557) Camper

In den Straßen unseres Kiezes fallen mir immer mehr geparkte Camper auf. Nicht nur, dass sie ordentlich Stellfläche verbrauchen, frage ich mich natürlich auch, was die hier auf einmal alle machen?

Also wat is da los?

  • Sitzt da ein Geheimdienst unten vor der Tür, zieht mir irgendwann einen Sack über den Kopf und zerrt mich in den Bus?
  • Gehört es zum Einmaleins der Prepper-Szene, immer ein gepacktes Wohnmobil vor der Tür zu haben, mit dem man dann flüchten kann, wenn das Böse vor den Toren der Stadt steht?
  • Vielleicht wohnt da jemand drin? Ist es das Geheimrezept, dem knappen Wohnraum zu begegnen?
  • Oder ist es das neue Konzept für gescheiterte Ehen? Muddi schläft oben bei den Kindern, Vaddi geht mit Schlappen, Kulturbeutel und Handtuch über der Schulter für die Nacht in den Camper?
  • Oder ganz anders, das Personal pennt da im Bus. Ja, so ist das. All die Logopäden, Osteopathen, Psychotherapeuten und Coaches, die sich um die Kinder kümmern, müssen ja 24/7 in der Nähe sein. Nur für den Fall.

Wer weiß, wer weiß. Aber eigentlich find ich so‘n Ding ja schon sehr schnittig und es macht auch was mit mir. Eine dicke Mobil-Funk-Antenne aufs Dach, ein Solar-Panel dazu und dann geht‘s ab. Einfach losfahren. Da wo es schön ist anhalten, bisschen was arbeiten und dann die Handbremse lösen und weiterfahren.  

68) Hintenrum

Keine Sorge, der Beitrag bleibt jugendfrei. Ich will einen Gedanken aufgreifen, den Annuschka mit einem Beitrag bei mir getriggert hat. Es geht um nervige Zeitgenossen, die gern von hinten nerven (sei es auf der Straße oder an der Kasse), aber auch von vorn ein Mega-Hindernis darstellen können.

Zwei Situationen:

Mit der Klima-Diskussion, wachsender Ü40-Vernunft und wertvoller Lebendfracht an Bord, fahre ich auf Autobahnen seit einiger Zeit etwas langsamer. Da mag man jetzt die Schultern heben und fragen, was denn daran so besonders sei. Nun ja vielleicht seid ihr da schon eher zur Erkenntnis gelangt, bei mir hat‘s halt länger gedauert. Insofern ist das für mich schon eine „Entwicklung“. Aber darum geht’s heute nicht. Es geht um das Schauspiel, welches sich dann teilweise hinter mir abspielt, wenn ich flüssig aber eben gemäßigt über die Bahn tuckere. Könnt ihr euch vorstellen. Meine Karre wirkt recht breit und die dunkle Heckscheibe versperrt zusätzlich die Sicht, was solche Nervbacken an den Rand des Wahnsinns treibt, während ich nach meinem Ruhepuls suche 😉

Wo ich einen Tobsuchtsanfall kriege ist, wenn ich zum Beispiel auf einem Supermarktgelände rückwärts ausparke und denn ständig hinter dem Auto irgendwelche Menschen durchhuschen müssen. Ganz schnell noch. Husch, husch! Mit Einkaufswagen, Kindern, Hunden. Am besten von schräg hinten, wo man sie wegen der C-Säule nicht sehen kann. Dann drehe ich mich wie ein Flug-Radar und werfe Augen wie ein Kobold-Maki. Autos hinten links, Menschen hinten rechts, Autos hinten rechts, Menschen hinten link, Blick nach vorn und das Ganze wieder von vorn. Weil diese „Schnellnochvorbeihuscher“ nicht mal eben diese 20 Sekunden Zeit haben, mein Manöver abzuwarten, riskieren sie, dass sich sie aus Versehen anfahre. Schuld hätte ich natürlich, die Verletzung tragen sie aber davon.

Aber natürlich bin ich auch Fußgänger, komme mit vollgepacktem Wagen aus dem Supermarkt und möchte zu meinem Auto. Und wenn ich da sehe, wie ein Kleinwagen rückwärts ausgeparkt wird wie ein XXL-Truck, werde ich auch unruhig und neige zum „Schnellnochvorbeihuschen“ aber ich mahne mich dann zur Ruhe. Manchmal gebe ich dem Fahrer auch einen Wink, damit er sicherer wird (…und sein Aktion schneller über die Bühne bringt). 

Bis ich dann selber von einem anderen „Schnellnochvorbeihuscher“ überholt werde. Kopfschüttelnd fragt der sich, warum ich denn da so doof herumstehe und setzt dann zum Vorbeihuschen am Heck des Kleinwagens an. Dessen Fahrer vertraut aber darauf, dass er für einen Moment freie Bahn hat, was dann dazu führt, dass er den Vorbeihuscher fasst umnietet, der dann wiederum auf die Heckklappe trommelt und sich auf Berliner Art echauffiert.

  • Hey, Tomaten uffe Oogen?
  • Biste blind oda wat?
  • Man, da park ick doch‘n Panza aus!
  • Stell dia nich so an man!
  • Wo hast‘n dein Führaschein jemacht?

Ach, die Welt könnte so schön sein.

Oh, ich muss Schluss machen, der Einkauf wartet.