195) Corona-Lektionen 81

Es fühlt sich zwar an wie März, ist aber Mai. Keine Sonne, wenig Wonne. Super Wetter gegen Virus- Spreader. … oh oh, das wird nun zu albern. Zurück zum Ernst.

Rückkehr in die Schule:
Das große Kind hatte nach 18 Wochen Abstinenz, die Schule dann doch wiedergefunden. Ab morgen heißt es für sie aber wieder „Schulisch angeleitetes Lernen von zu Hause“. Also im Wesentlichen „Selbststudium“

1. Der Präsenzanteil muss steigen! Nur so kann verhindert werden, das Kinder abgehängt werden und nur so können Eltern dann jemals wieder in ihrem eigentlichen Präsenz-Job nachgehen, sollte es mit weiterem Impffortschritt mehr Öffnungen geben.

2. Der Lehrplan muss hinterfragt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder keinen bleibenden Schaden davontragen, wenn sie in pandemischen Zeiten in Musik, Kunst, Textilarbeit und Sport etwas kürzer treten. Ich frage auch, ob es die richtige Zeit ist, die griechischen Götter oder Basketball-Regeln auswendig zu lernen. Jeder Personaler hätte doch Verständnis dafür, wenn es für zwei Jahre in diesen Fächern keine Noten auf dem Zeugnis gäbe. 

3. Und liebe Lehrkräfte, überlegt bitte, welches Unterrichtsformat in welcher Situation angebracht ist. Im Präsenzunterricht dann doch wieder Arbeitsblätter ausfüllen zu lassen, ist es ein Unding! Ach so … und noch etwas. Unsere Glasfaserleitung fühlt sich unterfordert. Sie hat noch freie Bandbreite, die könnt ihr gern noch mit Video-Unterricht auffüllen 😉

Rückblick
Manchmal rolle ich in meinen Corona-Lektionen zurück, nur um mal zu sehen, was ich denn da so vor einem Jahr gedacht habe.

In >Nummer 21 vom 02.05.202berichtete ich, wie ich das erste Mal mit Maske im Kaufland war und amüsierte mich prächtig über eine Kundin, die dort ständig „Bapu“ rief. Ist lustig 😉

In >Nummer 22 vom 05.05.2020 schrieb ich über erste zaghafte Schulöffnungen nach Lockdown 1 und wie sich das neue Gesichtstextil noch in die Familienroutinen integrieren muss.

In >Nummer 23 vom 07.05.2020 spürte ich eine erste Sättigung an Regeln und Vorschriften. Gleichzeitig fragte ich mich, wie es denn den Hamsterern so ergangen ist. Haben die 30 kg Ravioli gemundet? Ist die Rötung am Hinterteil wieder verschwunden?

Pandemie-Topping
Wem das aktuelle Pandemiegeschehen zu fad ist, wer noch etwas Sahne auf den trockenen Corona-Kuchen haben will, kann sich mal den Film „Contagion“ reinziehen. Den habe ich bei seinem Erscheinen vor zehn Jahren irgendwie verpasst, vielleicht fand ich den Inhalt damals auch irgendwie „unrealistisch“ und „an den Haaren herbeigezogen“. Es geht um eine Virus-Pandemie, die Suche nach einem Impfstoff, auftretende Mutationen, Verschwörungstheorien, Social Media, Angst und Panik. Damals hätte ich vermutlich gelassen in die Popcorn-Tüte gegriffen und den dort angesprochen R0-Wert sofort wieder vergessen.

Heute sind wir schlauer und erkennen, dass dieser Film doch sehr realistisch war.

Schönen Sonntag
T.

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194) Corona-Lektionen 80

Der 80. Beitrag dieser Serie, … nun ja, … was gibt’s neues? Nüscht! Nur Höhlen-Office, ein paar Besorgungen und ein regelmäßiger Blick aufs Thermometer.

Der Frühling kommt nur in kleinen Dosen. Und zwar gut gekühlt. Wir sollten ihn besser zuteilen … priorisieren sozusagen.

