677) Ihnen stehen alle Türen offen

Nach der spektakulären >Eröffnungsrede des Schulleiters habe ich mir das Scenario https://ai-2027.com noch mal in Ruhe angesehen und ja … es ist … verstörend, völlig Wurscht ob es nun 2027, 2029 oder 2023 erste Auswirkungen zeigt. Es ist nur eine Frage der Zeit, das „Ob“ braucht man gar nicht diskutieren, es sei denn die Politik grenzt das ein.

Die wohlgestapelten Steine, die einst einen breiten Arbeitsmarkt bildeten – von Werkbank, Bau und Handel über Büro und Verwaltung bis hin zu Bildung, Pflege und anderen zwischenmenschlichen Berufen – geraten mit dem Vormarsch der KI ernsthaft ins Wanken.

Ich habe das mal mit der KI diskutiert … mit wem auch sonst. Fünf Tätigkeitsfelder scheinen erst einmal von KI weniger betroffen.

1.Soziale, zwischenmenschliche Berufe

z.B. Psychotherapie & Coaching, Pflegeberufe (z. B. Altenpflege, Kinderpflege), Sozialarbeit, Lehrkräfte für junge Kinder und Jugendliche, Verhandlungsführung / Mediation

2.Handwerkliche & praktische Berufe

z. B. Installateure, Elektriker, Friseure, Bauarbeiter … Fußpflege, Döner-Bude, und Putzkräfte in Haushalten mit Familien … da scheitert jede KI.

3. Kreative & künstlerische Berufe

z.B. Kunstschaffende mit persönlicher Handschrift, Regisseure, Theatermacher, Konzept-Designer, Musiker mit Live-Bezug, Kuratoren, Kulturvermittler … wobei gerade in der kreativen Ecke hat generative KI nun erst recht ihr Stärken

4.Berufe mit ethischer & strategischer Verantwortung

z.B. Ärzte mit Diagnosehoheit, Richter, Anwälte, Führungskräfte mit Personalverantwortung, Ethikräte, politische Berater … bei den Anwälten mache ich auch mal drei Fragezeichen dran

5. Berufe mit hohem Maß an Kontextwissen & Integration

z.B. Projektmanager in komplexen Umfeldern, Krisenmanager, Produktmanager, Unternehmensberater … auf deutsch … die an einmaligen Situation arbeiten … denn alles was es schon mal gab und wiederholbar ist … macht KI.

Am Ende bleiben hochbezahlte Generalisten übrig und die sozialen Jobs, die heute am beschissensten bezahlt werden.

Da kann man sagen, die Liste bietet ja noch einiges an Möglichkeiten, aber wenn man nun mal zwei linke Hände hat, oder keine Menschen anfassen mag, und auch nicht gerade der Oberkreative ist, dann wird das schon ganz schön eng. Klassische Papier-Jobs in Banken, Versicherungen, Marketing-Büros, beim Amt, galten lange als solide Einstiege in die Arbeitswelt – mit Option „nach oben“. Die wird es nicht mehr geben, d.h. man muss „unten“ überspringen, wenn man „oben“ ankommen will oder man hält sich von diesem tickenden Betätigungsgeld entfern.

Auch altbewährte Ratschläge wie „Mach was mit Sprachen“ oder „Lern was mit Computern“ wirken heute plötzlich fragil. Übersetzer und Programmierer fehlen in der Liste der zukunftssicheren Berufe – nicht, weil sie unbedeutend wären, sondern weil KI inzwischen beides besser, schneller und rund um die Uhr erledigen kann. Und man muss sich nicht mit Dienstleistungszentren in Bangalore, Bratislava oder Buenos Aires rumschlagen, wenn man die KI im Keller stehen hat.

Was zum nächsten Problem führt. Länder wie Indien, die sich als verlängerte Sevice-/Werkbank europäischer Dienstleistungen etabliert haben, laufen in ein riesiges Problem. Wenn KI die Arbeit schneller und günstiger erledigt, wird selbst der Standortvorteil billigster Löhne irrelevant. Und nicht zu vergessen: Hinter einem indischen SW-Entwickler oder Callcenter-Mitarbeiter steht eine ganze Kette von Existenzen – von Kantinen-, Reinigungs-, Sicherheits-, und Fahrdiensten, bis zur privaten Nanny und Haushaltshilfe.

Tja und nun?

In den USA rutschen „Arbeitsmarkt“ und „Bildung“ in rechts-konservative Hände und das Land schickt sich ins 20. Jahrhundert zurück. Einzig positiver Aspekt: KI kann noch kein Öl bohren, Kohle schaufeln oder Stahl kochen.

Wir Europäer neigen eher zum „Abwarten“ … „wird schon nicht so dolle kommen“. Das halte ich für hochgefährlich. Denn wir wissen ja auch, wie langwierig es werden kann, wenn man Veränderungen im Bildungsbereich und Arbeitsmarkt anschieben will … und das noch einem Staatengeflecht, mit all den Abhängigkeiten.

Und in Deutschland redet man aktuell nur über die Wirtschaft & Verteidigung, habe ich den Eindruck. Nur kann man sich Wirtschaft und Sozialen Frieden abschminken, wenn wir in eine Massenarbeitslosigkeit laufen und sich die Leute vor lauter Freizeit auf die Nerven gehen.

Von der Finanzierung im Familiären (Lebensmittel, Wohnen, etc), bis zu den großen Fragen wie Existenzsicherung und Grundeinkommen mal ganz schweigen.

PS: Kursive Teile via ChatGPT

53) Humanoide Tür-Roboter

Wir alle lieben doch diese tollen Vorrichtungen, die Türen vor uns aufstoßen. Wir müssen keinen Griff anfassen, fangen uns also keine Seuchen ein und können die Hände in den warmen Hosentaschen lassen. Großartige Technik.

Vor der Spaßkasse um die Ecke, stehen jetzt sogar schon humanoide Tür-Roboter. Die sehen aus wie echte Menschen. Voll abgefahren. Vom Äußeren her wirken die so, als hätten sie kein Dach über dem Kopf, keinen Job und auch sonst nicht viel zu tun.

Kontinuierlich öffnen sie mit der einen Hand die Tür, während sie mir mit der anderen Hand einen Kaffee-Becher reichen. Da ist aber gar kein Kaffee drin, sondern nur ein paar kleine Münzen. Einen Kaffee würde ich ja nehmen, aber kleine Münzen will ich nicht. Eigentlich will ich ja Scheine aus dem Automaten holen.

Während die alten mechanischen Türöffner störungsanfällig und nicht wirklich kältebeständig sind, wirken die humanoiden Tür-Roboter da viel zuverlässiger. Selbst bei Minus-Graden stehen sie ihren Mann vor der Spaßkasse. Manche setzen sich auch hin und ziehen die Tür mit dem Schal oder Gürtel auf. Ziemlich schlau, oder?

Die humanoiden Tür-Roboter können sogar sprechen. Sie beherrschen ein paar Worte Deutsch, wie zum Beispiel „Hallo“ oder „Gutten Tak“ oder „Biite“. Meistens können die sogar ein oder zwei Fremdsprachen. Voll krass. Die herkömmlichen mechanischen Dinger dagegen sagen gar nichts, sondern brummen nur leise. Ziemlich unfreundlich.

Auch die System-Architektur scheint bei den humanoiden Tür-Robotern viel ausgereifter zu sein. Während die konventionellen Dinger bereits nach 2 Jahren den Geist aufgeben, können die Roboter bereits noch vor Abschluss der Schule den Dienst aufnehmen und dann locker 30 Jahre Türen öffnen. Bis sie von der monotonen Bewegung einen Tennisarm kriegen. Dann ist Schluss. Eine BU-Versicherung haben die noch nicht.

Bei den mechanischen Türöffnern muss auch ständig der teure Service kommen. Bewegungen einstellen, Gelenke ölen und alle 6 Monate ein Funktionstest machen. Die humanoiden Türöffner sind dagegen völlig genügsam. Sie bringen ihr weniges Essen mit oder schnorren es vor Ort. Steckt ihnen ein freundlicher Passant mal etwas zu, dann teilen sie sich das gut ein. Echt beachtlich.

Immer wenn ich meine großen Scheine von der Bank hole frage ich mich:

  • Sollte ich vielleicht doch lieber selber die Tür aufmachen?
    Aber der lässt mich ja kaum, ich habe ja gar keine Chance an den Tür-Griff zu gelangen.
  • Sollte ich ihm etwas Geld in seinen Kaffee werfen?
    Aber dann motiviert ihn das noch mehr. Dann wird das noch sein Einkommen. Dann werden irgendwann die mechanischen Türöffner nicht mehr gebraucht und die Türöffner-Firma geht noch pleite. Im schlimmsten Fall müssten dann die Mitarbeiter der Türöffner-Firma solche Türen von Banken noch per Hand öffnen….

Aber, wo kommen wir denn da hin?