101) Corona-Lektionen 22

Meine Güte, die Zeit rennt, oder? Haben wir uns nicht erst kürzlich damit abgefunden, auf längere Zeit in der Höhle zu hocken. Alles ging „damals“ Schlag auf Schlag. Und nun scheint es genauso schnell wieder rückwärts zu gehen. Aber ist das überhaupt „rückwärts“? Ist das nicht eher ein „seitwärts“ oder etwa ein „anderes vorwärts“. Verwirrend.

Ein paar Gedankengänge der letzten Tage:

Schule: Die wurde nun wieder geöffnet, zumindest für die höheren Klassen. Die mittleren Jahrgänge folgen bald. Sohnemann freut sich schon. Ich lasse ihm die Freude mal noch, denn die wird ihm in der Schule schnell vergehen, glaube ich. Zig Verhaltensregeln scheinen da auf die Kids zu warten und mit seinen Freunden darf er nur auf großer Distanz umgehen. Bin mir nicht sicher, ob das so erfreulich wird.

Maske: Man fühlt sich zwar immer noch wie Darth Vader auf der Zugspitze und all die anderen da draußen wirken wie emotionslose Zombies, aber so langsam gewöhnt man sich an den Stoff vor den Kauleisten, oder?

Zwei Dinge sind mir aber klar geworden:

1. Ich muss meine Ausgehroutine anpassen.

Klopfte ich sonst meine Taschen nach folgendem Schema ab …

  • Schlüssel?
  • Geld?
  • Handy?

… muss ich das nun ändern in …

  • Schlüssel
  • Maske für mich
  • Ersatz-Maske für ein Kind
  • Am besten noch eine Maske … man weiß ja nie
  • Geld?
  • Handy?

… Sonst stehst‘de nämlich dumm da.

2. Die Grenzen der automatischen Gesichtserkennung

Ich weiß nun, warum autokratische Systeme in die Identitätserkennung über die Gangart investiert haben und nicht mehr so sehr in die Erkennung übers Gesicht. Schlau waren die. Als hätten die es gewusst.

Urlaub: Nun auch gecancelt. Nix Flug, nix Insel. Stattdessen rennen wir, wie alle anderen Ex-Reisenden, nun der Kohle hinterher. Aber immerhin herrscht nun Klarheit und man könnte nach Alternativen in Deutschland suchen. Könnte. Denn ich weiß gar nicht ob ich das will. Wenn sich auch nur die Hälfte aller Ex-Reisenden an den deutschen Hotspots trifft, habe ich so meine Zweifel, ob ich dann dort sein will. Bestimmt werden Hotels und Restaurants dann wieder geöffnet sein, aber alles andere ringsherum vermutlich noch sehr stark eingeschränkt bleiben. Will man da mit Millionen anderen maskierten Menschen zwischen rot-weißem-Flatterband am Strand sitzen? Das kann sich jeder selber beantworten.

Oder vereisen wir künftig virtuell? Wie das gehen könnte, darüber hatte ich mir im Januar den Kopf zerbrochen.

Nicht, dass ich da großen Bock drauf hätte, aber vielleicht kommen wir mit Pandemie und CO2 schneller dahin, als uns lieb ist…

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32) Postkarte von Himmelstreifen

Vor Corona zog alle paar Minuten ein Flieger am Sonntag Himmel entlang. Nun, da die meisten Flieger am Boden stehen, sind Kondensstreifen am Himmel schon echt eine Seltenheit geworden.

Schon fast vergessen, wie nervig Reisen auch sein kann, stehe ich dieser Tage da, schaue in den Himmel, zeige mit dem Finger und rufe:

„Schaut mal da, ein Flieger!

Hier ein paar Bilder aus den letzten Wochen:

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Fernweh? Wo sollte es denn hingehen?

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28) Postkarte aus dem Riesengebirge

Und die erste Postkarte des Jahres 2020 kommt aus … na … eine Idee? Dem Riesengebirge! Richtig.

