26) Postkarte aus Berlin: Nachthimmel

Was habe ich nicht schon alles über unseren Flughafen geschimpft. Hier auf dem Blog, aber auch in älteren Publikationen auf Papier. Wenn man aber von ihm abhebt oder auf ihn zufliegt, ist das allerdings schon ein Erlebnis, was sonst kaum noch Städte zu bieten haben.

Trotz der Klima-und Flugzeug-Diskussion möchte ich ein paar Eindrücke teilen:

Am schönsten finde ich den Abflug nach Ost. Die Maschine hebt zunächst steil ab, dreht dann bald nach rechts weg und schraubt sich stetig in die Höhe. Dem Uhrzeigersinn fliegt man dann über die östlichen Außenbezirke und sieht viel von der Innenstadt. Mit etwas Sucherei kann man sogar sein eigenes Wohnhaus entdecken. Üblicherweise sitze ich eher am Gang und kriege davon nicht viel mit, letzte Woche aber wurde ich auf einen Fensterplatz gebucht und hatte damit die Gelegenheit, am frühen Morgen ein Bild der Stadt zu machen.

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Aber auch bei Rückkehr am Abend finde ich den Anflug von Süden über Ost nach Nord am besten. Man sollte aber links sitzen. Nach dem die Crew die Kabine abgedunkelt hat, wird’s immer ruhiger in der Kabine und wegen der deutlich abnehmenden Höhe, fühlt man sich immer etwas leichter. Im Süden kann man die Seen und den neuen Flughafen erahnen, dann dreht der Flieger entgegengesetzt des Uhrzeigers über Marzahn, Ahrensfelde, Malchow, Weißensee, Pankow, Reinickendorf bis runter nach Tegel rein. Über dem Kurt-Schuhmacher Platz ist man so tief, dass man in die Wohnzimmer der Anwohner schauen kann.

Na, wat‘ jibs‘n bei euch zu’n Aben’brot?

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Schon cool irgendwie 😉

50) Flughafen im Kopf

„Ladies and Gentlemen, we started our descent to Berlin Tegel“. Schon so viele Male gehört, bedeutet es eigentlich immer etwas Gutes.

Wir nähern uns der Hauptstadt von Süden und ich habe guten Ausblick auf unseren neuen Flughafen. Der liegt dort unten. Groß. Dunkel. Leer. Still.

Und schon beginnt eine Stammtisch-Diskussion in meinem Kopf:

  • A: Mann ej, wenn dit Ding mal irjendwann fertich is‘, müss‘n wa alle hia runt‘a in den Süden jurken. Und ob dit‘ für dit Klima und für’n Verkehr so jut is‘? Na, ick‘ wees ja, nich‘!
    B: Ach hör doch auf, Mensch. Wenn die Flieger heute über das Stadtgebiet fliegen, ist das ja nun auch nicht gerade prickelnd für die Luft. Und schon gar nicht für die Sicherheit. Ich möchte nicht wissen, wieviel Grill-Schürzen und Büstenhalter schon von Nord-Berliner Dachgärten gefegt wurden und dann dekorativ am Bug-Rad hingen.
  • A: Ab‘a, all die langen Weje dann am neuen Flughaf’n. Da muss ick‘ nach Malle ja schon zwee Stunden eh’a da sein! Wie soll‘n dit‘ jehen.
    B: Na ja, mein Guter. In Tegel sind die Wege kurz, das stimmt schon. Dafür ist es da aber so überfüllt, dass man überall Schlange steht und dabei seine ablaufende Lebenszeit ticken hört. Ja, es gibt gute Tage, da schafft man es vom Flieger zum Taxi in 10 Minuten. Man kann aber auch eine Stunde benötigen.
  • A: Ab’a der neue Flughaf’n,  is‘ ja noch nich‘ mal richtig erreichba‘! Wie soll ick’n da hinkommen mit meine‘ Uschi?
    B: Ja, das wird interessant. Allerdings fühlt man sich in Tegel auch wie im Mittelalter. Keine Bahn führt da hin. Stattdessen fahren Busse! Ja, Linien-Busse. Im Jahr 2020. Der Flughafen der Hauptstadt ist heute nur über Bus, Taxi oder Auto erreichbar. Ein Albtraum.

Noch ehe die beiden zum Ende kommen, landen wir in Tegel. Bereits 19:40 Uhr, etwas vor unserer geplanten Zeit. Toll eigentlich. „Meine Damen und Herren, bitte haben sie noch etwas Geduld. Wir müssen noch auf Zubringer-Busse und die Treppen warten“. Na großartig.