Ein paar Gedanken der letzte Tage:

Notbremse
Ein Bundesgesetz regelt nun diverse Dinge bei Erreichen bestimmter Inzidenzen. Für uns hat sich rein gar nichts geändert. Aber es ist eine großartige Errungenschaft, dass man nun bundeseinheitlich bis 00:00 Uhr joggen kann. Allein. Mich würde ja echt mal interessieren, welcher Kreis das nun wieder durchgedrückt hat. Jetzt mal Hand aufs Sportler-Herz. Wart ihr das? Geht Ihr echt um 23:00 Uhr allein joggen … 

Schule
Das große Kind darf wieder in die Schule gehen. Nach unglaublichen 18 (!) Monaten war ihre Klassenhälfte nun wirklich dran. Ich hatte ja schon Wetten angenommen, dass das vor den Sommer-Ferien nicht mehr klappt. Kurzzeitig überlegte ich, ob wir wohl ihre Schultüte noch irgendwo herumzuliegen hatten. Die hätten wir ihr mitgeben können. Aber diesen ironischen Spaß hätte man wohl missverstanden. Aber so ist das nun mal mit ironischen Statements inmitten angespannter Pandemie-Situation. Sollten man vorher drüber nachdenken. Seitenhieb … Video-Künstler … ihr wisst schon.

Indien
Der ein oder andere weiß, dass ich regelmäßig mit Indischen Kollegen zu tun habe. Natürlich sprechen wir schon ein ganzes Jahr über Corona. Lockdown, Einschränkungen, die Schule der Kinder und so weiter. Seit ein paar Tagen komme ich nun aber an die Grenzen meines Englisch- Wortschatzes. Und zwar wenn sie aus erster Hand berichten, was da aktuell los ist. Wenn Sie erzählen, dass Familienmitglieder in Krankenhäusern liegen (… wenn sie Glück haben …) oder schon „passed away“ sind. Dann sprechen sie weiter von „Oxygen-Shortage“, „lack of ICU“ und … cousin … nephew … mother in law … und so weiter. Dann kriege ich kaum ein Wort über die Lippen. Was soll ich da sagen?

Und dann fragen sie mich, was hier so läuft …

Frohes Nachdenken allerseits
T.   

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190) Corona-Lektionen 79

Was für ein Sauwetter da draußen, wird es eigentlich gerade noch hell oder schon dunkel? Schwer auszumachen, ähnlich wie bei Corona.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Schule:
Der Sohn geht morgen mal wieder in die Schule, die Tochter noch nicht. Denn sie ist „A“. Pech gehabt, denn nächste Woche darf nur „B“ kommen. Und wenn sich das C weiter so verbreitet und die Inzidenz nach oben treibt, wird „B“ vermutlich nicht mehr so schnell in die Schule gehen. Die Mittelstufe hockt nun schon seit 14. Dezember zu Hause, das sind 18 (!) Wochen. Während mir langsam die Kopfhörer an den Ohren festwachsen, hatte das große Kind letzte Woche ganze 2 (!) Video-Calls. Digitales Lernen? Distanzunterricht? Hah! Deutsche Astronauten machten die „Sendung mit der Maus“ schon von der ISS aus, aber unser Bildungsapparat kriegt es seit 13 Monaten nicht auf die Reihe, regelmäßigen Video-Unterricht anzubieten. Auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sagt Frau Karliczek „Wir brauchen Mut zur Veränderung“. Was soll ich dazu sagen? Mehr als „bmbf“ kommt mir da nicht über die Lippen. Auf der Homepage unserer Ober-Digitalistin Dorothee Bär berichtet man von einem „Digitalgipfel am 30. November 2020“ auf dem man die „Digitale Schule von morgen“ diskutiert. Übernehmt euch bitte nicht. Macht doch bitte erst einmal digitale Schule von gestern! Von letzter Woche. Von letztem Monat! Vom letzten Jahr!

Lockdown:
Machen wir nun alles dicht? Besser noch nicht, wir warten mal noch ein klitze-kleines Bisschen. Und erfinden mal lieber noch ein paar Regeln. Die „Übersicht“ der aktuellen Regeln war am Wochenende in der Morgenpost abgedruckt. Diese Übersicht nahm eine halbe (!) Seite ein. Kein Wunder, dass viele Leute keinen Bock mehr haben. Nicht falsch verstehen, es muss Regeln geben, aber es ist zu viel und manches liest sich doch absurd. Zwischen 21:00 und 05:00 Uhr des Folgetags sind Zusammenkünfte mit haushaltsfremden Personen verboten. Alkohol kann man dagegen noch bis 23:00 Uhr kaufen, bevor es dann bis 06:00 Uhr am nächsten Morgen keinen Tropfen mehr gibt. Oh, das ist schon hart, oder? Also ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber zwischen 22:30 und 05:30 Uhr liege ich normalweise im Bett. Vermutlich tut das die Mehrheit hier. Es gibt aber auch Idioten, die nachts im Park immer noch dicke Partys feiern. Sollen die Ordnungshüter doch mal bitte dort vorbeischauen. Jedem eine Ordnungsstrafe von 1.000 EUR, Intensivbettennutzungsverbot für die nächsten drei Jahre und den Park saubermachen. Mit der Hand!

Ich stelle fest, der Beitrag kippt ins Aggressive. Am besten ich mach jetzt mal Schluss für heute.

Und jetzt kommt auch die Sonne raus 😉

Schönen Sonntag noch

T.

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183) Corona-Lektionen 78

So, Ostern wäre nun auch geschafft. Das Wetter war grau, kalt und feucht, für Unternehmungen im Freien eher weniger geeignet. Bestimmt steckt die Regierung dahinter, oder? Die wollen uns wohl alle in den eigenen vier Wänden wissen. Das ist doch offensichtlich! Daher rufe ich nun laut „Freiheit!, Freiheit!, Freiheit!“ und „Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk!“

Tut mir leid, eigentlich wollte ich sachlicher beginnen, ich kann aber nicht anders. In den letzten Tagen stolperte ich wieder durch verschiedene Realitäten, es fühlte sich an, als hätte ich fünf Spielfilme hintereinander geschaut und weiß nun gar nicht mehr, worum es bei denen eigentlich ging.

Lockdown
Das vegane Osterlamm ist vernascht, die Flasche alkoholfreier Osterschnaps steht beim Glascontainer und das CO2-freie Osterfeuer ist auch abgebrannt. Aber ab Morgen ist Schluß mit der Völlerei! Morgen wird zurückgekehrt an den Corona-Verhandlungstisch. Harter Lockdown? Oder das bisherige Stop-and-Go auf Sicht? Oder besser doch alles öffnen bevor die Deutschland AG den Bach runtergeht? Ich weiß es doch auch nicht, aber ich glaube, dieses Waschen ohne sich nass zu machen bringt’s auch nicht. Da geht der Dreck halt nicht ab. Also dann. Hinein in die Duschkabine, Hebel voll auf kalt drehen und dann Wasser Marsch!

Stuttgart
Apropos „Wasser Marsch“! Die Bilder der Demo aus Stuttgart kann ich nur schwer ertragen. Jeder soll demonstrieren, wenn ihm etwas nicht passt. Absolut ok. Und er soll klar sagen, was er stattdessen will. Vollkommen in Ordnung. Von mir aus. Aber ich kapiere nicht, was sie eigentlich wollen? Ich sehe und höre nur „Stimmt nicht“, „Lügen“, „Fake News“ und „Diktatur“. Aber das ist doch kein Argument, kein Ziel, keine Position. Stattdessen laufen zehntausend Menschen dichtgedrängt und „oben ohne“ durch die Stadt und die Polizei lässt sie gewähren. Jedes Bundesliga-Spiel ist da besser abgesichert. Wenn das Schule macht … oh oh.

Impfung
Aber vielleicht noch was „Positives“. Rund um das Impfzentrum hier in der Nähe war über die Ostertage deutlich Betrieb zu vernehmen. Kleinbusse rollten vom nahegelegenen S-Bahnhof heran, Taxen fuhren mit Licht und Warnblinker vor und setzten die „Impflinge“ am Eingang ab. Bürger mit Zettel in der Hand befragen die Ordner in ihren schicken grünen Westen. 

„Wo is’n hia dit Impfsentrum“
„Isset etwa noch sehr weit?
„Ham ´se och Biontech?

In diesem Sinne. Ärmel hoch!

PS:
Und zum Abschluss noch etwas Humor: Auf der Suche nach einem Urlaubshäuschen bemühen wir die Übersetzungsmaschine. 

Und da steht doch glatt:

„Rote amerikanische Küchenhilfe:
Wenn du unsere rote Küchenhilfe verwenden möchtest, beachte bitte, dass sie aus den USA stammt und einen Adapter benötigt – andernfalls bricht sie zusammen.“

Pahh! Wusste ich’s doch!

<— Corona-Lektionen 77

–> Corona-Lektionen 79

182) Corona-Lektionen 77

Vor einem Jahr habe ich in >> Corona-Lektionen 10 noch drüber sinniert, was wohl “Positives“ aus der Krise erwachsen könnte. Nun, ein Jahr später haben wir über die Mutationen quasi eine neue Pandemie und hocken zu Ostern wieder daheim. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Realitäten
Eine Kollegin aus England fragte mich gestern, wie es denn bei uns so vorwärts ginge mit dem Impfen. Ich begann zu stammeln. „Ahhmmm … well … actually … slowly … very slowly … because other countries bought more than …, …. we are at … 5% (… weil „ihr“ alles aufkauft und nichts rausrückt ihr Linksfahrer !!!!!) … hätte ich am liebsten hinzugefügt. Habe ich dann aber doch nicht. Kann die ja auch nichts für. Und ich, als EU-Bürger bin ja schließlich nicht so egoistisch.

Mich erreichte eine Nachricht aus einem Slum-Resettlement im Süd-Osten von New Delhi. Wenn man da über die „Straße“ geht, steht man im Dreck. Ich war schon zweimal dort, ich weiß wovon ich rede. Zitat: „All schools and colleges are still closed here and its effected on the children education but children are online studying at home. I am also studying at home. What is your situation there?“ Was soll ich da antworten? Dass der Mathe-Lehrer ganze zwei Video-Calls in einem Jahr hingekriegt hat? Das für Studienräte in Deutschland „Lernmittelfreiheit“ besteht, man ihnen also die Medien nicht vorschreiben darf? Dass man „schon“ vor zwei Wochen ein Rahmen-Papier verabschiedet hat, wie das Home-Schooling künftig besser laufen soll. Ich lach’ mich schlapp. 

Die Osterferien haben gestern begonnen, viele Familien sind über alle Berge und vergnügen sich dort bei den sieben Zwergen. Oder bei den sieben Mallorcinos. Schön für sie. Und in Berlin munkelt man, ob die Ferien nach Ferien-Ende vielleicht noch einmal verlängert werden, um die Welle zu brechen. Um im heimischen Covid-Abklingbecken noch etwas auszudunsten, bevor die Brut dann wieder in die Schule geschickt wird. Welch klasse Idee! Nach zwei Wochen Fun auf Malle, gibt‘s dann vielleicht noch mal zwei chillige Wochen oben drauf. Na Großartig!

Wer hat noch nicht? Wer mag noch eine Runde? 

„Die Hände zum Himmel … komm lass uns fröhlich sein …“. 

Nun weiß ich nicht mehr, wie ich hier nun noch die Kurve zu einem optimistischen Abschluss kriegen soll. Ich fürchte, dass wird heute nichts mehr. Tut mir leid, vielleicht nächstes Mal wieder.

Nachtrag 19:00: sorry, der Beitrag war irrtümlicherweise als Nummer 78 veröffentlich, es ist aber „erst“ die 77

Nachtrag 21:45: mit der Pressekonferenz soeben, ist das Impfen mit AstraZeneca unter 60 Jahren ausgesetzt. Grmpf.

<— Corona-Lektionen 76

—> Corona-Lektionen 78

181) Corona-Lektionen 76

Nachdem ich mir gestern die Wochenbeiträge der Herren Ehring, Nuhr, Welke und Böhmermann nacheinander reingezogen habe, ist mir heute irgendwie nicht danach, die Corona-Politik zu kommentieren. Stattdessen möchte ich heute mal wieder den kleinen Dingen des Corona-Alltags widmen.

Gewohnheiten
Nur mit Vernunft und Appellen ist der Krise nicht Herr*In zu werden. Die Menschen können das nicht. Sie fallen immer wieder in alte Verhaltensmuster zurück. 

Meine Beobachtungen der Woche:

  • Dem Korb-Zuteiler im REWE juckt die Nase. Also setzt er seine Maske ab, rubbelt sich mit der rechten Hand kräftig über seinen großen Riechkolben. Dann setzt er die Maske wieder auf, greift mit der rechten in den Stapel der Körbe und teilt weiter Körbe zu.
  • Beim Döner-Mann lädt das schmale Döner-Fenster zur Döner-Bestellung ein. Der Döner-Kunde steckt also den unmaskierten Kopf durchs schmale Döner-Fenster und brüllt seine Döner-Bestellung in Richtung Döner-Spieß. ABA OHNE SWIEBEL BÜTTE!
  • Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, das Reisen in den Ostferien zu vermeiden. Die Tiefgarage ist halbleer, Nachbarn werfen ihre Koffer in den SUV und brausen davon. Ich sollte mal das Radio einschalten, vielleicht habe ich eine Aufforderung zur Evakuierung verpasst?

Selbsttests
Der Sohn hat eine handvoll Selbsttests von der Schule bekommen. Ganz aufgeregt will er unbedingt einen Test machen und wir gönnen ihm diese „Experience“. Er packt das Test-Kit aus und folgt den Anweisungen. Auf mich wirkt das alles wie eine Mischung aus Briefwahl, Überraschungs-Ei und Fixer-Besteck. Auf der Video-Plattform rät man dazu, eine Wäscheklammer dazu zu nehmen. Oh je, jetzt erfolgt wohl der nächste Run. Auf Wäscheklammern. Nach 15 Minuten rennt er wie ein Weltmeister durch die Wohnung. Ich bin negatiiiiiiiiiv. Juhuu, ich biiiiiiin negaaaatiiiiiiiiv!

Ich: Man, jetzt sei doch nicht immer so negativ!

Corona-Bar
Bei uns um Flur steht eine Kommode. Die lädt gerade dazu ein, Schlüssel, Briefe, Fahrradhelme und Pizza-Flyer dort abzulegen. Seit dem letzten Jahr nutzen wir das Schwedische Möbel auch als Corona-Bar. Im Frühjahr 2020 lagen dort die selbstgenähten Masken, dann kam Desinfektionsmittel dazu, dann OP-Masken, dann FFP2-Masken und nun liegen da nun auch noch Schnelltests. Und eine Wäscheklammer. Wie vor einem Schaukasten, kann man wunderbar die technologischen Fortschritte der letzten 12 Monate bewundern. Es sieht aus wie in einem Corona-Museum. Oder Feldlazarett.

So, und noch was „positives“ zum Schluss. Im Familienkreis wurden die ersten Impf-Einladungen an die „um die 70-jährigen“ verschickt. Es geht also vorwärts.

Haltet durch!

<— Corona-Lektionen 75

—> Corona-Lektionen 77

180) Corona-Lektionen 75

Die 75. Folge der Corona-Lektionen ist da! Hätte ich ja nie gedacht. Bereits bei der 30. Ausgabe formulierte ich eine gewisse Sättigung und flüchtete mich abschließend in Humor. Aber wie fange ich den Beitrag hier heute nun an? Mhm. Ich habe eine Idee. Ich schreibe einfach ganz wenige Worte, nur Fragmente eigentlich und garantiere Emotionen pur. Aber lest selbst.

Osterei
Osterfeierta … Reisen … Mallorc … Lüneburger Hei … Gründonn … Zusätzlicher Ruheta … MPK … Beschlüsse … Fehler.

Na, dampft es im Kessel? Glaube ich gern. Es hat mich gerade mal 10 Begriffe gekostet und ich habe eure volle Aufmerksamkeit. Jeder BWL-er macht einen Luftsprung bei soviel Effizie …. Effektivi … im Affekt. Es wurde schon viel geschrieben, ich will nicht weiter bashen. Vielleicht trotzdem ein wenig anerkennen, dass die Kanzlerin so kurzfristig zurückrudert. Das gibt es auch nicht alle Tage. Respekt.

Dubai
Während wir also drüber diskutieren, ob wir die Urlauber wirklich nach Malle schicken sollten, damit die sich da gegenseitig anstecken und mit Corona-Gepäck wieder heim ins Reich fliegen, wird mein Beitrag > Postkarte aus Dubai vermehrt geklickt. Es müssen wirklich Deutschsprachige Reisende sein und meine Blogstatistik lokalisiert die Leser ganz klar in VAE. Was machen die da? Sind das diese O-P-Q-bis R-Promis, die sich da die Sonne auf die verblassten Mund-Nasen-Partien scheinen lassen? Na macht mal! Ich beneide euch nicht! Viel zu viel Sand, Wolkenkratzer aus Glas, kein gescheites Bier und eine fragwürdige Auffassung zu Gleichstellung und Nachhaltigkeit. Nee. 

Und täglich grüßt …
Routinen verschaffen Struktur und Ordnung, sagt man. So laufe ich jeden Morgen meine Standardrunde und sehe …

  • abgerockte > Sachspenden, die sich in der Nacht an Hauswände gelehnt haben
  • viele > Fahrradskelette, die ihrer Sattel und Lenker beraubt wurden
  • graue Gestalten, die schon um 07:30 pünktlich vorm Netto stehen. Moin. Plopp. Prost.
  • Hobby-Sportler, die sich von einem Personal Trainer triezen lassen
  • Mutti‘s, die Ihre Prenzl-Berger Brut in riesigen Holzkisten zur Schule kutschen oder im fetten SUV dort absetzen (> Kids-Drive In, > SUV im Prenzlauer Berg)

Und abends drehe ich dann noch eine Runde und treffe immer wieder auf die selben Situationen…

  • bei Hausnummer 60, strömt der Duft indischer Küche aus der Hochparterre. Och, lecker
  • an jeder Laterne hängen Zettel, die nach Schlüsselbunden, Hunden oder Wohnungen suchen
  • auf den Wegen liegen > E-Roller, die rot-oder grün leuchtend auf Kundschaft warten
  • am jüngst eröffneten Juppi-Neubau wurden die Scheiben eingeschlagen
  • bei Hausnummer 4 wieder mal Nebelschwaden. Brennt es? Nee, ist Cannabis. Na denn.

Alles in geordneten Verhältnissen.

<— Corona-Lektionen 74

> Corona-Lektionen 76

179) Corona-Lektionen 74

Eine Einleitung verkneife ich mir heute mal. Ich will direkt einsteigen

Ganz charakteristisch für die aktuelle Zeit finde ich, wie schnell sich eine Information oder ein Zustand wieder in Luft auflöst.

Halbwertzeiten
Erst war ein Impfstoff nicht verfügbar, dann wurde er geliefert, aber taugte noch nicht für die Alten. Für Erwachsene freigegeben, wurde er jedoch verschmäht und lag sogar auf Halde. Andere wollten den Stoff sofort abnehmen, waren aber noch nicht dran. Dann traten Blutgerinsel auf und die Verimpfung wurde gestoppt. Der Stopp wurde wieder aufgehoben, die Praxen sollen nun endlich einsteigen. Es fühlt sich an, als diskutieren wir das schon seit Monaten. Stimmt aber gar nicht. Der Impfstoff wurde gerade mal vor sieben Wochen zugelassen, nur die Informationsmenge, die reicht für Monate.

Letzten Sonntag schrieb ich hier noch, dass die Tochter wieder in die Schule gehen darf. Dabei hatte ich mich doch glatt geirrt. Nach Ostern soll es so weit sein und ich überlegte, ob ich die Passage im Beitrag korrigieren sollte. Aber auf was genau? Was gilt denn eigentlich gerade? Ist die Zukunft nicht bereits schon wieder Schnee von gestern?

Vor ein paar Tagen wurde „Click and Meet“ erfunden und ich spielte mit dem Gedanken, mir auch mal so einen Termin zu verschaffen. Einfach mal was anderes sehen. Aber bevor ich mich überhaupt für einen Shop entschieden habe, wird nun schon gemunkelt, dass Konzept wieder herunterzufahren. Ein harter Lockdown erwartet uns. Schon wieder? Oder noch?

Ich komme nicht mehr mit. Ich würde gern mal 12 Wochen in Narkose gehen. Ich würde vermutlich nichts verpassen.


Nostalgie, Zwiegespräche und News-Detox
Am Freitag hatte ich noch etwas Zeit bis zu den Spätnachrichten. Ich stolperte über ein Depeche Mode Konzert von 2006 und stieg ein. Wogende Menschenmenge, Licht, Jubel, Mädels auf den Schultern ihrer Kerle. Wie aus einer anderen Zeit.

Das Intro zu „Behind the Wheel“ trommelt und die Menge tobt. 
Ich wippe mit und schaue auf die Uhr. 
„Oh die Nachrichten gehen gleich los. Ich sollte mal langsam umschalten.“

„Nein …, eine kurzen Moment noch“.

Wenig später dann „World in my Eyes“. Die Leute flippen aus.
Ich auch. Und hörte mit Corona-Ohren zu.

Let me take you on a trip
Around the world and back

‚ll take you to the highest mountain
To the depths of the deepest sea

Let me show you the world …

Und dann stand mir das Wasser in den Augen

Wieder der Blick auf die Uhr. Die Nachrichten haben bereits begonnen. 
„Jetzt müsste ich aber wirklich langsam mal …“

„Gleich … warte … ein bisschen genießen noch“

Es folgt die erste Zugabe mit „Judas“, einer Ballade.

Man will survive
The harshest conditions
And stay alive
Through difficult decisions

“Oh, gleich haut es mich aus der Kurve, ich sollte jetzt wirklich besser zu den Nachrichten …, sonst …“

„Nee, warte, es geht gleich wieder bergauf“

Zum Schluss dann „Never let me down again“.

We’re flying high
We’re watching the world pass us by
Never want to come down
Never want to put my feet back down on the ground

Wie recht sie doch haben, Applaus, Abgang, Wahnsinn.


Dann schaltete ich endlich zu den Nachrichten.
So, das war das Heute-Journal, hier geht es nun weiter mit dem Wetter.


Das waren die besten Nachrichten seit Wochen 😉

<— Corona-Lektionen 73

—> Corona-Lektionen 75


178) Corona-Lektionen 73

An dem Sonntag genau vor einem Jahr, hatten wir noch keinen blassen Schimmer, was es bedeuten würde, wenn beide Eltern im Homeoffice arbeiten und die Kids im Homeschooling lernen sollten. Einen Tag später, am 16.03.20 bekamen wir dann schon den Aperitif gereicht und ahnten bereits, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Nun, unzählige WLAN-Resets, Instant-Suppen und Spiegeleier später, darf auch das zweite Kind morgen mal in die Schule gehen und Präsenzluft schnuppern. Aber nur durch eine Maske natürlich.

Apropos Maske
Ein Kind sagt zum Frühstück, es könne sich gar nicht mehr vorstellen wie es so wäre, ohne Maske zum Supermarkt zu gehen oder Bahn zu fahren. Tolles Thema zum Spekulieren. 

  • Wie würde es sein, wenn irgendwann ein Kollege mit ausgestreckter Hand vor mir steht?
  • Wenn ich mal wieder reisen würde und zwei Reihen hinter mir im Flieger jemand herzhaft niest?
  • Ich mit Maske eine Bank betreten würde und mich sofort ein Sicherheitsmann zu Boden streckt?
  • Oder wir mal wieder eine Party schmeißen und zig Leute bei uns in der Küche stehen? Werde ich da völlig hilflos sein? Verklemmt? Blockiert? Asozial?

Ich glaube, wir müssen erst einmal alle wieder zur Abendschule gehen und den Kurs „Soziales Miteinander – Part 1“ besuchen. Und nur wenn man das Zertifikat der VHS in den Händen hat, darf man wieder unter Menschen gehen. Vorausgesetzt geimpft. 

Erschöpfung
Irgendwie fällt mir auf, dass ich bereits Mitte der Woche schon platt bin. Kollegen berichten auch von diesem Phänomen. Werden wir einfach nur älter? Ist es die Arbeitsmenge, die Geschwindigkeit? Oder das immer gleiche Corona-Hamsterrad was so an uns zehrt? Ich glaube wir sind einfach alle nur „an oder mit Corona“ …. erschöpft.

Wortwahl
Es gibt Worte und Redewendungen, die wurden in der Pandemie erfunden, andere gab es schon eher, wurden aber in den letzten Monaten häufiger ausgesprochen. In Corona Lektion 71 ging es um das Wort „eigentlich“. Ein anderes solches Wort ist aber auch „eh“. Zum Beispiel so wie in …

  • „Wir sind eh zu Hause“
  • „Ich bin eh noch nicht dran“
  • „Wegfahren werden wir vermutlich eh nicht“.

Oh, ich merke, der Beitrag driftet ins Moll ab, sorry.

Wo habe ich nur wieder mein Dur hingelegt? Ich gehe mal beim Nachbarn klingeln, ob der vielleicht noch etwas Dur im Schrank hat.

Eine schöne Woche!

<— Corona-Lektionen 72

—> Corona-Lektionen 74

177) Corona-Lektionen 72

Am 11. März 2020, also vor einem Jahr, kam ich von meiner vorerst letzten Dienstreise zurück. Seitdem hocke ich im Homeoffice. Das machen viele andere auch, manche werden aber schon wieder in die Büros kommandiert. 

Mit diesem Beitrag möchte ich mal auf meine persönliche Homeoffice / Mobile Work Erfahrung zurückblicken.

Nun wird’s nostalgisch, nicht mehr in Sepia, aber mit weniger Mega-Pixel 😉

Zum Ende der 90-er Jahre durfte ich ein paar Mal einen „Abteilungslaptop“ mit nach Hause nehmen. Dieses schwere Ding konnte ich über ein 56k Modem mit dem Internet verbinden und fröhlich quietschend, empfing ich dann e-Mails und konnte auf Gruppenlaufwerke und Websites zugreifen. Etwas später bekam ich mein eigenes Gerät (stolze 3,8kg! ohne Netzteil und Tasche), das Ding konnte ich sogar im Hotel nutzen, ich musste nur mit etwas Kraft den Schreibtisch verschieben, um dahinter an die Telefon-Dose zu gelangen. Meistens ekelhaft, ging aber!

Ab 2002 hatte ich mal für zwei Jahre einen vollwertigen Telearbeitsvertrag. Mit ISDN-Zugang! Der Anschluss hatte sogar drei Leitungen. Da war ich schon viel „schneller“ im Netz unterwegs und konnte sogar parallel telefonieren! Dienstlich und Privat mit getrennten Rechnungen. Ein Meilenstein und schnell wie nie zuvor!

Mitte der nuller Jahre gab es dann Netmeeting*, später Livemeeting*. Mit denen konnte man sich in virtuellen Räumen treffen und sogar den Bildschirm teilen. Wow! Wahnsinn! Später kam dann der Communicator* hinzu, mit dem man zu dienstlichen Zwecken „chatten“ konnte. Chatten zu Dienstzwecken? Pfui! Teufelszeug! Das setzt sich nie durch, wurde laut getönt.

So und wo sind wir jetzt? Die Technik ist viel ausgereifter, die meisten habe eine Flat Rate, wir chatten uns die Finger wund, nutzen Video und anderen Moderations-Schnick-Schnack. Gesetzgeber und betriebliche Regelungen kommen aber nur mühsam hinterher. Beim dezentralen Arbeiten wurde also … gelinde gesagt … circa … 20 Jahre … gepennt. Es brauchte einen kleinen miesen Corona-Virus, der diesen Misstand im letzten Jahr ans Tageslicht brachte. Na wenigstens etwas.

Tut mir leid, Note Sechs, setzen. Bitte nun endlich die Hausaufgaben machen bitte!

*) alles Produkte der Firma Microsoft, will ich hier nur vollständigkeitshalber erwähnen, kriege aber kein Geld dafür und ist bitte nicht als Werbung zu verstehen.

<— Corona-Lektionen 71

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