Wer als Berliner dieser Tage mal etwas Schnee sehen will, muss schon etwas Strecke zurücklegen. Also ging‘s ab nach Süd-Ost, dem Winter entgegen.

Und auch hier gab’s, neben Schnee, wieder skurriles zu entdecken:

Die letzte Stunde der Anreise kurvten wir über Tschechische Dörfer und bekamen einen duftenden und feinstaubenden Eindruck, wie wir in den 80-er Jahren noch geheizt haben. Mit Kohle. Am nächsten Morgen erwartete uns aber blauer Himmel, Sonne und Schnee. Die Quelle der Elbe liegt nur einen Steinwurf von hier und man kann diesem „Bach“ gern etwas folgen. Auf Ski, Schlitten oder auf den Füßen.

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Kulinarisch findet man hier bestimmt irgendwo gute böhmische Hausmannskost, vieles ist aber auf den kleinsten Europäischen Nenner standardisiert, dafür aber recht preiswert und man kann mit Rübezahl ein Selfie machen. Wenn man will.

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Hinter unserem Haus stehen einige Wohnwagen. Zunächst dachte ich, die wären dort nur bis zum Sommer abgestellt. Aber gegen Abend herrschte dort reger Betrieb. Der Platz „Autokempink“, ist zwar kein „Kempinski“, dafür aber voll in Betrieb und liegt direkt an der Elbe. Lauschiges Plätzchen.

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Viele Tschechen fahren hier Ski, aber auch Deutsche, Polen, Russen. Auch Belgier, Luxemburger, Dänen und Schweden haben wir gesehen. Und selbst wenn man kein begnadeter Ski-Athlet ist, lässt sich am Rande der Pisten doch viel Schönes entdecken.

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Schön war‘s beim Rübezahl.

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25) Postkarte vom Darß

Selbst wenn man zu Hause gar keine Tapete hat, ist der Darß an der Ostsee eine gute Möglichkeit, mal eine Andere zu sehen. Auch wenn es eine weiße Raufaser ist.

Man kann auf dem Darß bestens Radfahren oder stundenlang am Strand entlanglaufen und mit ihm die großen Fragen des Lebens diskutieren. Antworten hat er auch nicht parat, aber wenigstens dient er mit viel frischer Luft und Wind, der mal wohltuend durchs Obergeschoss pfeift.

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Und natürlich gab es hier oben auch wieder ein paar Skurrilitäten zu entdecken. Auch an der See halten die urbanen Trends ihren Einzug. Da hier aber nun mal nicht unzählige epochale Bauwerke herumstehen, werden die beliebten Liebesschlösser halt am Fußtritt des Fernglases festgemacht. Sicherheit wird groß geschrieben in diesen Tagen. Auch hier.

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Der Souvenirladen um die Ecke konfrontiert uns mit dem Schild „Eisfreie Zone“. Hmmm. Was das wohl bedeuten mag…?

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  • Gibt‘s kein Eis mehr in der „Zone“. Wie vor 30 Jahren? Nicht mal Vanille oder Schoko? Auch kein Soft-Eis?
  • Ist es das schriftliche Versprechen, im kommenden Winter vor dem Geschäft immer ordentlich Salz zu streuen?
  • Dürfen die Eltern zwar ihr hart verdientes Geld dort ausgeben, aber die Kids sollen gefälligst nicht mit ihren verklebten Eisfingern die Postkarten anfassen?
  • Oder ist das alles viel zu kleinteilig gedacht und hier werden die großen Themen der Zeit angekündigt. Gibt’s auch hier nun nie wieder Frost? Von nun  an Palme, Sangria und Ballermann statt Einsamkeit, Wind und Wetter. Ich hoffe doch nicht …

Schönstes Photo der Woche by JR:

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Schön war‘s, … aufm Darß … 😉

Aber bitte nicht weiter sagen.

22) Postkarte aus Amsterdam

Kürzlich waren wir seit Längerem mal wieder in Amsterdam. Hochglanz-Fotos gibt es im Netz schon zu Hauf, also will ich mich auf ein paar Kuriositäten und persönliche Eindrücke beschränken.

