719) 10 in 1

Das 2 in 1 Duschgel, was für eine großartige Erfindung das war.

Nur noch eine Schmiere für Kopf und Körper!

Schluss mit den Zeiten, wo man im Bad noch lesen können musste. Schluss mit den Zeiten, wo man gezwungen war, die Augen des einshampoonierten Kopfes zu öffnen, um nach der anderen Flasche zu greifen. Auch musste man nicht mehr überlegen, ob gewisse Körperregionen eher in die Kategorie „Körper“ oder „Haar“ fielen.

Aber selbst diese Innovation wird nun noch übertroffen.

Das 5-in-1-Duschgel wirbt mit folgender Aufschrift:

„Für Körper, Gesicht, Haar, Rasur und Feuchtigkeit.“ Genial.

Aber da geht doch noch mehr, oder?

Das 6-in-1:
„Für Körper, Gesicht, Haar, Rasur, Feuchtigkeit und Zähne.“

Das 7-in-1:
„Für Körper, Gesicht, Haar, Rasur, Feuchtigkeit, Zähne und Parkett.“

Das 8-in-1:
„Für Körper, Gesicht, Haar, Rasur, Feuchtigkeit, Zähne, Parkett und Flächen.“

Das 9-in-1:
„Für Körper, Gesicht, Haar, Rasur, Feuchtigkeit, Zähne, Parkett, Flächen und Auto.“

Das 10-in-1:
„Für Körper, Gesicht, Haar, Rasur, Feuchtigkeit, Zähne, Parkett, Flächen, Auto und Garten.“

Nun braucht man nur noch einen Universallappen und alles riecht frisch nach Minz-Kirsche-Honig-Sommerfrische

Und man sollte besser gleich einen Fünf-Liter-Kanister zu Hause haben.

Denn wenn die Pulle mal leer werden sollte …

steht man plötzlich ganz dumm da.

553) Schönheitsoperation für Männer – Vol 1

Irgendwann muss der moderne Mann unter 50 mal zur Schönheitsoperation gehen. Er schiebt das schon so lange heraus. Wind, Wetter, die Sonne, und auch diverse Flüssigkeiten machen dem alternden Material zu schaffen. Es wird spröde, wirft Falten, es reißt, und irgendwann wird es undicht, wenn man es nicht fachmännisch pflegt.

Weil er das aber in Berlin Mitte oder Prenzlauer Berg nicht bezahlen kann und damit die Familie davon nichts mitbekommt, schleicht er sich Samstagmorgen bei strömenden Regen aus dem Haus und fährt ins Umland. Da sind solche Eingriffe noch günstig und diskret zu haben.

Kaum angekommen und vom Regen halbwegs getrocknet, geht’s gleich in die Behandlung. Zunächst werden die großen Pflaster heruntergerissen, womit der Mangel seit Wochen verdeckt wird.

IMG_9080Dann wird das alte Gewebe großflächig entfernt. Es bröselt nur so zu Boden, der Mann stöhnt, schnauft und muss immer wieder husten.

IMG_0132Dann wird ein scharfes Messer angesetzt, weiter in Furchen und Tiefen hineingetrieben, um die verbleibende Fäule herauszuschneiden und Platz für das neue Material zu schaffen.

IMG_0134 Die offene Stelle sorgfältig abgesaugt und getrocknet, wird mit einer Gaskartusche frisches Material unter die verbleibende Oberfläche gespritzt. “Viel hilft viel” stammelt der Mann, auch wenn es schon aus allen Ritzen schäumt und quillt und er sich wünscht, die Prozedur würde bald zu Ende gehen.

IMG_0133Dann wird ein großer Topf weiße Masse angerührt und auf der Problemfläche verteilt. Schicht für Schicht wird … eine neue … Schicht … modelliert

Der Sinn einer dargereichten Gurke erschließt sich ihm nicht, er knabbert sie nebenbei weg. Er weiß, dass Gefahr besteht, zu dehydrieren, damit das nicht passiert, wählt er hin und wieder einen Schluck erfrischender Hopfenkaltschale. Das tut gut.

Für heute ist die Behandlung beendet, er wird noch einmal hier erscheinen müssen, um der Oberfläche den letzten Schliff zu geben. Geschafft von der halbtägigen Behandlung, steigt er wieder in seine Straßenklamotten, verlässt das Gebäude und schließt die Tür hinter sich. Auf dem Vorplatz angekommen, trifft er auf zwei junge Schnecken, die sich an den Resten seiner hochpreisigen Füllmasse laben. Ihr seid doch verrückt.

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Etwas lädiert und geschafft, stiefelt er zur S-Bahn und fährt zurück in die hippe Stadt.

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… Fortsetzung folgt …

447) Mehr „ohne“ und weniger „mit“ – Vol 2

Heute will ich wieder mal ein Thema aufgreifen, was ich hier vor fast genau drei Jahren erstmals hatte. Mit >117) Mehr „ohne“ und weniger „mit“ und hier etwas später über > 272) Ohne Worte – Vol.2… irgendwie ähnlich … aber anders. Verbunden mit dem wiederholten Outing, dass ich mir Produktverpackungen anschaue. Durchaus. Ein Spleen. Ja ich weiß. Aber ich bin da auch nicht der Einzige auf der blauen Kugel. Schönen Gruß.

Ich meine all diese kleinen Texte und Symbole auf den bunten Verpackungen, die uns darüber aufklären wollen, was „nicht mehr dabei“ ist, beziehungsweise was „nun stattdessen“ mit von der Partie ist. Und da frage ich mich schon des Öfteren, ob das wirklich so besonders ist, dass man das extra auf die Verpackung drucken muss. Und wenn, was für Chemo-Keulen sind das, die diese Labels eben nicht tragen?

Oder was passieren würde, wenn des Nachts ein kleiner Zauberer durch die Regale gehen würde und all diese Kennzeichnungen ins genaue Gegenteil versetzen würde.

Also das Gegenteil dessen aufdrucken, was nicht mehr ist:

  • 0% Aluminium Salts
  • Ohne Tierversuche 
  • Ohne Mikroplastik
  • PH Hautneutral
  • Kein Verkleben
  • Ölfrei

… eine Riesenspaß

Oder auch das Gegenteil dessen, was heute erwähnenswert scheint:

  • Dermatologisch getestet
  • Feuchtigkeitsspendend
  • Biologisch Abbaubar
  • Bewusster verpackt
  • Stark gegen Fett
  • Klinisch getestet
  • Flexibler Halt
  • Neuer Inhalt

Greift zu Leute. Kauft, kauft. Alles nur zu eurem Besten 😉

10) Drogerie

Wenn ich Drogerien aufsuche, um zielgerichtet ein paar Kleinigkeiten einzukaufen, könnte ich mich regelmäßig aufregen. Insbesondere wenn ich einen kurzen Aufgaben-Zettel im Kopf habe und mit ganz klarer Vorstellung den Palast der Cremes betrete. Schnell wird mir dann aber klar, dass dieser Laden nicht zum Einkaufen gedacht ist. Die Gänge sind nicht in einem klassischen Fischgrätenmuster angelegt, in dem man sich doch sehr schnell orientieren kann. Normalerweise folgt man einer Hauptstraße und geht dann links oder rechts in kleine Nebenstraßen und wird meistens schnell fündig. Jeder Baumarkt ist so aufgebaut, viele Supermärkte auch. In Drogerien jedoch ist es komplett anders. Kaum hat man die duftende Halle betreten, ist man mit schräg organisierten Gängen konfrontiert. Es gibt keine Hauptstraße. Die Produkte in den Gängen sind kaum einsehbar, Hinweisschilder die zu den Tuben und Töpfchen führen, kann man nur lesen, wenn man bereits vor ihnen steht. Häufig bleibt nichts anderes übrig als die schrägen Gänge nacheinander abzulaufen und zu interpretieren, was sich der Laden-Designer bei für die Platzierung der Ware gedacht hat. Vor kurzem stand für mich eine Dienstreise nach Asien an. Aus diesem Grunde wollte ich mir ein paar Feuchttücher mitnehmen. Eigentlich sollte das schnell erledigt sein. Aber nicht, wenn man diese bei den großen Drogerie-Ketten suchen muss. Zunächst ging ich in Richtung Baby & Co. Denn das ist vermutlich die sauberste Ecke im ganzen Laden. Fehlanzeige. Keine Feuchttücher mit desinfizierender Wirkung. Ich stolpere weiter durch die Gänge und entdeckte ein Schild mit der Aufschrift Hygiene. Super. Ich scannte die Schachteln darunter, fand jedoch nur Tampons und Binden für Damen. Als sei das die einzig vorstellbare Hygiene auf dem Planeten. Als nächstes steuerte ich die Ecke der Toilettenpapiere an, insbesondere der feuchten Varianten dieser Art. Wenn ich Ladenbesitzer wäre, würde ich diese Feuchttücher direkt neben den nassen Klo-Papieren platzieren. Falsch gedacht. Ich lief gefrustet alle Gänge rückwärts im Zick Zack bis zur Kasse, stellte mich dort in die Schlange und fragte den Kassierer wo ich diese berühmten Feuchttücher fände. Er antwortet: „Na da hinten bei den Seifen“. Logisch. Wo sonst. Was hier vielleicht sehr witzig klingt oder ein typisches Männer-Problem ist, ist in meinen Augen eine absolute Frechheit. Durch Aufbau der Drogerien klaut mir dieses Unternehmen Lebenszeit. Das ist Beeinflussung und Bevormundung in höchstem Maße und grenzt schon an Freiheitsberaubung. Und ich habe keine Lust eine Viertelstunde netto ohne Kasse in einer Seifenhalle zuzubringen. Zu was soll das denn führen? Soll ich mir etwa Feuchttücher bei etwa Amazon bestellen, für 2,50 € + 3 Euro Versand? Ist es das was wir hier wollen? Soll das der bröckelnden Ladenkultur dienen? Irre. Aber bevor wir uns zu lange bei der Privat-Wirtschaft aufhalten, schauen wir doch bei uns Mitmenschen vorbei. Das ist bestimmt alles anders, oder etwa nicht?