485) Uns gehen die Buchstaben aus

Generationsforscher haben es ja eigentlich relativ einfach, wenn sie ihren Generationen Namen geben wollen. Sie buchstabieren sie einfach durch und wenn sie bei x,y,z angekommen sind, na dann machen sie einfach mit dem griechischen Alphabet weiter, dann mit Chinesisch, Hindi usw. Bis die Buchstaben mal alle aufgebraucht sind, gibt‘s schon gar keine Generation mehr auf diesem Planeten.

Schwieriger tun sich da die „Das-Wort-sprechen-wir-mal-besser-nicht-mehr-aus-Ersatzwort-Finder“.

Gestern in den Spät-Nachrichten wurde mir nun das „K-Wort“ präsentiert. Okay K ist also auch vergeben.

„N-Wort“ und „M-Wort“ sind auch schon weg, sie umschreiben frühere Wörter für Menschen mit Afrikanischen Wurzeln, das „I-Wort“ ist für Winnetou and Friends gezogen worden, Das F-Wort ist sogar schon mehrfach in Gebrauch. Von Geschlechtsverkehr, über Feminismus bis Fachkräftemangel. Mit dem „G-Wort“ drückt man sich vor Verantwortung wenn es um Genozide geht.

Tja, da wird es wohl langsam eng im deutschen Alphabet, zumal wir ja vermutlich Außenseiterbuchstaben wie Y und Q niemals verwenden werden. Und es drohen ja schon die nächsten Reservierungen. Nach den furchtbaren Angriffen der Hamas auf Israel stand schnell das Wort „aber“ unter „Beschuss“ und ich las schon vom „A-Wort“. Das „H-Wort“ wird vermutlich der Ersatz für‘s Heizungsgesetz. Das Wort „Einwanderung“ mögen CDU und die Parteien an den Rändern nicht, bei „Migration“ tönen die nicht mehr vorhandenen Sirenen. Als „E“ auch weg und „M“ bald doppelt belegt.

Wer hier schon länger mitliest, der weiß, dass, ich von aufoktroyierten oder zu vermeidenden Worten überhaupt nichts halte. Die sind nur von Zeit und halten meist nicht länger, als das System, das sie erschaffen hat. Sprache entsteht nicht von oben, sondern von unten und es bringt doch überhaupt nichts, wenn diese Leute das eigentliche Wort nicht mehr nutzen, dann aber das Ersatzwort aussprechen. Das ist doch gaga. Sorry.

Oh ich muss Schluss machen. Der „P-Wort“-Dienst klingelt an der Tür. Und das Auto hat keinen Sprit mehr, ich muss noch zur Tanke fahren, 60 Liter „D-Wort“ tanken.

Schönes Wochenende

T.


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12 Kommentare zu „485) Uns gehen die Buchstaben aus

  1. Heute ist ja der Sankt M-Tag. Von wegen M-Wort! Da werden dann M-Züge veranstaltet, mit einem Reiter auf einem Pferd, der in frostiger Kälte seinen M. mit einem armen B. am Strassenrand teilt. Oder war es ein F-Mann? Ich sang früher nämlich „Oh helft ihm doch in seiner Not, sonst ist der bittere Forstmann tot“.

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  2. Was ich mich bei diesem Generationen-Alphabeth ja immer frage:
    Wann und wo fing diese Zählweise an und wo (bei welchem Buchstaben) darf ich mich da als Angehöriger der Boomer-Generation einordnen?

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  3. Das Z-Wort*, das keiner mehr hören will, oder das G-Wort**, das Unmut verursacht, oder das I-Wort***, das Schrecken verbreitet, dann noch das kombinierte NIMBY**** oder IMO***** (Auflösung: * Zei—ende; ** –endern; ***In—tion; **** not in my backyard *****in my humble opinion). Super Thema, T.!!

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  4. Ich hab da eine klare Meinung. Solange die Indianer sich selbst so bezeichnen, mache ich das auch. Und wenn die Mehrheit der Indianer sich anders nennen, dann übernehme ich das. Aber nicht, weil irgendwelche Minderheiten in Deutschland, die nicht mal selbst betroffen sind, das verlangen.

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    1. Ja, das K steht für Krieg, K für Konflikt war schon ausverkauft.

      Aber ich mag den Gedanken, des nicht-mehr-sagens, wenn es dann auch wirklich verschwindet

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