Der erste Tag bescherte uns zunächst Regen, also entschieden wir uns für eine Tram-Fahrt zum Rijks-Museum. Und schon beim Betreten der Tram wurden wir überrascht. Im mittleren Teil fanden wir einen Info-Tresen und eine mehrsprachige Dame, die als Ticket-Verkäuferin und rollendes Tourist-Office agierte. Was für eine coole Idee. Wenn man das Konzept auf die Berliner Tram-Linie M10 übertragen wollte, könnte man da noch Bier verkaufen.

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Im Rijks-Museum selber, liefen wir die großen Klassiker der Niederländischen Kunst ab. Van Gogh, Rembrandt und viele andere Künstler. Das folgende Bild fand ich am besten. Über was beklagt sich der Typ in der Mitte da eigentlich? War der Gockel nicht durchgebraten, bereits kalt oder was macht ihn da so unzufrieden? Die anderen um ihn herum singen oder tuscheln. Vermutlich oute ich mich hier jetzt als absoluter Kunst-Banause. Sei es drum.

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Im weiteren Verlauf der großen Bilderausstellung kam das Museum auch auf den übermäßigen Alkohol-Konsum im früheren Holland zu sprechen. Der war auf den alten Gemälden auch mehrfach abgebildet und musste zur Ehrenrettung mal kommentiert werden.

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Am nächsten Tag flossen die Getränke aber in noch größeren Mengen. Es war Canal Parade bzw. Pride-Demo in Amsterdam. Menschen aller Altersklassen, Herkünfte und sexueller Orientierung feierten ausgelassen, während die anderen tanzend auf geschmückten Boten durch die Grachten demonstrierten.

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In Amsterdam gibt es angeblich 3.000 Hausboote. Ausgediente Fischerbote, umgebaute Fähren oder Flöße. Wir hatten selber die Gelegenheit, in einem zu wohnen, das war mal etwas anderes und gar nicht so wackelig wie man vielleicht denkt. Vielleicht auch eine Idee für Deutsche Metropolen, der zunehmenden Wohnungsknappheit zu begegnen?

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In den Geschäften und auch auf den Märkten staunten wir über all den Käse dort. Jung, alt, sehr alt. Mild und würzig. Hunderte Sorten. Da mag man sagen, „ist doch logisch, ist halt Holland“. Ja stimmt. Aber so viel Käse, in solchen Größen und auch noch als „Partyklette“ zum mitbringen, hat mich schon überrascht

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Wie jede andere Metropole hat auch Amsterdam seine Herausforderungen. Die Amsterdamer  wirken dabei aber entspannter und sind an bestimmten Stellen auch konsequenter. In manchen Ecken gilt Alkohol-Verbot auf der Straße, Pi-Pi in der Öffentlichkeit wird saftig bestraft und obwohl Amsterdam ja „die“ Zweirad-Stadt ist, hat sich der E-Scooter-Wahn da noch nicht durchgesetzt. Gut so!

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Müsste ich für Amsterdam ein Wort finden wäre es vermutlich:

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Lust auf mehr Postkarten? Dann schaut doch mal bei Sovely auf https://murmelmeister.com vorbei

 

21) Postkarte aus Kopenhagen

Die Hauptstadt Dänemarks stand schon länger auf der Liste der Kurzreisen. Nun gab es mal Gelegenheit für einen Wochenend-Tripp. Wie so üblich bei meinen Postkarten, geht es hier weniger um die bekannten Touristen-Attraktionen (die findet ihr bei der gängigen Suchmaschine), sondern eher um Skurrilitäten und Beobachtungen.

Taler du dansk?

Als Deutschsprachiger hat man es in Kopenhagen sehr einfach. Auch wenn man hier überall Englisch spricht, ist das meistens gar nicht nötig. Insbesondere bei den geschriebenen Wörtern, macht es echt Freude sie zu entziffern. Noch irgendwelche Frægen?