Die Busse sind irgendwann da und fahren uns gigantische 90 Sekunden übers Feld. Also das hätte ich nun auch laufen können. Aber egal.

Um 20:07 Uhr stehe ich am Kofferband. Und warte. Und warte. Gegen 20:40 Uhr setze ich mich aufs Transportband und hinterlasse auf der Flughafen-Website eine Beschwerde. Irgendetwas muss ich ja tun. Die Gäste der Stadt schütteln nur die Köpfe. Peinlich.

Gegen 20:50 Uhr erscheinen die Koffer. Ich schnappe mir meinen Trolley und eile zum Taxi-Stand. Jetzt nur noch nach Hause und zwar im Turbo-Gang.

Da erwartet mich eine lange Menschen-Schlange am Taxi-Stand. Wie schon so oft.

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… das kann doch eigentlich nur besser werden.

  

 

24) Postkarte aus Melbourne 2

Und weiter gehts, hier och eine zweite Postkarte aus Melbourne. Nach dem die Arbeit getan ist, bleibt noch etwas Zeit für Sightseeing. Nicht viel, aber gut geplant, kann ich noch einiges von der Stadt sehen.

Und natürlich gab es auch ein paar Kuriositäten zu sehen:

Am Freitag-Abend verschlug es uns nach St. Kilda, einem Amüsier-Viertel im Südosten der Stadt. Es gibt dort einen uralten Vergnügungspark mit Achterbahn von 1912. Kleine wilde Pinguine landen bei Einbruch der Dunkelheit regelmäßig am Pier von St. Kilda an … (Chinesische Reisegruppen deshalb auch …)

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… und hinterm Yachthafen kann man die Sky-Line Melbournes sehen.

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Am Samstag machte ich mich allein auf den Weg nach South Melbourne, Port Melbourne und Albert Park. 13 Kilometer lief ich da unten am Wasser herum.

Zunächst entdecke ich ein Kleinflugzeug, welches Schriftzüge an den Himmel schreibt. Macht da etwas einer Werbung für eine Bar?

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Aber nein, das Flugzeug setzte für weitere Kurven an und irgendwann prangte der Markenname eines Autoherstellers am Himmel. (Wohlgemerkt, ich stehe nicht bei denen auf der Gehaltsliste!)

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Am Port Melbourne kann man etwas Geschichte nachempfinden. Viele Soldaten legten von hier ab, fuhren in die Kriege der Welt und kamen nie wieder. Emigranten landeten hier und gaben Melbourne sein buntes Gesicht. Wenn man will, kann man da heute in eine Fähre nach Tasmanien steigen. Hatte kurz überlegt, die Überfahrt dauert aber 10,5 Stunden. Das wird mit dem Rückflug etwas knapp.

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Auf dem Rückweg stoppte ich noch mal in der City, das Wetter war nun viel besser als noch am vergangenen Samstag, also wollte ich ein paar Dinge noch mal etwas farbiger sehen. Zunächst ein Bummel durchs alte China-Town inklusive Stopp in einem Food-Court.

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Dann noch zwischen Swanston Street und Elizabeth Street im Zick Zack hin und her und zu guter Letzt nun noch etwas Street Art. Da könnte ja fast eine Tradition draus werden …

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Bye Bye Melbourne

 

 

23) Postkarte aus Melbourne 1

Im September hatte ich Gelegenheit die Stadt Melbourne zu besuchen. Da war aber zunächst der lange Flug. Erst 1,5 Stunden nach Brüssel, dann 6 Stunden nach Abu Dhabi und dann noch mal 13 Stunden nach Melbourne! Da merkt man erst einmal wie groß die Kugel ist, auf der wir leben.

