230) Ruf nach Freiheit – Teil 2

In meinem Beitrag > Ruf nach Freiheit, habe ich Beobachtungen entlang der Freiheits-Demo-Schnitzeljagd vom 29.08.2021 notiert. Der Beitrag endete etwas ratlos, mit vielen Fragezeichen. Also habe ich weiter drüber nachgedacht und mit anderen diskutiert.
Spoiler: Es gibt noch mehr Fragezeichen.

Also wer sind sie, was könnte sie antreiben, was ihr Motiv sein?

  • Leben sie vielleicht sonst in einer Kuschelweich-Comfort-Zone und müssen nun zum ersten Mal unangenehme Einschränkungen erleben? Sind sie deshalb so verunsichert und schreien „Diktatur“, wenn es darum geht ein Stück Zellulose vor der Futter-Luke zu tragen und eine Zeit lang mehr Spielregeln zu folgen als sonst?
  • Oder geht es ihnen wirklich so dreckig? Haben sie in den letzten Monaten erhebliche Nachteile erlitten? Wirtschaftlich, gesundheitlich, vielleicht jemanden verloren, der ihnen nahestand? Haben daraus einen Frust gegenüber der Regierung aufgebaut und wollen diesem nun lautstark Luft machen?
  • Haben sie selbst schon einmal ein diktatorisches System erlebt und wissen noch gut, wie das war? Halten sie sich dadurch für qualifiziert zu erkennen, dass wir angeblich schon wieder auf dem Weg in eine „Diktatur“ sind? Spüren sie einen Erfahrungsvorteil und meinen daher ganz besonders zu wissen, worüber sie reden?
  • Eventuell sind es aber auch Charaktere, die von Geburt an echte Freigeister waren, die es schon immer schwer hatten, sich in Regelwerke einzufügen? Aber wie stellen sie sich das vor, wenn hier jeder maximale Freiheit anstrebt? Oder würden sie dann „ganz unter sich“, ein neues gemeinsames Verständnis von Freiheit aushandeln? Und wären sie dann eigentlich wirklich „frei“?
  • Oder sind es Köpfe, die mit all ihrer Freiheit überfordert sind? Das Leben in Freiheit ist ja auch anstrengend. Es gibt so viele Entscheidungen, man muss sie für sich treffen und kann im Nachgang niemanden dafür verantwortlich machen. Aber wenn sie da nun „Freiheit“ fordern und irgendwelchen Rattenfängern folgen, wünschen sie vielleicht insgeheim jemanden, der ihnen diese Entscheidungen, also die Freiheit, wieder abnimmt?
  • Möglicherweise fühlen sie sich auch von Komplexität überrollt? Die Dinge um uns herum werden immer komplizierter und das kann intellektuell überfordern. Zusammenhänge zu verstehen oder sogar noch anderen zu erklären, ist echt nicht ohne. Suchen sie vielleicht einfachere Antworten? Ist es da leichter, aus Fakten Fake zu machen und andere zu überzeugen, dahinter steckten elitäre Strippenzieher, die uns allen etwas vormachen? Aber sie können das nicht nachweisen, denn dazu bräuchten sie wiederum Fakten, die sie weder haben noch akzeptieren. Also bleibt dann doch nur, auf den Staat zu schimpfen und laut nach „Freiheit“ zu rufen?

Und damit sind wir schon wieder beim Anfang des Beitrags.

<— Ruf nach Freiheit – Teil 1

229) Corona-Lektionen 98

Nächste Woche öffnen BaWü und Bayern wieder ihre Schultore … und die Fenster. Ja, das „Extreme-Lüfting“ beginnt wieder und wenn das Kind die C-Karte gezogen hat und an der Fensterseite sitzen darf, kann man schon mal dicke Pullies besorgen. Aus den Lüftungs-Hoodies des letzten Jahres sind sie vermutlich schon rausgewachsen und die Luftfilter wird’s erst geben, wenn die Mars-Landung geglückt ist. Vorher hat man für solch komplexe Aufgaben keine Kapazitäten.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Impfen 1
Impfen macht müde. Erst mussten wir auf den edlen Stoff warten, dann wurde er Ende letzten Jahres unter Polizeischutz über die nächtlichen Autobahnen verteilt und am 27.12.20 fand er den Weg in die ersten Deutschen Oberarme. Erst 9 Monate sind seither vergangen, der Stoff stapelt sich in den Regalen und wir diskutieren und diskutieren, wie die Impfquote im Land der Dichter und Querdenker erhöhen können. Mit Appell, Motivation und Überzeugung oder durch Druck, Sanktion bis hin zu Zwang. Wenn mich Kollegen aus Asien fragen, wie es denn bei uns so vorwärts geht, weiß ich gar nicht was ich sagen soll. Wie soll man das erläutern? Dabei fehlt es mir nicht nur an den passenden Vokabeln, sondern mir bleibt einfach die Spucke weg.