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Kunst, Architektur und Egon Olsen

Kopenhagen bietet viel Kunst und Kultur. Da wären Oper, Theater und Street-Art in Christiana. Aber auch Aktionskunst, wie diese Debattier-Sauna hier. Moderne Architektur wechselt sich mit nordisch-rotem Klinker-Bau ab. Bei manchen Häusern glaubt man, jeden Moment auf die Olsen-Bande zu treffen. Aber das passiert nur bei uns im Kopf. In Kopenhagen konnte ich nicht mal im Souvenir-Laden irgendwelche Spuren von den drei sympathischen Kleinkriminellen finden. Auch das Wort „Politi“ war nur selten im Stadtbild zu sehen. Sehr angenehm.

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Fahrrad und Verkehr

Kopenhagen zählt sich zu den fahrradfreundlichsten Städten der Welt. Das kann ich nur bestätigen, am ersten Tag waren wir noch zu Fuß unterwegs, am zweiten Tag größtenteils per Rad. Da kann unsere Hauptstadt noch eine Menge lernen. Der Fahrrad-Verkehr läuft in einem eigenen System ab, breite und glatte Radwege stehen zur Verfügung, die meistens sind vom Straßenverkehr und Fußverkehr entkoppelt . Und die Radler halten sich sogar an Ampeln! Berlin? Mal sehen, wie sich die vielen Räder gegen die neue Konkurrenz der vielen E-Roller behauptet.

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Kreuzfahrt

Im Norden der Innenstadt legen die dicken Pötte an. Schwimmende Luxus-Hotels bringen täglich neues Gäste in die Stadt. Viele aus Fernost, aber auch unsere Landsleute sind kaum zu überhören. Bereitgestellte Busse bringen die Besucher zur kleinen Meerjungfrau in der Nähe und dann später in die Altstadt. Währenddessen kommen Versorgungs-LKW, die den Gästen neues Bier, Klo-Papier, Handtücher und braunen Zucker für den Caipi bringen. Prost.

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Altstadt, Hafen und Schlösser

Kopenhagen hat eine schöne Altstadt, einen alten Hafen, aber auch Parks, Burgen, Brunnen und Schlösser. Und die Stadt wächst weiterhin. Es werden neue Gebiete am Hafen geschaffen und sogar neue Schlösser kommen täglich dazu. Und nur weil hier mehr Schlösser verkauft werden, heißt es noch lange nicht, dass man sich dort unsicher fühlt. Dänen zählen zu den glücklichsten Menschen der Welt!

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War wirklich nett hier.

Alle de bedste fra København!

Frühere Postkarten gibt es hier: Postkarten

 

19) Postkarte aus LOS – 1

Eine Postkarte aus LOS? Was soll das denn sein? Hat wohl für Los Angeles nicht gereicht, oder? Korrekt, für einen halbtägigen Samstags-Ausflug ist Los Angeles einfach zu weit weg. Außerdem kann man da nicht so schön paddeln, wie im Südwesten unserer armen aber sexy Hauptstadt. LOS steht in unseren Breitengraden für das Kfz-Kennzeichen des Landkreises Oder Spree. Die Berliner und Brandenburger sind sehr kreativ und nicht gerade zimperlich wenn es darum geht, den Kfz-Kennzeichen der Nachbarkreise eine deftige Bedeutung zu verpassen:

  • So wirft man den Autofahrern des Landkreises Oder-Havel (OHV) gerne vor, „ohne Hirn und Verstand“ zu fahren. Nun ja …  was soll ich sagen …  ganz von der Hand weisen kann ich …, aber egal.
  • Der Landkreis Dame Spree (LDS) hatte irgendwie mehr Glück. Hier kann man wählen, was einem besser gefällt. Entweder „Land der Schönen“ oder „Land der Sonne“. Wenn man sich selber nicht zu den Schönen zählt, kann man über die Sonne wieder viel an Attraktivität gutmachen.
  • Im Landkreis Telto-Fläming (TF) dagegen, sind  angeblich besonders viele Tiefflieger unterwegs. Ich weiß nicht, ob das wohl eher geistig oder auto-mobil gemeint ist.
  • Den Landkreis Oder-Spree (LOS) hat es aber noch härter getroffen. Man hat ihm gleich zwei depressive Bedeutungen verpasst, vielleicht sogar mehr. Die beiden, die ich kenne sind frei von Interpretation. Man spricht von „Land ohne Sonne“ oder auch von „Leben ohne Sinn“.

