743) Back to Reality

„Herzlich Willkommen in Berlin, wir sind soeben mit einer Verspätung von einer Stunde und 50 Minuten gelandet. Wir bedauern die Verspätung … zunächst Engpässe beim Enteisen in Berlin … dann Slot zugewiesen … Personalmangel bei der Flugsicherung in Frankreich … Sturm über Spanien und Portugal … nun ja … aber nun stellen Sie sich mal vor, sie wären mit der Deutschen Bahn gereist. Kommen Sie gut heim und viel Spaß beim Wäschewaschen“. So ungefähr verabschiedete sich der Chef der Kabinen-Crew gestern Abend um 23:08 Uhr. Zeit für eine erste Vitamin-D Pille.

Bis der Bus dann zum Flieger kam, die Koffer aus dem Keller auf‘s Band gespuckt  wurden, war es 23:46 Uhr, nun wenigstens noch die Bummel-S-Bahn kriegen mit 22 Minuten bis nach Schöneweide … „the place where you want to change trains in the middle of the night“ und dann noch mal 25 Minuten bis zum S-Bahnhof in der Hood.

Vom Eise befreit sind Spree und Fläche … na immerhin … auf die Schnauze sollten wir vergangene Nacht wohl nicht mehr fliegen, dafür sorgten viele Tonnen von Streusplit, der sich in den Schuh-Sohlen und Koffer-Rollen verfing. Gegen 01:00 waren wir im Headquarter. Nun bloß nicht mit den Schuhen übers Parket aus Tropenholz … 😉

Der Sonntagmorgen zeigt sich freundlich, die Sonne scheint sogar. Und was gibt‘s sonst so? Die Storkower Straße ist seit 6 oder 7 Wochen immer noch gesperrt. Wasserrohrbruch … oder so. Das Dachgeschoss gegenüber wird immer noch ausgebaut, (die Baumaßnahmen begannen übrigens vor Covid). Das Bettgestell vor dem Nachbarhaus wurde entfernt, nun steht ein Stuhl dort und eine hässliche Lampe. Bevor ich zur nächsten Vitamin-D Pille greife, gehe ich erst mal Joggen und arbeite gedanklich an nächsten Reisen und Ausflügen. Zu Ostern vielleicht was und Mitte Mai an die See? Und dann natürlich der große Roadtrip im Juni … aber da werde ich ein anderes Mal drüber schreiben.

Find schon was.

PS: Titelbild, via ChatGPT

88) Stromausfall-ismus

Dass Teile des Berliner Südwestens seit Tagen ohne Strom sind, dürfte sich inzwischen bundesweit herumgesprochen haben. Das ist nicht witzig, schon gar nicht bei diesen Temperaturen, und ich will das auch in keiner Weise verharmlosen. Eine Gruppe Irrer hat eine Kabelbrücke über einem Kanal in Brand gesetzt. Dass die Reparatur bei Frost und unter diesen Bedingungen technisch anspruchsvoll ist, kann ich akzeptieren.

Was ich nicht akzeptiere, ist das politische Framing und der Umgang mit der Krise.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner kehrt sichtbar gut erholt aus dem Winterurlaub zurück und spricht reflexhaft von Links-Extremismus. Zwei Tage später sind wir medial bereits beim Links-Terrorismus angekommen. Wer vor wenigen Monaten noch als störender Klima-Kleber oder nerviger Klima-Aktivist galt, wird nun begrifflich in dieselbe Schublade gesteckt wie die RAF? 

Sorry, aber das ist kein Erkenntnisgewinn, sondern ein Ablenkungsmanöver. Markige Begriffe ersetzen keine Analyse und schon gar kein Krisenmanagement. Wenn es schon ein „-ismus“ sein muss, dann vielleicht Krisen-Dilettantismus oder Missmanagement-ismus.

Wenn Herr Wegner feststellt, dass solche Sabotageakte bereits mehrfach vorgekommen sind, dann hat er recht. Erstens wissen wir das alle und zweitens unterstreicht er damit aber vor allem eines, die offenkundige Unprofessionalität im Umgang damit. Wiederholte Vorfälle ohne sichtbare Vorsorge oder funktionierende Notfallkonzepte sind kein Beleg für Entschlossenheit, sondern für Versäumnisse. „Die Stadt soll wieder funktionieren“ hieß es noch im Wahlkampf. Ja … bitte, gern doch.

Zeitweise waren rund 50.000 Menschen betroffen, aber eben auch „nur“ etwa 1,2 Prozent der Berliner Bevölkerung. Und trotzdem schafft es diese hippe Hauptstadt nicht, kurzfristig Wärme, Unterkünfte und Strom zum Laden von Handys bereitzustellen. Der Berliner Flughafen managed täglich rund 70.000 Menschen, nicht unbedingt vergleichbar, aber nur um mal eine Größenordnung zu geben

Heute, am 7. Januar um 9:30 Uhr, erreichte uns dann die nächste Warnung per Cell-Broadcasting. Stromausfall in der gesamten Stadt. Das war aber dann eine große Cell die da bebroadcasted wurde … und man wunderte sich, was das nun wieder soll.

Also bitte, hören Sie auf mit ideologischen Nebelkerzen und kümmern Sie sich um Ihre Hausaufgaben. Wenn man sich nur ausmalt, was passiert wäre, hätte es mehrere Stellen gleichzeitig getroffen oder wäre das Ganze noch umfassender durch einen gezielten Cyberangriff von weiter ostwärts ausgelöst worden, dann bleibt nur ein Gedanke.

Gute Nacht, Marie.

17) Schulneubau Ostkante Berlin – 7- Das Finale (Gastbeitrag Hermann)

Ortsdurchfahrt Erkner ab 17.03.2025 gesperrt. So steht es an einem Straßenbild auf dem östlichen Berliner Ring. Warum? Weil ein Straßenabschnitt von nicht mal einem Kilometer neu gemacht wird. Ein paar große Rohre sind zwar auch im Spiel, aber trotzdem liebe Leute. Das sind nun fast acht Monate Stress, Stau und Generv für Pendler und Anwohner. Man kann schon fast von Glück reden, dass nicht bald wieder Kommunalwahlen sind, denn das Risiko ist hoch, dass frustrierten Menschen der Kugelschreiber wegrutscht.

Aber es gibt doch Tatsache wirklich auch Baustellen, die ein Ende finden. Wie schön. 

Beginn Gastbeitrag Hermann:

In Berlin sind gerade Schulferien und schon fehlt etwas im Alltag an der Außenkante:

– Die Jugendlichen, die als kleine Grüppchen oder vertieft in ihr Smartphone an unserem Haus vorbei gehen

– Die Knirps/innen, die während der Hofpause auch oft schreiend herumrennen

– Der gelegentlich hörbare Pausengong

……denn, wie geplant ist die Schule Anfang September in Betrieb gegangen.

Ganz ruhig, fast gleitend, geräuschlos – keine Blaskapelle, kein Flagge hissen, keine Honoratioren.

Ende August, das Schuljahr hatte noch gar nicht begonnen, wurden die ersten Kinderfahrräder geparkt. Testlauf?, Hortbetreuung während der Ferienzeit?? und der Seiteneingang der Turnhalle bekommt Mülleimer, natürlich mit Trennung.

Eine Woche später:

Einschulung der Neulinge: festlich gekleidete Eltern, Kinder, Verwandte – hab mich nicht getraut, ein Foto zu machen – schade.

Im September ist der Alltag eingezogen, die Kinder strömen zwischen 7:30 bis 9:00 oft per Bus oder Fahrrad zur Schule, Elterntaxi hält sich in Grenzen. Je nach Windrichtung hört man mal den Pausengong oder auch das Kreischen der Jüngsten, wenn´s zum Lüften in der Pause auf den Hof geht. Im hinteren Bereich ist noch Arbeit an der Hoffläche im Gange. Grünanlagenbau und der Abtransport der restliche Baustoffe etc wird wohl bis zum Jahresende dauern.

Wünschen wir den Jugendlichen gute Lernbedingungen und kräftigen Wissenszuwachs.

Sie und wir alle werden es brauchen. Und ganz persönlich betrifft es mich auch: Im nächsten Schuljahr wird meine jüngste Enkelin dort als Erstklässlerin ihren Schul-Bildungs-Weg starten.

Die Schule hat diese eher verschlafenen Ecke am Rand von Berlin schon ein ganzes Stück belebt.

Der nächste Schub ist im Entstehen mit dem kleinen Wohngebiet auf dem letzten Rest der ehemaligen „Pampa“. Beim Start des Schulbaus vor 2 Jahren war es noch im Planungsnebel.

Dort wachsen seit dem Frühsommer 40 Mehrfamilienwürfel für ca. 1200 Menschen,

6 davon stehen schon im Rohbau …

Ende Gastbeitrag Hermann

87) Berliner Digitalverhalt – Vol 4

„Nichts dergleichen werde ich tun. Ich warte bis September, da müsste der alte Ausweis ablaufen. Bis dahin lasse ich den Antrag und den Zahlungsbeleg auf dem Armaturenbrett liegen, und gut ist.“

So endete mein Beitrag >Berliner Digitalverhalt Vol 3, in dem ich die frustrierenden Erfahrungen beschrieb, einen grünen, klebrigen Parkausweis für die neue Familienkutsche zu bekommen. Tja, und das tat ich dann auch. Immer wenn der Wagen im letzten halben Jahr draußen stand und nicht in der Garage. Hat bestens funktioniert und ist ein Beweis dafür, dass das Modell „print your own Parkausweis“ möglich wäre.

Nun ist also September. Der Parkausweis, der an meinem alten Auto klebt und vermutlich irgendwo im Mittleren Osten oder in Nordafrika herumfährt, ist abgelaufen, und ich kann einen neuen bestellen. Also am 13. September ran an den Computer, das neue Berliner Service Portal aufgerufen, das Online Formular ausgefüllt, die Kreditkarte eingegeben und auf „Senden“ geklickt. Fehler … Error … Seite nicht mehr gültig … something. Nerv. Im selben Moment wird aber die Abbuchung der Gebühr in der Banking App bestätigt. Eine Eingangsbestätigung oder andere E Mails der Parkausweisgenehmigungsundbeschriftungsbehörde bleiben jedoch aus.

Dieses mulmige Gefühl im Bauch ertrug ich zwei Wochen, dann schrieb ich Ende September eine E-Mail an dieses Amt. Reaktion? Null.

Und dann kam ich auf eine Idee, wie ich dieses System dribbeln könnte. Ich beantragte und zahlte einfach noch einen Anwohnerparkausweis. Daraufhin folgten gleich drei E-Mails, und der Aufkleber lag schon am 05.10.2025 bei mir im Briefkasten. Handgeschrieben, begleitet von drei Seiten Papier. Wow, dachte ich. Das ging aber flott. Doppelt zahlen, halbe Bearbeitungszeit?

Irrtum. Beim genauen Hinsehen ging es um die erste Beantragung vom 13. September.

Also entweder kriege ich demnächst noch einen weiteren Aufkleber oder eine Belehrung vom Amt, dass dies eine persönliche Urkunde und diese nur einfach … … …

mit freundlichen Grüßen

PS: Titelbild via ChatGPT

700) Von Döner-Index und Saucen-Brot

Als ich das erste Mal einen Döner Kebap gesehen habe, das muss im November 1989 gewesen sein. Und ich würde mich 99 % festlegen, dass dieses wohlriechende und zahntropfende Erlebnis in der Badstraße war, in Berlin Wedding. 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Objekt der Begierde um die 3,50 DM kostete und das war mit 100 DM Begrüßungsgeld in Mutter‘s Tasche auch nicht unbedingt ein Schnäppchen. Aber es war verlockend, wie die Türken das Fleisch am Spieß grillten, dann in feinste Streifen schnitten und mit Salat, Sauce und Fladenbrot durchs Fenster auf die novemberkalte Badstraße reichten.

Dann stiegen die Döner-Preise auf 3,80 DM … 4,00 DM … 4,50 DM … 5,00 DM  und 2002 kam der Euro. Der Döner kostete ganz schnell 3,00 EUR … 3,50 EUR  und kletterte weiter bis auf 4,50 € und 5,00 EUR und nun kostet das Nationalgericht hier halt 7,00 € oder 8,00 €. Und zwar nur das Standard-Modell mit Hackfleisch, bei der Premium-Bio-Glücks-Tier-Variante liegt man bereits im zweistelligen Bereich. Am Döner kann man wunderbar die Preissteigerung der letzte Jahre nachvollziehen, quasi eine Alternative zum Aktienindex DAX, also eher ein DÖX.

Gestern stand ich beim Türken an der Theke und nahm zwei halbe Hähnchen mit. Macht 12 EUR. Oh ha. Auch ein Wort.

Nach mir bestellte ein Teenager nur ein „Saucen-Brot“. Macht satt für den Moment, gibt’s für kleineres Geld und kostet „nur“ … 1,50 EUR … Alter(!) … drei Mark für Brot mit Sauce?????

Der Stammhalter sagt, dass ist das Standard-Pausen-Essen mittlerweile und die machen wohl an den Schulen mehr Geld mit Saucen-Brot als mit Döner …

Was für Zustände …

86) Stell‘ ab!

Laut der schlauen KI wird „Ein Fußgängerweg in Deutschland nach der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) definiert als ein Weg oder Teil der Straße, der ausschließlich dem Fußgängerverkehr vorbehalten ist.“ So, so.

Die StVO sollte an die Berliner Realität angepasst werden:

§ 47b STVO-E (Entwurf): Zweckentfremdung von Gehwegen

(1) Gehwege dienen vorrangig der dauerhaften Aufstellung beweglicher Gegenstände nicht-menschlicher Natur, insbesondere:

  •  a) Elektrokleinstfahrzeuge („E-Scooter“)
  •  b) Einkaufswagen
  •  c) Haushaltsmöbel mit „zu verschenken“-Hinweis
  •  d) Fahrräder in beliebigem Zustand

(2) Fußgängern ist die Nutzung von Gehwegen nur gestattet, sofern dort keine anderweitige Nutzung gemäß Absatz 1 erfolgt. In solchen Fällen ist die Fahrbahn zu benutzen, unter gebührender Vorsicht und Blickkontaktaufnahme mit dem Kfz-Verkehr.

(3) Zuwiderhandlungen können mit Geldbußen bis zu 5.000 EUR, zwei Wochen Ersatzfreiheitsstrafe oder temporärem Entzug des Mobiltelefons geahndet werden.

Denn dann könnte man das Angebot noch vervollständigen. Ein gefüllter Kühlschrank neben dem Sessel, eine Mikro-Welle oder Heißluftfritteuse für den kleinen Hunger zwischendurch und gern auch was zum Lesen. Eine Lampe vielleicht noch, im Winter wird‘s ja schon 16:00 Uhr dunkel. Einen ordentlichen Schreibtisch wegen der Ergonomie und ´nen Heizpilz. Ein Camping-Klo für‘s dringendste Bedürfnis, gutes WLAN vor allen Dingen und nebenan einen Späti.

PS: Kursiver Teil via ChatGPT

84) E-Roller

„Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten“.

So ähnlich soll es wohl der chinesische General Nun Tsu formuliert haben.

(Später hat er dann ein Videokonferenzsystem erfunden. Der allbekannten Hinweis „Mach mal Zoom zu ist an seinen Namen angelehnt und den kennt seit der Pandemie ja nun wirklich jeder.) 

Aber ich schweife ab. Den „Feind studieren“, darum soll es gehen. Und genau das ging mir durch den Kopf, als ich dem Stammhalter vorschlug, mal gemeinsam eine Runde mit einem E-Roller zu drehen. Das erste Mal hatte ich mich hier im Sommer 2019 > 47) E-Sharing-Wahn darüber aufgeregt.

Hier meine Experience:

Na klar, die App runterladen und sich so ein Ding schnappen, ist natürlich verlockend. Die Roller sind stabiler, als ich dachte. Nur das Signalisieren des Abbiegens ist bei so einer schmalen Lenkerstange nicht ganz easy, aber ich glaube mit dem Problem, bin ich in Berlin eh allein. Die meisten haben ein Handy in der Hand, da bleibt keine mehr fürs Handzeichen frei.

Auf glatten Straßen rollen die echt gut. Auf Berliner Pflaster wird man ordentlich durchgerüttelt. Die Beschleunigung ist supi, man hat zwei Bremsen und ’ne Klingel. Man ist dem Boden viel näher als auf einem Fahrrad, das hat schon seinen Charme. Man steigt schneller auf und ab, und es gibt keine Sattelstange wie beim Herrenrad. Trägt „Mann“ mal einen Anzug oder „Frau“ einen Rock oder Kleid, ist das definitiv praktischer, als einen Fahrradsattel zu besteigen.

Aber ein Schnäppchen ist es nicht:

18 Minuten für 5,60 Euro ist ein Wort. Und Kalorien verbrennt man auch keine.

Fazit:

Gar nicht soooo schlecht. Vielleicht mal für kurze Strecken oder zur Überbrückung zwischen ÖPNV und Ziel. Besonders dann, wenn man sich auf dem eigenen Fahrrad nicht wieder mit den ganzen Fahrrad-Rambos anlegen will.

Aber jetzt ist Schluss mit dem Lob.

Jetzt wird wieder gemeckert, schließlich sind wir in Berlin:

Du dämlicher Hornochse. Haben sie dir ins Gehirn geschissen? Warst du in der Schule Kreide holen, als das Wort Rücksicht besprochen wurde?

Wie blöd muss man eigentlich sein, seinen Roller nach der Miete mitten auf den Gehweg zu stellen? Ich meine, Ich kann da beim Joggen noch drüberhüpfen, nehme das sportlich. Aber hast du schon mal Menschen gesehen, die mit Sonnenbrille und weißem Stock durch die Stadt laufen? Oder andere, die auf eigenartigen Sitzmöbeln mit Rädern hocken. Gibt’s vielleicht nicht in deinem TikTok-Feed, aber hier im Viertel durchaus.

Vollidiot, Kackbratze, Honk, Pfeife, Vollpfosten, Knallcharge, Hirnkasper, Tütenkasper, Flachpfeife, Hackfresse, Dumpfbacke, Hirni, Dämlack, Trottel, … ich könnte noch weitere aufzählen … ist schon interessant wieviel Wörter es in der deutschen Sprache für solche Knalli‘s gibt, wird wohl einen Grund haben …

125) Postkarte aus Berlin … drinnen und draußen

Berlin im Juni ist großartig. Angenehme Temperaturen, alles schön grün … und die Leute … nun ja … sind halt so. Berlin bleibt doch Berlin.

Am Freitagabend noch, ging es zu Fuß durch die „City-Ost“.

Unter den Linden spuckte uns die U-Bahn aus und es war erfreulich wenig los.

vorbei an Russischer Botschaft und Hotel Adlon aufs Brandenburger Tor zu … und ich muss sagen, an der Stelle wo früher ein Geländer und darauf hinwies, jetzt mal besser nicht weiterzugehen … macht das jedes Mal was mit mir.

Weiter ging es auf die „Wiese“ vor dem Bundestag. Da standen zwar viele Leute, aber ein paar Schnappschüsse in der Abendsonne gelangen trotzdem.

Viele Menschen hatten sich versammelt haben, denn das Reichstagsgebäude sollte erneut „verhüllt“ werden, rein virtuell mit einer Lichtinstallation. 30 Jahre ist das schon her … Schluck. Und nun seht euch all die Handy-Displays an.

Am Samstag fuhren wir nach „janz weit draußen“ … in den Stadtteil Köpenik. Von dort ging es drei Stunden feucht-fröhlich per Schiffchen um die Müggel-Berge.

… und endete in zünftig-Berliner Kneipe mit Molle, Kassler und Buletten und trationellem Liedgut.

Schön, dass es so etwas noch gibt.

Danke für den tollen Tag.

Solang noch “Untern Linden”
Die alten Bäume blühn,
kann nichts uns überwinden.
Berlin bleibt doch Berlin

636) Auswärtsspiel – 2

Seit >Auswärtsspiel – 1 sind schon sechs Jahre vergangen. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Gesten trug es uns nach Berlin-Spandau. Eine kleine Weltreise in derselben Stadt.

Diesmal sind die Dinge etwas anders, als beim letzten Mal in 2019. Die vier Jungs sind alle 1,80 m groß, riechen gut, ihre Stimmen kratzen und hüpfen. Sie nennen sich gegenseitig alle „Digger“, das macht es mir als Fahrer leichter. Ich muss nicht auf Namen achten. 

Sie sind aufgeregt und auch angespannt. Die gegnerischen Spieler wurden gestern bereits übers Internet gecheckt. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei immer aufs Alter gelegt, auf die Breite ihre Kreuze und deren Bartwuchs, um daraus abzuschätzen, wie lädiert man nach Hause kommt. Eine weitere Komplikation an diesem Spiel wird sein, dass unser Torwart nicht einsatzfähig ist, es muss ein Feldspieler in den Kasten. Die Jungs befürchten daher ein Schieß-Buden-Spiel, aber mal sehen was draus wird.

Wir fahren wir über den Bezirk Wedding nach Spandau. Das ganze dauert wegen diverser Baustellen über 50 Minuten und so lausche ich ihrer Unterhaltung. „Sicher … Digger … Freunde der Sonne … checks‘t du‘s … ich check‘s nich‘ … ich check‘s Digger.

Zum Glück verwenden sie noch das Wort „geil“ recht häufig, dadurch komme ich noch ganz gut mit und verstehe worum es geht.

Beim Auflauf der Gegner werden unseren Spielern (und dem hier schreibenden Vater und dessen Bruder) die Knie weich. In Spandau scheinen Jungs in dem Alter größer und breiter zu sein. Im Spielfeldrand finden sich zusätzlich zwölf halbstarke Anhänger der gegnerischen Mannschaft ein. Sie balzen und rangeln untereinander, sie sind laut, ich verstehe kein Wort, vielleicht auch ganz gut so.

Es war ein raues Spiel, der Schiri war vom Gegner gestellt und stand immer 80 m weit weg vom Geschehen, es wurde viel beschwert und diskutiert. Die Jungs haben gekämpft und haben ganz schön gelitten, aber sie haben 8:0 gewonnen, durch Technik und Köpfchen! Während des ganzen Spiels knisterte es über dem Platz und jeden Moment drohte das Ding irgendwie zu eskalieren. Ich war zwar als „Verstärkung“ mitgekommen, aber üblicherweise kämpfe ich ja mit Worten und bin im Nahkampf absolut ungeeignet.

Nach dem Abpfiff wurde es dann bei den Kabinen noch mal etwas brenzlig. Ich zeigte da einfach nur Präsenz und guckte mürrisch drein, das kann ich ganz gut. Und dann aber ganz schnell zum Auto und ab nach Hause. Und natürlich noch ein Stop beim nächsten Burger-Bräter, die Gemüter abkühlen und die Akku‘s auffüllen.

Glückwunsch Jungs, gut gemacht und verdient gewonnen, aber irgendwann kommt wohl der Tag, an dem es mal kracht.

PS: Titelbild via ChatGPT

634) 8. Mai

Fährt man von Osten in die Stadt Berlin rein, dann ist es recht wahrscheinlich, dass man über die Landsberger Allee anrollt. Und dann kommt man an einer Villa vorbei, sie nennt sich heute „Haus der Befreiung“ (>Wiki). Sie ist ein Eye Catcher, denn schließlich prangt ein großer roter Stern an der Giebelwand. Lange Zeit war das Gebäude mit Bauplanen verhängt, und ich dachte zunächst, es wäre ein Protest gegen die russische Invasion in der Ukraine, aber es war wohl wirklich „nur“ eine Renovierung, und nun ist sie pünktlich beendet.

Am 8. Mai 2025 jährt sich das Kriegsende zum 80. Mal und dort kriegt man ungefähr einen Eindruck, wie sich die rote Armee damals in Richtung Stadtkern durcharbeitete. An der Ost-Wand prangen drei Schriftzüge. „Sieg“, „Nach Berlin“ und 21. April 1945.

Von dort sind es noch mal ungefähr 16 Kilometer bis zum Reichstag. Heute ein Fußmarsch von dreieinhalb Stunden, schneller mit dem E-Roller, damals ein Kampf von gut zwei Wochen bis zur Kapitulation. Mit wer weiß wievielen Toten auf beiden Seiten.

Obwohl ich 30 Jahre nach Kriegsende geboren wurde, schien das Thema in meiner Kindheit „für immer“ präsent zu sein. Es wurde regelmäßig besprochen, in den Medien, in der Schule, in den politischen Organisationen. „Nie wieder!“ und das ist ja auch gut so.

Hitler war für mich ein Monster, die Person Adolf Hitler war in den Ost-Deutschen Medien kaum zu sehen, vielleicht mal schwarzweiß im Schulbuch, aber nicht in Bewegung, auch kaum seine Reden. Die Sowjets wurden für uns die (befohlenen) Freunde, die Amerikaner die bösen Imperialisten, die ihre Pershings auf den Osten richteten. Nicht einfach, aber immerhin klar.

Mit der politischen Wende in den 90-er Jahren änderte sich das dann wieder per Kommando. Die Russen mussten abrücken, wurden vom Freund zum Geschäfts-Partner, die Amerikaner waren nun die neuen Freunde und durften auch bleiben. Go West! Yippie yeah. Great, awesome!

Nun scheinen beide Länder keine Freunde mehr zu sein, dafür sieht man Hitler fast täglich im Fernsehen, gern auch nachcoloriert, damit man sich das besser vorstellen kann. Die Mediatheken sind voll von ihm, gern auch mit Eva Braun und Schäferhund auf dem Obersalzberg. Widerlich. Fehlt bloß noch, dass sie mittels KI gemeinsam an einem Eis schlecken.

Und dass es die über 2 Mio Sowjets (Internet) schon einmal zu Fuß, per Pferd oder per Panzer nach Berlin geschafft haben, macht aktuell noch mehr nachdenklich.

Ich fahre oft an dem Haus vorbei und denke drüber nach.