732) 2025: Knicken, lochen, abheften

Das Jahr 2025 … nun ja … die Einleitung erspare ich mir und euch. Ich sortiere das mal alphabetisch, nicht dass der Eindruck entsteht, dass mir manche Dinge wichtiger wären als andere.

Beruf: uups. Ich bring das doch vielleicht später unter „J“ wie „Job“.

Blog: auch doof, ich schiebe das runter nach „T… agebuch“

Familie: Die Brut scheint weitestgehend aufgezogen, sie bleiben immer häufiger und länger weg vom Nest. Manchmal reisen sie sogar schon in andere Länder. Das ist ein Umstand, mit dem wir wohl lernen müssen, umzugehen. Wenn sie als Teenager andere Sichtweisen auf die Dinge da draußen haben (müssen!) und leidenschaftlich diskutieren, dann machen sie mich dabei sehr stolz, denn ich sehe, dass wir das richtige Betriebssystem verbaut haben. Die Grundinstallation war erfolgreich, die weiteren Updates liegen nun zunehmend in ihrer Verantwortung.

Gesundheit: Unfälle gab es keine, immerhin. Ich hatte zwar die Kettensäge wieder in den Händen, aber sie „tauchte“ nur in Holz sein … sonst nirgends. Aber die Abwesenheit von Unfällen heißt ja nicht automatisch, dass man gesund ist. Kaum ebbte „es“ irgendwo ab, kam „es“ woanders wieder raus. Als würde man einen Flummi, mit voller Kraft in einen geschlossenen Raum werfen. Orthopädie, Osteopathie, Apotheke, Sanitätshaus … meine Güte … aber ja, natürlich, andere haben mehr Grund zum Klagen. Liebe Grüße.

Job: Dieses Jahr war extrem arbeitsreich, ich habe die letzten zehn Jahre jeweils nicht so viel arbeitet wie in diesem Jahr. Und das meiste davon aus dem Home Office, ohne Kaffeeküchen-Talks und Kicker-Tisch. Und das wird sich ändern müssen. Erst recht mit Blick auf den vorigen Abschnitt unter „G“. Mein Job hat dummerweise mit Tastatur/Maus zu tun und findet vor einem Computer statt. Da kann man den Tisch hoch und runterfahren so oft man will, man kann den Markt der Mäuse leer kaufen … aber dazu mehr in einem der nächsten Beiträge.

Reisen: Das Jahr begann mit Insel-Office, das werde ich (sehr bald) wieder machen. Zu Ostern ging es nach Dänemark, Ende Juni habe ich auf Rügen gearbeitet. Im August ging es dann endlich auf Urlaub nach Singapur und Malaysia. Kurztrips an den Rhein, in den Thüringer Wald, nach Prag und nun unerwartet noch auf den Darss machten die Sache rund. Da kann ich nicht meckern. Mach‘ ich auch nicht.

Sport: In der Rubrik Bewegung, lief es echt gut, das Ziel 100 im Monat oder 1000 im Jahr wurde übererfüllt. Da, wo andere einen Arbeitsweg haben, habe ich einen Sportplatz. 1.192 km in Sportschuhen verteilt über 230 Aktivitäten können sich sehen lassen.

Tagebuch: Da herrschte vom Gefühl her etwas Flaute, allerdings ist das nicht durch die Zahlen gedeckt. 168 Beiträge erschienen auf dem Blog hier, 53.000 Wörter, doch mehr, als ich eigentlich dachte. Die Schwerpunktthemen waren dabei KI, Digitalisierung, Medien, Konsum, Krieg, Autokratie, … wer hätte das gedacht. Vielen Dank fürs Lesen und die Kommentare.

So und nun wird’s Zeit …

Knicken, Lochen, Abheften

Rutscht gut rein Nachbarn!
T.Head

265) Ente gut, alles gut?

Vor ein paar Minuten habe ich meinen Arbeitsrechner heruntergefahren. Wie üblich klappten diverse Fenster runter, dann folgte die Abmelde-Prozedur, dann ein letztes Aufbäumen des Lüfters und dann Stille. Feierabend für 2021.

Nun sitze ich etwas planlos vor dem schwarzen Bildschirm und mir fliegen so ein paar Gedanken zu diesem Jahr 2021 durch den Kopf.

Es soll kein Rückblick sein, nur ein paar Kommentare:

Hektik
Wie jedes Jahr entsteht im Dezember eine unerklärliche Hektik, alle scheinen ihre Post-It’s von ihren Tischen zu nehmen und anderen an die Backe kleben zu wollen. Jedes Jahr entsteht eine unnötige Torschluss-Panik, mit der alles irgendwie noch geregelt werden soll. So als würde man zu Weihnachten zur Guillotine geführt werden. Es nervt! Das Jahr hat ca. 220 Arbeitstage und in den letzten 10 davon kriegen manche Kollegen und Manager einen Rappel und schieben sogar noch neue Initiativen an, wissentlich dass sich in den nächsten zwei Wochen kein Mensch drum kümmern wird. Was soll das? Und warum das immer wieder?

Ein lesenswerter Beitrag dazu:
https://vollverkopft.com/2021/12/22/alle-jahre-wieder/

Wandel
Ja, der Wandel und dessen Geschwindigkeit, das ist sicher die Kombination, die mich hier gerade etwas kraftlos sitzen lässt. Der stetige Wandel in der Pandemie, die unguten Nachrichten, was uns wohl in den nächsten Wochen erwartet, ist ja das Eine. Das Andere sind all die Trends, Impacts, Initiatives, Changes, Transformations und Disruptions, die in einem Affenzahn durch meine Arbeitswelt getrieben werden. Wandel und Veränderung gab‘s schon immer, seitdem ich mich auf diesem Feld tummele, aber der Speed hat enorm zugenommen. Oder bin ich nur 20 Jahre älter geworden? Früher hat man die Veränderungen noch aktiv begleitet und implementiert. Hat man heute eine Veränderung erkannt, rauscht die wie ein Schnellzug über den Flur. Und dann kündigt sich bereits der nächste an. Manchmal ist man geneigt, einfach mal einen Zug ausfallen zu lassen, aber das ist beim Wandel nicht so einfach, da man fürchten muss, beim nächsten Zug die Türen nicht mehr aufzubekommen. Und wenn dann die Heeresleitung nach noch mehr Speed ruft, damit wir den immer schnelleren Wandel (Digitalisierung, Klima, Pandemie, Globalisierung, Lernen, Resilienz, etc) noch bewerkstelligen können, dann muss doch dieses Uhrwerk mal explodieren. Samt aller Rädchen im Getriebe natürlich.

Aber genug von der Arbeit, wir schalten rüber zum Privatfernsehen.

Denn da gab es in 2021 mehr Möglichkeiten, den Wandel aktiv zu beeinflussen:

Hardware Input
Da habe ich in 2021 mehr drauf geachtet, was wir uns so in den Hals stopfen und ob das mal gemuht, gegackert oder gequiekt hat. Ich bin weit weg davon, ein Vegetarier zu werden, aber gewisse Rituale sind etabliert und können sicher in 2021 noch ausgestaltet werden.

Hardware Output
Keine Sorge … ich meine jetzt eher über Bewegung und Sport. Das war dieses Jahr doch sehr produktiv. Durch meine Corona-Freigänge und die Jogging-Runden, sind da doch einige Kilometer zusammengekommen.

Software Input
Das Reisen fehlt mir zwar sehr, aber ich habe mir in 2021 anderweitig viel Input verschafft. Ich meine über Dokumentationen, Bücher, Hörbücher und Podcasts, ab und zu habe ich drüber geschrieben.

Software Output
Gut 150 Blog-Beiträge habe ich geschrieben, die Leserschaft ist gewachsen und ich bin nun mit dem Blog thematisch breiter aufgestellt. Natürlich hat Bloggen nicht nur mit Output zu tun, sondern auch mit Input. Ich folge bestimmten Blogs regelmäßig und daraus haben sich auch ein paar nette E-Mail-Wechsel ergeben, manches haben wir sogar zusammen geschrieben oder sachlich diskutiert. Cool. Danke!

Corona
Ein schwieriges Feld und wird auch auf all den Blogs heißdiskutiert. Ich fasse mich kurz. Das Biest und seine bucklige Variantenschaft, hatte zwar schon mal sachte an die Tür geklopft, es aber bisher nicht in unsere Höhle geschafft. Wir haben die Dinge getan die man dagegen machen kann, ob das Grund für den Erfolg war oder einfach nur Glück, lasse ich heute mal so stehen 😉

Politik
Hier bin ich froh, dass wir nun im Bund und in Berlin wieder eine Regierung haben. Rot-Grün-Gelb im Bund und Rot-Grün-Rot in Berlin, also beides Dreier-Bündnisse. Das wird zwar nicht einfach, aber immerhin ist nun etwas Neues da. Und Bund wie Land ticken immerhin mal in die gleiche Richtung.

Hass / Hetze / Hast
Das ist ein Thema, was mich in 2021 doch echt erschrocken hat. Allein der Ton im Netz, das Brüllen auf den Straßen, die Aggressivität in der Stadt, das Randalieren und permanente „Zündeln“, das alles hat eine neue „Qualität“ entwickelt, die mir Sorgen macht.

Leben
Wenn im TV die Jahresrückblicke kommen, laufen zum Schluss meistens die Nachrufe auf die Menschen, die uns in diesem Jahr verlassen haben. Die Liste könnt ihr woanders nachlesen. Ein Abgang hat mich doch sehr geschockt, und zwar der von Mirco Nontschew. Was für ein kreatives Energiebündel, sportlich, ausdauernd, hat es mit Anfang 50 aus den Schuhen gehauen. Das hat mir noch einmal gezeigt, wie schnell der Vorhang fallen kann. R.i.P Mirco.

Apropos „Leben“.
Wenn wir uns in den nächsten Tagen nun alle die Wampe vollhauen und Glühwein bechern, dann fänd‘ ich gut, wenn wir zwischendurch immer mal an die Ärzte und Pfleger denken, die da gerade Patienten mit schwerster Atemnot behandeln. Sie von links auf rechts drehen, sie beatmen, füttern und „untenrum“ sauber halten, mit aller Kraft versuchen, sie wieder zurück ins Leben zu holen.

In diesem Sinne, ein paar ruhige Feiertage und treibt‘s nicht zu bunt!
Die Rettungsstellen sollten wir besser meiden.

Ich melde mich bestimmt noch mal dieses Jahr.
T.

160) Corona-Lektionen 60

Das Jahr geht vorüber, es war ein spezielles Jahr, dass wir so nicht mehr vergessen werden. Die Jahresrückblicke sind alle schon gelaufen. Zur Vorspeise wurden Hauptstadtflughafen, Stadtschloss und Tesla-Werk gereicht. Danach kam der sehr kräftige Hauptgang komponiert aus frittierten Corona-Viren auf US-Wahl-Gemüse, angereicht an etwas Brexit-Mus. Als faule Nachspeise gab’s noch querdenkendes Fallobst mit aufgewärmter brauner Sauce. Würg. 

Zwischen den Gängen war aber noch viel mehr zu besprechen. Hotels, Restaurants, Bars, Kneipen, Clubs, Theater, Bühnen und Musikhäuser sind dicht. Der Barber-Shop verkauft nun 400 EUR-Gutscheine für nur 200 EUR und versucht seinen Umsatz vorzuziehen. Das Traditionskino lockt mit 139 EUR für‘s komplette erste Halbjahr 2021. Oder es ist schon gar nicht mehr da. Wer weiß. Das Eis-Café ein paar Meter weiter lädt auch zum Räumungsverkauf.

Das Jahr wird überall verflucht, viele wollen es so schnell wie möglich vergessen, in der Annahme, dass das Jahr 2021 schlagartig besser wird. 

Und nun ist auch noch der Böller dran. Die letzte Bastion maskulinem Kriegsspielzeugs ist nachhaltig getroffen. Selbst das friedliche Bleigießen gibt es nicht zu kaufen, nicht einmal die weniger giftige Variante aus Wachs. Auch Wunderkerzen gibt es nicht. Schluss mit lustig. 

Morgen um Mitternacht gehen wir also auf den Balkon und schreien aus unseren Kehlen:

  • „PENG, Verschwindet ihr Corona-Geister!“ 
  • „PAFF, Willkommen 2021, prost Neujahr!“

Wir brüllen gegen diesen Scheiß-Virus an, der mittlerweile 1.000 Tote pro Tag fordert.

Jetzt will ich euch hier aber gar nicht so runterziehen. Jeder hat bestimmt auch ein paar positive Effekte aus der Zeit mitgenommen, oder?

  • Also zum Beispiel, bin ich noch nie so wenig Auto gefahren. Beim geplanten Öl-Wechsel, hat mich der Kfz-Meister wieder nach Hause geschickt. Ich soll erst wieder kommen, wenn die Lampe leuchtet. Ich war seit Mitte März auf keiner Dienstreise mehr, ich habe meinen CO2 Footprint der letzten Jahre etwas abgebaut und bin laut Schrittzähler 1.000 Schritte täglich mehr gelaufen als in 2019.
  • Der 7-Tage-Homeoffice-Bart hat sich endlich etabliert und man hat zum Chef eine ganz andere Haltung, wenn er das Zielerreichungsgespräch im Lila Strickpulli und Halskettchen führt. Zum Glück fand der Blurry-Mode zügig in die Video-Konferenzen, damit musst man nicht mehr auf die verkramten Regale der Kollegen blicken. Die beste Erfindung seit der Küchenrolle!
  • Ich habe noch nie so viel gelesen wie in den letzten Monaten, noch nie so viele Podcasts und Hörbücher gehört, als während meiner Freigänge durch den Stadtpark. Die Sohlen der Wanderschuhe sind abgelatscht, dabei war ich nicht einmal in den Bergen. Und ich habe mehr geschrieben als sonst, knapp 150 Blog-Beiträge sind so entstanden.
  • Und wir haben viel über unsere Grundrechte diskutiert. Jeder wird hoffentlich für sich erkannt haben, welche ihm/ihr wichtig sind. Bewegungs-und Reisefreiheit und eine vielfältige Medienlandschaft stehen bei mir ganz oben auf der Liste.

So, liebe Leser. Nun drücken wir mal die Daumen, dass auch die letzten Mitmenschen verstehen, dass der Begriff Lockdown vom Englischen „to lock“ kommt und noch nichts mit „Lockerung“ oder „Verlockung“ zu tun hat und schon gar nicht mit „Sunblocker“ 🙂

Guten Rutsch morgen in ein gesundes neues Jahr 2021!

… ganz speziell an die gute S. aus HD am N. die keine Neujahrswünsche empfangen will 😉

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