Wie schlimm muss es dort zugehen? Keine Sonne? Kein Sinn?
Gestern war Sonne und es ergab verdammt viel Sinn, aber schaut selbst.

 

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PS: Liebe Grüße von den Kapverden, die haben wir gerade links passiert haben. Nein, nicht mit dem Paddel-Boot 😉

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18) Postkarte aus Mittelfranken

Wer mal das Bedürfnis verspürt, die heimische Tapete gegen frische Luft und Grünzeug zu tauschen, dem kann ich ein paar Tage in Mittelfranken empfehlen.

Man muss dazu auch kein CO2 in die Luft pusten, man kann bequem mit der Deutschen Bahn anreisen. Das klingt irgendwie unspektakulär und nach Bratwurst mit Sauerkraut, Mittelfranken hat aber durchaus ein paar schöne Flecken zu bieten. Und auch die ein oder andere Kuriosität konnten wir erleben.

Tag 1: Wanderung durch die Schwarzachklamm und entlang dem Ludwig-Donau-Main-Kanal (23 km), weitestgehend flach, etwas überlaufen da Feiertag

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Tag 2: Wanderung durch den Sebalder Reichswald (19 km), flach mit leichten Steigungen, schön ruhig, wenig Trubel, selbst Albrecht Dürer saß hier schon und malte

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Tag 3: Höhlenrundweg rund um Hirschbach (16 km), etwas kürzer, dafür aber rauf und runter, Paradies für Kletterer und Höhlen-Freaks

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Und nun zu den Kuriositäten:

Für die Hinfahrt hält die deutsche Bahn ein Überraschungspaket für mich bereit. Statt 13:37 Uhr fuhr die Bahn bereits um 13:00 Uhr ab. Ohne mich. Im Reisezentrum belehrte man mich, dass doch Bauarbeiten stattfinden und man das im Internet nachlesen könne. Aha. Auf meine Frage, warum die DB-Navigator-App meinen Zug immer noch als „pünktlich“ darstelle, antwortete die Dame am Schalter, dass man das wohl noch nicht aktualisiert hatte. Korrekt. Ich nehme mir vor, das Bahnfahren noch etwas mehr zu üben.

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Der Chinese nahe dem Hotel empfängt uns mit 100 Prozent Chinesischen Genen und  herzhaft fränkischem Dialekt. Als 10 Minuten später eine Chinesische Reisegruppe an der Tafel neben uns platziert wird, entschuldigt er sich schon einmal vorab. Es wird laut werden, aber nur ein halbe Stunde dauern. Und so soll es dann auch sein. Nach 30 Minuten ist der Spuk vorbei. Die Tafel war mit einer großen Einweg-Tischdecke geschmückt, die in Windeseile zusammengerollt und entsorgt wurde. „Nu‘ herrscht wieder Ruh“, sagt der Chinese

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Zum Ende der Höllentour … ähm Höhlentour… laufen wir etwas durch den Ort Hirschbach zurück zum Parkplatz. Dass die Franken gerne deftig essen und auch gern ein Schnäpchsen trinken, ist ja allseits bekannt. Dass sie damit jedoch so offen und ehrlich umgehen, überraschte mich dann trotzdem.

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Also liebe Leser, viele Grüße aus Franken, die nächste Postkarte folgt in Kürze…

Frühere Postkarten mit mehr CO2 gibt es hier: Postkarten-Sammlung

 

17) Postkarte aus Goa 3

Indien, in unserem Fall Goa, bietet so viele Eindrücke, dass ich noch genug Stoff für eine dritte Postkarte von hier habe.