Und die Australier hatten weitere Hürden für mich eingeplant:

  1. Die hinter (!) der Security in Abu Dhabi gekaufte Flasche Wasser, durfte ich am Gate des Fliegers nach Australien gleich wieder in den Müll werfen. „Liquids not allowed, sorry“. Und jetzt 13 Stunden auf die Gnade der Flugbegleiter angewiesen sein?
  2. Auch mein Duty-Free-Einkauf durfte nicht im Handgepäck nach Australien. fliegen. Nein, er wurde noch vor Besteigen des Fliegers in einen Papp-Karton verpackt und im Bauch des Flugzeugs verstaut. Abzuholen bei der Sonder-Gepäck-Ausgabe in Melbourne. Ach du meine Güte.
  3. Bei der Einreise musste ich deklarieren, ob ich etwas „fremdes“  in die Australische Flora und Fauna einführen würde. Partout hätte ich „nö“ gesagt, aber da fiel mir doch noch die Tüte gesalzene Erdnüsse in meinem Koffer ein. Die meldete ich dann gewissenhaft an, denn das im Anflug ausgestrahlte Video der australischen Behörden drohte mit drakonischen Strafen. „There is no sorry“.
  4. Dann interviewte mich noch ein Emigration-Officer, anfänglich war ich etwas unsicher, aber dann entwickelte sich ein netter Plausch. Bezüglich der Erdnüsse winkte er aber ab. Ich denke, der hatte kein Interesse an Erdnüssen der REWE-Hausmarke 😉

Ein paar Eindrücke aus der Stadt:

Ein Walk führte uns durch die City. Von Flinders Street, über Federation Square, Birrarung Marr, Hosier Lane, Viertel um Elizabeth Street, Centre Place. Dann rüber auf die andere Seite des Yarra River nach Southbank, über einen Asiatischen Food-Market, weiter westwärts zu älteren Hafenanlagen und wieder rüber über Docklands zurück zur Flinders Street.

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Den berühmten Söhnen Australiens hat man hier sogar eine Straße gewidmet.

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Am Sonntag verschlug es uns in den Zoo von Melbourne. Australische Tiere in Australien anschauen. So der Plan. Die Anlage war ganz nett, aber nur Tiere gab es wenig. Und daran war nicht nur das schlechte Wetter Schuld. Im Robben-Becken sahen wir EINE Robbe. Im Eukolyptus-Baum EINEN Koala. Im Tiger-Areal und im Hippo-Becken … na ja, den Rest kann man sich denken. Bei einem Eintritt von stolzen 38 Australien-Dollar (ca. 23 EUR) bleibt ein fader Nachgeschmack.

Trotzdem hier ein Foto vom Mini-Hippo. Dreht man es auf die Seite, glaubt man, zwei Hippos klettern einen Baum hoch.

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Auch der einzige Koala bekommt hier eine Bühne. Er schlief. So wie die anderen 20 Stunden am Tag. Aber das ist halt so. Der kann ja nichts dafür.

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Zum Abschuss noch coole Street Art aus der Hosier Lane:

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Fazit: Melbourne ist viel größer, als ich vorher so annahm. Im Sommer ist es bestimmt ganz nett hier, jetzt im gerade beginnenden Frühling noch recht kühl.

Und der Jetlag, hat mir ganz schön zu schaffen gemacht…

Die Arbeit ist nun getan, jetzt folgt noch ein wenig Freizeit und vielleicht noch eine weitere Postkarte … Grüße von Down Under

 

 

34) Schäm dich!

Ja, ich fliege regelmäßig mit dem Flugzeug. Auch im Inland, weil die Bahn noch zu langsam ist. Manchmal fliege ich auch ins Ausland, für den Job oder just for Fun. Vor ein paar Wochen habe ich den Begriff „Flug-Scham“ kennengelernt und schäme mich nun fortan für meine Flug-Vergehen. Ist ja nicht so, als wäre es das erste, für was ich mich schämen müsste.

Man kann sich heutzutage rund um die Uhr schämen:

  • Wir besitzen einen Diesel. Der steht zwar meistens ungenutzt herum, aber allein das Besitzen nagt schon am Gewissen. Ich trinke ab und zu Kaffee aus Papp-Bechern. Neulich habe ich Duschgel in einer schwarzen Plastik-Flasche gekauft, aber erst danach gelesen, dass das total falsch war. Auch kauften wir jahrelang Pfand-Flaschen, im guten Glauben, dass die damit automatisch im Mehrweg-System landen. Auch falsch. Selten vergesse ich, den Fernseher komplett auszuschalten. Dann ist der die ganze Nacht im Stand-By.
    —> Ja, ich versuche mich zu bessern und mehr für den Umweltschutz zu tun
  • Kürzlich habe ich einen Döner gegessen, ohne Pommes ohne Brot. Wegen der Figur. Eigentlich müsste ich das Fleisch künftig auch weglassen, wegen des Klimas. Den Salat besser auch weglassen, wegen spanischer Gewächshäuser. Wir sollen auch weniger Wurst essen. Was dann? Fisch? Oder Käse? Ist der besser, da diese Rinder beim Käse-Machen weniger pupsen? Ich lese nicht immer den Stempel auf dem Ei und kaufe auch mal Industriebrötchen im Super-Markt, statt den weiteren Weg zum Prenzlauer-Berg-Koscher-Fair-Okö-Vegan-Teuer-Becker zu gehen. Auch nicht gut, ich weiß.
    —> Wenn die Kids jetzt schon zur Klima-Demo gehen, werde ich mich auch hier ändern
  • Letzte Woche habe ich habe ich viele Obstfliegen erschlagen, weil die mir die Decke im Wohnzimmer vollkackten. Ich habe eine Gesichts-Creme gekauft, ohne den Händler zu fragen, ob die nicht vorher an Tieren getestet wurde. Auch war ich nicht wirklich traurig drüber, als man feststellte, dass es immer weniger Wespen in der Stadt gibt. Ich habe dabei nur an mich und mein Wespenfreies Nackensteak gedacht, aber das war nicht korrekt.
    —> Schande über mein Haupt, auch beim Tierschutz werde ich mein Handeln überdenken und künftig auch ertrinkende Wespen aus der Limonade retten
  • Treffe ich auf eine attraktive Frau, schaue ich nicht immer auf den Boden. Nein, ich schaue die Dame auch mal an. Manchmal auch ihren Hintern. Unglaublich, oder?  Ich vergesse auch, gender-neutral zu schreiben. Ich schreibe z.B. „Mitarbeiter“, „User“ und „Manager“. Hätte natürlich „Mitarbeitende“, „Usende“ und „Managende“ heißen müssen. Auch wenn es bekloppt klingt. Zusätzlich „linge“ ich immer noch, ich habe „Flüchtling“ gesagt. Es muss natürlich „Flüchtende“ heißen. Genauso heißt es natürlich auch nicht mehr Lehrling oder Häftling. Für Riesling, Zwilling und Recycling fällt mir aber nichts besseres ein, gibt es da eine Alternative?
    —> Ok, auch am Respekt gegenüber dem anderen Geschlecht werde ich arbeiten, gleichzeitig versuche ich aber auch, die Geschlechter gar nicht mehr zu unterscheiden
  • Letzte Woche regte ich mich tierisch auf, als eine Chinesische Reisegruppe die Sicherheitskontrolle vor mir blockierte. Später betrat ein muslimisch anmutender Mann mit dunklen Augenringen den Flieger, der war mir sehr suspekt. Später musste der aufs Klo und hat sich doch glatt das Bord-Klo vorn beim Piloten ausgesucht. Sehr verdächtig. Und ich habe neulich ( … aber wirklich nur ganz kurz … ) über einen Witz gelacht. Der begann ungefähr so: „Treffen sich ein Christ, ein Moslem und ein Jude …“
    —> Auh Backe, das geht natürlich gar nicht. Ich gelobe auch hier Besserung. Ich werde alle meine Schubladen im Kopf durchwühlen und die Menschen daraus befreien.
  • Ab und zu drücke ich unserem Sohn ein iPad in die Hand, um mal meine Ruhe zu haben. Das ist egoistisch und für seine Zukunft bestimmt nicht gut. Ich selber checke morgens beim ersten Espresso schon, wieviele Besucher am Vortag meinen Blog besuchten. Das macht mich vermutlich süchtig und ist ein schlechtes Beispiel für die Kinder. Ich müsste es eigentlich besser wissen. Ach so, der Espresso kommt natürlich aus einer Alu-Kapsel ….
    —> Oh Gott oh Gott, jetzt reicht’s aber. Schluss jetzt, das kann ja keiner mehr lesen, das wird ja immer schlimmer

Wenn der Leser denkt, dass das schon alles war, dann muss ich enttäuschen. Die Liste meiner Vergehen ist unendlich lang. Ich bin anscheinend ein Gesellschafts-Versager. Ein Ignorant. Asozial. Wenn ich jemals zur Beichte gehe, sollte sich der Pfarrer was zu essen und zu trinken einpacken. Es könnte länger dauern. Danach komme ich trotzdem in die Hölle und darf sie auch als erster betreten. „Priority Boarding to Hell“, quasi.

