Wenn man die Sprache der Mehrheit nicht versteht, kann man sich schnell ausgeschlossen fühlen. Könnte man meinen. Aber ich kann das auch sehr genießen.
Auf meiner fünfwöchigen Reise durch Nordpolen und das Baltikum war ich oft in genau dieser Situation. Ein paar Wortfetzen verstand ich hier und da, dank urzeitlichen Russischunterrichts. Beschriftungen dagegen sind deutlich einfacher zu entziffern, denn vieles ergibt sich aus dem Kontext und den uns vertrauten Buchstabenfolgen wie zum Beispiel in Muzejs, Informācija, Restorāns, Kafejnīca, Apteek.
Bei Beobachtungen ist es ähnlich. Wenn einem Mädchen die Eiskugel auf den Gehweg klatscht, bin ich ziemlich sicher zu wissen, worüber sie gerade jammert. Genauso, wenn dem Bruder das Fischbrötchen von einer Möwe geklaut wird. Da muss ich die Sprache nicht verstehen.
Aber es ist auch herrlich, mal nichts zu verstehen. All die Passanten, all die Einheimischen, die sich durch die Städte bewegen. Ich höre zwar ein lebhaftes Geplapper, einen Klangteppich aus Stimmen, aber nichts davon muss mich beschäftigen. Ich muss mir nicht anhören, dass bei einem Ehepaar der Haussegen schief hängt. Auch nicht, dass der Jānis sich endlich die Schuhe binden soll oder dass die kleine Lėja nicht mehr laufen kann.
Es kann mir völlig egal sein, ich verstehe nichts und schwebe mit offenen Ohren durch die Stadt.
Am schlimmsten ist es allerdings, wenn man dann derart „ungeschützt“ auf deutschsprachige Reisende trifft.
Tipp: Sucht euch ein Reiseland, in dem ihr die Buchstaben noch lesen könnt, aber trotzdem kaum etwas versteht. Herrlich.
PS: Titelbild via KI