Von Strandbars:

Strandbars gibt es hier alle paar Meter. Die meisten sind „sehr einfach“. Wir konnten ein paar von ihnen für Lunch und Dinner ausprobieren. Das Essen war immer lecker. Es gab viel Fisch, Goan food, Indische Klassiker, aber auch Chinesisch und ein paar Internationale Klassiker wie Pommes oder Pasta. Die Kids haben auch immer etwas gefunden. Wir haben alles gut vertragen, die Reise-Apotheke mussten wir nicht einmal anfassen. Am Mittwoch konnten wir ein interessantes Ritual beobachten. In der Nachbar-Kneipe begann man kurz nach 18:00, die Korbstühle von der Terrasse zu tragen und mitten auf dem Strand zu stellen. Alle anderen Bars zogen nach, bald gab es in den Bars kaum noch Stühle und Tische. Der Grund wurde schnell klar. Erstens gibt es keine Sitzgelegenheiten im Sand, zweitens sind die Sonnen-Untergänge schön anzusehen, drittens sind sie noch viel schöner mit einem kühlen Getränk in der Hand. Da lässt sich doch etwas Business generieren.

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Von der Straße:

Der Verkehr in Goa ist typisch Indisch, wenn auch nicht ganz so stressig wie in den Großstädten. Unser Driver fährt schon seit 20 Jahren und geniesst das „slow live“ hier, gute Voraussetzungen für eine Fahrt mit ihm übers Land. Zeitweise fährt ein Pritschenwagen mit der Aufschrift „On Election Duty“ vor uns. Ich frage den Driver, er verrät mir, dass die EVMs (Wahlmaschinen) wieder aus den Wahl-Lokalen eingesammelt werden. Die Wahlen waren „peaceful“ und manche Wahlbezirke erreichten stolze 80% Wahlbeteiligung. Respekt! Kurze Zeit später folgt der nächste Pritschenwagen voll beladen mit Gas-Flaschen. Gesichert nur durch Schwerkraft und vier Hände.

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Von Terror:

Kaum in Old Goa aus dem Taxi ausgestiegen, marschieren wir direkt auf die Basilika Bom Jesus (erbaut um 1600) zu . Auf meinem Rücken haben ich einen kleinen Rucksack mit Getränken und Sonnenschutz. Eine Sicherheitsmann stoppt uns und informiert, dass Rücksäcke nicht erlaubt sind. Auf meine Frage, wo ich den denn abgeben könne, wirkt er ratlos. Als hätten sie bei der Angelegenheit wenig Erfahrung. Ein anderer Mann springt zur Erklärung ein. „There was a terrorist attack in Sri Lanka“. Natürlich. Auf Menschen in Kirchen und Hotels. Das haben wir hier auch mitbekommen. Natürlich denkt man auch drüber nach, wie schnell man selber davon betroffen sein kann. Besonders in solch symbolträchtigen Gebäuden. Aber genau das wollen diese Idioten ja erreichen. Nein, nicht mit uns! Wir gehen da jetzt rein und schauen uns das an!

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Von Stadt und Land:

Viele Häuser in den Orten sind extrem bunt angemalt. Drumherum ist alles grün, die sind Palmen hochgewachsen.

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Zwischen den Orten werden die Flächen bewirtschaftet. Links und rechts der Straße gibt es z.B. Reis-Felder, Salinen und Wasserbüffel.

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Aber auch die Straße selber wird genutzt. Shrimps liegen am Straßenrand und sollen trocknen. Und auch die Fischer-Netze liegen hunderte Meter lang auf der Straße verteilt und braten in der Sonne.