Anmerkung: Bitte, nicht falsch verstehen, ich will Klima-Schutz, Tierschutz, LGBTQ, Toleranz, Diversity, Minderheitenschutz, me2, Anti-Rassismus, Religionsfreiheit und so weiter nicht durch den Kakao ziehen. Aber es kann doch auch nicht sein, dass sich ein gebildeter, durchaus achtsam lebender und sozialer denkender Mensch permanent schuldig fühlt und in die Ecke stellen könnte. Habe nur ich das Gefühl, dass die Verantwortung für den Wandel komplett bei uns abgeladen wird? 

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22) Postkarte aus Amsterdam

Kürzlich waren wir seit Längerem mal wieder in Amsterdam. Hochglanz-Fotos gibt es im Netz schon zu Hauf, also will ich mich auf ein paar Kuriositäten und persönliche Eindrücke beschränken.

Der erste Tag bescherte uns zunächst Regen, also entschieden wir uns für eine Tram-Fahrt zum Rijks-Museum. Und schon beim Betreten der Tram wurden wir überrascht. Im mittleren Teil fanden wir einen Info-Tresen und eine mehrsprachige Dame, die als Ticket-Verkäuferin und rollendes Tourist-Office agierte. Was für eine coole Idee. Wenn man das Konzept auf die Berliner Tram-Linie M10 übertragen wollte, könnte man da noch Bier verkaufen.

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Im Rijks-Museum selber, liefen wir die großen Klassiker der Niederländischen Kunst ab. Van Gogh, Rembrandt und viele andere Künstler. Das folgende Bild fand ich am besten. Über was beklagt sich der Typ in der Mitte da eigentlich? War der Gockel nicht durchgebraten, bereits kalt oder was macht ihn da so unzufrieden? Die anderen um ihn herum singen oder tuscheln. Vermutlich oute ich mich hier jetzt als absoluter Kunst-Banause. Sei es drum.

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Im weiteren Verlauf der großen Bilderausstellung kam das Museum auch auf den übermäßigen Alkohol-Konsum im früheren Holland zu sprechen. Der war auf den alten Gemälden auch mehrfach abgebildet und musste zur Ehrenrettung mal kommentiert werden.

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Am nächsten Tag flossen die Getränke aber in noch größeren Mengen. Es war Canal Parade bzw. Pride-Demo in Amsterdam. Menschen aller Altersklassen, Herkünfte und sexueller Orientierung feierten ausgelassen, während die anderen tanzend auf geschmückten Boten durch die Grachten demonstrierten.

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In Amsterdam gibt es angeblich 3.000 Hausboote. Ausgediente Fischerbote, umgebaute Fähren oder Flöße. Wir hatten selber die Gelegenheit, in einem zu wohnen, das war mal etwas anderes und gar nicht so wackelig wie man vielleicht denkt. Vielleicht auch eine Idee für Deutsche Metropolen, der zunehmenden Wohnungsknappheit zu begegnen?

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In den Geschäften und auch auf den Märkten staunten wir über all den Käse dort. Jung, alt, sehr alt. Mild und würzig. Hunderte Sorten. Da mag man sagen, „ist doch logisch, ist halt Holland“. Ja stimmt. Aber so viel Käse, in solchen Größen und auch noch als „Partyklette“ zum mitbringen, hat mich schon überrascht

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Wie jede andere Metropole hat auch Amsterdam seine Herausforderungen. Die Amsterdamer  wirken dabei aber entspannter und sind an bestimmten Stellen auch konsequenter. In manchen Ecken gilt Alkohol-Verbot auf der Straße, Pi-Pi in der Öffentlichkeit wird saftig bestraft und obwohl Amsterdam ja „die“ Zweirad-Stadt ist, hat sich der E-Scooter-Wahn da noch nicht durchgesetzt. Gut so!

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Müsste ich für Amsterdam ein Wort finden wäre es vermutlich:

Entspannte-Menschen-Und-Sonst-Viele-Tulpen-Fahrräder-Museen-Grachten-Sowie-Hasch-Bier-Und-Rotlicht-Das-Alles-Zusammen-Sehr-Charmant.

Lust auf mehr Postkarten? Dann schaut doch mal bei Sovely auf https://murmelmeister.com vorbei

 

33) Digital Detox in der Cloud

Good Morning, Your captain speaking … bla bla … flight time to Munich today will be one hour and ten minutes. Enjoy your flight!

Was, ein Inlandsflug?? Pfui! Hat der etwa keine Flugscham? Doch doch, ich schäme mich. Schon wieder. Aber dazu bald mal ein anderer Beitrag hier auf‘m Blog.

Eine Stunde und zehn Minuten Zeit nur für mich, das ist ein wahrer Luxus. Was kann ma da alles schönes anstellen?

  • Einen Blog-Beitrag verfassen?
    Logisch, das geht auch hier oben über den Wolken, aber dazu fehlt mir gerade eine Inspiration
  • Schlafen?
    Besser nicht, dann fühle ich mich in München wie gerädert und trage das den ganzen Tag mit mir herum
  • Auf dem Handy daddeln?
    Ja, kann man machen, aber ohne Netzanbindung kann ich nur alte Nachrichten lesen. Das Vergnügen ist irgendwie endlich
  • Magazine auf dem Tablet schauen?
    Hätte ich zwar offline dabei, aber um 06:45 Uhr fühle mich noch nicht ganz so aufnahmebereit für komplexere Informationen
  • Musik oder Hörbuch hören?
    Auch ´ne Idee, Musik lenkt aber von Gedanken ab und Hörbücher machen mich, zumindest im Sitzen, müde
  • Fotos aussortieren?
    Eine wunderbare Aufgabe für den Flieger, aber auf dem kleinen Bildschirm auch nicht gerade optimal. Außerdem saugt das den Akku leer
  • Im Board-Magazin blättern?
    Ist irgendwie immer dasselbe. Start Up-CEO‘s Mitte 20 geben ihren Senf ab, es werden Städte vorgestellt wo ich schon war und Prominente zeigen, welche Gadgets sie in ihren Koffern mit sich herum tragen
  • Im Shopping-Katalog blättern?
    Ganz nett zum inspirieren, aber so viele tragbare Lautsprecher, Adapter, Uhren, Mäh-Roboter, Saug-Roboter und Powerbanks kann ich niemals brauchen

Und nun?

Ich bestelle mir einen Premium-Krümel-Kaffee, packe den ganzen Medien-Kram beiseite, schaue aus dem Fenster und lasse den Gedanken freien Lauf.

Frühere Beiträge zu Fliegerei und Medien:

20) Postkarte aus São Paulo

Hallo zusammen, viele Grüße aus São Paulo! Vor Anreise hatte ich bereits ein Bild im Kopf. Mega-City, 12-14 Millionen Einwohner, nach Einbruch der Dunkelheit am besten drinnen bleiben oder Auto fahren. Vermutlich chaotisch, schmuddelig und heruntergekommen.

Aber nun, nach einer Woche hier, muss ich mein Bild korrigieren. São Paulo, nun nicht gerade für seine Bauwerke bekannt, kann über KKK (Kunst, Kultur, Kulinarik) locker mit den anderen großen Städten mithalten. Mit Sicherheit hat die Stadt in den Außenbezirken diverse Probleme, aber in der Innenstadt haben wir uns am Tag und frühen Abend echt wohl gefühlt. Brasilianische Kollegen bestätigen uns, dass São Paulo eher zu den sichereren Städten zählt und sie selber wegen mangelnder Sicherheit nur ungern zur großen Schwester Rio de Janeiro fahren. Viele Kleinigkeiten im Stadtbild haben mich echt überrascht und hätte ich so nicht erwartet.

In der Innenstadt wird z.B. eifrig Müll getrennt, die Straßen sind verhältnismäßig sauber und es gibt ein durchgängiges Leitsystem für blinde Menschen. São Paulo hat ein gutes Radweg-Netz, ist sehr hügelig und macht per Uber, Bus und Metro alles erreichbar. Die Stadt ist in seiner Einwohnerschaft sehr divers. Europäische Spuren in den Gesichtern, viele Japanische Ursprünge und auch Indigene Einschläge machen die Stadt sehr bunt.

Erlaufen: Bezirke Jardins, Pinheiros, Centro, Park Ibirapuera, Friedhof do Araca, Streetart-Viertel Beco de Batman und noch so einiges mehr

Gegessen und getrunken: durch die vielen Ursprünge der Menschen, gibt‘s hier alles was der Hunger begehrt. Wer die Gelegenheit hat, sollte ein Brazilian Barbecue mitmachen (z.B. Im Fogo de Chão) und auf eine Dachterasse (z.B. Hotel Unique) einen Caipirinha trinken

Zunächst also ein paar Schnapp-Schüsse von Avenida Paulista, Parque do Ibirapuera und Cemitério do Araça

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… und zum Abspann nun Bilder von sehr cooler Street Art gefunden in Beco de Batman

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Ihr vielen Schmierfinken in Berlin ... daran könnt ihr euch mal ein Beispiel nehmen !!!

Frühere Postkarten: hier klicken

19) Lifejacket under seat

Keine Ahnung, wie oft ich schon die Sicherheitsunterweisung im Flieger dargeboten bekommen habe. Notausgänge vorn und hinten, Anschnallen, Flugmodus und so weiter. Ansonsten … „bitte die Sicherheitskarte vor ihnen in der Sitztasche…“ beachten.
Immer das selbe Schema.

Obwohl…, in den letzten Monaten wurden wieder ein paar neue Elemente in die Dramaturgie eingebaut. Man spricht von sich überhitzenden, gar qualmenden Mobiltelefonen und von E-Zigaretten. Letztere dürfen natürlich nicht geraucht werden. Auch nicht heimlich auf dem Klo, Mensch! Kam die Einweisung früher noch vom kostümierten Board-Personal, wird das Programm auf der Langstrecke nun immer mehr per Video „performed“. 

Das ist häufig ganz lustig gemacht, wenn auch etwas realitätsfern:

  • Animierte Mutter und Kind sitzen glücklich nebeneinander. Mama nimmt dem Sohn das Handy weg und schaltet ihm den Flugmodus ein. Der Junge lächelt sie an und nickt verständnisvoll.
  • Ein Business-Typ sitzt auf seinem Platz und tut nicht nichts. Auf einmal fallen Sauerstoff-Masken von oben herab, entspannt greift er zur Maske und bleibt die Ruhe in Person. Wie in der Joga-Klasse.
  • Mein absoluter Liebling ist aber die Animation im Falle einer Notwasserung. Der Passagier tritt an die Türschwelle, lässt noch einen Blick übers seichte Meer schweifen und zieht den Stöpsel seiner gelben Weste. Und dann folgt: „An der Schwimmweste befindet sich eine Pfeife, mit der sie im Bedarfsfall Aufmerksamkeit erregen können“. 

Dann stelle ich mir vor, wie ich allein im großen Pazifischen Ozean herumtreibe, so vor mich hin pfeife und außer dreieckigen Fischflossen nichts zu sehen ist. 

Allerdings ist ein Notfall im Europäischen Mittelmeer in diesen Tagen auch kein Geschenk. Ob nun mit oder ohne Pfeife…

Andere Beiträge aus meiner Fliegerei

 

 

 

17) Postkarte aus Goa 3

Indien, in unserem Fall Goa, bietet so viele Eindrücke, dass ich noch genug Stoff für eine dritte Postkarte von hier habe.

Von Strandbars:

Strandbars gibt es hier alle paar Meter. Die meisten sind „sehr einfach“. Wir konnten ein paar von ihnen für Lunch und Dinner ausprobieren. Das Essen war immer lecker. Es gab viel Fisch, Goan food, Indische Klassiker, aber auch Chinesisch und ein paar Internationale Klassiker wie Pommes oder Pasta. Die Kids haben auch immer etwas gefunden. Wir haben alles gut vertragen, die Reise-Apotheke mussten wir nicht einmal anfassen. Am Mittwoch konnten wir ein interessantes Ritual beobachten. In der Nachbar-Kneipe begann man kurz nach 18:00, die Korbstühle von der Terrasse zu tragen und mitten auf dem Strand zu stellen. Alle anderen Bars zogen nach, bald gab es in den Bars kaum noch Stühle und Tische. Der Grund wurde schnell klar. Erstens gibt es keine Sitzgelegenheiten im Sand, zweitens sind die Sonnen-Untergänge schön anzusehen, drittens sind sie noch viel schöner mit einem kühlen Getränk in der Hand. Da lässt sich doch etwas Business generieren.

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Von der Straße:

Der Verkehr in Goa ist typisch Indisch, wenn auch nicht ganz so stressig wie in den Großstädten. Unser Driver fährt schon seit 20 Jahren und geniesst das „slow live“ hier, gute Voraussetzungen für eine Fahrt mit ihm übers Land. Zeitweise fährt ein Pritschenwagen mit der Aufschrift „On Election Duty“ vor uns. Ich frage den Driver, er verrät mir, dass die EVMs (Wahlmaschinen) wieder aus den Wahl-Lokalen eingesammelt werden. Die Wahlen waren „peaceful“ und manche Wahlbezirke erreichten stolze 80% Wahlbeteiligung. Respekt! Kurze Zeit später folgt der nächste Pritschenwagen voll beladen mit Gas-Flaschen. Gesichert nur durch Schwerkraft und vier Hände.

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Von Terror:

Kaum in Old Goa aus dem Taxi ausgestiegen, marschieren wir direkt auf die Basilika Bom Jesus (erbaut um 1600) zu . Auf meinem Rücken haben ich einen kleinen Rucksack mit Getränken und Sonnenschutz. Eine Sicherheitsmann stoppt uns und informiert, dass Rücksäcke nicht erlaubt sind. Auf meine Frage, wo ich den denn abgeben könne, wirkt er ratlos. Als hätten sie bei der Angelegenheit wenig Erfahrung. Ein anderer Mann springt zur Erklärung ein. „There was a terrorist attack in Sri Lanka“. Natürlich. Auf Menschen in Kirchen und Hotels. Das haben wir hier auch mitbekommen. Natürlich denkt man auch drüber nach, wie schnell man selber davon betroffen sein kann. Besonders in solch symbolträchtigen Gebäuden. Aber genau das wollen diese Idioten ja erreichen. Nein, nicht mit uns! Wir gehen da jetzt rein und schauen uns das an!

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Von Stadt und Land:

Viele Häuser in den Orten sind extrem bunt angemalt. Drumherum ist alles grün, die sind Palmen hochgewachsen.

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Zwischen den Orten werden die Flächen bewirtschaftet. Links und rechts der Straße gibt es z.B. Reis-Felder, Salinen und Wasserbüffel.

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Aber auch die Straße selber wird genutzt. Shrimps liegen am Straßenrand und sollen trocknen. Und auch die Fischer-Netze liegen hunderte Meter lang auf der Straße verteilt und braten in der Sonne.

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Von Menschen:

Etwas skurril ist der Anblick der Menschen am Strand. Zwischen den Orten kann man sehr allein sein, an den Orten wird es voller. Vergleichbar mit unseren Stränden in der Heimat. Allerdings „liegt“ man bei uns eher oder man „schwimmt“ halt. In Goa ist das anders. Da „steht“ man. Wir erklären uns das mit fehlenden Strandkörben und hohem Nichtschwimmer-Anteil. Viele Menschen haben Smart Phones in der Hand und posen aufwändig für die Selfies. Auch unsere Gesichter befinden sich mittlerweile auf unzähligen Indischen Selfies. Mit heller Haut und blonden Haaren sind wir hier die Exoten und gut gebuchte Foto-Motive. Immer höflich und nett angefragt, wissen wir nun, wie sich Promi‘s fühlen müssen.

In der Lobby des Hotels betreibt eine Inderin einen Travel-Office. Sie vermittelt Ausflüge und Taxi-Fahrten an lokale Kleinunternehmer. Natürlich ist das etwas teurer, aber für den Tisch muss sie Miete an das Hotel bezahlen und sie will ja auch noch von etwas leben. Sie hat ihr Netzwerk, kümmert sich um alles und auch die Zahlungsabwicklung läuft über sie. Wir nehmen ihren Dienst gern in Anspruch. Außerdem gibt es wieder Gelegenheit zum quatschen. Ihre Tochter ist 12 Jahre alt und ein Ass in fortgeschrittener Mathematik. Sie kann gigantische Summen mit einem Abakus ausrechnen, ein normaler Taschen-Rechner kann das gar nicht. Zunächst hat sie den nationalen Wettbewerb in Chennai gewonnen und durfte Indien dann noch auf einem Internationalen Event in Malaysia vertreten.

Wir stehen vor der Basilika Bom Jesus und ich mache ein paar Selfies. Ein Inder neben uns macht auch Fotos und bietet sich an, uns zu fotografieren. Wir kommen ins Gespräch, seine Frau und Tochter kommen auch dazu, schnell ergibt sich ein netter Plausch. Er arbeitet in Delhis Süden, in Gurgaon, und zwar bei einer deutschen Firma. Na da werde ich doch hellhörig und siehe da, er arbeitet für den gleichen Laden wie ich! Sofort bequatschen wir, was wir so tun und was uns hertreibt. Er arbeitet gerade an einem Projekt, was ihm eine Dienstreise nach Deutschland ermöglichen könnte. Wir tauschen unsere Daten aus und verabreden uns lose.

So Leute, das war‘s, ich melde mich wieder aus Berlin! Ich hoffe es hat gefallen, Likes und Kommentare wie immer gern gesehen… 🙏🏻

Und hier noch eine Zugabe der Mini-Blogger:

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Frühere Postkarten aus Indien: