, weil sie den anderen Menschen welche übriglassen wollen.
  • Sie kommen uns oft sehr nahe, um genau das zu tun, was doch immer gefordert wird. In schwierigen Zeiten dichter zusammenrücken, dem anderen die Hand reichen und füreinander da sein

Also, das ist doch alles sehr selbstlos und sozial, oder 😉

<— Corona-Lektionen 44

—> Corona-Lektionen 46

126) Corona-Lektionen 35

Jedes Kleinkind hat‘s mittlerweile kapiert und kann es textsicher aufsagen: Maske auf und 1,5 m Abstand. Ich bin ja bekanntermaßen kein Virologe, aber ich bin überzeugt, dass wir mit diesen beiden einfachen Maßnahmen eine Weile überbrücken könnten, bis endlich der Impfstoff da ist. Könnten wohlgemerkt.

Ein Teil der Mitmenschen ist dazu aber schlichtweg zu blöd. Und mit Habgier, Faulheit und Egoismus infiziert. Tut mir Leid, dass so sagen zu müssen, aber anders kann ich es mir nicht erklären.

Drei ausgewählte Situationen aus den letzten Tagen:

Ich stehe an der Ausgabe eines Imbisses und bezahle meine „Bocki“. Vor meiner Nase trennt mich eine halbe Glasscheibe von der Bedienung in der Hütte. Unter der Glasscheibe wurden noch ca. 40 cm Luft gelassen, um eben Speisen und Geld zu tauschen. Ich verstaue mein Geld und will mir meine Bocki auf‘m Pappteller greifen. Da kommt ein Typ von der Seite, sagt „Tschuljung“, steckt seinen Specknacken unter der Glasscheibe in den Imbiss und fragt „Kann ick noch mal zweimal Besteck haben“.

Warum du Blödmann ist da wohl eine Glasscheibe und warum aerosolst du das Wort Besteck so feucht auf meine Bocki?

Ich warte noch einmal in der Schlange vor dem Eisladen gleich neben dem Imbiss, lasse vor mir die circa 1,5 m Abstand zum Vordermann. Oder mehr, ist aber auch egal. Die Geschwindigkeit des Vorankommens wird schließlich durch den Ferien-Jobber an der Eis-Vitrine bestimmt, nicht durch die kompakte Aufstellung der Menschenschlange. Es geht weiter, aber ich träume etwas vor mich hin und schließe nicht sofort auf. Vor mir entsteht ein Abstand von 2 Metern. Dieser wird kurzerhand zur Transfer-Fläche erklärt. Ein Familien-Vater kreuzt die Schlange und trägt ein Tablet voller Speisen direkt vor mir auf Brusthöhe durch die Lücke.

Warum du fauler Sack, kannst du nicht einfach diesen aufgemalten Weg gehen? Stattdessen trägst du das Fritten-Zeug direkt vor meinem Corona-Auspuff vorbei. Soll ich mal kräftig in deine Armbeuge niesen?

Ich beobachte das Boarding eines Dampfers. Man ruft zum Einstieg für die Zwei-Stundenfahrt auf. Was bis eben noch wie eine halbwegs gestreckte Corona-Schlange aussah, entwickelt sich in kürzester Zeit zu einem gestauchten Touristen-Engerling. Der Durchschnitts-Teutone kann es auf den Tod nicht leiden, wenn vor dem Vordermann eine Lücke entsteht und wenn‘s „da vorn“ nicht weiter geht. Dann hält er panisch die Tickets in die Luft und rückt Anderen so dicht auf die Pelle, dass er bei der Gelegenheit gleich noch einen Abstrich von dessen Rachenraum machen könnte.

Warum ihr gierigen, von Neid und Torschluss-Panik durchtränkten Landsleute, könnt ihr nicht einfach mal die Füße stillhalten?

Also Leute, Corona ist gar nicht so hinterhältig, so unberechenbar oder so komplex. Corona ist einfach nur schlau und hat verstanden, wie es Zugang in die Körper der Deutschen bekommt.

Nicht Mund und Nase sind das Einfallstor, sondern Habgier, Faulheit und Egoismus.

Schönen Sonntag noch!

T.

<— Corona-Lektionen 34

—> Corona-Lektionen 36

123) Datenschutz Berliner Art

Egal ob nun dienstlich oder privat, jeder wird nun schon mal von Datenschutz und Datenraub gehört haben. Vielleicht fühlt man sich übersensibilisiert oder verschreckt, vielleicht ist man aber selber schon Opfer gewesen. 

Ob nun Konto leer geräumt,  heikle Fotos im Internet wiedergefunden, die Kreditkarte gehackt oder eine Rechnung für zehn Rolex-Uhren bekommen, die man selber nie bestellt hat. Alles doof irgendwie, wenn man nicht auf seine Daten aufpasst.

Gestern in den Räumen der Spaßkasse um die Ecke:

Ich brauche etwas Bargeld also nähere ich mich den Türen des Instituts. Zwei kräftige Wachleute öffnen mir dir Tür (nicht der >humanoide Tür-Roboter, der sonst nach Ladenschluss dort die Türen öffnet). Sie fragen mich, ob ich Geld am Automaten abheben wolle. Ich nicke artig und ziehe mein ehemaliges Freizeithemd über Mund und Nase. Dann gehe ich zum Automaten und lasse mir ein paar Scheine auswerfen. Außerhalb meines Blickfeldes, entsteht ein kleiner Tumult.

Eine Frau kämpft mit einem Self Service Terminal und flucht vor sich hin. „So ein Scheiß-Ding“ …. „Was soll der Schwachsinn … „Maaaan, du kannst mich mal“ und so weiter. Auf einmal keift sie durch den Automatenraum der Spaßkasse: „Ey. Dit is Daaaaaatenschuuuutz, maaaaan!“

Ein kleiner, älterer Herr mit grauem Haar steht an ihrer Seite, wedelt beschwichtigend mit den Händen und redet beruhigend auf sie ein.

„Nun entschuldigen s’e mal, ick wollte doch nur den Spaßkassenchef holen, damit der sie helfen kann mit den Jerät da“, sagt er und zeigt auf das Terminal, will sie beruhigen.

Die Wachleute halten Abstand und mischen sich da besser mal nicht ein. Ich muss weiter.

Ach Berlin, du kannst so hässlich sein,
aber beim Datenschutz bist du mit Abstand ganz vorn.