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Von Menschen:

Etwas skurril ist der Anblick der Menschen am Strand. Zwischen den Orten kann man sehr allein sein, an den Orten wird es voller. Vergleichbar mit unseren Stränden in der Heimat. Allerdings „liegt“ man bei uns eher oder man „schwimmt“ halt. In Goa ist das anders. Da „steht“ man. Wir erklären uns das mit fehlenden Strandkörben und hohem Nichtschwimmer-Anteil. Viele Menschen haben Smart Phones in der Hand und posen aufwändig für die Selfies. Auch unsere Gesichter befinden sich mittlerweile auf unzähligen Indischen Selfies. Mit heller Haut und blonden Haaren sind wir hier die Exoten und gut gebuchte Foto-Motive. Immer höflich und nett angefragt, wissen wir nun, wie sich Promi‘s fühlen müssen.

In der Lobby des Hotels betreibt eine Inderin einen Travel-Office. Sie vermittelt Ausflüge und Taxi-Fahrten an lokale Kleinunternehmer. Natürlich ist das etwas teurer, aber für den Tisch muss sie Miete an das Hotel bezahlen und sie will ja auch noch von etwas leben. Sie hat ihr Netzwerk, kümmert sich um alles und auch die Zahlungsabwicklung läuft über sie. Wir nehmen ihren Dienst gern in Anspruch. Außerdem gibt es wieder Gelegenheit zum quatschen. Ihre Tochter ist 12 Jahre alt und ein Ass in fortgeschrittener Mathematik. Sie kann gigantische Summen mit einem Abakus ausrechnen, ein normaler Taschen-Rechner kann das gar nicht. Zunächst hat sie den nationalen Wettbewerb in Chennai gewonnen und durfte Indien dann noch auf einem Internationalen Event in Malaysia vertreten.

Wir stehen vor der Basilika Bom Jesus und ich mache ein paar Selfies. Ein Inder neben uns macht auch Fotos und bietet sich an, uns zu fotografieren. Wir kommen ins Gespräch, seine Frau und Tochter kommen auch dazu, schnell ergibt sich ein netter Plausch. Er arbeitet in Delhis Süden, in Gurgaon, und zwar bei einer deutschen Firma. Na da werde ich doch hellhörig und siehe da, er arbeitet für den gleichen Laden wie ich! Sofort bequatschen wir, was wir so tun und was uns hertreibt. Er arbeitet gerade an einem Projekt, was ihm eine Dienstreise nach Deutschland ermöglichen könnte. Wir tauschen unsere Daten aus und verabreden uns lose.

So Leute, das war‘s, ich melde mich wieder aus Berlin! Ich hoffe es hat gefallen, Likes und Kommentare wie immer gern gesehen… 🙏🏻

Und hier noch eine Zugabe der Mini-Blogger:

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Frühere Postkarten aus Indien:

16) Postkarte aus Goa 2

Bevor uns der Alltag zurück nach Deutschland befehlt, bleibt noch Zeit für eine zweite Postkarte aus den Tropen.

Von Strand und Sonne:

Wie schon geschrieben, ist der Strand bei Colva sehr breit, flach und sauber. Es gibt Ebbe und Flut, aber moderat. Wasser ist immer zu haben. Es ist warm und salzig, man könnte Nudeln drin kochen. Ich mag es kaum schreiben, aber für mich könnte es glatt etwas kühler sein. In Sand und Wasser gibt es kaum Steine und Muscheln. Man kann also problemlos barfuß ins Wasser gehen. In regelmäßigen Abständen gibt es sogar Life Guards! Die Sonne brennt aber ohne Pause, zwei russischen Pärchen sehen bereits aus wie vier Hummer auf einer Fischplatte. Eincremen muss sein und Badeshirts (auch für Erwachsene) kann ich nur empfehlen! Da die meisten Inder eh alle bekleidet ins Wasser gehen, fällt man damit kaum auf.

