433) Rückkehr ins Büro – Teil 9

Für die letzten drei Tage hatte es mich nach München verschlagen und damit wieder mal in die Bahn, in ein Hotel und ein Bürogebäude. Also solch ein Haus mit vielen Räumen und Tischen drin. Ihr wisst schon.

Aber der Reihe nach.…

Ich hatte den 06:00 Uhr-Zug gewählt und war zunächst fast allein auf dem Bahnsteig. Dachte schon es ist Sonntag statt Montag und ich wäre umsonst so früh aufgestanden. Aber es folgten dann auch noch andere Fahrgäste und wir stiegen ein.

Wagen 29 sei bitte nicht zu nutzen, heißt es über die Lautsprecher. Denn der ist defekt. Gäste aus Wagen 29 (dummerweise 1. Klasse), sollen bitte Wagen 28 nutzen und Gäste der 2. Klasse aus Wagen 28 ohne Platzkarte sollen sich bitte „anderweitig umsehen“. Den Rest kann man sich denken. Wieso ist ein Wagen der gerade aus dem Depot kommt schon bei Bereitstellung kaputt?

Und weil Wagen 29 defekt bleibt, kann der ganze Zug nur mit geringerer Geschwindigkeit fahren, weshalb sich eine Verspätung aufbaut. Logisch. Aber immerhin rollen wir und ich kann „in Ruhe“ arbeiten.

Auf der anderen Fenster-Seite sitzt ein Typ und knabberte Reiskekse. Laut. Und er knurpselt die nicht wie ein Hamster (knurps…knurps…knurps), nein er beißt lautstark ab. Eher wie der weiße Hai oder das Krümelmonster. „Happ!“ Pause. „Happ!“ Pause. „Happ!“ Der macht mich irre der Typ!! Kopfhörer lauter.

Ein paar Reihen hinter mir telefoniert eine Dame. Und zwar dienstlich, deutlich zu hören. Und sie hat immer noch nicht kapiert, dass Mobilfunk nicht unbedingt besser wird, wenn man ins Handy brüllt und damit alle anderen Fahrgäste nervt. Ich will das auch alles gar nicht wissen. Ich habe genügend eigene Baustellen! Kopfhörer noch lauter.

In Erfurt muss Wagen 29 von Fachpersonal untersucht werden, über die Lautsprecher kommt die Info, dass auf einem anderen Gleis demnächst noch ein anderer Zug nach München fährt, der kommt zwar erst später in Erfurt an, „könnte aber die bessere Wahl“ sein. Könnte? Ist? Ich wechsele in den anderen Zug. Jegliche Bewegung aufs Ziel hin, ist besser als Stillstand mit ungewissem Ausgang.

Eine (Ehe)frau im anderen Zug macht ihrem (Ehe)Mann eine Szene, so was habe ich in der Öffentlichkeit noch nicht erlebt.“Christian, das ist das Allerletzte, Christian.“ „Das ist so widerwärtig Christian“. „Ich bin so enttäuscht Christian“. Christian. Christian. Christian. „Sollen die das alle hören hier Christian“. „Christian, du musst dir was vorwerfen, nicht ich“. „Das ist mir scheißegal Christian.“ Na hoffentlich geht die dem Christian nicht noch an die Gurgel. Dann halten wir wohl noch auf freier Strecke und ich kann meinen Workshop vergessen. Man Christian, jetzt kläre das gefälligst! Das kann ja keiner mit anhören. Mir klingen die Ohren, meine Kopfhörer sind am Limit.

Im Workshop nimmt eine Kollegin teil, die gern viel redet. Wirklich eine herzensgute Person. Aber eben reich an Worten und für mich, der sonst eher zu Hause arbeitet und im ICE schon akustisch gestresst war, echt zu viel. Too much info, too much noise.

Abends setze mich an die Bar. Verziehe mich in die hinterste Ecke. Ich, ein Bierchen und mein Tablet. Großartiger Ausklang eines Tages. Aber auch hier ist nichts mit Ruhe. Neben mir sitzt ein Inder (würde ich sagen) der bald mit der Heimat telefoniert. Per Video und Lautsprecher. 

Zum Frühstück an Tag 2 bin ich einer der ersten, ich mag morgendliche Einsamkeit. Aber eine chinesische Reisegruppe muss auch früh raus. Und einer von ihnen, steht mitten auf der Buffet-Insel, niesst 4 mal kräftig in die Handfläche und bedient sich dann am Buffet. Guten Appetit. Rührei gefällig? Nee, danke, ich schaue mich nur etwas um.

Nun geht‘s wieder nach Hause. Reicht erst einmal wieder an persönlichen Kontakten … muss erst einmal ins Abklingbecken und mich vom Sozializing erholen 😉

Schönen Abend.

<— 386) Rückkehr ins Büro – Teil 8

376) Rückkehr ins Büro – Teil 7

Ich hatte ja schon angedroht, gelegentlich meine stufenweise „Wiedereingliederung“ ins New Normal zu kommentieren.

Anfang August hatte es mich „endlich“ mal wieder nach München gebracht. War schon ein komisches Gefühl, nach so langer Zeit wieder da zu sein. Siehe Teil 6. Für mich war dieser München-Trip trotzdem ein Novum, denn ich bin mit der Bahn gefahren. Klingt eigentlich völlig normal und man kann sich fragen, warum ich das nicht schon immer so gemacht habe. Kurz: Lernkurve. 

Zu meiner Ehrenrettung sei aber bitte gesagt, dass eine Bahnfahrt nach München damals noch einer Tagestour gleichkam, nun wäre allerdings der Flug über den neuen Hauptstadtflughafen eben dieser Tagestrip. Also, statt mit dem Zombie-Flieger morgens hin und abends spät zurückzufliegen, streckte ich das über 2 Nächte und arbeitete auf Schienen. Somit hatte ich einen vollen Tag vor Ort und habe gleichzeitig alle meine E-Mails weggeputzt und noch Folien gepinselt. Das war früher im Flieger nicht so einfach. 

Im September war ich wieder in Franken gewesen und fand langsam zurück in meine Reiseroutinen. Allerdings ist das immer noch gespenstisch, wenn nur 30-40 % der Büro-Flächen belegt sind und das Schloss schrittweise aus dem „Dornröschenschlaf“ zu erwachen scheint. Wir saßen geordnet am Besprechungstisch, aber abends beim Dinner und nach zwei Bier rückt man sich dann doch etwas auf die Pelle.

Noch auf der Rückfahrt erhielt ich Nachricht, dass die Ehefrau eines der Kollegen, Corona-positiv sei. Na prima. Aber der Kelch ist wieder an mir vorgegangen, ich bin fit und habe im August + September knapp 200 km in meinen Sportschuhen verbracht.

Klopf auf Holz …

Das nächste Level zur weiteren Resozialisierung folgt bald. Es geht eine Woche nach Lisboa! Virus-technisch ein gefährliches Pflaster, in der Tat. Aber da ich nun Anti-Corona 4.0 intus habe, werde ich das hoffentlich überstehen. Ich werde berichten 😉 

<— Rückkehr ins Büro – Teil 6

—> Rückkehr ins Büro – Teil 8

349) Rückkehr ins Büro – Teil 6

Mission accomplished! Ich habe das nächste Level im Reality-Game „Rückkehr ins Büro“ gemeistert. Diesmal habe ich wieder das Scenario „Dienstreise“ gewählt, darin das Level „München“ und die Settings dann wie folgt eingestellt.

  • Zwei Nächte statt einer Nacht —> Unglaublich
  • Bahnfahrt statt Flieger —> Sinneswandel
  • Team-Event statt Dinner —> Krrrrass
  • Bildschirm „off“ —> Wahnsinn!
  • Headset„off“ —> Geht doch nich‘!
  • Social Mode „on“ —> Wirklich?

Aber ich wollte mich ja auch etwas fordern im Vergleich zu >Teil 4 und >Teil 5. Sozusagen eine „New Normal-Challenge“ eingehen, die „Comfort-Zone“ verlassen und etwas „socializen“ und „networken“ … müssen.

Kurzer Bericht für die Krankenakte:

Anreise per Bahn (ich will ja innerdeutsch nicht mehr fliegen). Plätze voll ausgebucht, Wifi „wechselhaft“, 30 Minuten Verspätung … also alles völlig normal.

Beim kurzen Bummel durch die Stadt nahm ich die Innenstadt als übervoll war. Da entwickelte sich etwas Pipi in den Augen, war ich doch „früher“ alle zwei Wochen dort und dann eben mal 2,5 Jahre gar nicht. Null, niente, nix. Komisch wieder dort zu sein. Vertraut irgendwie, aber auch fremd.

Der Campus und die Büros wirkten noch sehr ausgestorben, habe das Gefühl in einem Endzeit-Film rausgekommen zu sein. Alles wirkt gepflegt und sauber, Pflanzen sind noch da, aber es hängen zum Beispiel noch uralte Poster an den Wänden. Auch die typischen Zettelchen zur kollegialen „Erziehung“ sind noch da. „Bitte verlassen Sie diesen Ort, wie sie ihn selber vorzufinden mögen“ oder „Geschirrspülmaschinen kann man auch Einräumen!“. Es wirkt wie im Dornröschenschlaf, wo die Menschen am Hof langsam erwachten.

Zum Mittag war ich in der Kantine. Auf einmal schien es Menschen geregnet zu haben. Voll das Ding, inklusive Schlangen bei den Ausgaben! Jegliche Abstände dahin. Und dann natürlich all die bekannten Gesichter die zufälligerweise ihren „Büro-Tag“ geplant hatten. „Du, hier!???“ Hacke? Ellbogen? Faust? Hand? Bussi? Ungewohnt, ungewollt … unangenehm.

Abends dann der geführte Stadtbummel, der war recht luftig, wenig Sorge. Anschließend ging es in einen Biergarten, da war es dann natürlich deutlich lauter. Ich traf Kollegen die ich noch nie „live“ gesehen habe. Man rutschte dichter zusammen und brüllte über den Tisch, um sich verständlich zu machen.

Nun wieder zurück im Höhlenoffice, werde ich mir wir wohl mal in den nächsten Tagen ein Stäbchen in die Nebenhöhlen drömmeln …

Und dann mal sehen, welches Level als nächstes auf mich wartet 😉

<— Rückkehr ins Büro – Teil 5

—> Rückkehr ins Büro – Teil 7

322) Rückkehr ins Büro – Teil 4

Im Beitrag > Rückkehr ins Büro – Teil 3 hatte ich ja schon angedroht, gelegentlich einen Statusbericht zu geben, was mir denn so bei der Wiedereingliederungsmaßnahme in die „Präsenzarbeit“ widerfährt. Nun dann, darum soll es heute gehen 😉

Zunächst muss ich sagen, dass meine Online-Arbeit eher noch zunimmt. Seitdem ich in ein weiteres Projekt eingestiegen bin, hocke ich noch mehr in virtual Meetings als zuvor. Eigentlich den ganzen Tag. Der UPS-Bote regte sich heute tierisch auf, was mir einfalle, einfach nur den Türöffner zu drücken, statt mit ihm vorher zu sprechen. Vermutlich wollte er mir ankündigen, das Paket einfach unten in die Fahrstuhl-Kabine zu werfen … aber nüscht is’ … das is‘ vorbei mein Freund! Ich erwarte mein Paket auf der Fußmatte, weil ich das eben nicht mit dir diskutieren kann und sowieso zu missverständlichen > Headset-Dialogen mit den Kollegen im Meeting führt.

Aber es gibt auch Fortschritte in Richtung „New Normal“ zu verzeichnen:

Dass ich meinen ersten Flug nach so langer Zeit erfolgreich gemeistert habe, hatte ich schon in >Postkarte aus Oslo geschrieben. Der Transfer zum Flughafen und die Wege dort, waren noch ungewohnt, aber als ich dann oben in den Wolken saß, war alles wie früher. Fahrradfahren, Schwimmen und Fliegen verlernt man wohl nie. Nur das gelegentliche Husten in den anderen Sitzreihen, das ließ mich einige Male zusammenzucken.

Anfang Juni war ich auf einer Mini-Messe hier in Berlin, neudeutsch „Pop-up-Event“. Damit sollte ich nach über zwei Jahren das erste Mal auf andere Business-Typen treffen. Die Frage nach der passenden Kleidung schob ich bis zum Vorabend auf. Schlips und Kragen etwa? Kragen habe ich ausreichend, aber die Krawatten hatte ich Anfang 2022 endgültig entsorgt. Außer „die schwarze“, denn man weiß ja nie. Ein Anzug schien mir irgendwie daneben, schließlich sind das dort alles IT-Leute und die hüpften selbst vor zweieinhalb Jahren schon in Jeans über die Gänge. Also wählte ich ein Outfit, mit dem man eigentlich nicht viel falsch machen kann: ordentliche Jeans, helles Hemd, dunkles Sakko, Business Schuhe. Doch der Großteil der jungen Hüpfer, erschienen im T-Shirt, blau-kariertem Sakko, umgekrempelten, hellbraunen Hosen, quietschbunten Socken und weißen Sneakers. Oder im Hoodie mit Firmen-Logo. Ah ja. Ich bin wohl doch zum Dino geworden.

Der Raum für die Vorträge war eng bestuhlt, Fenster und Türen blieben geschlossen, um den Stadt-Lärm draußen zu halten. Mhm. Irgendwie gewöhnungsbedürftig, dem Sprecher da vorne und seiner Präsentation an der Wand zu folgen. Ein Headset hätte ich mir gewünscht und vielleicht einen Zoom zur Vergrößerung des Bildes. Zum Lunch wurden Häppchen gereicht, im Prinzip wie früher, nur diesmal alles Veggie.

Aber gut. Von mir aus bin ich eben ein Veggie-Dino. Soll es ja auch gegeben haben 😉

Bald mache ich meine erste Post-Corona-Dienstreise ins Frankenland …. oahhhhh.
Dass ich mich da mal drauf freuen würde, das hätte ich auch nie gedacht.

Ich werde berichten.

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