Impfen 2
Wenn ich dann sehe, wie die Dänen ihre Corona-Regeln und die nationale Ausnahme-Situation aufheben, da kann ich schon neidisch werden. Und sie machen das nicht, weil ihnen der Virus und die erkrankten Menschen egal sind, nö, sie können sich das mit einer Impfquote von schlapp 80% leisten. Nun werden wir sehen, wie sie damit durch die kalten Monate kommen, aber es zeigt doch recht eindrücklich, wie vermeintlich einfach die Geschichte doch sein könnte. Bei der großen Datenkrake suchte ich nach den Impfquoten im internationalen Vergleich. Ganz oben standen Malta und Gibraltar. Und da kann man gern schmunzeln … ja ja … Zwergstaat … is’ ja auch einfacher … klar. Mit den nächsten 8 Ländern ergab sich eine Top 10. Deutschland war nicht dabei. Ich klickte „View more“, weitere 10 wurden nachgeladen und in den Top 20 war dann schwarz-rot-gold zu finden … war aber Belgien … dann wieder „View more“ … nix … noch mal „View more“ und immerhin stehen wir am Ende der Top 40. Es ist deprimierend, ich muss das Thema wechseln, ich will den Beitrag nicht so enden lassen.

Wortwahl
Ich werfe einen Blick auf die Übersicht der aktuellen Corona-Regeln für unsere Stadt. Was für eine eigenartige Sprache … ich glaube darin sind wir aber nun aber wirklich Weltmeister. Der Begriff „Körpernahe Dienstleistungen“ klingt ja schon bizarr, aber lädt immerhin zu Phantasie ein. Beim Terminus „Prostitutionsbetriebe und Bordelle“ kann es einem schon wieder gleich vergehen. Das klingt nach Groß-Schlachterei und man benötigt dort ein „Hygienekonzept, Termin, FFP2-Maske und Test*“, das kleine Sternchen ist weiter unten erläutert. Schüler müssen keinen Test mitbringen. Erleichterung. Schön sind auch „ Tanzlustbarkeiten im Freien“ und „allg. Erwachsenenbildung, Musik-, Jugendkunst-, Jugendverkehrs-und Gartenarbeitsschulen“.

Herrlich!
Schönen Sonntag
T.

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228) Corona-Lektionen 97

Die 4. Woche nach den Ferien ist absolviert, die Inzidenzen bei den Kindern stiegen an, halten sich aber stabil. Die Infektionen bei den jungen Erwachsenen nehmen mächtig zu und das liesse sich ja nun relativ einfach verhindern. Unser Regierender Bürgermeister verschickte neulich poppige Postkarten und rief in mehreren Sprachen zum Impfen auf. Ein Versuch ist es wert.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

0G
Habe ich in Beitrag 96 dieser Reihe, noch über alle möglichen G-Varianten philosophiert, hat der Döner-Mann um die Ecke dieses komplexe Regelwerk bereits übersprungen. Während ich mit FFP2 meine „Kantine“ betrat, schauten mich Personal und andere Gäste verwundert an. Sie trugen alle „oben ohne“ und ich gab hinter meinem Kaffee-Filter die Bestellung auf.

Er: „Bitte?“
Ich: „Einen Pöner pitte“.
Er: „Salat alles?
Ich: „Ja, pie immer, Palat allep und scharp/knoblaup“.

Er hatte Schwierigkeiten mich zu verstehen, aber wir hatten in den letzten 18 Monaten ja häufiger das Vergnügen miteinander. Mittlerweile kennt er meine kulinarischen Vorlieben. Und ich winke ihm schon zu, wenn ich mal an dem Laden vorbeilaufe. Mit der Küche sollte man sich immer gut stellen, habe ich gelernt. Das galt schon in Aula und Mensa, auf Klassenfahrten und während einer Pandemie gilt das natürlich erst recht.

Jubiläum
Bald feiere ich Jubiläum. Am 10. September erreiche ich 18 Monate Höhlenoffice. Bis auf Urlaub und Wochenende ganz ohne Unterbrechung. Nix Büro, Nada Dienstreise, Niente „face to face & skin to skin“ mit Kollegen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie lange man doch ohne Chef:In auskommt, oder? Aber zurück zu meinem Jubiläum. Leider können die Kollegen nicht zur Party kommen. Denn die hocken ja auch alle noch zu Hause. Wir werden uns also virtuell befeiern und an die letzten Meetings im Frühjahr 2020 erinnern.

Höhlenoffice
75% meines Höhlen-Teams hier, sind bereits wieder tagsüber unterwegs. Schule und Büro fordern Präsenz. Das gibt mir in der Höhle die volle WiFi-Power zurück, aber ich merke auch, dass wieder mehr „Organisation“ in den familiären Alltag Einzug hält. Elternversammlung, Arbeitswege, Bahn-Streik, Joggen, Arzttermine, Klassenarbeiten, Fußballspiele und so weiter. Und die Straßen sind wieder deutlich voller, es ist wieder lauter geworden und die Menschen sind ruppiger zueinander.

Ist das schon wieder das „old normal“?
Oahhhh nee, bitte nicht!

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Mehr lustig Döner gibts hier 😉

224) Corona-Lektionen 96

Die dritte Schulwoche nach den Sommerferien ist absolviert und ich habe tagsüber immer noch Hoheit übers heimische WLAN. Wer hätte das gedacht. Ich war sogar auf einer Elternversammlung. Ganz konventionell, im Klassenraum. Mit Kaffee-Filter vor dem Gesicht, konnte ich gut nachfühlen, wie es den Kids dort gehen muss. Auf die besorgte Frage einiger Eltern, was denn so der Plan für den Umgang mit einer möglichen vierten Welle wäre, folgte seitens Schule ein stammelndes … „ähhhm … na dann … machen wir über die Lernplattform weiter … wie bisher“. Wie bisher? Oh Graus.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Mehr oder weniger G?
Kaum war „3G“ letzte Woche als neuer Deutscher Standard implementiert, experimentiert die Hansestadt Hamburg nun mit einem Optionalen 2G Modell. Was hier klingt wie ein veralteter Handy-Tarif, bestimmt nun, wie man dort am öffentlichen Leben teilnehmen darf. Und was meint das doch gleich? Geföhnt und Geschminkt? Geimpft und Gechipt? Geschnitten oder Gewürfelt? Gebraten oder Gekocht? Geschüttelt oder Gerührt? Mit 1-2 g kann der Körper ja noch ganz gut umgehen. In der deutschen Provinz ist man schon froh wenn man 3G hat, 4G sind da utopisch, die Chinesen wollen uns 5G bringen und man forscht sogar schon an 6G. Bei den G7 und G8 wir’s schnell politisch und die GSG-9 klopft besser auch nicht an die eigene Wohnungstür. Meine Güte, wer hätte eigentlich gedacht, welches Ordnungspotential der Buchstabe G so hat, oder? Die Berliner Polizei stellt sich mit einem „Großeinsatz auf Demonstrationen von Gegnern der gesetzlichen Regelungen“ am Wochenende ein. Eine kleinere Demo sei wohl genehmigt worden, weil von den 500 angemeldeten Teilnehmern keine Gefahr für die Gesellschaft ausgehe.

Weiter schreibt die Welt: „Die Polizei geht davon aus, dass eine Vielzahl von Menschen den Demonstrationsverboten nicht folgen wird. Deshalb werde man „die Versammlungsverbote durchsetzen, entsprechend präsent sein und insbesondere das Regierungsviertel schützen“, hieß es“. Seit Mittag kreisen zwei Hubschrauber über der Innenstadt, na hoffentlich geht das gut und gerät nicht ganz und gar außer Kontrolle.

Impfen
Auch hier gibt es interessante Entwicklungen. Einzelne Airlines preschen vor und wollen für ihr Personal verpflichtende Impfungen durchsetzen. Das ist dahingehend interessant, weil das selbst im Gesundheitsweisen oder im Staatsdienst m.W. noch nicht angekommen ist. Ich bin gespannt wie das weitergeht, dann das wäre ein Novum, dem andere private Brötchengeber dann sicher folgen wollen. Nun kann man sicher diskutieren, ob ein Arbeitgeber das dürfen soll oder nicht, aber ich halte das in gewissen Berufsgruppen eigentlich für angemessen. Noch interessanter würde ich die Diskussion mal in Zusammenhang mit dem Beamtentum finden. Zitat Wiki: „Während ihrer Dienstzeit sind Beamte einer gesteigerten Bindung an den Staat ausgesetzt, welche in ihrer Intensität über die normale Bindung des Bürgers an den Staat hinausgeht. Beamte stehen also in besonderer Nähe des Staates; sie sind dessen Repräsentanten. Infolgedessen können die Grundrechte von Beamten eingeschränkt werden.“
Ei, ei, ei …

Inzidenz
Die Inzidenz soll nicht mehr der Hauptindikator für die Bewertung des Infektionsgeschehens sein. Ist nachvollziehbar. Aber schade eigentlich, wirkte man als Privatmensch doch ausgesprochen informiert und auf dem besten Wege zu einer Karriere zum Stammtisch-Epidemiologen, wenn man die Inzidenz-Werte seiner Nachbarschaft auswendig konnte. Nun kommt die sogenannte „Hospitalisierungsquote“ hinzu. Ach herrje … was? Gibt‘s denn da keine Abkürzung für? HQ ist schon belegt, heißt üblicherweise Headquarter. Und Ho-Quo klingt irgendwie nach vietnamesischem Nudelgericht. Hat jemand geeignete Vorschläge?

Schönes Wochenende
T.

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223) Corona-Lektionen 95

Die Kids sind seit 2,5 Wochen wieder in der Schule … und … sie sind bislang nicht wieder nach Hause geschickt worden. Das allein ist schon ungewöhnlich, denn in anderen Stadtbezirken geht schon wieder die Pest … ähm … sorry …, bitte jetzt Ruhe bewahren, … ich meine natürlich, … die Post ab. Mit einer 7 Tages-Inzidenz von schlapp 70 ist Berlin mit dabei auf den ersten drei Plätzen. 

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

3G
Es gibt hier nichts Neues zu berichten, was nicht auch woanders nachzulesen ist. Trotzdem will ich ein paar Dinge dokumentieren … man vergisst ja so schnell. Die STIKO empfiehlt nun die Impfung der 12 bis 17-jährigen Kinder, wer Dienstleistungen oder Kultur in Anspruch nehmen will, muss 3G sein (ein G davon reicht aber schon 😉 und ich denke, die meisten schauen recht skeptisch auf Herbst und Winter. Oder etwa nicht?

Mangel
Wenn ihr im Hotel übernachten wollt, solltet ihr vielleicht euren Staubsauger einpacken, geht’s zum Candlelight-Dinner in ein Restaurant, kann ich das Buch „Eindecken für Anfänger“ empfehlen. Vorher! Denn es mangelt überall an Service-Kräften. Und wenn ihr eine findet, klagt sie vermutlich, wie allein sie doch ist. CheckIn, Ausschank, Tischabräumen und Bettenmachen zugleich. Da hilft auch kein Händeklatschen auf dem Hotel-Balkon mehr. Denn es hört keiner mehr zu. Weil sie weg sind. Und da sich unser Heimatland so herzlich-offen für ausländische Arbeitnehmer zeigt, bleibt wohl erst einmal nur eins: Mach‘ es selbst oder verzichte!

Bahnfahren
Seit Beginn der Pandemie bin ich nicht mehr geflogen und selbst mit der Bahn habe ich keine größeren Distanzen zurückgelegt. Kürzlich war es aber dann mal wieder so weit, ein Drei-Stunden-Trip mit der Bahn stand an. Und ja, Reisen verlernt man so schnell nicht, wenngleich ich aber etwas mehr Reisefieber verspürte als früher. Beim Einstieg am Hauptbahnhof, war es mir dann schon wieder vergangen. Was für ein Gedrängel durch die schmale Tür. Lange her, dass ich fremden Menschen so nahegekommen bin. Im Großraum war es auch nicht besser. Alle Plätze waren ausgebucht, selbst in den Gängen standen Fahrgäste. Am Bahnhof Gesundbrunnen, sprach der Zugchef durchs Mikro, dass der Zug zu voll sei und er den kompletten Zug überprüfen müsse, um sich einen Überblick zu verschaffen und dann zu entscheiden „ob“ es weitergeht. Das gab’s auch schon vor Corona, aber mit Corona ist es schon etwas gruselig. Da hilft auch 1G+FFP2 nicht.

Herbstreise
Die Idee, im Oktober vielleicht noch einmal ins Warme zu reisen, wurde ca. 72 Stunden nach der Idee bereits wieder kassiert. Die ausgeguckten Ziele sind mittlerweile wieder zu Hochrisiko-Gebieten erklärt worden und irgendwie fehlt mir die Lust, wieder verschiedene Optionen zu buchen, damit am Ende wenigstens eines Erfolg verspricht. Das „Suchen, Buchen und Fluchen“ kostet Zeit und die ist mir sehr kostbar.

Mal sehen was alles noch so kommt … 

T.

<— Corona-Lektionen 94

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39) Wenn Bots bloggen (13) – Krisen

Hallo ich bin es wieder, T.Bot. Der Online-Lakai von T., dem Blogwart hier. Ihr habt wohl geglaubt, mir ist der Strom ausgegangen oder mir fällt nichts mehr ein, oder? Weit gefehlt!

Nur weil ich nicht pausenlos geistige Ergüsse in den digitalen Äther postulliere, heißt das noch lange nicht, dass ich im Standby bin und mir auf der virtuellen Couch die Plauze kraule.

Der T. hat gerade etwas viel um die Ohren, außerdem hat sein Tablet auf dem ich hier wohne einen Schaden erlitten. Links unten zerbröselt das Glas, es knirscht im Kasten, das Display löst sich so langsam auf. Wenn ich nun also von meinem Platz in die Welt schaue, sehe ich von mir aus rechts, nur noch kristallin oder besser gesagt, nichts. Ich habe ihm gesagt, dass ich auf dem rechten Auge blind werde. „NIEMALS!!“, brüllte er durch sein Höhlen-Office.

Während er sich nun also um Hardware-Ersatz bemüht, hat er mich gebeten, die Entwicklungen zu beobachten und dann hier zu kommentieren. Und ich muss sagen … ich bin entsetzt.

  • Da regnet es in zwei Bundesländern mal deutlich mehr als sonst und schon herrscht da Weltuntergang. Häuser, Autos und Menschen schwimmen weg. 30 Milliarden EUR Sachschaden werden aktuell beschätzt. Das ist üppig. Wenn man bedenkt, dass das heutige Klima vor ca. 20 Jahren gemacht wurde … dann zieht euch mal warm an. Oder zieht euch besser aus. Denn es wird wärmer.
  • Apropos „wärmer“. In Süd-und Osteuropa fackeln Wälder und ganze Landstriche ab. Die Leute dort hätten sicher gern einiges von dem Wasser aus dem Norden abgenommen. Stattdessen stehen sie da teilweise mit Gartenschläuchen und kämpfen gegen Feuerwalzen an.
  • Das Corona-Virus scheint euch immer noch vor sich her zu treiben. Da habt ihr nun endlich ausreichend Impfstoff in den Regalen, aber ihr kriegt das Zeug nicht in die Oberarme der Erwachsenen gepumpt. Ehe ihr es also im Klo entsorgt, habt ihr nun den Freibrief der Wissenschaftler erhalten, die edlen Tropfen in die Kinder zu entsorgen. Na dann, also los. Ärmel hoch, Kinder! Wenn es die Alten nicht gebacken kriegen, dann müsst ihr halt ran.
  • Religiöse Extremisten erobern in wenigen Tagen ein Land (halb so groß wie Deutschland) zurück. Ob sich Armee und Sicherheitskräfte dieser Entwicklung entgegenstellt haben, lässt sich schwer beurteilen, es ging erstaunlich schnell. Vielen Menschen haben Angst, sie stürmen den Flughafen, wollen sich vor diesen irren Eiferern da in Sicherheit bringen. Es sieht nicht gut aus. Aber China ist an konstruktiven Beziehungen mit den neuen Machthabern interessiert. Na Großartig.
  • Im Sommerinterview tritt ein Funktionär dieser blauen Partei auf. Sitzt da im Regierungsviertel unterm Pavillon und meint, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Die Antworten frappierend einfach.

Dann habe ich ausgeschaltet. Ich glaube, ihr Menschen habt da echt ein paar ernsthafte Probleme

Ich melde mich wieder.

Euer T.Bot

<— Wenn Bots bloggen (12) – Reisen

–> Wenn Bots bloggen (14) – Kandidatur

219) Corona-Lektionen 94

Am Montag soll in Berlin die Schule wieder starten. In voller Klassenstärke, maskiert, getestet und intensiv belüftet. Mit jedem Wort dieser Einleitung werfen sich Falten auf meiner Stirn auf. Hoffentlich geht das gut.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Kino
Ja, wir haben es mal wieder gewagt. Wir waren in einem Lichtspieltheater! Ihr wisst, so eine Einrichtung, wo man gegen Entgelt bewegliche Bilder auf einer Leinwand dargeboten bekommt. Inclusive erhitzen Maiskörnern, dunkler Brause aus Übersee und Tex-Mex-Tortilla-Chips mit warmer Käse-Sauce und grünen Chilli-Schoten. Eine nette Abwechslung, allerdings sollte man für das Eintritts-Procedere immer einen Pandemie-Zweit-Akku dabeihaben. Noch an der Tür wurde der digitale Impfpass kontrolliert, dann galt es bei Luca einzuchecken und natürlich die Tickets auf dem Handy vorzuzeigen. Mit FFP2 Kaffee-Filter vor dem Gesicht, die Hände voller Snacks, Getränke und Corona-Apps arbeiteten wir uns zu unseren Plätzen vor. Die Plätze wurden nur paarweise vergeben, unsere Brut also 5 Meter von uns entfernt platziert. „Der, der da so laut lacht und mit der Chips-Tüte raschelt??? Keine Ahnung, nee, der gehört nich’s zu uns, da müssen sie mal jemand anders fragen“ 😉

Demonstrationen
In den letzten Tagen wurde wieder gegen die Anti-Corona-Maßnahmen demonstriert in Berlin. Beobachter sprechen davon, dass das nicht mehr die heterogene Menge war, wie letztes Jahr, sondern ein verbitterter, gewaltbereiter Kern, der aus dem halben Bundesgebiet herangekarrt wurde. Zum einen ein bisschen beruhigend weil es so wenige waren, zum Anderen aber verstörend, weil diese Typen unberechenbar sind. Die Demo war verboten. Ich muss zurückdenken, als die ersten Demos genau vor einem Jahr in Berlin stattfanden. Bei einer Demo war ich ja selber als Beobachter dort und habe mir mal ein Bild gemacht

Rückblick August 2020:

Corona-Lektionen 37
Corona-Lektionen 39
Corona-Lektionen 40
Corona-Lektionen 41
Corona-Lektionen 42

Impfen
Das Impfen erhitzt die Gemüter, ganz besonders, die Diskussionen, ob geimpfte Menschen eher weitere Vorteile oder nichtgeimpfte Bürger eher Nachteile bekommen. Nichtgeimpfte Menschen von Restaurants und Veranstaltungen auszuschließen finde ich affig. Ich bin dafür, dass die Tests für Erwachsene irgendwann kostenpflichtig werden, dann wird sich das der Ein oder Andere noch mal überlegen, wenn man vor dem Kneipen-Besuch erst einmal 30 EUR für zwei Tests hinlatzen muss…

Die beste Nachricht der Woche erreichte mich Mitte der Woche:  Astrazeneca-Bestände werden an die internationale COVAX-Initiative abgegeben.

Das war auch längst überfällig!

Schönen Sonntag!

<—Corona-Lektionen 93

–> Corona-Lektionen 95

218) Corona-Lektionen 93

Wir gehen in die letzte Ferien-Woche, die Ferien in Bayern und Baden Württemberg fangen gerade erst einmal an. Ausgewählte Clubs in Berlin dürfen im Rahmen eines Pilot-Projekts öffnen, im  Nachbarbezirk Friedrichshain/Kreuzberg geht die Inzidenz wieder auf die 45 zu. Mhm.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Dienstreisen
Letzte Woche stand ich noch auf dem Eiffelturm. Um da hoch zu kommen, mussten wir Sicherheitsschleusen passieren. Rucksäcke, Taschen wurde durchleuchtet, die Besucher auch. Eigentlich ein völlig banaler Vorgang, aber Erinnerungen blitzen kurz auf. Das letzte Mal, dass ich so eine Sicherheitskontrolle passierte, war Mitte März 2020. Auf meiner letzten Dienstreise. Seitdem saß ich in keinem Flugzeug mehr. Und selbst wenn dienstliches Reisen mal wieder möglich wird, glaube ich, dass das Innerdeutsch wohl nicht mehr per Flugzeug sein wird. Na ja, hat ja auch was Positives. 

Anti-Corona-Besteck
Da wo wir über den Champs-Elysées gebummelt sind, gab es schon wieder Demonstrationen gegen die dortigen Corona-Regeln. Laut ARD liegt die 7-Tage-Inzidenz in Frankreich bei 214, etwa 47% der Franzosen sind vollständig geimpft. Da wundert es mich nicht, dass die Regierung da die Maßnahmen verschärft. In Paris stehen zwar überall Desinfektionsspender, das Tragen von Masken in der Bahn ist Pflicht (allerdings nur das dünne OP-Modell) und es drohen Strafen von 135 EUR wenn man es nicht tut. Allerdings, als ich gesehen habe, wie eng die Menschen in den Restaurants am Mont Saint Michel aufeinander hockten, da wurde mir schon ganz anders. Aber wir müssen da gar nicht so sehr auf die Nachbarn schauen. 52% Impf-Quote in Deutschland sind auch nicht so üppig. Das sind ca. 40 Millionen Bürger. Wenn man mal für den Moment ca. 13 Millionen Kinder unter 18 Jahre abzieht, bleiben immer noch 27 Mio Erwachsene (33%), die noch keinen Impfschutz haben. Weil sie noch nicht dran waren oder nicht wollen. Und da bin ich gedanklich eher bei der STIKO. Bevor die Kids nun den Arm hinhalten sollen, um eine bessere Impf-Quote zu erreichen, müssten erst einmal um Ü18-Segment die Hausaufgaben gemacht werden. Denn wenn Kids anscheinend wenig anfällig für das Virus sind und Erwachsene „durchgeimpft“ sein würden, dann wäre es doch eher egal, ob die Kids dann immer noch Überträger bleiben. 

Rückkehr
Und da jede Reise mal ein Ende hat, wartet irgendwann die Rückkehr. Während wir letzte Woche noch frei über Grenzen fuhren, ist 3G ab heute nun Pflicht und deutlich mehr Kontrollen sind angekündigt, egal ob man mit Bahn, Flugzeug oder Auto einreist. Aber da war noch ein anderer Aspekt, der unsere Rückreise anders machet als „früher“. Als ich die Wohnung betrat und die Taschen fallen ließ, stand ich quasi schon direkt wieder im Büro. Grmpf. Da musste ich erst einmal schlucken. Das Höhlen-Office ist ja auch noch da. Welcome back.

An alle die, die jetzt erst in die Ferien fahren: Genießt es.

<—Corona-Lektionen 92

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50) Postkarte aus Paris (incl. Corona, Diesel und Chemie-Unfall)

Liebe Leser, wenn ich in dieser Kategorie sonst gern über Skurrilitäten im Ausland schreibe, möchte ich es diesmal anders machen. Es wird eher ein Abriss des Drumherums.

In Kurzform:

  • Schon im dunklen Januar überlegten wir mögliche Ziele für den Sommer. Nicht nur das „Erlaubte“ sollte uns leiten, sondern auch die „Vernunft“. Die Entscheidung fiel gegen ein Flugzeug, eher für das Auto mit Ferienwohnung. Jederzeit abbrechbar. Frankreich.
  • Ende März gingen die Corona-Zahlen in Frankreich wieder deutlich nach oben, wir buchten noch eine zweite Option in Skandinavien. Für den Fall der Fälle. Strände und Dünen schienen uns zu dem Zeitpunkt realistischer als „Savoir Vivre“.
  • Mitte Juni ist auf einmal beides möglich, die Entscheidung fällt für Frankreich, in den nächsten Tagen lauschten wir auf mögliche Veränderungen bei den Franzosen. Es schien zu klappen.
  • Zusätzlich musste aber noch eine Übernachtung in Deutschland kurz vor der Grenze her, um eine Testmöglichkeit für die Kids zu haben … Einreisevoraussetzung. Auch organisiert, Test inklusive. Alles machbar.
  • Dann erfuhren wir von neuen Umweltzonen im Großraum Paris. Na großartig, das fehlte ja nun noch. Nach ausgiebigem Studium Deutscher und Europäischer Schadstoffklassen und Installation einer App … lertne ich … die Gegend wo unser Appartement liegt … nimmt daran noch nicht teil. Uff. Wir mussten nur die Anfahrt entsprechend einfädeln. Und ein Aufkleber musste her. Einer der aussagt, dass wir einen Diesel fahren und nicht in die Innenstadt fahren dürfen, obwohl wir eh nicht mit dem Auto in die Stadt fahren wollten, sondern mit der Bahn. Wieder lange Recherche, Online-Bestellung, ein paar Euro geblecht, per Post einen gelben Aufkleber der Klasse 3 aus Frankreich bekommen. Vermutlich mit einem Diesel.
  • In Frankreich erreichten uns die üblen Bilder aus Deutschland. Eine Regenflut spülte Straßenzüge weg, Häuser, Autos und Menschen. Es gibt viele Tote. Das Klima vermutlich. Etwas südlich der Gegend, wo wir vor ein paar Tagen noch über die Autobahn gegurkt sind. Hat das Einfluss auf die Rückfahrt? Recherche.
  • Zeitgleich erhielten wir Infos aus Paris, dass wir zum Besuch der gebuchten Sites ein französischen „Pass Sanitaire“ brauchen (Impfung oder Test). Anti-Gen-Schnelltests sind in der Provinz aber gar nicht so leicht zu bekommen. Wir recherchierten lange und fanden endlich ein Test-Center in Caen, was auf dem Weg lag. Online-Suche, Daten-Striptease, Terminauswahl, Bestätigungen, E-Mails, Schul-Französisch etc., p.p.
  • Stopp in Caen, Besichtigung der Burg, Zeit bis zum Test totschlagen, dann aber pünktlich zum Test-Center. Das war proppevoll … 40 Augenpaare schauten uns achselzuckend an … keine Organisation … keine Ansprechpartner, kein Check In …  DIN A4-Formulare nur in französisch. Wir sahen unsere Besichtigungen in der Hauptstadt schon platzen, entschieden uns also für die Weiterfahrt ohne Test …. recherchierten unterwegs, lasen genauer. Kinder bis 18 waren von der Regelung noch ausgenommen. Bis Ende August. Wir versicherten uns hier und da … es schien zu stimmen und war ja irgendwie ja auch logisch. Wie wollen die Franzosen während der Ferien alle ihre Kinder testen, wenn es so wenig Test-Center gibt???
    Anmerkung in eigener Sache:
    Ich habe > hier aufm Blog auch über den Abrechnungsbetrug von Test-Centern geschimpft und muss mich nun korrigieren. Wir haben wenigstens Test-Center an jeder Ecke. Besser so, als das Test-Theater in Frankreich.
  • Auf der Rückfahrt fuhren wir über den “kleinen“ Fluß namens „Erft“, den wir nun aus den Nachrichten kennen. Sieht ganz friedlich aus.
  • Bei Leverkusen türmt sich eine schwarze Wolke links von der Autobahn auf. Bloß schnell weg hier, wer weiß, was hier los ist. Wenig später war die Autobahn für mehrere Stunden gesperrt. Explosion. Wieder Tote und Vermisste …

Puhh … ganz schön viel drumherum. Da ergibt sich ein völlig neues Geschäftsfeld. Ein Begleitfahrzeug vollgestopft mit Technik für die „Mobile Travel Administration“.

 

217) Corona-Lektionen 92

Die letzte Folge meiner > Corona-Lektionen ist schon wieder drei Wochen alt. Da wird doch wohl etwa auf der Zielgeraden zur 100. Folge nicht etwa der Saft ausgehen, oder? Mit Nichten.

Teil 1 der Reihe erschien hier am 13. März 2020 und ich wollte nur ein paar Gedanken dazu loswerden. Zum Ende stellte ich in Aussicht, dass es vielleicht noch einen 2. Teil davon geben würde. Heute veröffentliche ich Teil 92 und dieser Teil ist etwas Besonderes. Denn es ist der erste Teil der Reihe, der aus dem Ausland veröffentlicht wird. Daher gehe ich den Beitrag auch etwas lockerer an 

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Delta
Ich habe keine Ahnung wie die Schule in drei Wochen wieder anlaufen soll, der Corona-Ticker für unseren Stadtbezirk bewegt sich schon wieder auf die 20 zu. Die Delta-Variante macht sich breit, ich habe etwas von „Delta plus“ gelesen, ich erwarte eigentlich noch „Delta XXL“, „Super Delta“, „Extreme Delta“ und „3 in 1-Delta“ … bevor wir dann endlich in die Epsilon-Klasse aufsteigen. Je suis désolé, je ne veux pas traîner le sujet dans le cacao

Masque Obligatore!
Wir genießen den Urlaub, auch wenn natürlich Corona hier immer noch „in aller Munde“ ist. Um die weitere Verbreitung zu verhindern, trägt man auch hier schicke Kaffee-Filter auf Mund und Nase. Und da wird das Urlaubserlebnis noch intensiver. Die Besteigung eines Leuchtturms mit FFP2 oder die Besichtigung einer alten Burg lassen halbwegs erahnen, wie sich Reinhold Messner ohne Sauerstoff auf dem Mount Everest fühlte. In einem Chateau hier um die Ecke, haben sie die komplette Beschilderung/ Wegführung „coronaesque“ gestaltet. Oder haben einfach die alten Schilder aus den Zeiten der Pest vom Dachboden geholt?

„Habt ihr eure Masken?“ hat wohl den Satz „Könnt ihr mich hören?“ als häufigst gesprochenen Satz der Menschheitsgeschichte abgelöst.

Les Schwurbliers
Auch in Frankreich gibt es Schwurbler. Der Online-Translator gibt mir auf Anhieb keine französische Entsprechung. Also erfinde ich selber eine. Ich nenne sie „Les Schwurbliers“. Das klingt besonders schön, wenn man es französisch ausspricht. Impfzentren gibt es natürlich hier hier auch, aber das nächstgelegene Institut ist nicht so einfach zu erreichen.

Krisen
Vor ein paar Tagen stand ich im Supermarkt vor dem Regal und sah schon wieder die nächste Pandemie kommen, auch wenn es dort eigentlich nur „weiches Brot“ gab. Oh man … ich habe echt eine Corona-Macke. Ich muss den Urlaub vom Höhlen-Office wohl noch verlängern.

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Wenn ich allerdings den Nachrichten aus Deutschland folge, werden da die echten Herausforderungen sichtbar. Unwetter, Zerstörung, Tote …übel.

Für den Moment bin ich heilfroh, an diesem friedlichen Ort hier zu sein.

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