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Von Henna und Tattoo:

Meine Tochter wünscht sich so sehr ein Henna Tattoo. Sie ist etwas überfordert wegen all den Motiven, Styles und Farben. Eine junge Frau vor einem der Tattoo-Shops nimmt sich uns an und bringt uns in ihr Studio. Zusammen starten wir Google und wählen ein Muster aus. Ich bin für anderthalb Stunden auf einen Plastikstuhl gefesselt und übe mich in Entschleunigung. Meine Blicke wandern über all die Tattoo-Motive, die an den Wänden hängen. Da gibt es Religiöses, Sportliches, Phantastisches und Tierisches. Oder bei Bedarf kann es auch ein hübscher Reichsadler auf einem Haken-Kreuz sein. Am besten mitten auf die Stirn tätowiert, damit alle sehen können, wie doof man ist.

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Von Flora und Fauna:

Goa ist sehr grün, an der Küste stehen überall Palmen, Mango-Bäume und Büsche mit Blüten in allen Farben. Ab und zu macht es auf dem Hotel-Gelände „Plumps“, dann hat sich eine Mango todesmutig in die Tiefe gestürzt. Die Kokos-Nüsse über meiner Pool-Liege beobachte ich skeptisch. Wenn mir davon eine auf den Kopf fällt, ist Schluss mit der Bloggerei.

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Ansonsten gibt es viele frei laufende Hunde und Katzen, eine morgendliche Begegnung mit einer Kakerlake hatte ich erstaunlicherweise noch nicht und auch die Geckos scheinen einen anderen Platz zum Leben gefunden zu haben. Allerdings landete ein sehr großes Insekt (Zikade?) mitten auf unserem Abend-Tisch. Das Gekreische war groß und ich musste zu drastischen Mitteln greifen. Zum Glück war kein Jain in der Nähe. Das größte Tier, was wir zu sehen bekommen haben, war ein Büffel bei der Wäsche.

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Von Menschen:

Am Pool komme ich mit einem Indischen Papa ins Gespräch. Eigentlich aus Mumbai, lebt die Familie nun in Bengaluru. Geld verdienen, was sonst. Er ist in Sachen IT unterwegs, ich auch, außerdem war ich auch schon in Bengaluru. Also haben wir gleich genug Gesprächsstoff.  Früher lebte er mal ein paar Jahre in London und konnte auf diese Weise auch andere Europäische Städte besuchen. Am liebsten will die Familie mal in die USA, da dort auch andere Verwandte in Dallas leben.

Das Mädel aus dem Tattoo-Studio arbeitet mit ihren zwei Brüdern nur für die Saison hier. Eigentlich kommt die Familie aus Rajasthan. Zu Hause hat sie noch 7 (!) Schwestern. Diesmal darf sie zum ersten Mal bei den Wahlen teilnehmen, beim letzten Mal fehlte ihr eine ID-Card, die man zum Wählen benötigt. Sie geht auf jeden Fall wählen. Sie hat sich für die Kongress-Partei entschieden, gegen die regierende B.J.P. von Modi. Weit weg von ihrer Heimat, kann sie auch aus Goa wählen. Mag man über Wahlmaschinen denken was man will, immerhin wird der Zugang zur Demokratie erleichtert. Briefwahl kann man in Indien vermutlich vergessen.

Ich bin am Tresen und zahle unser Abendessen. Ein alter Inder nähert sich unserem Tisch und spricht meine Family an. Ich stoße dazu. Er behauptet, Deutsch und  noch viele andere Sprachen zu beherrschen. Zunächst vermute ich nur die üblichen Touri-Worte wie „Bayern München“, „Merkel“ oder Oktoberfest“, aber nein er spricht wirklich Deutsch. Er kennt Berlin-Lichtenberg, er weiß, dass Kreuzberger Tage kurz und Kreuzberger Nächte lang sind und dass Berlin seit ca 30 die Hauptstadt Berlins ist. Ui Ui, da muss ich selbst schnell grübeln.  Er bietet uns eine private Kochshow bei sich im Haus oder einen Rundgang durch die Natur an. Beides passt aber nicht ganz in unsere Planung, aber er sammle deutsche Münzen. Na da lässt sich doch bestimmt was machen … 

Frühere Postkarten aus Indien: